Was Gottes Königreich für viele bedeutet
JESUS CHRISTUS sprach oft über das Königreich Gottes. Diesbezüglich schrieb der Historiker H. G. Wells: „Bemerkenswert ist die Bedeutung, die Jesus dem, was er das Himmelreich ... nennt, beimißt, und die geringe Rolle, die diese Lehre in den Zeremonien und Glaubenssätzen der meisten christlichen Kirchen spielt. Die Lehre vom Himmelreich ..., die Hauptlehre Jesu, ist sicher eine der revolutionärsten Lehren, die je das menschliche Denken bewegt und verändert haben.“
Warum haben die Kirchen so wenig über Gottes Königreich zu sagen? Ein Grund ist vielleicht, daß über das Königreich Unklarheit herrscht. Welche Ansichten wurden im Laufe der Zeit vertreten?
Ansichten über das Königreich
Einige haben Gottes Königreich mit der katholischen Kirche gleichgesetzt. Nachdem die Bischöfe auf dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 u. Z. Kaiser Konstantin als ihr Haupt anerkannt hatten, beteiligte sich die Kirche an der Politik, und man sagte den Leuten, das Königreich sei schon gekommen. In der Encyclopædia Britannica heißt es, nach der Theologie des Augustinus (354—430 u. Z.) habe „das Königreich Gottes ... in dieser Welt bereits mit der Gründung der Kirche zu herrschen begonnen“ und sei „bereits gegenwärtig in den Sakramenten der Kirche“.
Andere betrachten Gottes Königreich als das Ergebnis menschlicher Bemühungen. In derselben Enzyklopädie wird folgendes festgestellt: „Die Kirchen der Reformation ... wurden bald institutionelle territoriale Kirchen, die wiederum die Endzeiterwartung [hinsichtlich des Kommens des Königreiches Gottes] zurückdrängten.“ H. G. Wells schrieb, daß „die Menschen ihre Beziehungen zum Reiche Gottes und der Bruderschaft der Menschheit lösten und ihr Leben mit jenen anscheinend lebendigeren Wirklichkeiten, Frankreich und England, dem heiligen Rußland, Spanien und Preußen verknüpften ... Dies waren die wirklichen und lebendigen Götter Europas.“
Auch in unserer Zeit hat man das Königreich säkularisiert. Dazu bemerkt die Encyclopædia Britannica: „Bezeichnend ist die grundsätzliche Einstellung, der Mensch selbst müsse die künftige vollkommene Gesellschaft durch konstruktive organisatorische Maßnahmen zustande bringen und an die Stelle des ‚Hoffens‘ und ‚Erwartens‘ sei die menschliche Initiative getreten.“ In demselben Werk heißt es zum Thema „soziales Evangelium“: „Diese Bewegung sah in der christlichen Botschaft vom Königreich Gottes hauptsächlich einen Anstoß zur Neuordnung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Sinne einer Königreich-Gottes-Ethik.“
Viele Juden sind ebenfalls der Ansicht, das Königreich müsse von Menschen geschaffen werden. Im Jahre 1937 gaben Rabbiner des Reformjudentums auf einer Konferenz in Columbus (Ohio, USA) folgendes bekannt: „Wir halten es für unsere geschichtliche Aufgabe, in Zusammenarbeit mit allen Menschen das Königreich Gottes aufzurichten und überall auf der Erde Brüderlichkeit, Gerechtigkeit, Wahrheit und Frieden herbeizuführen. Das ist unser messianisches Ziel.“
Nach einer anderen weitverbreiteten Meinung ist Gottes Königreich ein Zustand im Herzen des Menschen. Der Bund der Südlichen Baptisten Amerikas erklärte 1925: „Das Königreich Gottes ist die Herrschaft Gottes im Herzen und im Leben des einzelnen in jeder menschlichen Beziehung sowie in jeder Form und Institution der organisierten Gesellschaft. ... Das Königreich Gottes wird vollständig sein, wenn jeder Gedanke und Wille des Menschen dem Willen Christi unterworfen ist.“
Ist die Kirche wirklich das Königreich Gottes? Wird dieses Königreich mit weltlichen Mitteln herbeigeführt werden? Ist es ein Herzenszustand? Und was kann Gottes Königreich für dich bedeuten?