Telefone auf Rädern — Wie funktionieren sie?
STELL dir vor, du könntest überall in der Welt anrufen — in Hongkong, in Paris, in Melbourne —, und das nicht nur von zu Hause aus, sondern selbst dann, wenn du mit dem Auto unterwegs bist. Den Telefongesellschaften schwebt vor, das Telefon im Auto ebenso alltäglich werden zu lassen wie das Telefon in der Wohnung.
Telefone auf Rädern sind zwar nichts Neues, aber heute sind sie immer mehr im Kommen. Dafür gibt es drei Gründe. Der erste ist, daß der Wettbewerb unter den Telefongesellschaften die Kosten für ein bewegliches Telefon so stark gedrückt hat, daß es für mehr und mehr Leute erschwinglich wird.
Der zweite Grund ist, daß die regionalen Telefongesellschaften ihren Kunden neue Möglichkeiten zur häufigeren Telefonbenutzung erschließen können, weil, wie zum Beispiel in den Vereinigten Staaten, Fernsprechmonopole aufgehoben und staatliche Auflagen zurückgenommen werden. Eine dieser Möglichkeiten ist das Autotelefon, mit dem man von Orten aus telefonieren kann, wo das bisher schwierig war. Die Telefongesellschaften stellen folgende Überlegung an: „Je unkomplizierter und bequemer das Telefonieren ist, desto mehr wird telefoniert und desto mehr verdienen wir.“
Der dritte Grund ist, daß die Technik sich mit halsbrecherischem Tempo weiterentwickelt. Schlüsselprodukte der Technik sind Computer, und diese bilden das Herzstück des zellularen Funk-Telefonnetzes.
Was ist ein bewegliches Telefon?
Ein bewegliches Telefon ist nichts anderes als ein Funkgerät, mit dem man empfangen und senden kann und das wie ein Telefon aussieht. Ganz zu Anfang hatten diese drahtlosen Telefone nicht einmal eine Wählscheibe, und wenn man jemand anrufen wollte, mußte man auf eine spezielle Telefonistin warten, die das Gespräch anmeldete. Zudem war die Zahl derjenigen, die gleichzeitig über Funk telefonieren konnten, wegen der begrenzten Anzahl von Funkkanälen eingeschränkt. Außerdem hatte die Telefongesellschaft, die einen beweglichen Funkdienst anbot, gewöhnlich nur eine einzige Sende- und Empfangsantenne für alle Telefongespräche, die im gesamten Stadtbereich von Fahrzeugen aus geführt wurden. Wenn sich also jemand zu weit davon entfernt hatte, konnte er sein Autotelefon nicht mehr benutzen.
Warum wird das Funktelefon neuerdings auch als zellulares Telefon bezeichnet? Es ist nach wie vor ein Funkgerät — jetzt mit Wählscheibe oder Tastenfeld. Doch gegenüber früher gibt es heute viel mehr Antennen. Jedes Gebiet, das sich in Reichweite einer Antenne befindet, wird Zelle genannt, deshalb spricht man von einem zellularen Telefon.
In den Vereinigten Staaten gibt es außer mehr Sende- und Empfangsantennen auch mehr Kanäle oder Frequenzen je Anlage. Jede bedient ein Gebiet von etwa 260 Quadratkilometern. Was bedeutet das für den Besitzer eines drahtlosen Telefons? Meist wird er nicht mehr wie bisher auf eine Verbindung zu warten brauchen, denn in jeder Zelle sind immerhin 40 bis 50 Gespräche gleichzeitig innerhalb eines größeren Gebiets möglich.
Wie funktioniert es?
Wenn man den Hörer eines zellularen Telefons abnimmt, wird ein Signal über die nächste Antenne an die zellulare Vermittlungsstelle gesandt. Dort entschlüsselt ein Computer den ungefähren Standort des Anrufers und teilt dem Telefon einen Funkkanal zu, über den das Gespräch übertragen wird. Das Umschalten von Senden auf Empfang und umgekehrt erfolgt automatisch, so daß die Wirkung die gleiche ist wie beim Telefonieren von zu Hause aus.
Was geschieht, wenn man beim Telefonieren den Bereich einer Antenne verläßt? Der Computer in der zentralen Vermittlungsstelle verfolgt das Funksignal während des Gesprächs. Sobald sich das Signal aufgrund einer Ortsänderung abschwächt, schaltet der Computer das Telefon auf einen Kanal um, der zu einer näher gelegenen Funkzelle gehört. Das geschieht automatisch — in etwa einer viertel Sekunde. Man kann also ein Gespräch führen, ohne das Umschalten zu bemerken.
Zellulare Telefone sind nicht auf private Kraftfahrzeuge beschränkt. Sie sind auch in Linienbussen, Taxis und auf Fähren zu finden. Einige Golfclubs haben ihre Golfkarren damit bestückt, damit leitende Angestellte für ihre Firma stets erreichbar bleiben können. Manche Firmen bieten sogar ein Telefon an, das man in der Aktentasche mitnehmen kann. Wer es also möchte, ist sogar beim Spazierengehen erreichbar und kann auch jederzeit jemanden anrufen.
Zellulare Telefone sind derzeit in den Ländern Europas und Nordamerikas sowie in anderen Industrienationen rund um die Welt bekannt. Je beweglicher eine Gesellschaft wird, desto mehr Menschen werden, wenn sie unterwegs sind, mit Freunden oder Geschäftspartnern Kontakt aufnehmen wollen. Mit weiteren Anwendungsmöglichkeiten für das Telefon auf Rädern ist also zu rechnen.
[Diagramm auf Seite 27]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
Das Gebiet in Reichweite einer Antenne wird als Zelle bezeichnet. Der Anrufer wird über die zentrale Vermittlungsstelle mit dem öffentlichen Fernsprechnetz verbunden.
Antenne einer Zelle
Zentrale Vermittlungsstelle
Fernsprechnetz
Gewünschter Fernsprechteilnehmer