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Der dritte Weltkrieg — Läßt er sich aufhalten?Erwachet! 1981 | 8. September
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Der dritte Weltkrieg — Läßt er sich aufhalten?
„UM Gottes willen und um eurer Kinder und der Zivilisation willen, hört mit diesem Wahnsinn auf!“ Diese leidenschaftlichen Worte wurden kürzlich an die Führer der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gerichtet, die gegenwärtig das größte Wettrüsten der Geschichte betreiben. Der Mann, der sie sprach, war kein schlecht unterrichteter Angstmacher. Es war George F. Kennan, der frühere Botschafter der Vereinigten Staaten in Moskau.
„Keiner wird die Gefahr begreifen, in der wir heute alle schweben“, erklärte Mr. Kennan, „wenn er nicht erkennt, daß die Regierungen in unserer modernen Welt noch nicht gelernt haben, große militärische Einrichtungen zu schaffen und zu unterhalten — besonders solche mit Waffen zur Massenvernichtung —, ohne die Sklaven statt die Herren dessen zu werden, was sie geschaffen haben.“
Viele andere stimmen mit Mr. Kennan in seiner düsteren Einschätzung der heutigen Weltpolitik überein. Ein Regierungsbeamter der Volksrepublik China bemerkte, daß ein Krieg zwischen den Supermächten „unvermeidlich“ sei, und fügte hinzu: „Die nächsten 10 Jahre sind sehr, sehr gefährlich. Sie sind furchterregend. Das sollten wir nie vergessen.“
Weshalb die ganze Aufregung?
In den vergangenen Jahren ist viel von „Entspannung“ zwischen den Supermächten, den USA und der UdSSR, die Rede gewesen. In dieser Zeit hatten viele Leute den Eindruck, daß ein Weltkrieg weniger wahrscheinlich geworden sei. Der erste Vertrag über die Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT) wurde im Jahre 1972 zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion geschlossen, und im Jahre 1979 folgte die Unterzeichnung von SALT II. Man sprach hoffnungsvoll von einer „Generation des Friedens“.
Das ist nun vorbei. „In den letzten 30 Jahren haben politische Spannungen keinen solch gefährlichen Punkt erreicht wie jetzt“, sagte Mr. Kennan Ende 1980, nur 18 Monate nach der Unterzeichnung von SALT II. „Kein einziges Mal in dieser ganzen Zeit hat es soviel Mißverständnis, Argwohn, Bestürzung und schiere militärische Angst gegeben.“
Wodurch wurden diese Spannungen hervorgerufen? Weshalb ist der dritte Weltkrieg, der einmal als so fern galt, plötzlich so bedrohlich nahe? Politische, wirtschaftliche und technologische Faktoren spielen dabei eine Rolle. Zusammen tragen sie zu einem Wettrüsten bei, das sich nicht mehr aufhalten läßt, wie Experten befürchten. Wenn dieses Wettrüsten aber nicht aufgehalten wird, so kann es nach Ansicht vieler nur zum Krieg führen.
„In der Geschichte der Neuzeit gibt es kein Beispiel dafür, daß rivalisierende Mächte eine große Militärstreitmacht aufgebaut hätten, ohne daß als Folge davon Feindseligkeiten ausgebrochen wären“, warnte Mr. Kennan. „Und wir haben keinen Grund, zu glauben, daß wir besser oder weiser seien als unsere Vorfahren.“
Warum läßt sich das Wettrüsten nicht aufhalten?
Zu Beginn des Atomzeitalters konnten die Raketen noch nicht sehr genau treffen. Man konnte sich zwar darauf verlassen, daß sie sehr große Ziele trafen, wie zum Beispiel Städte, aber nicht kleine Ziele, wie feindliche Raketensilos. Die Folge davon war das, was Winston Churchill das „Gleichgewicht des Schreckens“ nannte. Beide Seiten richteten ihre Raketen auf feindliche Städte, was gewissermaßen einem Geiselaustausch gleichkam. Beide Seiten wußten, daß das Auslösen eines Atomkriegs den Verlust der eigenen Städte bedeuten würde.
Diese strategische Doktrin, unter dem Namen „Mutual Assured Destruction“ (gesicherte gegenseitige Zerstörung) bekannt, mag dazu beigetragen haben, einen frühen Ausbruch des dritten Weltkriegs zu verhindern, und zwar aus einem besonderen Grund: Es kam nicht darauf an, welche Seite zuerst zuschlug. Ein Atomkrieg wäre auf jeden Fall für beide Seiten verheerend gewesen. Deshalb war der Drang, die erste Bombe abzuwerfen, in früheren Spannungszeiten, wie zum Beispiel während der Kubakrise im Jahre 1962, geringer als heute.
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Technologie treibt die Welt in den KriegErwachet! 1981 | 8. September
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Technologie treibt die Welt in den Krieg
Die Technologie hat das alte „Gleichgewicht des Schreckens“ verändert. Die Treffsicherheit der Raketen ist heute wesentlich größer als früher. Man richtet sie daher nicht mehr nur auf Städte. Eine große Anzahl Raketen ist auf andere Raketen gerichtet. Erheblich verbesserte computergesteuerte Leitsysteme haben diese Änderung herbeigeführt. Die Folge? Die Strategie der „gesicherten gegenseitigen Zerstörung“ ist im Denken der Militärs von einer Counter-force-Strategiea abgelöst worden, bei der — theoretisch — Atomkriege nicht mehr durch Abschreckung verhindert, sondern geführt und gewonnen werden.
Wie kann aber eine Seite hoffen, einen Atomkrieg zu gewinnen? Indem sie zuerst zuschlägt und nicht die feindlichen Städte, sondern die feindlichen Raketen zerstört. Nach der Theorie ist der Feind dann der Gnade dessen ausgesetzt, der den Erstschlag geführt hat, und muß sich den Bedingungen fügen, die ihm gestellt werden.
Findest du ein solches Denken gefährlich? Viele Experten halten es für sehr gefährlich. „Je mehr sich die beiden Großmächte auf Counter-force-Strategien verlassen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Weltkriegs“, sagte Dr. Frank Barnaby vom Internationalen Friedensforschungsinstitut Stockholm. „Das Dilemma des Atomzeitalters ist, daß wir trotz des Wunsches der politischen Führungskräfte, einen solchen Krieg zu vermeiden, aufgrund der unkontrollierten militärischen Technologie darauf zutreiben.“
In den 1980er Jahren wird es in der Welt immer gefährlicher werden, je mehr Raketen treffsicher genug sind, um sich als Counter-force-Waffen zu eignen. Wie die New York Times erklärte, sprach sich Robert McNamara, amerikanischer Verteidigungsminister in den 1960er Jahren, „dagegen aus, die amerikanischen Atomstreitkräfte in die Lage zu versetzen, die sowjetischen zu bedrohen. Wenn eine der Supermächte oder beide denken, ihre Raketen seien für einen Überraschungsangriff anfällig geworden, so wird der Drang, sie in einer Krise einzusetzen, fast unwiderstehlich.“ Mr. McNamaras Alptraum kommt der Wirklichkeit immer näher.
Könnte das heutige strategische Denken wirklich dazu beitragen, die Welt in den Krieg zu treiben? Die Geschichte der nahen Vergangenheit zeigt, daß dies durchaus möglich ist. Man denke nur an das Washingtoner Flottenabkommen des Jahres 1922, in dem sich die Vereinigten Staaten, Japan und Großbritannien einigten, den Bau von Schlachtschiffen zu begrenzen. Statt aber das Wettrüsten aufzuhalten, „begünstigte das Abkommen den Bau von Flugzeugträgern, einer neuen Waffe, die von den Schlachtschiffadmiralen, die damals jede größere Flotte dominierten, vernachlässigt worden war“, wie Charles Fairbanks, Professor für politische Wissenschaft, beobachtete. „Pearl Harbor machte deutlich, daß der Flugzeugträger eine Waffe war, die im Gegensatz zum Schlachtschiff dazu ermutigte, in einer Krise zuerst zuzuschlagen, und daher die Wahrscheinlichkeit eines Kriegsausbruchs vergrößerte.“
Wie heute die modernen Raketen, so waren damals die Flugzeugträger für einen feindlichen Angriff anfällig, da sie nicht so gut gepanzert waren wie Schlachtschiffe und außerdem mit Treibstoff beladen waren. Wie die modernen Raketen waren Flugzeugträger sehr wirkungsvoll, wenn mit Hilfe ihrer Flugzeuge ein Erstschlag geführt wurde, während sie selbst in sicherer Entfernung vom Kampfgebiet blieben. Im Jahre 1941, als sich die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan verschlechterten, wurde der Drang, den Erstschlag zu führen, für die Japaner unwiderstehlich. Was wird geschehen, wenn sich die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion weiter verschlechtern?
Laser, Satelliten und Fehlalarm
Nicht nur einmal, sondern dreimal in weniger als einem Jahr meldete ein Computer, daß sowjetische Raketen im Anflug auf Amerika seien. Sofort starteten die Mannschaften der FB-111- und der B-52-Bomber ihre Maschinen, während die Flotte der Atom-U-Boote und die Mannschaften der 1 000 Minuteman-Raketensilos alarmiert wurden. Jedesmal stellte sich die Computermeldung als falsch heraus. In zwei Fällen war der Fehlalarm auf einen kleinen elektronischen Schaltkreis zurückzuführen, der nicht mehr als 46 Cent kostet. Die Mannschaften der Bomber, der U-Boote und der Raketensilos wurden zurückgerufen — bis zum nächsten Mal.
„Was hier versagt, sind nicht technische Geräte, sondern die Vernunft“, kommentierte die New York Times. Einige Militärs sind der Meinung, sie könnten es sich nicht mehr leisten, mit einem Vergeltungsschlag zu warten, bis die vermuteten Raketen tatsächlich einträfen. Infolgedessen wächst die Gefahr, daß ein Fehlalarm einen echten Gegenangriff auslöst. In der nervösen Welt mit ihrem Counter-force-Denken könnte der dritte Weltkrieg einfach durch einen Irrtum entfesselt werden. Nicht gerade tröstlich, nicht wahr?
Die Technologie destabilisiert die militärische Welt auch noch in anderer Hinsicht. Hier nur ein paar Beispiele:
U-Boot-Krieg: Nicht nur die landgestützten Raketen werden treffsicher genug gemacht, um andere Raketen zu zerstören. Die U-Boot-Raketen, wie zum Beispiel die für die neue Tridentflotte Amerikas, erreichen die gleiche hohe Zielgenauigkeit. Außerdem arbeiten sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion fieberhaft an der Herstellung von Anti-U-Boot-Sensoren und Killer-U-Booten. Doch was, wenn Atom-U-Boote für einen Erstschlag anfällig wären? „Die Versuchung, einen atomaren Präventivschlag zu führen, wäre dann nahezu unwiderstehlich“, erklärte D. Barnaby.
Satellitenkrieg: Satelliten sind heute die Augen und Ohren der Streitkräfte. In unserer hektischen Zeit bieten sie die frühstmögliche Warnung nach dem Abschuß feindlicher Raketen und ermöglichen es, die Einhaltung von Rüstungsverträgen zu überprüfen. Zwischen 70 und 80 Prozent aller militärischen Kommunikationen laufen über Satelliten. Da Satelliten immer wichtiger werden, „würde ein Angriff auf die Satelliten einer Nation fast mit Sicherheit zu einem totalen atomaren Gegenschlag führen, denn ihre Fähigkeit, Informationen zu sammeln, wäre lahmgelegt“, wie einige Beobachter schlußfolgern. Ist ein solcher Angriff möglich?
„Im Laufe der vergangenen 12 Jahre hat die Sowjetunion mindestens 15 Killer-Satelliten in eine Umlaufbahn gebracht“, heißt es in einem Bericht der Zeitschrift Science 80. Die Vereinigten Staaten wiederum entwickeln eine Anti-Satelliten-Rakete, die von einem F-15-Kampfflugzeug abgefeuert werden kann. Besonders bedrohlich sind neue Waffenarten, die Satelliten auch aus großer Entfernung augenblicklich blenden oder zerstören könnten. Was sind das für Waffen?
Nur Science-fiction?
Wenn du denkst, die Vorstellung einer Strahlenkanone, die eine Rakete im Flug zerstören könnte, gehöre in den Bereich der Science-fiction, dann mußt du deine Meinung ändern. Solche Waffen existieren bereits! Seit 1973 haben Laserkanonen bei Tests Flugzeuge und Raketen abgeschossen. Die amerikanische Luftwaffe hat ein Frachtflugzeug mit einer gewaltigen experimentellen Laseranlage ausgerüstet, mit deren Hilfe Tests in großen Höhen vorgenommen werden können. Die Amerikaner haben allein für die Entwicklung von Laserwaffen über eine Milliarde Dollar ausgegeben, und man behauptet, die Sowjets seien gleich weit fortgeschritten.
Es stimmt, daß noch viel Zeit vergehen mag, bis man von der Erde aus mit einem Laserstrahl einen Satelliten in großer Höhe abschießen kann. Ein solcher Laser würde gewaltige Mengen Energie benötigen. Dagegen „können mit weit bescheideneren Energiemengen ... die Infrarot-Sensoren eines Satelliten geblendet werden“, wie es in der Zeitschrift New Scientist hieß, „so daß es dem Gegner unmöglich ist, den Abschuß feindlicher Raketen festzustellen“. Laser von dieser Stärke sind bereits im Bereich des Möglichen und bilden einen weiteren Unsicherheitsfaktor in unserer nervösen Welt.
Natürlich ist damit die Liste der destabilisierenden Fortschritte in der Militärtechnologie noch keineswegs erschöpft. Marschflugkörper (Cruise-Missiles), die zwar langsam, aber weit treffsicherer als jede Interkontinentalrakete sind, können als Counter-force-Waffen angesehen werden. Sie sind gut geeignet, kleine militärische Ziele anzugreifen. Eine „Neutronenbombe“ ist entwickelt worden, um Menschen durch Strahlung zu töten, ohne allzu großen Sachschaden anzurichten. Einige Militärexperten setzen sich für ein neues, „verbessertes“ Nervengas ein, obwohl Nervengas seit 1925 als Mittel zur Kriegführung durch Abkommen verboten ist! Man redet auch von biologischer Kriegführung, wobei Bakterien wie Anthrax verwendet werden. Doch nicht nur die Technologie treibt die Welt dem dritten Weltkrieg entgegen.
[Fußnote]
a „Eine Strategie, die unter Einsatz nuklearer Kampfmittel die Vernichtung feindl. Streitkräfte vorsieht“ (Meyers Enzyklopädisches Lexikon).
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Wachsende Spannungen in der Welt — ihre UrsachenErwachet! 1981 | 8. September
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Wachsende Spannungen in der Welt — ihre Ursachen
Im September 1979 registrierte ein amerikanischer Satellit einen hellen Doppelblitz in der Nähe von Südafrika. Ein solcher Blitz ist charakteristisch für eine Atombombenexplosion. Testete Südafrika Atomwaffen? Die südafrikanische Regierung streitet dies ab, aber Südafrika hat den im Jahre 1968 eingeführten Atomwaffensperrvertrag nie unterzeichnet.
Israel hat den Atomwaffensperrvertrag ebenfalls nicht unterzeichnet. Im Jahre 1974 erklärte der Staatspräsident von Israel: „Es ist schon immer unsere Absicht gewesen, das Potential zur Entwicklung von Atomwaffen bereitzustellen. Wir haben jetzt dieses Potential.“
Das ist noch nicht alles. „Geheimdienstspezialisten der [amerikanischen] Regierung glauben, daß sich innerhalb von fünf Jahren verschiedene Länder, wie zum Beispiel Taiwan, Südkorea, Pakistan, Südafrika, Brasilien und Argentinien, den sechs oder sieben gegenwärtigen Gliedern des sogenannten ,Atomwaffenklubs‘ anschließen könnten“, berichtete die New York Times.
Was im kommenden Jahrzehnt besonders bedrohlich ist, ist nicht nur die fast unausweichliche Verbreitung von Atomwaffen, sondern auch die Tatsache, was für Länder diese Waffen wahrscheinlich besitzen werden. Viele dieser Länder sind der Auffassung, sie seien von mächtigen Feinden umgeben. „Staaten, die sich belagert fühlen, zum Beispiel Israel und Taiwan, neigen immer mehr dazu, den Besitz von Atomwaffen als letzte Abschreckung eines Angriffs feindlicher Mächte anzusehen“, schrieb U.S. News & World Report. Bei solchen Nationen könnte man sich kaum darauf verlassen, daß sie in einer Krise nukleare Zurückhaltung üben würden.
Läßt sich die Weiterverbreitung von Atomwaffen aufhalten? Das ist zweifelhaft. Es ist einfach zuviel Plutonium vorhanden, aus dem Bomben hergestellt werden können, und das Know-how für die Herstellung der Bomben ist leicht zu erwerben. In dem Bericht einer Arbeitsgruppe des Internationalen Friedensforschungsinstituts Stockholm (SIPRI) hieß es: „Es gibt keine technische Lösung für das Problem, die Verbreitung von Atomwaffen nach Ländern zu verhindern, die sie jetzt noch nicht besitzen.“
Woher stammt all das Plutonium? „Bisher haben sich insgesamt 100 000 Kilogramm Plutonium in unverarbeitetem Zustand aus zivilen Atomreaktoren angesammelt“, erklärte SIPRI. Aber nur ein paar Kilogramm Plutonium sind erforderlich, um eine Bombe herzustellen wie die, die Nagasaki zerstörte! Während sich die Entwicklungsländer aufgrund der Ölknappheit der Atomenergie zuwenden, erhalten sie als Nebenprodukt den Grundstoff für Atombomben.
Könnte ein Entwicklungsland wirklich eine Atombombe bauen, wenn das nötige Plutonium erhältlich wäre? Im Jahre 1978 machte ein amerikanischer Student Schlagzeilen, als er nach freigegebenen Dokumenten, die für 25 Dollar allgemein erhältlich waren, eine funktionsfähige Atombombe entwarf. Experten gaben zu, daß die Bombe „eine sehr gute Chance hätte zu funktionieren“. Wenn das ein Student tun könnte, wieso könnte es dann nicht ein Entwicklungsland tun?
Zusammenarbeit oder Konfrontation?
Experten warnen, daß eine Welt mit mehr Atommächten immer unstabiler wird — „eine Welt voller Furcht und Ungewißheit“, wie Joseph Nye von der Harvarduniversität, ein Experte für die Weiterverbreitung von Atomwaffen, es ausdrückte. Diese labile Lage könnte durch vermehrte Zusammenarbeit zwischen den Supermächten, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, in Schach gehalten werden? Ist eine solche Zusammenarbeit wahrscheinlich? In einer Welt mit knappen Rohstoffen ist dies nach Ansicht vieler nicht der Fall.
Die Vereinigten Staaten importieren heute über 40 Prozent ihres Erdöls. Viele ihrer Verbündeten müssen sogar noch mehr importieren — Frankreich 90 Prozent und die Bundesrepublik Deutschland 97 Prozent. Einige solcher Länder haben klargemacht, daß sie bereit sind, einen Krieg zu riskieren, um ihre Ölversorgung zu schützen. Die Folge? In den Erdölgebieten, wie zum Beispiel am Persischen Golf, kommt es zu einer heftigen militärischen Rivalität zwischen den Supermächten — eine gefährliche Situation.
Über die Gefahr, daß der dritte Weltkrieg im Nahen Osten ausbricht, schrieb Richard Falk: „In der Vergangenheit sind allgemeine Kriege immer dann ausgebrochen, wenn eine Großmacht versucht hat, einen wirtschaftlichen und politischen Verfall durch entschiedene militärische Mittel zu kompensieren“ (The Bulletin of the Atomic Scientists, April 1979).
Mit anderen Worten: Der Versuch, wirtschaftliche Probleme mit militärischer Stärke zu lösen, führt zum Krieg. Ein Beispiel aus jüngerer Zeit war die japanische „Lösung“ für das Problem des amerikanischen Ölembargos im Jahre 1941. „Bestürzung über das Embargo trieb das japanische Flottenkommando ... in eine Kollusion mit dem Extremismus des Heeres“ (Encyclopædia Britannica). Die Folge? Pearl Harbor.
Kann sich die Welt ein zweites Pearl Harbor leisten?
Erdöl ist nicht der einzige Rohstoff, der in den Vereinigten Staaten knapp ist. „Über die Hälfte der 23 verschiedenen strategisch wichtigen Rohstoffe, die von der US-Industrie verbraucht werden, müssen importiert werden“, berichtete die Zeitschrift U.S. News & World Report und fügte hinzu: „Was noch schlimmer ist, die meisten dieser Rohstoffe stammen aus politisch unstabilen afrikanischen Ländern südlich der Sahara.“ Die USA müssen 89 Prozent ihres Bedarfs an Platin (verwendet bei der Verarbeitung von Rohöl) importieren, 90 Prozent ihres Bedarfs an Chrom (verwendet bei der Armierung von Panzern) und 98 Prozent ihres Bedarfs an Magnesium (verwendet bei der Herstellung besonders harter Legierungen). Jedes wichtige Gut, das knapp ist, stellt einen potentiellen Konflikt dar, sobald der Vorrat gefährdet ist.
Knappheit für einige keine Überraschung
Vor dem Zweiten Weltkrieg förderten die Vereinigten Staaten mehr Erdöl als alle anderen Länder zusammen. Zu dieser Zeit sprach man von Amerikas unbegrenztem Rohstoffreichtum. Nur wenige sahen voraus, daß Amerika schon nach einigen Jahrzehnten nicht mehr in der Lage sein würde, seinen Bedarf an den strategisch wichtigsten Rohstoffen selbst zu decken. Sorgfältige Erforscher der Bibel dagegen sahen Schwierigkeiten voraus.
In dem Buch „Dein Wille geschehe auf Erden“a, das 1960 in Deutsch erschien, wurde die Sowjetunion mit dem in Daniel 11 erwähnten „König des Nordens“ identifiziert. Der ebenfalls in diesem Kapitel erwähnte „König des Südens“ wurde mit der sogenannten freien Welt, angeführt von den Vereinigten Staaten und Großbritannien, identifiziert. In diesem Kapitel der biblischen Prophezeiung wird mit folgenden Worten ein Wetteifern zwischen den beiden symbolischen Königen beschrieben:
„Und in der Zeit des Endes wird sich der König des Südens mit ihm [dem König des Nordens] auf einen Zusammenstoß einlassen, und gegen ihn wird der König des Nordens mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen anstürmen ... Und er [der König des Nordens] wird tatsächlich über die verborgenen Schätze des Goldes und des Silbers und über all die begehrenswerten Dinge Ägyptens herrschen“ (Dan. 11:40, 43).
Was bedeutet das? Das Buch „Dein Wille geschehe auf Erden“ machte schon vor über 20 Jahren die sehr interessante biblisch begründete Vorhersage:
„Wie weit der König des Nordens gekommen sein wird, wenn seine ,Zeit des Endes‘ da ist, wird allein die Zukunft lehren. Aber die Voraussage zeigt, daß er die Herrschaft über die Schätze von Gold, Silber und all die kostbaren Dinge dieser vergeschäftlichten, materialistischen Welt, das Öl inbegriffen, erlangen wird“ (Seite 303).
Heute ist die Sowjetunion eine der ganz wenigen Industrienationen, die kein Erdöl importieren müssen. Die Sowjetunion kontrolliert auch gewaltige Vorkommen gerade der strategisch wichtigen Rohstoffe, die der „König des Südens“ dringend benötigt. Kein Wunder, daß die Weltpolitik in den letzten Jahren durch ‘Zusammenstöße’ zwischen den Supermächten gekennzeichnet war!
[Fußnote]
a Herausgegeben von der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft.
[Bild auf Seite 9]
Wenn ein Student eine funktionsfähige Atombombe entwickeln könnte, wieso dann nicht auch ein kleines Land?
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Die Hoffnung, der Weltvernichtung zu entrinnenErwachet! 1981 | 8. September
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Die Hoffnung, der Weltvernichtung zu entrinnen
Wird dieses nationalistische ‘Zusammenstoßen’ in einen dritten Weltkrieg ausarten? Das ist möglich. Die politische Lage in der Welt sieht vom menschlichen Standpunkt gewiß hoffnungslos aus. Aber da ist noch ein anderer Gesichtspunkt zu berücksichtigen.
Ebenso wie Gottes Wort die gegenwärtige gespannte Weltlage genau vorhersagte, so sagt es auch den Ausgang voraus. Ohne zu erwähnen, ob das gegenwärtige Wettrüsten den dritten Weltkrieg auslösen wird oder nicht, gibt es folgende Erklärung über unsere Zeit:
„Aber die Nationen wurden zornig, und dein eigener Zorn kam und die bestimmte Zeit für die Toten, gerichtet zu werden, und den Lohn zu geben deinen Sklaven, den Propheten, und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen, und die zu verderben, die die Erde verderben“ (Offb. 11:18).
Durch Habgier auf wirtschaftlichem Gebiet und durch die Umweltverschmutzung wird bereits ‘die Erde verdorben’, und Gott hat auch ohne das Verderben, das durch einen dritten Weltkrieg angerichtet werden könnte, Grund, den Verantwortlichen ein Ende zu bereiten. Aber selbst wenn ein Weltkrieg ausbrechen sollte, wird Gott angesichts dieser Prophezeiung nie zulassen, daß der schöne Erdball völlig verdorben wird, den er erschuf, um die Heimat des Menschen zu sein, nicht sein Grab (Jes. 45:18).
Die Bibel hat sogar einen Namen für die symbolische Schlacht, in der Gott, der Allmächtige, dem heutigen Nationalismus, dem Militarismus und dem Krieg ein für allemal ein Ende bereiten wird. Der symbolische Kriegsschauplatz wird in der Luther-Bibel „Harmagedon“ genannt (Offb. 16:14, 16).
„Harmagedon?“ magst du fragen. „Aber sind denn Harmagedon und der dritte Weltkrieg nicht ein und dasselbe?“ Die Antwort ist NEIN!
Journalisten mögen das Wort „Harmagedon“ oder „Armageddon“ aus seinem biblischen Zusammenhang herausnehmen und damit den dritten Weltkrieg und atomare Vernichtung bezeichnen, aber die Bibel gibt zu verstehen, daß dieser Begriff eine ganz andere Bedeutung hat. Sie beschreibt diese Schlacht in Offenbarung 19 nicht als einen Kampf zwischen irdischen Nationen, sondern als einen Kampf zwischen allen Nationen und den himmlischen Heerscharen unter dem Befehl des „Wortes Gottes“, Jesu Christi (Offb. 19:11-21).
Harmagedon ist nicht die Folge eines Atomkriegs. Es ist die Lösung für das Problem des Atomkriegs, eine Lösung, die Gott herbeiführen wird, der mächtig genug ist, in dem von Gewalt und Rüstung geprägten System der Dinge seinen Willen durchzusetzen. Harmagedon wird keine rauchenden Krater mit radioaktiven Abfällen hinterlassen. Statt dessen wird daraus eine neue „Erde“ hervorgehen, die von allen Formen der Schlechtigkeit, auch vom Wettrüsten, gereinigt sein wird. Beachte die begeisternde Verheißung:
„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde ... Dann hörte ich eine laute Stimme vom Throne her sagen: ,Siehe! Das Zelt Gottes ist bei den Menschen, und er wird bei ihnen weilen, und sie werden seine Völker sein. Und Gott selbst wird bei ihnen sein‘“ (Offb. 21:1, 3).
Was wird auf dieser neuen Erde aus dem Wettrüsten werden? Für die Überlebenden von Harmagedon, die an ständig wachsende Waffenarsenale gewöhnt sind, wird der Wechsel erstaunlich sein. Gottes Wort erklärt:
„Kommt, seht die Taten Jehovas, wie er erstaunliche Ereignisse auf der Erde hat einsetzen lassen. Kriege läßt er aufhören bis an das äußerste Ende der Erde. Den Bogen zerbricht er, und den Speer zersplittert er; die Wagen verbrennt er im Feuer“ (Ps. 46:8, 9).
Läßt sich die Weltvernichtung aufhalten? Keine menschliche Macht ist dazu in der Lage. Nur einer im ganzen Universum kann uns daraus retten, und das wird er auch tun. Wenn du ihn jetzt kennenlernst, kannst du der Vernichtung entrinnen, nicht der Vernichtung durch einen dritten Weltkrieg, sondern durch die Hand Jehovas, der bald das Weltsystem, das so nahe daran ist, unseren Planeten zu verderben, ‘zermalmen und ihm ein Ende bereiten’ wird (Dan. 2:44).
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