„Reis-Christen“ sind keine Christen
„DIE ‚Reis-Christen‘ sind vom chinesischen Festland verschwunden“, sagte Dr. Tracey K. Jones, jr., bei einer Tagung des Missionsausschusses der Methodisten, wie man dies in The Christian Century vom 20. Februar 1960 lesen konnte.
Wer ist ein „Reis-Christ“? Jemand, den man dafür gewonnen hat, sich zu einer der Konfessionen der Christenheit zu bekennen, indem man ihm Reis oder andere Speise schenkte. Da die Sättigung des Magens an sich keine starke Überzeugung vermittelt, überrascht es uns nicht, wenn diese „Reis-Christen“ zufolge des kommunistischen Druckes in China ihr sogenanntes Christentum aufgeben.
Obwohl der Kommunismus auf dem chinesischen Festland den „Reis-Christen“ ein Ende bereitet haben mag, wird es doch solche anderswo geben, solange religiöse Organisationen die gleiche Taktik verfolgen. So sagte das oben zitierte religiöse Wochenblatt in einer früheren Ausgabe: „Neue römisch-katholische Kirchen, die [in Formosa] an Orten gebaut wurden, wo es keine Katholiken gab, wurden so gebaut, daß darin ‚Care-Pakete‘ gelagert und verteilt werden können … Priester bedienten sich des Überschusses an Waren in den Vereinigten Staaten, die ihnen auf diese Weise billig zukamen, als eines Lockmittels zur Bekehrung und als eines Anreizes für die bereits Bekehrten.“
In einer Reihe von elf Fragen, die vom Weltkirchenrat an seine Mitglieder gerichtet wurden, war daher die Frage Nr. 5 höchst passend. Sie lautete: „Können wir damit einiggehen, irgendeine kirchliche Aktion abzulehnen, durch die materielle oder soziale Vorteile gewährt werden, um einzelne Personen zu beeinflussen, sich einer Kirche anzuschließen, oder damit, daß in Zeiten der Not oder Bedrängnis ein ungebührender Druck auf jemanden ausgeübt wird?“
„Reis-Christen“ gibt es nicht nur in den Ländern Asiens, wo der Reis wächst, ganz und gar nicht. Die ganze Christenheit ist von diesem selbstischen Virus — von der aus unlauteren Beweggründen erfolgenden, angeblichen Anbetung Gottes — angesteckt. Deswegen finden wir, daß die Zahl der Kirchenmitglieder in gewissen Ländern steigt, daß religiöse Feiertage wieder mehr beobachtet werden, daß religiöse Artikel besseren Absatz finden und daß neue Kirchen gebaut werden. Die Tatsache, daß all diese vermehrte Tätigkeit kein Zeichen des wahren Christentums ist, geht daraus hervor, daß auch in diesen Ländern Verbrechen, Kriminalität und Unsittlichkeit immer mehr überhandnehmen.
Von Leuten, die solchen „Reis-Christen“ gleichen, sagt der Apostel Paulus, es seien „Menschen, verderbten Sinnes und der Wahrheit beraubt“, die dächten, „Gottergebenheit“ sei „ein Mittel zum Gewinn“. Und voraussagend, daß es „in den letzten Tagen kritische Zeiten“ geben werde, die „schwer zu ertragen“ seien, beschreibt Paulus dann die verschiedenen Arten der Missetaten, die heute in der Welt geschehen, und erklärt darauf, daß die Menschen „das Vergnügen mehr lieben als Gott“, daß sie „eine Form der Gottergebenheit haben, doch hinsichtlich deren Kraft sich als falsch erweisen“, und fügt hinzu: „Von diesen wende dich weg.“ — 1. Tim. 6:5; 2. Tim. 3:1, 5, NW.
Strenggenommen gibt es keine „Reis-Christen“. Es kann wohl „Reis-Methodisten“, „Reis-Presbyterianer“ und „Reis-Katholiken“ geben, nicht aber „Reis-Christen“, denn Jesus Christus hat dafür kein Beispiel gegeben. Er hob hervor, daß geistige Dinge den physischen voranzustellen sind, wenn er sagte: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jeder Äußerung, die durch den Mund Jehovas ausgeht.“ Er bezeichnete jene als glücklich, „die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewußt sind, da das Königreich der Himmel ihnen gehört“. „Glücklich sind jene, die [nicht nach Reis und Wein, sondern] nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, da sie gesättigt werden.“ — Matth. 4:4; 5:3, 6, NW.
Allerdings versah Jesus die Volksmengen durch ein Wunder mit materieller Speise, als sie tagelang bei ihm blieben und ihnen der Proviant ausging, indem er mindestens bei zwei Gelegenheiten bewirkte, daß viele Tausende durch einige Brote und Fische gespeist wurden. Doch als ihm einige Menschen nur deshalb folgten, weil sie so gespeist worden waren, tadelte er sie mit den Worten: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich, nicht weil ihr Zeichen [Beweise, daß er ein Prophet Gottes war] saht, sondern weil ihr von den Broten aßet und gesättigt wurdet. Wirket nicht für die Speise, die vergeht, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt, die der Sohn des Menschen euch geben wird, denn auf diesen hat der Vater, Gott, sein Siegel der Anerkennung gelegt.“ — Joh. 6:25-27, NW.
Das wahre Christentum ist nicht eine Sache der Selbstsucht, sondern der Selbstlosigkeit oder Liebe: „Du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Sinn und mit deiner ganzen Kraft“, und: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Jesus sagte ferner, daß „der Sohn des Menschen kam, nicht um bedient zu werden, sondern um zu dienen und seine Seele als ein Lösegeld als Gegenwert für viele zu geben“. Durch diese Handlungsweise zeigte Jesus sein Verständnis dafür, daß ‚mehr Glück im Geben als im Empfangen liegt‘. — Mark. 12:30, 31; Matth. 20:28; Apg. 20:35, NW.
Kann man Jesu Lehren heute buchstäblich nehmen? Ist es möglich, diese christlichen Grundsätze anzuwenden, wenn sich überall soviel Selbstsucht breitmacht? Ja, es ist möglich, und die Neue-Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas gibt dafür reichlich Beweise. Die meisten ihrer Glieder haben die populären Religionen der Welt, die des Heidentums und die der Christenheit, verlassen. Von welchem Beweggrund wurden sie dazu getrieben, christliche Zeugen Jehovas zu werden? Nicht von einem materialistischen Beweggrund, nein, sondern von der Liebe zur Wahrheit, zu Gott und zu ihren Mitmenschen. Was viele außerdem angelockt hat, sind die hohen Grundsätze gewesen sowie der Eifer der Träger dieser Botschaft und ganz besonders die wunderbare Hoffnung auf Gottes Königreich und die Segnungen, die dieses den Menschen in einer neuen Welt der Gerechtigkeit bringen wird.
Von welcher praktischen Auswirkung ist dies gewesen? Die Antwort lautet, daß ohne die Hilfe irgendwelcher Gaben in Form von „Reis“ die Zahl der Prediger, die regelmäßig jeden Monat die Botschaft verkündigen, in zehn Jahren nahezu um das Dreieinhalbfache gestiegen ist, da sie im Jahre 1949 230 532 und im Jahre 1959 803 482 betrug. Alle diese Prediger haben die durch rassische, politische, nationale und kulturelle Unterschiede hervorgerufenen Vorurteile beiseite getan und wirken in 176 Ländern und auf den Inseln des Meeres als eine harmonische Einheit zusammen. Wahrlich, das echte Christentum braucht keinen „Reis“, um Christen zu machen!