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Die Ehescheidung und ihre FolgenErwachet! 1978 | 8. März
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Die Ehescheidung und ihre Folgen
In den USA wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 1976 rund 987 000 Paare getraut und 538 000 geschieden („World Almanac & Book of Facts 1977“).
IN DER Zeit, die man braucht, um eine einzige Seite dieser Zeitschrift zu lesen, werden allein in den Vereinigten Staaten vier Ehen aufgelöst. Durchschnittlich werden dort in jeder Minute mehr als zwei Ehen geschieden.
In gewissen Gegenden dieses Landes werden ebenso viele Ehen getrennt wie geschlossen, wenn nicht noch mehr. Allein in der Los Angeles County werden jährlich fast 50 000 Scheidungsanträge eingereicht. Eine in Texas erscheinende Zeitung (DallaSite) berichtet: „Die Statistiken der Dallas County lassen erkennen, daß in der ersten Hälfte des Jahres 1975 mehr Scheidungsanträge eingereicht als Ehen geschlossen wurden.“ Insgesamt wurden dort 8 275 Ehen geschieden und 6 801 Ehen geschlossen.
Die Scheidungsfreudigkeit ist beängstigend, und wie es aussieht, nimmt sie noch zu. Innerhalb von zehn Jahren hat sich in den USA die Zahl der Ehescheidungen mehr als verdoppelt. Sie ist von 479 000 im Jahre 1965 auf 1 026 000 im Jahre 1975 gestiegen. In anderen Ländern ist die Zuwachsrate noch weit höher.
In Kanada wurden 1960 nur 6 980 Ehen geschieden. 1973 lag diese Zahl um das Fünffache höher — 36 704. Im Jahre 1974 betrug dann die Zahl der Ehescheidungen 45 019, was einem Zuwachs von mehr als 20 Prozent entspricht. In der Zeitung Toronto Star hieß es: „Heutzutage lassen sich so viele Ehepaare scheiden, daß sich Ehepaare, die schon fünfzehn Jahre und länger glücklich verheiratet sind, manchmal wie eine Minderheit vorkommen.“
Auch in der Sowjetunion ist die Zahl der Ehescheidungen in beängstigender Weise gestiegen. Die russische Zeitschrift Sputnik schrieb: „In der UdSSR werden jährlich rund 2,5 Millionen Ehen geschlossen. ... Dagegen werden täglich im Durchschnitt 2 000 Ehen geschieden. Auf drei Eheschließungen kommt also eine Scheidung.“
Ähnlich sieht es in England aus. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Ehescheidungen verdreifacht. In Schweden kommen auf fünf Eheschließungen drei Ehescheidungen. Somit hat dieses Land eine noch höhere Scheidungsquote als die Vereinigten Staaten. In anderen europäischen Ländern steigt die Zahl der Ehescheidungen ebenfalls, vor allem in Dänemark. Derselbe Trend ist in der Bundesrepublik zu beobachten: 1975 wurden rund 386 400 Ehen geschlossen und 106 829 Ehen geschieden.
Auch afrikanische Länder haben hohe Scheidungsraten zu verzeichnen. In Sambia, einem Land mit nur etwas mehr als fünf Millionen Einwohnern, werden jedes Jahr rund 19 000 Ehen geschieden. Seine Scheidungsquote liegt also nicht viel unter der der Vereinigten Staaten.
Die Zeitschrift Atlas World Press Review vom August 1977 berichtet: „Unter den jungen japanischen Ehefrauen ist es Mode geworden, sich scheiden zu lassen. ... Wenn sie erfahren, daß dort alle vier Minuten und vierzehn Sekunden eine Ehe geschieden wird, meinen sie, das Rennen mitmachen zu müssen, um nicht zurückzubleiben.“ Wie aus der Zeitung South China Morning Post hervorgeht, ist auch in Hongkong die Zahl der Ehescheidungen in den letzten Jahren stark gestiegen.
Die Scheidungsfreudigkeit ist also überall groß. Wie sehen die Folgen aus?
Eine veränderte Gesellschaft
Durch eine Scheidung ist das Leben von Millionen Menschen drastisch verändert worden — vielfach mit tragischen Folgen. Im März 1977 schrieb das Ärzteblatt MD: „Jedes Jahr wird das Leben von mehr als vier Millionen Amerikanern — wenn man auch die Ehepartner und Kinder unter achtzehn Jahren mitzählt — durch eine Ehescheidung drastisch verändert; und nach Schätzungen soll die Zahl derer, die von ihrem Ehepartner böswillig verlassen werden — ,Scheidung des armen Mannes‘ genannt —, ebensohoch sein.“
Die unerhört hohe Scheidungsquote ist nur e i n Beweis für die Unzufriedenheit mit der Ehe. Darüber hinaus experimentieren viele Paare mit neuen Lebensstilen: Jeder der beiden Partner erklärt sich damit einverstanden, daß der andere außereheliche Beziehungen pflegt, andere Paare leben zusammen, ohne verheiratet zu sein.
Der Weg zum Glück?
Aber die Scheidungsepidemie und die neuen Lebensstile schaffen keine Atmosphäre des Friedens und des Glücks, sondern sie verbreiten Argwohn und Furcht. „Manche Ehepaare werden durch die Zahl der Ehescheidungen in ihrer Nachbarschaft so verunsichert“, erklärte der Leiter einer New Yorker Elternschule, „daß sie zu uns kommen, nur um mit uns darüber zu sprechen, wie sie eine Ehescheidung vermeiden können.“
Die Frauen können in der Regel nicht mehr damit rechnen, von ihrem Mann ihr Leben lang versorgt zu werden. Deshalb haben viele Angst vor den Problemen, die auf sie zukommen, wenn sie von ihrem Mann im Stich gelassen werden. Andererseits kommt es aber auch oft vor, daß die Frau den Mann verläßt, gelegentlich selbst dann, wenn kleine Kinder da sind.
Wie ergeht es Männern und Frauen nach ihrer Scheidung, wenn sie wieder frei und ledig sind und tun können, was ihnen beliebt? Sind Geschiedene wirklich glücklich? In einem Artikel der Zeitschrift Psychology Today (April 1977), in dem über eine Studie, die drei amerikanische Professoren durchführten, berichtet wurde, hieß es: „Die Untersuchungen ergaben, daß in jeder Familie, in der es zu einer Scheidung gekommen war, wenigstens ein Mitglied seelisch darunter litt oder eine negative Verhaltensveränderung zeigte.“
Ferner wurde in dem Artikel darauf hingewiesen, daß geschiedene Männer, die ein ungebundenes Leben führen, sich in ihrer Haut nicht richtig wohl fühlen. Außerdem hieß es darin: „Das vielgepriesene sorglose, unabhängige Leben macht auch die Frauen nicht glücklich. Eine gelegentliche Liebesnacht ruft in ihnen seelische Depressionen und Niedergeschlagenheit hervor, und die Selbstachtung sinkt immer tiefer.“ Es verwundert daher nicht, daß die Selbstmordrate unter den Geschiedenen mindestens dreimal so hoch ist wie unter den Verheirateten; ähnlich verhält es sich mit dem Alkoholismus.
Am meisten leiden gewöhnlich die Kinder unter einer Scheidung. Allein in den Vereinigten Staaten gibt es 11 Millionen Scheidungswaisen. Um viele dieser Kinder ist vor Gericht gekämpft worden, und es ist üblich, daß der eine Elternteil sie dem anderen wegnimmt. Der Familienberater Meyer Elkin schrieb bedauernd: „Wir ziehen eine Generation von Kindern aus zerrütteten Ehen auf — und schaffen uns damit eine soziale Zeitbombe.“
Die Scheidung ist auch eine kostspielige Angelegenheit. Wie die führende amerikanische Zeitschrift Business Week schrieb, sind die Kosten für eine Scheidung in jenem Land zufolge der Inflation stark angestiegen. „Für eine Partei betragen die Anwalts- und Gerichtskosten wenigstens 1 500 Dollar; wenn ein Gegenantrag gestellt oder um das Sorgerecht gekämpft wird, wird die Sache noch teurer.“ Schlimmer aber ist die Verbitterung der beiden Ehepartner. Ein Scheidungsanwalt in Chicago sagte: „Ich finde, daß Scheidungsverfahren gewöhnlich eher einem Krieg gleichen als der Krieg selbst.“
Eine Frau, die sich 1974 scheiden ließ, schreibt: „Meinen ersten Schock erlitt ich, als ich zum Rechtsanwalt ging. Er benötigte 400 Dollar Vorschuß, bevor er den Antrag einreichen konnte. Der Rechtsanwalt hilft einem, hart zu werden, was dazu beiträgt, daß die Bitterkeit, die man in sich trägt, noch größer wird.
Ich muß es wissen, denn ich entschied mich dafür, nach dem Rat meines Anwalts zu handeln. Das hatte zur Folge, daß ich sechsmal vor dem Familiengericht erscheinen mußte, nur um über die zeitweiligen Unterhaltszahlungen für das Kind und über die Aufteilung unseres gemeinsamen Eigentums zu verhandeln. Jedesmal, wenn ich wieder vor Gericht mußte, hatte der Anwalt einen neuen Antrag zu stellen, und das bedeutete natürlich zusätzliche Anwaltskosten.“
Wenn eine Ehescheidung Bitterkeit und Herzeleid mit sich bringt, warum lassen sich dann so viele Ehepaare scheiden? Was ist die Ursache der heutigen Scheidungsepidemie? Diese Fragen werden anschließend behandelt.
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Warum sie auseinandergehenErwachet! 1978 | 8. März
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Warum sie auseinandergehen
WENN man die unerhört hohen Scheidungsziffern liest, taucht natürlich die Frage auf: Warum ist die Scheidungsfreudigkeit heute so groß?
Zum Teil liegt es daran, daß neue Gesetze die Scheidung erleichtern. In Kalifornien trat zum Beispiel 1970 ein neues Scheidungsrecht in Kraft, dem das Zerrüttungsprinzip zugrunde liegt. Ehen können somit aufgelöst werden, ohne daß der eine oder andere schuldig gesprochen wird. In den Vereinigten Staaten gilt das Zerrüttungsprinzip bereits in fünfzig Staaten und Territorien.
In England können sich seit Dezember 1973 kinderlose Ehepaare scheiden lassen, indem sie ein Formular ausfüllen, diesem eine notariell beglaubigte Bestätigung beifügen, daß die Ehe zerrüttet ist, und dann beides an die zuständigen Behörden schicken. Auch in der Bundesrepublik gilt seit dem 1. Juli 1977 ein neues Scheidungsrecht. Dieses neue Gesetz brachte eine Abkehr vom Verschuldensprinzip und stellt nur noch auf „Zerrüttung“ der Ehe ab. Auch in anderen Ländern ist die Ehescheidung erleichtert worden.
Aber es gibt noch einen wichtigeren Grund, warum die Zahl der Ehescheidungen so erschreckend gestiegen ist.
Es ist die Einstellung der Menschen — ihre Wertvorstellungen, ihre Ansicht über die Ehe und ihre Ansprüche, die sie an das Leben stellen. Darin hat sich plötzlich ein radikaler Wandel vollzogen.
Die Menschen haben erfahren, daß man mehr erwarten und sich mehr wünschen sollte. Viele stimmen mit dem Spruch überein: „Genießt den Reiz des Lebens! Man lebt ja nur einmal.“ Wenn die Ehe die Erwartungen, die den Menschen suggeriert werden, nicht erfüllt, suchen sie sich daraus zu befreien — sie reichen die Scheidung ein. Jetzt werden auch vielerorts Versuche mit dieser oder jener Form von Partnerschaft durchgeführt, die sogar als „Ehe“ bezeichnet werden. So konnte man in der in Seattle erscheinenden Zeitung Post-Intelligencer lesen:
„Im Gebiet von Seattle probieren Bankiers und Ingenieure die Gruppenehe aus. Die freie Liebe ist ein Thema der sonntäglichen Predigt. ... Die wilde Ehe ist bald populärer als die amtlich bescheinigte Ehe. Die Älteren setzen sich unauffällig über die konventionelle Ehe hinweg, und die Kinder der Revolution kennen nur noch diese neue Sexualethik.“
Folgendes diene als Veranschaulichung für die Plötzlichkeit des Wandels: Im Frühjahr 1968 — also vor etwa zehn Jahren — gab es in New York einen Skandal, als eine unverheiratete Studentin zugab, außerhalb des Campus mit einem Mann zusammen gelebt zu haben. Die New York Times brachte damals auf der Titelseite einen Bericht darüber, und das Mädchen flog beinahe vom College. Heute gibt es viele große Colleges mit Studentenheimen für beide Geschlechter, und das Zusammenleben von Paaren ist so verbreitet, daß kaum jemand ein Wort darüber verliert.
Trotz des radikalen Wandels in der Einstellung sind amtlich bescheinigte Einehen immer noch populär. Aber man sieht in der Ehe nicht mehr eine Bindung für das Leben, sondern die Ehescheidung gilt jetzt als selbstverständlicher Ausweg, „wenn es nicht klappt“. Eine vor kurzem in der Bundesrepublik durchgeführte Umfrage ergab, daß 26 Prozent aller Bräute schon vor der Heirat an die Ehescheidung denken. Diese Einstellung trägt zur Scheidungswilligkeit bei.
Die modernen Frauenbefreiungsbewegungen haben die Frauen ermuntert, einer außerhäuslichen Berufsarbeit nachzugehen oder irgend etwas anderes zu tun, was ihnen „Selbsterfüllung“ bringt. Das hat zur Folge, daß heute mehr Nachdruck auf die Erfüllung der eigenen Wünsche als auf die Verpflichtungen gegenüber dem Ehegefährten gelegt wird. Man denkt zuerst an die eigene Befriedigung und an das eigene Vergnügen, man will JETZT alles aus dem Leben herausholen, was herauszuholen ist. Diese Einstellung ist offensichtlich der Grund, warum es heute so viele Ehescheidungen gibt.
Wie aus einem Bericht der Zeitschrift Good Housekeeping (Juni 1977) hervorgeht, geben bekannte Persönlichkeiten auch nicht gerade ein gutes Beispiel:
„Während die Scheidungsquote in den USA anstieg, führten bekannte Politiker den Run zum Scheidungsrichter an. Kabinettsmitglieder, Kongreßabgeordnete, Botschafter und hohe Beamte im Weißen Haus erwiesen sich als so scheidungsfreudig wie die übrige Bevölkerung oder noch scheidungsfreudiger, ohne daß dadurch ihre öffentliche Laufbahn oder ihr öffentliches Ansehen beeinträchtigt worden wäre.“
Solche Beispiele haben die Scheidungskonjunktur noch mehr angeheizt, und das hat sich auf die traditionelle Form der Familie sowie auf die gesamte Gesellschaft nachteilig ausgewirkt. Gibt es für dieses Problem eine Lösung? Könnt ihr, du und deine Familie, wirklich glücklich werden?
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Worin besteht die Lösung?Erwachet! 1978 | 8. März
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Worin besteht die Lösung?
JEDES Jahr heiraten Millionen Paare, weil sie glauben, in der Ehe glücklich zu werden. Aber ihre Erwartungen werden oft nicht erfüllt. Daher lassen sie sich scheiden in der Hoffnung, dadurch ihre Probleme zu lösen und eine weitere Chance zu erhalten, glücklich zu werden.
Löst jedoch eine Scheidung die Probleme? Wie bewähren sich andere Formen des Zusammenlebens?
Der Ursprung der Ehe
Bisher mußte alles, was der Mensch ersonnen hat, durch Nachdenken und Experimentieren verbessert werden. Wenn die Ehe menschlichen Ursprungs wäre, müßte man so lange damit experimentieren und sie umformen, bis eine befriedigende Lösung gefunden wäre.
Wie steht es also mit dem Ursprung der Ehe?
In dem Werk Encyclopedia Americana (1977) wird unter der Überschrift „Ehe, Geschichte der“ gesagt: „Einige Forscher sind geneigt, die Ehe auf das Paarungsverhalten der Tiere zurückzuführen. Untersuchungen zeigen, daß bei den Menschenaffen eine mehr oder weniger feste Verbindung besteht ... Die Verbindung bei den Schimpansen ist monogam und dauerhaft.“
Deshalb wird von vielen angenommen, die Ehe habe ihren Ursprung im Tierreich. Es gibt jedoch keine Beweise, die diese Auffassung stützen. In der Encyclopedia Americana wird sogar anerkannt, daß „die mehr oder weniger festen Verbindungen zwischen Tieren keine Ehen sind, denn bei den Tieren gibt es keine Gesellschaft, die die Ehe sanktionieren könnte“.
In dem erwähnten Werk wird weiter erklärt: „Über die Urform der Ehe, die in vorgeschichtlicher Zeit zu suchen ist, läßt sich nichts mit Sicherheit sagen. Dagegen hat in geschichtlicher Zeit in allen Gesellschaften eine Eheform bestanden. ... die wichtigsten Eheformen sind Polygynie [Vielweiberei], Polyandrie [Vielmännerei] und Monogamie [Einehe].“
Man hat also nicht nur in neuerer Zeit, sondern auch schon früher verschiedene Eheformen ausprobiert. Doch wie die Encyclopedia Americana schreibt, „herrscht heute in allen Völkern — wahrscheinlich war das zu allen Zeiten so — eine Form der Einehe vor, das heißt der Verbindung eines Mannes mit einer Frau. ... sie eignet sich offenbar am besten für die Pflege und Erziehung der Kinder.“
Warum ist die Ehe eines Mannes mit einer Frau stets die allgemein anerkannte Eheform gewesen? Vielleicht deshalb, weil diese Eheform nicht menschlichen, sondern göttlichen Ursprungs ist? Man beachte, was Jesus über den Ursprung der Ehe sagte, als er gefragt wurde, welche Scheidungsgründe zulässig seien:
„Habt ihr nicht gelesen, daß der, welcher sie schuf, sie von Anfang an männlich und weiblich gemacht hat und sprach: ,Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird fest zu seiner Frau halten, und die zwei werden e i n Fleisch sein‘?, so daß sie nicht mehr zwei, sondern e i n Fleisch sind. Was also Gott zusammengejocht hat, bringe kein Mensch auseinander“ (Matth. 19:3-6; 1. Mose 2:21-24). Nein, es stimmt nicht, daß man über „die Urform der Ehe“ nichts weiß.
Doch du magst nun fragen: Wenn die Ehe wirklich göttlichen Ursprungs ist, warum ist so viel Herzeleid damit verbunden? Sollte man von einer göttlichen Einrichtung nicht bessere Ergebnisse erwarten dürfen?
Das eigentliche Problem
Es gibt einen wichtigen Grund dafür, daß so viele Ehen unglücklich sind oder scheitern. Folgendes diene als Beispiel: Wenn eine Firma ein Gerät herstellt, liefert sie dann nicht gewöhnlich auch die Bedienungsanleitung dazu? Doch was geschieht, wenn diese mißachtet wird? Dann kann das Gerät noch so erstklassig sein, über kurz oder lang wird es wegen falscher Bedienung nicht mehr funktionieren.
So ist es auch mit der Ehe. Gott, der Allmächtige, hat die Ehe geschaffen, er hat Mann und Frau als Ehepaar zusammengebracht, damit sie Kinder hervorbringen und so eine Familie gründen sollten. Außerdem hat Gott für das Familienleben eine Anleitung gegeben. Wenn diese aber mißachtet wird, kann die Ehe, obschon sie eine vollkommene Einrichtung ist, für die Beteiligten Herzeleid mit sich bringen. Und die Erfahrung zeigt, daß das auch oft der Fall ist.
Die Einrichtung an und für sich ist gut, und wie sogar manch einer, dessen Ehe gescheitert ist, zugeben mag, kann man in der Ehe auch sehr glücklich sein. So berichtete ein 47jähriger Geschäftsmann aus New Jersey, nachdem er zwei Jahre von seiner Frau getrennt gelebt hatte und dann wieder begann, um sie zu werben: „Es hatte Jahre gedauert, bis man miteinander so vertraut war, daß ein Blick oder ein halber Satz genügte, um zu wissen, was der andere dachte. Meine Frau ist die einzige, die mich wirklich versteht. ... Das war es, was ich am meisten vermißte.
Früher hatte ich die Kinder jeden Morgen in die Schule gefahren. Das fehlte mir jetzt auch. Ich führte sie zwar jede Woche mehrmals abends aus, aber das war nicht dasselbe. Unser Verhältnis zueinander war nicht mehr so natürlich, nicht mehr so ungezwungen. Der Mensch braucht eine feste Ordnung. Er ist jahrelang gelehrt worden, das Heim und die Familie zu schätzen, und nun glaubt er plötzlich, alles über Bord werfen zu können — das geht nicht. Ich konnte es nicht.“
Wie das Problem wirklich zu lösen ist
Eine glückliche Ehe kann man nur führen, wenn man die Richtlinien des Stifters der Ehe, Jehovas Gottes, einhält. Das mag der eine oder andere indessen bezweifeln. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, daß viele Ehepaare, die sich von der Bibel leiten lassen, gelernt haben, eine glückliche Ehe zu führen. Leider wissen nur wenig Leute, daß die Bibel vorzügliche Ratschläge für Ehemänner und Ehefrauen enthält, und eine ganz kleine Minderheit ist auch bereit, sie zu beherzigen.
Wir möchten uns nun mit einigen Ratschlägen, die die Bibel Ehepaaren gibt, befassen: „Und jetzt zu euch Männern. Im Zusammenleben mit euren Frauen müßt ihr bedenken, daß sie das schwächere Geschlecht sind. Ihr müßt sie rücksichtsvoll behandeln. Denn sie werden wie ihr von Gott als Geschenk das ewige Leben erhalten.“ „Jeder Mann muß seine Frau wie sich selbst lieben“ (1. Petr. 3:7; Eph. 5:33, NT 68).
Ja, die Männer sollten mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Frau rücksichtsvoll behandeln. Für die Verhältnisse in der Familie tragen sie die größere Verantwortung. In der Bibel wird das wie folgt begründet: „Ein Ehemann ist das Haupt seiner Frau“ (Eph. 5:23). Heute, in unserer Zeit der Frauenbefreiungsbewegung, mag manche Frau diese Ordnung als bedrückend empfinden. Muß sie das jedoch in jedem Fall sein? Nein, sie ist es dann nicht, wenn der Ehemann seine Aufgabe als Haupt in liebevoller Weise erfüllt, indem er die Meinung der Frau in seine Überlegungen einbezieht und berücksichtigt, was sie gern hat und was nicht, ja wenn er ihr in Dingen, in denen es nicht um Grundsätze geht, sogar den Vorrang läßt. So befolgt er den biblischen Rat, die Frau rücksichtsvoll zu behandeln.
Ferner finden wir in der Bibel die Aufforderung: „Die Frauen sollen sich ihren Männern unterordnen“ und: „Die Frau [sollte] tiefen Respekt vor ihrem Mann haben“ (Eph. 5:22, NT 68; 33). Nach Gottes Willen sollte die Frau für ihren Mann eine Gehilfin sein und mit ihm zusammenarbeiten, sie sollte sein Gegenstück sein (1. Mose 2:18, 24). Diese Ordnung kann sich vorzüglich auswirken, besonders dann, wenn jeder der beiden Partner auch den Rat der Bibel befolgt: „Kleidet euch somit ... mit der innigen Zuneigung des Erbarmens, mit Freundlichkeit, Demut, Milde und Langmut. Fahrt fort, einander zu ertragen und einander bereitwillig zu vergeben“ (Kol. 3:12, 13).
Wenn Ehepaare anerkennen, daß die Ehe eine göttliche Einrichtung ist, wenn sie sich mit Gottes Ratschlägen vertraut machen und sie befolgen, können sie ihr Leben lang in der Ehe glücklich sein. Bedeutet das, daß man niemals zur Ehescheidung als Mittel zur Lösung von Eheproblemen Zuflucht nehmen sollte?
Eigentlich sollte es nie soweit kommen. Doch es kann passieren, daß ein Ehemann oder eine Ehefrau sich nicht um die Heiligkeit der Ehe kümmert und Ehebruch begeht oder gar mit einem Tier Unzucht treibt. Die Griechen bezeichneten ein solches Verhalten als pornéia, was geschlechtliche Unmoral bedeutet. Alle unsittlichen Handlungen, die unter die Bedeutung des Wortes pornéia fallen, das im griechischen Text von Matthäus 19:9 erscheint, sind biblische Scheidungsgründe, die eine Wiederverheiratung zulassen. Leider werden heute die Ratschläge Gottes häufig nicht beachtet, weil die Leute sie nicht kennen. Das führt gewöhnlich zu Schwierigkeiten. Man kann jedoch aus der Erfahrung anderer lernen. Wir laden dich daher ein, folgenden Bericht einer jungen Frau über ihre Ehescheidung zu lesen.
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Meine Scheidung — Chance für ein neues Leben?Erwachet! 1978 | 8. März
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Meine Scheidung — Chance für ein neues Leben?
WÄHREND ich im Amtszimmer des Scheidungsrichters neben meinem Anwalt saß, kreisten meine Gedanken immer wieder um die bevorstehende Befreiung aus den Fesseln der Ehe. In ein paar Stunden würde ich mich treffen können, mit wem ich wollte, ich würde gehen können, wohin ich wollte, und ich würde alles selbst entscheiden können — ich würde frei sein und tun und lassen können, was mir beliebte!
Damals, im Dezember 1974, wünschte ich mir vom Leben nichts sehnlicher, als wieder frei zu sein. Ich war 29 Jahre alt und hatte zwei Buben. In einer ruhigen Trabantenstadt im Norden des Staates Ohio besaß ich ein schönes Heim. Auch hatte ich bei einer Versicherungsgesellschaft, bei der ich schon seit meinem Schulabschluß arbeitete, eine gesicherte Position. Ich glaubte, fast alles zu besitzen, was sich eine Frau erträumen mag: Kinder, ein schönes Heim und eine gute Stelle. Der große Fehler, den ich in meinem Leben gemacht hatte — meine Heirat —, sollte bald durch einen Federstrich des Richters wiedergutgemacht werden.
Unter dem Einfluß unserer willfährigen Gesellschaft wurde mein Wunsch nach Freiheit immer größer. Die Moralvorstellungen hatten sich seit 1966, dem Jahr, in dem ich geheiratet hatte, grundlegend gewandelt. Jetzt würde ich alles selbst ausprobieren können, wovon mir meine jungen Kolleginnen im Büro jeweils erzählt hatten — ich war ja mein eigener Herr und Meister und war niemandem Rechenschaft schuldig. Diese Chance für ein neues Leben wollte ich gründlich nutzen. Es gab so manches, was ich gern gesehen hätte, so vieles, was ich tun wollte.
Ich hatte etliche Bücher über die Ehescheidung gelesen und war überzeugt, alles, was auf mich zukommen würde, bewältigen zu können. Bestärkt durch das, was ich in diesen Büchern gelesen hatte, und durch all das, was ich aus Fernsehstücken und Büroklatsch gelernt hatte, nahm ich mir fest vor, das Leben wirklich zu genießen.
Warum ich mich zur Scheidung entschloß
Ich habe keine schönen Erinnerungen an meine acht Ehejahre. Unser Haus war eine Art Motel geworden, ein Ort, an dem man nur aß und schlief. Mein Mann und ich waren beide berufstätig, angeblich, damit unsere Kinder es gut hätten. Wenn wir zu Hause waren, stritten wir uns. Selten widmeten wir uns den Kindern, denn wir waren zu beschäftigt. Mein Mann war bestrebt, „viel Geld zu machen“.
Dennoch fiel mir der Entschluß, mich scheiden zu lassen, nicht leicht. In unserer Familie — fünf Generationen — hatte sich bis dahin niemand scheiden lassen. Aber als wir uns wieder einmal heftig gestritten hatten, glaubte ich, unter solchen Verhältnissen nicht mehr leben zu können.
Als ich beschloß, die Scheidung einzureichen, vertraute ich es nur einer guten Freundin und meinen Eltern an. Ich sagte mir: „Du hast dir die Suppe selbst eingebrockt, jetzt mußt du sie auch selbst auslöffeln.“ Doch bald wußten alle, daß ich mich scheiden lassen wollte. Viele unserer engsten Freunde bestärkten mich in meinem Entschluß. Und wie stand es mit Ratschlägen? Nun, davon erhielt ich reichlich. Später erfuhr ich jedoch, daß die meisten nichts taugten. Sie schienen indessen in ehrlicher Absicht gegeben worden zu sein, und ich brauchte jemand, mit dem ich sprechen konnte, wenn ich deprimiert war.
Meine Eltern nahmen die Nachricht von meinen Scheidungsabsichten besser auf, als ich gedacht hatte. Wir hatten schon immer ein gutes Verhältnis zueinander, aber von meinen Eheproblemen hatte ich ihnen nie etwas erzählt. Sie hatten sich auch nie eingemischt, obschon sie beobachtet hatten, daß ich gelegentlich geschlagen und menschenunwürdig behandelt wurde.
Ich hatte im Alter von 21 Jahren geheiratet. Fast meine ganze Kindheit hatte ich auf einer Farm im Staate Ohio verlebt. Meine Eltern sagten meinem jüngeren Bruder und mir nie, wie sehr sie uns liebten, doch sie bewiesen ihre Liebe durch Taten. Wir hielten es gar nicht für nötig, daß sie es uns sagten. Nachdem ich die Scheidung eingereicht hatte, erfuhr ich von meinen Eltern, daß sie um die Untreue meines Mannes wußten, doch sie hatten es mir verschwiegen, um mir das Herz nicht schwerzumachen.
Veränderungen
Da es fast ein Jahr dauerte, bis die Scheidung ausgesprochen wurde, hatte ich Zeit, mich allmählich umzustellen. Das betraf auch meine Arbeit. Da wir jetzt nur von meinem Einkommen leben mußten, wurde es notwendig, daß ich mehr Geld nach Hause brachte. Einige meiner Freundinnen, die die Frauenbefreiungsbewegung unterstützten, drängten darauf, daß ich das Problem mit meinen Vorgesetzten besprach.
Ich sagte meinen Vorgesetzten, daß ich gut den Posten eines Mannes versehen könne und ich dann auch Anspruch auf einen höheren Lohn hätte. Sie beschlossen, mir eine Chance zu geben. Ich erhielt die Aufsicht über die drei Mädchen, mit denen ich bis dahin zusammen gearbeitet hatte.
Aber mit dem höheren Lohn stieg auch die Verantwortung, und die Veränderungen, die das mit sich brachte, waren nicht immer angenehm. Ich konnte es mir zum Beispiel nicht mehr leisten, mit den Mädchen lange Gespräche über ihr aufregendes Nachtleben zu führen, denn ich hatte jetzt die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß sie arbeiteten. Das vertraute Verhältnis, das zwischen uns bestanden hatte, ging in die Brüche. Sie zogen mich nicht mehr ins Vertrauen.
Zu Hause ging alles mehr oder weniger unverändert weiter. Ich ging weiterhin jeden Tag zur Arbeit, brachte die Kinder zu ihrer „Pflegemutter“ und verwaltete die Finanzen. Die einzige größere Veränderung bestand darin, daß ich abends ausging, um meinen eigenen Interessen zu frönen. Gelegentlich nahm ich auch die Kinder mit, zum Beispiel, wenn ich Tennis spielen ging oder einen Kunstgewerbekursus besuchte. Ich hatte fast jeden Abend in der Woche etwas vor.
Meine Bekannten halfen mir, meine Wochenenden zu planen. Sie arrangierten Verabredungen und stellten mich verschiedenen Freunden vor. Dabei wurde mir bald eine wichtige Tatsache klar: Ich unterschied mich in keiner Weise von den meisten Geschiedenen. Eines Abends saß ich mit sechzehn Geschiedenen in einer Diskothek. Fünf Stunden lang hörte ich ihnen zu, als sie erzählten, wie schlecht ihr Expartner gewesen sei und daß sie für alles hätten herhalten müssen. Es hörte sich so an, als würde immer dasselbe Tonband laufen, nur mit anderen Namen. Sie waren so voll von Selbstmitleid und/oder von Alkohol, daß es ihnen völlig gleichgültig war, wie ihr Leben weitergehen würde.
Ein Problem hatten die Geschiedenen gemeinsam: Alle litten unter einem Gefühl der Einsamkeit. Wurde dieses Problem dadurch gelöst, daß man sich in eine Bar setzte und sich selbst bemitleidete? Viele gingen mit einem Partner nach Hause, um einen „sinnvollen“ Abend — im Bett — zu verbringen. Nachdem ich etwa sechs Monate ein solches Leben geführt hatte, sprach mich meine Mutter einmal liebevoll an und wies mich darauf hin, daß ich jetzt nicht anders leben würde als mein ehemaliger Mann.
Schließlich wurde mir klar, daß das, was ich tat, nicht alles war, was das Leben lebenswert macht. Wenn ich meine Söhne anblickte, fragte ich mich: „Wäre ich an ihrer Stelle stolz auf meine Mutter? Möchte ich, daß sie so leben würden?“ Wären sie in der Zeit, in der ich ausging, nicht bei einer „Pflegemutter“ untergebracht gewesen, hätten sie sich bei irgendeinem Freund herumgetrieben.
Interesse am Wohlergehen der Kinder
Ich beschloß, mich den Jungen mehr zu widmen. Obschon der eine erst fünf und der andere erst sieben Jahre alt war, begriffen sie doch viel besser, was vorging, als ich gedacht hatte. An einem Sonntag sagte ich ihnen, daß wir gemeinsam zur Kirche gehen würden. Bis dahin war keiner von beiden je in der Kirche gewesen. Mein Mann gehörte einer anderen Kirche an als ich, und wir konnten uns nie einigen, welche Kirche wir besuchen sollten. Deshalb verzichteten wir ganz auf den Kirchenbesuch.
Als mich der jüngere von meinen zwei Buben eines Tages fragte, ob Gott einen Sohn habe, war ich ganz erschüttert. Der Gedanke, daß meine Kinder nichts über Gott wußten, erschreckte mich. Aber als ich über meine acht Ehejahre nachdachte, verstand ich, warum sie nichts wußten. Mein Mann und ich waren so damit beschäftigt, Geld zu verdienen, damit es die Kinder „gut“ hätten, daß wir gar nicht an Religion dachten. Von Gott und Christus hörten die Kinder nur, wenn sich ihre Eltern stritten und diese Bezeichnungen als Fluchwörter verwendeten.
Einmal, als in der Schule „Tag der offenen Tür“ war, traf ich eine Nachbarin, die ich schon eine Zeitlang nicht mehr gesehen hatte. Etwa fünf Jahre zuvor hatten wir beide begonnen, mit einer Zeugin Jehovas die Bibel zu studieren, aber schon nach zwei Studien hatte ich aufgehört, weil mein Mann gedroht hatte, gewalttätig zu werden, wenn ich dieses Bibelstudium fortsetzen würde. Ich fragte, wie es der Zeugin Jehovas gehe, und erzählte, daß ich mir Sorgen mache wegen meiner beiden Kinder, die ich zu erziehen hätte und die keine Ahnung von Gott oder von der Bibel hätten. Darauf vereinbarte sie sofort mit der Zeugin Jehovas, mich zu besuchen. Zwei Tage später war diese an meiner Tür.
Beistand
Von da an saßen wir jede Woche eine Stunde lang zusammen und besprachen meine Probleme. Die Zeugin Jehovas half mir verstehen, wie man die biblischen Grundsätze anwendet. Zum Beispiel war ich mit meinen Kindern etwas zu nachsichtig. Ich dachte, schließlich müßten sie meinetwegen ohne Vater aufwachsen, und da sie nur mich hatten, wollte ich nicht dauernd mit ihnen schimpfen. Bewies ich meine Liebe nicht gerade dadurch, daß ich sie nicht züchtigte?
Doch dann erfuhr ich, daß die Bibel darüber etwas anderes sagt. Ich lernte den Bibeltext Sprüche 13:24 kennen, wo es heißt: „Wer seine Rute zurückhält, haßt seinen Sohn, wer ihn aber liebt, der sucht ihn sicherlich heim mit Züchtigung.“
Was ich lernte, begeisterte mich. Bis dahin hatte ich nicht gewußt, daß die Bibel ein Hauptthema hat — Gottes Königreich —, das Königreich, um das wir jedesmal, wenn wir das Vaterunser beten, bitten (Matth. 6:9, 10; Luk. 4:43). Das Königreich wird über die ganze Erde regieren, und unter seiner Herrschaft werden die Menschen nicht mehr sterben müssen, so daß es keine trauernden Hinterbliebenen mehr geben wird. Alles das kennenzulernen machte mich glücklich. Es war ein Glück, nach dem ich gesucht hatte und an dem auch meine Kinder teilhaben konnten.
Bald besuchte ich die Zusammenkünfte im Königreichssaal der Zeugen Jehovas. Das war ein Erlebnis, das einem so richtig wohltat. Es fiel mir auf, daß dort keine Kinder umherrannten, daß sich niemand vordrängte und niemand zur Seite geschoben wurde, daß man keine schmutzigen Worte hörte und keine Frauen zusammenstanden und über andere klatschten. Man hatte mich noch nirgends so herzlich empfangen wie hier. Diese Menschen, die ich zum erstenmal sah, bekundeten aufrichtiges Interesse an meinen Kindern und mir. Sechs Monate danach symbolisierte ich meinen Entschluß, dem wahren Gott, Jehova, zu dienen, indem ich mich taufen ließ.
„Wenn ich das ... schon damals gewußt hätte“
Natürlich habe ich mich auch gefragt, ob ich meine Ehe hätte retten können, wenn ich das, was ich jetzt wußte, schon damals gewußt hätte. Ich habe gelernt, daß die Voraussetzungen für eine gute Ehe gegenseitige Rücksichtnahme, Zusammenarbeit und Gedankenaustausch sind.
Wir, mein Mann und ich, hatten uns nicht bemüht, an diesen Voraussetzungen für eine gute Ehe zu arbeiten. Jeder war so von seinem Leben in Anspruch genommen, daß wir uns nicht umeinander kümmerten, wie wir es hätten tun sollen. Wir waren damit beschäftigt, Geld zu verdienen, damit es die Kinder „gut“ hätten, aber wir achteten nicht auf die Empfindungen und die wirklichen Bedürfnisse der anderen Familienmitglieder. Allmählich lebten wir uns auseinander, anstatt daß wir zusammengehalten hätten. Das war auch der Grund, warum wir keinen Gedankenaustausch pflegten.
Manche Leute sind der Meinung, daß ein Ehepaar alle seine Probleme im Schlafzimmer lösen könne. Doch das stimmt nicht. Eheleute mögen sich sexuell hervorragend verstehen. Aber was nützt das, wenn sie sich nicht zusammensetzen und über ihre Probleme miteinander sprechen können? Manch einer glaubt, genau zu wissen, wie der andere denkt, nur weil er eine Zeitlang mit ihm verheiratet ist. Wie mich die Erfahrung gelehrt hat, ist das nicht immer so. Man kann dem anderen aber nur helfen, wenn man seine Probleme kennt. Es nützt nichts, hinterher, wenn es zu spät ist, einsichtig zu werden, und im allgemeinen löst auch die Scheidung die Probleme nicht.
Dennoch gibt es heute Millionen Menschen, die glauben, die Ehescheidung löse ihre Probleme. Sie sind geneigt, ihre Ehe wie einen Gegenstand zu betrachten: Wenn die Qualität den Erwartungen nicht entspricht, sucht man sich etwas Besseres. Man denkt nur an sich selbst — ob etwas einem selbst gefällt oder ob es einen selbst befriedigt. Die Selbsterfüllung gilt als das Wichtigste. Die Propaganda sagt: „Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein. Du lebst nur einmal, und nur das Beste ist für dich gerade gut genug.“
Dieser Geist der Selbstsucht hatte mich beeinflußt. Mein Hauptanliegen war mein eigenes Glück — die Freiheit, zu tun, was ich wollte. Seither habe ich schon oft darüber nachgedacht und mich gefragt: Was hast du eigentlich gesucht? Wolltest du dich nur vergnügen? Ich erkannte jedoch bald, daß es im Leben wichtigere Dinge gibt, als zu tanzen und sich die ganze Nacht in einer Diskothek „zu vergnügen“. Hoffte ich, einen neuen Lebenspartner kennenzulernen? Wenn ja, hoffte ich wirklich, ihn in einem solchen Lokal zu finden?
Eine weitere schwierige Frage lautete: Suchte ich nur nach Liebe ohne Bindung? Doch Hand aufs Herz: Das ist keine wahre Liebe, sondern nur Genuß. Eine solche Verbindung macht nicht wirklich glücklich. Ich bin so froh, daß ich aufwachte und anfing, nicht nur an mich, sondern auch an andere zu denken — an meine Kinder. Und wie dankbar bin ich, daß ich dahin gelenkt wurde, wo ich wirklich guten Beistand erhielt!
Ein sinnvolles Leben
Allmählich verstand ich, was echte Liebe ist. In 1. Korinther 13:4, 5 wird beschrieben, wie sie sich äußert: „Die Liebe ist langmütig und gütig. Die Liebe ist nicht eifersüchtig, sie prahlt nicht, bläht sich nicht auf, benimmt sich nicht unanständig, blickt nicht nach ihren eigenen Interessen aus, läßt sich nicht aufreizen. Sie rechnet das Böse nicht an.“
Ja, Liebe ist echte Anteilnahme am Wohl anderer. Sie ist aktiv; sie betätigt sich. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß eine solche Liebe der Schlüssel zu wahrem Glück ist, daß es wirklich so ist, wie Jesus Christus sagte: „Beglückender ist Geben als Empfangen“ (Apg. 20:35).
Tagtäglich sehe ich, daß die Christen, mit denen ich jetzt regelmäßig zusammenkomme, diese christliche Liebe praktizieren. Unter ihnen hört man keine schmutzigen Worte, niemand betrinkt sich, keiner verachtet den anderen oder erzählt schlechte Witze, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Im Gegenteil, es herrscht ein herzlicher, liebevoller Ton, und das Familienleben spielt eine wichtige Rolle.
Es ist nicht einfach, zwei Knaben allein großzuziehen, aber das gute Beispiel und der Beistand der Glieder der Christenversammlung sowie der inspirierte Rat des Wortes Gottes wirken sich vorzüglich aus. Die Knaben beginnen, Gott gegenüber ein gutes Gewissen zu entwickeln und an andere eher zu denken als an sich selbst. Sie haben zwar keinen Vater, aber sie wissen, daß es einen Gott gibt, der sich um sie kümmert — Jehova. Meine größte Freude besteht nun darin, zu beobachten, wie sie Gott, der seine Diener nie im Stich lassen und sie schließlich mit ewigem Leben segnen wird, immer besser kennenlernen und wie ihre Dankbarkeit ihm gegenüber ständig wächst (Ps. 133:3). (Eingesandt.)
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Bausteine, die Gott verherrlichenErwachet! 1978 | 8. März
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Bausteine, die Gott verherrlichen
„MÖGE es sich erweisen, daß Jehova, unser Gott, mit uns ist, ... damit alle Völker der Erde wissen, daß Jehova der wahre Gott ist“ (1. Kö. 8:57, 60). Diese Worte sprach König Salomo kurz nach seinem Einweihungsgebet anläßlich der Einweihung des Tempels in Jerusalem im Jahre 1026 v. u. Z. Auf den Bau dieses Tempels nahm Milton G. Henschel, Gastredner aus Brooklyn (New York), Bezug, als er am 6. November 1977 bei der Bestimmungsübergabe eines Kongreßsaales der Zeugen Jehovas in Möllbergen die Hauptansprache hielt. Die 2 396 Anwesenden sahen deutliche Beweise dafür, daß Gott ihre Bautätigkeit gesegnet hatte. Wie kam es aber dazu, daß dieses Gebäude, das vor weniger als zwei Jahren noch eine Fabrikhalle war, in einen Kongreßsaal umgebaut wurde?
Die Bautätigkeit beginnt
Damals bestand das Gebäude aus zwei nebeneinanderliegenden Hallen, die miteinander verbunden waren. Da das Gebäude direkt an der Autobahn Hannover — Dortmund lag, war es für die etwa 16 000 Zeugen Jehovas, die den Saal benutzen würden, sehr günstig gelegen. Deshalb wurde am 24. Juni 1976 der Kaufvertrag abgeschlossen.
Jetzt galt es, die vorhandenen Räumlichkeiten optimal auszunutzen. Bauzeichnungen wurden angefertigt, geändert, verbessert und schließlich bei den Baubehörden eingereicht. Dann begann das Warten auf die Baugenehmigung. Inzwischen wurde mit den Arbeiten begonnen, die ohne behördliche Zustimmung ausgeführt werden durften.
Wie aber dachten die Nachbarn über die vielen freiwilligen Helfer, die angereist kamen, um mitzuarbeiten? Das erfuhr ein Zeuge Jehovas, als er im Wald einen Spaziergang machte und von einem Möllberger mit der Frage angesprochen wurde: „Gehören Sie nicht auch zu den Leuten, die an der Halle wie Ameisen tätig sind?“ Der Vergleich mit den Ameisen war wirklich passend,
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