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  • Die Lebensmitte — Goldene Jahre oder Zeit der Krise?
    Erwachet! 1983 | 22. Mai
    • Die Lebensmitte — Goldene Jahre oder Zeit der Krise?

      „DAS Leben beginnt mit 40!“ wird behauptet. Und viele, die in diesem Alter sind, stimmen begeistert zu. Zum Beispiel sagte eine Frau: „Ich möchte ganz bestimmt nicht mehr 18 sein. So glücklich, wie ich jetzt als Fünfzigerin bin, war ich schon lange nicht.“

      Ja, für viele sind es „goldene Jahre“. Sie können aus jahrelanger Erfahrung schöpfen. Sie kennen das Leben und haben es so ziemlich im Griff. Sogar die Tatsache, daß ihre Kinder vielleicht bald aus dem Haus gehen werden, macht ihnen nicht übermäßig zu schaffen. Wenn sie nur noch zu zweit sind, werden sie mehr Zeit für sich und füreinander haben. Ihr Leben wird nicht inhaltslos, sondern mit sinnvoller Tätigkeit erfüllt sein.

      Andere dagegen sind nicht so optimistisch. „Mit 40 beginnt nichts“, sagen sie, „sondern damit hört die Jugend auf.“ Ihre Furcht mag nicht unbegründet sein. Wenn sie bei sich die ersten Anzeichen des Altwerdens feststellen, sind sie bestürzt und empfinden vielleicht ebenso wie der Mann, der erklärte: „Die Säcke unter meinen Augen sagen mir, daß alles vorbei ist, daß mir nichts mehr bleibt als der Friedhof.“

      Sie mögen beunruhigt sein wegen ihrer Altersversorgung. Einsamkeit mag sie quälen. Und wenn ihre Gesundheit allmählich nachläßt und ihnen zum erstenmal der Gedanke kommt, daß auch sie sterben müssen, fragen sie sich vielleicht, ob ihr Leben bisher eigentlich sinnvoll war und ob ihnen die Zukunft noch etwas zu bieten hat. „Man müßte halt noch einmal jung sein“, sagen sie mit einem Seufzer.

      In der Bibel heißt es jedoch: „Was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Galater 6:7). Ob die Lebensmitte „golden“ ist oder eine Zeit der Krise, hängt zu einem großen Teil davon ab, was man in jüngeren Jahren „sät“ — welche Werte man bevorzugt, welche Gewohnheiten man pflegt und welche Ziele man verfolgt. Da viele unserer Leser die mittleren Jahre noch vor sich haben, möchten wir einige der Möglichkeiten, aber auch einige Probleme, die sie mit sich bringen, untersuchen.

  • Die Frau in der Lebensmitte
    Erwachet! 1983 | 22. Mai
    • Die Frau in der Lebensmitte

      „WAS meinen Sie, wer am glücklichsten ist?“ hieß es in der Zeitschrift Redbook. Ihre Umfrage unter 52 000 Frauen hatte ergeben, daß die Frauen in den mittleren Jahren am glücklichsten sind.

      Das sollte uns nicht überraschen. Was eine junge Frau vom Leben erwartet, ist manchmal so naiv, daß die rauhe Wirklichkeit für sie eine böse Überraschung ist. Die ältere Frau dagegen weiß, was es heißt, Enttäuschungen zu erleben und damit fertig zu werden. Sie ist reich an Erfahrungen, die ihr helfen, Gefahren zu meiden, denen junge Leute oft zum Opfer fallen.

      „Dennoch kann einen die Angst packen, wenn man 40 wird“, gesteht eine Frau. „Man fühlt sich noch jung, aber man weiß, daß man jetzt in die Jahre kommt.“ In der westlichen Kultur wird der Jugend so große Bedeutung beigemessen, daß sich viele verständlicherweise vor dem Altwerden fürchten.

      Zum Beispiel löst der Beginn der Wechseljahre bei vielen Frauen Befürchtungen aus. Sie bedeuten nämlich nicht nur gewisse körperliche Beschwerden, sondern auch das Ende der Gebärfähigkeit. Sollte man sich davor fürchten?

      Kinder großzuziehen kann etwas Beglückendes sein (Psalm 127:3). Deshalb ist es nur natürlich, daß die eine oder andere Frau traurig ist, wenn sie merkt, daß dieser Lebensabschnitt zu Ende geht. Es gibt indessen viele Frauen in mittleren Jahren, die ganz offen sagen, daß sie in diesem Alter kein Kind mehr möchten, in das sie Zeit, Energie und Gefühle investieren müßten. In dem Buch After Forty (Ab vierzig) heißt es: „Die Menopause ist für einige etwas Deprimierendes, für andere etwas Erquickendes.“

      Wie steht es mit den Frauen, die es bedauern, keine Kinder mehr haben zu können, und die sich deshalb unausgefüllt und einsam fühlen? Wenn der Lebensinhalt einer Frau nur im Aufziehen der Kinder bestanden hat, können die mittleren Jahre zur Qual werden. Jesus Christus zeigte jedoch, daß es höhere Ziele im Leben gibt, als Kinder großzuziehen. Eine Frau rief einmal aus: „Glücklich der Schoß, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen!“ Aber Jesus erwiderte: „Nein, glücklich sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es bewahren!“ (Lukas 11:27, 28).

      Für Frauen, die ihren Lebensinhalt darin sehen, Gott zu dienen, und die Wertschätzung für gottgefällige Werte und Grundsätze „gesät“ haben, wird das Leben nicht inhaltslos, wenn die Zeit der Gebärfähigkeit vorüber ist. Jehovas Zeugen zum Beispiel betrachten ihr Leben — auch die mittleren Jahre — als eine Chance, stets mehr Zeit für den heiligen Dienst einzusetzen, den sie Gott darbringen. Sie wissen, daß es „etwas Besseres als Söhne und Töchter“ gibt — ein gutes Verhältnis zu Gott sowie die Verheißung, von ihm gesegnet zu werden (Jesaja 56:3-5).

      „Ich werde alt!“

      Eine Frau gestand: „Die ersten Runzeln machen einem unheimlich zu schaffen. Man denkt: ,Ich werde alt!‘“

      Ja, „Anmut und Schönheit sind vergänglich“ (Sprüche 31:30, Die Bibel in heutigem Deutsch). Deshalb darf das Selbstwertgefühl nicht nur auf der vergänglichen Schönheit beruhen. Was dich wirklich anziehend macht, ist nicht dein Äußeres, sondern die „verborgene Person des Herzens im unvergänglichen Gewand des stillen und milden Geistes, der in den Augen Gottes von großem Werte ist“ (1. Petrus 3:3, 4). Wenn du dich bemüht hast, diese innere Schönheit zu entwickeln — Milde, Mitgefühl, Gastfreundlichkeit, Freigebigkeit —, bleibst du schön, ganz gleich, wie alt du bist.

      Das heißt aber nicht, daß du dein Äußeres vernachlässigen darfst. Die für die mittleren Jahre typischen Figurprobleme kann man oft dadurch vermeiden — oder mindestens auf ein Minimum beschränken —, daß man sich sowohl Bewegung verschafft als auch beim Essen Selbstdisziplin übt. Und man kann sich geschmackvoll kleiden — „mit Bescheidenheit und gesundem Sinn“ (1. Timotheus 2:9). In dem Buch Prime Time werden die Frauen in mittleren Jahren wie folgt gewarnt: „Durch jugendliche Kleidung und Haartracht wirken Gesicht und Figur einer Frau über 40 älter; frauliche Kleidung und Haartracht dagegen unterstreichen ihre menschliche Reife.“

      Eine Fünfzigerin meint jedoch: „Ein Kleid, ein Hut oder eine Bluse allein bewirkt nicht, daß sich eine Frau, die kein Selbstvertrauen hat, besser fühlt. Man muß sich innerlich schön fühlen.“ Mache dir also keine Sorgen, wenn dein Gesicht immer faltiger wird. Denn es ist so, wie ein Mann es einmal formulierte: „Ein Gesicht, das stille Tapferkeit, Lebenserfahrung, menschliche Reife und Anpassung widerspiegelt sowie die Kraft zu weiterer Anpassung und Entwicklung, ist ein schönes, ein wahrhaft jugendliches Gesicht.“

      Alleinstehende Frauen

      Wie ergeht es aber alleinstehenden Frauen, wenn sie in die Jahre kommen? Eine Frau, die keine echten Freundschaften gepflegt hat oder die ihre Zeit nicht auf sinnvolle Weise verbringt, mag nun vereinsamen. Rose, eine alleinstehende Frau, ist hinter das Geheimnis gekommen, wie man die Einsamkeit bekämpfen kann. „Widme dich anderen“, empfiehlt sie. „Wenn du empfangen möchtest, mußt du zuerst geben. Bemühe dich, andere Menschen kennenzulernen. Du wirst überrascht sein; mit der Zeit findest du ein Echo.“ Eine andere Frau machte den Vorschlag: „Lade dir Gäste ein. Veranstalte ein kleines geselliges Beisammensein, auch wenn es dabei nur Kaffee und Kuchen gibt.“ „Die freigebige Seele“ wird vielfach mit dauerhaften Freundschaften gesegnet (Sprüche 11:25).

      Es könnte noch viel mehr gesagt werden, doch ist bereits deutlich zu erkennen, daß schon in jungen Jahren manche Weiche für die Lebensmitte gestellt wird. Probleme jedoch wie die Wechseljahre, die Einsamkeit und das Verblassen der körperlichen Schönheit lassen sich erfolgreich bewältigen. Und solltest du jetzt feststellen, daß du deine bisherigen Wertvorstellungen ändern müßtest, dann handle gemäß deiner Erkenntnis, denn es ist besser, spät das Richtige zu „säen“ als niemals.

      [Bilder auf Seite 5]

      Körperliche Schönheit vergeht ...

      ... innere Schönheit dagegen wirkt immer anziehend

  • Der Mann in der Lebensmitte
    Erwachet! 1983 | 22. Mai
    • Der Mann in der Lebensmitte

      „EINES Tages, als ich mich rasierte, fielen mir meine vielen grauen Haare auf“, erinnert sich ein Mann. „Auch bemerkte ich, daß ich Säckchen unter den Augen hatte und tiefe Runzeln auf der Stirn. Als ich dann mein ganzes Gesicht kritisch betrachtete, bekam ich einen ordentlichen Schreck.“

      Die Erkenntnis, alt zu werden, trifft nicht jeden Mann wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Früher oder später merkt er jedoch, daß er beim Treppensteigen außer Atem kommt oder daß er abends, nachdem er den ganzen Tag gearbeitet hat, sehr müde ist. Von da an hört er aufmerksam hin, wenn im Fernsehen darüber gesprochen wird, wie viele Männer in mittleren Jahren einem Herzinfarkt erliegen. Vielleicht fängt er sogar an, die Todesanzeigen in der Zeitung zu überfliegen. Auch mag der Gedanke, daß er nun bei den Frauen keine Chancen mehr hat, seinen männlichen Stolz hart treffen. Manche bemerken außerdem ein Nachlassen ihrer Manneskraft.

      Die Ärzte sagen jedoch, daß der Mann seine Zeugungsfähigkeit gewöhnlich bis ins hohe Alter behält. Hat die nachlassende Potenz physische Ursachen, so besteht natürlich die Möglichkeit, sich in ärztliche Behandlung zu begeben.

      Trotz allem haben die beiden Forscher Masters und Johnson festgestellt, daß bei Männern vom 50. Lebensjahr an „die sexuelle Kapazität stark abnimmt“. Dafür sind sehr wahrscheinlich sowohl physiologische Vorgänge als auch die seelischen Reaktionen darauf verantwortlich. So spielt die Versagensangst vermutlich eine wichtige Rolle. In einer Fachschrift heißt es: „Es kann für den Mann emotional vernichtend sein, wenn ein einziges Mal Störungen der sexuellen Potenz auftreten. Der ... Mann mag dann den Geschlechtsverkehr mit seiner Frau nicht mehr ausüben wollen, um einer demütigenden Niederlage vorzubeugen.“

      Krisensymptome

      Es ist begreiflich, daß Männer die Lebensmitte fürchten. Ein Mann mag sich dann in einer schweren Krise befinden und um die Erhaltung seiner Jugend und seiner Identität kämpfen. Es gibt verschiedene Symptome dieser Krise. Manche Männer werden eitel. Ein Herrenausstatter berichtete, daß manchmal Männer in mittleren Jahren „konservativ gekleidet — dunkelgrau oder dunkelblau — das Geschäft betreten und es ... mit einem buntkarierten Sakko mit Goldknöpfen und mit Hemden in knalligen Farben wieder verlassen“.

      Es gibt noch weitere Krisensymptome: krasser Wechsel des Lebensstils, Depressionen, Introversion, Unentschlossenheit, Apathie. Manch ein Mann wird sogar körperlich krank.

      Was ist jedoch die eigentliche Ursache des gelegentlich exzentrischen Verhaltens? Ist es nicht der Umstand, daß man es versäumt hat, vernünftige Wertvorstellungen zu „säen“, daß man keine realistische Lebensauffassung vertreten hat? Ein Mann, der sich von den Grundsätzen der Bibel leiten läßt, gerät nicht in einen solchen Zustand der Verzweiflung. Warum nicht?

      Er ist sich der schmerzlichen Tatsache bewußt und hat sich damit abgefunden, daß das Leben sehr kurz ist und daß jeder Mensch alt wird. (Siehe Psalm 90:10.) Sein Selbstwertgefühl hängt nicht von den Chancen ab, die er bei den Frauen hat, sondern er ist „stolz“ auf sein Verhältnis zu Gott (1. Korinther 1:31, Die Bibel in heutigem Deutsch). Deshalb ist er nicht besonders beunruhigt, wenn er sieht, daß er grau wird, oder wenn er merkt, daß er etwas Fett ansetzt. Er weiß, wie töricht es ist, „höher von sich zu denken, als zu denken nötig ist“ (Römer 12:3). Der biblische Rat, „bescheiden“ zu sein, hilft ihm, seine Grenzen realistisch zu sehen (Micha 6:8). Er wird auch angespornt, in bezug auf Kleidung und Haartracht wählerisch zu sein. Und es ist ihm möglich, selbst wenn er bescheiden ist, sich geschmackvoll, ja sogar modisch zu kleiden. Aber er fühlt sich nicht gezwungen, die Mode der westlichen Jugend mitzumachen und seine Brust mit Halsketten zu behängen oder sich in enge Jeans zu zwängen. Seine Kleidung entspricht der Würde seines Alters.

      „Ich bin in einer Sackgasse“

      Die Lebensmitte ist auch das Alter, in dem ein Mann beginnt, sein Leben neu zu überdenken. Zum Beispiel mag er viel über seinen Beruf nachdenken — über den damit verbundenen Leistungsdruck, die Eintönigkeit, die Unsicherheit. Vielleicht ergeht es ihm wie dem 52jährigen Verkäufer, der sagte: „Ich bin in einer Sackgasse. Die Arbeit, die ich seit 20 Jahren verrichte, bringt mich auf keinen grünen Zweig.“ Und manch einem mag die Arbeit durch eine bittere Enttäuschung verleidet worden sein — man hat ihn nicht befördert, sondern Männer genommen, die viel jünger sind als er und über weit weniger Erfahrung verfügen.

      Wer den Beruf zu seinem Lebensinhalt gemacht hat, mag natürlich den Mut verlieren, wenn sich seine Erwartungen nicht erfüllen. Schwierige Arbeitsbedingungen sind für jedermann hart. Aber ein Mann, der sich von biblischen Grundsätzen leiten läßt, glaubt nicht, sein Leben habe keinen Sinn mehr, nur weil er es in seiner Branche nicht bis zur Spitze gebracht hat. Er weiß, daß die Jagd nach Amt und Würden „Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind“ ist (Prediger 4:4). Er hat es erlebt, daß Leute bei ihrem Wettlauf nach „oben“ ihre Gesundheit ruiniert und ihr Familienleben zerstört haben. Doch ist er dankbar, Arbeit zu haben, mit der er sich ernähren kann, und es befriedigt ihn, gute Arbeit zu leisten. Seine berufliche Tätigkeit bildet nicht den Inhalt seines Lebens, sondern dient ihm nur dazu, den Unterhalt für sich und seine Familie zu bestreiten, während er sich religiösen Belangen widmet. Dank dieser Anschauung kann er „während der Zahl der Tage seines Lebens, die der wahre Gott ihm gegeben hat“, „für all seine harte Arbeit“ Gutes sehen (Prediger 5:18; 1. Timotheus 5:8).

      [Bilder auf Seite 7]

      Manche streben nach Befriedigung, indem sie sich jugendlich kleiden ...

      ... wirklich befriedigt aber ist man, wenn man gute Arbeit leistet

  • Die Ehe in der Lebensmitte
    Erwachet! 1983 | 22. Mai
    • Die Ehe in der Lebensmitte

      IN LETZTER Zeit hört man beunruhigende Berichte über langjährige Ehen. Aus einer kanadischen Studie geht beispielsweise hervor, daß die Fähigkeit zur Intimität und die Befriedigung in der Ehe abnehmen, je länger ein Paar verheiratet ist. Statistische Studien lassen eine immer größere Scheidungsfreudigkeit unter Ehepaaren im Alter von über 45 Jahren erkennen. Und vielleicht ist auch deine Ehe nicht mehr so glücklich wie früher.

      So viele brechen heute aus der Ehe aus, daß du dich gelegentlich fragen magst, ob es sich überhaupt lohnt, sich mit Eheproblemen auseinanderzusetzen und sich zu bemühen, sie zu lösen. Es gibt „Experten“, die es sogar für vorteilhaft halten, mit einem neuen Partner nochmals von vorn zu beginnen. Aber wie ergeht es denen, die diesen Weg beschreiten?

      Treuloses Handeln

      „Du bist mir einfach zu alt!“ sagte ein Mann in mittleren Jahren ganz unverfroren zu seiner Frau. Er hatte eine Liebesaffäre mit einer Jüngeren. Seine Frau erinnert sich: „Er war noch stolz darauf und wollte mir alles bis ins einzelne erzählen.“

      Warum werden Männer — auch Frauen — ihrem Ehepartner, mit dem sie viele Jahre verheiratet waren, untreu? (Maleachi 2:14-16). Einige stürzen sich in eine „Affäre“, um ihr angeschlagenes Ego zu stärken, um sich in ihrer Männlichkeit (oder Weiblichkeit) bestätigt zu fühlen. Auch mag ein Mann das Nachlassen seiner sexuellen Kapazität befürchten und nun beweisen wollen, daß er noch im Vollbesitz seiner Manneskraft ist.

      In der Bibel werden die Folgen von Ehebruch treffend wie folgt beschrieben: „Wer Ehebruch treibt, ist ohne Verstand, nur wer sich selbst vernichten will, läßt sich darauf ein“ (Sprüche 6:32, Einheitsübersetzung).

      Inwiefern vernichtet sich der Ehebrecher selbst? Erstens quält ihn das Gewissen. Selbst der erwähnte Ehemann, der sich so gebrüstet hatte, gestand später: „Ich kann nachts nicht mehr schlafen.“ Seine Frau dagegen, die das Gewissen nicht plagte, litt nicht unter Schlafstörungen. „Ich war mir keiner Schuld bewußt“, sagte sie, „denn ich bemühte mich, Jehova wohlgefällig zu handeln.“

      Zweitens schadet der Ehebrecher seiner Selbstachtung und schafft keine guten Voraussetzungen für späteres Glück. Kann die Frau, mit der er Ehebruch begeht (selbst wenn er sie später heiratet), ihm wirklich trauen? Aber das Schlimmste an seinem Ehebruch ist, daß er dadurch sein Verhältnis zu Gott zerstört, der „Hurer und Ehebrecher richten“ wird (Hebräer 13:4). Das ist ein hoher Preis für ein selbstsüchtiges Abenteuer!

      Salomo gab daher den Rat: „Möge sich dein Wasserquell [die Quelle geschlechtlicher Befriedigung] als gesegnet erweisen [indem du deinem Ehepartner treu bleibst], und freue dich mit der Ehefrau deiner Jugend“ (Sprüche 5:18). In jeder Ehe, ganz gleich, wie viele Jahre sie schon besteht, können sich sexuelle Probleme einstellen. Die Bibel gibt Ehepaaren ganz allgemein den Rat: „Entzieht es [den ehelichen Verkehr] einander nicht“ (1. Korinther 7:5).

      Wie ein Eheberater berichtet, ist „das Hauptproblem in langjährigen Ehen“ das fehlende Gespräch. Wie entsteht ein solches Problem?

      Das Hauptproblem

      Der Mann kommt von der Arbeit nach Hause und wird von der Frau mit den Worten empfangen: „Vati, der Zahnarzt hat gesagt, David habe sehr schlechte Zähne!“ „Früher hat sie mich jeweils gefragt, wie es mir auf der Arbeit ergangen ist“, denkt er und seufzt.

      Jetzt mag sich das Gespräch nur noch um Dinge drehen wie die Schulzeugnisse der Kinder oder die Spritzen gegen Masern. Manche Ehepaare merken erst, wenn die Kinder groß und aus dem Haus sind, daß sie gar nicht mehr richtig miteinander reden können.

      Wenn die Frau in die Wechseljahre kommt, mag ein weiteres Problem auftauchen, weil sie dann besonders viel Mitgefühl und Verständnis benötigt. Der Mann, der vielleicht ebenfalls mit Problemen der Lebensmitte zu kämpfen hat, mag aggressiv oder streitlustig werden — alles andere als ein verständnisvoller Ehemann.

      Aber wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. In dem Buch Making It From 40 to 50 (Die schwierigen Jahre zwischen 40 und 50) wird gesagt: „Sie zanken sich, jammern und nörgeln; sie verletzen sich gegenseitig, wie das nur Personen tun können, die sich viele Jahre geliebt und miteinander gelebt haben. Jeder kennt die schwachen Stellen und die heimlichen Ängste des anderen, und diese werden dann die Angriffsziele in dem von beiden mit größter Härte geführten Zermürbungskrieg.“ Was hilft gegen solche Streitereien?

      Wieder miteinander sprechen

      „Die Liebe“, sagt die Bibel, „ist langmütig und gütig ..., blickt nicht nach ihren eigenen Interessen aus, läßt sich nicht aufreizen“ (1. Korinther 13:4, 5). Vergiß dein Selbstmitleid! Bemühe dich vielmehr, für den emotionalen Druck, unter dem dein Ehepartner leiden mag, Verständnis zu haben. Übt gegenseitig Nachsicht. Und gebt der Versuchung nicht nach, den Streit noch anzuheizen. „Wo es kein Holz gibt, geht das Feuer aus“ (Sprüche 26:20, 21).

      Wenn du mit deinem Ehepartner keinen Gedankenaustausch pflegst, weil du vielleicht meinst, er verstehe dich nicht, dann erkläre ihm, wie du empfindest. Das fällt nicht jedem leicht. Besonders Männern fällt es anscheinend schwer, über ihre Ängste und ihre Schwächen zu sprechen.

      Abraham jedoch, der Stammvater der Juden und ein tapferer Mann der Tat, schämte sich nicht — auch nicht vor seiner Frau —, seine Befürchtungen zuzugeben. Und trotzdem hatte sie hohe Achtung vor ihm. (Siehe 1. Mose 12:11-13; 18:12.) Würde sich eine solche Ehrlichkeit und Offenheit auch günstig auf deine Ehe auswirken?

      Das Gespräch ist ein wichtiger Faktor, der verhindert, daß die Ehe hohl wird. Natürlich verfällt das Äußere allmählich, wenn man älter wird; und manchmal altert der eine Ehepartner schneller als der andere. Aber wenn du im Laufe der Jahre weise „gesät“ hast, wird die Ehe nicht nur durch physische Attraktivität zusammengehalten. Ein Mann formulierte es so: „Wenn man ein inniges Verhältnis zueinander hat, ist man zutiefst befriedigt. Man kann jemandem, der einen am besten kennt und versteht, seine Gefühle und Empfindungen ohne Hemmung zeigen.“ Ja, man erfreut sich der Gemeinschaft eines Menschen, mit dem man wirklich gern zusammen ist. Lohnt es sich nicht, an einer solch großartigen Gemeinschaft festzuhalten? Vielleicht machst du sogar die Erfahrung, daß ihr euch jetzt, in der Mitte eures Lebens, besser versteht denn je und daß eure Ehe noch nie so glücklich war wie jetzt.

      [Bilder auf Seite 9]

      Streitet ihr euch ...

      ... oder liebt ihr euch?

  • Es können goldene Jahre sein
    Erwachet! 1983 | 22. Mai
    • Es können goldene Jahre sein

      WAS wird dir die Lebensmitte bringen: goldene Jahre oder eine Zeit der Krise? Die schönsten oder die schlimmsten Jahre deines Lebens? Wird sie eine „Abschußbasis für einen neuen Lebensabschnitt“ sein oder eine Zeit der Stagnation?

      Wiederum müssen wir an das Bibelwort denken: „Was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Galater 6:7). Wie die mittleren Jahre sein werden, hängt also zu einem großen Teil von dir selbst ab.

      Auf einen jungen Menschen sollten diese Worte ernüchternd wirken. Aber vielleicht denkt er, es werde noch lange dauern, bis er die Lebensmitte erreiche. Doch dem ist nicht so. Unser Leben geht ‘schnell vorüber, und hinweg fliegen wir’ (Psalm 90:10). Kümmerst du dich jetzt nicht um geistige Werte, dann wirst du später dafür bezahlen müssen — mit Verzweiflung und Unzufriedenheit mit deinem Leben. Wenn du dir nicht angewöhnst, fleißig zu sein, dich zu beherrschen, deine Kenntnisse zu erweitern und Verständnis zu erwerben, wirst du dich in späteren Jahren elend fühlen. Räumst du Gott keinen Platz in deinem Leben ein, so wird das Alter für dich eine Zeit ‘unglücklicher Tage’ sein. Der weise König Salomo hielt es deshalb für vernünftig, ‘den wahren Gott zu fürchten und seine Gebote zu halten’ (Prediger 12:1, 13). Als erstes muß man indessen Gott kennenlernen. Das kann man am besten durch ein Studium seines Wortes, der Bibel.

      Ein neuer Start

      Was kannst du tun, wenn du bereits in der Mitte deines Lebens angelangt oder noch älter bist und jetzt den Preis dafür zahlst, daß du versäumt hast, Wertschätzung für die richtigen Wertbegriffe und Grundsätze zu „säen“? Dann ist es höchste Zeit für eine Änderung.

      „Wie soll ich das tun?“ magst du fragen. Es gibt Männer und Frauen in den mittleren Jahren, die bestrebt sind, ihrem Leben einen gewissen Sinn und Zweck zu geben, indem sie sich einer Sozialarbeit widmen oder sich sonstwie nützlich machen. Andere suchen sich ein neues Leben zu schaffen, indem sie auf Reisen gehen, um Land und Leute kennenzulernen, oder indem sie irgend etwas tun, was sie schon längst gern getan hätten, was ihnen aber aus Zeitmangel nie möglich war. Es gibt indessen etwas, was mehr befriedigt als das alles. Du kannst die Probe aufs Exempel machen, wenn du dir die Zeit nimmst, mit der Bibel und mit der von Gott stammenden Zukunftshoffnung vertraut zu werden. Jehovas Zeugen sind gern bereit, dir zu zeigen, wie man ein solches Studium durchführt. Der Nutzen? Eine lebendige Hoffnung!

      Ja, Jehovas Zeugen haben eine gut begründete Zukunftshoffnung. Wir glauben, daß Gott dem Leben einen Sinn und Zweck verliehen hat und daß mit den flüchtigen 70 oder 80 Lebensjahren nicht alles vorbei ist. Wir hoffen auf eine himmlische Regierung, die die Angelegenheiten der Erde beaufsichtigen und sie schließlich zu einem Paradies machen wird. Dadurch erhalten die Menschen die Möglichkeit, ewig zu leben und das Leben auch zu genießen (Psalm 72:1-8; Offenbarung 21:3, 4; Johannes 17:3).

      Es befriedigt Jehovas Zeugen, mit ihren Mitmenschen über diese Botschaft der Hoffnung zu sprechen, und gibt ihrem Leben einen Sinn. Ihre mittleren und späteren Lebensjahre sind mit fruchtbarer Tätigkeit erfüllt, indem sie ihren Mitmenschen behilflich sind, Gott kennenzulernen. Ein Ehepaar fühlte sich einsam, nachdem das letzte Kind aus dem Haus gegangen war. Nach einigen Wochen besprachen die beiden, ob sie es schaffen würden, wenn der Mann nur noch eine Teilzeitbeschäftigung hätte, so daß sie die Verkündigung der biblischen Wahrheit zu ihrer Hauptaufgabe machen könnten. „Wenn ich den ganzen Tag im Beruf arbeite, habe ich das Gefühl, meine Zeit für etwas Unnützes zu vertun“, sagte er. Sie beschlossen, das Ziel anzustreben, ihre ganze Zeit in den Dienst Gottes zu stellen. Heute freuen sie sich, gemeinsam im Hauptbüro der Watch Tower Society in Brooklyn (New York, USA) zu arbeiten, wo biblische Schriften wie die vorliegende Zeitschrift hergestellt werden.

      Würde ein solch lebendiger Glaube deine mittleren Jahre (oder auch irgendwelche anderen Jahre) nicht auch zu gesegneten Lebensjahren machen? Carmela, eine Zeugin Jehovas, sagte: „Bald wird eine vollkommene Regierung die Macht übernehmen. Dieses Bewußtsein hält mich aufrecht und macht mich glücklich.“ Jehovas Zeugen sind gern bereit, mit dir über ihren Glauben zu sprechen und dir zu helfen, eine Freude und eine Zufriedenheit zu finden, die ewig andauern werden.

      Das Leben beginnt eigentlich nicht mit 40, aber es endet auch nicht damit. Die Lebensmitte birgt neue Möglichkeiten, zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Sachliche Überlegungen mögen dich sogar veranlassen, notwendige Änderungen in deinem Denken und in deinem Lebensstil vorzunehmen. Dein „Wahrnehmungsvermögen“ ist durch die erlangte Lebenserfahrung besser geworden, so daß du jetzt manches deutlicher erkennst als früher (Hebräer 5:14). Ehepaare haben eine goldene Gelegenheit, sich näherzukommen.

      Es liegt viel an dir. Die Lebensmitte braucht nicht unbedingt eine Zeit der Krise sein. Wende dein Wissen, deine Fähigkeiten, deine Erfahrung und vor allem die Weisheit, die durch Gottes Wort erlangt werden kann, an, um diese Jahre zu den glücklichsten, zu den besten Jahren deines Lebens zu machen.

      [Herausgestellter Text auf Seite 11]

      „Bald wird eine vollkommene Regierung die Macht übernehmen. Dieses Bewußtsein hält mich aufrecht und macht mich glücklich.“

  • Wie sich Tausende von Bienen einig werden
    Erwachet! 1983 | 22. Mai
    • Wie sich Tausende von Bienen einig werden

      Tausende von Bienen bilden eine Schwarmtraube. Kurz danach ziehen 20 bis 30 von ihnen aus, um in der Umgebung nach einer neuen Wohnung zu suchen.

      Sobald die Quartiermacherbienen einen geeigneten Platz gefunden haben, kehren sie zu der Schwarmtraube zurück und beginnen zu tanzen. Durch den Tanz, ausgeführt auf der Schwarmtraube, erfahren die übrigen Bienen, wie weit entfernt und in welcher Richtung die gefundene Niststätte liegt.

      Eine tanzende Biene wedelt mit dem Hinterleib heftig nach beiden Seiten, während sie ein kleines Stück geradeaus läuft. Dann folgt ein Kreisbogen nach links, ein erneuter Schwänzellauf und schließlich ein Kreisbogen nach rechts. So entsteht eine Achtfigur mit einer Geraden in der Mitte. Die Anzahl der Durchläufe in einer bestimmten Zeit gibt wahrscheinlich die Entfernung der entdeckten Wohnung an. Forscher haben ermittelt, daß die Bestimmung der Entfernung auf der von der Biene beim Flug verbrauchten Energiemenge beruht.

      Die Richtung wird durch den Winkel des Geradeausschrittes zur Lotrechten, die die Stellung der Sonne zur Zeit des Tanzes darstellt, bekanntgegeben. Verläuft der Geradeausschritt der Biene in einem Winkel rechts zur Lotrechten, so bedeutet das, daß sich der Ort im gleichen Winkel rechts zur Sonne befindet, während ein Winkel zur Linken auf einen Platz hinweist, der im gleichen Winkel links davon liegt. Verläuft der Geradeausschritt der Biene auf der senkrechten Ebene aufwärts, dann befindet sich der Ort in der Richtung zur Sonne. Vollführt sie ihn nach unten, bedeutet das, daß die Bienen von der Sonne wegfliegen müssen, um den Ort zu finden.

      Durch den Tanz wird auch die Güte der neuen Unterkunft angedeutet. Spurbienen, die eine geeignete Unterkunft gefunden haben, tanzen manchmal mehr als eine Stunde lang sehr lebhaft. Natürlich müssen sie sich zwischendurch ausruhen. Aber die Tänzerin verläßt die Schwarmtraube nicht.

      Selbstverständlich zieht die Biene, die am lebhaftesten und am ausdauerndsten tanzt, die Aufmerksamkeit der meisten Suchbienen auf sich, und diese unternehmen dann einen Erkundungsflug zu der angegebenen Stelle. Minderwertige Nistplätze werden durch einen kurzen, matten Tanz angemeldet, worauf nur wenige Spurbienen ausziehen, um den entdeckten Ort zu besichtigen. Die Spurbienen sind nicht darauf erpicht, an ihrer Entdeckung festzuhalten. Sie prüfen auch Plätze, die ihre „Kolleginnen“ entdeckt haben. Nach vielen Stunden oder gar nach etlichen Tagen einigen sie sich, und alle setzen sich für den besten Nistplatz ein. So wird die Einigkeit gewahrt, was 20 000 bis 30 000 Bienen zugute kommt, indem sie den besten der aufgefundenen Nistplätze beziehen können.

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