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  • w93 15. 8. S. 23-26
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  • Erfolgreich sein im Kampf gegen den Alkoholismus
  • Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich 1993
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Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich 1993
w93 15. 8. S. 23-26

Erfolgreich sein im Kampf gegen den Alkoholismus

„Während der Arbeit gegen zehn Uhr morgens begannen meine Gedanken, um einen Drink zu kreisen. Um zwölf ging ich los, mir einen oder zwei zu genehmigen. Um drei fing ich an zu zittern. Ich sehnte den Feierabend herbei, damit ich wieder einen Drink nehmen konnte. Auf dem Nachhauseweg trank ich meistens einige Gläser. Etwa um sieben hatte ich wieder den unwiderstehlichen Drang. Meistens trank ich, fiel bewußtlos vom Stuhl, machte die Hose naß und lag bis zum Morgen in meinem Urin. Das multipliziert mit 7 Tagen in der Woche, multipliziert mit 52 Wochen im Jahr, multipliziert mit 29 Jahren.“

DIESER Mann ist Alkoholiker. Er ist nicht der einzige. In der ganzen Welt kämpfen Millionen gegen dieses tödliche Leiden, das gemäß Dr. Vernon E. Johnson „den ganzen Menschen in Mitleidenschaft zieht, und zwar körperlich, verstandesmäßig, psychisch und geistig“.a

Viele Fachleute sagen, daß Alkoholismus nicht geheilt werden kann, aber daß man ihn durch lebenslange Abstinenz zum Stillstand bringen kann. Das ist keine unzumutbare Forderung, denn Alkohol ist nicht lebenswichtig. Tatsache ist, daß Alkoholmißbrauch Gottes Mißfallen erregt (1. Korinther 6:9, 10). Es ist besser, unter Verzicht auf Alkohol in Gottes neue Welt zu gelangen, als dem Verlangen danach nachzugeben und das ewige Leben einzubüßen (Matthäus 5:29, 30).

Vom Alkoholmißbrauch loszukommen und nicht rückfällig zu werden ist oft eine frustrierende Herausforderung. (Vergleiche Römer 7:21-24.) Was kann helfen? Wir wollen einige direkte Ratschläge geben. Selbst für jemanden, der überhaupt keinen Alkohol trinkt, wird dieser Rat aufschlußreich sein und ihn vielleicht in die Lage versetzen, einem Freund oder Verwandten zu helfen, der gegen den Alkoholismus kämpft.

Eine ehrliche Selbstbetrachtung

Eines der größten Hindernisse, die überwunden werden müssen, ist das Leugnen, ein Alkoholiker zu sein. Leugnen ist eine Art Unehrlichkeit. Man will sich rechtfertigen, und zwar mit einer ganz bestimmten Absicht — damit man nicht die Freiheit zu trinken verliert. „So schlimm ist es bei mir gar nicht“, argumentiert man möglicherweise. „Ich hab’ ja noch meine Familie. Meine Arbeit hab’ ich auch noch.“ Doch das wichtigste für den Betroffenen ist, daß er immer noch seinen Alkohol hat.

Das Leugnen könnte ihn davon abhalten, auf Freunde zu hören, die ihm helfen möchten. Robert beobachtete, daß der Stiefvater seiner Frau unvernünftige Trinkgewohnheiten und ein rüdes Benehmen entwickelt hatte. „Nach einigen Tagen stellte ich ihn zur Rede“, erzählt Robert, „und fragte ihn, ob er merke, daß das Trinken sein Benehmen beeinflusse.“ Mit welchem Resultat? „Er leugnete alles rundweg ab mit Bemerkungen wie ‚Du hast keinen Beweis‘ und ‚Du weißt nicht, wie ich mich fühle.‘“

Wenn uns ein Angehöriger oder ein Freund anspricht, der sich um unser Trinken Sorgen macht, sollten wir eine sachliche, ehrliche Selbstprüfung vornehmen (Sprüche 8:33). Können wir eine Woche, einen ganzen Monat oder mehrere Monate ohne Alkohol leben? Wenn nicht, warum nicht? Wir sollten nicht wie der Mann sein, der sich selbst betrog. Jakobus schrieb: „Dieser [ist] wie ein Mann, der sein natürliches Gesicht in einem Spiegel beschaut. Denn er beschaut sich und geht dann weg und vergißt sogleich, was für ein Mensch er ist“ (Jakobus 1:22-25).

Sogar nachdem der Genesungsprozeß begonnen hat, muß man sich immer noch vor dem Ableugnen hüten. In dem Buch Willpower’s Not Enough wird erklärt: „Wer neuerdings abstinent ist, kann fälschlich glauben, geheilt zu sein, weil er eine kurze Zeit — vielleicht zum ersten Mal — ohne Alkohol ausgekommen ist.“ Dieses Denken ist im höchsten Grade suchterzeugend, und es ist der erste Schritt zum Rückfall. Wer diesem Leugnen widerstehen muß, braucht nicht allein damit fertig zu werden.

Sich helfen lassen

Ein Mann, den wir Leo nennen wollen, suchte professionelle Hilfe, als er feststellte, daß er den Kampf gegen den Alkoholismus nicht allein gewinnen konnte. Nach längerer intensiver Behandlung war er auf dem Weg der Genesung. Leo meint, daß der Wert fachmännischer Hilfe nicht genug betont werden kann.b Wenn solche Hilfe am Ort geboten wird, könnte man sich entschließen, sie auch zu nutzen.

Man muß sich allerdings darüber im klaren sein, daß zur Genesung mehr gehört als bloße Abstinenz. Hinter dem Alkoholismus verbergen sich möglicherweise tiefer liegende Probleme, denen man ins Auge sehen muß. Sie zu ignorieren kann gefährlich sein. Dr. Charlotte Davis Kasl schrieb dazu: „Ich habe Menschen befragt, die wegen Mißbrauchs verschiedenster Substanzen bis zu vierzehn Therapien gemacht haben, weil die Kernprobleme, Mißbrauch, Abhängigkeit und Vernachlässigung, nicht behandelt wurden.“

Dennis stimmt dem zu. „Ich war ein trockener Alkoholiker, der immer noch eine Menge Probleme hatte“, schrieb er. „Es genügte nicht, mit dem Trinken aufzuhören. Ich mußte meine Vergangenheit betrachten, die Lektionen meiner Kindheit untersuchen, verstehen, welche Wirkung sie auf mich hatten, und einiges an meinem Verhalten ändern.“

Ebenso mußte Leo in sich gehen, damit seine Genesung fortschreiten konnte. „Ich war extrem eifersüchtig und gewalttätig“, sagte er. „Ich schwankte zwischen zwei Extremen — manchmal war meine Selbstachtung auf dem Nullpunkt, dann wieder hatte ich Anfälle von Größenwahn.“ Leo beherzigte den biblischen Rat aus Epheser 4:22, der lautet: „Ihr [sollt] die alte Persönlichkeit ablegen ..., die eurem früheren Wandel entspricht.“ Ja, der ‘frühere Wandel’ hat einen starken Einfluß auf die Persönlichkeit. So, wie Gips die Gestalt einer Form annimmt, so ist die Persönlichkeit zum Teil durch den früheren Lebenswandel geformt. Was bleibt übrig, wenn der falsche Lebenswandel abgelegt ist? Eine Persönlichkeit, die vielleicht im Laufe vieler Jahre geprägt worden ist. Deshalb muß zur Genesung dazugehören, daß die alte Persönlichkeit, die dem früheren Wandel entspricht, verändert wird.

Ein Verhältnis zu Jehova aufbauen

Leos Genesung hatte auch damit zu tun, daß er ein persönliches Verhältnis zu Gott entwickelte. Er sagte: „Als ich lernte, auf Jehova zu vertrauen, veränderten sich meine Einstellung, mein Verhalten und meine Zukunftsaussichten.“

Doch Vorsicht ist angebracht. Ein Verhältnis — sei es zu Menschen oder zu Gott — erfordert Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen. Das sind genau die Eigenschaften, die der Alkoholismus untergräbt. Man kann sie pflegen, aber das braucht Zeit.

Ein Alkoholiker weiß womöglich gar nicht, wie es ist, ein enges Verhältnis zu jemandem zu haben. Möglicherweise hat er noch nie eines gehabt. Er sollte geduldig sein. Es wäre nicht gut, sich unter Zeitdruck zu setzen in der Erwartung, ein Verhältnis zu Gott würde sich automatisch als ein Nebenprodukt der Abstinenz einstellen. Gott und seine Eigenschaften zu verstehen erfordert Anstrengungen. Man muß regelmäßig nachsinnen, vielleicht indem man sorgfältig die Psalmen liest, die tiefe Gefühle der Wertschätzung für Jehova und seine Wege ausdrücken.c

„Kraft, die über das Normale hinausgeht“

Ein vertrauensvolles, enges Verhältnis zu Gott kann einen starken Einfluß ausüben. Jehova wird die Anstrengungen zu genesen unterstützen. (Vergleiche Psalm 51:10-12; 145:14.) Man kann sich ihm jederzeit in einem inbrünstigen Gebet nahen im Vertrauen, daß er „die Kraft [gibt], die über das Normale hinausgeht“ (2. Korinther 4:7; Philipper 4:6, 7).

Der Schöpfer kennt uns besser als irgendein Mensch (Psalm 103:14). Menschliche Ratgeber, die sich auf menschliche Weisheit verlassen, können zwar helfen, doch wieviel besser kann der Schöpfer des Menschen in diesem Kampf helfen! (Jesaja 41:10; 48:17, 18). Er hat für liebevollen Beistand innerhalb der Christenversammlung gesorgt.

Wo Beistand zu finden ist

Geistig reife Älteste in der Christenversammlung können eine große Hilfe sein. Nur wenige von ihnen würden behaupten, auf dem Gebiet der Medizin oder der Psychiatrie erfahren zu sein, aber sie kennen Gottes Wort und seine Grundsätze und vertrauen darauf. Sie können sich „wie ein Bergungsort vor dem Wind und ein Versteck vor dem Regensturm erweisen, wie Wasserbäche in einem wasserlosen Land, wie der Schatten eines wuchtigen zerklüfteten Felsens in einem erschöpften Land“ (Jesaja 32:2). Man sollte sich ihre Hilfe voll und ganz zunutze machen.d

Natürlich werden christliche Älteste sowie Familienangehörige und Freunde jemand nicht vor den Konsequenzen seiner Handlungsweise bewahren. In der Publikation Coming Off Drink wird erklärt: „Das entscheidende Element der Therapie ist, Alkoholiker mit den zerstörerischen Konsequenzen der Abhängigkeit zu konfrontieren und sie dazu zu bringen, die Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu übernehmen.“ Älteste, Angehörige und Freunde werden daher freundlich, aber offen sein und dazu ermuntern, den Tatsachen ins Auge zu sehen und jede notwendige Behandlung und Verhaltensweise beizubehalten, um den Kampf gegen den Alkoholismus zu gewinnen.

Für die Genesung selbst verantwortlich

Die Unterstützung von anderen hilft zwar, aber man muß wissen, daß weder ein Mensch noch ein Geistwesen die Genesung erzwingen kann. Jeder hat einen freien Willen. Für die Genesung ist der Alkoholiker letzten Endes selbst verantwortlich. (Vergleiche 1. Mose 4:7; 5. Mose 30:19, 20; Philipper 2:12.) Wenn man die Verantwortung akzeptiert, wird man von Jehova gesegnet werden. In 1. Korinther 10:13 wird uns zugesichert: „Keine Versuchung hat euch ergriffen, ausgenommen eine allgemein menschliche. Gott aber ist treu, und er wird nicht zulassen, daß ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung wird er auch den Ausweg schaffen, damit ihr sie ertragen könnt.“ Wir können Trost schöpfen — man kann im Kampf gegen den Alkoholismus erfolgreich sein.

[Fußnoten]

a Wir beziehen uns zwar auf einen Alkoholiker, doch grundsätzlich trifft das auf Alkoholikerinnen genauso zu.

b Es gibt viele Beratungs- und Behandlungsstellen, Selbsthilfegruppen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen, die Hilfe anbieten. Der Wachtturm befürwortet keine spezielle Behandlung. Man muß sorgfältig darauf achten, nicht in etwas hineingezogen zu werden, wodurch man riskieren würde, biblische Grundsätze zu verletzen. Letzten Endes muß jedoch jeder selbst entscheiden, welche Behandlung notwendig ist.

c Einige Beispiele sind die Psalmen 8, 9, 18, 19, 24, 51, 55, 63, 66, 73, 77, 84, 86, 90, 103, 130, 135, 139, 145.

d Nützliche Richtlinien für Älteste sind im Wachtturm vom 1. August 1983 auf den Seiten 8—11 zu finden.

[Kasten auf Seite 24]

Wer unter den entwürdigenden und erbärmlichen Auswirkungen des Alkoholismus leidet, muß deshalb nicht die Hoffnung aufgeben. Ihm kann geholfen werden.

[Kasten auf Seite 26]

WENN MAN EINEN RÜCKFALL ERLEIDET

„Auf einen Rückfall vorbereitet zu sein ist wie eine Feueralarmübung“, heißt es in dem Buch Willpower’s Not Enough. „Es bedeutet nicht, daß man mit einem Brand rechnet, sondern, daß man vorbereitet ist, im Ernstfall verantwortungsvoll zu handeln.“ Wenn man einen Rückfall erleidet, kann folgendes helfen:

□ Zu Jehova beten. Man kann überzeugt sein, daß er das Problem kennt und helfen möchte (Psalm 103:14; Jesaja 41:10).

□ Sich einem christlichen Ältesten anvertrauen, den man im voraus ausgewählt hat, um ihn, wenn sich die Notwendigkeit ergibt, anzusprechen. Man sollte ehrlich sagen, was geschehen ist, und gut auf seinen biblischen Rat hören.

□ Sich vor Verzweiflung hüten. Sich selbst zu verabscheuen bringt einen an den Rand eines vollständigen Rückfalls, daher muß man seinen Fehler im richtigen Licht sehen. Eine Schlacht verloren zu haben bedeutet nicht, daß der ganze Krieg verloren ist. Wenn ein Marathonläufer stürzt, geht er nicht zur Startlinie zurück; er steht auf und läuft weiter. Bei der Genesung muß man genauso vorgehen. Man bleibt im Rennen. Die Wochen, Monate oder Jahre der Abstinenz werden nicht ausgelöscht.

[Bild auf Seite 25]

Statt zu leugnen, sollte man eine sachliche, ehrliche Selbstprüfung vornehmen

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