Die Herausforderung der Reinlichkeit
Von unserem Korrespondenten in Kenia
„MAMAAA, nakufa!“ schreit das Kind. Das bedeutet: „Mama, ich sterbe!“ Ein Mordversuch? Nein, ein kleines Kind steht in einer Schüssel und wird von seiner Mutter von Kopf bis Fuß abgeschrubbt. Trotz heftigen Widerstandes vollendet die Mutter ihr Werk.
Solche Szenen sind in Afrika selbst in den ärmsten Gegenden alltäglich. Doch es ist nicht immer leicht, für Hygiene zu sorgen. Das drückendheiße afrikanische Klima macht Reinigungsarbeiten doppelt hart. Stürme tragen in jede Ecke eines Hauses feinen braunen Staub. Die sich verschlechternde Wirtschaftslage hat dazu geführt, daß die Kosten für Reinigungsmittel, Reparaturen — und sogar für Wasser — oft unerschwinglich sind. In Gegenden, wo Frauen täglich kilometerweit laufen müssen, um Wasser zu holen, zögern sie verständlicherweise, das kostbare Naß zum Waschen zu verwenden.
Die Bevölkerungsexplosion in Städten und in manchen ländlichen Gebieten gefährdet ebenfalls die Gesundheit. Offene Abwasserkanäle, Berge von Müll, schmutzige Gemeinschaftstoiletten, Ratten, die Krankheiten übertragen, Küchenschaben und Fliegen sind ein alltäglicher Anblick geworden.
Außerdem mangelt es weit und breit an Wissen über Hygiene. Die Menschen verschmutzen Wasservorräte, ohne sich der tödlichen Folgen bewußt zu sein. Ratten und andere Krankheitsüberträger werden geduldet — die Kinder spielen sogar mit ihnen.
Die Vorteile der Reinlichkeit
Warum sollen Familien die Mühe und die Kosten auf sich nehmen, ihre Umgebung sauberzuhalten? Weil sich in einer schmutzigen Umgebung Bakterien und Parasiten entwickeln. Eine so einfache Sache wie das Waschen kann über Leben oder Tod eines Kindes entscheiden. Reinlichkeit führt allerdings dazu, daß sich die Haushaltsausgaben kurzfristig erhöhen. Wasser zum Waschen ist womöglich teuer oder schwer zu erhalten. Aber Arzneimittel sind wesentlich kostspieliger. Seife, Desinfektionsmittel, Bohnerwachs, eine Rattenfalle und ein Mülleimer kosten zwar Geld, aber nicht soviel wie ärztliche Behandlungen.
Interessanterweise kommen in der Bibel über 400mal Wörter wie „rein“ und „waschen“ vor. Gottes Gesetz für Israel enthielt bestimmte Verordnungen, die zu körperlicher Reinheit und verschiedenen Hygienemaßnahmen aufforderten (2. Mose 30:18-21; 5. Mose 23:11-14). Zudem fühlen sich Christen durch das Gebot der Nächstenliebe bewogen, sich selbst und ihr Heim sauberzuhalten (Matthäus 22:39).
Auf Seite 10 ist eine hilfreiche Liste mit Sauberkeitstips für zu Hause aufgeführt. Die Prinzipien sind in jedem Land anwendbar. Durch die Befolgung einiger der Vorschläge, wie zum Beispiel den Boden zu wachsen (wodurch kleine Risse abgedichtet werden) und Abfälle in einen geschlossenen Behälter zu geben, wird dein Zuhause für Insekten und andere Krankheitsüberträger wesentlich an Anziehungskraft verlieren. Löcher in Türen und in Fenstern zu reparieren hält nicht nur den Staub fern, sondern auch winzige Eindringlinge. Und nicht zuletzt macht Reinlichkeit das Zuhause wohnlicher.
Zusammenarbeit in der Familie
Nachdem eine Hausfrau diese Liste sorgfältig durchgelesen hat, wird sie vielleicht einen genauen Reinigungsplan aufstellen. Sind alle Familienglieder zur Zusammenarbeit bereit, dann ist das Einhalten dieses Plans keine Last.
Jecinta beispielsweise ist Mutter von acht Kindern, und die Familie lebt in einer kleinen Wohnung in einer ostafrikanischen Stadt. Auf die Frage, wie es kommt, daß ihr Zuhause so präsentabel ist, antwortete sie: „Alle haben gelernt, ihren Teil dazu beizutragen. Wenn einer etwas verschüttet, bekommt er einen Lappen zum Aufwischen. Die Kinder haben außerdem gelernt, beim Essen aufzupassen.“ Der Vater sollte mit der Mutter zusammenarbeiten und ihre Bemühungen unterstützen. Auch er kann den Kindern beibringen, von klein auf sauber und ordentlich zu sein.
Vorbeugungsmaßnahmen
Mitunter kann man sich das Sauberhalten durch Vorbeugungsmaßnahmen erleichtern. So könnte man in der Nähe des Hauses einen Rasen anlegen oder Bäume pflanzen, damit nicht soviel Staub aufwirbelt, oder eine Stelle umzäunen, so daß die Kinder einen sauberen Platz zum Spielen haben. Wenn die Gegend, in der man wohnt, zu dicht besiedelt ist, könnte man versuchen, in einer ruhigeren Gegend eine Wohnung zu finden. Dies bedeutet vielleicht, daß man einen etwas weiteren Weg zur Arbeit hat, aber es ist sicher der Mühe wert.
Es ist auch wichtig, sich von unnützen Gegenständen zu trennen, damit in der Wohnung keine unnötigen Dinge herumstehen. Und wenn der Zugangsweg nach einem heftigen Regen immer matschig wird, könnte man ihn mit Kies bestreuen. Falls sich die Toilette außerhalb des Hauses befindet, wäre es ratsam, sie zu verschließen, damit andere sie nicht beschmutzen.
Die richtige Einstellung
Man darf nicht denken, nur das, was zu sehen sei, müsse sauber sein. Manche meinen, der Vorgarten solle gepflegt aussehen, während im Hinterhof ruhig Durcheinander herrschen könne; das Wohnzimmer müsse präsentabel sein, während das Schlafzimmer unordentlich oder die Küche schwarz von Fingerabdrücken und Rauch sein könne. Eine solche Inkonsequenz erinnert an die Worte, die Jesus an die Pharisäer richtete: „Ihr [reinigt] das Äußere des Bechers und der Schüssel ..., innen aber sind sie mit Raub und Unmäßigkeit gefüllt. ... reinige zuerst das Innere des Bechers und der Schüssel, damit auch ihr Äußeres rein werde“ (Matthäus 23:25, 26). Zugegeben, es ist nicht immer möglich, jede Ecke makellos sauberzuhalten. Aber ist Sauberkeit im ganzen Haus — nicht nur in bestimmten Zimmern — nicht zumindest ein anstrebenswertes Ziel?
Es wäre auch ein Fehler, dem Hauseigentümer die Schuld für Unsauberkeit zuzuschieben. Ein neuer Anstrich mag zwar seit langem überfällig sein, doch das heißt nicht, daß die Wände nicht wenigstens abgewaschen werden können. Und vielleicht kann man mit dem Hauseigentümer abmachen, daß man einige Reparaturarbeiten selbst erledigt und dafür etwas weniger Miete zahlt.
Der Herausforderung begegnen
„Zunächst war ich skeptisch“, gesteht Joseph, ein Familienvater aus Afrika. Er bezieht sich dabei auf einen biblischen Vortrag über Reinlichkeit, den er gehört hatte. Er wohnt mit seiner Familie in einer Holzhütte, umgeben von Dutzenden von Nachbarn. Sie haben eine Gemeinschaftstoilette, und der Weg dahin ist nicht befestigt. Dennoch versuchten Joseph und seine Familie, die Grundsätze anzuwenden. „Unsere Kinder tragen nun Sandalen, wir treten uns die Schuhe ab, waschen uns die Hände mit Seife und achten auch sonst auf Sauberkeit“, sagt Joseph. Das Ergebnis? „Ich war überrascht. Die Kinder sind weitaus seltener krank, und wir haben nicht mehr so viele Krankenhausrechnungen zu bezahlen.“
Somit können Eltern in Entwicklungsländern ohne große Mühe und ohne hohe Kosten ihr Heim zu einem sicheren, sauberen Ort für sich und ihre Kinder machen. Offensichtlich muß jedoch viel mehr getan werden, um die Gesundheitsprobleme der dritten Welt zu lösen. Ist die Annahme berechtigt, daß großangelegte Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden?
[Herausgestellter Text auf Seite 9]
Seife, Desinfektionsmittel, Bohnerwachs, eine Rattenfalle und ein Mülleimer kosten zwar Geld, aber nicht soviel wie ärztliche Behandlungen
[Kasten auf Seite 10]
Ein sauberes und hygienisches Heim
Toilette:
Betätige nach Benutzung die Spülung
Verwende bei einer Toilette ohne Spülung Chemikalien gegen Insekten
Wasche dir nach Benutzung die Hände mit Seife
Reinige Toilettensitz, Toilettenbecken, Waschbecken und ähnliches regelmäßig mit einem Desinfektionsmittel
Küche:
Wasche dir die Hände mit Seife, ehe du Speisen zubereitest und servierst
Gib Abfall in einen Behälter mit Deckel; beseitige Abfall regelmäßig
Laß schmutziges Geschirr nicht über Nacht stehen
Wasche Obst und Gemüse gründlich vor dem Verzehr
Sorge dafür, falls das Essen im Freien zubereitet wird, daß Teller und anderes Geschirr nicht mit dem Boden in Berührung kommen; achte darauf, daß kein Staub auf die Speisen gelangt
Reinige alle Ecken im Haus wöchentlich
Spüle Babyflaschen mit heißem Wasser
Koche Trinkwasser ab, falls es verunreinigt ist
Sonstiges:
Gib schmutzige Wäsche in einen Korb oder in einen anderen Behälter
Wasche Kleidung regelmäßig mit frischem Wasser
Wachse in Abständen hölzerne Türen, Böden und Möbel
Reinige Wände, Türen und Lichtschalter von Flecken
Putze die Fenster
Fange und töte Ratten; töte Küchenschaben und andere Insekten
Suche in Abständen die Betten nach Wanzen und anderem Ungeziefer ab
Lege eine Fußmatte oder ein feuchtes Scheuertuch vor den Eingang
Repariere Löcher in Wänden und in Türen sowie Risse im Boden
Ersetze zerbrochene Fensterscheiben
Repariere zerschlissene Matratzen oder Polstermöbel
Im Freien:
Vergrabe oder verbrenne Müll
Entferne oder vergrabe menschliche und tierische Exkremente
Verhindere, daß Abwässer über deinen Hof fließen, indem du einen Graben anlegst
[Kasten auf Seite 11]
Lehre deine Kinder:
— sich die Füße abzutreten, wenn sie ein Wohnhaus oder ein anderes Gebäude betreten;
— Schuhe oder Sandalen zu tragen;
— nach Benutzung der Toilette die Spülung zu betätigen;
— nach Benutzung der Toilette und vor dem Essen die Hände mit Seife zu waschen;
— sich die Nase zu putzen;
— sich nie unbekleidet auf den Boden zu setzen;
— was sie nicht berühren dürfen:
Exkremente
Ratten
Küchenschaben
Abfälle
streunende Hunde