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  • g94 8. 3. S. 22-25
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  • „Wie schade, wie schade, du große Stadt“
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Erwachet! 1994
g94 8. 3. S. 22-25

„Wie schade, wie schade, du große Stadt“

MAN sollte meinen, daß von allen Städten der Welt, die sich für groß halten, am ehesten die Städte Anspruch darauf haben, die als heilig gelten. Doch die Worte „wie schade, wie schade“ zeigen an, daß sich die Stadt von religiöser Bedeutung, die in Offenbarung 18:10 als „groß“ bezeichnet wird, ganz offensichtlich nicht der göttlichen Gunst erfreut, wie wir später sehen werden.

Übergang zur Unsterblichkeit?

Die heiligen Städte des Hinduismus in Indien heißen Tirtha, was „Furt“ oder „Übergang“ bedeutet. Viele liegen wie Banaras (auch Benares, Kasika oder Varanasi genannt) an Flüssen. Aber sie werden nicht als buchstäbliche Übergänge angesehen, sondern als Furten, die den Menschen helfen sollen, sicheren Fußes die Wasser des Lebens zu durchqueren, um in ein besseres, jenseitiges Leben zu gelangen.

In einer Enzyklopädie heißt es: „Varanasi ist eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte der Welt ..., die erste arische Siedlung in der mittleren Gangesebene.“ Dort war schon im zweiten Jahrtausend v. u. Z. ein religiöses Zentrum. Obwohl es sich um eine hinduistische Stadt handelt, kommt sie auch in den Annalen des Buddhismus und des Islam vor. Im sechsten Jahrhundert v. u. Z., als Banaras die Hauptstadt des Königreiches Kāshi war, hielt Buddha in der Nähe der Stadt seine erste Predigt. Der Islam betrat den Schauplatz 1194, als die Stadt unter muslimische Herrschaft geriet.

Banares liegt in Nordindien am Ganges und ist für die Hindus eine der sieben heiligsten Städte Indiens. Innerhalb der Stadtgrenzen ist jedem Hindugott und jeder der anderen großen Tirthas eine symbolische Stätte zugedacht. Die Encyclopedia of Religion nennt die Stadt daher eine „Miniaturausgabe des religiösen Indien“. Sie schreibt weiter: „Die Kraftkonzentration, die von der symbolischen Ansammlung von Göttern, Tirthas und Weisen an diesem einen Ort herrührt, hat Banaras zum gelobtesten Pilgerort Indiens gemacht.“

Die Hindus betrachten Banaras als den wünschenswertesten Ort zum Sterben. Der oft geäußerte Ausspruch Kāśyām maranam muktih bedeutet: „Der Tod in Kasika ist Befreiung.“ Nach der Überlieferung wird jeder, der dort stirbt, von Schiwa persönlich belehrt, was angeblich gleichbedeutend damit ist, „über die Fluten des samsāra an das ‚ferne Ufer‘ der Unsterblichkeit“ getragen zu werden.a

Wie andere Flüsse auch, windet sich der Ganges an Städten mit blühender Industrie vorbei und nimmt auf seinem Weg Abwässer und Chemikalien mit. Hinzu kommt, daß die frommen Hindus, gestützt auf ihre religiöse Tradition, täglich schätzungsweise 10 000 Leichen in den Fluß werfen. Gleichzeitig steigen Pilger — blind für die unverkennbare Gefahr, sich eine Krankheit zuzuziehen — die Ufertreppen hinab, um ihre religiösen Waschungen vorzunehmen. Ist das wirklich der Weg zur Unsterblichkeit?

Wie ewig ist die „Ewige Stadt“?

Ein anderer Fluß, der möglicherweise wegen seines weißlichen Wassers einst Albula genannt wurde, fließt durch eine heilige Stadt in Europa — die „Ewige Stadt“ auf den sieben Hügeln. Der Fluß, der seine weiße Farbe schon lange verloren hat, heißt heute Tiber. Und die Stadt ist längst über ihre sieben Hügel hinausgewachsen. Doch „das Erbe der Vergangenheit, das in Rom fortgedauert hat“, so heißt es in der New Encyclopædia Britannica, wird „von keiner anderen Stadt des Westens übertroffen“.

Dutzende von Denkmälern und historischen Gebäuden zeugen von diesem Erbe. Daß sie überhaupt stehengeblieben sind, ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie oft die Stadt erobert und geplündert wurde — zu Beginn des vierten Jahrhunderts v. u. Z. durch die Kelten und nach Christus im Jahre 410 durch die Westgoten, 455 durch die Wandalen, 1084 durch die Normannen, 1527 durch kaiserliche Söldnertruppen, 1798 durch das Heer Napoleons und im Zweiten Weltkrieg durch die Deutschen und durch die Alliierten.

Obschon die ursprüngliche, ummauerte Stadt nur 4 Prozent der Gesamtfläche des heutigen Rom ausmacht, ist sie das Rom, in das Millionen von Touristen strömen, weil dort die meisten historischen Bauwerke stehen. Außerdem lockte Anfang 1993 die Ausstellung „Sixtus V. und Rom“ Touristen an. Sixtus war von 1585 bis 1590 Papst und prägte das Aussehen Roms so nachhaltig, daß man ihn den „Vater der modernen Stadtplanung“ genannt hat. Als Erklärung, warum er Rom umbaute, schrieb die Zeitung The European: „Erstens, um eine solide architektonische Grundlage für die Festigung der Macht des Vatikans gegenüber der protestantischen Bedrohung zu schaffen. ... Zweitens, um die Stadt Rom, die in vieler Hinsicht immer noch ein provinzieller Marktflecken war, zum würdigen Sitz des neuen Jerusalem zu machen.“

Die Vatikanstadt, eine winzige Enklave Roms, erhebt den Anspruch, der „Sitz des neuen Jerusalem“ zu sein. 1929 unterzeichnete die faschistische italienische Regierung die Lateranverträge und erkannte damit die Souveränität der Vatikanstadt an. Seither regiert der Papst die Stadt mit absoluter exekutiver, legislativer und richterlicher Gewalt. Der Vatikan hat ein eigenes Post- und Telefonsystem und eine eigene militärische Formation — die für den Schutz des Papstes zuständige Schweizergarde. Was die Touristen aber vor allem sehen möchten, ist die Peterskirche, die jahrhundertelang die größte Kirche der Christenheit war. Diese Auszeichnung verlor sie 1989, als die Basilika in Yamoussoukro (Côte d’Ivoire) fertiggestellt wurde.

Die New Encyclopædia Britannica schreibt: „Ein Bürger Roms zu sein bedeutete 1 000 Jahre lang, die Schlüssel zur Welt innezuhaben, in Sicherheit zu leben, sich stolz zu fühlen und relativen Komfort zu genießen.“ Aber das war einmal! Die politische Korruption in Rom und die religiöse Stagnation in der Vatikanstadt sind ein Beweis dafür, daß der Glanz Roms nicht ewig währte, sondern dem Gestern angehört.

Die heiligste Stätte des Islam

Rund eine Milliarde Muslime weltweit glauben von der Stadt Mekka, sie sei „seit Beginn der Schöpfung die Stätte des Wirkens Gottes, der Engel und der Propheten und ein Ort hochbedeutsamer menschlicher Taten“.b Nach islamischer Lehre ist das der Ort, wo die Schöpfung ihren Anfang nahm, wo Abraham das erste Gotteshaus baute und wohin er seine Nebenfrau Hagar und ihren gemeinsamen Sohn Ismael schickte.

In der nachchristlichen Zeit, wahrscheinlich um 570, wurde der Prophet Muḥammad in Mekka (Saudi-Arabien) geboren. Anfangs stießen seine Lehren auf wenig Resonanz. Mekka war eine Oase an der Karawanenhandelsroute zwischen Indien und Europa, und die einflußreichen dortigen Händler befürchteten, seine religiösen Reformen würden zu einem wirtschaftlichen Rückgang führen. Da es Muḥammad nicht gelang, dort Fuß zu fassen, ging er nach Jathrib, das dann als al-Madīnah (Medina) bekannt wurde und 300 Kilometer nordöstlich lag. Doch 630 u. Z. kehrte er nach Mekka zurück, nahm es ein und machte es zum religiösen Zentrum des Islam.

Heute ist Mekka eine reiche, kosmopolitische Stadt, wenn auch nur Muslime dort wohnen dürfen. Im Dhul-Hiddscha, dem heiligen Wallfahrtsmonat, besuchen Millionen von Pilgern, die den Hadsch unternehmen, die Stadt, um ihre religiöse Pflicht zu erfüllen. Während ihres Aufenthalts in Mekka besuchen die Pilger die Große Moschee, wo sie siebenmal um ein kleines Heiligtum schreiten, das etwa in der Mitte des unüberdachten Hofs der Moschee liegt.

Bei diesem Heiligtum handelt es sich um die Kaaba, ein würfelförmiges Bauwerk, das meist mit einem großen Tuch aus schwarzem Brokat bedeckt ist. Dort befindet sich auch der heilige schwarze Stein. Dieser Stein, von dem die Muslime glauben, daß Adam ihn nach seiner Vertreibung aus Eden zur Sündenvergebung erhielt, soll damals weiß gewesen sein. Nach muslimischer Überlieferung verschwand die ursprüngliche Kaaba bei der Sintflut, aber der schwarze Stein blieb erhalten und wurde später durch den Engel Gabriel dem Abraham gegeben, worauf dieser die Kaaba wieder aufbaute und den schwarzen Stein wieder an den rechten Platz brachte. Die Muslime beten fünfmal am Tag in Richtung der Kaaba, die gemäß islamischer Lehre die heiligste Stätte auf der Erde ist.

In den Hof der Hauptmoschee führen 24 Tore, doch der traditionelle Eingang für die Pilger ist das Friedenstor an der Nordecke. Allerdings geht es auf dem Hadsch nicht immer friedlich zu. 1987 versuchten radikale Muslime, die Moschee zu erobern. Die Ordnung war zwar bald wiederhergestellt, aber es kamen über 400 Muslime um, und etwa 650 wurden verletzt. Daß es am heiligsten aller islamischen Heiligtümer so offensichtlich an Frieden mangelt, ist bedauerlich, doch die Muslime schöpfen aus der islamischen Lehre Trost, wonach jeder, der auf dem Hadsch stirbt, sofort in den Himmel eingeht.

Besitztum zweifachen Friedens?

Die Stadt Jerusalem, deren Name „Besitztum zweifachen Friedens“ bedeutet, wird von den Juden und von nominellen Christen als die Heilige Stadt und von den Muslimen als drittheiligste Stätte der Erde (nach Mekka und Medina) angesehen. Von 1070 v. u. Z. an war Jerusalem die Hauptstadt des alten Israel, doch die Stadt hatte schon fast 900 Jahre zuvor unter dem Namen Salem existiert (1. Mose 14:18). Als das Verwaltungszentrum der Nation hatte sie eine strategisch günstige Lage. Sie war in einer Höhe von ungefähr 750 Metern über dem Meeresspiegel in Hügel eingebettet, was sie damals zu einer der höchstgelegenen Hauptstädte der Welt machte.

Im vierten Jahrhundert v. u. Z. kam Jerusalem unter griechische Herrschaft. Vom zweiten Jahrhundert v. u. Z. an geriet die Stadt zunehmend unter den Einfluß des sich ausdehnenden Römischen Reiches. Während der Herrschaft Herodes’ des Großen erlebte Jerusalem eine Blütezeit. Die Klagemauer ist offenbar ein Überrest der Vorhofmauer des von ihm erbauten Tempels. Das römische Heer griff Jerusalem im April 70 u. Z. an, als Reaktion auf den Versuch der Juden, das römische Joch abzuschütteln. Nach weniger als fünf Monaten lag die Stadt mitsamt ihrem Tempel in Schutt und Asche.

Man hat errechnet, daß Jerusalem 37mal eingenommen wurde. In vielen Fällen wurde die Stadt teilweise oder sogar völlig zerstört. Doch auf den Trümmern ist jedesmal ein neues Jerusalem erstanden. 130 u. Z. ordnete Kaiser Hadrian an, dort eine neue Stadt zu bauen, die den Namen Aelia Capitolina tragen sollte. Fast zwei Jahrhunderte lang durfte kein Jude sie betreten. In der ersten Hälfte des siebten Jahrhunderts u. Z. wurde die Stadt von den Muslimen erobert, und später erbauten sie auf dem Tempelgelände oder in der Nähe den Felsendom.

Der moderne Staat Israel wurde 1948 gegründet, und 1949 wurde Jerusalem zwischen Israel und Jordanien aufgeteilt. Doch 1967 nahmen die Israelis im Sechstagekrieg die Osthälfte der Stadt ein. Seither haben sie die Stadt modernisiert, wobei sie darum bemüht waren, das geschichtliche Gepräge zu bewahren. 1993 hatte sie über eine halbe Million Einwohner.

Da drei der großen Weltreligionen Jerusalem als heilig betrachten, entladen sich von Zeit zu Zeit heftige religiöse Spannungen. „Von allen Konflikten zwischen Juden und Arabern ist der um Jerusalem der komplizierteste und hartnäckigste“, schrieb die Time. Derzeit sieht es wohl kaum nach einem zweifachen Frieden aus, wie ihn der Name Jerusalems verheißt.

„Eure Städte werden öde Trümmer werden“

Die Stadt aus Offenbarung 18:10 steht für alle Religionen, die Gott mißfallen. „Wie schade, wie schade, du große Stadt, Babylon, du starke Stadt, denn in e i n e r Stunde ist dein Gericht gekommen!“ Das bedeutet ganz offensichtlich, daß die Religionen, die Jehova Gott mißbilligt, dem Untergang geweiht sind. Trotz ihrer Tempel, ihrer Zeremonien und ihrem religiösen Drum und Dran werden die „großen“ heiligen Städte von heute am Tag des Gerichts Gottes keinen nachhaltigen Schutz bieten.

[Fußnoten]

a „Samsara“ wird von den Hindus als Wanderung einer ewigen, unvergänglichen Seele aufgefaßt.

b In dem Werk Islam: Beliefs and Teachings, herausgegeben von The Muslim Educational Trust, heißt es, daß „die muslimische Bevölkerung heute weltweit annähernd 1,1 Milliarden betragen könnte“.

[Bild auf Seite 24]

Die Große Moschee von Mekka und die Kaaba

[Bildnachweis]

Camerapix

[Bild auf Seite 25]

Die jüdische Klagemauer und der muslimische Felsendom (links) in Jerusalem

[Bildnachweis]

Garo Nalbandian

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