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Erwachet! 1975
g75 22. 9. S. 25-27

Möchtest du ein Gemälde kaufen?

Vom „Awake!“-Korrespondenten in Italien

DIE Nachfrage nach Gemälden ist in Italien in den letzten Jahren stark gestiegen. Gleichzeitig sind auch die Berichte in der Presse häufiger geworden, die von aufsehenerregenden Kunstdiebstählen berichten. Aus katholischen Kirchen und aus Museen wurden Meisterwerke der Malerei gestohlen, und man nimmt an, daß die gestohlenen Gemälde häufig ins Ausland verkauft werden, um dort die Wände eines Kunstliebhabers zu zieren. Es ist zur Zeit Mode, Gemälde aller Art zu kaufen, und dies nicht nur in Italien, sondern auch in vielen anderen Ländern.

Hast du vor, ein Gemälde zu kaufen? Erscheint dir eine Wand in deiner neuen Wohnung zu kahl? Hast du vor, dein Wohnzimmer zu verschönern? Oder willst du Geld in Kunstwerken investieren? Ein gutes Gemälde kommt vielen Wünschen entgegen.

Doch nicht jeder weiß, wie man richtig wählt. Wenn du gern Rat auf diesem Gebiet haben möchtest, so kennen wir einen Künstler, der seit dreißig Jahren Maler ist. Einige seiner Werke befinden sich in Kunstmuseen überall in der Welt. Wir laden dich ein, uns zu begleiten, wenn wir ihn besuchen.

Wir haben Glück. Er ist in seinem Atelier und ist gerade nicht beschäftigt. Nach der gewohnten Begrüßung erklären wir ihm, daß wir vorhaben, Bilder zu kaufen, und daß wir gern seinen Rat hätten.

„Wieviel wollen Sie ausgeben?“ fragt er. „Man bekommt heute Bilder in allen Preislagen.“

Er sucht ein Bild mit einer malerischen Seine-Landschaft heraus und stellt es so hin, daß das Licht im Atelier günstig darauf fällt. Dann fährt er lächelnd fort: „Viele machen es sich einfach. Sie kaufen einen Katalog, in dem die Gemälde abgebildet sind und Angaben über Größe, Preis und Künstler gemacht werden. Dazu gehört gewöhnlich noch eine werbewirksame Beschreibung mit Gutachten über den Wert der Bilder sowie verschiedenen anderen Informationen. Der Bilderkauf ist dann eine rein geschäftliche Angelegenheit.“

Kann es sein, daß ein Bild mehr kostet, als es wirklich wert ist?

„Ja, natürlich. Der Preis kann maßlos übertrieben sein. Man zahlt für den Namen.“ Mit seinen Armen und seinem Kopf gestikulierend, fährt er fort: „Es ist eine Schande, wie leicht man betrogen werden kann.“

Läßt sich eine Regel aufstellen, gemäß der sich ein angemessener Preis nach der Größe des Gemäldes oder nach einem anderen Maßstab festlegen läßt?

„Nun“, sagt er mit ruhiger, abwägender Stimme, „auf keinen Fall kann man den wahren Wert lediglich nach der Größe festlegen. Ein kleines Gemälde kann sogar eine Milliarde Lire wert sein, wogegen ein großes Gemälde vielleicht nur 100 000 Lire wert ist.“a

Wir schauen ihn überrascht an, während er zu einem großen Bild einer jungen Frau hinübergeht, das unsere Aufmerksamkeit fesselt. Wir betrachten es von der Seite und sind begeistert von der Harmonie der Licht- und Schatteneffekte. Woher soll man aber wissen, ob man ein Original oder nur eine Kopie vor sich hat?

Als ob er geahnt hätte, welche Frage wir stellen würden, sagt er: „Sie denken wahrscheinlich, daß es jemand geben muß, der zuverlässig feststellen kann, ob es sich wirklich um ein Original handelt. Es stimmt zwar, daß es Kunstprofessoren, große Lehrmeister, Fachschriftsteller und Kunstexperten gibt. Doch beachten Sie, wie die Wirklichkeit aussieht. Vor kurzem war die berühmte ,Gioconda‘ oder ,Mona Lisa‘ auf einer Ausstellung zu sehen. Einige sagen, sie sei ein Werk Leonardo da Vincis, doch die Experten sind sich dessen nicht sicher. Wenn man noch nicht einmal die Maltechnik eines so großen und berühmten Künstlers erkennen kann, wie soll man dann das Werk eines weniger bekannten Malers erkennen können?“

„Und Sie müssen auch immer daran denken“, fährt unser Künstler fort, „daß der Preis eines Bildes großenteils durch den Namen des Malers bestimmt wird. Beispielsweise kann ein großer Künstler unerkannt sein und deshalb keinen Erfolg haben. Das führt dazu, daß seine Gemälde billig verkauft werden. Dagegen setzt man die Preise bei Bildern von Künstlern, die weit und breit bekannt sind, viel höher an.“

Dies alles war sehr aufschlußreich. Unsere nächste Frage ist von speziellerer Art. Wie kann man entscheiden, ob man ein bestimmtes Gemälde kaufen sollte oder nicht?

„Zuerst können Sie feststellen, wie genau die Details gemalt wurden. Daran kann man ablesen, wieviel Arbeit das Bild gemacht hat. Man sollte auch darauf achten, daß es sich um Kunst handelt, die den Schöpfer ehrt. Zudem kommt es auf das Motiv an. Man muß sich fragen, ob es einem gefällt und das Gefühl anspricht. Außerdem muß man feststellen, wieweit es zu der übrigen Einrichtung paßt. Und dann besteht noch die Frage, ob man es sich leisten kann. Der Preis kann zwischen 50 000 und 500 000 Lire schwanken.“

Wir sind vertraut mit den großen Künstlern der Renaissance. Heute gibt es noch Maler, die ungefähr dieser Stilrichtung folgen. Dies läßt weitere Fragen in uns aufsteigen. Was soll man von den modernen Stilrichtungen halten? Warum spricht man oft so verächtlich darüber?

„Ich bin froh, daß Sie diese Frage aufwerfen“, antwortet der Maler mit leicht erregter Stimme. „Manchmal werden ungeheuerliche Preise für Bilder verlangt, die in Wirklichkeit bloß Farbklecksereien und eine Beleidigung für die Augen sind. Wie es dazu kommt? Es gibt Spekulanten, die sich einen Stamm von Kunstliebhabern heranziehen. Diese Händler lassen für Geld alles mit sich machen. Sie jubeln Pseudokünstler hoch, die den Gemäldemarkt mit gräßlichen Darstellungen überschwemmen, die die Wirklichkeit entstellen und den Betrachter beleidigen.“

Man kommt aber nicht darum herum zuzugeben, daß solche Gemälde doch beliebt sein müssen, wenn sie in derartig großer Zahl verkauft werden. Wir befragen deshalb unseren Bekannten über die modernen Kunstrichtungen. Haben sie sich wirklich anerkannte Verdienste erworben? Haben sie die Malerei bereichert?

Der Künstler berichtet: „Um einen kurzen Überblick zu geben, möchte ich auf die französischen Impressionisten sowie auf die toskanischen Impressionisten (1800 bis 1900) hinweisen. Sie waren darum bemüht, mit den Traditionen der schematischen und manieristischen Malweise der Klassik des 18. Jahrhunderts zu brechen, die sich bis ins folgende Jahrhundert hielt. Außerdem gibt es noch moderne Formen des Impressionismus sowie die Futuristen, die Abstrakten, die Kubisten und die Surrealisten. Jede Richtung hat ihre Anhänger und Leute, die diese Bilder verkaufen und die — gelinde ausgedrückt — eine sehr bestimmte Meinung über das haben, was in der Kunst gut und schlecht ist.“

Unser Bekannter faßt das Gespräch sehr schön mit folgenden Worten zusammen: „Wenn Sie ein Gemälde kaufen wollen, müssen Sie genau wissen, was Sie wollen. Wollen Sie das Bild lediglich als Investition kaufen? Dann kaufen Sie sich eins, von dem nachgewiesen werden kann, daß es von einem berühmten Maler stammt, egal wie häßlich es aussieht. Wenn Sie aber Ihre Wohnung schmücken wollen, dann berücksichtigen Sie die übrige Einrichtung des Zimmers. Kaufen Sie sich ein Bild, das Ihnen gefällt, das Sie sich jeden Tag von neuem gern ansehen würden. Das Wichtige ist nicht, wie berühmt ein Bild ist oder wer es gemalt hat. Was darauf dargestellt ist, sollte eine Bedeutung haben. Es sollte Sie veranlassen, über einen Teil der Schöpfung Jehovas nachzudenken, und es sollte Sinn und Herz mit Wertschätzung für seine Liebe und Güte erfüllen. Der Geist und das Gefühl müssen angesprochen werden. Natürlich muß man berücksichtigen, daß Gottes Gesetz den Gebrauch von Götzenbildern oder Bildern, die bei der Anbetung verwendet werden, nicht gestattet, wie wir es im Bibelbuch 1. Johannes, im Kapitel 5, Vers 21 lesen. Man sollte statt dessen nach etwas Ausschau halten, das schmückt und erfreut.“

Für uns ist es jetzt Zeit, den Künstler zu verlassen. Während wir ihm für die Freundlichkeit danken, daß er uns diese Informationen gab, können wir nicht umhin, daran zu denken, daß künstlerische Fähigkeiten eine Gabe unseres Schöpfers sind. Deshalb sind wir entschlossen, ein Bild zu kaufen, das die Schönheit der Kunst widerspiegelt und unseren Schöpfer ehrt und preist. Der inspirierte Psalmist muß einen ähnlichen Gedanken im Sinn gehabt haben, als er schrieb: „Segnet Jehova, all ihr seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft. Segne Jehova, o meine Seele“ (Ps. 103:22).

[Fußnote]

a 1 000 Lire sind jetzt etwa 3,90 DM wert.

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