Weltausstellung rückt Energie ins Rampenlicht
GEOTHERMISCHE Energie, Atomenergie, Wasserenergie, Sonnenenergie, Windenergie, Gezeitenenergie — jeder, der die Weltausstellung 1982 in Knoxville (Tennessee, USA) besuchte, wurde mit diesen und anderen Bezeichnungen für die große Vielfalt von Energiequellen bombardiert, die der Mensch für seine Bedürfnisse zu nutzen sucht.
Die 184 Tage dauernde Ausstellung ging im Oktober zu Ende, und im Verlauf dieser sechs Monate hatten Millionen die Gelegenheit, sie zu besuchen. Das Thema der Ausstellung „Energie verändert unsere Welt“ wurde in den Pavillons und Ausstellungshallen hervorgehoben, die über das 30 ha große Ausstellungsgelände verstreut waren. Zweiundzwanzig Nationen nahmen an der Ausstellung teil. Bei über einer halben Million Besuchern in der ersten Woche und über zwei Millionen Besuchern im ersten Monat war es klar, daß die Werbekampagne für die Ausstellung erfolgreich war und daß noch große Scharen von Besuchern kommen würden.
Das Thema „Energie“ ist gewiß sehr zeitgemäß. Seit der Ölkrise der 70er Jahre sind sich die Nationen überall auf der Erde der Notwendigkeit bewußt, Energie zu sparen und neue Energiequellen zu erschließen. Lange Zeit vertrat man die unbegründete Ansicht, unsere Energiequellen seien unerschöpflich, und so ließen die Regierungen die Verschwendung unglaublicher Mengen Energie zu. Sogar jetzt noch wird, wie eine große topographische Karte im Pavillon der Vereinigten Staaten zeigte, über die Hälfte der in den Vereinigten Staaten verbrauchten Energie aufgrund unwirksamer Nutzung verschwendet. „Wir haben doch immer noch große Vorräte an Energie“, werden einige einwenden und hinzufügen: „Allein in den USA gibt es noch über 2 Billionen Tonnen Kohle, die nur gefördert werden muß.“ „Doch wenn man diese Kohle verbrennt, um Energie zu gewinnen“, wird jemand anders entgegnen, „dann sind Luftverschmutzung, Krebs und Lungenkrankheiten die Folge. Ein hoher Preis für diese Energie!“
In einigen Bereichen der Ausstellung wurde der Nutzen der Kernenergie herausgestellt. Der neue Brutreaktor, genannt Super-Phénix, der im französischen Pavillon ausgestellt war, soll 100mal mehr Energie aus einer bestimmten Menge Uran gewinnen als ein konventioneller Brutreaktor. Auf diese Weise könnten die Uranvorräte der Erde angeblich noch für Jahrhunderte reichen und nicht nur für Jahrzehnte. Kritiker der Kernenergie werden natürlich schnell auf die hohe Wahrscheinlichkeit von menschlichen Fehlern, mechanischem Versagen und Konstruktionsfehlern hinweisen, die in einem Kernkraftwerk zu einem Unfall mit verheerenden Auswirkungen führen könnten.
Auf dem Gelände gab es zahlreiche Ausstellungen über die Fortschritte, die bei der Nutzbarmachung der Sonnenenergie erzielt worden sind. In mehreren Gebäuden wurde die Photozellentechnik verwendet, so daß es möglich war, sie mit Hilfe von Sonnenenergie zu klimatisieren. In vielen Ländern wird die Sonnenenergie vermehrt erforscht und genutzt. Wie zugegeben wird, hat diese Methode jedoch den Nachteil, daß es beim gegenwärtigen Stand der Technik noch zu teuer ist, Energie in ausreichenden Mengen auf diese Weise zu erzeugen.
Mehrere Länder demonstrierten, wie sie in großem Stil geothermische Energie nutzen, die sie aus Dampf und heißem Wasser aus dem Erdinnern gewinnen. Da die Bodentemperatur um drei Grad je 100 Meter Tiefe zunimmt, kann man durch Bohrungen bis in 2 000 Meter Tiefe auf etwa 60 Grad heißes Wasser stoßen. Einige Regierungen wollen dieses heiße Wasser und den Wasserdampf dazu nutzen, Turbinen anzutreiben, um Strom zu erzeugen. Natürlich sind die Nachteile offensichtlich. Nicht überall gibt es unterirdische Becken mit heißem Wasser, das man zur Energiegewinnung nutzen könnte. Gebiete mit vulkanischer Tätigkeit wären nicht gut geeignet. Außerdem hätte eine großangelegte Erschließung der geothermischen Energie schädliche Auswirkungen auf die Umwelt, und das hat viele Entwicklungsfirmen von einer aktiveren Erforschung zurückgehalten.
Eine andere Energiequelle, die angezapft werden kann, ist der Wind. Mehrere Länder zeigten, wie sie Windgeneratoren zur Stromerzeugung und auch zum Antrieb von Wasserpumpen verwenden. In einigen Gegenden kann der ständig wehende Wind gut genutzt werden. In gewissen Ländern hat man sich die in den Meeren wirkenden Kräfte nutzbar gemacht, indem man Gezeitenkraftwerke gebaut hat. Die durch die Gezeiten erzeugte Rohenergie wird verwendet, um große Turbinen anzutreiben und Strom zu erzeugen. Die dabei entstehenden Kosten sind mit denen großer konventioneller Wärmekraftwerke vergleichbar. Leider gibt es nur etwa zwanzig Gebiete in der ganzen Welt, von denen man weiß, daß sie sich für den Bau eines Gezeitenkraftwerks eignen würden.
Ja, auf der Ausstellung war eine Menge über Energie zu sehen und zu lernen. Doch so, wie das Gelände aufgeteilt war und die Pavillons angelegt waren, ergaben sich für viele Besucher eine Anzahl Probleme. Bei einer Bevölkerung von weniger als 200 000 war Knoxville nicht richtig ausgerüstet, um mit den Tausenden von Besuchern fertig zu werden, die zu der Ausstellung strömten. Viele Unternehmer richteten Wohnwagenparks ein, um Tausende von Übernachtungsgästen unterzubringen. Die Ausstellungsleitung hatte höchstens 60 000 Besucher pro Tag erwartet. Aber als die Zahl auf über 80 000 täglich anwuchs, bildeten sich vor den Pavillons lange Schlangen von Besuchern, die oft Stunden brauchten, um durchzukommen. Wegen der langen Warteschlangen bekamen viele Leute nur einen kleinen Teil der Ausstellung zu sehen, selbst wenn sie einen ganzen Tag dort verbrachten. Erschwert wurde das Problem noch dadurch, daß es in verschiedenen Pavillons jeden Tag nur einige wenige Vorführungen gab. Da immer nur ein paar hundert Leute auf einmal Platz hatten, hätte die Besucherschar eines einzigen Tages Wochen gebraucht, um alles sehen zu können.
Nach dem Besuch der Ausstellung drängte sich einem der ernüchternde Gedanke auf, daß die Menschheit heute sehr tief in einer Energiekrise steckt. Obwohl die Bemühungen, die Probleme zu lösen, verdoppelt und verdreifacht werden, gibt es viele Hindernisse. Habgier spielt immer noch eine Rolle in den Schlüsselregionen der Welt, die reich an Energiequellen sind. In einem Pavillon wurde darauf angespielt, daß die Energieprobleme von einem Ölembargo herrühren würden, das ein Land verhängt habe. Dieses Land wies in einem anderen Pavillon darauf hin, daß es in Wirklichkeit Schritte unternimmt, um das Energieproblem auf der Erde lösen zu helfen. Solange es in diesen Nationen unterschiedliche Ansichten und Ziele gibt, ist ein gemeinsamer Erfolg auf dem Gebiet der Energieversorgung unwahrscheinlich.
In dem Bemühen, das Problem der Energieknappheit zu lösen und die Energieproduktion zu steigern, wendet der Mensch viele Methoden an, die sich auf die ökologischen und die Umweltbedingungen der Erde schädlich auswirken. Wir können uns daher gewiß auf die Zeit freuen, in der sich der Schöpfer der Energiebedürfnisse der Menschheit annehmen wird. Die Energie, die er zu unserem Nutzen zur Verfügung stellen kann, ist bestimmt unerschöpflich (Jesaja 40:26). Wir können wirklich darauf hoffen, daß Jehova Gott mit seiner gerechten Verwaltung und seiner unermeßlichen wissenschaftlichen Kenntnis einschreitet, um alle unsere Energieprobleme für immer zu lösen, bevor der Mensch in seinem Bemühen, die Energieversorgung aufrechtzuerhalten, die Erde verdirbt (Offenbarung 11:15, 18).
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Täglich besuchten Tausende die Ausstellung
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Eine große Zuhörerschar lernt etwas über Energiesparen, während dem Redner ein „sprechender“ Roboter zur Seite steht.