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Vergeben und vergessen — Ist das möglich?Erwachet! 1998 | 8. August
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Vergeben und vergessen — Ist das möglich?
MEHR als fünfzig Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 vergangen. Dieser weltumspannende Krieg war der bei weitem barbarischste und verlustreichste Krieg in der Menschheitsgeschichte.
Der Zweite Weltkrieg dauerte sechs Jahre und kostete etwa 50 Millionen Menschen, darunter vielen Zivilisten, das Leben. Zahllose weitere Menschen wurden durch den Krieg körperlich, psychisch oder emotionell zu einem Wrack. Viele, die diese schrecklichen Kriegsjahre miterlebt haben, werden noch heute geplagt von schmerzlichen Erinnerungen an die verübten Grausamkeiten und an geliebte Menschen, die sie damals verloren.
Man erinnert sich an die Grausamkeiten der Nationalsozialisten während des Holocaust, in dessen Verlauf Millionen unschuldiger Menschen hingeschlachtet wurden. Sowohl in Europa als auch in Asien begingen die eindringenden Truppen viele Greueltaten — sie mordeten, vergewaltigten, plünderten und versetzten die Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken. Viele Menschen waren zudem die Leidtragenden von Luftangriffen, die unzähligen unschuldigen Männern, Frauen und Kindern Verwüstungen, Verwundungen und den Tod brachten. Und auf den verschiedensten Schlachtfeldern in der ganzen Welt machten Millionen von Soldaten Schreckliches durch.
Psychische und emotionelle Wunden
Bei unzähligen Menschen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebten und heute noch am Leben sind, sind die vielen psychischen und emotionellen Wunden, die ihnen die schrecklichen Ereignisse im Krieg zugefügt haben, noch längst nicht verheilt. Sie würden ihre furchtbaren, schmerzlichen Erinnerungen gern abschütteln. Aber das ist ihnen nicht möglich. Bei manchen kehren die Bilder der Greueltaten wie ein quälender Alptraum ständig zurück.
Andere hingegen wollen gar nicht vergessen, weil sie nach Vergeltung trachten oder weil sie den Verstorbenen ein ehrenvolles Andenken bewahren möchten. Außerdem besteht weithin die Ansicht, die früheren Greueltaten sollten im kollektiven Gedächtnis der Menschheitsfamilie lebendig bleiben, in der Hoffnung, daß sich dadurch derartige Grausamkeiten nie mehr wiederholen werden.
Vor wenigen Jahren, in den Jahren 1994 und 1995, ließ die Stimmung anläßlich der Veranstaltungen zum Gedenken an den 50. Jahrestag des D-Days (als die Alliierten im Juni 1944 in der Normandie landeten) und an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa (im Mai 1945) erkennen, daß Vergeben und Vergessen für viele Zeitzeugen sehr schwer ist. Oftmals ist zwischen früheren Feinden keinerlei versöhnende Geste möglich. Aus diesem Grund weigerten sich britische Veteranen, zu den Feiern zum Gedenken an die Landung der Alliierten in der Normandie Vertreter aus Deutschland einzuladen.
Über die Greueltaten der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg und die Schwierigkeit, zu vergeben und zu vergessen, schrieb der Autor Vladimir Jankélévitch: „Angesichts dieses abscheulichen Verbrechens geht der natürliche Impuls ... dahin, wütend zu sein, leidenschaftlich gegen das Vergessen zu kämpfen und die Verbrecher — entsprechend dem Versprechen der Richter des Nürnberger Tribunals der Alliierten — bis ans Ende der Erde zu jagen.“ Er meinte außerdem: „In Umkehrung dessen, was Jesus gemäß dem Evangelium des hl. Lukas in einem Gebet zu Gott sagte, würden wir gern ausrufen: ‚Herr, vergib ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun.‘“ (Siehe Lukas 23:34.)
Leider sind von 1945 bis in unsere Zeit hinein unzählige weitere Grausamkeiten verübt worden — in Kambodscha, Ruanda, Bosnien, um nur einige Beispiele zu nennen —, durch die die Erde mit Blut getränkt worden ist. Diese Grausamkeiten haben Millionen Menschen das Leben gekostet, eine Unzahl von Überlebenden zu Witwen und Waisen gemacht sowie das Leben vieler Menschen ruiniert und furchtbare Erinnerungen hinterlassen.
Unser 20. Jahrhundert ist ohne Frage eine Zeit beispielloser Grausamkeiten gewesen. Es ist genauso, wie es die Bibel vor langer Zeit für unsere Zeit voraussagte — die Menschen sind wirklich „brutal“ und „ohne Liebe zum Guten“ (2. Timotheus 3:1-5; Offenbarung 6:4-8).
Was sollte man tun?
Die Reaktionen auf solche Unmenschlichkeiten sind von Mensch zu Mensch verschieden. Die Frage ist: Wie sollte man dazu stehen? Sollte man die Erinnerung daran wachhalten? Oder sollte man vergessen? Bedeutet „sich erinnern“, daß man gegenüber seinen früheren Feinden eine tiefsitzende, böswillige Bitterkeit hegt und sich weigert zu vergeben? Bedeutet „vergeben“ andererseits, in dem Sinn vergessen zu können, daß man jede schlechte Erinnerung völlig auslöscht?
Wie denkt der Schöpfer der Menschheit, Jehova Gott, über die furchtbaren Verbrechen, die in unserem Jahrhundert und in den Jahrhunderten davor begangen wurden? Wird er den Tätern vergeben? Und wäre es von Gottes Seite aus nicht schon zu spät, noch etwas für die Opfer, die durch die Grausamkeiten umkamen, zu tun? Besteht eine realistische Hoffnung, daß den Grausamkeiten, die seit Jahrtausenden an der Tagesordnung sind, jemals ein Ende gemacht wird? Wie wird der allmächtige Gott diese verworrene Situation schließlich beheben?
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Sollte man die Erinnerung an die Vergangenheit wachhalten?Erwachet! 1998 | 8. August
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Sollte man die Erinnerung an die Vergangenheit wachhalten?
„KÖNNEN die Juden den Holocaust vergessen?“ Diese Frage stellte Virgil Elizondo, Leiter des mexikanisch-amerikanischen Kulturzentrums in San Antonio (Texas). Sie führt einem vor Augen, daß sich die Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis einprägen können. Der Genozid an den Armeniern (1915 bis 1923) und das Massaker unter den Kambodschanern (1975—1979) müssen ebenfalls zu den Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts gerechnet werden. Doch damit ist die Liste bei weitem noch nicht vollständig.
In dem Versuch, zwischen den Opfern und ihren Peinigern eine Versöhnung herbeizuführen, haben religiöse und politische Führer bisweilen die Menschen dazu aufgerufen, die erlittenen Grausamkeiten zu vergessen. Das geschah beispielsweise 403 v. u. Z. in Athen (Griechenland). Die Stadt hatte gerade das Ende der unterdrückenden Diktatur der Dreißig Tyrannen miterlebt, einer Oligarchie, die fast alle ihre Gegner im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Weg geräumt hatte. Die neuen Herrscher versuchten, den zivilen Frieden wiederherzustellen, indem sie für die Anhänger der früheren Tyrannei eine Amnestie (von einem griechischen Wort, das „Vergessen“ oder „Vergebung“ bedeutet) erließen.
Vergessen per Erlaß?
Es scheint eine verhältnismäßig einfache Lösung zu sein, die Erinnerungen an die Grausamkeiten, die an unschuldigen Menschen verübt wurden, per Erlaß auszulöschen. Politiker tun dies vielleicht aus Nützlichkeitserwägungen, wie das im alten Griechenland der Fall war und auch in verschiedenen europäischen Ländern nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In Italien wurde 1946 beispielsweise eine Amnestie für über 200 000 Bürger erlassen, die „mehr oder weniger bedeutend an den Untaten des faschistischen Regimes beteiligt gewesen waren“, das berichtete die Zeitung La Repubblica.
Die Beschlüsse von Regierungen oder öffentlichen Institutionen sind eine Sache, die Gefühle der einzelnen Mitglieder einer Gemeinschaft hingegen eine ganz andere. Es ist nicht möglich, einzelne Bürger, die brutalen Konflikten, Massakern oder anderen Greueltaten wehrlos ausgesetzt waren, durch einen Erlaß zu zwingen, das Leid, das sie in der Vergangenheit erlitten haben, zu vergessen.
Allein in den Kriegen des 20. Jahrhunderts sind über 100 Millionen Menschen ums Leben gekommen, viele von ihnen, nachdem sie unsagbar gelitten haben. Würde man noch all die Menschen hinzuzählen, die in Friedenszeiten massakriert wurden, würde die Zahl der Greueltaten ins Unermeßliche steigen. Viele Menschen setzen alles daran, von alldem nichts in Vergessenheit geraten zu lassen.
Personen, die die Erinnerungen gern getilgt sähen
Personen, die die Opfer von Greueltaten oder deren Nachkommen drängen, zu vergeben und zu vergessen, behaupten oftmals, daß es nur zu Entzweiungen führt, wenn man sich an Vergangenes erinnert, insbesondere wenn bereits Jahrzehnte ins Land gegangen sind. Sie sagen, Vergessen vereine, wohingegen Erinnern das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen könne, so tragisch das Geschehen auch gewesen sei.
In dem Versuch, Menschen zum Vergessen zu bewegen, haben sich manche sogar dazu verstiegen, die entsetzlichsten Verbrechen gegen die Menschheit zu leugnen. Durch die Schützenhilfe von selbsternannten Historikern behaupten sie beispielsweise, es habe nie einen Holocaust gegeben.a Sie haben sogar Fahrten zu ehemaligen Vernichtungslagern wie Auschwitz und Treblinka organisiert und Besuchern erzählt, es habe an diesen Orten niemals Gaskammern gegeben — und das trotz des erdrückenden Beweismaterials in Form von Dokumenten und zahllosen Augenzeugenberichten.
Wieso haben derartige falsche „revisionistische“ Ideen in bestimmten Kreisen Erfolg? Weil einige Personen es vorziehen, sich ihrer persönlichen Verantwortung und der ihres Volkes zu entziehen. Warum? Die Gründe sind Nationalismus, die eigene Ideologie und antisemitische oder ähnliche Gefühle. Sobald die Grausamkeiten vergessen seien, so schlußfolgern „revisionistische“ Historiker, verliere sich die Verantwortung. Aber viele Menschen stellen sich diesen verantwortungslosen „Revisionisten“, die ein französischer Historiker „Mörder des Gedächtnisses“ nannte, vehement entgegen.
Sie vergessen nicht
Es ist für die Überlebenden offensichtlich schwierig, zu vergessen, daß sie durch den Krieg oder durch Greueltaten liebe Angehörige verloren haben. Die meisten Menschen, die die Erinnerung an die Massaker und Genozide wachhalten wollen, tun dies jedoch in der Hoffnung, daß die Lehren, die man aus ihrem Leid und dem Leid ihrer Angehörigen zieht, dabei helfen werden, derartige Brutalitäten nicht zu wiederholen.
Die deutsche Regierung beschloß deshalb, den Tag, an dem sich die Entdeckung der Greueltaten der Nationalsozialisten im Konzentrationslager Auschwitz jährt, zum Tag des Gedenkens zu erklären. Der Zweck ist nach Aussage des deutschen Bundespräsidenten folgender: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muß auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“
Auch Papst Johannes Paul II. erklärte anläßlich des 50. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs: „Die Erinnerungen dürfen mit den Jahren nicht verblassen; vielmehr sollen sie unserer und den kommenden Generationen eine ernste Lehre sein.“ Man muß allerdings sagen, daß die katholische Kirche im Gedenken an die Opfer und die Grausamkeiten jener Jahre nicht immer konsequent ist.
Damit künftige Generationen aus den Genoziden im 20. Jahrhundert und in vorangegangenen Jahrhunderten etwas lernen, hat man eine Reihe Museen eröffnet, wie das Holocaust Memorial Museum in Washington (D. C.) und das Beit Hashoah Museum of Tolerance in Los Angeles. Aus dem gleichen Grund sind bewegende Dokumentationen und sonstige Filme zu diesem Thema veröffentlicht worden. Dadurch versucht man zu verhindern, daß die Menschheit aus dem Gedächtnis verliert, wie sehr Menschen unter Menschen zu leiden haben.
Warum sich erinnern?
„Wenn man sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist man verurteilt, sie zu wiederholen“, schrieb George Santayana, ein amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft. Leider scheint es, wenn man die Jahrtausende betrachtet, daß die Menschheit ihre Vergangenheit schnell vergißt und deshalb dazu verurteilt ist, immer und immer wieder dieselben schmerzlichen Fehler zu begehen.
Die lange und grausame Serie der durch Menschenhand verübten Massenmorde zeigt nachdrücklich, daß die Herrschaft des Menschen über den Menschen ein vollkommener Fehlschlag gewesen ist. Warum ist das der Fall? Weil der Mensch immer wieder denselben grundlegenden Fehler begangen hat: Er hat Gott und dessen Gesetze abgelehnt (1. Mose 3:1-6; Prediger 8:9). Und wie die Bibel vorhersagte, begeht heute eine ‘verdrehte Generation’ exakt denselben Fehler und erntet die Früchte (Philipper 2:15; Psalm 92:7; 2. Timotheus 3:1-5, 13).
Da wir den Schöpfer, Jehova, in unsere Abhandlung mit einbezogen haben, stellt sich die Frage: Wie sieht er das Ganze? Was vergißt er, und was behält er in Erinnerung? Kann das schmerzliche Vermächtnis menschlicher Grausamkeiten überwunden werden? Wird „die Schlechtigkeit der Bösen ein Ende nehmen“? (Psalm 7:9).
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Grausamkeiten — Was ist Gottes Lösung?Erwachet! 1998 | 8. August
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Grausamkeiten — Was ist Gottes Lösung?
WIE können Grausamkeiten verhindert werden? Was ist die Lösung? Betrachtet man die Geschichte, wird einem klar, daß der Mensch keine Lösungen zu bieten hat. In der Art und Weise, wie menschliche Führer an diese Thematik herangehen, entdeckt man sogar eine auffällige Diskrepanz, wenn nicht sogar regelrechte Heuchelei.
Ziehen wir als Beispiel das Jahr 1995 heran. Damals jährte sich zum 50. Mal der Tag des Endes des Holocaust unter dem NS-Regime, des Endes des Zweiten Weltkriegs und des Abwurfs der Atombombe. In jenem Jahr besuchten die führenden Köpfe der Welt in vielen Teilen der Erde Gedenkveranstaltungen. Wieso? Sie wollten ihren Abscheu gegen jene Grausamkeiten zum Ausdruck bringen, damit etwas Derartiges nie wiederholt würde. Einigen Beobachtern fiel bei den Veranstaltungen jedoch ein gewisses Quantum an gefährlichen Widersprüchen auf.
Heuchelei
Bei diesen weithin publik gemachten Veranstaltungen wollten sowohl religiöse Vertreter als auch Vertreter der Regierungen als Wohltäter oder zumindest nicht als Übeltäter betrachtet werden. Doch die Länder, die die in der Vergangenheit verübten Grausamkeiten verurteilten, haben selbst Waffenarsenale angelegt und dafür riesige Geldsummen reserviert. Gleichzeitig haben sie so drängende Probleme wie Armut, moralischer Zerfall und Umweltverschmutzung nicht gelöst, oftmals mit dem Argument, ihnen stünden nicht genügend Gelder zur Verfügung.
Die Religionen der Welt versuchen die Geschichte so darzustellen, daß ihr langes Schweigen zu den Grausamkeiten unter Diktaturen vertuscht und ihre stillschweigende Zusammenarbeit mit ihnen verschleiert wird. Diese Religionen haben ihre Anhänger mit keiner Silbe davon abgehalten, einander hinzuschlachten. So haben Katholiken im Zweiten Weltkrieg Katholiken getötet und Protestanten Protestanten, weil sie unterschiedlicher Nationalität waren und auf gegnerischen Seiten standen. Beide Seiten behaupteten, christlich zu sein, praktizierten aber etwas, was in krassem Gegensatz zu Jesu Lehren steht (Matthäus 26:52; Johannes 13:34, 35; 1. Johannes 3:10-12; 4:20, 21). Das gleiche haben auch andere Religionen getan. Noch heute werden in vielen Teilen der Erde von Anhängern der Religionen Grausamkeiten begangen.
Die religiösen Führer zur Zeit Jesu waren Heuchler. Jesus verurteilte sie mit den Worten: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, weil ihr die Gräber der Propheten baut und die Gedächtnisgrüfte der Gerechten schmückt und ihr sagt: ‚Wären wir in den Tagen unserer Vorväter, wir hätten nicht mit ihnen teil an dem Blut der Propheten.‘ Somit legt ihr gegen euch selbst Zeugnis davon ab, daß ihr Söhne derer seid, die die Propheten ermordet haben“ (Matthäus 23:29-31). Diese religiösen Führer gaben vor, gottesfürchtig zu sein, sie waren jedoch Heuchler, die Jesus und seine Jünger verfolgten.
Aus den Berichten der Bibel Lehren ziehen
Man kann Lehren aus der Geschichte ziehen, doch die wirkungsvollsten Lektionen findet man in der Bibel. Sie überläßt die Interpretation der Geschichte nicht menschlichem Gutdünken oder menschlicher Voreingenommenheit, und sie schildert die Geschichte und die Zukunft aus der Sicht Gottes (Jesaja 55:8, 9).
Die Bibel berichtet über gute und über schlechte Ereignisse sowie über gute und über schlechte Menschen. Aus diesen Berichten kann oftmals die richtige Lehre gezogen werden, eine Lehre, die im Einklang mit Gottes Willen ist. Der Apostel Paulus kam, nachdem er eine Reihe von Ereignissen aus der Geschichte des alten Israel aufgezählt hatte, zu dem Schluß: „Diese Dinge nun widerfuhren ihnen fortgesetzt als Vorbilder, und sie sind zur Warnung für uns geschrieben worden, auf welche die Enden der Systeme der Dinge gekommen sind“ (1. Korinther 10:11). Auch Jesus zeigte, daß man etwas aus der Geschichte lernen kann, als er zu seinen Jüngern sagte: „Denkt an Lots Frau“ (Lukas 17:32).
Was Gott in Erinnerung behält und was er vergißt
Aus der Bibel erfahren wir, daß Gott Einzelpersonen, je nachdem wie sie handeln, entweder vergißt oder ihrer gedenkt, das heißt sie in Erinnerung behält. Wer sündigt, aber Reue zeigt, dem vergibt Gott „in großem Maße“ (Jesaja 55:7). Bereut ein böser Mensch und ‘kehrt tatsächlich von seiner Sünde um und verfährt nach Recht und Gerechtigkeit, wird keiner seiner Sünden gegen ihn gedacht werden’ (Hesekiel 33:14-16).
Paulus schrieb: „Gott ist nicht ungerecht, daß er eure Arbeit und die Liebe vergessen würde, die ihr seinem Namen gegenüber erzeigt habt“ (Hebräer 6:10). Aus diesem Grund wird Jehova Menschen belohnen, die bei ihm in guter Erinnerung stehen. Der treue Hiob betete: „O daß du mich im Scheol [dem allgemeinen Grab der Menschheit] verbärgest, ... daß du mir eine Zeitgrenze setztest und meiner gedächtest!“ (Hiob 14:13).
Andererseits wird Gott mit einem reuelosen Übeltäter so verfahren, wie er es gegenüber Moses erklärte: ‘Ich werde ihn aus meinem Buch austilgen’ (2. Mose 32:33). Ja, Gott wird böse Menschen für immer aus seiner Erinnerung tilgen.
Der Richter in letzter Instanz
Gott hat, was die Geschichte angeht, als Richter das letzte Wort (1. Mose 18:25; Jesaja 14:24, 27; 46:9-11; 55:11). Auf Grund seiner überragenden Urteilsfähigkeit wird er die zahllosen Grausamkeiten, die an Menschen verübt wurden, nicht vergessen. Am Tag seines gerechten Zorns wird er alle verantwortlichen Personen und Institutionen richten (Offenbarung, Kapitel 18 und 19).
Dazu wird auch das gesamte System der falschen Religion gehören, das in der Bibel mit dem symbolischen Namen „Babylon die Große“ bezeichnet wird. Über Babylon die Große steht geschrieben: „Ihre Sünden haben sich aufgehäuft bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Taten der Ungerechtigkeit gedacht“ (Offenbarung 18:2, 5).
Diese Religionen hätten ihre Anhänger lehren müssen, das Richtige zu tun, aber sie haben versagt. Darum heißt es in Gottes Wort über alle verweltlichten Religionen, daß in ihnen „das Blut von Propheten und von Heiligen und von all denen gefunden [wurde], die auf der Erde hingeschlachtet worden sind“ (Offenbarung 18:24). Da jene Religionen versäumt haben, ihre Anhänger dahin gehend zu belehren, daß sie Mitmenschen und Mitgläubige lieben, haben sie Blutschuld auf sich geladen.
Eine neue Welt steht bevor!
Der Tag, an dem das Böse vernichtet werden wird, steht endlich bevor (Zephanja 2:1-3; Matthäus 24:3, 7-14). Danach wird eine Zeit kommen, in der die glücklichen Bewohner der Erde weder ‘Trauer noch Geschrei, noch Schmerz’ erleben werden (Offenbarung 21:3-5). Nie wieder wird es zu Grausamkeiten und Massakern kommen, denn die Herrschaft über die Erde wird den Menschen entzogen und dem himmlischen Königreich Gottes übergeben werden, an dessen Spitze der „Fürst des Friedens“, Jesus Christus, steht (Jesaja 9:6, 7; Daniel 2:44; Matthäus 6:9, 10).
In dieser Zeit wird sich die Prophezeiung aus Psalm 46:9 voll und ganz erfüllen, wo es heißt: „Kriege läßt er [Gott] aufhören bis an das äußerste Ende der Erde.“ Dieser Frieden wird ewig anhalten, denn in Jesaja 2:4 wird vorhergesagt: „Nation wird nicht gegen Nation das Schwert erheben, auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen.“ In Psalm 37:11 heißt es deshalb über die Zukunft: „Die Sanftmütigen ... werden die Erde besitzen, und sie werden wirklich ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens.“ Ja, dann wird man sagen: „Die ganze Erde ist zur Ruhe gekommen, ist frei geworden von Ruhestörung. Die Menschen sind fröhlich geworden mit Jubelrufen“ (Jesaja 14:7).
All diese Texte bedeuten, daß eine gerechte neue Welt vor der Tür steht. Und in dieser neuen Welt wird unter der Herrschaft des himmlischen Königreiches Gottes ein weiteres wunderbares Ereignis stattfinden — die Auferstehung der Toten! Gottes Wort garantiert uns: „Es [wird] eine Auferstehung sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten geben“ (Apostelgeschichte 24:15).
Dies wurde von Jesus auf der Erde demonstriert, als er Tote zum Leben zurückbrachte. Zum Beispiel auferweckte er ein Mädchen. In dem Bericht heißt es: „Sogleich stand das Mädchen auf und begann umherzugehen ... Und sie [die Augenzeugen] gerieten sogleich außer sich vor Entzücken“ (Markus 5:42). In der Auferstehung werden Menschen, die Greueltaten zum Opfer gefallen sind, und auch andere Personen, die längst verstorben sind, von den Toten auferweckt werden und die Gelegenheit erhalten, ewig im Paradies auf der Erde zu leben (Lukas 23:43). Und mit der Zeit werden „die früheren Dinge ... nicht in den Sinn gerufen werden, noch werden sie im Herzen aufkommen“ (Jesaja 65:17).
Wer heute eine genaue Erkenntnis aus Gottes Wort, der Bibel, erlangt und Gottes Willen tut, handelt weise. Er wird bei Gott in guter Erinnerung stehen, wenn Gott Greueltaten ein für allemal ein Ende macht und die Opfer wieder zum Leben erweckt. Jesus sagte: „Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus“ (Johannes 17:3).
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