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Erwachet! 1997
g97 8. 3. S. 6-8

Warum nimmt organisierte Kriminalität zu?

AL CAPONE, der berüchtigte Gangster der Prohibitionszeit (1920—1933) in den Vereinigten Staaten, behauptete, er sei nur ein Geschäftsmann, der dem Gesetz Genüge tue — dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Ein Rechtsanwalt des größten Yakuza-Syndikats in Japan sagte: „Es herrscht unbestreitbar eine starke Nachfrage nach ... [Sex, Drogen und Glücksspiel].“ Diese Nachfrage ist der ideale Nährboden für organisierte Kriminalität. Obgleich niemand Opfer eines Verbrechens werden möchte, wenden sich manche an kriminelle Vereinigungen, um ihre Dienste in Anspruch zu nehmen.

Da ist zum Beispiel die Schutzgelderpressung, die für Gangster in vielen Ländern eine Einkommensquelle ist. Obwohl sie manchmal auch ehrliche Ladenbesitzer ins Visier nehmen, haben sie es gewöhnlich auf diejenigen abgesehen, die zwielichtige Geschäfte machen. Der Inhaber eines Spielkasinos in Shinjuku (Tokio, Japan), der sein Kasino unter dem Deckmantel eines Teehauses betreibt, erklärte: „Einer meiner Arbeiter wurde niedergestochen und um 2 Millionen Yen [umgerechnet etwa 30 000 Mark] erleichtert. Trotzdem haben wir nicht die Polizei gerufen.“ Warum nicht? „Wir betreiben ein illegales Geschäft [Glücksspiel], und deswegen wollen wir nichts mit der Polizei zu tun haben. Wenn ein Kunde Unruhe stiftet, rufen wir die Yakuza.“ Dieser Kasinoinhaber zahlt jeden Monat 4 000 Dollar an die Yakuza, ein geringer Betrag im Vergleich zu seinem Gewinn von ungefähr 300 000 Dollar, den er in demselben Zeitraum durch sein illegales Geschäft einstreicht. Woher stammt das Geld? Aus den Geldbeuteln derer, die sich am illegalen Glücksspiel beteiligen.

Auch angesehene Unternehmen gehen so vor, um sich Schwierigkeiten zu ersparen. Eine maßgebliche Persönlichkeit in der Stadt New York sagte, daß der Eigentümer eines großen Malereibetriebs mit einem Jahresumsatz von 15 Millionen Dollar eine Summe von 3,8 Millionen Dollar einsparte, indem er Gangstern Bestechungsgelder zahlte. Das ermöglichte dem Unternehmer, billige Arbeitskräfte anzustellen und eine Konfrontation mit der vom Mob kontrollierten Gewerkschaft zu vermeiden. Als es der japanischen Wirtschaft sehr gut ging, investierten Finanziers viel Geld in Immobilien und ließen alte Häuser und Geschäfte abreißen, um ausgefallene Gebäude zu errichten. Weigerten sich die Bewohner, auszuziehen oder ihr Grundstück zu verkaufen, riefen die Investoren die jiageya (meistenteils den Yakuza angeschlossene Gruppen) zu Hilfe, um sie gewaltsam zu vertreiben.

Als die Yakuza in den 80er Jahren feststellten, wie leicht es war, Kredite aufzunehmen und damit Geld zu verdienen, gründeten sie Firmen und stürzten sich in Spekulationen mit Grundstücken und Aktien. Banken und andere Geldinstitute investierten eine Menge Geld in diese Firmen, offensichtlich in der Hoffnung, selbst daran zu verdienen. Als die Konjunktur schließlich einen Rückschlag erlitt, hatten die Banken alle Mühe, ihr Geld wiederzubekommen. In der Zeitschrift Newsweek wurde ein ehemaliger Polizist zitiert, der über die anhaltende Rezession in Japan folgendes gesagt hatte: „Der wahre Grund dafür, warum die Probleme mit den überfälligen Krediten nicht schnell gelöst werden können, ist, daß nicht wenige Kredite mit dem organisierten Verbrechen zusammenhängen.“

Es ist wirklich so, daß organisierte Kriminalität dort Fuß fassen und sich ausbreiten kann, wo Menschen darauf aus sind, ihre Begierden zu befriedigen, ungeachtet der Mittel und Wege. Die Gier nach Vergnügen, Sex und Geld bietet den Nährboden für Drogenhandel, Prostitution, illegales Glücksspiel und Kreditbetrug. Jeder, der dabei mitmischt, trägt dazu bei, daß der Mob existieren kann und immer reicher wird. Es ist unbestreitbar, daß organisierte Kriminalität die Nachfrage derjenigen stillt, die darauf versessen sind, ihre fleischlichen Begierden zu befriedigen.

Nur eine Pseudofamilie

Außer der Nachfrage nach unerlaubten Handlungen gibt es ein weiteres Bedürfnis, das heute zur Ausbreitung der organisierten Kriminalität beiträgt. Der bereits verstorbene Boß eines der größten Yakuza-Syndikate in Japan behauptete, er würde verhindern, daß Banditen moralisch verkommen, indem er sie aufnehmen und für sie sorgen würde. Er sah sich als Vater der Gangmitglieder. Die meisten Verbrechersyndikate bauen ihre Organisation auf vermeintlich familiären Bindungen auf, ganz gleich, welcher Nationalität sie angehören.

Da ist zum Beispiel Chi Suna in Hongkong, der aus einer armen Familie stammt. Oft wurde er von seinem Vater wegen Lappalien brutal geschlagen. Chi Sun wurde aufsässig und schloß sich im Alter von 12 Jahren schließlich den berüchtigten Triaden an. Die kriminelle Vereinigung wurde für ihn zu einem Ort, wo er sich „zugehörig“ fühlte. Auf Grund seiner Tapferkeit bei bewaffneten Kämpfen stieg er bald in eine Position auf, in der er mehrere Männer unter sich hatte. Doch dann, mit nur 17 Jahren, kam er ins Gefängnis.

Viele wenden sich wie Chi Sun einer kriminellen Vereinigung zu, um die familiäre Bindung zu finden, die in ihrem Zuhause fehlte. Die Gangmitglieder geben vor, für sie zu sorgen, aber die jungen Leute sind oft enttäuscht, wenn sie schließlich feststellen, daß jedes Mitglied hauptsächlich an sich selbst interessiert ist.

Engel des Lichts

Als 1992 in Japan das größte Verbrechersyndikat durch ein neues Antibandengesetz als „gewalttätige Vereinigung“ eingestuft wurde, beharrte einer der Anführer darauf, die Gruppe würde sich selbst als „ritterlich“ verstehen, sie würde das Böse bekämpfen. Dieses Syndikat verteilte Wasser, Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter an Mitbürger, als 1995 Kobe durch ein heftiges Erdbeben heimgesucht wurde. „Die Großzügigkeit“, so die Zeitung Asahi Evening News, „zielt darauf ab, das in Japan seit langem bestehende Image der Yakuza als ehrenhafte Verbrecher zu festigen.“

Oftmals versuchen die führenden Köpfe von Verbrechersyndikaten, sich den Anstrich der Wohltätigkeit zu geben. Pablo Escobar, früher das berüchtigte Oberhaupt des kolumbianischen Medellín-Drogenkartells, war für die Slumbewohner seiner Stadt „eine legendäre Figur — teils hatte er für sie etwas von einem Messias, teils von einem Robin Hood, teils von einem Paten im fast feudalistischen Sinne des patrón, des Herrn“, schrieb Ana Carrigan in der Newsweek. Escobar baute Rollschuhbahnen für die Kinder und ordentliche Häuser für die Armen, und er gab Straßenkindern Arbeit. Für diejenigen, die von seiner Großzügigkeit profitierten, war er ein Held.

Verbrecher, die sich hinter den scheinbar sicheren Mauern ihrer Syndikate verstecken, sind jedoch bloße Schachfiguren des großen Erzverbrechers. Die Bibel verrät, um wen es sich dabei handelt. Sie sagt: „Satan selbst nimmt immer wieder die Gestalt eines Engels des Lichts an. Es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener immer wieder die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen. Ihr Ende aber wird gemäß ihren Werken sein“ (2. Korinther 11:14, 15). Heute glauben die wenigsten, daß Satan ein reales Wesen ist. Ein französischer Dichter des 19. Jahrhunderts erklärte: „Die schönste List des Teufels ist es, uns zu überzeugen, daß es ihn nicht gibt.“ Der Teufel lauert hinter den Kulissen und manipuliert nicht nur das, was in Verbrechersyndikaten vor sich geht, sondern auch die Geschehnisse in der ganzen Welt. „Die ganze Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist“, heißt es in der Bibel. Jesus bezeichnete Satan als „Totschläger“, „Lügner“ und „Vater der Lüge“ (1. Johannes 5:19; Johannes 8:44).

Biblische Prophezeiungen lassen erkennen, daß Satan, der Teufel, besonders seit dem Jahr 1914 aktiv ist. Seither mobilisiert er seine Horden und führt den totalen Krieg gegen Gottes Volk. Er zieht die Menschheit in einen Strudel des Chaos. Ihm ist es hauptsächlich zuzuschreiben, daß Verbrechen und organisierte Kriminalität heute zunehmen (Offenbarung 12:9-12).

Wird der führende Kopf der kriminellen Vereinigungen auf der Erde jemals beseitigt werden? Wird die Menschheit jemals eine Zeit des Friedens und der Ordnung erleben? Können wir uns aus dem üblen Reich, das Satan heute auf der Erde errichtet hat, befreien?

[Fußnote]

a Einige Namen wurden aus Sicherheitsgründen geändert.

[Kasten auf Seite 7]

Wie man seine Familie schützen kann

FEHLT in einer Familie eine herzliche Atmosphäre und das Zusammengehörigkeitsgefühl, sind Kinder und Jugendliche eine leichte Beute für Verbrechersyndikate. Es heißt, daß die Mehrzahl der Jugendlichen in den Vereinigten Staaten, die an von Gangs verübten Morden beteiligt sind, aus armen oder zerrütteten Familien kommen. „Jugendliche, die unterprivilegiert sind, finden schnell Gefallen an der starken Bindung, die zwischen dem Anführer und seinen Gefolgsleuten besteht, sowie an dem Gefühl, Teil eines organisierten Ganzen zu sein — ein Gefühl, das sie zum ersten Mal in ihrem Leben empfinden“, erklärte ein Beamter, der in einer Jugendstrafanstalt in Nordkarolina arbeitet.

Ähnliches sagte auch ein junger Yakuza in Asien, der freiwillig als lebender Schutzschild für seinen Boß fungiert: „Zu Hause war ich die ganze Zeit allein. Obwohl wir eine richtige Familie waren, hatte ich nie das Gefühl, daß wir ehrlich und offen miteinander reden konnten. ... Das kann ich jetzt mit den Jungs hier tun.“ Einsame Jugendliche sind Mitgliedern krimineller Vereinigungen dankbar, die sie in ein familienähnliches Gefüge einbeziehen.

„Die Yakuza sind echt fürsorglich“, sagt die Anführerin einer Motorradbande auf Okinawa. „Vielleicht ist das ihre Masche; uns spricht es nun mal an, denn zu uns ist nie jemand nett gewesen.“ Der Direktor einer Einrichtung für straffällige Mädchen bestätigt, daß die Gangster „es wirklich verstehen, die Herzen der Mädchen zu erobern“. Wenn sich ein Mädchen einsam fühlt und mitten in der Nacht einen Gangster anruft, eilt dieser zu ihr und hört ihr zu, ohne unbedingt Annäherungsversuche zu machen.

Die Gangster geben sich jedoch nur so lange fürsorglich, bis sie die Jugendlichen, auf die sie es abgesehen haben, ganz und gar für sich eingenommen haben. Sind sie ihnen erst einmal in die Falle gegangen, werden sie ausgebeutet — die Mädchen landen in Zuhälterringen und die Jungen im Verbrechensapparat.

Wie kann man seine Kinder schützen?

„Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht, damit sie nicht mutlos werden“, heißt es mahnend in der Bibel (Kolosser 3:21). Eltern sollten sich dadurch aber nicht ermutigt fühlen, Kindern alles durchgehen zu lassen. Ein biblischer Spruch lautet: „Ein Knabe, dem freier Lauf gelassen wird, wird seiner Mutter Schande bereiten“ (Sprüche 29:15). Vielmehr ermuntert die Bibel Väter — und auch Mütter — im Umgang mit ihren Kindern Vernünftigkeit walten zu lassen, ihnen zuzuhören und regen Gedankenaustausch mit ihnen zu pflegen. Dann vertrauen sich Kinder ihren Eltern gern an, wenn sie verzweifelt sind.

Außer einer guten Kommunikation ist es auch wichtig, daß Eltern ihren Kindern Richtlinien geben. Wo kann ein Vater solche Richtlinien finden? Die Bibel sagt: „Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie weiterhin auf in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas“ (Epheser 6:4). Ein Vater sollte sich für ein Familienstudium Zeit nehmen, um mit seinen Kindern die Bibel zu betrachten. Und es ist wichtig, den Kindern eine heilsame Furcht vor Jehova einzupflanzen, so daß sie zu ihrem eigenen Nutzen stets Jehovas Leitung folgen (Jesaja 48:17).

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