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Erwachet! 1979
g79 22. 2. S. 24-26

Das Blümchen, das es in sich hat

Vom „Awake!“-Korrespondenten in Kenia

ES SIEHT aus wie ein hübsches kleines Maßliebchen. Aber es ist tödlich — nein, nicht für den Menschen und seine Haustiere, sondern nur für Ungeziefer. Dieses kleine Mitglied der Gattung Chrysanthemum, in manchen Werken auch noch Pyrethrum oder Wucherblume genannt, wird mit allem Ungeziefer fertig, das sich irgendwo im Haus aufhält oder einen Nahrungsmittelbetrieb behelligt. Selbst die zähesten Mücken und die „Riesenküchenschaben“ sind diesem Blümchen nicht gewachsen. Es eignet sich mit seinen weißen Blütenblättchen und der leuchtendgelben Scheibe in der Mitte vorzüglich als Schnittblume, die man in eine Vase stecken und als Tischschmuck verwenden kann. Indessen eignet es sich noch zu einem anderen, einem äußerst nützlichen Zweck.

Jahrtausendelang sind seine Blüten, getrocknet und gemahlen, zur Bekämpfung von Haushaltsungeziefer verwendet worden. Im alten China und später auch in gewissen Gegenden Europas sowie in Japan und in anderen Ländern wurde es viel zu diesem Zweck benutzt. Aber trotz seiner vorzüglichen Eigenschaften, die es ermöglichen, viele der von den synthetisch hergestellten Insektiziden hervorgerufenen Schwierigkeiten zu überwinden, ist es unserer modernen Welt noch wenig bekannt. Warum? Weil die Handarbeit und andere Faktoren in Verbindung mit Anbau und Ernte von Pyrethrum zu Schwankungen in der Produktion geführt haben. Doch nun erobert es sich allmählich wieder die Vorrangstellung als Haushaltsinsektizid, die es vorübergehend eingebüßt hatte.

Jetzt hat die Forschung Pyrethrumpulver, -spiralen, -spritzmittel und -sprühmittel entwickelt. Immer mehr Landwirte sehen ein, daß der Pyrethrumanbau ein lohnendes Geschäft ist. Und nachdem der Gebrauch von künstlich hergestellten Insektiziden an vielen Orten zu einer Störung des „Gleichgewichts der Natur“ geführt hat, wenden sich wieder viele der Insektenpulverpflanze zu, wie Pyrethrum auch genannt wird. Diese kleine Wucherblume liefert ein vorzügliches, doch harmloses Insektizid. Es wird sich bestimmt lohnen, diese eigenartige Pflanze besser kennenzulernen. Pyrethrum wird in Ecuador, Japan, Tansania, Ruanda und in anderen Ländern angebaut (hier und da die rosa oder purpurn blühende Art). Kenia jedoch steht an der Spitze der Pyrethrumerzeuger der Welt. Der größte Teil wird im Südwesten des Landes, im Kisiihochland, angebaut. Dort sieht man nebst Teepflanzungen, Mais- und Bohnenfeldern sowie anderen Feldfrüchten große Felder dieser freundlichen Blümchen. Die besten Erträge erzielt man in Höhen von 1 800 bis 2 400 Metern. In diesen Höhen sind nachts die für einen guten Blütenansatz erforderlichen niedrigen Temperaturen gewährleistet. Da Kenia beiderseits des Äquators liegt, scheint die Sonne in diesem Land sehr viel, was dazu beiträgt, daß nicht nur die Knospen schnell aufgehen, sondern daß auch die gepflückten Blütenköpfchen schnell trocknen. Außerdem gibt es in diesem Gebiet ausreichend erfrischenden Regen. Eine Jahresniederschlagsmenge von 102 bis 114 Zentimetern gilt als ideal.

Der Anbau

Heute stammen 90 Prozent der kenianischen Pyrethrumernte von über 100 000 Kleinbauern, die sich zu mehr als 200 Genossenschaften zusammengeschlossen haben. Pyrethrum ist das drittwichtigste Agrarerzeugnis Kenias, es kommt gleich nach Kaffee und Tee. Das kenianische Amt für den Pyrethrumanbau, dessen Werk und Hauptsitz sich in Nakuru (unweit des berühmten Vogelschutzgebiets) befinden, steht den Bauern mit Rat und Tat zur Seite.

Wenn sich der Bauer von dieser Behörde die jungen Pflänzchen beschafft hat, beginnt für ihn eine Zeit harter Arbeit. Er muß darauf achten, daß er die Fruchtfolge richtig einhält, muß sich um die jungen Pflänzchen kümmern, muß jäten, Stengel zurückschneiden und vieles mehr. Obschon der Pyrethrumanbau mühsam ist, verhilft er diesen Bauern doch zu einem höheren Lebensstandard. Der fruchtbare Hochlandboden gewährleistet rasches Wachstum, so daß etwa vier Wochen nach dem Auspflanzen bereits mit der Ernte begonnen werden kann.

Pflücken der Blüten

Am Pflücken der Blütenköpfchen beteiligt sich jeweils die ganze Familie. Sogar Fünfjährige helfen schon mit. Den Kindern wird beigebracht, nur voll aufgeblühte Blumen abzubrechen. Und sie tun es flink und mit geschickten Händen. Ein Erwachsener kann an einem Tag etwa 30 bis 45 Kilogramm Blütenköpfchen pflücken. Es ist eine anstrengende Arbeit, weil die Stauden nur ungefähr 60 Zentimeter hoch werden. Für die Kinder allerdings, die fast das ganze Jahr in die Schule gehen, ist es eine schöne Abwechslung.

Die Pyrethra blühen etwa neun Monate lang. Ungefähr alle zwei Wochen werden die neu aufgeblühten Köpfchen abgeknipst, denn dann enthalten sie am meisten Pyrethrin (insektizider Wirkstoff). Darauf werden die Blütenköpfchen auf dem Boden ausgebreitet und in der Sonne getrocknet. Wenn sie in die Fabrik in Nakuru gesandt werden, haben sie etwa drei Viertel ihres Gewichts eingebüßt.

Verarbeitung

Das moderne Werk ist ausgestattet mit den neuesten Maschinen. Die getrockneten Blütenköpfchen werden in Rohren durch Warmluft in die Presse befördert. Aus den Blüten wird ein Öl extrahiert, das in große Behälter abgefüllt wird. Auf die Behälter werden dann eine kleine weiße Wucherblume und die Worte „Kenianischer Pyrethrum-Extrakt“ gemalt. Der Extrakt wird unter anderem in die Vereinigten Staaten, in die Bundesrepublik Deutschland und nach Japan geliefert, wo aus dem Öl das bekannte Insektensprühmittel hergestellt wird. Der pulverartige Rückstand, „Mark“ genannt, dagegen wird hauptsächlich nach dem Fernen Osten verkauft, wo Mückenspiralen daraus hergestellt werden. Diese werden angezündet und brennen ganz langsam ab, wobei sie Rauch entwickeln, durch den die Insekten, die damit in Berührung kommen, getötet werden. Das Mark eignet sich auch vorzüglich als Viehfutter, denn es hat einen Eiweißgehalt von 13 Prozent, was fast dem Eiweißgehalt von Weizenkleie entspricht.

Verschiedene Anwendungsmöglichkeiten

Da Pyrethrum weder dem Menschen noch seinen Haustieren schadet, aber insektentötende Eigenschaften besitzt, bestehen dafür viele Anwendungsmöglichkeiten. Man hat festgestellt, daß die Insekten, im Gegensatz zu den heute sehr viel verwendeten synthetisch hergestellten Insektiziden, gegenüber diesem Insektizid nicht resistent werden. Weitere Vorteile dieses „natürlichen“ Insektizids bestehen darin, daß man es Wasservorräten beifügen und zum Schutz von Nahrungsvorräten einsetzen kann, ohne daß man wie bei den synthetischen Insektiziden mit schädlichen Nebenwirkungen rechnen muß. Das Sonnenlicht fördert den Abbau der Pyrethrine, was bedeutet, daß sie nicht längere Zeit aktiv bleiben und daher das „Gleichgewicht der Natur“ nicht stören können. In unserer Zeit, in der die Menschen im allgemeinen so umweltschutzbewußt sind, stellt dieses Insektizid eine wirksame Waffe im Dienst der häuslichen Hygiene dar, denn es tötet Schädlinge, ohne das Gleichgewicht ökologischer Systeme zu stören.

Die Zukunft wird zeigen, ob diesem freundlichen Blümchen, das aussieht wie ein Maßliebchen und ganz ungewöhnliche Eigenschaften besitzt, mehr Menschen als bisher Gelegenheit geben, sich als Hilfe im Haushalt zu erweisen. Die Möglichkeit besteht, es noch ausgiebiger als Haushaltsinsektizid zu benutzen, ferner zum Schutz von Nahrungsmittelvorräten in Lagerhäusern und sogar als Repellents, die man auf die Haut sprüht. Wahrlich, vom Pyrethrum, das so harmlos aussieht, wird nicht umsonst gesagt, es sei ein Blümchen, das es in sich habe!

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