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Sie nannten es UnterhaltungErwachet! 1997 | 22. Mai
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Sie nannten es Unterhaltung
IM Amphitheater herrschte eine prickelnde Spannung. Zehntausende hatten sich zu einem der aufregendsten Spektakel des alten Rom versammelt. Die Arena war mit Wimpeln, Rosen und bunten Teppichen in leuchtenden Farben geschmückt. Aus Fontänen sprudelte parfümiertes Wasser und erfüllte die Luft mit einem angenehmen Duft. Die Reichen hatten ihre prächtigsten Gewänder angelegt. Das fröhliche Schwatzen der Menschenmenge wurde immer wieder durch schallendes Gelächter unterbrochen, doch die frivole Heiterkeit der Menge stand im Widerspruch zu dem grausigen Schauspiel, das vor ihnen lag.
Es dauerte nicht lange, bis der dumpfe Schall der Tuben das Signal zum Gefecht für zwei Gladiatoren gab. Als die Gegner unbarmherzig und brutal aufeinander losgingen, raste die Menge vor Begeisterung. Das Klirren der Schwerter ging in dem ohrenbetäubenden, tosenden Beifall der Zuschauer beinahe unter. Mit einer schnellen Bewegung warf einer der Kämpfer seinen Gegner plötzlich zu Boden. Die Zukunft des niedergestreckten Gladiators lag nun in der Hand der Zuschauer. Schwenkten sie mit den Tüchern, wurde ihm das Leben geschenkt. Mit einer einzigen Daumenbewegung gab die versammelte Menschenmenge — unter ihnen auch Frauen und Mädchen — den Befehl zum Todesstoß. Nach wenigen Augenblicken wurde der leblose Körper aus der Arena geschleift, der blutgetränkte Boden umgeschaufelt und mit frischem Sand aufgeschüttet; die Menge war mit ihren Gedanken jedoch schon längst beim nächsten blutigen Kampf.
Viele Menschen im alten Rom hielten das für Unterhaltung. „Diese Art der Volksbelustigung an Blut und Grausamkeiten wurde selbst von den strengsten Moralisten der damaligen Zeit nicht beanstandet“, heißt es in dem Buch Eine Geschichte Roms. Die Gladiatorenspiele waren nur e i n e Form der dekadenten Unterhaltung, die in Rom geboten wurde. Zur Belustigung der blutdürstigen Zuschauer wurden zudem Seeschlachten inszeniert, die blutiger Ernst waren. Sogar Hinrichtungen wurden öffentlich vollzogen, wobei die Verurteilten an Pfähle gebunden und von ausgehungerten Bestien zerfleischt wurden.
Für die weniger Blutrünstigen wurde in Rom eine Reihe von Theaterstücken geboten. Bei den Mimen — kurze Bühnenstücke mit Szenen aus dem Alltagsleben — kamen „am häufigsten Liebeshändel und Ehebruchszenen“ vor, so schrieb Ludwig Friedländer in dem Werk Sittengeschichte Roms. „Die Sprache war voll von Ausdrücken und Wendungen, wie sie die untersten Klassen gebrauchten, der Witz häufig possenhaft und gemein, das Spiel karikiert und grobkomisch; Grimassen, skurrile Gebärden, groteske Tänze gehörten notwendig dazu, die Tänze (mit Flötenbegleitung) waren ein Hauptbestandteil dieser Stücke.“ Gemäß der New Encyclopædia Britannica „gibt es Anhaltspunkte dafür, daß es in den Mimen im Römischen Reich auf der Bühne tatsächlich zu ehebrecherischen Handlungen kam“. Aus gutem Grund sagte Friedländer daher: „In frecher Verhöhnung der Sitte und unzweideutiger, unverhüllter Obszönität überbot offenbar der Mimus die übrigen Possen weit.“ Außerdem erklärte er: „Die frechsten Szenen wurden am lautesten beklatscht“.a
Wie sieht es heute aus? Hat sich der Geschmack in Unterhaltungsfragen verändert? Damit wird sich der nächste Artikel befassen.
[Fußnote]
a Mitunter wurde auf der Bühne eine Hinrichtung vollzogen, um einer dramatischen Inszenierung Realismus zu verleihen. In dem Buch Römische Kulturgeschichte heißt es: „Nicht selten nahm im Höhepunkt der dargestellten Katastrophe ein zum Tode Verurteilter den Platz des Schauspielers ein.“
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Was ist mit der Unterhaltung geschehen?Erwachet! 1997 | 22. Mai
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Was ist mit der Unterhaltung geschehen?
WIE konnten die alten Römer, die angeblich auf der Höhe ihrer kulturellen Entwicklung waren, den Todeskampf ihrer Mitmenschen unterhaltsam finden? „Zu erklären ist sie [die Neigung dazu] nur aus dem Haschen nach neuen pikanteren Reizmitteln“, schreibt Gerhard Uhlhorn in dem Buch Der Kampf des Christentums mit dem Heidentum. „Die von allen möglichen Genüssen Blasierten [suchten] eine Aufregung, die sie sonst nirgends mehr fanden.“
Heute haschen ebenfalls viele „nach neuen pikanteren Reizmitteln“. Sie strömen vielleicht nicht zusammen, um sich Live-Vorstellungen von Massakern oder Unzüchtigkeiten anzuschauen. Aber ihre Wahl der Unterhaltung läßt eine ähnliche Besessenheit von Gewalt und Sex erkennen. Das sollen einige Beispiele zeigen.
Kinofilme. In den letzten Jahren hätten Filmemacher eine „deutliche Vorliebe für das Perverse“ gezeigt, erklärte der Filmkritiker Michael Medved. „In der Filmbranche“, meinte er weiter, „herrscht anscheinend die Meinung vor, daß Darstellungen von Grausamkeiten und Geistesgestörtheit eher zur Kenntnis genommen werden und automatisch mehr Anerkennung erhalten als jegliche Versuche, menschliche Größe und Güte darzustellen.“
Wegen der Konkurrenz durch das Fernsehen müssen Filmemacher notgedrungen alle Register ziehen, um die Leute ins Kino zu locken. „Wir brauchen Filme, die unter die Haut gehen, die einschlagen und die sich von allem abheben, was die Leute im Fernsehen sehen“, sagte der Leiter eines Filmstudios. „Das heißt nicht, daß wir auf Blut, hervorquellende Eingeweide und eine ... [derbe] Sprache aus sind, aber das braucht man heutzutage, wenn man einen Film produziert.“ Selbst brutalste Gewaltszenen schockieren viele schon lange nicht mehr. „Die Leute stumpfen gegenüber Effekten völlig ab“, meinte der Regisseur Alan J. Pakula. „Die Zahl der Leichen hat sich vervierfacht, die Sprengkraft verstärkt sich um Megatonnen, und die Zuschauer werden immer abgebrühter. Sie haben eine unersättliche Gier nach brutaler Sensation entwickelt.“
Fernsehen. In vielen Teilen der Welt, zum Beispiel in Brasilien, Europa und Japan, sind freizügige Sexszenen im Fernsehen inzwischen an der Tagesordnung. Der durchschnittliche Fernsehzuschauer in Amerika sieht in einem einzigen Jahr rund 14 000 Szenen, in denen Sex gezeigt oder darauf angespielt wird. „Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß der Trend zu erotischen Themen und schamlosen Darstellungen nachläßt“, berichtete ein Forschungsteam. „Frühere Tabuthemen wie Inzest, Sadomasochismus und Sodomie liefern inzwischen einträgliches Filmmaterial für die Hauptsendezeit.“
Gemäß dem Buch Watching America hat der freizügige Wahnsinn im Fernsehen Methode. Es heißt darin: „Sex läßt sich gut verkaufen. ... Sobald die Sender und die Filmindustrie entdeckten, daß sie damit mehr Zuschauer anzogen als abstießen, steigerten sie nach und nach die Absatzmöglichkeiten ihres Produkts, indem sie gestatteten, daß immer mehr Tabus gebrochen und die Darstellungen immer schamloser wurden.“
Videospiele. Das verhältnismäßig harmlose Zeitalter von Pac Man und Donkey Kong ist einer neuen Ära grauenhaft sadistischer Spiele gewichen. Die Professorin Marsha Kinder sagte über diese Spiele, sie seien „schlimmer als Fernseh- oder Kinofilme“. Sie verkünden „die Botschaft, daß man nur durch Gewalt zu Macht kommt“.
Wegen besorgter Stimmen aus der Öffentlichkeit führte eine marktführende Herstellerfirma in den Vereinigten Staaten für ihre Videospiele ein Bewertungssystem ein. Ein Spiel, das mit „MA-17“ bewertet wird — also als „Erwachsenenspiel“ eingestuft wird, das für Personen unter 17 Jahren ungeeignet ist —, kann brutale Gewalt, Sex und Blasphemie beinhalten. Einige befürchten jedoch, daß die Einstufung „Erwachsenenspiel“ solche Spiele nur noch reizvoller macht. „Wenn ich 15 wäre und den Aufkleber ‚MA-17‘ sehen würde“, sagte ein junger leidenschaftlicher Spieler, „würde ich mir das Spiel um jeden Preis besorgen.“
Musik. Eine Zeitschrift, die die Texte populärer Songs unter die Lupe nahm, erklärte, daß Ende 1995 nur 10 der 40 Top-Alben frei von Blasphemie und von Anspielungen auf Drogen, Gewalt und Sex waren. „Es läßt einen erstarren, welche Musik Kindern in der Präadoleszenz geboten wird; vieles davon ist ausgesprochen nihilistisch“, hieß es in der Zeitung St. Louis Post-Dispatch. Die Musik, „die etliche Jugendliche anzieht, ist von Wut und Hoffnungslosigkeit geprägt und nährt das Gefühl, die Welt, einschließlich des Zuhörers, sei zum Untergang verurteilt“.
Death metal, Grunge und Gangsta-Rap scheinen Gewalt geradezu zu verherrlichen. Laut einem Bericht der San Francisco Chronicle „sagen viele Kenner der Branche voraus, daß sich die furchterregendsten Gruppen bald auf dem Weg zur Spitze befinden werden“. Hymnen auf den Zorn und den Tod sind in Australien, Europa und Japan inzwischen populär geworden. Einige Musikgruppen haben freilich versucht, eine mildere Botschaft zu übermitteln. Dennoch, so die Chronicle, „ist der Markt für harmlose Themen offensichtlich nicht allzugroß“.
Computer. Computer sind nützliche Geräte, die sich auf vielerlei vorteilhafte Weise verwenden lassen. Manche verwenden sie allerdings auch für obszöne Zwecke. Dazu gehören nach einem Bericht der Zeitschrift Maclean’s „Bilder und Texte, die von seltsamen fetischistischen Objekten über Prostitution bis hin zu Pädophilie reichen — Material, das viele Erwachsene und erst recht Kinder schocken dürfte“.
Lesestoff. Viele populäre Bücher sind gespickt mit Sex und Gewalt. In den Vereinigten Staaten und in Kanada ist unlängst die „Shock-fiction“ in Mode gekommen — Horrorgeschichten, deren Zielgruppe bereits Achtjährige sind! Diana West schrieb im New York Teacher, durch diese Bücher würden „schon kleine Kinder desensibilisiert, und die mentale Entwicklung wird bereits behindert, bevor sie überhaupt begonnen hat“.
Etliche Comichefte, die in Hongkong, Japan und den Vereinigten Staaten veröffentlicht werden, drehen sich um „heftige und brutale Kriege, Kannibalismus, Enthauptungen, Satanismus, Vergewaltigung und Blasphemie“, hieß es in einer Studie der Nationalen Vereinigung gegen Gewalt im Fernsehen (NCTV). „Der Schweregrad der Gewalt und das entartete Sexmaterial in diesen Zeitschriften sind erschütternd“, sagte Dr. Thomas Radecki, Forschungsleiter der NCTV. „Das zeigt, wie sehr wir uns haben abstumpfen lassen.“
Vorsicht geboten
Die heutige Welt ist unverkennbar von Sex und Gewalt fasziniert, und das spiegelt sich auch in der Unterhaltungsindustrie wider. Die Situation heute gleicht der Situation, die der christliche Apostel Paulus mit den Worten beschrieb: „Da sie jedes sittliche Gefühl verloren haben, haben sie sich einem zügellosen Wandel hingegeben, um mit Gier jede Art Unreinheit zu verüben“ (Epheser 4:19). Aus gutem Grund suchen viele Menschen daher heute auf diesem Gebiet nach etwas Besserem. Wem es ebenso geht, wird froh sein, zu hören, daß eine sinnvolle Freizeitgestaltung noch möglich ist. Darauf geht der folgende Artikel ein.
[Kasten/Bild auf Seite 5]
Fernsehen kann schädlich sein
IN DEN Vereinigten Staaten gab das Fernsehen sein Debüt 1939 anläßlich der Weltausstellung in New York. Ein Journalist, der damals die Ausstellung besuchte, äußerte sich skeptisch über die Zukunft des neumodischen Apparats. „Das Problematische beim Fernsehen“, schrieb er, „ist, daß die Leute sitzen bleiben müssen und ihre Augen praktisch nicht vom Bildschirm lösen dürfen; die Durchschnittsfamilie in Amerika hat dafür keine Zeit.“
Wie falsch er lag! Inzwischen sagt man sogar, daß ein Schüler in Amerika bis zu seinem Schulabgang durchschnittlich 50 Prozent mehr Zeit vor dem Fernsehgerät verbracht hat als im Klassenzimmer. „Kinder, die viel fernsehen, sind aggressiver, pessimistischer, wiegen mehr, sind nicht so einfallsreich, haben weniger Einfühlungsvermögen und sind leistungsschwächer in der Schule als Kinder, die nicht soviel fernsehen“, behauptet Dr. Madeline Levine in ihrem Buch Viewing Violence.
Wozu rät sie? „Man muß Kindern beibringen, daß das Fernsehgerät wie jedes andere Gerät im Haus eine bestimmte Funktion hat. Man läßt den Fön nicht weiterlaufen, wenn die Haare trocken sind, und man schaltet den Toaster ab, wenn das Brot fertiggeröstet ist. Man kennt die spezifische Funktion jedes Geräts und weiß, wann man es ausschalten muß. Kindern muß beigebracht werden, mit dem Fernsehgerät ebenso umzugehen.“
[Kasten/Bilder auf Seite 7]
Freizeitgestaltung rund um den Erdball
Erwachet! bat seine Korrespondenten in verschiedenen Teilen der Welt, über Freizeittrends in ihrer Gegend zu berichten. Hier folgen einige Kommentare.
Brasilien: „Das Fernsehprogramm wird immer niveauloser. Doch da viele Eltern arbeiten und außer Haus sind, bleiben die Kinder oftmals sich selbst überlassen und vertreiben sich die Zeit mit Fernsehen. Sehr beliebt sind auch CD-ROMs mit okkulten Themen und Videospiele, in denen es um rohe Gewalt geht.“
Tschechische Republik: „Seit dem Niedergang des Kommunismus ist das Land mit Unterhaltungsmöglichkeiten überschwemmt worden, die es in diesem Land nie zuvor gab; dazu gehören Fernsehprogramme aus dem Westen und Pornoläden. Junge Leute gehen in Diskos, Kneipen und zum Billard. Aufwendige Werbung und Gruppenzwang üben oft einen großen Einfluß auf sie aus.“
Deutschland: „Leider sind viele Eltern zu abgespannt, um sich um die Freizeitgestaltung ihrer Kinder zu kümmern, daher sind die Jugendlichen, wenn es um das Vergnügen geht, aufeinander angewiesen. Bei manchen führen Computerspiele zu Isolation. Andere gehen zu sogenannten Raves, auf denen die ganze Nacht hindurch getanzt wird und wo Drogen gang und gäbe sind.“
Japan: „Ein beliebter Zeitvertreib für Jugendliche und Erwachsene sind Comichefte, doch diese handeln oftmals von Gewalt und Unmoral und enthalten eine schlechte Sprache. Auch Glücksspiel ist weit verbreitet. Ein weiterer beunruhigender Trend ist, daß etliche Mädchen bei Telefonklubs anrufen, für die im großen Umfang Werbung gemacht wird und die den Wünschen von Männern mit unmoralischen Absichten entgegenkommen. Manche rufen nur aus Spaß an, aber andere lassen sich auf eine bezahlte Verabredung ein, was in manchen Fällen zu Prostitution führt.“
Nigeria: „In ganz Westafrika schießen unkontrollierte ‚Videosäle‘ aus dem Boden. Diese behelfsmäßigen Baracken sind für Personen jeden Alters geöffnet, auch für Kinder. Zu den Standardvorführungen gehören pornographische Filme und Horrorvideos. Im Land gedrehte Fernsehfilme drehen sich hauptsächlich um Spiritismus.“
Südafrika: „Großen Zulauf haben Raves, auf denen Drogen oftmals mühelos erhältlich sind.“
Schweden: „Kneipen und Nachtklubs haben in Schweden großen Erfolg und sind häufig eine Anlaufstelle für Kriminelle und Drogenhändler. Die Unterhaltung im Fernsehen und Videos sind stark mit Gewalt, Spiritismus und Unmoral durchsetzt.“
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Man kann seine Freizeit sinnvoll gestaltenErwachet! 1997 | 22. Mai
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Man kann seine Freizeit sinnvoll gestalten
DIE Bibel verurteilt Unterhaltung nicht, noch hält sie Entspannung für Zeitverschwendung. Im Gegenteil, in Prediger 3:4 heißt es, daß es „eine Zeit zum Lachen“ und „eine Zeit zum Herumhüpfen“ gibt.a Im alten Israel zerstreute sich Gottes Volk auf verschiedenerlei Weise, zum Beispiel mit Musik, mit Tanz und mit Spielen. Selbst Jesus besuchte ein großes Hochzeitsfest und nahm bei einer anderen Gelegenheit an einem „großen Empfang“ teil (Lukas 5:29; Johannes 2:1, 2). Die Bibel spricht sich also keinesfalls dagegen aus, daß man sich vergnügt.
Da ein Großteil der heutigen Unterhaltung jedoch eine Lebensweise verherrlicht, die Gott mißfällt, stellt sich die Frage: Was kann man tun, damit man bei der Auswahl der Unterhaltung nicht von den hohen Maßstäben abrückt, die man sich gesetzt hat?
Wählerisch sein
Bei der Wahl der Unterhaltung sollten sich Christen von biblischen Grundsätzen leiten lassen. Beispielsweise schrieb der Psalmist David: „Jehova selbst prüft den Gerechten wie auch den Bösen, und jeden, der Gewalttat liebt, haßt SEINE Seele gewiß“ (Psalm 11:5). Und Paulus schrieb an die Kolosser: „Ertötet daher die Glieder eures Leibes, die auf der Erde sind, in bezug auf Hurerei, Unreinheit, sexuelle Gelüste, schädliche Begierde und Habsucht, ... legt sie wirklich alle von euch ab: Zorn, Wut, Schlechtigkeit, Lästerworte und unzüchtige Rede“ (Kolosser 3:5, 8).
Viele der heutigen Unterhaltungsformen stehen unbestritten in krassem Gegensatz zu diesem inspirierten Rat. „Aber ich würde das, was ich im Fernsehen sehe, doch niemals tun“, wendet der eine oder andere vielleicht ein. Das kann sein. Doch selbst wenn unsere Wahl der Unterhaltung nichts darüber aussagen sollte, was für ein Mensch wir einmal sein werden, läßt sie möglicherweise darauf schließen, was für ein Mensch wir im Moment sind. Sie könnte erkennen lassen, ob wir zu denen gehören, ‘die Gewalttat lieben’ oder in erster Linie ‘Hurerei, sexuelle Gelüste, Habsucht und unzüchtige Rede’ im Sinn haben, oder zu denen, die wirklich ‘das Böse hassen’ (Psalm 97:10).
Paulus schrieb an die Philipper: „Alles, was wahr, alles, was von ernsthaftem Interesse ist, alles, was gerecht, alles, was keusch, alles, was liebenswert ist, alles, worüber gut gesprochen wird, wenn es irgendeine Tugend und irgend etwas Lobenswertes gibt, diese Dinge erwägt weiterhin“ (Philipper 4:8).
Bedeutet dieser Text jedoch, daß alle Filme, Bücher oder Fernsehsendungen, die sich um eine unrechte Handlung, vielleicht um ein Verbrechen, drehen, automatisch schlecht sind? Oder scheiden alle Komödien aus, weil sie nicht „von ernsthaftem Interesse“ sind? Nein, denn wie der Kontext zeigt, sprach Paulus hier nicht über Unterhaltung, sondern über das Sinnen des Herzens, das sich um Dinge drehen sollte, die Jehova gefallen (Psalm 19:14). Dennoch können uns die Worte des Paulus bei der Wahl der Unterhaltung helfen. In Anlehnung an den Grundsatz aus Philipper 4:8 können wir uns fragen: „Veranlaßt mich die Wahl meiner Unterhaltung, über Dinge nachzudenken, die sittlich nicht einwandfrei sind?“ Wenn ja, dann müssen wir das ändern.
Bei der Beurteilung der Unterhaltung sollten Christen jedoch ihre „Vernünftigkeit allen Menschen bekanntwerden“ lassen (Philipper 4:5). Es liegt auf der Hand, daß es in der Unterhaltung Extreme gibt, die sich für wahre Christen ganz offensichtlich nicht schicken. Ansonsten sollte jedoch jeder einzelne sorgfältig abwägen, was er sich als Unterhaltung aussucht, und Entscheidungen treffen, die er mit gutem Gewissen vor Gott und vor Menschen vertreten kann (1. Korinther 10:31-33; 1. Petrus 3:21). Es wäre nicht richtig, andere wegen Kleinigkeiten zu verurteilen oder willkürlich Regeln aufzustellen, die ihnen vorschreiben, was sie zu tun haben (Römer 14:4; 1. Korinther 4:6).b
Die Rolle der Eltern
Eltern spielen eine entscheidende Rolle in der Frage der Unterhaltung und Freizeitgestaltung. Paulus schrieb: „Bestimmt hat jemand, der für die Seinigen und besonders für seine Hausgenossen nicht sorgt, den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger“ (1. Timotheus 5:8). Somit sind Eltern verpflichtet, sich nicht nur um die materiellen, sondern auch um die geistigen und emotionellen Bedürfnisse der Familienmitglieder zu kümmern. Dazu gehört auch, für sinnvolle Entspannung zu sorgen (Sprüche 24:27).
Dieser Aspekt des Familienlebens wird manchmal vernachlässigt. „Leider“, sagt ein Missionar in Nigeria, „halten einige Eltern Entspannung für Zeitverschwendung. Infolgedessen sind manche Kinder in dieser Frage auf sich gestellt und suchen sich die falschen Freunde und die falsche Art Vergnügungen aus.“ Eltern, laßt das nicht zu! Achtet darauf, daß eure Kinder ihre Freizeit auf sinnvolle und wirklich erholsame Weise verbringen.
Hierbei ist jedoch Vorsicht angesagt. Christen sollten nicht wie viele andere Menschen heute „Vergnügungen mehr lieben als Gott“ (2. Timotheus 3:1-4). Ja, der Freizeitgestaltung sollte der richtige Stellenwert beigemessen werden. Sie sollte der Erholung dienen — nicht das Leben beherrschen. Kinder und Erwachsene müssen daher sowohl auf die richtige Art der Freizeitgestaltung achten als auch auf das richtige Quantum (Epheser 5:15, 16).
Andere Freizeitmöglichkeiten nutzen
Viele populäre Formen der Unterhaltung erziehen die Menschen eher zur Passivität als zur Aktivität. Nehmen wir einmal das Fernsehen. In dem Buch What to Do After You Turn Off the TV heißt es über das Fernsehen: „Es liegt in seiner Natur, daß es uns zur Passivität erzieht: Unterhaltung und sogar Lernvorgänge werden uns ohne Anstrengung unsererseits geliefert und nicht aktiv von uns erarbeitet.“ Natürlich hat passive Unterhaltung auch ihren Platz. Raubt sie jemandem jedoch zu viel von seiner freien Zeit, entgehen ihm eine Menge faszinierender Möglichkeiten.
Der Schriftsteller Jerry Mander, der sich selbst als „ein Mitglied der Generation, die ohne Fernseher aufwuchs“, bezeichnet, beschreibt die Langeweile, die ihn in seiner Kindheit hin und wieder überkam. „Damit ging eine gewisse innere Unruhe einher“, sagt er. „Es war extrem unangenehm, so unangenehm, daß ich irgendwann beschloß, etwas zu unternehmen — etwas zu tun. Entweder rief ich einen Freund an oder ging nach draußen. Oder ich ging Ball spielen. Oder ich las einfach. Auf jeden Fall tat ich etwas. Im nachhinein denke ich, daß die Zeit, in der ich mich langweilte und ‚es nichts zu tun gab‘, wie ein tiefes Loch war, in das man fällt und aus dem man nur durch Kreativität wieder herauskommt.“ Wie Mander bemerkt, sind die Kinder heute schnell dabei, ihre Langeweile mit Fernsehen zu vertreiben. „Fernsehen erstickt sowohl die innere Unruhe als auch die Kreativität, die sich möglicherweise aus der Langeweile ergibt“, meint er.
Viele haben deshalb festgestellt, daß ihnen Freizeitbeschäftigungen, die aktives Mitmachen statt Passivität erfordern, mehr geben, als sie gedacht hätten. Manchen macht es Spaß, anderen etwas vorzulesen. Einige haben Hobbys und spielen zum Beispiel ein Musikinstrument oder malen. Außerdem besteht immer die Möglichkeit für ein nettes Zusammensein mit Freunden (Lukas 14:12-14).c Auch Freizeitaktivitäten im Freien kommen einem zugute. Unser Korrespondent in Schweden berichtete: „Etliche Familien gehen zelten oder angeln, machen Ausflüge in den Wald, fahren Kanu, wandern in den Bergen und so weiter. Die Kinder sind begeistert.“
Daß es auf dem Unterhaltungssektor verderbliche Einflüsse gibt, sollte uns nicht überraschen. Wie der Apostel Paulus schrieb, „wandeln [die Menschen der Nationen] in der Nutzlosigkeit ihres Sinnes“ (Epheser 4:17). Daher muß man damit rechnen, daß vieles von dem, was sie unterhaltsam finden, auf „die Werke des Fleisches“ ausgerichtet ist (Galater 5:19-21). Christen können sich jedoch dazu erziehen, im Hinblick auf die Qualität und die Quantität ihrer Unterhaltung vernünftige Entscheidungen zu treffen. Sie können die Freizeitgestaltung zum Familienprojekt machen und neue Freizeitaktivitäten ausprobieren, durch die sie sich gut erholen und an die sie sich später gern zurückerinnern. Ja, man kann seine Freizeit noch sinnvoll gestalten.
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