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  • Im Würgegriff der Angst
    Erwachet! 2001 | 22. August
    • Im Würgegriff der Angst

      „Ich habe ein Messer! Halt den Mund, oder ich bring’ dich um!“

      AN EINEM schönen Sommernachmittag war die 17jährige Janea, eine Zeugin Jehovas, in einem öffentlichen Park in Virginia (USA) auf Rollerskates unterwegs. Plötzlich wirkte der Park verlassen, und sie beschloß heimzufahren. Sie saß gerade neben dem Minivan ihrer Familie und zog sich die Rollerskates aus, als ein Fremder auf sie zukam. Mit obigen brutalen Worten verlangte er Sex von Jane, schnappte sie und versuchte, sie in den Minivan zu zerren. Sie schrie so laut sie konnte, doch davon ließ er sich nicht aufhalten.

      „Ich fühlte mich völlig hilflos“, erinnert sich Jane später, „wie ein Zwerg vor einem Riesen. Doch ich schrie und strampelte immer weiter. Schließlich schrie ich zu Gott: ‚Jehova, laß das bitte nicht zu!‘ “ Das schien den Angreifer zu erschrecken, denn er ließ sie plötzlich los und flüchtete.

      Als der Mann, der sie vergewaltigen wollte, in sein Auto sprang, schloß sich Jane zitternd in ihrem Minivan ein. Sie griff zum Handy und zwang sich, ruhig zu bleiben. Sie rief die Polizei an und machte genaue Angaben über den Wagen des Täters und das Autokennzeichen, so daß der Mann wenige Minuten später gefaßt werden konnte.

      Ende gut, alles gut?

      Ja, allerdings nicht sofort. Janes Martyrium hatte gerade erst begonnen. Die Polizei und die Zeitungen lobten sie zwar für ihre Geistesgegenwart und weil sie bei dem Überfall einen kühlen Kopf behalten hatte, doch nachdem der erste Schock vorüber war, hatte Jane alles andere als einen kühlen Kopf. „Nach einigen Wochen verlor ich die Fassung. Mein Körper war ständig in Panik, weshalb ich nicht schlafen konnte. Nachdem ich das einige Wochen mitgemacht hatte, war ich weder in der Lage zu studieren, noch mich sonst irgendwie zu konzentrieren. Außerdem hatte ich regelrechte Panikattacken. Als mir ein Junge aus meiner Klasse, der dem Angreifer entfernt ähnelt, auf die Schulter tippte, um mich nach der Uhrzeit zu fragen, verlor ich beinahe die Beherrschung.“

      Weiter berichtet sie: „Ich fühlte mich hundeelend. Ich zog mich von meinen Freunden zurück, aber durch die Einsamkeit wurden meine Depressionen nur noch schlimmer. Außerdem machte ich mir Vorwürfe, weil ich den Angriff zugelassen hatte, und trauerte dem unbeschwerten, vertrauensseligen Menschen nach, der ich gewesen war, bevor das alles passierte. Es kam mir so vor, als sei dieser Mensch gestorben.“

      Jane machte einige klassische Symptome der sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) durch. Worum handelt es sich dabei? Wie kann man denjenigen helfen, die an den bedrückenden Symptomen der PTBS zu leiden haben? Diese Fragen werden im folgenden Artikel beantwortet.

      [Fußnote]

      a Der Name wurde geändert.

  • Posttraumatische Belastungsstörungen — Worum handelt es sich?
    Erwachet! 2001 | 22. August
    • Posttraumatische Belastungsstörungen — Worum handelt es sich?

      VOR Jahren bezeichnete man die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) meist als Granatschock oder Kriegsneurose. Sie wurde vor allem in Verbindung mit Kriegsveteranen erforscht.a Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Eine PTBS wird längst nicht mehr nur bei Soldaten diagnostiziert. Es reicht, irgendeine traumatische Situation durchgemacht zu haben.

      Als Auslöser kommt alles mögliche in Betracht wie Krieg, ein Vergewaltigungsversuch oder ein Autounfall. Ein Informationsblatt des Nationalen Zentrums für PTBS in den Vereinigten Staaten enthält folgende Formulierung: „Die Diagnose kann nur dann auf PTBS lauten, wenn der Betreffende einer traumatischen Situation ausgesetzt war.“ Dieses Erlebnis „muß eine tatsächliche oder eine angedrohte PHYSISCHE Verletzung oder einen Angriff in irgendeiner Form einschließen“.

      Jane, die im vorhergehenden Artikel erwähnt wurde, erzählt: „Heute weiß ich, daß bei plötzlich auftretender Angst bestimmte Hormone ausgeschüttet werden, die extrem gesteigerte Wachsamkeit bewirken. Ist die Gefahr vorüber, fällt der Hormonspiegel wieder auf den normalen Stand, doch wenn jemand an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet, bleibt er erhöht.“ Die traumatische Situation war zwar vorüber, aber die Angst, die Jane in diesem Moment hatte, wollte sich anscheinend in ihrem Sinn einnisten, etwa so wie ein unerwünschter Mieter, der den Räumungsbefehl ignoriert.

      Wer eine traumatische Situation erlebt hat und ähnliche Nachwirkungen an sich beobachtet, sollte sich unbedingt klarmachen, daß er nicht der einzige ist. In einem Buch über Vergewaltigung beschreibt Linda E. Ledray PTBS als „eine übliche Reaktion normaler Menschen, die eine furchterregende Situation durchlebt haben, in der sie keinerlei Kontrolle über das Geschehen hatten“.

      PTBS als übliche Reaktion zu bezeichnen bedeutet jedoch nicht, daß diese Störung bei jedem auftreten wird, der ein traumatisches Erlebnis hatte. Ledray schreibt: „1992 wurde bei einer Untersuchung festgestellt, daß eine Woche nach einer Vergewaltigung 94 Prozent der untersuchten Opfer die typischen Symptome einer PTBS zeigten und daß dies 12 Wochen später noch bei 47 Prozent der Fall war. Bei 50 Prozent der Frauen, die 1993 vom Sexual Assault Resource Service [eine Organisation für Vergewaltigungsopfer] in Minneapolis betreut wurden, waren noch ein Jahr nach der Vergewaltigung die für eine PTBS-Diagnose erforderlichen Symptome zu beobachten.“

      Diese Statistiken zeigen, daß PTBS viel weiter verbreitet ist, als gemeinhin angenommen wird. Zu den Betroffenen zählen die verschiedensten Menschen, die sehr unterschiedliche Erlebnisse hatten. Die Autoren Alexander C. McFarlane und Lars Weisaeth schreiben: „Aktuelle Studien zeigen, daß nicht nur Soldaten und Kriegsopfer, sondern auch Zivilisten in Friedenszeiten oft traumatische Erlebnisse haben und daß viele, die derartige, häufig auftretende traumatische Situationen erleben, PTBS entwickeln.“ In Einzelfällen haben sogar medizinische Eingriffe oder Herzinfarkte PTBS ausgelöst.

      „Es hat sich gezeigt, daß PTBS ein verbreitetes Leiden ist“, erklären die obenzitierten Autoren. Weiter sagen sie: „Bei einer Befragung von 1 245 zufällig ausgewählten amerikanischen Jugendlichen stellte sich heraus, daß 23 Prozent bereits Opfer sexueller oder anderer körperlicher Gewalt geworden sind sowie Gewalttaten gegen andere erlebt haben. Jeder fünfte der betroffenen Jugendlichen entwickelte PTBS. Das hieße, daß gegenwärtig über 1 Million amerikanische Jugendliche an PTBS leiden.“

      Sollte diese Statistik zutreffen, würde das bedeuten, daß bereits in einem einzigen Land etliche junge Leute von PTBS betroffen sind. Was kann getan werden, um nicht nur diesen Menschen, sondern auch den Millionen anderen Betroffenen weltweit zu helfen?

      Wie kann geholfen werden?

      Wer glaubt, daß er selbst oder einer seiner Bekannten an PTBS leidet, könnte die folgenden Vorschläge ausprobieren:

      Ein geistiges Programm aufrechterhalten. „Ich besuchte immer die Zusammenkünfte im Königreichssaal“, erklärt Jane. „Selbst wenn ich mich nicht auf das Gesagte konzentrieren konnte, wußte ich doch, daß Jehova wünscht, daß ich da bin. Unsere Versammlung ist besonders liebevoll und versteht, jemand zu ermuntern. Die Liebe und Anteilnahme, die mir entgegengebracht wurden, haben mir in all dieser schweren Zeit sehr viel bedeutet.“ Sie erzählt weiter: „Was mir auch geholfen hat, war, in den Psalmen zu lesen. Irgendwie schienen die dort niedergeschriebenen Gebete bedrängter Menschen für mich zu sprechen. Wenn mir beim Beten die Worte fehlten, konnte ich einfach ‚Amen‘ sagen.“

      Nicht mit ermutigendem Beistand sparen. Wer einen Angehörigen hat, der mit den schrecklichen Erinnerungen an ein traumatisches Erlebnis zu kämpfen hat, sollte verstehen, daß dieser nicht überreagiert oder gar absichtlich Schwierigkeiten macht. Auf Grund von Apathie, Furcht oder Zorn mag er nicht in der Lage sein, so auf den gutgemeinten Beistand zu reagieren, wie man es sich wünschen würde. Man sollte jedoch keinesfalls aufgeben. Wie die Bibel sagt, ‘liebt ein wahrer Gefährte allezeit und ist ein Bruder, der für die Zeit der Bedrängnis geboren ist’ (Sprüche 17:17).

      Der Betroffene muß schädliche Bewältigungsstrategien erkennen und meiden. Dazu zählen Drogengebrauch und übermäßiger Alkoholkonsum. Obwohl Alkohol und Drogen kurzfristige Besserung verheißen mögen, tritt bald das Gegenteil ein. Sie tragen meist dazu bei, daß man sich zurückzieht und Menschen abweist, die einem helfen möchten. Außerdem können sie übersteigerten Arbeitseifer, unkontrollierten Zorn, übertriebenes Essen oder Hungern sowie andere Formen selbstzerstörerischen Verhaltens bewirken.

      Man sollte ärztliche Hilfe suchen. Möglicherweise stellt sich heraus, daß der Hilfesuchende nicht wirklich an PTBS leidet, wenn es aber doch der Fall ist, gibt es wirksame Behandlungsmethoden.b Wer professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, sollte gegenüber der betreffenden Person ehrlich sein und sich helfen lassen, die obengenannten Verhaltensweisen abzulegen.

      Es ist gut, daran zu denken, daß körperliche Wunden oft recht schnell verheilen; wer jedoch an PTBS leidet, kann die verschiedensten physischen, mentalen und emotionalen Verletzungen erlitten haben. Im nächsten Artikel geht es darum, welchen Beitrag der Betroffene selbst sowie andere zum Heilungsprozeß leisten können und welche Hoffnung es für all diejenigen gibt, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden.

      [Fußnoten]

      a Siehe die Artikel „Erkennt man sie nach der Rückkehr wieder?“ und „Er kam als Fremder zurück“ im Erwachet! vom 8. November 1982.

      b Jehovas Zeugen empfehlen keine bestimmte Behandlungsmethode, weder medikamentös noch psychiatrisch.

      [Kasten/Bild auf Seite 6]

      Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung

      Viele, die ein traumatisches Erlebnis hatten, durchleben das Trauma in Gedanken immer wieder. Sie können dies normalerweise weder kontrollieren noch verhindern. Die möglichen Folgen sind:

      • Flashback — das Gefühl, die traumatische Situation wiederhole sich

      • Angstträume, Alpträume

      • Neigung zu heftigen Schreckreaktionen bei lauten Geräuschen oder wenn sich jemand unerwartet von hinten nähert

      • Zittern und Schweißausbrüche

      • Herzklopfen oder Atembeschwerden

      • Innerer Aufruhr, wenn man etwas sieht, hört, fühlt, riecht oder schmeckt, was an die traumatische Situation erinnert

      • Angst oder Furcht — das Gefühl, erneut in Gefahr zu sein

      • Probleme, die Emotionen zu kontrollieren, da Erinnerungen unvermittelt Angst, Zorn oder inneren Aufruhr auslösen können

      • Konzentrations- oder Denkschwierigkeiten

      • Schlafstörungen

      • Erregung und dauernde Wachsamkeit vor Gefahr

      • Gefühl des Abgeschaltetseins oder der Empfindungslosigkeit

      • Große Mühe, Zuneigung oder andere tiefe Gefühle zu empfinden

      • Umgebung wird als fremd und unwirklich empfunden

      • Verlust des Interesses an Dingen, die einem früher Freude gemacht haben

      • Schwierigkeiten, sich an wesentliche Details der traumatischen Situation zu erinnern

      • Gefühl des Abgeschnittenseins von der Umwelt und von persönlichen Erlebnissen

      [Bilder auf Seite 5]

      PTBS kann durch eine Vielzahl traumatischer Erlebnisse ausgelöst werden

  • Das Ende aller Angstzustände
    Erwachet! 2001 | 22. August
    • Das Ende aller Angstzustände

      EIN Kriegsteilnehmer leidet möglicherweise selbst nach Beendigung eines Krieges an Alpträumen und plötzlich auftretenden Erinnerungen — so, als sei der Krieg für ihn noch immer nicht vorbei. Jemand anders wurde vielleicht ein Opfer brutaler Gewalt — etwa durch eine Vergewaltigung — und hat das Empfinden, bei diesem schrecklichen Erlebnis sei ein Teil von ihm gestorben. Ein anderer hat eventuell bei einer Naturkatastrophe oder durch einen Unfall einen lieben Angehörigen verloren, und es schmerzt ihn sehr, fortan ohne diesen Menschen leben zu müssen.

      Können derartige Gefühle jemals überwunden werden? Die Antwort stimmt zuversichtlich: Ja, das ist möglich! Bis es soweit sein wird, können alle traumatisierten Menschen bereits aus Gottes Wort, der Bibel, Trost schöpfen.

      Hilfe beim Ertragen eines Traumas

      Vor beinahe 2 000 Jahren geriet der Apostel Paulus in verschiedene furchterregende, lebensbedrohliche Situationen. Seine Schilderungen einiger dieser Erlebnisse sind in der Bibel erhalten geblieben. So schrieb er: „Wir wünschen nicht . . ., daß ihr unwissend seid über die Drangsal, die uns in dem Bezirk Asien widerfahren ist, daß wir unter schwerstem Druck standen, über unsere Kraft hinaus, so daß wir selbst wegen unseres Lebens sehr im ungewissen waren. Tatsächlich, wir hatten in unserem Innern das Gefühl, daß wir das Todesurteil empfangen hatten“ (2. Korinther 1:8, 9).

      Man weiß zwar nicht genau, was damals geschah, aber es handelte sich zweifellos um ein traumatisches Erlebnis (2. Korinther 11:23-27). Wie kam Paulus damit zurecht?

      Seine leidvollen Erfahrungen in der römischen Provinz Asien im Sinn, schrieb er: „Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater inniger Erbarmungen und der Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Drangsal, damit wir die, die in allerlei Drangsal sind, zu trösten vermögen durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden“ (2. Korinther 1:3, 4).

      „Der Vater inniger Erbarmungen und der Gott allen Trostes“ kann den Opfern traumatischer Situationen wirklich helfen. Wie kann man diesen Trost erlangen?

      Wie man Hilfe erlangen kann

      Zuerst um Hilfe bitten. Wenn man sich innerlich wie gelähmt fühlt, ist es gut, daran zu denken, daß andere auch schon dieses Gefühl hatten. Normalerweise sind diejenigen, die derartige Gefühle überwunden haben, gern bereit, anderen zu helfen. Wie der Apostel Paulus möchten viele den Trost, den sie während ihrer Prüfung von Gott erhalten haben, unbedingt mit denjenigen teilen, „die in allerlei Drangsal sind“. Man sollte nicht zögern, einen Zeugen Jehovas seines Vertrauens anzusprechen, und ihn bitten, einem behilflich zu sein, von Jehova, dem „Gott allen Trostes“, Hilfe zu erlangen.

      Anhaltend beten. Beeinträchtigen Zorngefühle die Fähigkeit zu beten, kann man einen geeigneten, geistig reifen Menschen bitten, mit einem zu beten (Jakobus 5:14-16). Jemand, der zu Jehova Gott betet, sollte daran denken, ‘alle Sorge auf ihn zu werfen’. Warum? Petrus schrieb: „Denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5:7). Immer und immer wieder wird in der Heiligen Schrift betont, wie sehr Gott um jeden einzelnen seiner Diener besorgt ist.

      Der Verfasser des 94. Psalms könnte durchaus etwas sehr Traumatisches erlebt haben, denn er schrieb: „Wenn nicht Jehova mir zum Beistand gewesen wäre, hätte meine Seele bald im Schweigen geweilt. Als ich sprach: ‚Mein Fuß wird bestimmt wanken‘, stützte mich deine eigene liebende Güte, o Jehova, fortwährend. Als meiner beunruhigenden Gedanken in meinem Innern viele wurden, begannen deine eigenen Tröstungen meine Seele zu liebkosen“ (Psalm 94:17-19).

      Einigen, die traumatische Streßreaktionen erleben, machen vor allem die „beunruhigenden Gedanken“ zu schaffen, die unter Umständen zu Panikattacken oder ungezügeltem Zorn führen können. Doch innige Gebete können einen ‘stützen’, bis diese Gefühle wieder abklingen. Warum sich nicht vorstellen, von Jehova genauso liebevoll beschützt zu werden, wie fürsorgliche Eltern ihr Kind beschützen würden? Es wäre auch gut, sich an die biblische Zusage zu erinnern, daß ‘der Frieden Gottes, der alles Denken übertrifft, unser Herz und unsere Denkkraft durch Christus Jesus behüten wird’ (Philipper 4:7).

      Jeder Heilungsprozeß — ob körperlich, psychisch oder den Glauben betreffend — erfordert Zeit. Daher wäre es unrealistisch, zu erwarten, daß jemand, dem traumatische Erlebnisse heftig zugesetzt haben, durch das Gebet umgehend Frieden erlangt. Dennoch ist es sehr wichtig, anhaltend zu beten. Dies wird den Betreffenden davor schützen, von posttraumatischen Emotionen übermannt zu werden und zu verzweifeln.

      In Gottes Wort lesen und darüber nachsinnen. Wenn man sich nur schwer konzentrieren kann, könnte man jemand bitten, einem tröstliche Berichte aus der Bibel vorzulesen. Dafür kämen beispielsweise Passagen in Betracht, aus denen hervorgeht, welch tiefe, zärtliche Besorgnis Jehova für treue Menschen empfindet, ganz gleich, wie niedergeschlagen diese sich fühlen mögen oder wie verzweifelt sie sind.

      Jane, von der in den vorhergehenden Artikeln die Rede war, fand in vielen Passagen aus den Psalmen Trost. Dazu zählen Psalm 3:1-8; 6:6-8; 9:9, 10; 11:1-7; 18:5, 6; 23:1-6; 27:7-9; 30:11, 12; 31:12, 19-22; 32:7, 8; 34:18, 19; 36:7-10; 55:5-9, 22; 56:8-11; 63:6-8; 84:8-10; 130:1-6. Anstatt zu viele Bibeltexte auf einmal zu lesen, empfiehlt es sich, in Ruhe über sie nachzudenken und zu beten.

      Beispielloses Leid in unserer Zeit

      So traurig es auch ist, sollte es uns nicht überraschen, daß heutzutage Vergewaltigungen, Morde, Kriege und sinnlose Gewalt überhandnehmen. Warum? Weil Jesus unsere Tage als eine Zeit ‘zunehmender Gesetzlosigkeit’ beschrieb, in der „die Liebe der meisten erkalten“ würde (Matthäus 24:7, 12).

      Seit einigen Jahren sind posttraumatische Streßreaktionen leider nichts Ungewöhnliches mehr — oft sind sie auf genau die Ereignisse zurückzuführen, die Jesus vorhersagte. Gemäß den Bibelberichten in Matthäus, Kapitel 24, Markus, Kapitel 13 und Lukas, Kapitel 21 sagte Jesus für die Zeit des Endes dieser Welt internationale Kriege, Naturkatastrophen, zunehmende Gesetzlosigkeit und Lieblosigkeit vorher. Doch Jesus wies auch darauf hin, daß Erleichterung naht.

      Nachdem er das epidemische Auftreten traumatischer Situationen in der ganzen Welt und den Beginn der darauf folgenden „großen Drangsal“ beschrieben hatte, gab Jesus einen bemerkenswerten Rat: „Richtet euch auf und hebt eure Häupter empor, denn eure Befreiung naht“ (Matthäus 24:21-31; Lukas 21:28). Angesichts der sich verschlimmernden Weltverhältnisse darf man in der Tat sicher sein, daß das bestehende System der Dinge, welches so viel Leid verursacht hat, eine große Drangsal erleben wird, die in der Beseitigung aller Bosheit gipfeln und ein gerechtes neues System einleiten wird (1. Johannes 2:17; Offenbarung 21:3, 4).

      Es sollte uns nicht überraschen, daß die Befreiung erst kommt, nachdem Bosheit und Gewalttat einen Höchststand erreicht haben. Die Strafgerichte, die Gott in der Vergangenheit über die Welt der Tage Noahs und über die bösartigen Bewohner von Sodom und Gomorra brachte, folgten einem ähnlichen Muster. Diese früheren Vollstreckungen des göttlichen Urteils lassen erkennen, was in Zukunft passieren wird (2. Petrus 2:5, 6).

      Das Ende traumatischer Erinnerungen

      Wer an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet, fragt sich möglicherweise, ob die schrecklichen Erinnerungen jemals überwunden sein werden. Die Antwort lautet eindeutig: Ja, sie werden! In Jesaja 65:17 erklärt Jehova: „Ich schaffe neue Himmel und eine neue Erde; und die früheren Dinge werden nicht in den Sinn gerufen werden, noch werden sie im Herzen aufkommen.“ Obwohl die emotionalen Narben vergangener traumatischer Erlebnisse scheinbar bleibend sind, enthält dieser Bibeltext die Zusicherung, daß der Tag kommen wird, an dem ihre zerstörerische Macht völlig verschwunden sein wird.

      Heute, mehr als ein Jahr nach dem Vergewaltigungsversuch, dient Jane als Pionierin (Vollzeitverkündigerin) von Jehovas Zeugen. „Erst über 8 Monate nach dem Angriff, als die Gerichtsverhandlung vorüber und der Mann, der mich angegriffen hatte, verurteilt war, fühlte ich mich wieder wie ich selbst“, berichtete sie vor kurzem. „Letztes Jahr um diese Zeit hätte ich mir nicht vorstellen können, jemals wieder den Frieden und die Freude zu verspüren, die ich heute habe. Ich danke Jehova für die wunderbare Hoffnung auf ewiges Leben und die Möglichkeit, diese Hoffnung mit anderen zu teilen“ (Psalm 27:14).

      Diese Hoffnung kann Opfern einer PTBS, denen Verzweiflung und lähmende Empfindungslosigkeit zu schaffen machen, ebenfalls Halt geben.

      [Bild auf Seite 8]

      Der Besuch christlicher Zusammenkünfte kann einem helfen zurechtzukommen

      [Bilder auf Seite 8, 9]

      Das Lesen in Gottes Wort und das Gebet können eine Stütze sein

      [Bild auf Seite 10]

      Bald werden alle traumatischen Erlebnisse der Vergangenheit angehören

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