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  • Ich hatte den Wunsch, „mit Gott zu wandeln“
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Der Wachtturm verkündet Jehovas Königreich 1964
w64 1. 8. S. 469-471

Ich hatte den Wunsch, „mit Gott zu wandeln“

VON ENOK ÖMAN ERZÄHLT

ICH bin vor 84 Jahren in Nordschweden, in der Nähe der finnischen Grenze, geboren. Vor 60 Jahren habe ich mich Jehova hingegeben. Inzwischen ist mein Haar weiß geworden, und ich bin glücklich, daß ich 53 Jahre vollständig im Dienste Gottes stehen konnte.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich auf Mutters Schoß saß und sie mir von Gott und seiner großen Macht erzählte. Mit 13 Jahren wurde mein Wissensdurst wach, und von da an las ich sehr viel. Die weltlichen Vergnügungen sagten mir nichts. Ich war tief beeindruckt, als ich, noch ein Jüngling, in der Bibel las: „Henoch wandelte mit Gott.“ Ich hatte den Wunsch, dasselbe zu tun.

Mit 21 Jahren stand ich einmal in einer sternklaren Nacht vor unserem Haus und betrachtete die Milchstraße. In jener Nacht gab ich mich dem Schöpfer dieses wunderbaren, ehrfurchtgebietenden Universums hin. Ich lernte aber erst einige Jahre später, wie man wirklich „mit Gott wandelt“.

Mit 24 Jahren besuchte ich eine höhere Schule in Nordschweden. Der Direktor unserer Schule leitete gleichzeitig eine Landwirtschaftsschule in derselben Stadt. Als ich im Jahre 1905 Agronom geworden war, sagte er zu mir: „Ich möchte wieder nach Südschweden. Ich habe schon seit etlichen Jahren gehofft, einen Schüler zu finden, dem ich helfen könnte, weiter zu studieren, um ihm schließlich die Leitung dieser beiden Schulen anzuvertrauen. Nun habe ich diesen Schüler gefunden: Sie, Öman. Ich gebe Ihnen einige Tage Bedenkzeit und freue mich, Ihre Antwort zu hören.“

Ich überlegte mir die Sache gründlich, denn ich hatte mich bereits entschlossen, „mit Gott zu wandeln“. Ich bat Gott, er möchte mich leiten. Nach drei Tagen wußte ich genau, was ich wollte. Ich sagte dem Direktor, ich wolle als Landwirt wieder nach Hause. Er senkte enttäuscht den Kopf, sagte aber: „Ich respektiere Ihren Entschluß, Öman, und ich glaube, ich verstehe auch Ihren guten Beweggrund. Ich wünsche Ihnen viel Segen.“

Da ich gern allein gewohnt hätte, baute ich mir neben meinem Elternhaus ein Bauernhäuschen. Es dauerte sechs Jahre, bis es fertig war, weil ich alles selbst machte. In diesen Jahren versäumte ich aber nicht, die Bibel zu lesen. Ich vertiefte mich oft in Gottes Wort und auch in religiöse Bücher in der Hoffnung, die Wahrheit darüber zu finden, wie man „mit Gott wandelt“. Die Lehre von der ewigen Qual beunruhigte mich sehr. Als ich mich in führenden religiösen Kreisen darüber erkundigte, erhielt ich keine befriedigende Antwort. Man sagte mir: „Enok, du bist noch jung, du solltest dir darüber noch keine Gedanken machen.“

ICH LERNE, „MIT GOTT ZU WANDELN“

Im Jahre 1911 brachte mir ein junger Pionier oder Vollzeitprediger der Zeugen Jehovas, August Abrahamson, die Botschaft der göttlichen Wahrheit. Ich erhielt von ihm den ersten Band der Schriftstudien, „Der göttliche Plan der Zeitalter“. Ich las das Buch und erkannte, daß die Zeit, von der der Prophet Daniel gesprochen hatte, gekommen war. Das Buch half mir auch erkennen, daß die Lehre von der ewigen Qual eine Irrlehre ist. Nachdem ich dieses Buch gelesen hatte, war ich entschlossen, „mit Gott zu wandeln“ und meine ganze Zeit darauf zu verwenden, den Menschen zu einer Erkenntnis über Gott und sein Königreich zu verhelfen. Ich hatte den Wunsch, Pionier zu werden.

Ich bestellte beim schwedischen Zweigbüro der Watch Tower Bible and Tract Society, das damals in Örebro war, die anderen fünf Bände und abonnierte die Zeitschrift Der Wachtturm in Schwedisch. Ich erkundigte mich auch nach der Adresse Bruder Abrahamsons und fuhr dann etwa 120 Kilometer mit dem Fahrrad, um ihn zu besuchen. Seine Frau und vier Freunde waren zugegen, als ich im September 1911 im Luleälv (einem Fluß in Nordschweden) getauft wurde.

Ich sprach mit meinen Eltern über das herrliche Licht der Wahrheit, das ich gefunden hatte. Sie freuten sich beide darüber, und mein Vater sagte: „Es muß so sein, wie du sagst; so muß ein Gott der Liebe sein.“ Ich sagte zu ihm: „Von nun an werde ich meine ganze Zeit dafür verwenden, ‚mit Gott zu wandeln‘. Ich werde ein Pionier für sein Königreich. Du kannst dein Haus verkaufen und von jetzt an in meinem neuen Haus wohnen; ich schenke es dir und meiner lieben Mutter.“

Als ich den Pionierdienst aufnahm, standen meine Eltern mit Tränen in den Augen auf der Veranda, und mein Vater sagte: „Ich weiß, daß du dem Herrn dienst. Der Herr segne dich!“

In den darauffolgenden sechs Jahren reiste ich durch Nordschweden und einem Teil von Nordfinnland. Einmal legte ich nachts 85 Kilometer auf den Schiern zurück. Ein andermal fuhr ich an e i n e m Tag mit dem Tretschlitten (sparkstötting) 86 Kilometer. Im Sommer benutzte ich das Fahrrad. Im Winter fuhr ich mit meiner vollen Büchertasche auf den Schiern zu den weit auseinander wohnenden Familien hinter den Bergen. Meist mußte ich, wenn es dunkel wurde, noch nicht, wo ich übernachten würde, aber ich fand immer eine Schlafstätte. Ich konnte bei diesen Menschen viele bibelerklärende Schriften zurücklassen. Noch heute zehre ich von den Erinnerungen an die lieben, gastfreundlichen Menschen, denen ich bei meiner Tätigkeit begegnete, und an die vielen schönen Erfahrungen, die ich dabei machte.

Ungefähr im Jahre 1915 kam ich eines Tages nach Bergsjö. Ich hatte noch kein Zimmer zum Übernachten. Von den vielen Häusern wählte ich irgendeines aus. Als ich der Frau, die an die Tür kam, etwas von meiner Predigttätigkeit sagte, antwortete sie sogleich: „Mein Mann und ich sind in der Wahrheit, und wir freuen uns, dich zu sehen. Du bist bei uns willkommen und kannst bei uns bleiben, solange du hier bist.“ Diese beiden Freunde, Bruder und Schwester Brodin, freuten sich sehr, daß ich in ihrer Umgebung acht Bücher und mehrere Broschüren abgeben konnte. Ja, ich verlebte bei ihnen eine sehr schöne Zeit. Viele Jahre später, auf dem Kongreß 1955 in Stockholm, kam ein Bruder zu mir und sagte: „Ich bin der Adoptivsohn deiner alten Freunde Brodin. Ich war damals, als du in Bergsjö tätig warst, vierjährig, und ich kann mich noch gut erinnern, wie du mir sagtest, ich solle ein Zeuge für die göttliche Wahrheit werden. Ich habe deine Worte nie vergessen.“

In den Jahren 1914 und 1915 war ich eine Zeitlang im Zweigbüro der Watch Tower Society tätig. Im September 1914 begannen wir, in Schweden das „Photo-Drama der Schöpfung“ vorzuführen, ein Film, der zeigte, was Gott mit der Erde und den Menschen vorhat. Bis zum Mai 1915 war dieser Film Tausenden von Menschen unentgeltlich gezeigt worden. Er erweckte großes Interesse für die Bibel und das Werk der Zeugen Jehovas.

NACH NORWEGEN

Im Winter 1916/17 war ich eine Zeitlang im Büro der Gesellschaft in Örebro, und von dort kam ich am 7. Februar 1917 als Zweigdiener nach Oslo. Ich dachte: „Ich wüßte andere Brüder, die fähiger wären als ich.“ Aber die Worte nach Hebräer 10:38 (NW) waren mir eine Hilfe: „Wenn er zurückweicht, so hat meine Seele kein Gefallen an ihm.“

Das Werk in Norwegen unterstand mehrere Jahre dem schwedischen Zweigbüro. Im Jahre 1921 erhielt ich aber einen Brief vom Präsidenten der Gesellschaft, Bruder Rutherford, in dem mir mitgeteilt wurde, ich solle künftig direkt unter der Leitung des Büros des Präsidenten arbeiten.

1922 erlangte ich die norwegische Staatsbürgerschaft, und in jenem Jahr wurde auch Schwester Maria Dreyer meine Frau. Maria hatte die Wahrheit auch 1911, im selben Jahr wie ich, kennengelernt. Sie starb 1944 im Alter von 71 Jahren und hoffte mit dem „Preis der Berufung Gottes nach oben durch Christus Jesus“ belohnt zu werden. — Phil. 3:14, NW.

DIE NAZIS VERBIETEN DAS WERK

Das Königreichswerk in Norwegen dehnte sich immer mehr aus. Im Jahre 1940 waren wir sieben Mitarbeiter im Zweigbüro. Einige Tage, nachdem die Deutschen Norwegen besetzt hatten, verhafteten sie mich. Nachdem ich eine Zeitlang im Gefängnis war, erhielt ich die Erlaubnis heimzugehen, wurde aber oft wiedergeholt, um ihre vielen Fragen zu beantworten. Am 8. Juli 1941 wurde unser Werk von den Nazis verboten und das Eigentum der Gesellschaft beschlagnahmt. Nur meine Frau und ich durften im Hause bleiben, die anderen fünf mußten es verlassen. Wir wohnten unter sehr schwierigen Verhältnissen in dem Haus. Nach einiger Zeit kamen auch die norwegischen Nazis und unterzogen mich verschiedenen Verhören. Während der fünfjährigen Besetzungszeit holten mich die deutschen und die norwegischen Nazis über hundertmal auf ihre Büros. Jedesmal nahm ich meine Dokumente mit, denn jedesmal dachten meine Frau und ich, es sei vielleicht das letzte Mal; denn Tausende von Norwegern wurden in die Konzentrationslager nach Deutschland verschickt oder in Norwegen umgebracht.

Während des Krieges arbeiteten wir „unterirdisch“. Der Wachtturm ging uns auf verschiedene wunderbare Weise aus Dänemark und Schweden zu, und die Zeugen in Norwegen machten davon Abschriften, damit recht viele die geistige Speise genießen konnten. Ich stand stets mit den Brüdern in Verbindung. Sie schrieben mir auf Umwegen, da die Gestapo mich ständig beobachtete.

Durch die Erfahrungen der Kriegsjahre hatte meine Gesundheit sehr gelitten, und ich dachte, es wäre für das Königreichswerk besser, wenn ein jüngerer Bruder meine Stellung übernähme. Als Ende 1945 der Präsident der Gesellschaft, N. H. Knorr, Oslo besuchte, sagte er mir, ich könne im Bethel bleiben, solange ich wünschte. Ein anderer Bruder wurde zum Zweigdiener ernannt.

Während des Krieges kam eine Schwester Haldis ins Bethel, um meiner Frau und mir zu helfen. Sie war uns eine große Stütze. Sie hielt das Bethel in Ordnung und nahm sich meiner kranken Frau an, bis sie starb. Im Jahre 1953 fragte ich dann Schwester Haldis, ob sie meine Frau werden möchte. Wir heirateten, zogen in eine eigene Wohnung und setzten unsere Tätigkeit für Gottes Königreich fort. Ich wurde Pionier, und Haldis arbeitete als Krankenschwester und beteiligte sich ebenfalls eifrig im Königreichsdienst.

Ich bin immer noch Pionier. Es ist ein sehr kostbares Vorrecht, in diesem Werk zu stehen. Ich freue mich auch stets, den Zusammenkünften der Versammlung beizuwohnen, und bedaure es sehr, wenn es mir einmal nicht möglich ist, dabei zu sein. Ich betrachtete es auch als ein wunderbares Vorrecht, daß ich den Kongreß „Ewige gute Botschaft“, den Jehovas Zeugen 1963 in Stockholm durchführten, besuchen konnte. Mit 84 Jahren kann ich voll Freude und Dankbarkeit auf mein Leben zurückblicken und erkennen, daß sich mein inniger Wunsch, „mit Gott zu wandeln“ und den Interessen seines glorreichen Königreiches zu dienen, erfüllt hat.

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