-
SambiaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2006
-
-
Lampenfieber
Zu den Höhepunkten eines Kongresses gehören nach wie vor die Dramen, die in Kostümen aufgeführt werden. Jeder Mitwirkende nimmt seine Verantwortung ernst, die Person, die er darstellt, gut rüberzubringen. Und dass ein Sambier mit sparsamer Mimik und Gestik schauspielern würde, kann man auch nicht gerade behaupten. Frank Lewis, der früher im Missionardienst war und heute zur Bethelfamilie in den Vereinigten Staaten gehört, erinnert sich: „Die ersten Dramen gab es nicht auf Kassette. Die Brüder mussten ihren jeweiligen Rollentext auswendig lernen. Ich weiß noch, wie wir einmal zu einem Kongress in der Nordprovinz fuhren, wo wir unser erstes Drama hatten, nämlich das über Joseph. Die Post war halt ein bisschen langsam und das Manuskript war noch nicht bei den Brüdern angekommen. Wir mussten bis tief in die Nacht hinein arbeiten, um den Brüdern zu helfen, ihren Text zu lernen. Als das Drama dann aufgeführt wurde, kam die Szene, wo Potiphars Frau lautstark gegenüber ihrem Mann behauptet, Joseph habe versucht, sie zu vergewaltigen. Der Bruder, der Potiphar spielte, bekam auf einmal Lampenfieber, und weg war er. Ich war hinter der Bühne und machte den Souffleur, da sah ich den Bruder von der Bühne zu mir herunterkommen. Schnell erinnerte ich ihn an seinen kurzen Text und schob ihn zurück auf die Bühne. Dann stieß er seine Worte der Verachtung für diesen Mann aus, der der versuchten Vergewaltigung beschuldigt wurde. Er machte das ganz hervorragend. Auch wenn diese Szene bei dem Kongress beinah missglückt wäre, so denke ich doch jedes Mal, wenn ich den Bericht in der Bibel lese: Vielleicht war es ja so! Vielleicht verließ Potiphar wutentbrannt den Raum, beruhigte sich draußen und kehrte dann zurück, um Joseph zu verurteilen.“
1978 wurde das vierjährige Verbot gelockert, mit dem die Regierung die Größe von Kongressen eingeschränkt hatte. Was Dramen angeht, war der Kongress „Siegreicher Glaube“ in diesem Jahr eine ziemliche Herausforderung. Ein ehemaliger reisender Aufseher erzählt: „Auf dem Kongress wurden alle Dramen der letzten Jahre aufgeführt, die für uns ausgefallen waren, weil wir uns in Königreichssälen versammeln mussten. Der Kongress dauerte fünf Tage, und wir hatten fünf Dramen — jeden Tag eins! Damit hatten wir die verpassten Dramen aufgeholt. Es war wirklich schön. Für den Bruder aus dem Bethel allerdings, der alle Dramen abnehmen musste, war das keine leichte Aufgabe, sondern viel Arbeit!“
-
-
SambiaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2006
-
-
[Bild auf Seite 215]
Links: In Kostümen aufgeführtes biblisches Drama (1991)
-