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  • Eine wertvolle Bibelhandschrift in Leningrad
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Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich 1981
w81 1. 7. S. 28-30

Eine wertvolle Bibelhandschrift in Leningrad

ES BEGANN wie eine gewöhnliche Reise. Der Tourist aus Finnland und seine Frau hegten keine besonderen Erwartungen, in Leningrad etwas Außergewöhnliches im Zusammenhang mit der Bibel zu erleben, denn in der Informationsbroschüre des Reisebüros hieß es: „Es ist verboten, religiöse Schriften in das Land mitzunehmen.“ Doch gerade in dieser Stadt hatten sie in bezug auf die Bibel als Buch ihr faszinierendstes Erlebnis.

In Leningrad gibt es viele Kirchen, doch nur eine Handvoll davon dient noch dem Zweck, zu dem sie einst errichtet wurden. Viele sind in ein Museum umgewandelt worden, u. a. auch die St.-Isaak-Kathedrale, die an den Petersdom in Rom erinnert.

Am Beispiel der Kasaner Kathedrale am Newski Prospekt, einer der breiten Hauptstraßen Leningrads, wird die offizielle Haltung gegenüber der Religion am besten deutlich. Diese imposante Kathedrale wurde in das Museum für Religionsgeschichte und Atheismus umgewandelt. Die Ausstellung im Kellergeschoß zeigt den chronologischen Ablauf der Kirchengeschichte bis auf den heutigen Tag. Man kann die Folterinstrumente besichtigen, die zur Zeit der Inquisition verwendet wurden. Besonders eindrucksvoll ist eine Szene von der Inquisition mit lebensgroßen Wachsfiguren. Das unglückliche Opfer kniet in Ketten vor seinen Anklägern und vor schwarzgekleideten Mönchen. Der Scharfrichter steht bereit, das Urteil zu vollstrecken.

Auf der anderen Seite des Newski Prospekts, gegenüber der Kasaner Kathedrale, befindet sich der größte Buchladen der Stadt. Im ersten Stock fielen den Besuchern aus Finnland viele Bilder und Parolen auf, durch die der Leser offensichtlich dazu aufgefordert werden soll, die Religion abzulehnen. Ein Poster zeigte Fische in der Form alter Frauen mit Kopftüchern. Diese Fische wurden von einer „Fahrkarte ins Himmelreich“ angelockt, die an einem Angelhaken mit der Aufschrift „Sekten“ hing.

Als die Besucher auf dem Newski Prospekt in östlicher Richtung weitergingen und sich dann kurz vor der Statue Katharinas der Großen nach rechts wandten, standen sie vor der berühmten Staatlichen Öffentlichen Bibliothek Saltikow Schtschedrin. Diese Bibliothek ist die zweitgrößte in der Sowjetunion und eine der größten der Welt. Sie enthält mehr als 17 Millionen Bände. Als sich der Besucher nach der Handschrift erkundigte, stellte ihm ein Angestellter der Bibliothek eine Reihe höflicher, eingehender Fragen und verschwand dann. Als er kurz darauf zurückkam, stellte er einen rotbraunen Kasten auf den Tisch und öffnete den Deckel. Da war er: der Leningrader Kodex aus dem Jahre 1008 (oder 1009). Doch warum ist diese Handschrift so wertvoll?

DER LENINGRADER KODEX

Wärst du daran interessiert, eine Handschrift der Hebräischen Schriften zu sehen, die als grundlegender Text für Bibelübersetzungen dient? Genau das ist der Leningrader Kodex.

Doch vielleicht fragst du dich: Wurden die Hebräischen Schriften nicht alle schon vor Christus geschrieben? Wieso stammt dann dieser Text aus dem Jahre 1008? Um das besser zu verstehen, muß man einiges über die Massoreten wissen.

Die Massoreten (hebräisch Baalei Hamassorah, „Herren der Überlieferung“) lebten in den Jahrhunderten nach Christus und waren peinlich genaue Abschreiber der Hebräischen Schriften. Sie nahmen keine Änderungen im Text vor, sondern kennzeichneten die von früheren Abschreibern vorgenommenen Änderungen und machten am Rand des hebräischen Textes darauf aufmerksam. Sie erfanden auch ein System von Vokalpunkten und Akzentzeichen, die dem Leser zur richtigen Aussprache verhelfen sollten. Aufgrund der außerordentlichen Sorgfalt der Massoreten eignet sich ihr Text tatsächlich als Grundlage für das Übersetzen der Bibel, wenngleich er mehr als 1000 Jahre jünger ist als die Originale. Ein Vergleich mit viel älteren Texten wie dem der Jesajarolle vom Toten Meer bestätigt die Genauigkeit des massoretischen Textes.

Doch keine einzige Handschrift ist absolut zuverlässig, weil den Abschreibern Fehler unterliefen. Deshalb begann man damit, hebräische Ausgaben der Bibel anzufertigen, die auf einem Vergleich verschiedener Handschriften beruhen. Im Jahre 1906 gab zum Beispiel der deutsche Gelehrte Rudolf Kittel seine berühmte Biblia Hebraica oder Hebräische Bibel heraus. Als Grundlage benutzte er den massoretischen Text von Jakob ben Chajjim. In Fußnoten zog er außerdem Vergleiche mit den Lesarten mehrerer anderer Handschriften.

Der Text von Ben Chajjim stammte aus den Jahren 1524/25 u. Z. Kittel bemühte sich gemeinsam mit seinem Nachfolger, dem deutschen Professor Paul Kahle, eifrig, Zugang zu älteren massoretischen Texten zu erhalten. In der Synagoge der sefardischen Juden in Aleppo (Syrien) wurde ein ausgezeichneter massoretischer Text aufbewahrt. Er war von der berühmten Familie Ben Ascher zusammengestellt worden und stammte ungefähr aus dem Jahre 930 u. Z. Doch diese Handschrift konnte nicht benutzt werden, weil, wie Professor Kahle berichtete, die Hüter des Kodexes nichts von einer fotografischen Aufnahme wissen wollten, denn sie befürchteten, durch eine Entweihung des Kodexes Flüche über sich zu bringen.

Es gab aber noch einen weiteren massoretischen Text, der auf die Arbeit der Familie Ben Ascher zurückging. Er enthielt die vollständigen Hebräischen Schriften. Man entschied sich, ihn als Grundlage für die Ausgabe der Biblia Hebraica zu verwenden. Er war im Jahre 1008 (oder 1009) in Alt-Kairo aus den korrigierten deutlichen Büchern, die von dem Meister Aaron ben Mosche ben Ascher ausgearbeitet worden waren, abgeschrieben worden, wie der Schreiber Samuel ben Jakob selber ausdrücklich hervorhebt. Im Gegensatz zu den Hütern des Aleppoer Kodexes befürchteten die Besitzer dieses Kodexes nicht, einen Fluch über sich zu bringen, wenn sie ihn fotografieren ließen. Sie überließen ihre Handschrift Kittel und Kahle für zwei Jahre. Eben diese Handschrift ist der Kodex B 19-A, der heute in der Leningrader Öffentlichen Bibliothek aufbewahrt wird.

DARF ICH FOTOGRAFIEREN?

Der Leningrader Kodex, eine Handschrift in Buchform, besteht heute aus losen Blättern. Da er auf Mikrofilm aufgenommen wurde, hat man ihn auseinandergenommen. Die Blätter sind nahezu quadratisch und fühlen sich wie sehr dickes Papier an, fast wie dünne Pappe. Die Ränder einiger Blätter sind abgenutzt, doch der Text selbst, der in drei Spalten angelegt ist, ist klar und deutlich zu lesen.

„Darf ich die Handschrift fotografieren?“ fragte der Besucher. Der Angestellte der Bibliothek verschwand wiederum in einem Innenraum und gab nach seiner Rückkehr eine zustimmende Auskunft. Der Besucher stapelte vor dem nächsten Fenster einige dicke Bände aus dem nahen Bücherregal auf, stellte sein Taschenstativ mit der Kamera darauf und wählte die zweite Seite der Handschrift für die Aufnahme aus.

Für den Besucher war es von Interesse, daß auf dieser Seite der Name Gottes, das Tetragrammaton (Jehova oder Jahwe), mehrere Male vorkam, und zwar von der Stelle an, die heute als 1. Mose 2:4 bezeichnet wird. Insgesamt erscheint der Eigenname Gottes in den Hebräischen Schriften 6 960mal. Das spricht gewiß nicht für diejenigen Bibelübersetzer, die diesen Namen durch das Wort „Herr“ ersetzen.

Am Ende der Besichtigung zeigt der Angestellte der Bibliothek den Besuchern einige seltene Handschriften unter Glas. Darunter befand sich das berühmte Ostromir-Evangelium, die älteste erhaltene Handschrift in Russisch (Altbulgarisch), die in das Jahr 1056 datiert wird.

Es ist gewiß eine freudige Überraschung, daß eine so kostbare Handschrift wie der Leningrader Kodex in einem Land, das die freie Einfuhr von Bibeln untersagt, sorgfältig aufbewahrt wird. Diese Handschrift ist nicht irgendeine von vielen, sondern diejenige, die als Grundlage für viele moderne Übersetzungen der Hebräischen Schriften gedient hat, auch für die von der Watch Tower Society herausgegebene Neue-Welt-Übersetzung.

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