Glücksspiel — Wer gewinnt?
Von unserem Korrespondenten in Italien
„IN EINER Zeit ernstlicher wirtschaftlicher Rezession gibt es ein Gewerbe, an dem die Krise spurlos vorübergeht.“ Das italienische Magazin Corriere della Sera Illustrato bezieht sich auf das Glücksspiel. In Italien ist wie in vielen anderen Ländern das Glücksspiel ein einträgliches Geschäft.
„Die USA erleben einen explosionsartigen Anstieg des legalisierten Glücksspiels“, heißt es in der Zeitschrift Fortune. „Die außerordentlich gewinnbringenden Lotterien hatten vergangenes Jahr [1983] einen Reingewinn ... von fast 2,1 Milliarden Dollar.“ Das Glücksspiel lockt auch eine große Zahl von Kanadiern an. Wie die Zeitung La Presse berichtet, geben Familien in Quebec mehr Geld für das Spielen aus als für Arznei und Zahnpflege.
Zum Glücksspiel gehören Lotterien, Roulette, Knobeln, Kartenspiele und vieles mehr, doch bevorzugt setzen Spieler auf die Ergebnisse von Boxwettkämpfen, Fußballspielen und Pferderennen. Allerdings schreibt das Buch The Complete Illustrated Guide to Gambling: „Leidenschaftliche Spieler würden sogar eine Wette abschließen, welcher von zwei Regentropfen als erster eine Fensterscheibe hinuntergelaufen sein wird oder wie viele Haare auf einem Muttermal wachsen.“ In Italien schließt man Wetten ab, wer die Präsidentenwahl gewinnt, ob die Regierung gestürzt wird oder nicht, ja sogar, wie die Wahl des Papstes ausgeht. Der Abend vor einem Fußballspiel ist für Wetter, die enorme Summen für das Fußballtoto ausgeben, eine Zeit der Aufregung. Die Zeitungen sprechen vom „Samstagabendfieber“.
Wer aber sind die Gewinner im Glücksspiel? Beweisen die Millionen — ja Milliarden —, die zu gewinnen sind, daß sich das Spielen lohnt?
Warum gespielt wird
Sharon und Steve waren glücklich verheiratet. Als Sharon jedoch erfuhr, daß sie tief in Schulden steckten, bat sie Steve eindringlich, mit dem Spielen aufzuhören. Er versprach unzähligemal, es aufzugeben, hielt seine Versprechen aber nie. Sharons Gesundheit litt, und sie bekam Schmerzen im Brustkorb. Doch das kümmerte Steve wenig. Sein einziger Gedanke war, daß er im Falle ihres Todes mit dem Geld von der Lebensversicherung seine Spielschulden bezahlen könnte.
Dieser Tatsachenbericht, der in der Zeitschrift Medical Aspects of Human Sexuality geschildert wurde, verdeutlicht, wie sehr die Spielleidenschaft jemanden im Griff haben kann. Was einige zum Spielen verleitet, ist schlicht und einfach Habgier. Die Broschüre Compulsive Gambling sagt allerdings: „Wer spielt, ... erwartet bestimmte Befriedigungen: Befreiung von Anspannung und Streß, Nervenkitzel, die gespannte Vorfreude auf einen Gewinn, ein Hochgefühl wie nach Alkoholgenuß sowie Geselligkeit und Anschluß. Wenn er einen Gewinn erzielt, kommt zu den anderen Wirkungen ein Gefühl der Macht, ja sogar der Allmacht hinzu.“
Gewinne in jungen Jahren sind oft eine heimtückische Falle. Die meisten tun sie zwar als „Anfängerglück“ ab, während andere sie aber törichterweise als Wink des Schicksals deuten. In einem Artikel des Magazins Psychology Today heißt es: „Die geringen Chancen — die unerbittliche Tatsache, daß 90 Prozent verlieren — beeindrucken die Spieler nicht. Sie meinen, sie seien gegen diese schlechten Chancen gefeit, sie seien eine Ausnahme.“ Diese fast krankhafte Weigerung, den Tatsachen ins Auge zu sehen, ist einer der ersten Schritte auf dem Weg zur Spielsucht.
In der italienischen Zeitung Stampa Sera hieß es, für Spielsüchtige sei das Glücksspiel „eine Droge, von der sie nicht loskommen“. Giovanni Arpino schrieb in Il Giornale nuovo: „Dieses Laster geht unauslöschlich in Fleisch und Blut über.“ Das Spielen bietet die Flucht aus einem Leben, das sonst langweilig wäre.
Aber selbst wer nur zum Zeitvertreib spielt, kann ein Opfer von Stolz und Egoismus werden, falls er nicht aufhört, wenn er verliert, oder immer weiterspielt, wenn er gewonnen hat — nur um schließlich alles wieder zu verlieren.
Die Chancen ausrechnen
Obgleich der Spieler vielleicht meint, er müsse einfach gewinnen, bleibt die Tatsache bestehen, daß ein Spieler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verlieren wird. Warum? Das kann man sich leicht ausrechnen. Wirf eine Münze zehnmal in die Luft. Wie oft landet der Kopf oben und wie oft die Zahl? Man sollte meinen, das Verhältnis sei fünf zu fünf. Probiere es. Es wird kaum so ausgehen. Die Gesetze der Statistik stimmen nur bei hohen Zahlen. Mit anderen Worten: Würde man eine Münze unendliche Male in die Luft werfen, so würden Kopf und Zahl gleich oft nach oben zeigen. Doch bei wenigen Würfen ist das Verhältnis zwischen Kopf und Zahl beliebig. Man kann also nicht vorhersagen, wie ein bestimmter Wurf ausgehen wird.
Der Spieler will dies nicht wahrhaben. Wenn achtmal hintereinander der Kopf nach oben zeigt, wird er wie besessen daran glauben, daß beim nächsten Wurf die Zahl oben sein muß. Er ist davon so überzeugt, daß er ein Vermögen darauf setzen würde. Die Münze hingegen kann sich an die vorherigen Würfe nicht erinnern. Die Chancen bei jedem weiteren Wurf stehen nach wie vor eins zu eins.
Wie unnütz ist es daher, bei komplizierteren Spielen wie Siebzehnundvier oder Roulette das Ergebnis mit Genauigkeit vorhersagen zu wollen. Die Wahrscheinlichkeit, mehrmals hintereinander zu gewinnen, ist äußerst gering. Dies trifft auch auf Pferdewetten oder Fußballtoto zu, obgleich es dabei auf das Können der Sportler ankommt. „Zeit und unvorhergesehenes Geschehen“ verurteilen Vorhersagen zum Scheitern (Prediger 9:11). Auch ist es im allgemeinen nicht möglich, die Gewinnchancen durch ein „System“ zu erhöhen. In Italien versuchen dies über die Hälfte der Teilnehmer am Fußballtoto, indem sie mehrere Lose gleichzeitig kaufen. Doch das einzig sichere System bei dieser Art Glücksspiel wäre, bei jedem Spiel auf jedes mögliche Ergebnis zu setzen. Dann würde man bestimmt gewinnen. Aber der Gewinn würde den Einsatz nicht wieder einbringen.
Der einzige Gewinner ist die Glücksspielindustrie. Spielhallenbesitzer legen die Gewinnchancen bei den verschiedenen Spielen so fest, daß die Spielhalle fast immer besser davonkommt. Beim italienischen Fußballtoto werden, wie verlautete, nur 35 Prozent des gesamten Einsatzes als Gewinn ausgezahlt. Den Rest bekommen die Veranstalter.
Wer meint, das Glück sei auf seiner Seite, oder denkt, er habe bisher zwar Pech gehabt, werde aber von jetzt an bestimmt gewinnen, täuscht sich selbst. Das Spielen bringt nichts ein. In den Medien kommen die äußerst wenigen Gewinner groß heraus, während man kaum etwas über die Millionen von Verlierern hört.
Glücksspiel und die Bibel
„Verrücktheit, Laster, Leidenschaft, Besessenheit, Flucht vor der Wirklichkeit, Abenteuer, wilde Träume, der Reiz des Verbotenen und ein heftiges Verlangen nach Risiko, das ebenso schnell wieder auflebt, wie es befriedigt werden kann — das alles ist Glücksspiel, verbunden mit einem Verlangen nach Reichtum, mit Tagträumen und Machtgefühlen.“ Dies schrieb das Magazin La Repubblica. Kein Wunder, daß Regierungen oft bestimmte Arten des Glücksspiels verbieten, während sie selbst aber heuchlerischerweise Spielkasinos konzessionieren oder Lotterien und ähnliches unterhalten.
Man kann darüber denken, wie man will, doch die Bibel zeigt, daß das Glücksspiel mit dem Christentum unvereinbar ist. Einige meinen zum Beispiel, aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus spielen zu müssen. Aber Jesus lehrte uns beten: „Gib uns heute unser Brot für diesen Tag.“ Wie könnte man habgierig um Geld spielen und dann ein solches Gebet sprechen? Oder wie könnte man der Aufforderung nachkommen: „So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit zu suchen, und alle diese anderen Dinge [das zum Leben Notwendige] werden euch hinzugefügt werden.“ (Matthäus 6:11, 33)?
Die Bibel rät ferner: „Eure Lebensweise sei frei von Geldliebe, indem ihr mit den vorhandenen Dingen zufrieden seid“ (Hebräer 13:5). Der Spieler ist oft alles andere als zufrieden. Er ist habgierig, und die Bibel sagt, daß Habgierige ‘Gottes Königreich nicht ererben werden’ (1. Korinther 6:9, 10).
Einige argumentieren, sie würden nicht wegen des Geldes, sondern wegen des Nervenkitzels spielen. Die Bibel verurteilt jedoch rundweg alle, die göttliche Grundsätze außer acht lassen und „Vergnügungen mehr lieben als Gott“ (2. Timotheus 3:4, 5). Jesus sagte außerdem: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22:39). Wie kann man seinen Nächsten lieben und gleichzeitig versuchen, ihm sein Geld wegzunehmen? Wie kann man das Spielen mit dem Grundsatz vereinbaren: „Beglückender ist Geben als Empfangen.“ (Apostelgeschichte 20:35)?
Davon abgesehen, rufen Spieler oft den „Gott des ‚Glücks‘“ an, was die Bibel deutlich verurteilt (Jesaja 65:11).
Beachte auch den verderblichen Einfluß des Glücksspiels auf die „nützlichen Gewohnheiten“ eines Christen (1. Korinther 15:33). Der christliche Lebensweg schließt harte Arbeit und Sparsamkeit ein (Epheser 4:28). Jesus selbst war nicht verschwenderisch. Nachdem er durch ein Wunder eine Menge Brot und Fisch beschafft hatte, ordnete er an, daß die Reste nicht verschwendet würden (Johannes 6:12, 13). Doch statt Jesu Fußstapfen nachzufolgen, ähnelt der Spieler mehr dem verlorenen Sohn aus Jesu Gleichnis, der „sein Eigentum [verschwendete], indem er ein ausschweifendes Leben führte“ (Lukas 15:13).
Wahre Christen lassen sich daher zu keinerlei Art des Glücksspiels verleiten. Es ist für sie nicht ausschlaggebend, ob es um kleine oder um große Summen geht. Jesus sagte: „Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht“ (Lukas 16:10).
Bedeutsamerweise haben Jehovas Zeugen vielen geholfen, von ihrer Spielsucht loszukommen. (Siehe Seite 14.) Diese ehemaligen Spieler erleben zwar nicht mehr den Adrenalinstoß, der mit dem Glücksspiel verbunden ist, aber nun hat ihr Leben wirklich einen Sinn. Und statt einer Gewohnheit zu frönen, die die Gesundheit und die Familie ruiniert, sind sie „reich ... an vortrefflichen Werken“. Sie sind „bereit zu teilen“, statt zu planen, wie sie anderen ihr sauer verdientes Geld wegnehmen können. Sie ‘ergreifen fest das wirkliche Leben’ und lassen sich nicht von der Phantasiewelt des Glücksspiels gefangennehmen (1. Timotheus 6:18, 19). So sind sie echte Gewinner geworden.
[Herausgestellter Text auf Seite 13]
„Die geringen Chancen — die unerbittliche Tatsache, daß 90 Prozent verlieren — beeindrucken die Spieler nicht. Sie meinen, sie seien gegen diese schlechten Chancen gefeit, sie seien eine Ausnahme“ (Psychology Today).
[Kasten auf Seite 14]
Ich war ein Spieler
Mit 12 Jahren fing ich an zu pokern. Nach meiner Heirat behielt ich diese Gewohnheit bei. Ich begann um neun Uhr abends zu spielen und hörte morgens um fünf oder sechs Uhr auf. Danach, vor Müdigkeit wie betäubt, versuchte ich, zur Arbeit zu gehen. Oft schaffte ich es nicht.
Das Glücksspiel ruinierte mein Familienleben und meine Persönlichkeit. Beim Pokern muß man ständig täuschen. Doch ich stellte fest, daß ich auch im täglichen Leben täuschte und mich durchlog. Dann waren da die Geldprobleme. Wenn ich gewann, stand ich unter dem Zwang, das Geld sofort auszugeben. Es blieb nie lange in meiner Tasche. Bald scheiterte meine Ehe.
Im Jahre 1972 klingelten zwei Zeugen Jehovas an meiner Tür. Während sie mit mir sprachen, dachte ich: „Niemand macht etwas umsonst. Sie müssen irgendwelche Hintergedanken haben.“ (Ein Pokerspieler übt sich darin, in allem mißtrauisch zu sein.) Doch im Laufe der Zeit erkannte ich, daß dies nicht der Fall war. Ich ging zu einer ihrer Zusammenkünfte, und wenn ich auch nicht alles verstand, war ich doch von der Ordentlichkeit, der Harmonie und der Freundlichkeit beeindruckt.
Ich begann mit einem Bibelstudium. Und das Spielen? Ich mußte damit brechen. Aber wenn die biblische Wahrheit in das Leben einkehrt, verliert man die Motivation zum Spielen. Ich strengte mich sehr an und hörte damit auf. Im Jahre 1975 ließ ich mich taufen.
Die Vorteile waren enorm. Meine Gesundheit hat sich verbessert — und auch meine Persönlichkeit. Mein Leben ist nicht mehr vom Spielen beherrscht, sondern von geistigen Interessen. Vorher hatten nur andere Spieler Achtung vor mir. Nun fühle ich mich von einer Versammlung geliebt, in der ich als Ältester diene. Mir ist jetzt bewußt, daß ein Spieler ein Verlierer ist. Und die biblischen Wahrheiten haben mir geholfen, dies zu erkennen. (Eingesandt.)
[Bild auf Seite 15]
Ist ein Christ konsequent, wenn er spielt und gleichzeitig betet: „Gib uns heute unser Brot für diesen Tag.“?