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Eine chaotische Welt — Kann die junge Generation sie ändern?Erwachet! 1976 | 22. September
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Eine chaotische Welt — Kann die junge Generation sie ändern?
Millionen halten die Weltlage für äußerst kritisch. Wer kann eine Besserung herbeiführen? Ist die junge Generation dazu imstande?
DIE Welt liegt im argen. Das wird niemand bestreiten. Viele junge Menschen sind der Meinung, die Situation sei so kritisch, daß die Menschheit nur fortbestehen könne, wenn drastische Änderungen vorgenommen würden. Einige sind sogar überzeugt davon, daß eine Weltkatastrophe unabwendbar ist. Sie sagen, die Welt gleiche einem Eisenbahnzug, bei dem die Bremsen nicht mehr funktionierten und der auf einen gähnenden Abgrund zurase, über den keine Brücke mehr führe, weil das Wasser sie weggerissen habe.
Die meisten älteren Personen werden wahrscheinlich anders denken. Sie neigen gewöhnlich zu der Auffassung, daß sich unsere chaotische Welt irgendwie erholen und sich alles zum Guten wenden werde. Sie mögen sagen: „Denkt doch an die dunklen Tage der Weltwirtschaftskrise oder an die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Schon des öfteren sahen die Verhältnisse hoffnungslos aus, doch bis jetzt besserten sie sich immer wieder. Die Welt hat bis heute bestanden, und sie wird auch jetzt nicht untergehen.“
„Aber heute ist die Situation anders“, werden viele junge Menschen erwidern, „und zwar total anders.“ Offen gesagt, haben sie nicht unrecht.
Eine ganz andere Gesellschaft ist entstanden. In seinem Buch Der Zukunftsschock schreibt Alvin Toffler: „Wir erleben eine Revolution der Jugend, eine sexuelle Revolution, eine Rassenrevolution, eine Revolution der ehemaligen Kolonialgebiete, eine Wirtschaftsrevolution und die rascheste und tiefgreifendste technologische Revolution der Geschichte“ (S. 131).
Wenn wir in bezug auf die jetzigen Probleme der Welt ehrlich sind, müssen wir zugeben, daß wir das, was früheren Generationen widerfahren ist, mit unserer heutigen Situation nicht vergleichen können. Wir müssen versuchen, zu begreifen, wie sich die gewaltige Umwandlung der Gesellschaft auf die Jugend ausgewirkt hat.
Man denke zum Beispiel an die Wirkung der technologischen Revolution, die in erster Linie durch Hunderte von Millionen Liter Erdöl, das man täglich aus dem Boden pumpt, angetrieben wird. Junge Menschen sind oft empört über die rücksichtslose Ausbeutung der Rohstoffquellen. Nicht nur werden diese bald erschöpft sein, weil sie ganz unbekümmert genutzt werden, sondern gleichzeitig werden auch die Luft, das Wasser und der Boden vergiftet.
Junge Leute sind geneigt, vorwurfsvoll zu sagen: „Wie konnte die Generation unserer Eltern die Bodenschätze nur so rücksichtslos ausbeuten und die Umwelt so verschmutzen, daß uns und unseren Nachkommen nichts anderes als eine zerstörte Erde übrigbleibt!“
Können wir diese Auffassung nicht von ganzem Herzen teilen? Wie wäre uns denn zumute, wenn wir einen Park betreten würden, in dem alle Blumen und Sträucher zertrampelt, die prachtvollen Bäume abgeholzt und die Grünflächen und Wege mit Müll übersät wären? Viele junge Menschen sind der Meinung, daß die ältere Generation so mit der Erde umgegangen ist und daß noch Schlimmeres bevorsteht. Ist ihre Angst berechtigt?
Wir brauchen nur daran zu denken, daß die heutige Jugend die erste Generation ist, die in einer Zeit heranwächst, in der die Menschheit über so viele Atomwaffen verfügt, daß sie sich mehrmals vernichten könnte. Der britische Kommentator Jeff Nuttall weist darauf hin daß sich Jugendliche, die vor dem Einbruch des Atomzeitalters in die Pubertät kamen, „ein Leben ohne eine Zukunft nicht vorstellen konnten“. Die jungen Menschen aber, die seither das Entwicklungsalter erreicht haben, „können sich ein Leben mit einer Zukunft“ nicht vorstellen. Nuttall erklärt nachdrücklich: „Der Sinn für die Zukunft geht ihnen völlig ab. Sie sind überzeugt, daß sich die Menschheit durch einen Atomkrieg vernichten wird.“
Welchen Eindruck hat die junge Generation von den Staatsführern? Ein 17jähriger drückte aus, was viele Leute denken, als er in einem Brief, der in der New York Times vom 22. November 1975 veröffentlicht wurde, schrieb: „Die Leute stellen die Politiker auf die gleiche Stufe wie die Einbrecher, die Straßenräuber und die Hochstapler; viele sind der Meinung, daß unsere Führer an niemand anders Interesse haben als an sich selbst.“
Wenn Kinder ins Entwicklungsalter kommen, beginnen sie zu erkennen, daß gewinnsüchtige Geschäftsleute für die schädliche geistige Kost verantwortlich sind, die ihnen vorgesetzt wird, z. B. für die Filme und die Fernsehstücke, in denen Verbrechen und Gewalttat verherrlicht werden. Eine führende US-Zeitschrift schrieb in ihrer Ausgabe vom September 1975: „Wenn Ihr Kind zu den amerikanischen Durchschnittskindern gehört, wird es, ehe es das 15. Lebensjahr erreicht haben wird, auf dem Bildschirm 13 000 Menschen sterben gesehen haben. Würde es während sämtlicher Programme, die in den Hauptsendezeiten dieses Jahres ausgestrahlt werden, in die Röhre gucken, könnte es — und zwar stündlich achtmal — zuschauen, wie Menschen ermordet, verprügelt, überfallen und ausgeraubt oder wie Frauen und Mädchen vergewaltigt werden. In drei von vier Programmen werden solche brutalen Szenen gezeigt.“
Wenn die Kinder heranwachsen, beginnen sie auch zu erkennen, daß habsüchtige Industrielle schuld daran sind, daß das Leben auf der Erde durch Schadstoffe bedroht wird und daß machtgierige politische Führer die Zivilisation gefährden, indem sie riesige Vorräte an Atomwaffen anlegen. Können wir es der jungen Generation verdenken, daß sie das System, das zu einem großen Teil dafür verantwortlich ist, daß sie keiner glücklichen, gesicherten Zukunft entgegensehen kann, immer mehr haßt? A. von Szent-Györgyi, der den Nobelpreis für Medizin und Physiologie erhielt, weiß, wie die Jugendlichen denken. Er schrieb:
„Sie empfinden alles als Lüge. Die großen politischen Parteien sind auf Gewinn und Macht aus, die Armee will herrschen, mästet sich mit den Leibern der Jugend. ... Sie sehen, daß die Religion immer auf der Seite der Mächtigen steht. Und während die Hälfte aller Kinder auf der Welt hungrig schlafen geht, ohne die notwendigen Nahrungsmittel für ihre körperlich und geistig gesunde Entwicklung, sehen unsere jungen Leute, daß wir Hunderte von Milliarden ausgeben, um unsere Atombombenarsenale und unser Raketenpotential immer höher aufzustocken. Sie sehen, daß die meisten politischen Führer allein auf ihre Wiederwahl, auf Erhaltung ihrer Macht bedacht sind und das Volk mit Argumenten abspeisen, gegen die sich die einfachste Logik sträuben müßte“ (Der fehlentwickelte Affe, S. 87, 88).
Ja, viele Jugendliche halten unsere Welt für korrupt und grausam. Und sind wir nicht gezwungen, ihre Auffassung zu teilen? Doch einige werden der jungen Generation sagen: „Ihr könnt die Welt verbessern. Ihr müßt nur die Regierungen von den korrupten, unsittlichen Elementen säubern. Das wird euch möglich sein.“ Kann die junge Generation diese chaotische Welt wirklich ändern? Kann sie sie erneuern und verbessern? Oder ist der Versuch, es zu tun, Zeitverschwendung?
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Läßt sich die Welt ändern?Erwachet! 1976 | 22. September
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Läßt sich die Welt ändern?
VIELE Leute haben gedacht, daß es möglich sei, die Welt zu verbessern. Und in der Vergangenheit hat sich die junge Generation eifrig daran versucht. Sie hat z. B. in den 1960er Jahren mit ihren Bemühungen, das gegenwärtige System zu reformieren, immer wieder Schlagzeilen gemacht. Tausende protestierten gemeinsam gegen eine Gesellschaft, die in ihren Augen rassistischa, gesetzlos und brutal war. Aber in letzter Zeit sind sozusagen keine Bemühungen mehr unternommen worden, das gegenwärtige System zu ändern.
Vor ein paar Jahren, als das korrupte Verhalten einiger der einflußreichsten Männer der Welt angeprangert wurde, zeigte sich kaum ein Jugendlicher deshalb empört. Dieses Schweigen war überraschend, wenn man bedenkt, daß noch wenige Jahre vorher die junge Generation versucht hat, Reformen zu erzwingen. Warum dieser Umschwung?
In ihrem Buch The Conspiracy of the Young nehmen die beiden Lehrer Paul Lauter und Florence Howe Stellung zu der Frage, warum sich die Einstellung der Jugend in letzter Zeit geändert hat: „[Vor Jahren] war man überzeugt davon, daß die Einrichtungen verbesserungsfähig sind. Das war eine Art Mittelstandsoptimismus ... Aber durch den [Vietnam-]Krieg hat sich alles geändert.“
Bei den energischen Bemühungen der jungen Generation in den 1960er Jahren, das gegenwärtige System zu verbessern, stieß sie mit der harten Wirklichkeit zusammen. Dabei wurde sie sich über etwas klar, was ihr bis dahin nicht bewußt gewesen war, etwas, vor dem viele ältere Personen gern die Augen verschließen. Es handelt sich dabei um die Tatsache, daß die Welt durch und durch korrupt ist und daß sie das schon die ganze Zeit gewesen ist. Ein Vertreter der jungen Generation, der sich in den 1960er Jahren aktiv für eine bessere Welt eingesetzt hatte, erwähnte diese Anschauung in einem Bericht, der in dem New York Times Magazine vor kurzem veröffentlicht wurde. Er schrieb: „Wir hatten richtig gefolgert, daß wir in einem schlechten, korrupten, sittlich bankrotten, brutalen und ausbeuterischen System lebten. Wir erkannten nur nicht, daß die Welt schon immer so gewesen war.“
Zu welchem Schluß sind deshalb viele junge Menschen gekommen? Daß es ihnen nicht gelingen wird, an der bestehenden Korruption etwas zu ändern. Das System ist faul bis ins Mark, einschließlich der Politik, des Handels und der Religionen. Diese Welt kann nicht verbessert werden. Ein anderer junger Aktivist der 1960er Jahre schrieb über seine Bemühungen, die Welt zu verbessern: „Diese Erlebnisse ließen mich erkennen, daß das heutige System nicht verbessert werden kann. Ich gab es auf, es ändern zu wollen. ,Iß, trink und sei fröhlich‘ wurde jetzt meine Maxime.“ Und gemessen an dem, was wir sehen, haben Millionen junge Menschen angefangen, so zu denken.
Einige ältere Personen mögen jetzt sagen: „Das ist ja der Fehler, den heute viele junge Leute machen. Sie sind viel zu negativ, viel zu pessimistisch.“ Darauf mögen junge Menschen antworten: „Wir sind nicht negativ; wir sind lediglich realistisch.“ Und tatsächlich stimmt eine wachsende Zahl von Personen, die das Beweismaterial geprüft haben, zu. In dem zweiten Bericht an den Club of Rome, der überschrieben ist „Menschheit am Wendepunkt“, wird zusammenfassend gesagt, daß wir uns auf einem verhängnisvollen Weg befänden und daß der Mensch im Nachteil sei.
Auch die beiden Professoren Dennis C. Pirages und Paul R. Ehrlich sehen eine Weltkatastrophe voraus. Abschließend schreiben sie in ihrem Buch Ark II (Die zweite Arche): „Was in den Vereinigten Staaten sowie in der übrigen Welt geschieht, ist ein Symptom dafür, daß ein gewaltiger Zusammenbruch der industriellen Ordnung bevorsteht. Wir alle sind jetzt in eine gigantische Tragödie verwickelt. Jeder Mensch, jede Familie und jedes Volk kämpft, um den Vorsprung beizubehalten, während das ganze System kurz vor dem Zusammenbruch steht.“
Die meisten älteren Personen mögen zugeben, daß es der Welt übel ergeht, aber gleichzeitig erklären sie, daß es nur eine Welt gebe. Deshalb sollte alles darangesetzt werden, sie zu retten bzw. zu verbessern, anstatt sie aufzugeben und uns auf ihren Zusammenbruch einzustellen. Aber die junge Generation betrachtet gewöhnlich Bemühungen zur Verbesserung der Welt als Zeitverschwendung; sie sagt, das wäre so, als wollte man das Meer mit einem Fingerhut ausschöpfen.
Haben junge Leute, die so denken, recht? Ist die Situation hoffnungslos? Ist es vernünftig, nach der Maxime zu leben „Iß, trink und sei fröhlich, denn morgen mögen wir sterben“?
Keine Zukunft?
Wegen der anscheinend hoffnungslosen Weltlage haben zahlreiche junge Menschen angefangen, sinnlichen Genüssen zu frönen. Aber viele von ihnen haben bald gemerkt, daß das auch keine echte Freude bereitet, daß es nicht glücklich macht. Im Gegenteil, ein solches Leben hat für sie oft Herzeleid mit sich gebracht. Ein Anzeichen dafür ist die ungeheuer hohe Zahl von Selbstmorden unter den Jugendlichen. In den Vereinigten Staaten stieg zum Beispiel die Zahl der Selbstmorde unter Personen im Alter von 15 bis 24 Jahren in der Zeit von 1955 bis 1975 um 250 Prozent.
Der junge Leser mag nun fragen: „Worin besteht denn die Lösung? Worauf geht das alles hinaus? Sollen wir anfangen, ein gutes Leben zu führen und nach der ,Goldenen Regel‘ zu handeln, damit unsere Probleme gelöst und wir glücklich werden? Will man behaupten, daß die Welt dadurch besser würde und daß auf diese Weise alle vorhergesagten Katastrophen verhütet werden könnten?“
Nein, das soll absolut nicht gesagt werden. Ob man ein „gutes Leben“ führt oder nicht, wirkt sich wahrscheinlich wenig, wenn überhaupt, auf den Gang der Welt aus. Jesus Christus hat auf der Erde vorbildlich gelebt, aber dadurch ist die Welt nicht besser geworden. Die ersten Jünger Jesu konnten die Welt ebenfalls nicht verbessern. Aber sie erwarteten das auch nicht, noch bemühten sie sich, es zu tun. Überrascht dich das?
Wenn wir betrachten, was Jesus und seine Jünger über die gegenwärtige Welt gelehrt haben, sind wir nicht überrascht. Jesus wußte, daß das Weltsystem korrupt ist und daß es nicht verbessert werden kann. Er wies daher auf die einzige realistische Lösung hin, indem er erklärte, daß das gegenwärtige System vernichtet werden müsse. Er verglich dessen Vernichtung mit dem, was zur Zeit Noahs geschah, indem er sagte:
„Denn geradeso wie die Tage Noahs waren, so wird die Gegenwart des Sohnes des Menschen sein. Denn so, wie sie in jenen Tagen vor der Sintflut waren: sie aßen und tranken, Männer heirateten und Frauen wurden verheiratet bis zu dem Tage, an dem Noah in die Arche hineinging, und sie nahmen keine Kenntnis davon, bis die Sintflut kam und sie alle wegraffte: so wird die Gegenwart des Sohnes des Menschen sein“ (Matth. 24:37-39).
Jesu Jünger interessierten sich stark für das, was er über dieses Thema lehrte. Das zeigte ihre Frage: „Was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (Matth. 24:3). Sie glaubten das, was Jesus über das Ende des gegenwärtigen Systems der Dinge lehrte, und einer von ihnen schrieb später: „Die Welt vergeht und ebenso ihre Begierde, wer aber den Willen Gottes tut, bleibt immerdar“ (1. Joh. 2:17).
Vielleicht fragst du dich jetzt: „Könnte es sein, daß das Ende der Welt, von dem Christus und seine Jünger sprachen, unmittelbar bevorsteht?“ Es ist interessant, die Antwort zu erfahren, die Jesus seinen Jüngern gab, als sie ihn baten, ihnen ein „Zeichen“ zu geben, das sie erkennen ließe, wann der Abschluß des gegenwärtigen Systems der Dinge sein würde. Seine Antwort finden wir in der Bibel, hauptsächlich in Matthäus, Kapitel 24, Markus, Kapitel 13 und Lukas, Kapitel 21.
Jesus gab ihnen ein „Zeichen“, das sich aus vielen Einzelteilen zusammensetzt. All die verschiedenen Geschehnisse, die dieses Zeichen bilden, sollten kurz vor der Vernichtung
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