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Erwachet! 1996
g96 8. 9. S. 22-25

Pompeji — Wo die Zeit stehenblieb

VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN ITALIEN

KÜCHEN mit Pfannen auf dem Herd, gut sortierte Läden, wasserlose Springbrunnen und unbeschädigte Straßen — all das findet man, noch gut erhalten, in der menschenleeren Stadt, die öde und verlassen daliegt. Die Rede ist von Pompeji, wo die Zeit anscheinend stehenblieb.

Alles ist so geblieben, wie es einst an jenem verhängnisvollen Tag vor mehr als 1 900 Jahren war, als der Vesuv, der die Bucht von Neapel überragt, ausbrach. Die Städte Pompeji, Herculaneum, Stabiae und das umliegende Land wurden von Lava und Asche begraben.

„In der Antike hatte man nur eine vage Vorstellung von dem vulkanischen Charakter des Vesuvs, und man sah in ihm gewöhnlich einen grünen Berg, auf dem hier und da herrliche Weingärten in dichte Wälder eingebettet waren“ wird in dem Buch Pompei ausgeführt. Aber am 24. August 79 u. Z. erwachte der Berg nach vielen Jahren der Ruhe mit einer gewaltigen Explosion.

Der Ausbruch im Jahr 79 u. Z.

Der Vulkan spie eine Säule aus Gasen, Magma und Geröll aus, die den Himmel verdunkelte, und ließ einen furchtbaren Regen aus Asche und Lapilli (Lavasteinchen) niedergehen. Innerhalb von zwei Tagen waren Pompeji sowie ausgedehnte umliegende Landstriche mit einer durchschnittlich 2,5 Meter dicken Schicht bedeckt. Während die Erde fortwährend von heftigen Stößen erschüttert wurde, hüllte eine riesige Wolke giftiger Gase — zwar unsichtbar, aber tödlich — die Stadt ein und hielt sie im Würgegriff des Todes gefangen. Pompeji wurde langsam verschüttet, Herculaneum hingegen verschwand in einem Nu. Gemäß dem Buch Riscoprire Pompei (Die Wiederentdeckung Pompejis) versank Herculaneum in einer Lawine aus „Schlamm und vulkanischem Geröll, die in Küstennähe eine Stärke von 22 Metern erreichte“.

Die ungefähr 15 000 Einwohner Pompejis reagierten ganz unterschiedlich. Nur wer sofort floh, konnte sich retten. Doch manche, die ihre Wohngemächer und deren Ausstattung nicht im Stich lassen wollten, blieben zurück und hofften, der Gefahr zu entgehen. Andere, die darauf bedacht waren, ihre Wertgegenstände zu retten, zögerten die Entscheidung zur Flucht hinaus, wurden jedoch von den Dächern erschlagen, die unter dem Gewicht der Aschenmassen einstürzten.

Ein Beispiel dafür ist die Besitzerin vom „Haus des Faun“, die sich offenbar nicht dazu durchringen konnte, ihre Reichtümer zu verlassen. „In aller Eile“, so erzählt Robert Étienne in dem Buch Pompeji — Das Leben in einer antiken Stadt, „suchte die Hausherrin ihre kostbarsten Besitztümer zusammen: goldene Armreifen in Schlangenform, Haarnadeln, Ohrringe, einen silbernen Spiegel und eine mit Goldstücken gefüllte Börse; dann erst wandte sie sich zur Flucht.“ Womöglich wegen des Aschenregens verängstigt, blieb sie im Haus. „Kurz darauf“, führt Étienne weiter aus, „stürzte das Dach ein und begrub die Unglückliche samt ihren Schätzen unter sich.“ Andere erstickten an den giftigen Gasen, die überallhin gelangten.

Wer gezögert hatte, mußte jetzt auf der zwischenzeitlich entstandenen Aschenschicht um sein Leben rennen. Dort, wo die Menschen hinfielen, blieben sie liegen, umgekommen durch die eingeatmeten tödlichen Gase; und ein hartnäckig andauernder feiner Aschenregen deckte sie zu. Jahrhunderte später fand man ihre traurigen Überreste mitsamt den Wertsachen um sie herum. Eine mehr als 6 Meter dicke Aschenschicht begrub die Stadt und ihre Bewohner unter sich.

Doch verdanken wir es gerade diesem verhängnisvollen Regen, daß einige der Stadtbewohner wieder zum Vorschein gekommen sind. Wieso? Sehen wir uns einmal die Körperabgüsse auf dem Foto auf dieser Seite an. Wie sind sie entstanden? Dadurch, daß Hohlräume, die das verwesende Fleisch in den Aschenablagerungen hinterließ, mit Gips ausgegossen wurden, hat die Archäologie es ermöglicht, daß wir die letzten Gesten der unglückseligen Opfer in ihrem Todeskampf zu sehen bekommen. Wir erkennen „eine junge Frau, die daliegt, den Kopf auf dem Arm; einen Mann mit einem Stück Stoff vor dem Mund, was jedoch das Einatmen von Staub und giftigen Gasen nicht verhindern konnte; die Bediensteten der Forumsthermen, die, während sie erstickten, von Zuckungen und Krämpfen geschüttelt, in abnormen Stellungen erstarrten; ... eine Mutter, die ihr Töchterchen in einer letzten mitleidsvollen, aber vergeblichen Umarmung festhält“ (Archeo).

Herculaneum bietet keinen Schutz

Wer aus Herculaneum, wenige Kilometer von Pompeji entfernt, nicht sofort geflohen war, saß in der Falle. Viele eilten zum Strand, von wo aus sie vielleicht über das Meer zu entrinnen hofften, aber ein heftiges Seebeben hinderte die Boote daran abzulegen. Bei Ausgrabungen am alten Strand von Herculaneum förderte man in jüngster Zeit mehr als 300 Skelette zutage. Diese Menschen wurden von einer furchtbaren Schlamm- und Geröllawine lebendig begraben, während sie unter einer Terrasse mit Meeresblick Zuflucht suchten. Auch hier hatten viele versucht, ihren wertvollsten Besitz zu retten. Es ist alles noch da: Goldschmuck, Silbergefäße, ein vollständiges Operationsbesteck — nutzlos liegen diese Gegenstände neben den Überresten ihrer Besitzer.

Die Zeit blieb stehen

Pompeji ist ein beredtes Zeugnis für die Vergänglichkeit des Lebens angesichts von Naturgewalten. Die Ruinenstätten von Pompeji und Umgebung bieten wie kein anderer Ausgrabungsort auf der Erde eine Momentaufnahme des täglichen Lebens im ersten Jahrhundert u. Z., die es dem Gelehrten und dem interessierten Besucher heute ermöglicht, das damalige Leben gründlich zu erforschen.

Der Wohlstand dieser Region beruhte im wesentlichen auf der Landwirtschaft, dem Handel und dem Gewerbe. Durch das intensive Einsetzen menschlicher Arbeitskräfte — Sklaven und Freie wurden täglich zur Arbeit gedungen — konnte man auf dem fruchtbaren Land reichlich ernten. Viele Aktivitäten in der Stadt hatten mit dem Nahrungsmittelhandel zu tun. Wer Pompeji heute besucht, findet dort noch immer die Getreidemahlsteine, den Gemüsemarkt und die Läden der Obstverkäufer und Weinhändler. Man kann die Manufakturen aufsuchen, in denen gewerbsmäßig Wolle und Leinen weiterverarbeitet und Tuch gewebt wurde. Vom Juwelierladen bis zur Metallwarenhandlung gab es Dutzende von Kleinbetrieben; all das bildete gemeinsam mit den Wohnhäusern die Stadt.

Die schmalen, einst überfüllten Straßen sind gepflastert. Sie sind gesäumt von erhöhten Bürgersteigen und öffentlichen Brunnen, die durch ein geniales Verbundsystem von Aquädukten gespeist wurden. Ein kurioses Detail sieht man an den Straßenkreuzungen der Hauptstraßen. Mitten auf der Straße liegen große Steine, die den Scharen von Fußgängern das Vorwärtskommen erleichtern und bei Regen verhindern sollten, daß sie nasse Füße bekamen; die Steine sehen aus wie altertümliche Vorgänger heutiger Fußgängerüberwege. Wer mit dem Karren unterwegs war, mußte eine gewisse Geschicklichkeit im Umfahren dieser Steinblöcke beweisen. Da liegen sie noch immer. Nichts hat sich verändert.

Das Privatleben

Indiskrete Blicke machen auch vor der Privatsphäre nicht halt, die die Pompejaner doch so schätzten. Eine mit wunderschönem Schmuck behangene Frau liegt tot in den Armen eines Gladiators in seiner Kaserne. Die Türen von Häusern und Läden stehen weit offen. Man kann Küchen besichtigen, die aussehen, als wären sie erst vor einigen Minuten verlassen worden: Auf dem Herd stehen Pfannen, im Ofen liegt noch das ungebackene Brot, und große Krüge sind an die Wand gelehnt. Man findet Räume vor, die mit prächtigen Stuckarbeiten, Wandmalereien und Mosaiken verziert sind; dort ließen die Reichen es sich gutgehen, wenn sie Festmahl hielten, wobei sie silberne Becher und Gefäße von überraschender Feinheit benutzten. Ruhige Gartenhöfe sind von Säulengängen umgeben und mit reizenden Springbrunnen geschmückt, die heute schweigen. Auch kann man Marmor- und Bronzestatuen von auserlesener Güte sehen sowie Schreine von Hausgöttern.

Die Mehrheit der Einwohner lebte allerdings wesentlich bescheidener. Viele, die zu Hause keine Kochgelegenheit hatten, suchten häufig die zahlreichen Schenken auf. Dort konnten sie für wenig Geld essen und trinken und auch noch schwatzen und spielen. Einige dieser Orte müssen Bordelle gewesen sein, wo die Kellnerinnen, oftmals Sklavinnen, nach dem Ausschenken der Getränke als Freudenmädchen arbeiteten. Außer den unzähligen Schenken dieser Art haben Ausgrabungen über 20 weitere Bordelle zutage gebracht, die sich häufig durch ungeheuerlich obszöne Malereien und Wandinschriften auszeichnen.

Es ist Zeit zum Handeln

Die plötzliche Zerstörung Pompejis veranlaßt zum Nachdenken. Offensichtlich reagierten die Tausende, die zugrunde gingen, nicht schnell genug auf die Warnsignale des herannahenden Unglücks — die wiederholten Erdstöße, die Explosionen des Vulkans und der schreckliche Steinregen. Vielleicht zögerten sie, weil sie ihr bequemes Leben und ihre Besitztümer nicht aufgeben wollten. Sie hofften womöglich, die Gefahr werde vorüberziehen oder es bleibe ihnen immer noch genügend Zeit zur Flucht, falls sich die Lage verschlechtere. Leider waren sie im Irrtum.

Die Bibel unterrichtet uns davon, daß sich die gesamte heutige Welt in einer ähnlichen Situation befindet. Die verderbte Gesellschaft, in der wir leben, ist von Gott entfremdet. Sie ist im Begriff, ganz plötzlich hinweggefegt zu werden (2. Petrus 3:10-12; Epheser 4:17-19). Alle Beweise lassen darauf schließen, daß diese Zeit nahe ist (Matthäus 24:3-42; Markus 13:3-37; Lukas 21:7-36). Stumm zeugen die tragischen Überreste Pompejis von der Torheit eines unentschlossenen Verhaltens.

[Kasten auf Seite 24]

Christliche Kreuze?

Die Entdeckung verschiedener Kreuze in Pompeji, unter anderem auch als Stuckarbeit an der Wand einer Bäckerei, wird von einigen als Beweis dafür angesehen, daß Christen in der Stadt lebten, bevor sie 79 u. Z. zerstört wurde. Ist diese Annahme berechtigt?

Offensichtlich nicht. Wie Antonio Varone in seinem Buch Presenze giudaiche e cristiane a Pompei (Jüdische und christliche Präsenz in Pompeji) schreibt, stößt man erst im vierten Jahrhundert auf eine voll entwickelte Kreuzesverehrung, als nach der Bekehrung des Kaisers und der Massenbekehrung von Heiden eine solche Form der Verehrung der herrschenden Religiosität eher entsprach. Varone fügt hinzu: „Selbst im zweiten und dritten Jahrhundert und bis zur Zeit Konstantins findet man ein solches Symbol äußerst selten in eindeutiger Verbindung mit dem Christentum.“

Woher stammen denn diese Symbole, wenn sie nicht christlichen Ursprungs sind? Ganz abgesehen davon, daß sich dieses Zeichen nicht hundertprozentig als ein Kreuz identifizieren läßt und daß man in der gleichen Bäckerei eine Abbildung von einer Göttin in Form einer Schlange entdeckt hat, gibt es gemäß Varone „einige ungeheuerlich obszöne Funde, die sich ebenfalls schwer damit vereinbaren lassen, daß der Besitzer der Bäckerei dem christlichen Glauben angehört haben soll“. Er führt weiter aus: „Bekanntlich hat man seit den Anfängen der Zivilisation das kreuzförmige Zeichen für eindeutig magische Rituale verwendet, lange bevor es zum Symbol der Erlösung wurde.“ Dieser Historiker erklärt, daß man dem Kreuz in alter Zeit nachsagte, es könne böse Kräfte abwehren oder zerstören, und daß es vor allem als Glücksbringer benutzt wurde.

[Bild auf Seite 23]

Der Caligulabogen mit dem Vesuv im Hintergrund

[Bilder auf Seite 23]

Oben: Gipsabgüsse von Bewohnern Pompejis

Links: Blick auf den Nerobogen und auf Teile des Jupitertempels

[Bildnachweis auf Seite 22]

Seitenrand: Glazier

Fotos auf Seite 2 (unten), 22 und 23: Soprintendenza Archeologica di Pompei

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