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Erwachet! 2011
g 4/11 S. 21-23

Gewalt bestimmte mein Leben

Erzählt von José Antonio Nebrera

WAS bringt einen Menschen dazu, den Weg der Gewalt zu gehen? Ich lernte schon als Kind, was Gewalt bedeutet, und das gründlich. Mein Vater war bei der Guardia Civil, einer spanischen Polizeieinheit mit äußerst strengem Regiment. Sein eigener Vater hatte ihn oft verprügelt und mein Vater führte diese Tradition fort. Regelmäßig schlug er mit seinem dicken Gürtel auf mich ein. Noch dazu bezeichnete er mich ständig als dumm; meine jüngere Schwester dagegen vergötterte er. Wie verhielt sich meine Mutter? Aus Angst vor Vaters Zorn ließ sie mich mit meinem Frust über diese ungerechte Behandlung allein und gab mir nicht die Liebe, die ich gebraucht hätte.

In der Schule war ich mit anderen Kindern zusammen und schuf mir meine eigene glückliche Traumwelt. Nach außen wirkte ich bestimmt wie ein fröhliches, optimistisches Kind. Doch das war nur eine Fassade, hinter der ich meine Angst und meine Wut versteckte. Am Ende jedes Tages holte mich die Wirklichkeit wieder ein, wenn ich voller Angst vor neuen Beleidigungen und Schlägen nach Hause schlich.

Um dieser herzlosen Umgebung zu entkommen, ging ich mit 13 in ein jesuitisches Internat. Zeitweilig wollte ich sogar Priester werden. Allerdings hat der Alltag dort mein Leben auch nicht sinnvoller gemacht. Um fünf Uhr morgens hieß es aufstehen und ab unter die kalte Dusche. Dann folgte Tag für Tag die gleiche Routine: Unterricht, Gebete und Gottesdienste. Freizeit gab es kaum.

Wir Schüler mussten zwar alles über die „Heiligen“ lesen, doch die Bibel stand nicht auf dem Lehrplan. Die einzige Bibel lag hinter Glas und man durfte nur mit besonderer Erlaubnis darin lesen.

Im dritten Jahr kamen zu dem strengen Tagesablauf im Internat sogenannte geistliche Übungen hinzu, bei denen wir uns selbst kasteien mussten. Um dieser Quälerei zu entgehen, schlang ich so viel Essen hinunter, dass mir schlecht wurde. Genützt hat es allerdings nichts. Nach fast 3 Jahren hielt ich es nicht mehr aus. Ich lief von der Klosterschule weg und ging wieder zurück nach Hause. Das war mit 16.

Auf der Suche nach Abenteuer

Wieder zu Hause, fing ich mit Boxen und Ringen an. Der Kampfsport machte mich stark und gab mir mehr Selbstwertgefühl; aber ich zögerte jetzt auch immer weniger, meinen Willen mit roher Gewalt durchzusetzen — wie mein Vater.

Als ich 19 war, geschah etwas, was mich sanfter werden ließ. Ich lernte Encarnita kennen und 9 Monate später heirateten wir. Sie kannte mich nur als zuvorkommenden und freundlichen Menschen, der glücklich zu sein schien. Sie konnte ja nicht ahnen, wie verletzt und verbittert ich im Inneren war. Als ich kurz nach der Geburt unseres ersten Kindes zum Militär einberufen wurde, sollte die ganze aufgestaute Bitterkeit bald wieder hochkochen.

Weil ich keine Lust auf einen militärischen Haarschnitt hatte und wohl auch weil ich von Abenteuer und Nervenkitzel träumte, meldete ich mich spontan als Freiwilliger zur spanischen Fremdenlegion. Ich malte mir aus, in der marokkanischen Wüste Freiheit zu finden und bei Spezialeinsätzen den Helden zu spielen. Außerdem musste ich so nicht ständig für Frau und Kind da sein. Am Ende aber brachte das Ganze nur meine dunkelste Seite zum Vorschein.

Schon bald legte ich mich mit einem brutalen Schrank von Sergeant an, der mit Vorliebe neue Rekruten schikanierte. Ungerechtigkeit war mir verhasst, und wenn ich meinte, für Recht sorgen zu müssen, ging ich keinem Kampf aus dem Weg. Einmal machte ich beim Morgenappell einen Scherz, den der Sergeant falsch auffasste. Als er ausholte, um mich zu schlagen, verdrehte ich ihm blitzschnell den Arm und brachte ihn zu Boden. Ich hielt ihn dort fest, weil ich Angst hatte, sobald er freikäme, würde er zur Pistole greifen und mich erschießen.

Nach diesem Vorfall landete ich für 3 Monate bei einer Strafeinheit, wo ich mit etwa 30 anderen in einen kahlen Raum gepfercht wurde. Während der ganzen Zeit durfte ich nicht einmal meine Kleidung wechseln. Unsere Einheit war einem sadistischen Sergeant unterstellt, der seine Freude daran hatte, auf die Männer einzuschlagen. Einmal schwor ich ihm, ihn umzubringen, wenn er mich auch nur anrühren würde. Und tatsächlich reduzierte er meine Strafe von 30 Hieben auf 3. Ich war mittlerweile genauso abgebrüht wie meine Peiniger.

Verdeckte Missionen

Während meiner Ausbildung bei der Fremdenlegion meldete ich mich freiwillig für weitere „Abenteuer“ — ohne groß darüber nachzudenken, worauf ich mich da einließ und wohin das führen würde. Ich wurde für Spezialeinsätze ausgebildet und lernte den Umgang mit Waffen und Sprengstoff aller Art. Zum Abschluss der Sonderausbildung schickte man mich nach Langley (Virginia, USA), wo ich zusammen mit Profis der CIA trainierte.

Schon bald gehörte ich zu einer verdeckt arbeitenden Spezialeinheit und war in den 1960er-Jahren bei Dutzenden von geheimen Einsätzen dabei. In Mittel- und Südamerika beteiligte ich mich an Operationen gegen Drogenhändler und Waffenschmuggler. Unser Befehl lautete, diese Leute zu liquidieren, sobald wir sie aufgespürt hatten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass auch ich dabei mitgemacht habe. Wir kannten keine Gnade, und Gefangene machten wir nur, wenn aus den Betreffenden nützliche Informationen herauszuholen waren.

Später erhielt ich den Auftrag, führende spanische Militärs auszuspionieren, um herauszufinden, wer von ihnen der Diktatur von General Franco kritisch gegenüberstand. Wir spürten sogar Gegner des Francoregimes auf, die in Frankreich lebten. Ziel war, wichtige Dissidenten zu entführen und nach Spanien zu schaffen, wo sie vermutlich aus dem Weg geräumt werden sollten.

Dann kam mein letzter Einsatz: Ich sollte mit einer Truppe von Söldnern in einem kleinen afrikanischen Land einen Staatsstreich herbeiführen. Unser Befehl lautete, die Kaserne in der Hauptstadt zu stürmen und dann den Präsidentenpalast in unsere Gewalt zu bringen. Wie geplant, waren wir mitten in der Nacht im Land und schlugen zu. Nach nur 4 Stunden war alles erledigt. Bei den Kämpfen kamen 3 meiner Kameraden ums Leben und Dutzende „feindlicher“ Soldaten. Auch ich war an dem Blutbad beteiligt.

Dieses traumatische Erlebnis quälte mein Gewissen. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Ich hatte ständig Albträume, in denen ich meine Gegner im Nahkampf massakrierte. Immer wieder sah ich die panisch aufgerissenen Augen derer, die ich gleich töten würde.

Für mich stand fest: Das war mein letzter Einsatz. Ich gab dem Militär sämtliche Papiere und Unterlagen zurück und erwirkte meine Entlassung. Dennoch erhielt ich 3 Monate später einen neuen Spionageauftrag. Ich setzte mich in die Schweiz ab. Einige Monate später kam meine Frau Encarnita, die von meinen Undercoveraktionen nichts ahnte, zu mir nach Basel.

Der Kampf, mich zu ändern

Während meiner 3 Jahre beim Militär kam Encarnita in Spanien mit Zeugen Jehovas in Kontakt und beschäftigte sich intensiv mit der Bibel. Sie erzählte mir, sie habe die Wahrheit über Gott kennengelernt, und ihre Begeisterung steckte mich an. Schnell machten wir die Zeugen in der Schweiz ausfindig, die auch gleich anfingen, mit uns beiden die Bibel zu studieren.

Wie faszinierend, zu erfahren, was Gott alles getan hat und noch tun wird! Ich wollte unbedingt so leben, wie es Gott gefällt, und war bereit, mein Leben völlig umzukrempeln. Leicht war das nicht — die Aggressionen saßen einfach zu tief. Aber ich liebte meinen neu gefundenen Glauben. Nach wenigen Monaten Bibelstudium mit den Zeugen bestand ich darauf, schon selbst von Haus zu Haus gehen zu können.

Mit der Hilfe Jehovas schaffte ich es immer besser, mich unter Kontrolle zu haben, und nach einer Weile ließen Encarnita und ich uns taufen. Als ich 29 war, übertrug man mir in unserer Versammlung Verantwortung als Ältester.

1975 beschlossen wir, nach Spanien zurückzugehen. Doch das Militär hatte mich nicht vergessen und wollte mir gleich wieder einen Sondereinsatz aufdrängen. Um mir Probleme zu ersparen, kehrte ich schnellstmöglich in die Schweiz zurück. Dort blieb unsere Familie, bis wir 1996 schließlich wieder nach Spanien zogen.

Mittlerweile sind mein Sohn und meine Tochter verheiratet und wir haben zwei Enkel. Sie alle sind treue Zeugen Jehovas geworden. Was mir auch sehr viel bedeutet, ist, dass ich im Lauf der Jahre 16 Personen helfen konnte, Jehova kennenzulernen. Besonders gern denke ich dabei an einen jungen Mann, der früher bei gewalttätigen Straßenkrawallen in Nordspanien kräftig mitgemischt hatte.

Ich habe nie aufgegeben, Gott um Hilfe zu bitten, damit ich meine Vergangenheit hinter mir lassen kann und nicht mehr ständig von Albträumen gequält werde. Ich musste lange darum kämpfen, mich richtig zu verhalten. Dabei half mir die Aufforderung aus Psalm 37:5: „Wälze deinen Weg auf Jehova, und verlass dich auf ihn, und er selbst wird handeln.“ Jehova hat sein Versprechen gehalten. Er hat mir geholfen, der Gewalt den Rücken zu kehren. Dafür sind meine Familie und ich ihm unendlich dankbar.

[Bild auf Seite 21]

Mit 13 ging ich in ein jesuitisches Internat

[Bild auf Seite 23]

Unmittelbar nach meiner Entlassung aus der Fremdenlegion (1968)

[Bild auf Seite 23]

Meine Frau Encarnita und ich heute

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