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Erwachet! 1999
g99 8. 3. S. 14-18

Rio de Janeiro — Eine schöne und faszinierende Stadt

VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN BRASILIEN

IN Rio de Janeiro gibt es alles: Strände, Hügel, Seen, Regenwald. „Rio ist ein so schöner Anblick, daß man gar nicht weiß, wo man zuerst hinsehen soll!“ schwärmte ein Besucher. Viele halten Rio de Janeiro oder schlicht Rio für eine der schönsten Städte der Welt. Obgleich das Wort „Rio“ „Fluß“ bedeutet, liegt die Stadt eigentlich an einer Bucht. (Siehe Kasten auf Seite 18.)

Natürlich hat die 11-Millionen-Metropole auch ihre Schattenseite: Gewalt, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot sowie Umweltverschmutzung und Verkehrschaos. Dennoch nennen die Einwohner Rios ihre Stadt stolz Cidade Maravilhosa (wunderbare Stadt). Ein Cariocaa sagte: „Rio ist eine fröhliche Stadt. An einem sonnigen Tag auf dem Weg zur Arbeit und zurück die Strände und Hügel zu sehen macht uns froh gelaunt.“ Ist das zu sehr romantisiert? Gehen wir dem einmal auf den Grund.

Buchten, Strände und jede Menge Sonne

Unser Ausgangspunkt ist die Guanabarabucht — die Wiege Rios. Die etwa 400 Quadratkilometer große Bucht ist übersät mit bewaldeten Inseln und umgeben von Hügeln und Bergen, von denen der Corcovado (was „der Bucklige“ bedeutet) und der Zuckerhut (portugiesisch: Pão de Açúcar) am bekanntesten sind. Den Gipfel des Corcovado, der sich 704 Meter über die Bucht erhebt, krönt eine 38 Meter hohe, 1 145 Tonnen schwere Christusstatue mit ausgebreiteten Armen. Der nur 395 Meter hohe Zuckerhut erhielt seinen Namen wegen der Kegelform, die in der Kolonialzeit von Zuckerraffinerien benutzt wurde. Besucher können den Gipfel des Corcovado mit einer kleinen Bahn oder mit dem Auto erreichen, und eine Seilbahn bringt Besucher zum Gipfel des Zuckerhuts. Der Blick auf Rio ist atemberaubend: zur einen Seite das tiefblaue Meer, zur anderen der dunkelgrüne Wald und das gewundene Ufer des Lagoa Rodrigo de Freitas.

Rios Strände mit ihrem feinen weißen Sand und der Sonne — viel Sonne — sind der Traum jedes Touristen. Wie man sich denken kann, ist an den mehr als 70 Stränden entlang der 90 Kilometer langen Küste Rios im Sommer bei Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius viel los. Welcher Strand ist der beste? Das kommt ganz auf den Strandbesucher an. Für die Cariocas ist der Strand je nach Bedarf Treffpunkt, Lesesaal, Fußball- oder Volleyballfeld, Spielplatz, Imbißstand, Restaurant, Konzert- oder Sporthalle, Büro oder ein Ort, wo man eine Runde schwimmen geht. Jeden Morgen wimmelt es auf den Promenaden Rios von Joggern und Radfahrern. Und an einem sonnigen Tag sind die Strände stets dicht bevölkert. Doch trotz ihres scheinbar sorglosen Lebensstils müssen die Cariocas für ihren Platz an der Sonne hart arbeiten.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts umrandete Rio die Strände der Guanabarabucht. Durch den Bau von Tunneln, die die Bucht mit den Stränden am Ozean verbanden, dehnte sich die Stadt dann weiter südwärts aus. Mit der Eröffnung des Copacabana-Palace-Hotels, eines der ersten Luxushotels in Südamerika, im Jahr 1923 gelangte Copacabana, die „kleine Prinzessin des Meeres“, als erster Strand zu Berühmtheit. Später, in den 60er Jahren, wurde der Strand von Ipanema ein Treffpunkt für Intellektuelle und Künstler. Was dort nicht als in galt, war auch nicht in. Der jüngste und größte Strand Rios, der für den Tourismus erschlossen wurde, ist die Barra da Tijuca (18 Kilometer lang), scherzhaft auch das brasilianische Miami genannt. Dort findet man die größten Einkaufszentren der Stadt und viele neue Wohngebäude.

Ein Wald, umgeben von einer Stadt

Grünflächen sind ein wichtiger Bestandteil Rios, und der friedliche, 141 Hektar große botanische Garten im Zentrum der Stadt liegt nur wenige Minuten von den belebten Stränden entfernt. In dem im 19. Jahrhundert angelegten Garten sind mehr als 6 200 tropische Pflanzen zu Hause.

Ein weiterer Zufluchtsort innerhalb der Grenzen der Stadt ist der Wald von Tijuca. Dieser Wald, der ungefähr 20 Kilometer vom Zentrum Rios entfernt ist und über 100 Quadratkilometer einnimmt, ist der vielleicht größte „Stadtwald“ der Welt. Er umschließt einen Teil des Waldes, der sich einst über die gesamte brasilianische Atlantikküste zog. Besucher können die prachtvolle pinkfarbene jequitiba gleich neben der wunderschönen gelbblühenden canelas-santas sehen. Ins Auge springen auch die blauen Morphofalter. Bei den Vögeln sind die farbenfrohen Schillertangaren ein vertrauter Anblick.

Ein Besuch im Stadtkern

Im Zentrum Rios herrscht geschäftiges Treiben — die Leute hetzen herum, es ist laut und heiß. Die Fußgänger müssen sich die Gehwege mit den Straßenhändlern teilen, die nahezu alles verkaufen — von importierten elektronischen Geräten über Kleidung und Gewürze bis hin zur Hühneraugentinktur. Schön ist auch eine Fahrt mit der Straßenbahn über die 42 schweren Granitbogen, die man Arcos da Lapa nennt. Diese Bogen wurden zwischen 1712 und 1750 von Indianern und Sklaven gebaut und bildeten ursprünglich einen Aquädukt, der das Zentrum Rios mit Trinkwasser versorgte. 1896 begann man damit, über den Aquädukt eine Straßenbahn zu führen, so daß daraus ein Viadukt wurde.

Ein Teil des Stadtkerns ist europäisch geprägt. Das Museu Nacional de Belas Artes, das zwischen 1906 und 1908 erbaut wurde, hat eine ähnliche Fassade wie der Louvre in Paris, und die bunten Paneele und Mosaiken erinnern an die italienische Renaissance. Ein weiteres wichtiges Gebäude ist die Oper, die 1909 eröffnet wurde und 2 357 Gästen Platz bietet; bei ihrem Bau ließ man sich von der Pariser Oper inspirieren.

Fußball und Samba

Die Cariocas sehen gern ein gutes Fußballspiel, und wenn wichtige Ligaspiele ausgetragen werden, rückt das Fußballstadion Maracanã in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit. Es ist das größte Fußballstadion der Welt — bis zu 200 000 Zuschauer waren dort bei Spielen anwesend. Zur Zeit ist die Sitzplatzkapazität aus Sicherheitsgründen und wegen des größeren Komforts für die Fans auf 100 000 Plätze beschränkt.

Einer der Lieblingstänze der Cariocas ist die aus Afrika stammende Samba. In der ganzen Stadt ziehen Sambaschulen Tausende von Tänzern an — Männer, Frauen und Kinder, die oftmals aus demselben Viertel kommen. Während des Karnevals kurz vor der Fastenzeit defilieren diese Schulen mit jeweils bis zu 5 000 Tänzern durch den Sambódromo, ein riesiges, eigens für Paraden hergerichtetes Gelände mit zwei parallel verlaufenden Betontribünen, die bis zu 100 000 Menschen fassen. Leider ist der Karneval berühmt-berüchtigt wegen der Ausschweifungen, die von Alkohol am Steuer über Drogenmißbrauch bis hin zu Promiskuität reichen.

Die Probleme Rios

Jahrzehntelang war Rio de Janeiro Brasiliens Industriezentrum, bis diese Rolle in den 50er Jahren von São Paulo übernommen wurde. Der Traum von einem besseren Leben veranlaßte viele Menschen, aus den ländlichen Gegenden abzuwandern und nach Rio zu ziehen, wodurch sich ein Teil der Bevölkerung in Wohnblocks zwängen mußte, wohingegen sich die weniger Privilegierten an den Berghängen in Behelfsunterkünften ansiedelten und Elendsviertel oder Favelas gründeten. Zunächst bestanden diese Behausungen aus zerlegten Kisten und wurden mit Blech abgedeckt. Es gab keinen Strom, keine Kanalisation und kein fließendes Wasser, doch zumindest war das Leben der Bewohner insofern leichter, als sie es nicht weit zur Arbeit hatten. Heute erstrecken sich gleich neben den schönen Apartmenthäusern in den Randbezirken von Copacabana und Ipanema riesige Elendsviertel an den Berghängen Rios. An wenigen Orten in der Welt ist der Kontrast zwischen Arm und Reich so deutlich zu sehen.

Die neueren Behausungen in den Elendsvierteln wurden aus Ziegelsteinen gebaut. Stadtplaner haben versucht, durch den Bau von Straßen und verschiedenen Einrichtungen Verbesserungen zu erzielen; aber das ist keine leichte Aufgabe. Nach einer aktuellen Umfrage leben über 900 000 Menschen in den mehr als 450 Elendsvierteln Rios. In der Rocinha, dem größten Elendsviertel, leben 150 000 Menschen. „Es ist wie eine Stadt in einer Stadt“, erklärt Antônio, der dort lebt, aber in einer Bank in Ipanema arbeitet. Die Bewohner haben Kabelfernsehen, ein lokales Rundfunknetz und eine UKW-Radiostation sowie eine Profifußballmannschaft und eine Sambaschule. Doch das Leben im Elendsviertel hat auch eine Kehrseite. Im Sommer kommt es durch Regenfälle zu Erdrutschen mit Verletzten und Toten. Im Zuge eines neuen Wiederaufforstungsprogramms sind Häuser aus der Gefahrenzone verschwunden. Damit ist die Situation etwas verbessert worden.

Ein anderes großes Problem ist die organisierte Kriminalität. In ihre Fänge geraten hauptsächlich Jugendliche, die als Drogenhändler Karriere machen. Für das Verhältnis zwischen den Drogenhändlern und den Bewohnern gelten bestimmte Regeln. „In den Elendsvierteln hier gibt es so gut wie keine Überfälle, Raubüberfälle oder Vergewaltigungen. Keiner riskiert es, ein solches Verbrechen zu begehen. Die Leute wissen, daß es sie den Kopf kosten kann“, erklärt João, der schon 40 Jahre in einem Elendsviertel lebt. Die Drogenhändler bestrafen Verbrechen, die nichts mit Drogen zu tun haben, um die Unterstützung und Sympathie der Bewohner zu gewinnen. „Die Situation hat sich zwar etwas geändert“, meint João weiter, „aber bei den Leuten hier ist es nach wie vor üblich, einen Drogenhändler um Hilfe zu bitten, wenn es darum geht, eine Beerdigung zu bezahlen, Medikamente oder Lebensmittel zu kaufen, Mietschulden zu tilgen oder Freizeitvergnügungen zu finanzieren.“

Weitere schwierige Aufgaben

Bedingt durch seine Lage zwischen dem Meer und den Bergen, ist Rio auf Sumpfland entstanden — ein für die Entwicklung einer großen Stadt kaum geeigneter Untergrund. Im Lauf der Jahre mußte man notgedrungen „gegen drei Elemente ankämpfen: Sumpfland, Meer und Berge“, heißt es in dem Buch Rio de Janeiro—Cidade e Região. Um den Kampf zu gewinnen, wurden zahllose Tunnel gebaut und viele Gebiete aufgefüllt, so daß die verschiedenen Viertel miteinander verbunden werden konnten. Auch die Eisenbahn hat bei der Besiedelung der Randbezirke der Stadt eine wichtige Rolle gespielt, obgleich eine Zugfahrt heutzutage recht abenteuerlich ist. „So viele Leute versuchen, sich in den Zug zu drängen, daß man sich selbst gar nicht anstrengen muß, hineinzukommen. Man wird einfach von der Menschenmenge reingeschoben“, erzählt Sérgio, der jeden Morgen um 5 Uhr am Stadtrand von Rio in den Zug steigen muß, um gegen 7 Uhr auf der Arbeit zu sein. Die Züge sind so überfüllt, daß sie den Bahnhof oftmals mit offenen Türen verlassen und die Passagiere rechts und links an den Waggons hängen. Die wagemutigsten Cariocas steigen sogar auf das Dach der Waggons und surfen darauf, wie man sagt. Doch wenn sie den Stromkabeln nicht richtig ausweichen, bedeutet das für sie den sicheren Tod.

Eine andere schwierige Aufgabe ist die Erhaltung der Guanabarabucht, des Schmuckstücks der Stadt. Gemäß einem Bericht der Weltbank ist die Wasserqualität dort an manchen Stellen „nicht viel besser als in der Kanalisation selbst, denn hier werden große Mengen industrielle Abwässer und ungeklärte (oder nur zum Teil geklärte) Abwässer ins Wasser geleitet“. Der Schaden ist groß; er zeigt sich unter anderem am Rückgang der Fischarten in der Bucht, die für 70 000 Fischer den Lebensunterhalt bedeuten. Verschmutzte Strände vertreiben zudem die Touristen. Der Staat versucht, das Abwassersystem auszubauen und die Industrieunternehmen zu kontrollieren. Zwei Delphine sind das Symbol der Kampagne Rios gegen die Umweltverschmutzung. Die Organisatoren der Kampagne prophezeien, daß noch vor dem Jahr 2025 Delphine in der Guanabarabucht schwimmen werden.

Rio — nach wie vor eine schöne Stadt

Wie lautet unser Urteil nach dieser kleinen Rundreise durch Rio? Für die meisten Touristen und Cariocas ist Rio nach wie vor eine schöne Stadt. Und was ist zu den Schwierigkeiten zu sagen? Es wäre schön, wenn sie gelöst werden könnten. Doch bis das geschieht, können die Cariocas nichts anderes tun, als sich mit den Problemen der Stadt, so gut es geht, zu arrangieren und die herrliche Umgebung der Stadt zu genießen. Mit viel Erfindungsgeist und einer Portion Humor ist ihnen das bisher auch gelungen.

[Fußnote]

a Der Begriff „Carioca“ hat sich als Bezeichnung für jeden Einwohner Rio de Janeiros eingebürgert.

[Kasten/Bild auf Seite 18]

Höhepunkte der Geschichte Rios

1502: Am 1. Januar hält der portugiesische Seemann André Gonçalves die Einfahrt zur Guanabarabucht irrtümlicherweise für eine Flußmündung und nennt das Gewässer Rio de Janeiro (Januarfluß).

1565: Estácio de Sá, Hauptmann der portugiesischen Armee, gründet zwischen den Hängen des Zuckerhuts und des Cara de Cão eine kleine Siedlung, um die Franzosen zu schlagen, die auf diese Region ebenfalls Anspruch erheben. Aus dieser Siedlung entsteht die Stadt Rio.

1763: Um die riesigen Mengen an Gold und Diamanten zu kontrollieren, die auf dem Weg von dem Nachbarstaat Minas Gerais nach Portugal den Hafen passieren, machen die Portugiesen Rio zur Hauptstadt. Der afrikanische Sklavenhandel blüht auf.

1808: Der portugiesische Königshof flieht wegen der bevorstehenden Invasion Napoleons I. in Portugal nach Rio; Rio wird vorübergehend der Sitz der portugiesischen Monarchie. Bis zur Fertigstellung der Stadt Brasília (1960) fungiert Rio als Hauptstadt.

[Bildnachweis]

FOTO: MOURA

[Bild auf Seite 16, 17]

Strand von Barra da Tijuca

[Bild auf Seite 17]

Maracanã, das größte Fußballstadion der Welt

[Bild auf Seite 18]

Arcos da Lapa, der Aquädukt, der zum Viadukt wurde

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