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Verantwortungsbewußt für die Familie sorgenDer Wachtturm 1998 | 1. Juni
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Verantwortungsbewußt für die Familie sorgen
„VÄTER, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie weiterhin auf in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas“ (Epheser 6:4). Durch diese inspirierten Worte zeigte der Apostel Paulus eindeutig, wer dafür verantwortlich ist, sich um die Familie zu kümmern: der Vater.
In den meisten Familien ist der Vater nicht der einzige, der für die Kinder sorgt. Seine Frau, die Mutter seiner Kinder, trägt gewöhnlich gern einen Teil der Last mit. König Salomo erklärte deshalb: „Höre, mein Sohn, auf die Zucht deines Vaters, und verlaß nicht das Gesetz deiner Mutter“ (Sprüche 1:8).
Sich um materielle und geistige Belange kümmern
Eltern, die ihre Kinder lieben, werden sie nicht absichtlich vernachlässigen. Für Christen wäre das gleichbedeutend damit, ihrem Glauben abzuschwören, was aus folgenden Worten des Paulus an Timotheus ersichtlich ist: „Bestimmt hat jemand, der für die Seinigen und besonders für seine Hausgenossen nicht sorgt, den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger“ (1. Timotheus 5:8). Christen sind sich bewußt, daß die Erziehung der Kinder „in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas“ einiges mehr erfordert, als lediglich in materieller Hinsicht für sie zu sorgen.
Betrachten wir doch einmal, mit welchen Worten Moses die Israeliten ermahnte, als sie kurz vor dem Einzug in das Land der Verheißung in den Ebenen Moabs lagerten. Damals rief er ihnen nochmals Gottes Gesetz in den Sinn und gab ihnen folgende Anweisung: „Ihr sollt diese meine Worte auf euer Herz und eure Seele legen“ (5. Mose 11:18). Zuvor hatte er sie daran erinnert, Jehova mit ihrem ganzen Herzen, ihrer ganzen Seele und ihrer ganzen Tatkraft zu lieben, und er fügte noch hinzu: „Es soll sich erweisen, daß diese Worte, die ich dir heute gebiete, auf deinem Herzen sind“ (5. Mose 6:5, 6). Für israelitische Eltern war es also äußerst wichtig, die Worte aus Gottes Gesetz in ihr Herz eindringen zu lassen. Mit einem Herzen voller Wertschätzung für geistige Dinge konnten sie die anschließenden Worte des Moses erfolgreich in die Tat umsetzen: „Du sollst sie [die Worte des Gesetzes Gottes] deinem Sohn einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst“ (5. Mose 6:7; 11:19; vergleiche Matthäus 12:34, 35).
Beachten wir, daß Väter diese Worte ihren Kindern „einschärfen“ und „davon reden“ sollten. Das Deutsche Wörterbuch von Gerhard Wahrig definiert „einschärfen“ mit „eindringlich ins Gedächtnis prägen“, „drängend zu etwas ermahnen“. Wenn Eltern tagaus, tagein über Gottes Gesetz sprachen — morgens, mittags und abends —, wurde den Kindern vieles vermittelt. Während die Kinder die Liebe ihrer Eltern zu Gottes Gesetz spürten, fühlten sie sich gedrängt, ein enges Verhältnis zu Jehova aufzubauen (5. Mose 6:24, 25). Interessanterweise wies Moses die Väter ausdrücklich dazu an, ihre Kinder zu unterweisen, ‘wenn sie im Haus saßen’. Das gehörte zu der Sorge um die Familie. Doch wie verhält es sich heute?
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Verantwortungsbewußt für die Familie sorgenDer Wachtturm 1998 | 1. Juni
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„Vaterlosen“ Knaben und Mädchen beistehen
Christliche Älteste sollen ‘die Herde Gottes hüten’ (1. Petrus 5:2, 3). Wenn sie die einzelnen Familien in ihren Versammlungen in regelmäßigen Abständen besuchen, haben sie Gelegenheiten, Eltern zu loben, die ihrer Verantwortung als Christen nachkommen. Wer ist in Einelternfamilien dafür verantwortlich, die Kinder zu belehren? Vergessen wir niemals, daß diese Verantwortung auf dem alleinerziehenden Elternteil ruht.
Christliche Besonnenheit wird Ältesten helfen, brenzlige Situationen zu vermeiden, die entstehen könnten, wenn sie die Rolle des fehlenden Elternteils an sich reißen würden. Zwei Brüder können zwar eine alleinerziehende Schwester besuchen, werden aber bei Vereinbarungen, das Familienstudium zu unterstützen, stets umsichtig sein. Wenn die Kinder (und natürlich auch der alleinerziehende Elternteil) von Zeit zu Zeit eingeladen werden, bei dem Familienstudium eines Ältesten dabeizusein, wird das für sie ermunternd und von praktischem Wert sein. Vergessen wir jedoch nicht, daß Jehova unser großer himmlischer Vater ist. Er läßt der Mutter ganz bestimmt Führung und Hilfe zuteil werden, wenn sie mit den Kindern studiert, auch wenn sie das Studium allein leitet.
Was aber, wenn ein junger Mensch geistig gesinnt ist, die Eltern sich jedoch wenig oder gar nicht darum kümmern, ihrer Verantwortung auf geistigem Gebiet nachzukommen? Als Jehovas treue Diener brauchen wir niemals entmutigt zu sein. „Dir befiehlt sich der Unglückliche an, der vaterlose Knabe“, sang der Psalmist. „Du selbst bist sein Helfer geworden“ (Psalm 10:14). Liebevolle Älteste in der Versammlung werden ihrerseits alles daransetzen, die Eltern in ihrem Bemühen zu bestärken, für ihre Kinder zu sorgen. Vielleicht schlagen sie eine Unterhaltung im Familienkreis vor, bei der sie zugegen sind, um dann praktische Vorschläge zu unterbreiten, wie man zusammen studieren kann. Sie werden also nicht den Eltern die Verantwortung abnehmen, die gemäß der Bibel auf deren Schultern ruht.
Kinder, deren Eltern nicht gläubig sind, benötigen viel Unterstützung. Sie in ein Familienstudium mit einzubeziehen kann für sie sehr förderlich sein — vorausgesetzt, ihre Eltern haben nichts dagegen. Robert, der inzwischen erwachsen ist und jetzt eine eigene Familie hat, war erst drei Jahre alt, als er zusammen mit seinen Eltern die christlichen Zusammenkünfte besuchte. Selbst als seine Eltern keine Gemeinschaft mehr mit der Christenversammlung pflegten, dachte er noch gern an die Zusammenkünfte zurück. Mit zehn Jahren lernte er einen Jungen kennen, dessen Eltern Zeugen Jehovas waren und der ihn zu den Zusammenkünften mitnahm. Die Eltern des Jungen nahmen Robert gern als geistiges Waisenkind unter ihre Fittiche und studierten später auch mit ihm. Dank ihrer liebevollen Fürsorge machte er schnell Fortschritte, so daß er jetzt glücklich darüber ist, als Ältester in der Versammlung zu dienen.
Auch wenn Eltern sich dem Fortschritt ihrer Kinder in den Weg stellen, sind die Kinder nicht auf sich allein gestellt. Jehova ist und bleibt unser treuer himmlischer Vater. In Psalm 68:5 heißt es: „Ein Vater von vaterlosen Knaben ... ist Gott in seiner heiligen Wohnung.“ Jungen und Mädchen, die in geistiger Hinsicht vaterlos sind, wissen, daß sie sich an ihn im Gebet wenden können und daß er sie stützen wird (Psalm 55:22; 146:9). Jehovas Organisation kommt wie eine Mutter ihrer Verantwortung gewissenhaft nach, wunderbare geistige Mahlzeiten zuzubereiten, die in Form von Literatur und in den Zusammenkünften der über 85 000 Versammlungen auf der ganzen Welt serviert werden. Durch die geistige Hilfe von Jehova, unserem Vater, und seiner Organisation, die einer Mutter gleicht, können selbst „Vaterlose“ in gewissem Umfang die Bibel studieren.
Christliche Eltern, die mit ihren Kindern regelmäßig die Bibel studieren, sind sehr zu loben. Alleinerziehende Eltern, die unbeirrt fortfahren, ihre Kinder in Jehovas Wegen zu unterweisen, verdienen besondere Aufmerksamkeit und ein großes Lob für ihre Anstrengungen (Sprüche 22:6). Alle, die sich um Kinder kümmern, die in geistiger Hinsicht vaterlos sind, wissen, daß dies unserem himmlischen Vater, Jehova, gefällt. Für die geistigen Bedürfnisse der Familie zu sorgen ist eine schwere Verantwortung. ‘Lassen wir jedoch nicht darin nach, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten’ (Galater 6:9).
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