Der Tang im täglichen Leben
BIRNTANG ist für uns unentbehrlicher, als wir denken. In einem Artikel der Zeitschrift Oceanus erläutern die Meeresbiologen Ron H. McPeak und Dale A. Glantz, wie der Birntang aus dem Meer in unser tägliches Leben gelangt. Er wird entlang der kalifornischen Küste von San Diego aus in Richtung Norden bis nach Carmel geerntet.
Produktive Bestände können dreimal im Jahr abgeerntet werden. Moderne Ernteschiffe fahren mit dem Heck voran durch das Tangdickicht. Schneideblätter, die sich hin- und herbewegen und an einer Förderanlage angebracht sind, arbeiten wie ein Rasenmäher. Sie schneiden die Thalluszweige einen Meter unterhalb der Meeresoberfläche ab. Die Förderanlage bringt dann den geschnittenen Tang an Bord. An einem Tag kann ein Ernteschiff 550 Tonnen ernten. In Kalifornien hat die Algenindustrie in einem Jahr 156 000 Tonnen geerntet.
Die Meereswälder werden durch das Ernten nicht beschädigt. Die geschlechtliche Fortpflanzung geschieht in dem Teil des Tangs, der unter Wasser belassen wird. Außerdem sind an der Auftriebskraft und an der Photosynthese die Thalluszweige als Ganzes beteiligt. Nach der Entfernung des dichten Baldachins tritt mehr Sonnenlicht ein, wodurch das Wachstum der neuen Thalluszweige, die sich unterhalb der Oberfläche befinden, angeregt wird. Bald hat sich ein neues Tangdickicht gebildet und wartet auf die nächste Ernte.
Der geerntete Birntang gelangt weit über den Küstenstrich hinaus. Die daraus hergestellten Produkte finden in deine Küche, in dein Eßzimmer und in deine Hausapotheke Eingang. Algen werden zu Viehfutter und Dünger verarbeitet, und Bestandteile der Algen gelangen in die Produkte der Industrie.
Der wichtigste Bestandteil der Algen ist Algin. Es wurde 1883 von einem englischen Apotheker entdeckt. Aber erst 1929 stellte die Kelco-Gesellschaft, eine Firma in San Diego, als erste in der Welt Alginprodukte her. Heute bringt der Verkauf der Alginprodukte aus Kalifornien jährlich über 35 Millionen Dollar ein. Die Anwendungsgebiete sind unzählig. „Verbunden mit anderen Stoffen, dicken sie ein, glätten, emulgieren, stabilisieren, gelatinieren oder bilden einen Film“, informiert die Zeitschrift Sport Diver. Weiter heißt es darin:
„Viele Brauer benutzen Alginate, damit der Schaum im Bierglas fester ist und länger hält. Alginate verhindern, daß sich Hautcremes entmischen, und sie tragen dazu bei, daß Speiseeis cremig ist. Der Geschmack und die Dickflüssigkeit mancher Kakaogetränke und Glasuren wird zum Teil durch Alginate erreicht. Man kann damit Papier beschichten, dessen Druckqualität verbessern und es fettundurchlässig machen.
Damit nicht genug, dienen Alginate auch zur Imprägnierung von Stoffen, wodurch die Brennbarkeit herabgesetzt wird. Andere Formen werden in Wäschestärke und Textilfarbe verarbeitet. Auch in einigen Arzneimitteln ist Algin enthalten sowie in bestimmten Klebstoffen, Gummiprodukten und Autopolituren.“
Die Ernte des Birntangs wird vom staatlichen Ausschuß zum Schutz der Fische und des Wildes in Kalifornien überwacht. Hoffentlich wird der Ausschuß seiner Aufgabe gut nachkommen und den Tang vor der Ausbeutung durch den Menschen bewahren. Und hoffentlich werden die reizenden Seeotter die Algen weiterhin vor den Seeigeln schützen, damit die Schönheit dieser Wälder uns weiterhin eine Augenweide ist und die Algenprodukte uns eine Gaumenfreude bleiben.
[Bild auf Seite 18]
Kelco-Ernteschiff