Das erstaunliche Dichtungssystem des Blutes
DU BIST fleißig dabei, mit einem Messer eine Mahlzeit für deine Familie zuzubereiten. Autsch! Das Messer ist dir aus der Hand gerutscht, und du hast dich geschnitten. Zu solch äußeren Verletzungen kommt es nur von Zeit zu Zeit. Wußtest du aber, daß im Körper täglich Hunderte von winzigen Rissen entstehen? Dennoch verbluten wir nicht. Warum nicht? Das Blut verfügt über ein bewunderungswürdiges Hilfsmittel, solche Leckstellen abzudichten.
Kleinstreparaturen mit Pfropfen
Im Blut ist sämtliches Reparaturzubehör vorhanden. Es kommt aber erst im Notfall zum Einsatz. Tritt ein solcher ein, so löst der Schmerz Reflexe aus, die bewirken, daß sich das verletzte Blutgefäß zusammenzieht. Das ist für die winzigen Blutplättchen das Signal, in Aktion zu treten. Sie eilen an den Unfallort und heften sich an das freiliegende Gewebe der Wunde. Chemische Botenstoffe der Blutplättchen rufen von überall Verstärkung herbei, und ein weicher Pfropf wird gebildet. Das reicht gewöhnlich, um kleinere Blutungen zu stillen.
Größere Reparaturen durch Gerinnung
Bei größeren Verletzungen ist ein festeres, dauerhaftes Fasergerüst vonnöten. Zwar bildet sich auch hierbei zunächst ein Pfropf aus Blutplättchen, aber dieser muß mit einem Gerinnsel überdeckt werden. Die Gerinnung ist jedoch ein komplizierter Vorgang, bei dem einige Dutzend verschiedene Substanzen benötigt werden und mehrere chemische Reaktionen ablaufen.
Kurz gesagt, geschieht folgendes: Bei Alarm geben die Gefäßwände oder die im Blut befindlichen Gerinnungsfaktoren eine chemische Substanz in den Blutstrom ab. Daraufhin wird das Fibrinogen, ein inaktiver, im Blutplasma gelöster Eiweißkörper, in Fibrin umgewandelt. Die Fibrinmoleküle haben die hervorragende Eigenschaft, sich miteinander zu langen Fäden zu verbinden, die dann den Pfropf aus Blutplättchen umschließen. In den spinnwebartig angeordneten Fäden verfangen sich weitere Blutplättchen, rote Blutkörperchen und andere Substanzen, die miteinander verklumpen. So bildet sich ein gallertartiger Blutkuchen, der zu 99 Prozent aus Wasser besteht. Danach geben die Blutplättchen zwei verschiedene Proteine frei, die bewirken, daß sich der Blutkuchen durch Schrumpfung des Fibrinnetzes zusammenzieht und Flüssigkeit abpreßt. Dadurch verfestigt er sich. An der Hautoberfläche, wo er mit der Luft in Berührung kommt, bildet sich der sogenannte Schorf.
Aber der in Gang gesetzte Gerinnungsprozeß muß schließlich wieder zum Stillstand kommen, sonst würde die Gerinnung so weit voranschreiten, daß das Blutgefäß verstopft und die Blutzirkulation unterbrochen wird. Wodurch wird der Vorgang gestoppt? Wenn die Ausbesserungsarbeit beendet ist, strömt das Blut wieder normal und schwemmt die Gerinnungsfaktoren weg. Darüber hinaus befinden sich im Blut verschiedene gerinnungshemmende Stoffe, die eine krankhafte Gerinnung verhindern und dafür sorgen, daß die Blutplättchen, solange kein Notfall eintritt, nicht miteinander verkleben.
Auflösung des Gerinnsels
Wenn die Wunde verheilt ist, setzt eine chemische Reaktion ein, in deren Verlauf die Fibrinfäden zerkleinert werden und das Gerinnsel sich auflöst. Teile des Blutgerinnsels, die in die Blutbahn gelangen, werden entweder von weißen Blutkörperchen „gefressen“ oder in der Leber, der Milz oder im Knochenmark herausgefiltert.
Das Blut unterstützen
Man kann einiges tun, um dem Blut diese schwierige Aufgabe zu erleichtern. Bewegung — Spaziergänge an der frischen Luft oder Schwimmen — regt die Blutzirkulation an. Lezithinreiche Nahrung, wie Vollkornbrot und Fisch mit seinem hohen Gehalt an Fettsäuren, verringert das Verkleben der Blutplättchen und hemmt die abnormale Gerinnselbildung. Ferner wird durch grünes Gemüse sowie durch Tomaten und Pflanzenöl unsere Versorgung mit Vitamin K ergänzt, einem Vitamin, das das Gerinnungssystem funktionsfähig erhält.
Ja, das erstaunliche Dichtungssystem des Blutes hilft uns, die Wahrheit dessen, was Moses schrieb, völlig zu erkennen: „Im Blut ist das Leben“ (3. Mose 17:11, Die Bibel in heutigem Deutsch).
[Diagramm auf Seite 26]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
Rote Blutkörperchen
Blutplättchen
Normales Blutgefäß
Blutplättchen reparieren kleinere Verletzungen
Blutplättchen, rote Blutkörperchen und Fibrinfäden reparieren größere Verletzungen
Fibrinfäden halten ein rotes Blutkörperchen fest