Junge Leute fragen sich:
Warum muß ich so ordentlich sein?
„Ich sag’ es dir jetzt zum letzten Mal: Räum dein Zimmer auf!“
KOMMEN dir diese Worte bekannt vor? Das ist gut möglich, denn Ordnungsliebe ist keine angeborene Eigenschaft.
Daher erscheint dir diese Forderung unfair. Du fühlst dich in deinem Zimmer wohl, wenn nicht alles picobello ist. Außerdem gibt es schon so viele Hausregeln — muß es da auch noch Vorschriften geben, wie dein Zimmer auszusehen hat? Du bist der Meinung, daß man dir ruhig einen kleinen Fehler wie Unordentlichkeit zugestehen sollte, da du doch nicht wie andere Jugendliche trinkst und Drogen nimmst. Und stimmt es nicht, daß du Freunde hast, deren Zimmer viel schlimmer aussieht? Warum machen einige Eltern so viel Aufhebens wegen Ordentlichkeit? Haben sie dafür triftige Gründe?
Ordnung gegen Unordnung
Es wäre dir vielleicht recht, wenn deine Eltern die Anregung eines Professors für Psychiatrie befolgen würden, der Eltern riet: „Das beste ist, die Tür des Anstoß erregenden Zimmers einfach zu schließen.“ Andere erkennen hingegen, daß Eltern gute Gründe haben, Ordnung zu verlangen. Der Psychiater Paul Adams wird in Ladies’ Home Journal wie folgt zitiert: „Es ist sinnvoll, von einem Kind zu verlangen, daß sein Zimmer einigermaßen ordentlich ist. Erklären Sie ihm, warum Sie dies erwarten. Sagen Sie ihm, daß Sie ihm gewisse Freiheiten nehmen werden, wenn es sein Zimmer nicht ein klein wenig in Ordnung hält.“
Wenn du darüber nachdenkst, wirst du einsehen, daß deine Eltern das Recht haben, auch für dein Zimmer Regeln aufzustellen. Sie haben viel Zeit und Geld eingesetzt, daß du dein eigenes Zimmer hast, und wahrscheinlich haben sie es möbliert. Daher können sie logischerweise Regeln aufstellen, wie es auszusehen hat. Du wirst feststellen, daß es vorteilhaft ist, dich daran zu halten.
Henry W. Longfellow schrieb in seinem Gedicht Die Baumeister: „Ein jedes Ding an seinem Platz ist’s beste.“ Höchstwahrscheinlich sind deine Eltern auch dieser Meinung, denn es ist günstig, jedes Ding an seinem Platz zu haben. Worin bestehen einige Vorteile?
Einige Vorteile der Ordentlichkeit
Ein offensichtliches Plus ist, daß man seine Sachen leichter findet. Ein unordentlicher Mensch vergeudet viel Zeit damit, seine Schlüssel, seinen Kamm, ein Taschentuch usw. zu suchen, ganz zu schweigen von dem anderen Schuh, den irgend jemand unter das Bett gestoßen haben muß. Auch bleiben Kleidungsstücke, die richtig aufgehängt werden, sauberer und glatter, und man hat daher länger etwas davon. Außerdem besteht nicht die Gefahr, über Hosen oder Schuhe zu stolpern, wenn sie an ihrem Platz sind. Dies ist besonders wichtig, falls du dein Zimmer mit einem Bruder oder einer Schwester teilst.
Tut jeder in der Familie sein Teil und sorgt in seinem Zimmer für Ordnung und Sauberkeit, dann wird anderen die Last erleichtert, und ein glücklicheres Familienleben ist die Folge. Darüber schreibt die 14jährige Carolyn: „Meine Mutter hat zu Hause so viel Arbeit. ... Ich habe noch sechs Geschwister, und keines räumt seine Sachen richtig auf. Meine Mutti muß es dann tun, obwohl sie Probleme mit dem Rücken hat.“ Würden diese sieben Kinder jedes Ding an seinen Platz räumen, wäre die Last der Mutter sicher leichter.
Ein weiterer Vorteil ist, daß du, wenn du dein eigenes Zimmer in Ordnung hältst, wahrscheinlich in anderen Dingen genauso handeln wirst. Diese gute Gewohnheit wird sich auch in der Art und Weise zeigen, wie du mit dem Auto deiner Eltern und mit anderen Gegenständen umgehst, und du wirst die Ordnungsliebe bestimmt als Erwachsener beibehalten. Trittst du später in das Berufsleben ein, so kann ein Ruf für Ordentlichkeit deine Möglichkeiten weiterzukommen erhöhen — sicher eine lohnende Aussicht.
Daß es nützlich ist, sich an die Regeln der Eltern zu halten, wird durch folgendes bestätigt: Die meisten jungen Leute können es nicht erwarten, Auto zu fahren. Aber wann sollten sie damit beginnen? Nicht unbedingt, wenn sie das gesetzliche Alter dafür erreicht haben. Dr. J. E. Schowalter und Dr. W. R. Anyan jr. schreiben in dem Buch The Family Handbook of Adolescence: „Wenn man dem Betreffenden so weit vertrauen kann, daß er Regeln befolgt, und er allgemein zuverlässig ist, ist es wahrscheinlich, daß diese Charakterzüge auch sein Fahrverhalten bestimmen werden“ (Kursivschrift von uns). Meinst du daher nicht, daß es sich lohnt, sich in der Vertrauenswürdigkeit und im Befolgen von Regeln zu üben, auch was die Ordnung in deinem Zimmer angeht? Die Bibel sagt damit in Übereinstimmung: „Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu“ (Lukas 16:10).
Der Hauptgrund für einen christlichen Jugendlichen, sauber und ordentlich zu sein, wurde jedoch vom Apostel Paulus genannt, der schrieb: „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.“ Auch riet er: „Werdet Nachahmer Gottes als geliebte Kinder“ (1. Korinther 14:33; Epheser 5:1).
Die Ordnungsliebe Gottes zeigte sich beim Volk Israel durch die Anordnungen in bezug auf die Stiftshütte oder das Zelt der Anbetung. Nur Angehörige der priesterlichen Familien (die Leviten) hatten Zutritt zur Stiftshütte. Jehova ließ Moses aber auch genau aufschreiben, wo jeder Gegenstand in der Stiftshütte seinen Platz hatte, und gab eingehende Anweisungen, was die Priester und die Leviten damit tun sollten (2. Mose 40). Auf diese Weise konnten sich Israeliten, die keine Leviten waren, zumindest ein Bild von all dem machen, was in der Stiftshütte in Verbindung mit der Anbetung Jehovas vor sich ging. Dies gab ihnen sicher das Gefühl, einen Anteil an dem Geschehen zu haben und dazuzugehören. Glaubst du nicht auch, daß sie sehr dankbar waren, daß Jehova ein Gott der Ordnung ist?
Was kannst du in deinem Zimmer verbessern?
Wie kannst du nun in deinem Zimmer Ordnung schaffen? Wie bereits erwähnt, haben deine Eltern vielleicht bestimmte Vorstellungen diesbezüglich. Aber es gibt außerdem vieles, was du von dir aus tun kannst. Beginne mit den Dingen, die ins Auge fallen: Hänge alle umherliegenden Kleidungsstücke auf. Kleiderbügel sorgen dafür, daß Hemden, Blusen und Kleider ordentlich bleiben. Schuhe sind in einem Schuhschrank oder in einem Regal bestens aufgehoben. Wie steht es mit schmutziger Wäsche? Statt sie einfach in eine Ecke zu werfen, bietet sich ein Wäschekorb oder ein Beutel an. Nun zum Bett. Nur wenige Minuten Einsatz, und es wird präsentabel aussehen. Warum nicht lieber ein ordentliches Bett haben?
Jetzt zu den Dingen, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Nimm dir eine Schublade nach der anderen vor, und wirf weg, was nicht zu gebrauchen ist. Sortiere die übriggebliebenen Sachen ordentlich ein. Eine große Schublade könntest du mit Kartons unterteilen, in die du Socken, Feinstrumpfhosen und ähnliches legst. In kurzer Zeit wird dein Zimmer ganz anders aussehen, und du wirst stolz darauf sein.
Jugendliche, denkt an eure Zukunft!
Ist es die ganze Zeit und Mühe wert, Ordnung zu lernen? Carol, die nun Anfang 20 ist, erinnert sich an den Kampf, den sie hatte. Wenn Carols Zimmer nicht den Vorstellungen ihrer Mutter entsprach (zum Beispiel, wenn die Unterwäsche oder die Strümpfe in den Schubladen nicht ordentlich zusammengelegt waren), leerte ihre Mutter die Schubladen einfach auf den Boden aus, und Carol mußte alles ordentlich einräumen. Oder sie hatte zur Strafe am Wochenende Hausarrest.
Denkt Carol rückblickend, ihre Mutter sei unfair gewesen? „Nein, ich habe dadurch vieles gelernt. Ich kann meine Kleidung bügeln und auf Sauberkeit und Ordnung achten. Vielleicht werde ich Mutters Vorstellungen nicht ganz gerecht, aber zumindest brauche ich mich nicht zu schämen, wenn ich meine Zimmertür offenlasse.“
Was wird Carol später einmal von ihren eigenen Kindern in bezug auf Ordnung erwarten? Sie erklärt: „Ich denke nicht, daß ich ihre Schubladen überprüfen werde; wenn ihr Zimmer ordentlich aussieht, ist es o. k.“ Auf die Frage, welchen Rat sie Jugendlichen geben würde, antwortet Carol: „Haltet euch an die Maßstäbe, die eure Eltern für Ordnung aufstellen. Mit der Zeit werden sie euch zur Gewohnheit.“
Man sagt, der Mensch sei ein Gewohnheitstier. Einige Gewohnheiten sind nützlich, andere nicht. Daher äußerte Elbert Hubbard die weisen Worte: „Entwickle nur die Gewohnheiten, von denen du möchtest, daß sie dich beherrschen.“
Von welcher Gewohnheit möchtest du beherrscht werden — von Ordentlichkeit oder von Unordentlichkeit? Während du darüber nachdenkst, behalte die Vorteile der Ordentlichkeit im Sinn: Sie hat eine biblische Grundlage, spart Zeit und Geld und fördert sowohl die Selbstachtung als auch die Achtung anderer vor dir. Auch der Gedanke, den Carolyn äußerte, ist nicht zu unterschätzen: „Meine Mutti braucht meine Hilfe, und sie schätzt es sehr, wenn ich sie unterstütze.“
[Bilder auf Seite 24, 25]
Was würdest du vorziehen: Das ... oder das?