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SambiaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2006
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Feliya darf nicht zur Schule gehen
Nun war es an der Zeit, überprüfen zu lassen, ob solch eine Vorgehensweise rechtens war. Man würde einen Präzedenzfall schaffen. Feliya Kachasu ging in Buyantanshi im Copperbelt zur Schule. Obwohl sie als Musterschülerin bekannt war, wurde sie von der Schule verwiesen. Frank Lewis erzählt, wie der Fall vor Gericht gebracht wurde: „Herr Richmond Smith vertrat uns. Das war keine Kleinigkeit, denn es ging gegen die Regierung. Er hatte gehört, wie Feliya erklärte, warum sie die Fahne nicht grüßen wollte. Das hatte ihn überzeugt, den Fall zu übernehmen.“
Dailes Musonda war damals selbst ein Schulmädchen in Lusaka. Sie erzählt: „Als Feliyas Fall vor Gericht kam, waren wir ausgesprochen hoffnungsvoll, dass es für uns gut ausgehen würde. Brüder reisten von Mufulira an, um bei der Verhandlung dabei zu sein. Meine Schwester und ich waren auch eingeladen. Ich sehe Feliya noch vor mir — in ihrem pastellfarbenen Kleid und mit ihrem weißen Hut. Die Verhandlung dauerte drei Tage. Es waren noch ein paar Missionare im Land; Bruder Phillips und Bruder Fergusson kamen daher ebenfalls. Wir dachten, ihre Anwesenheit wäre hilfreich.“
Der Oberrichter resümierte: „In diesem Fall, der Zeugen Jehovas betrifft, lässt nichts darauf schließen, dass sie Respektlosigkeit der Nationalhymne oder der Nationalfahne gegenüber zum Ausdruck bringen wollen.“ Dennoch entschied er, die Feierlichkeiten seien nichtreligiöser Natur und Feliya könne trotz ihres aufrichtigen Glaubens keine Befreiung von dem Erziehungsgesetz geltend machen. Seines Erachtens waren die Feierlichkeiten eine Forderung, die dem Interesse der nationalen Sicherheit dienen würde. Die Frage, wieso eine solche Forderung an eine Minderjährige den Interessen des Volkes diente, wurde nie geklärt. Feliya durfte nicht zur Schule gehen, solange sie an ihrem christlichen Glauben festhielt!
Dailes erzählt weiter: „Wir waren völlig enttäuscht, überließen aber alles Jehovas Händen.“ 1967, als der Druck immer stärker wurde, verließen auch Dailes und ihre Schwester die Schule. Ende 1968 waren fast 6 000 Kinder von Zeugen Jehovas betroffen.
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SambiaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2006
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[Bild auf Seite 235]
Herr Richmond Smith mit Feliya Kachasu und ihrem Vater Paul
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