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Der Geist gibt die innere GewissheitDer Wachtturm (Studienausgabe) 2016 | Januar
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Der Geist gibt die innere Gewissheit
„Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (RÖM. 8:16)
1—3. Welche Ereignisse machten Pfingsten 33 u. Z. zu einem besonderen Tag, und wie erfüllte sich dadurch eine biblische Prophezeiung? (Siehe Anfangsbild.)
ES IST kurz vor 9 Uhr. Der heutige Tag ist ein Festtag und deshalb auch ein Sabbat. Er wird für die Menschen in Jerusalem etwas ganz Besonderes werden. Die täglichen Morgenopfer sind zweifellos schon im Tempel dargebracht worden. Jetzt liegt Spannung in der Luft. Der Hohe Priester bereitet alles für das Webeopfer vor, bei dem er zwei gesäuerte Brote aus frisch gereiftem Getreide hin und her bewegt (3. Mo. 23:15-20). Dieses Opfer kennzeichnet den Beginn der Weizenernte. Es ist Pfingsten 33 u. Z.
2 Während all das im Tempelgebiet geschieht, bahnt sich im Obergeschoss eines Hauses in der Stadt allerdings etwas weit Bedeutsameres an. Etwa 120 Jünger haben sich versammelt und verharren im Gebet (Apg. 1:13-15). Was sie erleben werden, steht in engem Zusammenhang mit den Handlungen des Hohen Priesters beim Pfingstfest. Außerdem wird sich eine Prophezeiung erfüllen, die der Prophet Joel etwa 800 Jahre zuvor geäußert hatte (Joel 2:28-32; Apg. 2:16-21). Was genau wird geschehen, das von so großer Bedeutung wäre?
3 Lies Apostelgeschichte 2:2-4. Auf alle, die sich in dem Saal befinden, wird Gottes heiliger Geist ausgegossen (Apg. 1:8). Sie beginnen zu prophezeien, sprechen also über die Wunder, die sie gerade erlebt haben. Schon bald strömen viele Menschen herbei. Der Apostel Petrus erklärt ihnen die Bedeutung dessen, was geschehen war, und sagt den Anwesenden: „Bereut, und jeder von euch lasse sich im Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden taufen, und ihr werdet als freie Gabe den heiligen Geist empfangen.“ An diesem Tag nehmen etwa 3 000 Personen die Einladung an. Sie lassen sich taufen und erhalten den versprochenen heiligen Geist (Apg. 2:37, 38, 41).
4. (a) Warum sollte es uns interessieren, was zu Pfingsten geschah? (b) Welches andere wichtige Ereignis könnte viele Jahre vorher am gleichen Tag stattgefunden haben? (Siehe Endnote.)
4 Warum ist Pfingsten 33 u. Z. für uns so wichtig? Es geht dabei weniger um die Ereignisse, die sich im Tempel abspielten; viel wichtiger ist, dass Jesus Christus als großer Hoher Priester gemäß dem prophetischen Muster handelte.[1] Der Hohe Priester brachte Jehova im Tempel an diesem Tag zwei gesäuerte Brote dar. Diese stehen für die Gesalbten, die aus der sündigen Menschheit ausgewählt werden und zu Adoptivsöhnen Gottes werden. So wird für sie — auch Erstlinge genannt — der Weg frei, schließlich im Himmel Teil der Königreichsregierung zu werden. Diese Regierung wird gehorsamen Menschen viele Segnungen bringen (Jak. 1:18; 1. Pet. 2:9). Die Ereignisse zu Pfingsten haben also großen Einfluss auf unser Leben, ganz gleich ob wir die Hoffnung haben, mit Jesus im Himmel zu sein oder für immer im Paradies auf der Erde zu leben.
WAS GEHT BEI DER GEISTSALBUNG VOR SICH?
5. Woher wissen wir, dass die Geistsalbung nicht immer auf die gleiche Art und Weise vor sich geht?
5 Wenn wir unter den Jüngern gewesen wären, über denen sich Feuerzungen verteilt hatten, wäre uns dieser Tag immer in Erinnerung geblieben. Hätten wir wohl daran gezweifelt, ob wir durch heiligen Geist gesalbt worden sind? Bestimmt nicht. Und nachdem wir durch ein Wunder eine Fremdsprache hätten sprechen können, erst recht nicht (Apg. 2:6-12). Wurden jedoch alle auf so eindrucksvolle Weise wie die 120 Jünger gesalbt? Nein. Denn bei den anderen, die an diesem Tag in Jerusalem gesalbt wurden, geschah dies in Verbindung mit ihrer Taufe (Apg. 2:38). Über ihnen erschienen keine Feuerzungen. Außerdem erhielten nicht alle ihre Salbung bei ihrer Taufe. Bei den Samaritern beispielsweise geschah das erst einige Zeit danach (Apg. 8:14-17). Kornelius und seine Hausgemeinschaft wurden ausnahmsweise sogar schon vor ihrer Taufe mit heiligem Geist gesalbt (Apg. 10:44-48).
6. Was erhält jeder einzelne Gesalbte, und wie wirkt sich das auf ihn aus?
6 Die Salbung geht also auf unterschiedliche Weise vonstatten. Einigen ist vielleicht recht plötzlich klar, dass sie berufen worden sind, andere dagegen benötigen etwas mehr Zeit, das zu erkennen und zu akzeptieren. Doch unabhängig davon, wie das bei jedem Einzelnen vor sich geht, trifft auf alle das zu, was der Apostel Paulus wie folgt beschreibt: „Durch ihn seid ihr auch, als ihr gläubig geworden seid, mit dem verheißenen heiligen Geist versiegelt worden, der ein im Voraus gegebenes Unterpfand unseres Erbes ist“ (Eph. 1:13, 14). Die besondere Wirkungsweise des heiligen Geistes wird sozusagen zu einer Garantie oder Sicherheit für das, was kommen wird. Wer gesalbt wird, erhält dieses „Unterpfand“, was eine innere Überzeugung bewirkt. (Lies 2. Korinther 1:21, 22; 5:5.)
7. Was muss jeder Gesalbte tun, um seine Belohnung zu erhalten?
7 Garantiert dieses Unterpfand einem Gesalbten zukünftiges Leben im Himmel? Nein, lediglich die Einladung ist ihm sicher. Doch ob er schließlich seine Belohnung im Himmel erhält, hängt von seiner Treue ab. Petrus erklärte es so: „Aus diesem Grund, Brüder, tut umso mehr euer Äußerstes, eure Berufung und Auserwählung festzumachen; denn wenn ihr diese Dinge beständig tut, werdet ihr auf keinen Fall jemals fehlgehen. In der Tat, auf diese Weise wird euch der Eingang in das ewige Königreich unseres Herrn und Retters Jesus Christus reichlich dargereicht werden“ (2. Pet. 1:10, 11). Jeder Gesalbte muss also wirklich darum kämpfen, treu zu bleiben; andernfalls wird seine Berufung oder Einladung wertlos sein (Heb. 3:1; Offb. 2:10).
WOHER WEISS MAN ES?
8, 9. (a) Warum ist es für die meisten schwierig, zu verstehen, was bei einer Geistsalbung geschieht? (b) Woher weiß jemand, dass er berufen worden ist?
8 Für die meisten Diener Jehovas ist es schwierig, völlig zu verstehen, was bei einer Geistsalbung geschieht. Und das ist nicht verwunderlich, weil sie so etwas noch nicht selbst erlebt haben. Von Anfang an hatte Jehova für die Menschen vorgesehen, für immer auf der Erde zu leben (1. Mo. 1:28; Ps. 37:29). Es ist daher die Ausnahme und nicht die Regel, dass einige ausgewählt werden, im Himmel als Könige und Priester zu amtieren. Wird jemand mit heiligem Geist gesalbt, verändert das sein Denken, seine Einstellung und seine Zukunftsaussicht gravierend. (Lies Epheser 1:18.)
9 Woher weiß jemand aber, dass er berufen worden ist und tatsächlich dieses besondere Unterpfand erhalten hat? Die Antwort darauf wird in den Worten deutlich, die Paulus an die gesalbten Brüder in Rom, die „zu Heiligen Berufenen“, richtete: „Ihr habt nicht einen Geist der Sklaverei empfangen, der wiederum Furcht erweckt, sondern ihr habt einen Geist der Annahme an Sohnes statt empfangen, durch welchen Geist wir ausrufen: ‚Abba, Vater!‘ Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (Röm. 1:7; 8:15, 16). Einfach ausgedrückt: Gott lässt durch seinen heiligen Geist jemand eindeutig wissen, dass er die Einladung erhalten hat, zukünftig mit Jesus im Himmel zu regieren (1. Thes. 2:12).
10. Was ist mit der Aussage aus 1. Johannes 2:27 gemeint: „Ihr benötigt niemand, der euch lehre“?
10 Wer diese besondere Einladung von Gott erhalten hat, benötigt keinen weiteren Beweis. Niemand anders muss ihm bestätigen, was mit ihm geschehen ist. Jehova räumt aus dem Sinn und Herzen des Betreffenden jeden Zweifel aus. Der Apostel Johannes erklärt allen Gesalbten: „Ihr habt eine Salbung von dem Heiligen; ihr alle habt Kenntnis.“ Er führt weiter aus: „Was euch betrifft: Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr benötigt niemand, der euch lehre; sondern wie euch die von ihm kommende Salbung über alle Dinge belehrt und wahr ist und keine Lüge ist, und so, wie sie euch belehrt hat, bleibt in Gemeinschaft mit ihm“ (1. Joh. 2:20, 27). Alle Gesalbten brauchen die biblische Unterweisung wie jeder andere auch. Aber sie benötigen niemand, der ihnen ihre Salbung bestätigt. Der heilige Geist, die stärkste Kraft überhaupt, hat sie von ihrer Berufung überzeugt.
SIE WERDEN „WIEDERGEBOREN“
11, 12. Worüber machen sich Gesalbte vielleicht Gedanken, doch was bezweifeln sie nicht?
11 Wenn der heilige Geist jemandem, der gesalbt wird, diese Überzeugung vermittelt, durchlebt er gewaltige Veränderungen. Um zu beschreiben, was dabei in ihm vor sich geht, spricht Jesus davon, „wiedergeboren“ oder „von oben gezeugt“ zu werden[2] (Joh. 3:3, 5, Fn.). Und weiter führt er aus: „Wundere dich nicht, dass ich zu dir sagte: Ihr müsst wiedergeboren werden. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Geräusch, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren worden ist“ (Joh. 3:7, 8). Es ist also unmöglich, jemandem, der es nicht selbst erlebt hat, völlig begreiflich zu machen, was bei einer Berufung vor sich geht.
12 Gesalbte fragen sich unter Umständen: „Warum bin ich ausgewählt worden? Warum ich und nicht irgendjemand anders?“ Manche fragen sich sogar, ob sie würdig genug sind. Doch sie bezweifeln nicht, dass sie überhaupt eingeladen worden sind. Sie sind überwältigt vor Dankbarkeit und Freude und empfinden ähnlich wie Petrus, der unter Jehovas Anleitung schrieb: „Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, denn nach seiner großen Barmherzigkeit hat er uns eine neue Geburt zu einer lebendigen Hoffnung gegeben durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe. Es ist in den Himmeln aufbehalten für euch“ (1. Pet. 1:3, 4). Wenn Gesalbte diese Worte lesen, dann besteht für sie kein Zweifel daran, dass ihr Vater Jehova direkt zu ihnen spricht.
13. Welche Änderung im Denken findet bei jemand statt, der mit heiligem Geist gesalbt wird, und wie ist das zu erklären?
13 Bevor Gesalbte diese Gewissheit von Gottes Geist erhalten haben, hatten sie die Aussicht, für immer auf der Erde zu leben. Sie haben die Zeit herbeigesehnt, in der Jehova die Erde reinigen wird, und wollten diese schöne Zukunft miterleben. Vielleicht haben sie sich vorgestellt, geliebte Menschen, die gestorben waren, wieder zu begrüßen. Sie freuten sich darauf, in ihrem selbst gebauten Haus zu wohnen und die Früchte der selbst gepflanzten Bäume zu essen (Jes. 65:21-23). Warum denken sie jetzt anders? Das ist nicht etwa, weil sie mit ihrer Zukunftshoffnung unzufrieden gewesen wären oder innerlich aufgewühlt waren. Sie dachten nicht plötzlich, es sei ermüdend oder langweilig, für immer auf der Erde zu leben. Und sie wollten auch nicht einfach nur herausfinden, wie es wohl wäre, im Himmel zu leben. Die Veränderung haben sie erlebt, weil der Geist Gottes sie nicht nur berufen oder eingeladen hat, sondern auch ihr Denken und ihre Zukunftsaussicht beeinflusst hat.
14. Wie betrachten die Gesalbten ihr Leben auf der Erde?
14 Sollten wir schlussfolgern, dass die Gesalbten sterben möchten? Paulus wurde von Jehova dazu angeleitet, Folgendes zu schreiben: „Solange wir in diesem Körper leben, liegt eine schwere Last auf uns. Wir wünschen uns nicht etwa den Tod herbei, sondern wir möchten den neuen Leib überziehen, damit alles Vergängliche vom Leben überwunden wird“ (2. Kor. 5:4, Hoffnung für alle). Sie möchten nicht so schnell wie möglich sterben, als hätten sie das Interesse am Leben auf der Erde verloren. Ganz im Gegenteil! Sie sind eifrig bemüht, jeden Tag zu nutzen, um mit ihren Freunden und Verwandten Jehova zu dienen. Und dennoch: Bei allem, was sie tun, denken sie an die wunderbare Hoffnung, die sie für die Zukunft haben (1. Kor. 15:53; 2. Pet. 1:4; 1. Joh. 3:2, 3; Offb. 20:6).
GEHÖRST DU DAZU?
15. Was ist kein Beweis dafür, dass jemand berufen worden ist?
15 Vielleicht fragst du dich, ob du diese wunderbare Einladung erhalten hast. Dann denk doch einmal über einige wichtige Fragen nach: Hast du das Gefühl, im Predigtdienst außergewöhnlich eifrig zu sein? Begeistert es dich, in der Bibel nach den „tiefen Dingen Gottes“ zu forschen? (1. Kor. 2:10). Segnet Jehova deinen Predigtdienst auf besondere Weise? Hast du den brennenden Wunsch, Jehovas Willen zu tun? Empfindest du ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl, anderen dabei zu helfen, einen starken Glauben zu bewahren? Hast du erlebt, wie Jehova dir in deinem Leben beigestanden hat? Vielleicht beantwortest du diese Fragen mit einem eindeutigen Ja. Ist das dann der Beweis für die Berufung? Nein, denn all das kann auf jeden Diener Jehovas zutreffen. Jehova kann jedem seiner Diener durch seinen Geist die gleiche Kraft geben, egal welche Zukunftsaussicht er hat. Allein dass du dich fragst, ob du die himmlische Berufung erhalten hast, zeigt eigentlich schon, dass du sie nicht erhalten hast. Wer von Jehova berufen worden ist, hat keinen Zweifel daran. Er weiß es einfach.
16. Woher wissen wir, dass nicht alle, die vom heiligen Geist geleitet wurden, die Berufung erhalten haben?
16 Die Bibel spricht von vielen Glaubensmännern, die vom heiligen Geist auf besondere Weise geleitet wurden. Sie erhielten jedoch nicht die Aussicht, im Himmel zu leben. Einer von ihnen war Johannes der Täufer. Jesus sprach sehr gut von ihm, erwähnte aber, dass er nicht zum himmlischen Königreich gehören wird (Mat. 11:10, 11). Auch David wurde vom heiligen Geist geleitet (1. Sam. 16:13). Er hatte wirklich einen tiefen Glauben; Jehova gebrauchte ihn sogar, Teile der Bibel zu schreiben (Mar. 12:36). Und trotzdem sagte Petrus zu Pfingsten, David sei „nicht in die Himmel aufgefahren“ (Apg. 2:34). Der heilige Geist wirkte machtvoll in diesen Menschen, gab ihnen aber nicht die innere Gewissheit, für Leben im Himmel ausgewählt worden zu sein. Das bedeutete nicht, dass sie in irgendeiner Weise unwürdig waren oder sich für die Aufgabe nicht eigneten. Es bedeutete einfach: Jehova wird sie auf einer paradiesischen Erde auferwecken (Joh. 5:28, 29; Apg. 24:15).
17, 18. (a) Worauf freuen sich die meisten Diener Jehovas? (b) Welche Fragen werden im nächsten Artikel behandelt?
17 Heute sind die meisten Diener Jehovas nicht dazu berufen worden, im Himmel zu leben. Sie haben die gleiche Aussicht wie Johannes der Täufer, David und andere treue Männer und Frauen der alten Zeit. Wie Abraham freuen sie sich darauf, unter der Königreichsregierung zu leben (Heb. 11:10). Nur wenige derer, die für Leben im Himmel ausgewählt wurden, sind in der Zeit des Endes noch auf der Erde (Offb. 12:17). Das bedeutet, dass die Mehrheit der 144 000 schon in Treue gestorben ist.
18 Wie sollten Diener Jehovas, die im Paradies leben möchten, die betrachten, die sich zu den Gesalbten zählen? Wie sollten wir reagieren, wenn jemand aus der Versammlung beim Gedächtnismahl zum ersten Mal von den Symbolen nimmt? Sollte es uns beunruhigen, wenn sich immer mehr zu den Gesalbten zählen? Auf diese Fragen geht der nächste Artikel ein.
^ [1] (Absatz 4) Der Pfingsttag entsprach möglicherweise dem Zeitpunkt, an dem das Gesetz am Sinai gegeben wurde (2. Mo. 19:1). Wenn das so ist, dann haben sowohl Moses als auch Jesus jeweils am Pfingsttag einer Nation geholfen, in einen Bund aufgenommen zu werden. Moses führte die Israeliten in den Gesetzesbund und Jesus brachte eine neue Nation, das geistige Israel, in den neuen Bund.
^ [2] (Absatz 11) Weitere Erklärungen darüber, was es bedeutet, wiedergeboren zu werden, findet man im Wachtturm, 1. April 2009, Seite 3 bis 11.
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„Wir wollen mit euch gehen“Der Wachtturm (Studienausgabe) 2016 | Januar
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„Wir wollen mit euch gehen“
„Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist“ (SACH. 8:23)
1, 2. (a) Was ließ Jehova über die heutige Zeit voraussagen? (b) Welche Fragen werden nun beantwortet? (Siehe Anfangsbild.)
JEHOVA hat über die heutige Zeit voraussagen lassen: „Es wird in jenen Tagen sein, dass zehn Männer aus allen Sprachen der Nationen ergreifen, ja sie werden tatsächlich den Rocksaum eines Mannes ergreifen, der ein Jude ist, indem sie sagen: ‚Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist‘ “ (Sach. 8:23). Die „zehn Männer“ stehen für diejenigen, die die Aussicht auf ewiges Leben auf der Erde haben. Sie ergreifen „den Rocksaum eines Mannes . . . , der ein Jude ist“. Und sie sind stolz darauf, mit dem „Israel Gottes“ verbunden zu sein, denn sie wissen: Jehova segnet seine Gesalbten (Gal. 6:16).
2 Wie der Prophet Sacharja hob auch Jesus die Einheit unter Gottes Volk hervor. Seine Nachfolger sollten zwar aus zwei Gruppen bestehen, der „kleinen Herde“ und den „anderen Schafen“. Dennoch wären sie „eine Herde“ unter „einem Hirten“ (Luk. 12:32; Joh. 10:16). Allerdings könnten in diesem Zusammenhang verschiedene Fragen entstehen: 1. Müssen die anderen Schafe die Namen aller Gesalbten kennen, die noch auf der Erde leben? 2. Wie sollten Gesalbte sich selbst betrachten? 3. Wie sollten wir reagieren, wenn jemand aus der Versammlung beim Gedächtnismahl zum ersten Mal von den Symbolen nimmt? 4. Sollte es uns beunruhigen, wenn immer mehr von den Symbolen nehmen? Sehen wir uns doch an, wie diese Fragen beantwortet werden.
MÜSSEN WIR DIE NAMEN KENNEN?
3. Warum ist es nicht möglich, herauszufinden, wer zu den 144 000 gehören wird?
3 Müssen die anderen Schafe die Namen aller Gesalbten kennen, die noch auf der Erde leben? Kurz gesagt: Nein. Warum nicht? Weil die Berufung zu Leben im Himmel nur eine Einladung ist. Der Lohn ist damit noch nicht garantiert. Aus diesem Grund gebraucht der Teufel „falsche Propheten . . ., um so, wenn möglich, selbst die Auserwählten irrezuführen“ (Mat. 24:24). Solange Jehova nicht entschieden hat, dass ein Gesalbter würdig ist, den Lohn zu erhalten, kann niemand wissen, ob er ihn bekommen wird. Diese Entscheidung trifft Jehova erst, wenn er den Gesalbten endgültig versiegelt — entweder vor seinem Tod in Treue oder kurz bevor die „große Drangsal“ ausbricht (Offb. 2:10; 7:3, 14). Es wäre daher völlig zwecklos, herausfinden zu wollen, wer letztendlich zu den 144 000 gehören wird.[1]
4. Wie können wir mit den Gesalbten gehen, auch wenn wir ihre Namen nicht kennen?
4 Es ist also nicht möglich, die Namen aller geistigen Israeliten, die zurzeit auf der Erde sind, mit Gewissheit zu kennen. Wie können die anderen Schafe dann aber mit ihnen gehen? Beachten wir hierzu, was der Prophet Sacharja über die „zehn Männer“ sagt: Diese würden „den Rocksaum eines Mannes ergreifen, der ein Jude ist, indem sie sagen: ‚Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist‘ “. Obwohl hier nur von einem Juden die Rede ist, wird er mit „euch“ angesprochen. Bei diesem Juden muss es sich also um eine Personengruppe handeln. Daher ist es nicht nötig, jeden einzelnen geistigen Juden zu kennen, um ihn begleiten zu können. Vielmehr müssen wir die geistigen Israeliten als Gruppe erkennen und sie dann unterstützen. In der Bibel werden wir nirgends dazu aufgefordert, einer Einzelperson zu folgen, denn Jesus ist unser Führer (Mat. 23:10).
WIE SOLLTEN GESALBTE SICH SELBST BETRACHTEN?
5. Über welche Warnung sollten Gesalbte gewissenhaft nachdenken, und warum?
5 Wer beim Gedächtnismahl von den Symbolen nimmt, sollte gewissenhaft über die Warnung aus 1. Korinther 11:27-29 (lies) nachdenken. Was wollte der Apostel Paulus damit sagen? Ein Gesalbter, der sein gutes Verhältnis zu Jehova nicht bewahrt, würde „in unwürdiger Weise“ von den Symbolen nehmen (Heb. 6:4-6; 10:26-29). Diese Warnung hilft Gesalbten, im Sinn zu behalten, dass sie ihren Lohn noch nicht erhalten haben. Sie müssen weiterhin mit aller Kraft auf das Ziel zulaufen, um den „Preis der Berufung Gottes nach oben durch Christus Jesus“ zu erlangen (Phil. 3:13-16).
6. Wie sollten Gesalbte sich selbst betrachten?
6 Gott veranlasste Paulus, Gesalbte eindringlich zu bitten, so zu leben, wie es ihrer Berufung würdig ist. Wie sollten sie das tun? „Mit aller Demut und Milde, mit Langmut, einander in Liebe ertragend, euch ernstlich bemühend, die Einheit des Geistes in dem vereinigenden Band des Friedens zu bewahren“ (Eph. 4:1-3). Jehovas Geist fördert Demut, nicht Stolz (Kol. 3:12). Bescheiden erkennen Gesalbte an, dass sie nicht automatisch mehr heiligen Geist haben als diejenigen, die die Aussicht haben, ewig auf der Erde zu leben. Sie behaupten nicht, ein besonderes Wissen zu haben oder Offenbarungen zu erhalten. Auch versuchen sie nicht, den Eindruck zu erwecken, etwas Besseres zu sein. Sie würden anderen auch niemals einreden wollen, sie seien ebenfalls gesalbt und sollten deshalb von den Symbolen nehmen. Vielmehr erkennen sie demütig an: Jehova allein beruft die Gesalbten.
7, 8. Was erwarten Gesalbte nicht, und warum nicht?
7 Die Berufung zu Leben im Himmel ist zwar ein schönes Vorrecht, aber Gesalbte erwarten von anderen keine bevorzugte Behandlung (Eph. 1:18, 19; lies Philipper 2:2, 3). Sie sind nicht überrascht, wenn andere nicht sofort glauben, dass sie wirklich gesalbt worden sind. Schließlich wurde ihre Salbung nicht öffentlich verkündet, sondern Jehovas Geist hat ihnen persönlich die innere Gewissheit gegeben. Sie wissen: Die Bibel spricht sogar warnend davon, jedem vorschnell zu glauben, der behauptet eine besondere Ernennung von Gott bekommen zu haben (Offb. 2:2). Sie würden ihre Berufung sozusagen nicht als „Visitenkarte“ nutzen, wenn sie sich anderen vorstellen. Für gewöhnlich werden sie gar nicht davon reden, um die Aufmerksamkeit nicht auf sich zu ziehen. Auch prahlen sie nicht mit ihrem künftigen Lohn (1. Kor. 1:28, 29; lies 1. Korinther 4:6-8).
8 Außerdem sehen sich Gesalbte nicht als Teil einer Elite. Sie versuchen nicht, andere Gesalbte ausfindig zu machen, um sich mit ihnen zusammenzuschließen und sich über ihre Geistsalbung auszutauschen oder eigene Bibelstudienkreise zu bilden (Gal. 1:15-17). So etwas würde in der Versammlung Spaltungen hervorrufen. Und sie würden gegen den heiligen Geist arbeiten, der ja Frieden und Einheit fördert. (Lies Römer 16:17, 18.)
WIE SOLLTEN WIR REAGIEREN?
9. Warum sollten wir darauf achten, wie wir uns gegenüber jemand verhalten, der beim Gedächtnismahl vom Brot und Wein nimmt? (Siehe Kasten „Die Liebe ‚benimmt sich nicht unanständig‘ “.)
9 Wie sollten wir uns gegenüber jemand verhalten, der beim Gedächtnismahl von den Symbolen nimmt? Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Ihr alle [seid] Brüder.“ Und er fügte hinzu: „Wer immer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; und wer immer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Mat. 23:8-12). Es wäre also falsch, Menschen zu verherrlichen — selbst wenn sie gesalbt sind. Zum Beispiel sagt die Bibel, wir sollten den Glauben der Ältesten nachahmen, der Männer, die die Führung übernehmen. Aber sie gebietet nirgends, irgendeinen Menschen zum Führer zu erheben (Heb. 13:7). Es stimmt zwar, dass die Bibel von solchen spricht, die „doppelter Ehre für würdig“ sind. Doch sie verdienen die Ehre nicht deshalb, weil sie gesalbt sind, sondern weil sie „in vortrefflicher Weise als Vorsteher dienen“ und „hart arbeiten in Wort und Lehre“ (1. Tim. 5:17). Gesalbten übertriebene Ehre zu erweisen oder besondere Aufmerksamkeit zu schenken, würde sie in Verlegenheit bringen. Und was noch schlimmer ist: Durch solch eine bevorzugte Behandlung könnte es einem Gesalbten schwerfallen, demütig zu bleiben (Röm. 12:3). Bestimmt will keiner von uns einen Bruder Christi vom richtigen Weg abbringen (Luk. 17:2).
Wie sollten wir uns gegenüber jemand verhalten, der von den Symbolen nimmt? (Siehe Absatz 9—11)
10. Wie können wir den Gesalbten Respekt erweisen?
10 Wie können wir denen passenden Respekt erweisen, die Jehova zu Gesalbten beruft? Beispielsweise würden wir ihnen keine Fragen über ihre Salbung stellen. So vermeiden wir, uns in etwas einzumischen, was uns nichts angeht (1. Thes. 4:11; 2. Thes. 3:11). Wir sollten auch nicht davon ausgehen, dass der Ehepartner oder irgendein Verwandter ebenfalls gesalbt ist. Mit einem Gesalbten verwandt oder verheiratet zu sein spielt bei der Geistsalbung keine Rolle (1. Thes. 2:12). Darüber hinaus sollten wir uns davor hüten, den Ehepartner eines Gesalbten zu fragen, wie er bei dem Gedanken empfindet, im Paradies ohne seinen Ehepartner leben zu müssen. Anstatt Fragen zu stellen, die wehtun könnten, sollten wir alle darauf vertrauen: Jehova wird seine Hand öffnen und „das Begehren alles Lebenden“ sättigen (Ps. 145:16).
11. Wieso ist es ein Schutz, wenn wir es vermeiden, „Persönlichkeiten [zu] bewundern“?
11 Wer sich gegenüber Gesalbten richtig verhält, schützt sich vor einer heimtückischen Gefahr. Wie die Bibel sagt, können sich „falsche Brüder“ in die Versammlung einschleichen (Gal. 2:4, 5; 1. Joh. 2:19). Diese Betrüger behaupten vielleicht sogar, gesalbt zu sein. Außerdem könnten selbst Gesalbte vom Glauben abfallen (Mat. 25:10-12; 2. Pet. 2:20, 21). Wenn wir daher die Falle meiden, „Persönlichkeiten [zu] bewundern“, werden wir uns durch solche Personen nicht von der Wahrheit abbringen lassen. Wir werden unseren Glauben auch dann nicht verlieren, wenn ein langjähriger oder angesehener Bruder untreu wird (Jud. 16).
WAS IST ÜBER DIE ANZAHL ZU SAGEN?
12, 13. Warum braucht es uns nicht zu beunruhigen, wenn beim Gedächtnismahl immer mehr vom Brot und Wein nehmen?
12 In den vergangenen Jahren haben immer mehr beim Gedächtnismahl von den Symbolen genommen. Dieser Trend steht im Gegensatz zu den sinkenden Zahlen, die jahrzehntelang zu beobachten waren. Sollte uns das beunruhigen? Nein. Hierzu ein paar grundlegende Fakten, die zu berücksichtigen sind.
13 „Jehova kennt die, die ihm gehören“ (2. Tim. 2:19). Wer beim Gedächtnismahl die Anwesenden zählt, kann nicht beurteilen, wer wirklich die Aussicht auf Leben im Himmel hat. Die Zahl derer, die von den Symbolen nehmen, enthält somit auch diejenigen, die sich fälschlicherweise zu den Gesalbten zählen. Einige nehmen beispielsweise eine Zeit lang von den Symbolen, hören dann aber wieder auf. Andere haben vielleicht psychische oder emotionale Probleme, weshalb sie denken, sie würden mit Christus im Himmel regieren. Deshalb entspricht die Zahl derer, die von den Symbolen nehmen, nicht der wahren Zahl der Gesalbten, die noch auf der Erde sind.
14. Was sagt die Bibel darüber, wie viele Gesalbte noch auf der Erde sein werden, wenn die große Drangsal beginnt?
14 Es wird in vielen Teilen der Erde Gesalbte geben, wenn Jesus kommt, um sie in den Himmel zu versammeln. Über diese Zeit sagt die Bibel: „Er wird seine Engel mit großem Trompetenschall aussenden, und sie werden seine Auserwählten von den vier Winden her versammeln, von dem einen äußersten Ende der Himmel bis zu ihrem anderen äußersten Ende“ (Mat. 24:31). Wie die Bibel deutlich macht, würde es von den Gesalbten in den letzten Tagen nur noch wenige auf der Erde geben (Offb. 12:17). Sie sagt jedoch nicht, wie viele noch übrig sein werden, wenn die große Drangsal beginnt.
15, 16. Was müssen wir verstehen, wenn es um die 144 000 geht, die Jehova beruft?
15 Jehova entscheidet, wann in der Geschichte er Gesalbte beruft (Röm. 8:28-30). Nach Jesu Tod und Auferweckung begann Jehova damit, Gesalbte zu berufen. Und wie es scheint, waren im 1. Jahrhundert alle wahren Christen gesalbt. Danach waren jahrhundertelang die meisten derer, die behaupteten, Christus zu folgen, falsche Christen. Jesus verglich sie mit „Unkraut“. Trotzdem gab es in jener Zeit nach wie vor wahre Christen, die von Jehova gesalbt wurden. Sie erwiesen sich als der „Weizen“, von dem Jesus sprach (Mat. 13:24-30). In den letzten Tagen hat Jehova weiterhin solche auserwählt, die zu den 144 000 gehören sollen.[2] Wenn Jehova sich entscheidet, fast bis zum Schluss der letzten Tage zu warten, um noch weitere für diese besondere Aufgabe auszusuchen — wer sind dann wir, dass wir seine Weisheit anzweifeln? (Jes. 45:9; Dan. 4:35; lies Römer 9:11, 16).[3] In einem Gleichnis Jesu waren Arbeiter darüber verärgert, wie ihr Herr die behandelte, die erst in der 11. Stunde zu arbeiten anfingen. Wir müssen uns davor hüten, genauso zu reagieren! (Lies Matthäus 20:8-15.)
16 Nicht alle Gesalbten gehören zu dem „treuen und verständigen Sklaven“ (Mat. 24:45-47). Genauso wie Jehova und Jesus im 1. Jahrhundert durch wenige die Vielen speiste, tun sie das auch heute. Nur wenige Gesalbte durften im 1. Jahrhundert die Christlichen Griechischen Schriften schreiben. Ähnlich ist auch heute nur wenigen Gesalbten die Aufgabe übertragen worden, „Speise zur rechten Zeit“ auszuteilen.
17. Was haben wir in diesem Artikel gelernt?
17 Was haben wir gelernt? Jehova hat zwei unterschiedliche Belohnungen vorgesehen — Leben im Himmel für die geistigen Juden und Leben auf der Erde für die „zehn Männer“. Dennoch wird an die Treue beider Gruppen der gleiche Maßstab angelegt: Beide müssen demütig bleiben. Beide müssen vereint bleiben. Beide müssen den Frieden in der Versammlung fördern. Bleiben wir also entschlossen, während das Ende naht, als eine Herde unter Christus zu dienen!
^ [1] (Absatz 3) Gemäß Psalm 87:5, 6 ist es wahrscheinlich, dass wir in der Zukunft die Namen all derer erfahren werden, die mit Jesus im Himmel regieren (Röm. 8:19).
^ [2] (Absatz 15) Die Einladung kommt von Jehova, auch wenn aus Apostelgeschichte 2:33 hervorgeht, dass der heilige Geist durch Jesus ausgegossen wird.
^ [3] (Absatz 15) Der Artikel „Fragen von Lesern“ im Wachtturm vom 1. Mai 2007, Seite 30 und 31 enthält dazu weitere Informationen.
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