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  • „Folge mir nach!“ – was meinte Jesus damit?
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL EINS

      „Folge mir nach!“ – was meinte Jesus damit?

      Ein reicher junger Vorsteher fällt vor Jesus auf die Knie und stellt ihm eine Frage.

      „Was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben?“

      1, 2. Welche Einladung ist die beste, die ein Mensch überhaupt bekommen kann, und was sollten wir uns fragen?

      HAST du schon einmal eine ganz besondere Einladung oder ein richtig gutes Angebot bekommen? Vielleicht war es die Einladung zu der Hochzeit von zwei Menschen, die dir viel bedeuten. Oder man hat dir die optimale Arbeitsstelle angeboten. Bestimmt hast du dich darüber riesig gefreut, dich sogar geehrt gefühlt. Genau genommen hast du, ja haben wir alle eine noch viel bessere Einladung erhalten. Die Entscheidung, wie wir darauf reagieren, hat tiefgreifende Auswirkungen für uns. Es handelt sich um die wichtigste Entscheidung unseres Lebens.

      2 Die Einladung, von der hier die Rede ist, kommt von Jesus Christus, dem einziggezeugten Sohn des allmächtigen Gottes Jehova, und sie ist in der Bibel zu finden. In Markus 10:21 lesen wir die Worte Jesu: „Komm, folge mir nach!“ Diese Einladung richtet Jesus praktisch an jeden von uns, und wir sollten uns fragen: „Wie reagiere ich darauf?“ Die Antwort müsste eigentlich klar sein. Wer würde so eine Einladung schon ausschlagen? Erstaunlicher­weise tun das aber die meisten Menschen. Warum?

      3, 4. (a) Was könnte an dem Mann, der von Jesus etwas über das ewige Leben wissen wollte, als beneidenswert betrachtet werden? (b) Welche guten Eigenschaften dürfte Jesus bei dem reichen jungen Vorsteher festgestellt haben?

      3 Betrachten wir als Beispiel einen Mann, an den diese Einladung vor etwa 2000 Jahren persönlich erging. Er war ein sehr geachteter Mann. Er besaß mindestens drei Eigenschaften, die im Allgemeinen als wünschenswert oder sogar als beneidenswert gelten: Jugend, Reichtum und Macht. Die Bibel sagt von ihm, dass er „jung“, „sehr reich“ und ein „Vorsteher“ war (Matthäus 19:20; Lukas 18:18, 23). Doch was noch wichtiger war: Dieser Mann hatte von dem großen Lehrer, Jesus, gehört und war von seinen Worten sehr angetan.

      4 Die meisten Vorsteher jener Zeit erwiesen Jesus nicht den gebührenden Respekt (Johannes 7:48; 12:42). Doch dieser junge Vorsteher war anders. Die Bibel berichtet: „Als [Jesus] … weiterging, lief ein Mann zu ihm, fiel vor ihm auf die Knie und wollte wissen: ‚Guter Lehrer, was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben?‘“ (Markus 10:17). Wie sehr dieser Mann doch das Gespräch mit Jesus suchte! Er lief vor aller Augen zu ihm hin, so wie es auch ein Armer oder jemand aus dem niederen Volk getan hätte, und fiel respektvoll vor ihm auf die Knie. Der Mann besaß also eine gewisse Demut und war sich seiner Abhängigkeit von Gott bewusst. Jesus schätzte solche Eigenschaften (Matthäus 5:3; 18:4). Kein Wunder, dass Jesus, als er ihn ansah, Liebe für ihn empfand (Markus 10:21). Wie beantwortete Jesus die Frage des Mannes?

      Die beste Einladung aller Zeiten

      5. Was gab Jesus dem reichen jungen Mann zur Antwort, und warum kann mit den Worten „Eins fehlt dir noch“ nicht Armut gemeint sein? (Siehe auch die Fußnote.)

      5 Jesus wies auf die heiligen Schriften hin und machte deutlich, dass sein Vater über die wichtige Frage, wie man ewiges Leben erlangen kann, bereits Aufschluss gegeben hatte. Der junge Mann beteuerte, er habe das mosaische Gesetz immer befolgt. Jesus konnte jedoch tiefer blicken; er sah in sein Herz (Johannes 2:25). Er bemerkte bei dem Vorsteher ein Problem, und zwar ein schwerwiegendes. Deshalb sagte er: „Eins fehlt dir noch.“ Was meinte Jesus mit „eins“? Er forderte den Mann auf: „Geh und verkauf, was du hast, und gib das Geld den Armen“ (Markus 10:21). Wollte Jesus damit sagen, dass man völlig mittellos sein muss, um Gott zu dienen? Nein.a Er stellte etwas sehr Wichtiges heraus.

      6. Welche Einladung sprach Jesus aus, und was verriet die Reaktion des reichen jungen Vorstehers über sein Herz?

      6 Um zu zeigen, was dem Mann fehlte, machte ihm Jesus ein großartiges Angebot: „Komm, folge mir nach!“ Das muss man sich einmal vorstellen: Der Sohn Gottes, des Höchsten, lud diesen Mann höchstpersönlich ein, ihm nachzufolgen! Außerdem versprach er ihm einen unglaublich großen Lohn. Er sagte: „Du wirst einen Schatz im Himmel haben.“ Nahm der reiche junge Vorsteher Jesu ehrenvolle Einladung an? Der Bibelbericht sagt: „Diese Antwort machte den Mann betroffen und er ging traurig weg, denn er besaß viel“ (Markus 10:21, 22). Durch die unerwartete Aufforderung Jesu kam ein tief sitzendes Problem ans Tageslicht. Der Mann hing zu sehr an seinem Besitz und zweifellos auch an der Macht und dem Ansehen, die damit verbunden waren. Leider war seine Liebe zu alldem viel größer als seine Liebe zu Christus. Das „eine“, das ihm fehlte, war also rückhaltlose, selbstlose Liebe zu Jesus und zu Jehova. Deshalb schlug er die beste Einladung seines Lebens aus. Was hat das mit uns heute zu tun?

      7. Warum können wir sicher sein, dass Jesu Einladung auch uns heute gilt?

      7 Jesu Einladung galt nicht nur dem jungen Vorsteher, noch war sie auf einige wenige Personen beschränkt. Er sagte: „Wer ein Nachfolger von mir sein will, muss … mir ständig folgen“ (Lukas 9:23). Jeder kann also Christi Nachfolger werden, sofern er es wirklich will. Aufrichtige Menschen lassen sich von Gott zu Jesus ziehen (Johannes 6:44). Das trifft nicht nur auf Reiche zu, nicht nur auf Arme, nicht nur auf Menschen einer bestimmten Hautfarbe oder Nation und auch nicht nur auf die Menschen der damaligen Zeit – alle sind eingeladen, Jesus nachzufolgen. Somit gelten Jesu Worte „Komm, folge mir nach!“ auch uns heute. Warum sollten wir Jesus nachfolgen wollen? Und was ist konkret damit verbunden?

      Warum ein Nachfolger Christi sein?

      8. Was brauchen alle Menschen, und warum?

      8 Wir Menschen sollten uns eine grundlegende Tatsache eingestehen: Wir brauchen unbedingt gute Führung – selbst wenn das nicht jeder wahrhaben will. Jehovas Prophet Jeremia drückte diese Grundwahrheit unter Inspiration so aus: „Ich weiß nur zu gut, Jehova, dass es dem Menschen nicht zusteht, seinen Weg selbst zu bestimmen. Es steht dem Menschen nicht zu, auf seinem Lebensweg auch nur seinen Schritt zu lenken“ (Jeremia 10:23). Der Mensch ist weder fähig noch berechtigt, sich selbst zu regieren. Tatsächlich ist die Menschheits­geschichte voll von Beispielen für schlechte Führung (Prediger 8:9). Zur Zeit Jesu wurden die Menschen von ihren Führern unterdrückt, misshandelt und irregeführt. Jesus bemerkte genau, dass die meisten Menschen „wie Schafe ohne einen Hirten“ waren (Markus 6:34). Heute ist es nicht anders. Als Gemeinschaft und als Einzelne brauchen wir eine Führung, auf die wir vertrauen und die wir respektieren können. Kann Jesus diese Führung bieten? Durchaus, und zwar aus mehreren Gründen.

      9. Was unterscheidet Jesus von allen anderen Führern?

      9 Erstens: Jesus wurde von Jehova Gott erwählt. Die meisten Führer unter den Menschen werden von ihren Mitmenschen ausgewählt, die unvollkommen sind, zu Fehlurteilen neigen und oft getäuscht werden. Bei Jesus verhält es sich anders. Das beweist schon sein Titel. „Christus“ beziehungsweise „Messias“ bedeutet „Gesalbter“. Jesus wurde von keinem anderen als dem Souveränen Herrn des Universums gesalbt, das heißt in sein heiliges Amt eingesetzt. Jehova Gott sagte über seinen Sohn: „Seht! Mein Diener, den ich ausgewählt habe, mein geliebter Diener, an dem ich Gefallen habe! Ich werde meinen Geist auf ihn legen“ (Matthäus 12:18). Unser Schöpfer weiß am allerbesten, was für einen Führer wir brauchen. Da seine Weisheit grenzenlos ist, haben wir guten Grund, auf seine Wahl zu vertrauen (Sprüche 3:5, 6).

      10. Warum ist Jesus das beste Beispiel für uns Menschen?

      10 Zweitens: Jesus gab ein vollkommenes und anspornendes Beispiel. Ein idealer Führer hat Eigenschaften, die seine Untertanen bewundern und nachahmen können. Er motiviert sie durch sein gutes Beispiel, an sich zu arbeiten. Welche Eigenschaften würdest du an einem Führer am meisten schätzen? Mut, Weisheit, Mitgefühl oder vielleicht Durchhalte­vermögen in Schwierigkeiten? Wer den Bericht über Jesu Leben auf der Erde studiert, wird feststellen, dass diese und noch viele andere Eigenschaften bei Jesus vorhanden waren. Als vollkommenes Spiegelbild seines himmlischen Vaters besaß er alle göttlichen Eigenschaften in vollem Maß. Er war in jeder Beziehung ein vollkommener Mensch. Daher können wir in all seinen Worten, Taten und in allen Gefühlen, die er zum Ausdruck brachte, etwas Nachahmenswertes finden. In der Bibel heißt es, Jesus habe uns ein Beispiel hinterlassen, damit wir seinen Fußspuren genau folgen (1. Petrus 2:21).

      11. Wodurch erwies sich Jesus als „der gute Hirte“?

      11 Drittens: Christus wurde seiner Aussage „Ich bin der gute Hirte“ voll und ganz gerecht (Johannes 10:14). Die Menschen in biblischer Zeit waren mit diesem Bild gut vertraut. Hirten gaben sich beim Hüten der ihnen anvertrauten Schafe große Mühe. Für einen „guten Hirten“ stand die Sicherheit und das Wohlergehen der Herde immer an erster Stelle. David zum Beispiel, ein Vorfahr Jesu, war in seiner Jugend ein Schafhirte gewesen und hatte mehr als einmal sein Leben riskiert, um seine Schafe vor einem wilden Tier zu retten (1. Samuel 17:34-36). Jesus tat für seine Nachfolger auf der Erde sogar noch mehr. Er opferte sein Leben für sie (Johannes 10:15). Wie viele Führer wären wohl dazu bereit?

      12, 13. (a) Warum kann man sagen, dass ein Hirte seine Schafe kennt und umgekehrt auch die Schafe ihren Hirten kennen? (b) Warum möchtest du dich von Jesus, dem guten Hirten, führen lassen?

      12 Jesus war auch noch in anderer Hinsicht „der gute Hirte“. Er sagte: „Ich kenne meine Schafe und meine Schafe kennen mich“ (Johannes 10:14). Mit diesen Worten zeichnete er ein sehr eindrucksvolles Bild. Für den oberflächlichen Betrachter wirkt eine Schafherde wahrscheinlich wie ein einziger Haufen von Wollknäueln. Der Hirte jedoch kennt jedes einzelne Schaf. Er weiß, welche Mutterschafe beim Lammen bald Hilfe brauchen, welche Lämmer getragen werden müssen, weil sie für weite Strecken noch zu klein und zu schwach sind, und welche Schafe gerade erst krank oder verletzt gewesen sind. Auch die Schafe kennen ihren Hirten. Sie erkennen seine Stimme und würden sie nie mit der eines anderen Hirten verwechseln. Wenn der Hirte einen Warnruf von sich gibt oder sie antreibt, reagieren sie sofort. Sie folgen ihm, wohin er sie auch führt, und er weiß genau, wohin er sie führen muss. Er weiß, wo saftig grüne Weiden sind, wo frisches, klares Wasser fließt und wo die Herde in Sicherheit grasen kann. Die Schafe fühlen sich in der Obhut ihres Hirten sicher (Psalm 23).

      13 Sehnen wir uns nicht nach einer solchen Führung? Jesus, der gute Hirte, hat wie kein anderer bewiesen, dass er seine Nachfolger genau so behandelt. Er verspricht uns, uns jetzt schon den Weg zu einem glücklichen, zufriedenen Leben zu zeigen und uns dann in eine ewige Zukunft zu führen (Johannes 10:10, 11; Offenbarung 7:16, 17). Deshalb müssen wir wissen, was genau damit verbunden ist, Jesus nachzufolgen.

      Was es bedeutet, ein Nachfolger Christi zu sein

      14, 15. Warum reicht es nicht aus, sich als Christ zu bezeichnen oder eine gefühlsmäßige Bindung zu Jesus zu haben, wenn man Christi Nachfolger sein will?

      14 Viele Millionen Menschen heute denken wahrscheinlich, dass sie Christi Einladung angenommen haben. Schließlich nennen sie sich Christen. Vielleicht gehören sie der gleichen Kirche wie ihre Eltern an, weil sie als Kind getauft wurden. Oder sie sagen, sie hätten eine gefühlsmäßige Bindung zu Jesus aufgebaut und ihn als ihren Retter angenommen. Doch wird man dadurch zu einem Nachfolger Christi? Hatte Jesus das im Sinn, als er Menschen einlud, ihm nachzufolgen? Jesus nachzufolgen schließt viel mehr ein.

      15 Betrachten wir einmal die sogenannte christliche Welt – die Länder, in denen sich die meisten als Nachfolger Christi bezeichnen. Werden dort Jesu Lehren ausgelebt? Oder sehen wir in diesen Ländern nicht ziemlich viel Hass, Unterdrückung, Verbrechen und Ungerechtigkeit, sodass zum Rest der Welt kein großer Unterschied festzustellen ist?

      16, 17. Woran fehlt es Menschen oft, die nur dem Namen nach Christen sind, und was zeichnet echte Nachfolger Christi aus?

      16 Jesus sagte, seine wahren Nachfolger würden nicht nur an ihren Worten oder an einer Selbstbezeichnung, sondern in erster Linie an ihren Taten zu erkennen sein. Zum Beispiel erklärte er: „Nicht jeder, der zu mir sagt: ‚Herr, Herr!‘, wird in das Königreich des Himmels kommen, sondern nur, wer das tut, was mein Vater im Himmel will“ (Matthäus 7:21). Wie kommt es, dass so viele, die Jesus als ihren Herrn bezeichnen, den Willen seines Vaters nicht tun? Wie der junge Vorsteher lassen Menschen, die nur dem Namen nach Christen sind, allzu oft „eins“ vermissen: rückhaltlose Liebe zu Jesus und zu dem, der ihn ausgesandt hat.

      17 Wie kann das sein? Behaupten nicht auch Millionen Menschen in der Christenheit, sie würden Christus lieben? Durchaus, aber die Liebe zu Jesus und zu Jehova erschöpft sich bei Weitem nicht in Worten. Jesus sagte: „Wer mich liebt, wird sich an meine Worte halten“ (Johannes 14:23). In seiner Rolle als Hirte sagte er: „Meine Schafe hören auf meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir“ (Johannes 10:27). Der eigentliche Prüfstein unserer Liebe zu Christus sind also nicht nur Worte oder Gefühle, sondern in erster Linie Taten.

      18, 19. (a) Wie sollte es sich auf uns auswirken, Jesus immer besser kennenzulernen? (b) Welchen Zweck hat dieses Buch, und wie nützt es denen, die sich schon länger als Nachfolger Christi betrachten?

      18 Taten kommen nicht einfach so aus dem Nichts. Sie spiegeln unser Inneres wider. Und genau da müssen wir ansetzen. Jesus sagte: „Das bedeutet ewiges Leben: dich, den allein wahren Gott, kennenzulernen und auch den, den du gesandt hast, Jesus Christus“ (Johannes 17:3). Wenn wir möglichst viel über Jesus kennenlernen und intensiv darüber nachdenken, dann wird unser Herz berührt. Dadurch wächst unsere Liebe zu Jesus und der Wunsch, ihm Tag für Tag nachzufolgen.

      19 Damit kommen wir zum Zweck dieses Buches. Es soll keine vollständige Abhandlung über Jesu Leben und Dienst sein, sondern es soll uns helfen, deutlicher zu erkennen, wie wir dem Christus nachfolgen können.b Es soll uns eine Hilfe sein, uns die Bibel wie einen Spiegel vorzuhalten und uns zu fragen: „Folge ich Jesus wirklich nach?“ (Jakobus 1:23-25). Vielleicht betrachtest du dich schon länger als ein Schaf, das der Führung des guten Hirten folgt. Doch gibt es nicht immer noch etwas zu verbessern? Die Bibel sagt: „Prüft immer wieder, ob ihr im Glauben seid. Bewährt euch immer wieder“ (2. Korinther 13:5). Es ist wirklich alle Mühe wert, genau darauf zu achten, dass wir der Führung unseres liebevollen, guten Hirten, Jesus, folgen, den Jehova persönlich zu diesem Zweck eingesetzt hat.

      20. Worum geht es im nächsten Kapitel?

      20 Das Studium dieses Buches soll deine Liebe zu Jesus und zu Jehova vertiefen. Wenn du dich von dieser Liebe leiten lässt, findest du in der heutigen alten Welt das größtmögliche Maß an Frieden und Zufriedenheit, und in der neuen Welt wirst du Jehova ewig dafür preisen können, dass er einen so guten Hirten eingesetzt hat. Da eine eingehende Betrachtung der Person Jesu das richtige Verständnis über seine Rolle in Gottes Vorhaben voraussetzt, werden wir uns in Kapitel 2 zunächst einmal damit befassen.

  • „Der Weg und die Wahrheit und das Leben“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL ZWEI

      „Der Weg und die Wahrheit und das Leben“

      Jesus geht auf einem Weg und Menschen folgen ihm freudestrahlend nach.

      „Folge mir nach“

      1, 2. Warum können wir den Weg zu Gott niemals allein finden, und wie hilft uns Jesus Christus weiter?

      HAST du dich schon einmal verfahren? Vielleicht bist du auf dem Weg zu einem Freund oder einem Verwandten auf eine unbekannte Straße gekommen und wusstest nicht mehr weiter. Irgendwann hast du womöglich angehalten und nach dem Weg gefragt. Stell dir vor, jemand würde dir in einer solchen Situation nicht nur beschreiben, wie du fahren musst, sondern hilfsbereit sagen: „Kommen Sie. Ich bring Sie hin.“ Würde dir da nicht ein Stein vom Herzen fallen?

      2 Jesus Christus tut gewissermaßen etwas Ähnliches für uns. Wir könnten den Weg zu Gott nie allein finden. Wegen der ererbten Sünde und der Unvollkommenheit ist die Menschenwelt vom richtigen Weg abgekommen, ihr ist „das Leben, das Gott gehört … fremd“ (Epheser 4:17, 18). Wir brauchen jemand, der uns weiterhilft. Jesus, unser Vorbild, gibt uns nicht nur hilfsbereit Rat und weist uns die Richtung, sondern lädt jeden von uns, wie wir in Kapitel 1 gesehen haben, sogar ein: „Komm, folge mir nach!“ (Markus 10:21). Zudem liefert er uns überzeugende Gründe, seine Einladung anzunehmen. Bei einer Gelegenheit sagte er: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Johannes 14:6). Sehen wir uns einmal an, warum wir nur durch den Sohn zum Vater kommen können. Darauf aufbauend werden wir dann der Frage nachgehen, inwiefern Jesus tatsächlich „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ ist.

      Eine Schlüsselstellung in Jehovas Vorhaben

      3. Warum können wir nur durch Jesus zu Gott kommen?

      3 Wir können vor allem deshalb nur durch Jesus zu Gott kommen, weil Jehova es für angebracht hielt, seinem Sohn die wichtigste Rolle überhaupt zu übertragen.a Er hat Jesus zur Haupt- oder Schlüsselfigur bei der Umsetzung all dessen gemacht, was er sich vorgenommen hat (2. Korinther 1:20; Kolosser 1:18-20). Um diese wichtige Rolle zu verstehen, müssen wir wissen, was im Garten Eden geschah, als sich das erste Menschenpaar Satans Rebellion gegen Jehova anschloss (1. Mose 2:16, 17; 3:1-6).

      4. Welche Streitfrage wurde durch die Rebellion in Eden aufgeworfen, und wie sollte sie geklärt werden?

      4 Durch die Rebellion in Eden wurde eine Streitfrage von universeller Bedeutung aufgeworfen: Ist derjenige, der den Namen Jehova trägt, bei allem, was er tut, heilig, gut, gerecht und liebevoll? Damit diese wichtige Frage geklärt würde, entschied Jehova, einen vollkommenen Geistsohn auf die Erde zu schicken. Der Auftrag hätte nicht gewichtiger sein können: Dieser Sohn sollte sein Leben geben, um den Namen seines Vaters zu heiligen und um als Lösegeld zur Rettung der Menschheit zu dienen. Durch seine Treue bis in den Tod würde es dieser auserwählte Sohn möglich machen, sämtliche durch Satans Rebellion entstandenen Probleme zu lösen (Hebräer 2:14, 15; 1. Johannes 3:8). Jehova hatte nun aber viele Millionen vollkommener Geistsöhne (Daniel 7:9, 10). Welchen wählte er für diese so wichtige Aufgabe aus? Es war sein „einziggezeugter Sohn“, der später als Jesus Christus bekannt wurde (Johannes 3:16).

      5, 6. Wie zeigte Jehova, dass er auf seinen Sohn vertraute, und worauf gründete sich dieses Vertrauen?

      5 Sollte uns Jehovas Wahl überraschen? Durchaus nicht! Der Vater hatte größtes Vertrauen zu seinem einziggezeugten Sohn. Jahrhunderte bevor Jesus auf die Erde kam, sagte Jehova voraus, dass sein Sohn trotz aller Arten von Leid treu bleiben würde (Jesaja 53:3-7, 10-12; Apostel­geschichte 8:32-35). Überlegen wir einmal, was das bedeutet. Gottes Sohn besaß wie alle anderen vernunftbegabten Geschöpfe Willensfreiheit, konnte also eigene Entscheidungen treffen. Doch Jehova vertraute so sehr auf ihn, dass er seine Treue voraussagte. Worauf gründete sich dieses Vertrauen? Kurz gesagt auf gute Kenntnis. Jehova kennt seinen Sohn ganz genau und weiß, wie viel Jesus daran liegt, seinem Vater zu gefallen (Johannes 8:29; 14:31). Jesus liebt seinen Vater und Jehova wiederum liebt seinen Sohn (Johannes 3:35). Diese gegenseitige Liebe bildet ein unzerstörbares Band der Einheit und des Vertrauens zwischen den beiden (Kolosser 3:14).

      6 Wenn man bedenkt, welche wichtige Rolle Jesus spielt, was für ein Vertrauen sein Vater in ihn setzt und welche Liebe Vater und Sohn verbindet, ist es nicht verwunderlich, dass wir nur durch Jesus zu Gott kommen können. Es gibt jedoch noch einen anderen Grund, warum nur der Sohn uns zum Vater führen kann.

      Nur der Sohn „kennt den Vater voll und ganz“

      7, 8. Warum konnte Jesus zu Recht sagen, dass „nur der Sohn“ den Vater voll und ganz kennt?

      7 Eine Freundschaft mit Jehova ist nur unter bestimmten Bedingungen möglich (Psalm 15:1-5). Wer könnte besser wissen als Jesus, wie man Gottes Maßstäbe erfüllen und Gott gefallen kann? Jesus sagte: „Mir wurde alles von meinem Vater übergeben. Niemand kennt den Sohn voll und ganz, nur der Vater, und niemand kennt den Vater voll und ganz, nur der Sohn und jeder, dem der Sohn ihn offenbaren möchte“ (Matthäus 11:27). Sehen wir uns einmal an, warum Jesus zu Recht und ohne Übertreibung sagen konnte, dass „nur der Sohn“ den Vater voll und ganz kennt.

      8 Als „der Erstgeborene der gesamten Schöpfung“ ist Jesus mit Jehova besonders gut vertraut (Kolosser 1:15). Stellen wir uns vor, was für ein enges Vater-Sohn-Verhältnis sich zwischen ihnen entwickelt haben muss, waren sie doch von Anfang der Schöpfung bis zur Erschaffung anderer Geistgeschöpfe unvorstellbar lange Zeit miteinander allein (Johannes 1:3; Kolosser 1:16, 17). Überlegen wir einmal, wie bereichernd es für Jesus gewesen sein muss, an der Seite seines Vaters zu sein und Jehovas Gedanken, seinen Willen, seine Maßstäbe und seine Wege kennenzulernen. Man kann wirklich mit Fug und Recht sagen, dass niemand Jehova so gut kennt wie Jesus. Deshalb konnte er wie kein anderer die Menschen mit seinem Vater vertraut machen.

      9, 10. (a) Auf welche Weise offenbarte Jesus die Persönlichkeit seines Vaters? (b) Was müssen wir tun, um Jehova zu gefallen?

      9 An Jesu Lehren war zu erkennen, dass er genau wusste, wie Jehova denkt und fühlt und was er von seinen Anbetern erwartet.b Doch Jesus offenbarte die Persönlichkeit seines Vaters noch auf eine andere ganz besondere Weise. Er sagte: „Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen“ (Johannes 14:9). Jesus ahmte seinen Vater in allem, was er sagte und tat, vollkommen nach. Wenn wir also in der Bibel etwas über Jesus lesen – zum Beispiel wie wirkungsvoll und gewinnend er lehrte, wie er aus Mitleid Kranke heilte oder aus Mitgefühl Tränen vergoss –, dann können wir davon ausgehen, dass Jehova dasselbe gesagt und getan hätte (Matthäus 7:28, 29; Markus 1:40-42; Johannes 11:32-36). Die Wege und der Wille Jehovas spiegeln sich in den Worten und Taten seines Sohnes auf vollkommene Weise wider (Johannes 5:19; 8:28; 12:49, 50). Um Jehova zu gefallen, müssen wir daher Jesu Lehren beachten und seinem Beispiel folgen (Johannes 14:23).

      10 Da Jesus seinen Vater bestens kennt und ihn vollkommen nachahmt, überrascht es nicht, dass Jehova uns nur durch seinen Sohn zu sich kommen lässt. Mit diesem Gedanken im Sinn wollen wir nun der Frage nachgehen, was Jesus meinte, als er sagte: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Johannes 14:6).

      „Ich bin der Weg“

      11. (a) Warum können wir nur durch Jesus das richtige Verhältnis zu Gott aufbauen? (b) Wie wird in Johannes 14:6 die Einzigartigkeit der Stellung Jesu betont? (Siehe Fußnote.)

      11 Wir haben bereits erfahren, dass wir nur durch Jesus zu Gott kommen können. Befassen wir uns nun damit, was das für uns konkret bedeutet. Jesus ist insofern „der Weg“, als wir nur durch ihn das richtige Verhältnis zu Gott aufbauen können. Weshalb ist das so? Durch seine Treue bis in den Tod konnte Jesus sein Leben als Lösegeld geben (Matthäus 20:28). Ohne dieses Lösegeld bliebe uns der Zutritt zu Gott versperrt. Da Jehova heilig ist und somit Sünde niemals billigen kann, bildet die Sünde eine Schranke zwischen ihm und den Menschen (Jesaja 6:3; 59:2). Durch das Opfer Jesu wurde diese Schranke jedoch entfernt; es bot die nötige Deckung – oder Sühne – für die Sünde (Hebräer 10:12; 1. Johannes 1:7). Wenn wir all das annehmen, wofür Gott durch Christus gesorgt hat, und daran glauben, können wir Jehovas Gunst erlangen. Es gibt einfach keinen anderen Weg, „mit Gott … versöhnt“ zu werden (Römer 5:6-11).c

      12. In welcherlei Hinsicht ist Jesus „der Weg“?

      12 Jesus ist „der Weg“, was das Gebet betrifft. Nur durch ihn können wir uns im Gebet an Jehova wenden und sicher sein, dass unsere aufrichtigen Bitten erhört werden (1. Johannes 5:13, 14). Jesus sagte: „Wenn ihr den Vater um irgendetwas bittet, wird er es euch in meinem Namen geben. … Bittet und ihr werdet es bekommen, damit eure Freude vollkommen wird“ (Johannes 16:23, 24). Wir dürfen passenderweise im Namen Jesu zu Jehova beten und „unser Vater“ zu ihm sagen (Matthäus 6:9). Jesus ist noch in anderer Hinsicht „der Weg“, und zwar durch sein Beispiel. Wie schon erwähnt, ahmte er seinen Vater auf vollkommene Weise nach. Er kann uns also zeigen, wie wir leben müssen, um Jehova Freude zu bereiten. Wenn wir Jehova näherkommen wollen, müssen wir Jesu Fußspuren genau folgen (1. Petrus 2:21).

      „Ich bin … die Wahrheit“

      13, 14. (a) Inwiefern entsprach alles, was Jesus sagte, der Wahrheit? (b) Was musste Jesus tun, um „die Wahrheit“ zu sein, und warum?

      13 Alles, was Jesus über das prophetische Wort seines Vaters sagte, entsprach der Wahrheit (Johannes 8:40, 45, 46). Aus seinem Mund kam „kein betrügerisches Wort“ (1. Petrus 2:22). Sogar seine Gegner bestätigten, dass er wahrheitsgetreu lehrte, „wie man nach dem Willen Gottes leben soll“ (Markus 12:13, 14). Doch als Jesus sagte: „Ich bin … die Wahrheit“, meinte er nicht nur, dass er die Wahrheit durch sein Reden, sein Predigen und sein Lehren bekannt machte. Es ging um viel mehr als nur um Worte.

      14 Wie wir wissen, hatte Jehova Jahrhunderte im Voraus durch Bibelschreiber eine Vielzahl von Prophezeiungen über den Messias (Christus) aufschreiben lassen. Sie nannten Einzelheiten über sein Leben, seinen Dienst und seinen Tod. Außerdem enthielt das mosaische Gesetz sogenannte Schatten, das heißt prophetische Vorbilder, die auf den Messias vorauswiesen (Hebräer 10:1). Würde Jesus bis in den Tod treu bleiben und alle diese Prophezeiungen erfüllen? Nur dann würde sich Jehova als der Gott wahrer Prophetie erweisen. Diese enorme Last lag auf Jesu Schultern. Jesus ließ durch sein ganzes Leben – durch alles, was er sagte und tat – die prophetischen Vorbilder Wahrheit werden (2. Korinther 1:20). Er war „die Wahrheit“. Die Wahrheit des prophetischen Wortes Jehovas kam sozusagen in der Person Jesu (Johannes 1:17; Kolosser 2:16, 17).

      „Ich bin … das Leben“

      15. Was bedeutet es, an den Sohn zu glauben, und wozu kann dieser Glaube führen?

      15 Jesus ist insofern „das Leben“, als wir nur durch ihn Leben erlangen können, und zwar „das wirkliche Leben“ (1. Timotheus 6:19). In der Bibel heißt es: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben. Wer dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm“ (Johannes 3:36). Was bedeutet es, an den Sohn Gottes zu glauben? Es bedeutet, überzeugt zu sein, dass ohne ihn kein ewiges Leben möglich wäre. Mehr noch, es bedeutet, dass wir unseren Glauben durch Taten zum Ausdruck bringen, weiter von Jesus lernen und seinen Lehren sowie seinem Beispiel nach besten Kräften folgen (Jakobus 2:26). An Gottes Sohn zu glauben führt also zu ewigem Leben – zu unvergänglichem, geistigem Leben im Himmel für eine „kleine Herde“ geistgesalbter Christen und zu vollkommenem Leben auf einer paradiesischen Erde für „eine große Volksmenge“ von „anderen Schafen“ (Lukas 12:32; 23:43; Offenbarung 7:9-17; Johannes 10:16).

      16, 17. (a) Wie wird sich Jesus sogar für die Verstorbenen als „das Leben“ erweisen? (b) Wessen können wir sicher sein?

      16 Was ist mit den Menschen, die bereits gestorben sind? Auch für sie ist Jesus „das Leben“. Kurz bevor er seinen Freund Lazarus von den Toten auferweckte, sagte Jesus zu Martha, der Schwester des Verstorbenen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird zum Leben kommen, auch wenn er stirbt“ (Johannes 11:25). Jehova hat seinem Sohn „die Schlüssel des Todes und des Grabes“ anvertraut und ihm die Macht gegeben, Tote aufzuerwecken (Offenbarung 1:17, 18). Mit diesen Schlüsseln wird der verherrlichte Jesus die Tore des Grabes aufschließen und alle, die darin gefangen gehalten werden, befreien (Johannes 5:28, 29).

      17 „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ – mit dieser einfachen Aussage fasste Jesus den Zweck seines Lebens und Dienstes auf der Erde zusammen. Diese Worte sind für uns von großer Bedeutung. Bedenken wir, dass Jesus gleich anschließend sagte: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Johannes 14:6). Jesu Worte sind heute noch so wichtig wie damals. Wir können daher absolut darauf vertrauen, dass wir, wenn wir Jesus nachfolgen, immer auf dem richtigen Weg sind. Er, nur er allein, kann uns den Weg „zum Vater“ zeigen.

      Wie wirst du reagieren?

      18. Womit ist echte Nachfolge Christi verbunden?

      18 Da Jesus eine so wichtige Rolle spielt und seinen Vater so gut kennt, haben wir allen Grund, ihm nachzufolgen. Wie wir im vorigen Kapitel gesehen haben, ist das mit Worten oder Gefühlen allein nicht getan, sondern es erfordert auch Taten. Dem Christus nachzufolgen bedeutet, nach seinem Vorbild und seinen Lehren zu leben (Johannes 13:15). Das vorliegende Studien­hilfsmittel soll dabei eine Hilfe sein.

      19, 20. Was enthält das vorliegende Studien­hilfsmittel, um uns zu helfen, Christus nachzufolgen?

      19 In den nachfolgenden Kapiteln werden wir ausführlich auf Jesu Leben und Dienst eingehen. Die Kapitel sind in drei Abschnitte gegliedert. Der erste Abschnitt gibt uns einen Überblick über Jesu Eigenschaften und Handlungsweisen. Im zweiten geht es um das Beispiel, das er als eifriger Prediger und Lehrer gab. Und im dritten Abschnitt erfahren wir, wie Jesus Liebe zeigte. Ab Kapitel 3 erscheint jeweils ein Kasten mit der Überschrift „Wie können wir Jesus nachfolgen?“. Er enthält Bibeltexte und Fragen zum Nachdenken, die uns helfen sollen, Jesus in Wort und Tat nachzuahmen.

      20 Wir haben es Jehova Gott zu verdanken, dass wir als Einzelne nicht aufgrund der ererbten Sünde verloren oder von ihm entfremdet sein müssen. Jehova hat aus Liebe und unter großen persönlichen Opfern seinen Sohn gesandt, um uns zu zeigen, wie wir ein gutes Verhältnis zu ihm aufbauen können (1. Johannes 4:9, 10). Lassen wir uns von Jehovas tiefer Liebe motivieren, ja fühlen wir uns von Herzen gedrängt, sie zu erwidern, indem wir die Einladung Jesu annehmen, der sagte: „Folge mir nach“ (Johannes 1:43).

      a Gottes Sohn spielt eine so wichtige Rolle, dass ihm in der Bibel mehrere prophetische Namen und Titel gegeben werden. (Siehe den Kasten „Einige Titel von Jesus Christus“.)

      b Siehe zum Beispiel die Worte Jesu in Matthäus 10:29-31; 18:12-14, 21-35; 22:36-40.

      c Die einzigartige Stellung Jesu wird in Johannes 14:6 durch die Verwendung des Personalpronomens „ich“ zusammen mit dem bestimmten Artikel „der“ betont. Jesus ist „der Weg“, er ist der Einzige, durch den wir zum Vater kommen können.

      Einige Titel von Jesus Christus

      Der Amen (Bedeutung: „so soll es sein“ oder „gewiss“). Durch Jesus werden Gottes Verheißungen mit absoluter Sicherheit wahr (2. Korinther 1:19, 20).

      Ewigvater. Jehova hat Jesus die Macht und die Autorität verliehen, den Menschen Vollkommenheit und ewiges Leben auf der Erde in Aussicht zu stellen (Jesaja 9:6).

      Hoher Priester. Jesus kann uns von der Sünde reinigen und von ihren todbringenden Folgen befreien (Hebräer 3:1; 9:13, 14, 25, 26).

      König der Könige. Als von Jehova eingesetzter himmlischer König ist Jesus viel mächtiger als jeder irdische Herrscher (Offenbarung 17:14).

      Friedensfürst. Als Herrscher in Gottes Königreich wird Jesus der ganzen Erde endlosen Frieden bringen (Jesaja 9:6).

      Wunderbarer Ratgeber. Der Rat Jesu ist vollkommen und immer anwendbar. Ihn zu befolgen führt zur Rettung (Jesaja 9:6; Johannes 6:68).

      Das Wort. Jesus ist Jehovas Wortführer (Johannes 1:1).

  • „Ich … bin von Herzen demütig“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL DREI

      „Ich … bin von Herzen demütig“

      Jesus reitet auf einem jungen Esel. Menschen am Wegesrand rufen ihm zu und winken mit Palmwedeln. Andere breiten Palmwedel und ihre Obergewänder auf dem Weg aus.

      „Sieh nur! Dein König kommt zu dir“

      1-3. Wie zieht Jesus in Jerusalem ein, und warum sind manche Zuschauer wahrscheinlich verwundert?

      JERUSALEM ist in heller Aufregung. Ein bedeutender Mann wird erwartet! Vor der Stadt versammeln sich Menschen an der Straße. Sie wollen diesen Mann unbedingt willkommen heißen, denn man sagt, er soll ein Erbe König Davids und der rechtmäßige Herrscher Israels sein. Etliche haben Palmwedel zur Begrüßung mitgebracht, andere legen Kleider oder Zweige auf dem Weg aus (Matthäus 21:7, 8; Johannes 12:12, 13). Bestimmt sind viele auf den Einzug dieses Mannes gespannt.

      2 Manche erwarten wahrscheinlich ein beeindruckendes Spektakel, wie sie es von anderen Persönlichkeiten her kennen. Davids Sohn Absalom zum Beispiel, der sich einst zum König ausrufen ließ, fuhr auf einem Wagen, vor dem 50 Männer herliefen (2. Samuel 15:1, 10). Der römische Herrscher Julius Cäsar setzte sich noch mehr in Szene; er zog einmal, flankiert von 40 Lampen tragenden Elefanten, an der Spitze eines Triumphzugs zum Kapitol in Rom. Der Mann, der jetzt in Jerusalem erwartet wird, ist jedoch viel bedeutender. Ob die Zuschauermenge sich dessen bewusst ist oder nicht, er ist der Messias, der größte Mensch, der je lebte. Als sie den künftigen König kommen sehen, sind manche wahrscheinlich verwundert.

      3 Kein Wagen, keine Läufer, keine Pferde und schon gar keine Elefanten. Jesus kommt auf einem einfachen Lasttier – einem Esel – angeritten.a Weder er noch sein Reittier ist besonders herausgeputzt. Er sitzt nicht auf einem teuren Sattel, sondern auf Kleidern, die seine Jünger über den Rücken des Tieres gelegt haben. Warum zieht Jesus bewusst so bescheiden in Jerusalem ein, wo doch viel unbedeutendere Männer viel größeren Aufwand betrieben haben?

      4. Was wurde in der Bibel über den Einzug des messianischen Königs in Jerusalem vorausgesagt?

      4 An Jesus erfüllt sich eine Prophezeiung, die lautet: „Sei überglücklich … Brich in Triumphgeschrei aus, Tochter Jerusalem. Sieh nur! Dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und bringt Rettung, ist demütig und reitet auf einem Esel“ (Sacharja 9:9). Gottes Gesalbter, der Messias, würde sich gemäß dieser Prophezeiung eines Tages in Jerusalem als der von Gott ernannte König offenbaren. Außerdem würde schon durch die Art seines Einzugs, einschließlich der Wahl seines Reittiers, eine hervorragende Eigenschaft bei ihm deutlich werden – Demut.

      5. Warum geht Jesu Demut so zu Herzen, und warum müssen wir unbedingt lernen, Jesus in dieser Hinsicht nachzuahmen?

      5 Demut gehört zu den ansprechendsten Eigenschaften Jesu. Über seine Demut nachzudenken geht richtig zu Herzen. Wie im vorigen Kapitel gezeigt wurde, ist allein Jesus „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14:6). Keiner der vielen Milliarden Menschen, die je gelebt haben, war auch nur annähernd so bedeutend wie Gottes Sohn. Trotzdem fand sich in ihm nicht die geringste Spur von dem Stolz, der Überheblichkeit oder der Wichtigtuerei, die bei unvollkommenen Menschen so oft zu beobachten sind. Um Nachfolger Christi zu sein, dürfen wir uns nicht zu unangebrachtem Stolz hinreißen lassen (Jakobus 4:6). Vergessen wir nicht: Jehova hasst Hochmut. Deswegen müssen wir unbedingt lernen, Jesu Demut nachzuahmen.

      Eine lange Geschichte der Demut

      6. Was ist Demut, und woher wusste Jehova, dass der Messias demütig sein würde?

      6 Demut ist das Freisein von Überheblichkeit oder Stolz. Es ist eine Eigenschaft, die im Herzen wurzelt und im Reden, im Verhalten und im Umgang mit anderen zum Ausdruck kommt. Woher wusste Jehova, dass der Messias demütig sein würde? Er wusste es, weil Jesus seine – Gottes – Demut auf vollkommene Weise widerspiegelte (Johannes 10:15). Außerdem hatte Jehova gesehen, wie sein Sohn bereits Demut bewiesen hatte. Bei welcher Gelegenheit?

      7-9. (a) Wie bewies Michael bei einer Konfrontation mit Satan Demut? (b) Wie können sich Christen an Michaels Demut ein Beispiel nehmen?

      7 Eine interessante Begebenheit wird im Judasbrief geschildert: „Als … [der Erzengel Michael] eine Auseinander­setzung mit dem Teufel hatte und sich mit ihm um den Körper von Moses stritt, wagte er es nicht, mit abfälligen Worten ein Urteil über ihn zu sprechen, sondern sagte: ‚Jehova soll dich in die Schranken weisen‘“ (Judas 9). Michael ist ein anderer Name für Jesus in seiner Rolle als Erzengel oder oberster Engel der himmlischen Engelheere Jehovas vor und nach seinem Leben auf der Erde (1. Thessalonicher 4:16).b Es ist bemerkenswert, wie sich Michael bei dieser Konfrontation mit Satan verhielt.

      8 Judas berichtet zwar nicht, was der Teufel mit Moses’ Leichnam vorhatte, aber es war bestimmt nichts Gutes. Vielleicht wollte er den Körper dieses treuen Mannes missbrauchen, um die falsche Anbetung zu fördern. Michael widerstand Satans boshaftem Ansinnen mit bewundernswerter Beherrschung. Satan hatte bestimmt eine Rüge verdient, doch Michael, dem zu jener Zeit noch nicht „die gesamte Rechtsprechung“ übergeben worden war, wollte Jehova Gott richten lassen (Johannes 5:22). Obwohl Michael als Erzengel weitreichende Autorität besaß, hielt er sich demütig zurück und versuchte nicht, irgendwelche Befugnisse an sich zu reißen. Dadurch bewies er außer Demut auch Bescheidenheit; er war sich seiner Grenzen bewusst.

      9 Judas wurde nicht ohne Grund inspiriert, diesen Vorfall aufzuschreiben. Es gab zu seiner Zeit einige Christen, die leider nicht demütig waren. Hochmütig redeten sie abfällig über alles, wovon sie eigentlich nichts verstanden (Judas 10). Wie schnell kann es uns unvollkommenen Menschen doch passieren, dass uns unangebrachter Stolz überkommt! Wie reagieren wir zum Beispiel, falls uns eine – vielleicht von den Ältesten beschlossene – Vorgehensweise in der Versammlung unverständlich ist? Würde es nicht mangelnde Demut verraten, wenn wir uns negativ oder kritisch darüber äußern würden, obwohl uns nicht alle Hintergründe bekannt sein können? Nehmen wir uns doch ein Beispiel an Michael, das heißt Jesus, und urteilen wir nicht, wenn wir von Gott keine Befugnis dazu haben.

      10, 11. (a) Was ist bemerkenswert daran, dass Gottes Sohn bereitwillig auf die Erde kam? (b) Wie könnten wir Jesu Demut nachahmen?

      10 Gottes Sohn bewies auch dadurch Demut, dass er bereitwillig auf die Erde kam. Dafür musste er viel aufgeben. Er war der Erzengel. Er war „das Wort“, das heißt der Wortführer Jehovas (Johannes 1:1-3). Und er lebte im Himmel, Jehovas „erhabenem Wohnsitz der Heiligkeit und Herrlichkeit“ (Jesaja 63:15). Trotzdem „gab … [er] alles auf, was er hatte, nahm Sklavengestalt an und wurde Mensch“ (Philipper 2:7). Überlegen wir einmal, was das für ihn bedeutete! Sein Leben wurde in den Mutterschoß einer jüdischen Jungfrau übertragen. Nach neun Monaten kam er als hilfloser Säugling in der Familie eines armen Zimmermanns zur Welt. Dann wurde er als Baby und Kleinkind versorgt und wuchs zum Jugendlichen heran. Obwohl selbst vollkommen, ordnete er sich als Kind und Jugendlicher seinen unvollkommenen Eltern immer unter (Lukas 2:40, 51, 52). Was für eine Demut!

      11 Können wir Jesu Demut nachahmen, indem wir bereit sind, auch weniger angesehene Aufgaben auszuführen? Manche finden es vielleicht erniedrigend, die gute Botschaft von Gottes Königreich zu verkünden, wenn die Menschen gleichgültig, spöttisch oder gegnerisch reagieren (Matthäus 28:19, 20). Doch wenn wir beharrlich weiterpredigen, können wir helfen, Menschenleben zu retten. Auf jeden Fall lernen wir eine Menge über Demut und wir treten in die Fußspuren unseres Herrn, Jesus Christus.

      Jesu Demut als Mensch

      12-14. (a) Wie zeigte sich Jesu Demut, wenn er von Menschen gelobt wurde? (b) Inwiefern war Jesus im Umgang mit anderen demütig? (c) Woran zeigt sich, dass Jesu Demut keine Formsache oder Frage des guten Benehmens war?

      12 Jesu Dienst auf der Erde war durchweg von Demut geprägt. Das zeigte sich darin, dass er Lobpreis und Ehre stets an seinen Vater weitergab. Wenn er wegen seiner Weisheit, seiner eindrucksvollen Wunder, ja sogar wenn er wegen seines guten Charakters gelobt wurde, lenkte er immer von sich ab und gab alle Ehre an Jehova weiter (Markus 10:17, 18; Johannes 7:15, 16).

      13 Jesus war auch gegenüber den Menschen, mit denen er zu tun hatte, demütig. Er sagte ausdrücklich, dass er nicht auf die Erde gekommen war, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (Matthäus 20:28). Seine Demut zeigte sich in seinem sanften, überlegten Umgang mit anderen. Als ihn seine Nachfolger enttäuschten, wies er sie nicht schroff zurecht, sondern versuchte weiterhin, ihr Herz anzusprechen (Matthäus 26:39-41). Als ihm die Menschen ständig nachliefen und ihm keine Ruhe gönnten, schickte er sie nicht weg, sondern schenkte ihnen seine Kraft und Zeit, indem er sie vieles lehrte (Markus 6:30-34). Und als eine Nichtisraelitin ihn immer wieder inständig bat, ihre Tochter zu heilen, gab er ihr zunächst zu verstehen, dass er nicht dazu bereit sei. Er wies sie aber nicht ärgerlich ab. Wie wir in Kapitel 14 sehen werden, kam er der Bitte dieser Frau in Anbetracht ihres großen Glaubens schließlich nach (Matthäus 15:22-28).

      14 Jesus lebte auf vielfältige Weise die Worte aus: „Ich habe ein mildes Wesen und bin von Herzen demütig“ (Matthäus 11:29). Seine Demut war nicht oberflächlich, keine reine Formsache oder Frage des guten Benehmens. Sie kam von Herzen, aus seinem tiefsten Innern. Kein Wunder, dass ihm so viel daran lag, seine Nachfolger ebenfalls Demut zu lehren!

      Er lehrte seine Nachfolger, demütig zu sein

      15, 16. Welchen Unterschied zwischen der Einstellung weltlicher Herrscher und der Einstellung, die seine Nachfolger entwickeln mussten, hob Jesus hervor?

      15 Die Apostel lernten Demut nur langsam. Jesus musste immer wieder versuchen, ihr Herz anzusprechen. Als Jakobus und Johannes einmal ihre Mutter vorschickten, um sich bei Jesus eine hohe Stellung im Königreich Gottes sichern zu lassen, antwortete Jesus bescheiden: „Die Plätze rechts und links von mir habe ich nicht zu vergeben. Sie stehen denen zu, die mein Vater dafür vorgesehen hat.“ Die zehn anderen Apostel ärgerten sich über Jakobus und Johannes (Matthäus 20:20-24). Wie verhielt sich Jesus?

      16 Er redete ihnen allen freundlich ins Gewissen, indem er sagte: „Ihr wisst ja, dass sich die Herrscher der Völker als Herren aufspielen und dass die Mächtigen das Volk ihre Macht spüren lassen. Unter euch darf das aber nicht so sein, sondern wer unter euch groß sein will, soll euer Diener sein, und wer unter euch an erster Stelle stehen will, soll euer Sklave sein“ (Matthäus 20:25-27). Die Apostel hatten wahrscheinlich gesehen, wie stolz, ehrgeizig und selbstsüchtig „die Herrscher der Völker“ sein konnten. Jesus erklärte ihnen, dass seine Nachfolger anders sein mussten als diese machtgierigen Tyrannen. Sie mussten demütig sein. Verstanden die Apostel das?

      17-19. (a) Welche einprägsame Lehre in Demut vermittelte Jesus den Aposteln am Abend vor seinem Tod? (b) Was war der eindrucksvollste Demutsbeweis Jesu auf Erden?

      17 Sie taten sich schwer. Es war nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass Jesus ihnen etwas über Demut beibrachte. Als sie sich schon vorher einmal gestritten hatten, wer von ihnen der Größte sei, hatte Jesus ein kleines Kind in ihre Mitte geholt und gesagt, sie sollten wie die Kinder werden, das heißt nicht so stolz, ehrgeizig und standesbewusst sein, wie das bei Erwachsenen oft der Fall ist (Matthäus 18:1-4). Am Abend vor seinem Tod musste Jesus feststellen, dass die Apostel immer noch mit Stolz zu kämpfen hatten. Da erteilte er ihnen eine sehr einprägsame Lehre. Er band sich ein Handtuch um und verrichtete eine äußerst niedrige Arbeit, etwas, das damals Diener gewöhnlich tun mussten, wenn Gäste kamen. Er wusch jedem seiner Apostel die Füße – auch Judas, der ihn wenig später verraten würde! (Johannes 13:1-11).

      18 Als Jesus damit fertig war, erklärte er: „Ich habe euch … ein Vorbild gegeben“ (Johannes 13:15). Hatten die Apostel die Lektion jetzt gelernt? Noch am selben Abend stritten sie erneut darüber, wer von ihnen als der Größte galt (Lukas 22:24-27). Jesus aber blieb geduldig und lehrte sie demütig weiter. Schließlich erteilte er ihnen die eindrucksvollste Lehre überhaupt: „[Er] demütigte … sich und wurde gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod an einem Marterpfahl“ (Philipper 2:8). Jesus war bereit, als vermeintlicher Verbrecher und Gotteslästerer einen entwürdigenden Tod zu sterben. Das machte ihn zu etwas Einzigartigem: Bei keinem anderen Geschöpf Jehovas kam Demut auf so vollkommene, auf so herausragende Weise zum Ausdruck wie bei ihm.

      19 Vielleicht war es dieser letzte Demutsbeweis Jesu auf Erden, der den treuen Aposteln die Bedeutung dieser Eigenschaft so unauslöschlich ins Herz einprägte. Wie die Bibel berichtet, waren sie noch nach Jahren und Jahrzehnten demütig tätig. Wie steht es mit uns?

      Werden wir Jesu Beispiel nachahmen?

      20. Woran ist zu erkennen, ob wir von Herzen demütig sind?

      20 Paulus gibt uns den Rat: „Behaltet diese innere Einstellung bei, die auch Christus Jesus hatte“ (Philipper 2:5). Wir müssen wie Jesus von Herzen demütig sein. Woher wissen wir, ob das der Fall ist? Paulus erinnert uns daran: „Tut nichts aus Streitsucht oder Egoismus, sondern achtet andere in Demut höher als euch selbst“ (Philipper 2:3). Ausschlaggebend ist also, wie wir andere im Verhältnis zu uns sehen. Wir müssen sie höher achten oder als wichtiger betrachten als uns selbst. Werden wir diesen Rat befolgen?

      21, 22. (a) Warum ist Demut für christliche Aufseher wichtig? (b) Woran zeigt sich, dass wir uns mit Demut „kleiden“?

      21 Noch Jahre nach Jesu Tod dachte der Apostel Petrus über die Wichtigkeit der Demut nach. Er mahnte christliche Aufseher, ihren Aufgaben demütig nachzukommen und sich nie als Herren über Jehovas Schafe aufzuspielen (1. Petrus 5:2, 3). Verantwortung ist kein Freibrief für Stolz. Ganz im Gegenteil, wenn jemand Verantwortung trägt, ist echte Demut sogar noch wichtiger (Lukas 12:48). Natürlich ist diese Eigenschaft nicht nur für Aufseher, sondern für alle Christen unerlässlich.

      22 Petrus hat bestimmt nie den Abend vergessen, an dem Jesus ihm – trotz Widerspruch – die Füße wusch (Johannes 13:6-10). Er gab Christen den Rat: „Ihr alle …, kleidet euch im Umgang miteinander mit Demut“ (1. Petrus 5:5). Der Ausdruck „sich kleiden“ kann auf einen Diener bezogen sein, der sich vor einer niedrigen Arbeit eine Schürze umbindet. Wenn man bedenkt, dass sich Jesus an jenem Abend wie ein Diener ein Handtuch umband, sich hinkniete und den Aposteln die Füße wusch, könnte da ein Auftrag von Gott für uns als Nachfolger Jesu unter unserer Würde sein? Echte, aufrichtige Demut sollte bei uns so sichtbar sein, als hätten wir sie uns wie ein Kleidungsstück angezogen.

      23, 24. (a) Warum sollten wir gegen jede Neigung zum Hochmut ankämpfen? (b) Welche falsche Auffassung über Demut wird durch das nächste Kapitel richtiggestellt?

      23 Hochmut ist wie Gift und kann verheerende Auswirkungen haben. Hochmut kann den begabtesten Menschen für Gott unbrauchbar machen. Durch Demut dagegen kann ein ganz unbedeutender Mensch für Jehova sehr wertvoll werden. Wenn wir tagtäglich an dieser wertvollen Eigenschaft arbeiten und uns anstrengen, den Fußspuren Christi demütig zu folgen, dann erwartet uns ein großartiger Lohn. Petrus schrieb: „Begebt euch … in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch zur gegebenen Zeit erhöht“ (1. Petrus 5:6). Jesus hat sich sehr weit erniedrigt und Jehova hat ihn dafür hoch erhöht. Unser Gott freut sich sehr, wenn er auch uns für unsere Demut belohnen kann.

      24 Leider wird Demut manchmal als Zeichen von Schwäche gedeutet. Das Beispiel Jesu zeigt, wie falsch diese Auffassung ist, denn er, der demütigste Mensch aller Zeiten, war gleichzeitig auch der mutigste. Um Jesu Mut geht es im nächsten Kapitel.

      a In einem Nachschlagewerk heißt es zu dieser Begebenheit, Esel seien „keine edlen Tiere“. Weiter wird gesagt: „Sie sind die Arbeitstiere der Armen, langsam, störrisch und nicht sonderlich schön.“

      b Weitere Beweise, dass mit Michael und Jesus dieselbe Person gemeint ist, enthält der Artikel „Wer ist der Erzengel Michael?“ unter der Rubrik „Antworten auf Fragen zur Bibel“ auf jw.org, der offiziellen Website von Jehovas Zeugen.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie kann uns Jesu Beispiel helfen, wenn wir versucht sind, mit Leistungen zu prahlen? (Matthäus 12:15-19; Markus 7:35-37).

      • Wie können wir Jesu Beispiel nachahmen, wenn es darum geht, Glaubensbrüdern und -schwestern demütig zu dienen? (Johannes 21:1-13).

      • Wie kann Jesu Beispiel jemandem helfen, der versucht ist, in der heutigen Welt nach Erfolg und Ansehen zu streben? (Johannes 6:14, 15).

  • „Der Löwe vom Stamm Juda“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL VIER

      „Der Löwe vom Stamm Juda“

      Jesus gibt sich einer wütenden Menschenmenge, darunter einige Soldaten, zu erkennen. Seine treuen Apostel beobachten das Ganze aus einiger Entfernung.

      „Ich bin es“

      1-3. In welche Gefahr gerät Jesus, und wie reagiert er?

      EINE aufgebrachte Menschenmenge ist auf der Suche nach Jesus. Mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet und in Begleitung von Soldaten, zieht die Menge wie von einem gemeinsamen bösen Willen getrieben durch die finsteren Straßen Jerusalems und das Kidrontal zum Ölberg. Obwohl Vollmond ist, haben die Leute Fackeln und Lampen dabei. Brauchen sie Licht, weil Wolken den Mond verdecken, oder glauben sie, dass sich ihr Opfer im Dunkeln verbirgt? Wir wissen es nicht, aber eines steht fest: Wer erwartet, dass sich Jesus aus Angst versteckt, kennt ihn schlecht.

      2 Jesus weiß, welche Gefahr ihm droht, doch er bleibt stehen und wartet. Die Menge kommt näher; Judas, ein ehemaliger vertrauter Freund, führt sie an. Eiskalt verrät er seinen früheren Herrn mit einem Gruß und einem Kuss. Jesus bleibt gefasst. Er tritt vor die Menge und fragt: „Wen sucht ihr?“ Sie antworten: „Jesus, den Nazarener.“

      3 Beim Anblick einer solchen bewaffneten Horde würde wahrscheinlich jeder andere in Panik geraten. Vielleicht erwarten die Leute das auch von Jesus. Aber er versteckt sich nicht, läuft nicht davon und stammelt auch keine Lügen, sondern sagt einfach: „Ich bin es.“ Jesus ist so ruhig und mutig, dass die Männer ganz irritiert sind. Sie weichen zurück und fallen zu Boden (Johannes 18:1-6; Matthäus 26:45-50; Markus 14:41-46).

      4-6. (a) Womit wird Gottes Sohn verglichen, und warum? (b) In welchen drei Bereichen bewies Jesus Mut?

      4 Wie konnte Jesus in dieser gefährlichen Lage derart gefasst und beherrscht bleiben? Er hatte ganz einfach Mut. Kaum eine Eigenschaft wird von einem Führer so sehr erwartet und kaum eine wird so sehr bewundert wie Mut; und doch hat kein Mensch Jesus diesbezüglich je erreicht, geschweige denn übertroffen. Im vorigen Kapitel haben wir gesehen, wie demütig und sanft Jesus war. Er wurde zu Recht „das Lamm“ genannt (Johannes 1:29). Jesu Mut gibt dagegen zu einer ganz anderen Beschreibung Anlass. Die Bibel nennt Gottes Sohn den „Löwen vom Stamm Juda“ (Offenbarung 5:5).

      5 Der Löwe wird oft als Sinnbild für Mut gebraucht. Hast du schon einmal vor einem ausgewachsenen Löwen gestanden? Wenn ja, dann wahrscheinlich in sicherem Abstand vor einem Löwengehege im Zoo. Aber selbst da kann einem angst und bange werden. Wenn man so ein großes, kräftiges Tier anschaut und seinem starren Blick begegnet, kann man sich kaum vorstellen, dass ein Löwe aus Angst vor irgendetwas davonlaufen würde. Die Bibel sagt, dass der Löwe „der Stärkste unter den Tieren“ ist und dass er „vor niemandem zurückweicht“ (Sprüche 30:30). Christus war mutig wie ein Löwe.

      6 Betrachten wir einmal, wie Jesus diesen Mut in folgenden drei Bereichen bewies: wenn er für die Wahrheit eintrat, wenn er für Gerechtigkeit einstand und wenn ihm Widerstand entgegenschlug. Wir werden auch feststellen, dass wir alle – ob von Natur aus mutig oder nicht – Jesu Mut nachahmen können.

      Er trat mutig für die Wahrheit ein

      7-9. (a) Was passierte, als Jesus 12 Jahre alt war, und was könnte einem in so einer Situation Angst einflößen? (b) Wie bewies Jesus Mut, als er unter den Lehrern im Tempel saß?

      7 In einer von Satan, dem „Vater der Lüge“, beherrschten Welt braucht man oft Mut, um für die Wahrheit einzutreten (Johannes 8:44; 14:30). Jesus zeigte schon als Kind großen Mut. Als er 12 Jahre alt war, verloren ihn seine Eltern, Maria und Joseph, nach dem Passahfest in Jerusalem aus den Augen. Drei Tage suchten sie verzweifelt nach dem Jungen, bis sie ihn schließlich im Tempel fanden. Was tat er dort? Die Bibel sagt, dass er „mitten unter den Lehrern saß, ihnen zuhörte und Fragen stellte“ (Lukas 2:41-50). Machen wir uns ein Bild von dieser Situation.

      8 Historiker berichten, dass nach den Festen gewöhnlich einige der bedeutendsten geistlichen Führer im Tempel blieben und dort im Bereich der geräumigen Vorhallen lehrten. Zu ihren Füßen saßen Leute, die ihnen zuhörten und Fragen stellten. Die religiösen Lehrer waren sehr gebildet. Sie waren Kenner des mosaischen Gesetzes sowie der unendlich vielen komplizierten Gesetze und Überlieferungen, die von Menschen im Lauf der Jahre hinzugefügt worden waren. Wie hättest du dich in ihrer Gegenwart gefühlt? Wärst du eingeschüchtert gewesen? Das wäre nur zu verständlich. Jetzt stell dir einmal vor, du wärst erst 12 Jahre alt. Viele Kinder und Jugendliche sind schüchtern (Jeremia 1:6). Manche wollen in der Schule um keinen Preis auffallen; sie fürchten sich, vor anderen etwas sagen zu müssen oder die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken; sie haben Angst, in Verlegenheit gebracht oder ausgelacht zu werden.

      9 Wie war das bei Jesus? Er saß mitten unter den Gelehrten und stellte ihnen mutig knifflige Fragen. Aber damit nicht genug. Die Bibel sagt: „Alle, die ihm zuhörten, staunten die ganze Zeit über sein Verständnis und seine Antworten“ (Lukas 2:47). In der Bibel steht nicht, was Jesus bei dieser Gelegenheit sagte, aber er hat bestimmt nicht einfach falsche Lehren wiedergegeben, die bei jenen Geistlichen beliebt waren (1. Petrus 2:22). Nein, Jesus trat für die Wahrheit aus Gottes Wort ein, und die Leute müssen erstaunt gewesen sein, wie klug und mutig dieser 12-Jährige war.

      Eine junge Schwester zeigt ihrer Lehrerin etwas in dem Buch „Gibt es einen Schöpfer, der an uns interessiert ist?“.

      Viele junge Christen sprechen mutig über ihren Glauben

      10. Wie ahmen junge Christen von heute Jesu Mut nach?

      10 Heute gibt es sehr viele junge Christen, die in Jesu Fußspuren treten. Natürlich sind sie nicht vollkommen wie Jesus, aber wie er setzen sie sich schon als Kinder und Jugendliche für die Wahrheit ein. In der Schule oder an ihrem Wohnort stellen sie anderen höflich Fragen, hören zu und sprechen respektvoll über die Wahrheit (1. Petrus 3:15). So konnten schon viele von ihnen Mitschülern, Lehrern, Nachbarn und anderen helfen, Nachfolger Christi zu werden. Wie muss sich Jehova über ihren Mut freuen! In der Bibel werden sie mit Tautropfen verglichen – erfrischend, angenehm und groß an Zahl (Psalm 110:3).

      11, 12. Wie bewies Jesus als Erwachsener beim Verteidigen der Wahrheit Mut?

      11 Als Erwachsener trat Jesus immer wieder mutig für die Wahrheit ein. Schon gleich zu Beginn seines Dienstes auf der Erde kam es zu einer geradezu furchterregenden Konfrontation. Nicht als mächtiger Erzengel, sondern als ein Mensch aus Fleisch und Blut bekam er es mit dem stärksten und gefährlichsten Feind Jehovas zu tun – mit Satan. Jesus wies den Teufel entschieden ab und ließ nicht zu, dass die inspirierten Schriften falsch angewandt wurden. Er beendete die Begegnung mit einem entschiedenen „Geh weg, Satan!“ (Matthäus 4:2-11).

      12 Damit setzte Jesus den Maßstab für seine künftige Tätigkeit: Er würde das Wort seines Vaters mutig gegen Verdrehung und Missbrauch verteidigen. Nicht anders als heute wurde damals in der Religion viel verdreht. Jesus sagte zu den Religionsführern seiner Zeit: „[Ihr] setzt … Gottes Wort durch die Traditionen, die ihr weitergebt, außer Kraft“ (Markus 7:13). Obwohl diese Männer allgemein sehr angesehen waren, stellte Jesus sie furchtlos als blinde Führer und Heuchler bloß (Matthäus 23:13, 16).a Wie können wir Jesu Mut in dieser Hinsicht nachahmen?

      13. Was dürfen wir nicht vergessen, wenn wir Jesus nachahmen, aber wobei können wir helfen?

      13 Wir müssen natürlich bedenken, dass wir im Gegensatz zu Jesus niemandem ins Herz schauen können noch über ihn urteilen dürfen. Aber wir können wie er mutig für die Wahrheit eintreten. Wenn wir zum Beispiel falsche religiöse Lehren aufdecken – die vielen Lügen über Gott, sein Vorhaben und sein Wort –, bringen wir Licht in eine durch Satans Propaganda verfinsterte Welt (Matthäus 5:14; Offenbarung 12:9, 10). Wir helfen Menschen, von Irrlehren freizukommen, die ihnen Furcht und Schrecken einjagen und ihr Verhältnis zu Gott vergiften. Wie schön ist es doch, erleben zu dürfen, wie sich Jesu Worte erfüllen: „Die Wahrheit wird euch frei machen“! (Johannes 8:32).

      Er stand mutig für Gerechtigkeit ein

      14, 15. (a) Nenne eine Art, wie Jesus „das Recht erklärte“. (b) Welchen Vorurteilen schenkte Jesus keine Beachtung, als er mit einer Samariterin sprach?

      14 In der Bibel wurde vorausgesagt, dass der Messias den Völkern „das Recht erklären“ würde (Matthäus 12:18; Jesaja 42:1). Man kann wirklich sagen, dass Jesus damit schon hier auf der Erde begann. Mit großem Mut zeigte er sich gegenüber allen Menschen unparteiisch und gerecht. Er lehnte zum Beispiel die Scheinheiligkeit und die unbiblischen Vorurteile ab, die damals so verbreitet waren.

      15 Als Jesus am Brunnen von Sychar mit einer Samariterin sprach, waren seine Jünger erstaunt. Warum? Weil die Samariter damals bei den Juden allgemein verhasst waren, und das schon seit Generationen (Esra 4:4). Außerdem hatten manche Rabbis eine geringschätzige Meinung über Frauen. Nach den rabbinischen Vorschriften, die später schriftlich festgehalten wurden, sollten sich Männer nicht mit Frauen unterhalten; auch seien Frauen es nicht wert, im Gesetz Gottes unterwiesen zu werden. Besonders die Samariterinnen galten als unrein. Jesus schenkte solchen diskriminierenden Vorurteilen keine Beachtung. Er lehrte die Samariterin (die übrigens ein unmoralisches Leben führte) ganz offen und sagte ihr sogar, dass er der Messias ist (Johannes 4:5-27).

      16. Warum brauchen Christen den Mut, sich im Hinblick auf Vorurteile von anderen zu unterscheiden?

      16 Heute trifft man immer wieder auf Menschen, die hässliche Vorurteile hegen. Vielleicht machen sie abfällige Witze über Ausländer, reden verächtlich über Männer beziehungsweise Frauen oder sehen auf Menschen herab, die ihnen finanziell oder sozial nicht gleichgestellt sind. Nachfolger Christi finden an solchen feindseligen Einstellungen nichts Gutes und geben sich alle Mühe, jede Spur von Voreingenommenheit aus ihrem Herzen zu beseitigen (Apostel­geschichte 10:34). Jeder von uns sollte den Mut entwickeln, in dieser Hinsicht unparteiisch zu sein.

      17. Was tat Jesus im Tempel, und warum?

      17 Mut ließ Jesus auch für die Reinheit des Volkes Jehovas kämpfen sowie für alles, was mit der wahren Anbetung zusammenhing. Als er nicht lange nach Beginn seines Dienstes das Tempelgebiet in Jerusalem betrat, sah er mit Entsetzen, wie Verkäufer und Geldwechsler dort Geschäfte machten. Zu Recht erzürnt trieb er die habgierigen Männer mit ihren Waren aus dem Tempel (Johannes 2:13-17). Gegen Ende seines Dienstes handelte er noch einmal ähnlich (Markus 11:15-18). Obwohl er sich dadurch sicher einflussreiche Leute zu Feinden machte, zögerte er nicht. Warum nicht? Der Tempel war für ihn von Kindheit an das Haus seines Vaters – und damit war es ihm ernst (Lukas 2:49). Dass die reine Anbetung dort so in den Schmutz gezogen wurde, war ein Unrecht, über das er auf keinen Fall hinwegsehen konnte. Sein Eifer gab ihm den Mut, dagegen einzuschreiten.

      18. Wie können sich Christen heute mutig für die Reinheit der Versammlung einsetzen?

      18 Nachfolgern Christi heute liegt ebenfalls sehr viel an der Reinheit des Volkes Gottes und an allem, was mit der wahren Anbetung zusammenhängt. Wenn sie merken, dass ein Christ eine schwere Sünde begeht, lassen sie das nicht einfach unbeachtet. Sie sprechen es mutig an (1. Korinther 1:11). Sie sorgen dafür, dass die Ältesten in der Versammlung informiert werden. Die Ältesten können dann denen, die im Glauben „krank“ oder schwach geworden sind, helfen und etwas unternehmen, damit die Herde Jehovas rein bleibt (Jakobus 5:14, 15).

      19, 20. (a) Welche Ungerechtigkeiten herrschten zur Zeit Jesu, und unter welchem Druck stand er? (b) Warum lassen sich Christi Nachfolger nicht in die Politik oder in gewalttätige Auseinander­setzungen hineinziehen, und was ist eine der Belohnungen für ihren Mut?

      19 Wäre es allerdings richtig, anzunehmen, dass Jesus gegen soziale Ungerechtigkeit in der Welt allgemein kämpfte? Um ihn herum gab es zweifellos viele Ungerechtigkeiten. Seine Heimat stand unter Besatzung. Die Römer unterdrückten die Juden durch einen mächtigen Militärapparat, verlangten hohe Steuern und ließen sie nicht einmal bei ihrer Religions­ausübung ungestört. Viele hätten es da natürlich gern gesehen, wenn sich Jesus politisch engagiert hätte (Johannes 6:14, 15). Hier kam sein Mut wieder ins Spiel.

      20 Jesus erklärte, sein Königreich sei kein Teil dieser Welt. Durch sein Beispiel lehrte er seine Nachfolger, sich aus politischen Auseinander­setzungen herauszuhalten und sich auf das Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich zu konzentrieren (Johannes 17:16; 18:36). Besonders eindrucksvoll zeigte Jesus, was Neutralität bedeutet, als die Volksmenge kam, um ihn festzunehmen. Petrus wollte Jesus verteidigen, zog spontan sein Schwert und verletzte einen Mann. Irgendwie kann man seine Reaktion verstehen. Wenn Gewalt überhaupt jemals angebracht gewesen wäre, dann in jener Nacht, als Gottes Sohn unschuldig angegriffen wurde. Doch Jesus setzte bei dieser Gelegenheit für seine Nachfolger einen Maßstab, der bis auf den heutigen Tag gilt. Er sagte: „Steck dein Schwert wieder weg, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (Matthäus 26:51-54). Eine so friedfertige Haltung verlangte von den Nachfolgern Christi damals bestimmt viel Mut, und heute ist es nicht anders. Da Gottes Diener auch heute mutig ihre Neutralität bewahren, haben sie sich im Hinblick auf die zahllosen Unruhen, Kriege, Völkermorde und anderen Gewalttaten unserer Zeit nichts vorzuwerfen. Der gute Ruf, den sie sich dadurch erworben haben, ist eine von vielen Belohnungen für ihren Mut.

      Er war mutig trotz Widerstand

      21, 22. (a) Welche Hilfe erhielt Jesus vor seiner härtesten Prüfung? (b) Wie zeigte sich Jesus mutig bis ans Ende?

      21 Jehovas Sohn wusste schon lange im Voraus, dass er auf der Erde sehr viel Widerstand erdulden würde (Jesaja 50:4-7). Er schwebte oft in Lebensgefahr, was in der eingangs geschilderten Situation gipfelte. Wie schaffte er es, angesichts solcher Gefahren mutig zu bleiben? Überlegen wir einmal, was er kurz vor seiner Verhaftung tat. Er betete inbrünstig zu Jehova. Mit welchem Ergebnis? Die Bibel sagt: „Er wurde … erhört“ (Hebräer 5:7). Jehova schickte seinem mutigen Sohn einen Engel vom Himmel, um ihm Kraft zu geben (Lukas 22:42, 43).

      22 Gestärkt forderte Jesus seine Apostel dann auf: „Steht auf, lasst uns gehen“ (Matthäus 26:46). Wie viel Mut aus diesen einfachen Worten doch spricht! „Lasst uns gehen“, sagte er, obwohl er wusste, dass er die Menge später bitten würde, seine Freunde zu verschonen, dass ihn diese im Stich lassen und fliehen würden und dass er die härteste Prüfung seines Lebens allein durchmachen müsste. Ganz allein ertrug er einen rechtswidrigen, ungerechten Prozess, Spott, Folter und einen grauenhaften Tod. Doch trotz allem verlor er nie den Mut.

      23. Erkläre, warum man Jesu Verhalten unter Todesgefahr und bei anderen Gefahren nicht als waghalsig bezeichnen kann.

      23 War Jesus waghalsig? Nein, Waghalsigkeit hat mit echtem Mut wenig zu tun. Schließlich brachte Jesus seinen Nachfolgern bei, vorsichtig zu sein und sich Gefahren geschickt zu entziehen, damit sie weiterhin den Willen Gottes tun konnten (Matthäus 4:12; 10:16). Doch in dieser Situation kam für Jesus ein Rückzug nicht infrage. Er wusste, dass es um den Willen Gottes ging. Und da er auf jeden Fall treu bleiben wollte, gab es für ihn nur den Weg nach vorn – geradewegs in die Prüfung.

      Drei Brüder in Gefängniskleidung, die unter dem NS-Regime trotz Verfolgung treu geblieben sind.

      Jehovas Zeugen haben unter Verfolgung Mut bewiesen

      24. Warum können wir sicher sein, dass wir jede Prüfung mutig durchstehen können?

      24 Jesu Nachfolger sind den Fußspuren ihres Herrn immer wieder mutig gefolgt. Viele sind trotz Spott, Verfolgung, Haft, Folter, ja sogar Todesgefahr standhaft geblieben. Woher nehmen unvollkommene Menschen einen solchen Mut? Er kommt nicht einfach so von allein. Wie Jesus erhalten sie Hilfe von oben (Philipper 4:13). Wir brauchen also nie Angst vor der Zukunft zu haben. Halten wir entschlossen an unserer Integrität fest, dann wird uns Jehova den nötigen Mut geben. Schöpfen wir auch weiterhin Kraft aus dem Vorbild unseres Führers, Jesus, der sagte: „Fasst Mut! Ich habe die Welt besiegt“ (Johannes 16:33).

      a Die Gräber der Rabbis wurden nach Angaben von Historikern fast genauso in Ehren gehalten wie die Gräber von Propheten und Patriarchen.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie hilft uns das Beispiel Jesu, auch unangenehme Wahrheiten mutig anzusprechen? (Johannes 8:31-59).

      • Warum sollten wir nie zulassen, dass lähmende Angst vor Satan und den Dämonen uns davon abhält, anderen zu helfen? (Matthäus 8:28-34; Markus 1:23-28).

      • Warum sollten wir Unterdrückten Mitgefühl zeigen, auch wenn wir deshalb mit Schwierigkeiten rechnen müssen? (Johannes 9:1, 6, 7, 22-41).

      • Wie wurde Jesus durch seine Zukunftshoffnung in Prüfungen gestärkt, und wie kann uns unsere Hoffnung Mut machen? (Johannes 16:28; 17:5; Hebräer 12:2).

  • „Alle Schätze der Weisheit“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL FÜNF

      „Alle Schätze der Weisheit“

      1-3. Unter welchen Umständen spricht Jesus an einem Frühlingstag im Jahr 31 u. Z. zu einer Menschenmenge, und warum sind seine Zuhörer erstaunt?

      ES IST ein Frühlingstag im Jahr 31 u. Z. Jesus Christus hält sich in der Gegend von Kapernaum auf, einer belebten Stadt am Nordwestufer des Sees von Galiläa. Er hat die ganze Nacht allein auf einem Berg in der Umgebung gebetet. Am Morgen ruft er seine Jünger zu sich und wählt 12 aus, denen er den Namen Apostel gibt. Inzwischen sind ihm Scharen von Menschen – zum Teil von ziemlich weit her – gefolgt und haben sich am Berghang versammelt. Sie sind gespannt, was er zu sagen hat, und wollen von ihren Krankheiten und Gebrechen geheilt werden. Jesus enttäuscht sie nicht (Lukas 6:12-19).

      2 Er geht auf die Menge zu und heilt alle Kranken. Als schließlich niemand mehr von Schmerzen geplagt wird, setzt er sich hin und fängt an zu lehren.a Die Worte, die seine Zuhörer an jenem Tag hören, müssen sie verwundern. Noch nie haben sie jemand gehört, der so gut lehrte. Um seinen Lehren Gewicht zu geben, beruft sich Jesus nicht etwa auf mündliche Überlieferungen oder die Aussagen bekannter jüdischer Rabbis, sondern er zitiert wiederholt aus den inspirierten Hebräischen Schriften. Seine Botschaft ist direkt, seine Ausdrucksweise einfach und klar. Als er zu Ende geredet hat, sind die Leute höchst erstaunt. Kein Wunder! Sie haben dem weisesten Menschen aller Zeiten zugehört (Matthäus 7:28, 29).

      Jesus hält vor einer großen Menschenmenge die Bergpredigt.

      „Da staunten die Leute nur so über seine Art zu lehren“

      3 Diese Rede und vieles andere, was Jesus sagte und tat, ist in Gottes Wort festgehalten. Wir tun gut daran, tief in den inspirierten Aufzeichnungen über Jesus zu graben, denn in ihm sind „alle Schätze der Weisheit“ verborgen (Kolosser 2:3). Woher hatte Jesus solche Weisheit, wieso konnte er Erkenntnis und Verständnis so gut in die Praxis umsetzen? Wie zeigte sich seine Weisheit, und wie können wir uns ein Beispiel an ihm nehmen?

      „Wie kommt er bloß zu dieser Weisheit?“

      4. Was fragten sich Jesu Zuhörer in Nazareth, und warum?

      4 Auf einer seiner Predigtreisen kam Jesus nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und begann dort in der Synagoge zu lehren. Viele seiner Zuhörer fragten sich erstaunt: „Wie kommt er bloß zu dieser Weisheit?“ Sie kannten seine Familie – seine Eltern und Geschwister –, und sie wussten, dass er aus einfachen Verhältnissen stammte (Matthäus 13:54-56; Markus 6:1-3). Sicher war ihnen auch bekannt, dass dieser redegewandte Zimmermann keine der angesehenen Rabbinerschulen besucht hatte (Johannes 7:15). Somit war ihre Frage eigentlich berechtigt.

      5. Wen nannte Jesus als Quelle seiner Weisheit?

      5 Jesu Weisheit war nicht einfach das Produkt seines vollkommenen Verstandes. Als er einige Zeit später öffentlich im Tempel lehrte, machte er deutlich, dass seine Weisheit aus einer viel erhabeneren Quelle stammte. Er sagte: „Was ich lehre, kommt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“ (Johannes 7:16). Ja, die eigentliche Quelle seiner Weisheit war sein Vater, der ihn ausgesandt hatte (Johannes 12:49). Doch wie erhielt Jesus von Jehova Weisheit?

      6, 7. Auf welche Weise erhielt Jesus von seinem Vater Weisheit?

      6 In Jesu Herz und Sinn war Jehovas heiliger Geist wirksam. Jesaja sagte über den verheißenen Messias – Jesus – voraus: „Der Geist Jehovas wird sich auf ihm niederlassen, der Geist der Weisheit und des Verständnisses, der Geist des Rates und der Macht, der Geist der Erkenntnis und der Ehrfurcht vor Jehova“ (Jesaja 11:2). Da Jehovas Geist auf Jesus ruhte und ihn bei seinen Überlegungen und Entscheidungen leitete, ist es absolut nicht verwunderlich, dass Jesu Worte und Taten von überragender Weisheit zeugten.

      7 Jesu Weisheit war noch auf etwas anderes zurückzuführen, das ihn nachhaltig prägte. Wie wir in Kapitel 2 gesehen haben, konnte er sich während seines unvorstellbar langen vormenschlichen Daseins mit den Gedanken seines Vaters vertraut machen. Wir können uns nicht einmal annähernd vorstellen, was für eine Weisheit er an der Seite Jehovas erworben haben muss, während er bei der Erschaffung aller belebten und unbelebten Schöpfungswerke als Gottes „Werkmeister“ tätig war. Zu Recht wird Gottes Sohn in seiner vormenschlichen Existenz als personifizierte Weisheit beschrieben (Sprüche 8:22-31; Kolosser 1:15, 16). Während seines gesamten Dienstes auf der Erde konnte Jesus aus dem Weisheitsschatz schöpfen, den er bei seinem Vater im Himmel erworben hatte (Johannes 8:26, 28, 38).b Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Jesu Worte von so umfangreichem Wissen und so tiefem Verständnis und seine Taten von so gutem Urteilsvermögen zeugten.

      8. Wie können wir als Nachfolger Jesu Weisheit erwerben?

      8 Als Nachfolger Jesu müssen auch wir uns an Jehova orientieren, denn er ist die Quelle der Weisheit (Sprüche 2:6). Er wird uns zwar keine übernatürliche Weisheit geben, doch er erhört uns, wenn wir ihn aufrichtig um Weisheit bitten, um mit den Heraus­forderungen des Lebens zurechtzukommen (Jakobus 1:5). Gleichzeitig müssen wir unseren Teil tun. Wir müssen „wie nach verborgenen Schätzen“ ständig nach Weisheit suchen (Sprüche 2:1-6). Ja wir müssen weiterhin tief in Gottes Wort, aus dem Gottes Weisheit spricht, graben und unser Leben damit in Einklang bringen. Das Vorbild Jesu ist uns beim Erwerben von Weisheit eine besonders wertvolle Hilfe. Untersuchen wir deshalb, wie Jesus in bestimmten Bereichen Weisheit bewies, und überlegen wir, wie wir uns an ihm ein Beispiel nehmen können.

      Worte der Weisheit

      Ein Bruder liest in der Bibel. Vor ihm auf dem Tisch liegen einige geöffnete biblische Veröffentlichungen.

      In der Bibel kommt Gottes Weisheit zum Ausdruck

      9. Warum kann man sagen, dass Jesu Lehren von großer Weisheit zeugten?

      9 Jesus war oft von Menschenmengen umringt, die ihm einfach nur zuhören wollten (Markus 6:31-34; Lukas 5:1-3). Das überrascht nicht, denn alles, was er sagte, zeugte von überragender Weisheit. Wenn er lehrte, wurde deutlich, wie vertraut er mit Gottes Wort war und wie genau er die Ursache von Problemen kannte. Seine Lehren sind zeitlos und sprechen Menschen in aller Welt an. Die folgenden Beispiele sollen zeigen, welche Weisheit aus den Worten des verheißenen „Wunderbaren Ratgebers“, Jesus, spricht (Jesaja 9:6).

      10. Welche positiven Eigenschaften sollten wir nach Jesu Worten entwickeln, und warum?

      10 Die eingangs erwähnte Bergpredigt ist die längste Passage in der Bibel, in der Äußerungen Jesu ohne erzählerische oder andere Einschübe wiedergegeben werden. Jesus fordert uns in der Bergpredigt nicht einfach auf, das Richtige zu sagen und zu tun. Sein Rat geht viel tiefer. Wohl wissend, dass Worte und Taten ihren Ursprung immer in Gedanken und Gefühlen haben, rät Jesus eindringlich dazu, positive Eigenschaften zu entwickeln wie Milde, Gerechtigkeits­liebe, Barmherzigkeit, Friedsamkeit und Nächstenliebe (Matthäus 5:5-9, 43-48). Je besser uns das gelingt, desto angenehmer wird unser Reden und Handeln sein, und das macht nicht nur Jehova Freude, sondern kommt uns auch zwischenmenschlich zugute (Matthäus 5:16).

      11. Wie geht Jesus, als er über Sünden spricht, auf die Wurzel des Problems ein?

      11 Als Jesus über sündiges Verhalten spricht, geht er auf die Wurzel des Problems ein. Er warnt zum Beispiel nicht einfach vor Gewalttätig­keiten, sondern betont, dass man sich auch schon davor hüten muss, Wut im Herzen schwelen zu lassen (Matthäus 5:21, 22; 1. Johannes 3:15). Er sagt nicht einfach, dass Ehebruch Sünde ist, sondern warnt davor, im Herzen eine Leidenschaft aufkeimen zu lassen, die zu einer solchen Übertretung führt. Er ermahnt uns, nicht zuzulassen, dass über die Augen verkehrte Wünsche und erotische Begierden geweckt werden (Matthäus 5:27-30). Jesus zielt nicht nur auf Auswirkungen ab, sondern vor allem auf Ursachen. Er spricht Einstellungen und Begierden an, die Sünden sozusagen zur Welt bringen (Psalm 7:14).

      12. Wie betrachten Jesu Nachfolger seinen Rat, und warum?

      12 In Jesu Worten liegt wirklich sehr viel Weisheit! Verständlicher­weise „staunten die Leute nur so über seine Art zu lehren“ (Matthäus 7:28). Als seine Nachfolger betrachten wir seinen weisen Rat als maßgebend für unser Leben. Wir arbeiten an den Eigenschaften, die Jesus positiv hervorhob, wie etwa Barmherzigkeit, Friedsamkeit und Liebe, da wir wissen, dass sie die Grundlage für ein Verhalten bilden, das Gott gefällt. Wir möchten Jesu Warnungen beachten und negative Gefühle und Begierden – wie Verbitterung und unmoralische Wünsche – konsequent bekämpfen, weil uns das hilft, Sünden zu vermeiden (Jakobus 1:14, 15).

      Er ließ sich immer von Weisheit leiten

      13, 14. Was zeigt, dass Jesus seinen Lebensweg mit viel Verstand wählte?

      13 Jesus bewies Weisheit in Wort und Tat. Seine ganze Lebensweise – seine Entscheidungen, sein Selbstbild und sein Umgang mit anderen – ließ viele schöne Facetten der Weisheit erkennen. Betrachten wir an einigen Beispielen, wie „praktische Weisheit und Denkfähigkeit“ Jesu Leben bestimmten (Sprüche 3:21).

      14 Weisheit schließt gesundes Urteilsvermögen ein. Jesus wählte seinen Lebensweg mit viel Verstand. Stellen wir uns vor, wie er hätte leben können, was für ein Haus er sich hätte bauen können, wie weit er beruflich gekommen wäre und welches Ansehen er hätte genießen können. Doch Jesus war klar: Ein Leben für diese Ziele „ist Sinnlosigkeit – so, als wollte man den Wind einfangen“ (Prediger 4:4; 5:10). Ein solches Leben ist unvernünftig und zeugt überhaupt nicht von Weisheit. Jesus führte ganz bewusst ein einfaches Leben. Ihm lag nicht daran, Geld zu verdienen oder Besitz aufzuhäufen (Matthäus 8:20). In Übereinstimmung mit seinen Lehren fokussierte er sein Auge auf ein ganz bestimmtes Ziel: Er wollte nach dem Willen Gottes leben (Matthäus 6:22). In seiner Weisheit setzte er Zeit und Kraft für die Königreichs­interessen ein, die ja viel wichtiger und lohnender sind als materielle Güter (Matthäus 6:19-21). Dadurch hinterließ er uns ein nachahmenswertes Beispiel.

      15. Wie können Nachfolger Jesu beweisen, dass sie ihr Auge auf das Königreich fokussieren, und warum zeugt das von Weisheit?

      15 Nachfolger Jesu heute erkennen, wie klug es ist, ihr Auge auf das Königreich zu fokussieren. Deshalb vermeiden sie es, sich unnötig mit Schulden oder weltlichen Bestrebungen zu belasten, die sie zu viel Kraft und Aufmerksamkeit kosten (1. Timotheus 6:9, 10). Viele sind dabei, ihr Leben zu vereinfachen, um mehr Zeit für den Predigtdienst zu haben und vielleicht sogar Vollzeit­verkündiger zu sein. Es gibt einfach nichts Vernünftigeres, denn richtig glücklich und zufrieden wird man erst, wenn man den Königreichs­interessen im Leben den richtigen Stellenwert einräumt (Matthäus 6:33).

      16, 17. (a) Worin zeigte sich, dass Jesus in dem, was er sich selbst abverlangte, bescheiden und realistisch war? (b) Wie können wir beweisen, dass wir keine überzogenen Erwartungen an uns haben?

      16 In der Bibel wird Weisheit mit Bescheidenheit und somit auch mit dem Bewusstsein für die eigenen Grenzen in Verbindung gebracht (Sprüche 11:2). Jesus war bescheiden und realistisch in dem, was er sich selbst abverlangte. Er wusste, dass er nicht jeden für seine Botschaft gewinnen würde (Matthäus 10:32-39). Ferner war ihm klar, dass er nicht alle Menschen persönlich erreichen konnte. Deshalb vertraute er das Werk des Jüngermachens vernünftiger­weise seinen Nachfolgern an (Matthäus 28:18-20). Bescheiden sagte er, sie würden „noch größere Taten vollbringen“ als er, denn sie würden in einem größeren Gebiet und über einen längeren Zeitraum viel mehr Leute erreichen (Johannes 14:12). Außerdem erkannte Jesus an, dass auch er Hilfe brauchte. Er nahm in der Wildnis den Beistand von Engeln an, die kamen, um sich um ihn zu kümmern, und er ließ sich helfen, als im Garten Gethsemane ein Engel zu seiner Stärkung erschien. In den schlimmsten Augenblicken seines Lebens schrie der Sohn Gottes buchstäblich um Hilfe (Matthäus 4:11; Lukas 22:43; Hebräer 5:7).

      17 Auch wir müssen in unseren Erwartungen an uns selbst bescheiden und realistisch sein. Sicher möchten wir mit ganzem Herzen und ganzer Kraft predigen und Menschen zu Jüngern Jesu machen (Lukas 13:24; Kolosser 3:23). Aber denken wir daran, dass uns Jehova nicht mit anderen vergleicht, also sollten auch wir das nicht tun (Galater 6:4). Weisheit wird uns helfen, uns je nach unseren individuellen Fähigkeiten und Umständen realistische Ziele zu setzen. Und wenn jemand, der Verantwortung zu tragen hat, sich von Weisheit leiten lässt, wird er seine Grenzen anerkennen und sich eingestehen, dass er ebenfalls von Zeit zu Zeit Unterstützung braucht. Aus Bescheidenheit wird er Hilfe dankbar annehmen, weil er erkennt, dass Jehova ihn durch Mitgläubige „viel Trost erfahren“ lassen kann (Kolosser 4:11).

      18, 19. (a) Was zeigt, dass Jesus seinen Jüngern gegenüber vernünftig und positiv eingestellt war? (b) Warum haben wir allen Grund, geduldig und vernünftig miteinander umzugehen, und wie gelingt uns das?

      18 „Die Weisheit von oben … ist … vernünftig“, heißt es in Jakobus 3:17. Jesus war gegenüber seinen Jüngern vernünftig und positiv eingestellt. Obwohl er ihre Fehler genau kannte, suchte er immer das Gute in ihnen (Johannes 1:47). Er wusste, dass sie ihn in der Nacht seiner Festnahme im Stich lassen würden, doch er zweifelte nicht an ihrer Loyalität (Matthäus 26:31-35; Lukas 22:28-30). Petrus leugnete drei Mal, Jesus überhaupt zu kennen. Dennoch flehte Jesus für ihn und brachte zum Ausdruck, dass er auf seine Treue vertraute (Lukas 22:31-34). Als Jesus in der letzten Nacht seines Lebens auf der Erde zu seinem Vater betete, konzentrierte er sich nicht auf die Fehler, die seine Jünger irgendwann einmal gemacht hatten, sondern stellte fest: „Sie haben sich an dein Wort gehalten“ (Johannes 17:6). Trotz ihrer Unvollkommen­heiten übertrug er ihnen die Aufgabe, die Botschaft vom Königreich zu predigen und Menschen zu seinen Jüngern zu machen (Matthäus 28:19, 20). Jesus ließ seine Jünger wissen, dass er ihnen vertraute und sich auf sie verließ; das hat sie für die vor ihnen liegende Tätigkeit bestimmt gestärkt.

      19 Nachfolger Jesu haben allen Grund, sich in dieser Hinsicht an ihm ein Beispiel zu nehmen. Wenn schon der vollkommene Sohn Gottes mit seinen unvollkommenen Jüngern geduldig war, dann sollten wir als sündige Menschen im Umgang miteinander erst recht vernünftig sein (Philipper 4:5). Statt uns auf die Fehler unserer Brüder und Schwestern zu konzentrieren, wäre es besser, das Gute in ihnen zu suchen. Vergessen wir nicht, dass Jehova sie gezogen hat (Johannes 6:44). Er muss also Gutes in ihnen sehen, und wir sollten das auch. Eine positive Einstellung lässt uns nicht nur „über Fehler hinwegsehen“, sondern auch nach Bereichen Ausschau halten, in denen wir andere loben können (Sprüche 19:11, Hoffnung für alle). Wenn wir unseren Brüdern und Schwestern in der Versammlung Vertrauen entgegenbringen, helfen wir ihnen, im Dienst für Jehova ihr Bestes zu geben und Freude an diesem Dienst zu finden (1. Thessalonicher 5:11).

      20. Wie sollten wir mit dem Weisheitsschatz in den Evangelien umgehen, und warum?

      20 Die Evangelien­berichte über Jesu Leben und Dienst sind eine echte Fundgrube voll unbezahlbarer Schätze der Weisheit. Wie sollten wir damit umgehen? Jesus forderte seine Zuhörer am Schluss der Bergpredigt auf, seine weisen Worte nicht nur zu hören, sondern auch danach zu leben (Matthäus 7:24-27). Wenn wir unsere Gedanken, unsere Beweggründe und unser Verhalten nach den weisen Worten und Taten Jesu ausrichten, können wir schon heute das bestmögliche Leben führen und auf dem Weg zum ewigen Leben bleiben (Matthäus 7:13, 14). Es gibt einfach keinen besseren oder weiseren Lebensweg!

      a Die Rede, die Jesus an jenem Tag hielt, ist heute als „die Bergpredigt“ bekannt. Die entsprechende Textpassage in Matthäus 5:3 bis 7:27 umfasst 107 Verse und würde als Vortrag wohl nur etwa 20 Minuten dauern.

      b Als sich bei Jesu Taufe der Himmel öffnete, konnte er sich offensichtlich wieder an seine vormenschliche Existenz erinnern (Matthäus 3:13-17).

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Was zu tun wäre weise, wenn man spürt, dass man einen Bruder oder eine Schwester verletzt hat? (Matthäus 5:23, 24).

      • Wie können uns Jesu Worte helfen, auf Beleidigungen oder Provokationen weise zu reagieren? (Matthäus 5:38-42).

      • Wie kann uns das Nachdenken über Jesu Worte zu einer ausgeglichenen Ansicht über Geld und Besitz verhelfen? (Matthäus 6:24-34).

      • Wie kann uns Jesu Beispiel helfen, vernünftig zu entscheiden, wenn es um Prioritäten im Leben geht? (Lukas 4:43; Johannes 4:34).

  • „Er lernte Gehorsam“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL SECHS

      „Er lernte Gehorsam“

      1, 2. Warum freut sich ein liebevoller Vater, wenn er sieht, dass sein Sohn gehorcht, und inwiefern kann man ihn mit Jehova vergleichen?

      EIN Vater steht am Fenster und beobachtet, wie sein Sohn im Hof mit ein paar Freunden Ball spielt. Der Ball rollt auf die Straße. Der Kleine schaut ihm sehnsüchtig nach. Als ein Freund ihn drängt hinterherzulaufen, schüttelt der Junge den Kopf und sagt: „Nein, das darf ich nicht.“ Der Vater lächelt zufrieden.

      2 Worüber freut sich der Vater? Er hat seinem Sohn eingeschärft, dass er nicht allein auf die Straße gehen darf. Gehorcht der Junge – obwohl er sich nicht beobachtet fühlt –, dann weiß der Vater, dass sein Sohn Gehorsam lernt und dadurch viel weniger Gefahren ausgesetzt ist. Dem Vater dieses Jungen geht es ähnlich wie unserem himmlischen Vater, Jehova. Gott weiß, dass wir nur dann treu bleiben und die herrliche Zukunft, die er für uns bereithält, erleben können, wenn wir lernen, ihm zu gehorchen und auf ihn zu vertrauen (Sprüche 3:5, 6). Deshalb hat er uns den besten Lehrer aller Zeiten gesandt.

      3, 4. Wie ist es zu erklären, dass Jesus Gehorsam lernte und „vollkommen gemacht“ wurde? Führe einen Vergleich an.

      3 Die Bibel sagt etwas Erstaunliches über Jesus: „Obwohl er Sohn war, lernte er Gehorsam durch das, was er litt. Und nachdem er vollkommen gemacht worden war, wurde er für die ewige Rettung all derer verantwortlich, die ihm gehorchen“ (Hebräer 5:8, 9). Jehovas erstgeborener Sohn hatte unvorstellbar lange im Himmel gelebt. Er sah den Teufel und andere Engel rebellieren, schloss sich ihnen jedoch niemals an. In einer inspirierten Prophezeiung, die sich auf Jesus bezieht, heißt es: „Ich widersetzte mich nicht“ (Jesaja 50:5). Wieso konnte dann von Jesus, der schon in allem gehorsam war, gesagt werden, dass er Gehorsam lernte? Wie konnte solch ein vollkommenes Geschöpf „vollkommen gemacht“ werden?

      4 Dazu ein Vergleich: Ein Soldat besitzt ein eisernes Schwert. Es ist von allerbester Machart, wurde aber noch nie in der Schlacht erprobt. Nun tauscht er sein Schwert gegen ein stabileres ein, eines aus gehärtetem Stahl. Dieses neue Schwert hat sich in der Schlacht schon gut bewährt. Ist das nicht ein guter Tausch? Ähnlich verhält es sich mit Jesu Gehorsam. Jesus war bereits vollkommen gehorsam, bevor er auf die Erde kam. Doch als er die Erde verließ, war sein Gehorsam von ganz anderer Güte. Er war jetzt erprobt, sozusagen gehärtet durch Prüfungen, denen Jesus im Himmel niemals hätte begegnen können.

      5. Warum war Jesu Gehorsam so wichtig, und worauf wird in diesem Kapitel eingegangen?

      5 Für den Auftrag, den Jesus auf der Erde zu erfüllen hatte, war Gehorsam entscheidend. Als „der letzte Adam“ sollte er das tun, was unser Vorvater Adam zu tun versäumt hatte, nämlich Jehova Gott auch unter Prüfungen treu bleiben (1. Korinther 15:45). Jesu Gehorsam war allerdings nicht mechanisch. Er gehorchte von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem Sinn. Und er hatte Freude dabei. Den Willen seines Vaters auszuführen war für ihn wichtiger, als zu essen! (Johannes 4:34). Wie können wir Jesu Gehorsam nachahmen? Sehen wir uns zunächst seine Beweggründe an. Wenn wir Beweggründe entwickeln, wie Jesus sie hatte, fällt es uns leichter, Versuchungen zu widerstehen und zu tun, was Gott will. Anschließend werden wir uns damit befassen, welcher Lohn uns erwartet, wenn wir wie Jesus gehorsam sind.

      Warum Jesus gehorsam war

      6, 7. Nenne Gründe, warum Jesus gehorsam war.

      6 Jesu Gehorsam kam aus seinem Herzen. Wie wir in Kapitel 3 gesehen haben, war er von Herzen demütig. Stolzen Menschen widerstrebt es, zu gehorchen, demütige dagegen gehorchen Jehova gern (2. Mose 5:1, 2; 1. Petrus 5:5, 6). Jesu Gehorsam war auch darauf zurückzuführen, dass er bestimmte Dinge liebte und andere hasste.

      7 Seine Liebe galt vor allem seinem himmlischen Vater Jehova. In Kapitel 13 wird darauf näher eingegangen. Diese Liebe war die Triebfeder seiner Gottesfurcht. Er liebte und achtete seinen Vater so sehr, dass er ihm unter keinen Umständen missfallen wollte. Gottesfurcht war ein Grund, warum Jesu Gebete erhört wurden (Hebräer 5:7). Außerdem ist sie ein markantes Kennzeichen seiner Herrschaft als messianischer König (Jesaja 11:3).

      Zwei Brüder stehen vor einem Plakat, das Werbung für einen brutalen Film macht. Der eine Bruder verzieht das Gesicht, der andere wendet sich ab.

      Ist an deiner Freizeit­gestaltung zu erkennen, dass du Böses hasst?

      8, 9. Wie war Jesus – in Erfüllung einer Prophezeiung – zu Gerechtigkeit und zu Schlechtigkeit eingestellt, und wie äußerte sich das?

      8 Jehova zu lieben bedeutet auch, zu hassen, was er hasst. Das zeigt zum Beispiel folgende an den messianischen König gerichtete Prophezeiung: „Gerechtigkeit hast du geliebt und Schlechtigkeit gehasst. Darum hat dich Gott, dein Gott, mit dem Öl der Freude gesalbt, mehr als deine Gefährten“ (Psalm 45:7). Jesu „Gefährten“ waren die anderen Könige aus der Linie Davids. Jesus hat mehr Grund, sich über seine Salbung zu freuen, als sie alle. Warum? Weil Jesus im Vergleich zu ihnen einen weit größeren Lohn erhält und sein Königtum unendlich mehr Gutes bewirkt. Jesus wird so reich belohnt, weil er aus Liebe zur Gerechtigkeit und aus Hass auf das Böse Gott in allem gehorchte.

      9 Wie äußerte es sich, dass Jesus Gerechtigkeit liebte und Schlechtigkeit hasste? Nun, wie reagierte er zum Beispiel, als seine Nachfolger seine Predigt­anweisungen befolgten und daraufhin gesegnet wurden? Er freute sich von ganzem Herzen (Lukas 10:1, 17, 21). Und wie empfand er, als sich die Bewohner Jerusalems immer wieder ungehorsam zeigten und seine liebevollen Bemühungen zurückwiesen? Er weinte, weil sie so rebellisch waren (Lukas 19:41, 42). Ja, es berührte Jesus sehr, wenn Menschen Gutes oder wenn sie Böses taten.

      10. Welche Einstellung zu richtigem und falschem Handeln müssen wir entwickeln, und was hilft uns dabei?

      10 Über Jesu Einstellung nachzudenken hilft uns herauszufinden, aus welchen Beweggründen wir persönlich Jehova gehorchen. Trotz unserer Unvollkommenheit können wir es lernen, Gutes von Herzen zu lieben und Böses abgrundtief zu hassen. Bitten wir Jehova um Hilfe, wie er und sein Sohn zu empfinden (Psalm 51:10). Gleichzeitig müssen wir uns vor Einflüssen hüten, die diesem Wunsch entgegenwirken. Seien wir wählerisch, was Freizeit­gestaltung und Umgang betrifft (Sprüche 13:20; Philipper 4:8). Wenn wir wie Jesus eingestellt sind, ist Gehorsam für uns keine reine Formsache. Wir werden das Richtige tun, weil wir es gern tun. Und wir werden uns vor falschem Verhalten hüten, weil wir es hassen, nicht weil wir Angst haben, ertappt zu werden.

      „Er beging keine Sünde“

      11, 12. (a) In welche Lage kam Jesus bald nach Beginn seines Dienstes? (b) Wie brachte Satan Jesus als Erstes in Versuchung, und mit welcher Gerissenheit ging er dabei vor?

      11 Wie sehr Jesus das Böse hasste, stellte sich schon bald nach Beginn seines Dienstes heraus. Nach seiner Taufe verbrachte er 40 Tage und Nächte, ohne zu essen, in der Wildnis. Da kam Satan, um ihn zu versuchen. Beachten wir, wie gerissen der Teufel vorging (Matthäus 4:1-11).

      12 Zuerst sagte er: „Wenn du ein Sohn Gottes bist, dann sag diesen Steinen, sie sollen sich in Brote verwandeln“ (Matthäus 4:3). In welcher Verfassung war Jesus nach so langem Fasten? Die Bibel sagt, dass er hungrig war (Matthäus 4:2). Satan wollte also das natürliche Bedürfnis nach Nahrung ausnutzen und wartete sicher deshalb ab, bis Jesus körperlich geschwächt war. Beachten wir zudem die provokative Formulierung: „Wenn du ein Sohn Gottes bist …“ Dem Teufel war klar, dass Jesus „der Erstgeborene der gesamten Schöpfung“ war (Kolosser 1:15). Jesus ließ sich durch diese Provokation nicht zum Ungehorsam hinreißen. Er wusste, dass er seine Kräfte nicht eigennützig einsetzen sollte. Deshalb tat er es auch nicht und zeigte dadurch, dass er sich demütig auf Jehovas Hilfe und Anleitung verließ (Matthäus 4:4).

      13-15. (a) Worin bestanden Satans nächste zwei Versuchungen, und wie reagierte Jesus darauf? (b) Wieso wissen wir, dass Jesus vor Satan immer auf der Hut sein musste?

      13 Bei seiner zweiten Versuchung nahm Satan Jesus mit auf die Brüstung des Tempels. Durch geschicktes Verdrehen des Wortes Gottes wollte er Jesus dazu bringen, sich groß in Szene zu setzen. Er sollte sich in die Tiefe stürzen und sich dann von Engeln retten lassen. Wenn die vielen Menschen im Tempelgebiet so ein Wunder mitbekommen hätten, hätte da noch irgendjemand zu bezweifeln gewagt, dass Jesus wirklich der verheißene Messias ist? Und wenn man Jesus wegen dieses Schauspiels als Messias angenommen hätte, wären ihm da nicht viele Härten und Schwierigkeiten erspart geblieben? Schon möglich. Doch Jesus wusste, dass Jehova vom Messias erwartete, seinen Dienst in aller Demut durchzuführen und die Menschen nicht durch sensationelle Auftritte zum Glauben an ihn zu bringen (Jesaja 42:1, 2). Deshalb ließ er sich auch bei dieser Versuchung nicht zum Ungehorsam verleiten. Berühmtheit übte keinen Reiz auf ihn aus.

      14 Ließ sich Jesus durch die Aussicht auf Macht locken? Bei seiner dritten Versuchung bot Satan Jesus für einen einzigen Akt der Anbetung alle Reiche der Welt an. Zog Jesus dieses Angebot ernsthaft in Betracht? Nein, er sagte: „Geh weg, Satan! Denn in den Schriften steht: ‚Jehova, deinen Gott, sollst du anbeten und für ihn allein sollst du heiligen Dienst tun‘“ (Matthäus 4:10). Jesus ließ sich durch absolut nichts dazu verleiten, einen anderen Gott anzubeten. Keine Macht und kein Einfluss dieser Welt hätten ihn dazu gebracht, Jehova in irgendeiner Weise ungehorsam zu werden.

      15 Gab Satan nun auf? Nachdem Jesus ihn so energisch abgewiesen hatte, verschwand er. Doch gemäß dem Lukasevangelium „wartete [er] auf einen anderen günstigen Zeitpunkt“ (Lukas 4:13). Ja, Satan würde bis zu Jesu Tod immer wieder Gelegenheiten suchen, ihn auf die Probe zu stellen und in Versuchung zu bringen. Wie die Bibel sagt, wurde Jesus „in allem auf die Probe gestellt“ (Hebräer 4:15). Er musste also immer auf der Hut sein, und das Gleiche gilt für uns.

      16. Wie bringt Satan Gottes Diener heute in Versuchung, und wie können wir dagegen angehen?

      16 Satan bringt Gottes Diener auch heute immer wieder in Versuchung. Wegen unserer Unvollkommen­heiten hat er dabei leider oft ein leichtes Spiel. Raffiniert appelliert er an Egoismus, Stolz und Machtgier – und durch materielle Verlockungen unter Umständen sogar an alle drei gleichzeitig! Deshalb ist es wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit innehalten und uns ehrlich prüfen. Denken wir über die Worte in 1. Johannes 2:15-17 nach. Fragen wir uns, ob das Verlangen des sündigen Körpers, das Verlangen nach Besitz oder der Wunsch zu beeindrucken die Liebe zu unserem himmlischen Vater irgendwie untergraben haben. Vergessen wir nicht, dass die heutige Welt ihrem Ende entgegengeht, ebenso ihr Herrscher, Satan. Geben wir ihm keine Chance, uns mit List zum Sündigen zu verleiten! Lassen wir uns von unserem Herrn, Jesus, anspornen, denn „er beging keine Sünde“ (1. Petrus 2:22).

      „Ich tue immer das, was ihm gefällt“

      17. Wie war Jesus zum Gehorsam gegenüber seinem Vater eingestellt, und was könnte jemand einwenden?

      17 Gehorsam zu sein bedeutet viel mehr, als nur Sünden zu unterlassen. Christus verhielt sich nie passiv, wenn es darum ging, die Gebote seines Vaters zu befolgen. Er erklärte: „Ich [tue] immer das …, was ihm gefällt“ (Johannes 8:29). Dieser Gehorsam war für ihn mit viel Freude verbunden. Natürlich könnte jetzt jemand einwenden: „Für Jesus war es nicht schwer, gehorsam zu sein. Er war ja nur Jehova verantwortlich, und Jehova ist vollkommen, während wir oft unvollkommenen Menschen rechenschafts­pflichtig sind.“ Tatsache ist jedoch, dass sich auch Jesus der Autorität unvollkommener Menschen unterordnete.

      18. Was kann man aus Jesu Kindheit über Gehorsam lernen?

      18 Als Kind und Jugendlicher unterstand Jesus der Autorität seiner unvollkommenen Eltern, Joseph und Maria. Wahrscheinlich sah er die Fehler seiner Eltern deutlicher als die meisten anderen Kinder. War er deswegen rebellisch? Setzte er sich über die Rolle, die Gott für Kinder festgelegt hatte, hinweg, und machte er seinen Eltern Vorschriften, wie sie sich um ihre Familie zu kümmern hätten? In Lukas 2:51 heißt es über den 12-jährigen Jesus: „[Er] ordnete sich ihnen weiter unter.“ Durch seinen Gehorsam ist Jesus ein hervorragendes Beispiel für christliche Jugendliche, die sich anstrengen, ihren Eltern zu gehorchen und sie entsprechend zu respektieren (Epheser 6:1, 2).

      19, 20. (a) Vor welchen besonderen Heraus­forderungen stand Jesus, was den Gehorsam gegenüber unvollkommenen Menschen betrifft? (b) Warum sollten wahre Christen heute denen gehorchen, die unter ihnen die Führung haben?

      19 Was den Gehorsam gegenüber unvollkommenen Menschen angeht, stand Jesus sogar vor Heraus­forderungen, denen wahre Christen von heute nie begegnen werden. Überlegen wir einmal, in welch einer Zeit er lebte. Der Tempel in Jerusalem, die Priesterschaft, ja das gesamte jüdische Religionssystem, das Jehova lange gutgeheißen hatte, sollte schon bald verworfen und durch die Christen­versammlung ersetzt werden (Matthäus 23:33-38). Unter dem Einfluss der griechischen Philosophie hatten viele Religionsführer begonnen, Irrlehren zu verbreiten. Im Tempel hatte sich eine derartige Korruption breitgemacht, dass Jesus ihn eine „Räuberhöhle“ nannte (Markus 11:17). Hielt er sich deswegen vom Tempel und von den Synagogen fern? Nein! Jehova benutzte diese Einrichtungen noch. Solange Gott nicht einschritt und etwas änderte, ging Jesus gehorsam in die Synagoge und zu den Festen im Tempel (Lukas 4:16; Johannes 5:1).

      20 Wenn Jesus unter solchen Umständen gehorsam war, dann sollten es wahre Christen heute erst recht sein! Schließlich leben wir jetzt in einer ganz anderen Zeit – der seit Langem vorausgesagten Epoche, in der die reine Anbetung wiederher­gestellt werden würde. Gott versichert uns, nie zuzulassen, dass sein wiederher­gestelltes Volk von Satan verdorben wird (Jesaja 2:1, 2; 54:17). Es stimmt zwar, dass wir in der Christen­versammlung mit Sünden und Unvollkommen­heiten konfrontiert werden, aber sollten wir das als Vorwand benutzen, Jehova ungehorsam zu werden und vielleicht die Zusammenkünfte nicht mehr zu besuchen oder an den Ältesten Kritik zu üben? Niemals! Wir möchten vielmehr die Brüder, die in der Versammlung die Führung haben, von Herzen unterstützen. Aus Gehorsam besuchen wir die Zusammenkünfte und Kongresse und befolgen den biblischen Rat, den wir dort erhalten (Hebräer 10:24, 25; 13:17).

      Brüder und Schwestern unterhalten sich vor einem Königreichssaal und es herrscht gute Stimmung.

      Wir setzen das, was wir in den Zusammenkünften lernen, gehorsam in die Tat um

      21. Wie reagierte Jesus, als ihn Menschen dazu bringen wollten, Gott ungehorsam zu sein, und inwiefern ist das für uns ein Beispiel?

      21 Jesus ließ sich von niemandem – auch nicht von wohlmeinenden Freunden – davon abbringen, Jehova zu gehorchen. Der Apostel Petrus zum Beispiel wollte seinem Herrn einmal einreden, er solle nicht so hart zu sich sein und es sei nicht notwendig, zu leiden und zu sterben. Jesus wies diesen gut gemeinten, aber völlig unpassenden Rat entschieden zurück (Matthäus 16:21-23). Nachfolger Jesu haben heute oft Verwandte, die in guter Absicht versuchen, sie vom Gehorsam gegenüber Gottes Gesetzen und Grundsätzen abzubringen. Wie die Jünger Jesu im 1. Jahrhundert vertreten wir den Standpunkt: „Wir müssen Gott als Herrscher gehorchen statt Menschen“ (Apostel­geschichte 5:29).

      Der Lohn für Gehorsam

      22. Auf welche Frage lieferte Jesus eine Antwort, und wie?

      22 Als Jesus den Tod vor Augen hatte, machte er seine härteste Gehorsamsprüfung durch. An jenem düsteren Tag „lernte er Gehorsam“ im wahrsten Sinne des Wortes. Er tat nicht, was er wollte, sondern was sein Vater wollte (Lukas 22:42). Dadurch zeigte er auf perfekte Weise, was Integrität, also vollkommene Ergebenheit gegenüber Jehova, bedeutet (1. Timotheus 3:16). Durch ihn wurde eine seit Langem im Raum stehende Frage beantwortet: Kann ein vollkommener Mensch Jehova auch unter Prüfungen treu bleiben? Adam hatte versagt, ebenso Eva. Dann kam Jesus, lebte, starb und stellte damit alles klar. Er, der Größte unter Jehovas Geschöpfen, gab eine Antwort, die überzeugender nicht hätte sein können. Er gehorchte, selbst wenn er dafür einen hohen Preis zahlen musste.

      23-25. (a) Welcher Zusammenhang besteht zwischen Gehorsam und Integrität? Veranschauliche es. (b) Worum geht es im nächsten Kapitel?

      23 Von Herzen kommende Ergebenheit gegenüber Jehova kommt durch Gehorsam zum Ausdruck. Da Jesus gehorsam war, konnte er Jehova völlig ergeben bleiben und zum Wohl der ganzen Menschheit beitragen (Römer 5:19). Dafür wurde er von Jehova reich belohnt. Jehova wird auch uns belohnen, wenn wir Christus, unserem Herrn, gehorchen. Dieser Gehorsam führt zu „ewiger Rettung“ (Hebräer 5:9).

      24 Integrität ist auch an sich schon etwas Lohnendes. In Sprüche 10:9 heißt es: „Wer den Weg der Integrität geht, wird in Sicherheit leben.“ Würde man Integrität mit einem stattlichen Haus aus soliden Ziegelsteinen vergleichen, wäre jede Gehorsamstat einer dieser Ziegelsteine. So ein einzelner Stein erscheint vielleicht unbedeutend, doch jeder hat seinen Platz und seinen Wert. Werden viele Steine zusammengefügt, entsteht ein sehr wertvolles Ganzes. Wenn wir daher Tag für Tag und Jahr für Jahr bei vielen Gelegenheiten immer wieder gehorsam sind, bauen wir sozusagen unser eigenes schönes Haus der Integrität.

      25 Gehorsam, der sich über lange Zeit erstreckt, ist auch mit Ausharren verbunden. Im nächsten Kapitel geht es darum, was für ein Beispiel Jesus in dieser Hinsicht gab.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie lauten einige Gebote Christi, wie können wir sie befolgen, und welche guten Auswirkungen hat das? (Johannes 15:8-19).

      • Wie dachten Jesu Verwandte zu Beginn über seine Tätigkeit, und was lernen wir aus Jesu Umgangsweise mit ihnen? (Markus 3:21, 31-35).

      • Warum brauchen wir nie zu befürchten, dass wir uns ein glückliches Leben verbauen, wenn wir Jehova gehorchen? (Lukas 11:27, 28).

      • Was lehrt uns Jesu Bereitschaft, ein Gesetz zu befolgen, das eigentlich gar nicht auf ihn zutraf? (Matthäus 17:24-27).

  • „Betrachtet genau“ das Ausharren Jesu
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL SIEBEN

      „Betrachtet genau“ das Ausharren Jesu

      1-3. (a) Unter welchem Druck steht Jesus im Garten Gethsemane, und was ist der Grund dafür? (b) Was ist über Jesu Beispiel des Ausharrens zu sagen, und welche Fragen erheben sich?

      DER Druck ist enorm. Jesus war noch nie zuvor einer solchen mentalen und emotionalen Belastung ausgesetzt. Vor ihm liegen die letzten Stunden seines Lebens auf der Erde. Mit seinen Aposteln geht er zum Garten Gethsemane, einem vertrauten Ort, an dem er schon oft mit ihnen zusammen war. An diesem Abend möchte er jedoch etwas allein sein. Er geht ohne sie weiter in den Garten hinein, kniet nieder und beginnt zu beten. Er betet so inständig und ist so voller Sorge, dass sein Schweiß wie Blutstropfen ist, die zur Erde fallen (Lukas 22:39-44).

      2 Warum ist Jesus so in Sorge? Er weiß natürlich, dass ihm große körperliche Qualen bevorstehen, doch der eigentliche Grund für seine Besorgnis ist viel schwerwiegender. Er ist tief beunruhigt wegen des Namens seines Vaters, und er weiß, dass von seiner Treue die Zukunft der Menschheits­familie abhängt. Jesus ist sich bewusst, wie wichtig es ist, dass er ausharrt. Würde er jetzt versagen, brächte er große Schande auf Jehovas Namen. Doch Jesus versagt nicht. An jenem Tag, kurz vor seinem letzten Atemzug, stößt der Mann, der das vollendetste Beispiel an Ausharren auf der Erde gab, die triumphierenden Worte aus: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19:30).

      3 Die Bibel fordert uns auf, Jesu Ausharren genau zu betrachten (Hebräer 12:3). Damit sind wichtige Fragen verbunden: Was waren einige der Prüfungen, die Jesus erduldete? Warum konnte er ausharren? Wie können wir seinem Beispiel folgen? Bevor wir diese Fragen beantworten, möchten wir uns jedoch erst darüber klar werden, was Ausharren bedeutet.

      Was ist Ausharren?

      4, 5. (a) Was bedeutet „Ausharren“? (b) Wie lässt sich veranschaulichen, dass zum Ausharren mehr gehört, als unausweichlichen Härten ausgesetzt zu sein?

      4 Jeder von uns hat von Zeit zu Zeit „unter verschiedenen Prüfungen zu leiden“ (1. Petrus 1:6). Bedeutet jedoch der Umstand, dass wir eine Prüfung durchmachen, an sich schon, dass wir darin ausharren? Nein. Das mit „Ausharren“ übersetzte griechische Substantiv bezeichnet auch „die Geduld, die im Ertragen v[on] Leiden bewiesen wird“. Das Ausharren, von dem in der Bibel die Rede ist, wird von einem Bibelgelehrten wie folgt kommentiert: „Es ist der Geist, der Belastungen tragen kann, nicht in Resignation, sondern in strahlender Hoffnung. … [Es] lässt einen Mann aufrecht stehen und dem Sturm trotzen. Es ist die Tugend, die die härteste Prüfung in Sieg verwandeln kann, weil sie hinter der Pein das Ziel sieht.“

      5 Mit Ausharren ist also nicht lediglich gemeint, unausweichlichen Härten ausgesetzt zu sein. Die biblische Bedeutung schließt Standfestigkeit ein, das Bewahren der richtigen Grundhaltung und einer zuversichtlichen Einstellung angesichts von Prüfungen. Dazu eine Veranschaulichung: Zwei Männer sind unter ähnlichen Bedingungen, aber aus ganz unterschiedlichen Gründen in Haft. Der eine, ein gemeiner Verbrecher, sitzt widerwillig und mürrisch-resignierend seine Strafe ab. Der andere, ein echter Christ, der wegen seines Glaubens und seiner Treue inhaftiert ist, bleibt standhaft und positiv, weil er in dieser Lage die Möglichkeit sieht, Glauben zu beweisen. Den Verbrecher würde man bestimmt nicht als Vorbild im Ausharren ansehen, wohl aber den treuen Christen (Jakobus 1:2-4).

      6. Wie entwickeln wir Ausharren?

      6 Ausharren ist für unsere Rettung unerlässlich (Matthäus 24:13). Allerdings ist uns die Fähigkeit zum Ausharren nicht angeboren. Ausharren muss man lernen. Wie? In Römer 5:3 heißt es, dass man „durch Schwierigkeiten Ausharren lernt“. Wenn wir also wirklich Ausharren entwickeln wollen, können wir nicht allen Glaubens­prüfungen ängstlich aus dem Weg gehen. Wir müssen uns ihnen stellen. Wir müssen die großen und kleinen Heraus­forderungen, die jeder Tag mit sich bringt, annehmen und bewältigen. Jede Prüfung, die wir meistern, stärkt uns für die nächste. Allerdings können wir nicht aus eigener Kraft Ausharren entwickeln. Wir sind von der Kraft abhängig, die Gott gibt (1. Petrus 4:11). Jehova möchte, dass wir standhaft bleiben, und bietet uns daher die beste Hilfe an, die es gibt – das Vorbild seines Sohnes. Sehen wir uns einmal genauer an, was Jesus in vollkommener Treue erduldete.

      Was Jesus erduldete

      7, 8. Was ertrug Jesus am Ende seines irdischen Lebens?

      7 Am Ende seines irdischen Lebens ertrug Jesus eine Grausamkeit nach der anderen. Zu der extremen mentalen Belastung in seiner letzten Nacht kamen gewaltige Enttäuschungen und Demütigungen hinzu. Er wurde von einem engen Vertrauten verraten, von seinen besten Freunden im Stich gelassen und in einem ungesetzlichen Verhör von Mitgliedern des obersten religiösen Gerichts des Landes verspottet, angespuckt und mit Fäusten geschlagen. Das alles ertrug er jedoch mit stiller Würde und innerer Kraft (Matthäus 26:46-49, 56, 59-68).

      8 In seinen letzten Stunden war Jesus schrecklichen körperlichen Qualen ausgesetzt. Er wurde gegeißelt – eine entsetzliche Art der Auspeitschung, die laut einer Fachzeitschrift „tiefe streifenförmige Risswunden und erheblichen Blutverlust“ zur Folge hat. Er wurde auf eine Weise hingerichtet, die zu einem „langsamen Tod unter größten Qualen“ führte. Wie muss Jesus gelitten haben, als man lange Nägel durch seine Handgelenke und Füße in den Pfahl schlug! (Johannes 19:1, 16-18). Welche furchtbaren Schmerzen müssen durch seinen Körper gefahren sein, als der Pfahl aufgerichtet wurde, das Gewicht seines Körpers an den Nagelwunden zerrte und sein geschundener Rücken am Holz scheuerte! Zu diesen körperlichen Qualen kam noch die zu Beginn des Kapitels beschriebene Belastung hinzu.

      9. Was bedeutet es für uns, unseren Marterpfahl zu nehmen und Jesus nachzufolgen?

      9 Was könnten wir als Christi Nachfolger zu erdulden haben? Jesus sagte: „Wer ein Nachfolger von mir sein will, muss … seinen Marterpfahl nehmen und mir ständig folgen“ (Matthäus 16:24). Das Wort „Marterpfahl“ steht hier in übertragenem Sinn für Leiden, Schande, ja sogar Tod. Christus nachzufolgen ist nicht leicht. Durch unsere christlichen Maßstäbe heben wir uns von der Welt ab. Wir sind kein Teil der Welt und deshalb hasst uns die Welt (Johannes 15:18-20; 1. Petrus 4:4). Dennoch sind wir bereit, unseren Marterpfahl zu nehmen – ja wir sind darauf gefasst, eher zu leiden oder zu sterben, als unserem Vorbild Jesus nicht mehr nachzufolgen (2. Timotheus 3:12).

      10-12. (a) Inwiefern wurde Jesu Ausharren durch die Unvollkommen­heiten der Menschen, die ihn umgaben, auf die Probe gestellt? (b) Unter welchen schwierigen Umständen harrte Jesus aus?

      10 Jesus hatte während seines Dienstes auf der Erde auch Prüfungen durchzumachen, die auf die Unvollkommen­heiten von Menschen zurückzuführen waren. Wie wir wissen, hatte er seinem Vater als „Werkmeister“ gedient, als die Erde und alles Leben darauf erschaffen wurde (Sprüche 8:22-31). Jesus kannte somit Jehovas Vorhaben für die Menschen: Sie sollten Gottes Eigenschaften widerspiegeln und ein Leben in vollkommener Gesundheit genießen (1. Mose 1:26-28). Als Jesus auf der Erde lebte, sah er die tragischen Folgen der Sünde aus einem anderen Blickwinkel. Er war jetzt selbst ein Mensch. Er empfand und fühlte wie ein Mensch. Wie weh muss es ihm getan haben, so direkt mitzuerleben, wie weit die Menschen von der ursprünglichen Vollkommenheit Adams und Evas entfernt waren! Dadurch wurde sein Ausharren auf die Probe gestellt. Würde er die sündige Menschheit als hoffnungslosen Fall betrachten und entmutigt aufgeben? Wir werden sehen.

      11 Die Gleich­gültigkeit der Juden bedrückte Jesus so sehr, dass er öffentlich in Tränen ausbrach. Ließ er sich jedoch durch ihr Desinteresse in seinem Eifer bremsen oder hörte er auf zu predigen? Im Gegenteil, er „lehrte weiter täglich im Tempel“ (Lukas 19:41-44, 47). Er war tieftraurig über die Gefühllosigkeit der Pharisäer, die genau aufpassten, um zu sehen, ob er am Sabbat einen gewissen Mann heilen würde. Ließ er sich von diesen selbstgerechten Gegnern einschüchtern? Absolut nicht! Entschlossen heilte er den Mann – und das mitten in der Synagoge! (Markus 3:1-5).

      12 Auch die Schwächen seiner engsten Gefährten müssen für Jesus eine Prüfung gewesen sein. Wie wir in Kapitel 3 gesehen haben, waren sie ständig auf ihre Stellung bedacht (Matthäus 20:20-24; Lukas 9:46). Mehr als einmal gab ihnen Jesus zu verstehen, wie wichtig Demut ist (Matthäus 18:1-6; 20:25-28). Aber sie lernten nur langsam. Noch an seinem letzten gemeinsamen Abend mit ihnen kam es unter seinen Jüngern „zu einer hitzigen Auseinander­setzung darüber, wer von ihnen als der Größte galt“ (Lukas 22:24). Gab Jesus sie auf, in der Meinung, dass ihnen ja ohnehin nicht mehr zu helfen sei? Nein. Er blieb geduldig, optimistisch und zuversichtlich und konzentrierte sich auf ihre guten Seiten. Er wusste, dass diese Männer Jehova im Grunde sehr liebten und wirklich seinen Willen ausführen wollten (Lukas 22:25-27).

      Eine Schwester geht ruhig und gefasst von einer Haustür weg, von wo aus ihr eine verärgerte Frau nachsieht.

      Lassen wir uns durch Ablehnung den Mut nehmen oder predigen wir eifrig weiter?

      13. Wie könnten wir ähnlich wie Jesus auf die Probe gestellt werden?

      13 Es kann durchaus passieren, dass wir ähnlich wie Jesus auf die Probe gestellt werden. Vielleicht haben wir mit Menschen zu tun, die gleichgültig oder sogar gegnerisch auf die Königreichs­botschaft reagieren. Predigen wir dann eifrig weiter oder lassen wir uns durch solche Negativreaktionen den Mut nehmen? (Titus 2:14). Eine weitere Herausforderung könnten die Unvollkommen­heiten unserer Glaubensbrüder sein. Vielleicht werden wir durch eine gedankenlose Bemerkung oder eine unbedachte Handlung in unseren Gefühlen verletzt (Sprüche 12:18). Geben wir deswegen auf oder ertragen wir weiterhin geduldig die Fehler unserer Brüder und suchen das Gute in ihnen? (Kolosser 3:13).

      Warum Jesus ausharrte

      14. Welche zwei Faktoren trugen dazu bei, dass Jesus standhaft bleiben konnte?

      14 Was half Jesus, trotz aller Demütigungen, Enttäuschungen und Leiden standhaft und Gott ergeben zu bleiben? Zwei Faktoren spielen hier eine besondere Rolle. Zum einen blickte Jesus nach oben und flehte zu dem „Gott, der Ausharren … schenkt“ (Römer 15:5). Zum anderen schaute er nach vorn und konzentrierte sich auf das, was durch sein Ausharren erreicht würde. Sehen wir uns diese beiden Faktoren einmal gesondert an.

      15, 16. (a) Was zeigt, dass Jesus sich nicht darauf verließ, aus eigener Kraft auszuharren? (b) Inwiefern vertraute Jesus auf seinen Vater, und warum?

      15 Obwohl Jesus der vollkommene Sohn Gottes war, verließ er sich nicht auf seine eigene Kraft. Nein, er wandte sich im Gebet an seinen himmlischen Vater und bat um Hilfe von oben. Wie der Apostel Paulus schrieb, „brachte Christus Flehen und auch Bitten mit starkem Schreien und Tränen vor dem dar, der ihn aus dem Tod retten konnte“ (Hebräer 5:7). Es ist beachtenswert, dass Jesus nicht nur Bitten, sondern auch Flehen darbrachte. Das Wort „Flehen“ bezeichnet eine besonders innige, eindringliche Bitte – ja ein Betteln um Hilfe. Im ursprünglichen griechischen Text steht das Wort für „Flehen“ in der Mehrzahl, was andeutet, dass Jesus mehr als einmal zu Jehova flehte. Tatsächlich sprach Jesus im Garten Gethsemane wiederholt ein inniges Gebet (Matthäus 26:36-44).

      16 Jesus vertraute völlig darauf, dass Jehova sein Flehen erhören würde, denn er kannte seinen Vater als den „Hörer des Gebets“ (Psalm 65:2). Als er noch im Himmel lebte, war er als erstgeborener Sohn Zeuge davon, wie sein Vater auf die Gebete loyaler Anbeter reagiert. So zum Beispiel, als der Prophet Daniel ein von Herzen kommendes Gebet sprach und Jehova einen Engel aussandte, noch bevor Daniel sein Gebet beendet hatte (Daniel 9:20, 21). Wie könnte Jehova dann seinen einziggezeugten Sohn nicht erhören, wenn ihm dieser „mit starkem Schreien und Tränen“ das Herz ausschüttete? Jehova reagierte selbst­verständlich auf die eindringlichen Bitten seines Sohnes und schickte ihm einen Engel, der ihn für die vor ihm liegende Prüfung stärkte (Lukas 22:43).

      17. Warum sollten wir den Blick nach oben richten, um auszuharren, und wie können wir das tun?

      17 Auch wir können nur ausharren, wenn wir unseren Blick nach oben richten – zu dem Gott, „der … Kraft gibt“ (Philipper 4:13). Wenn schon der vollkommene Sohn Gottes das Bedürfnis verspürte, Jehova um Hilfe anzuflehen, dann sollte das bei uns erst recht der Fall sein! Vielleicht müssen wir wie Jesus immer wieder zu Jehova flehen (Matthäus 7:7). Wir erwarten zwar nicht, dass uns ein Engel erscheint, doch eines wissen wir genau: Unser liebevoller Gott reagiert auf die Bitten loyaler Christen, die Tag und Nacht unaufhörlich flehen und beten (1. Timotheus 5:5). Welche Prüfung uns auch treffen mag – ob Krankheit, ein Todesfall, Gegnerschaft oder Verfolgung –, Jehova wird uns erhören, wenn wir ihn von ganzem Herzen um Weisheit, Mut und Kraft zum Ausharren bitten (2. Korinther 4:7-11; Jakobus 1:5).

      Eine Schwester spricht ein intensives Gebet.

      Jehova wird uns erhören, wenn wir ihn inständig um Hilfe zum Ausharren bitten

      18. Wie blickte Jesus über sein Leiden hinaus auf das, was vor ihm lag?

      18 Der zweite Faktor, der Jesus ausharren half, war der Blick nach vorn. Er sah über sein Leiden hinaus auf das, was vor ihm lag. Die Bibel sagt über ihn: „Für die vor ihm liegende Freude ertrug er einen Marterpfahl“ (Hebräer 12:2). Jesu Beispiel zeigt, wie Hoffnung, Freude und Ausharren zusammenwirken. Man könnte es wie folgt auf den Punkt bringen: Aus Hoffnung entspringt Freude und Freude hilft auszuharren (Römer 15:13; Kolosser 1:11). Jesus hatte wunderbare Zukunfts­aussichten. Seine Treue würde dazu beitragen, den Namen seines Vaters zu heiligen, und es ihm möglich machen, die Menschheit von Sünde und Tod zurückzukaufen. Außerdem stand ihm in Aussicht, als König zu herrschen und als Hoher Priester zu dienen und so noch mehr für das Wohl gehorsamer Menschen zu tun (Matthäus 20:28; Hebräer 7:23-26). Da sich Jesus auf die Erfüllung dessen konzentrierte, was ihm in Aussicht stand, verspürte er unermessliche Freude, die ihm wiederum Kraft zum Ausharren gab.

      19. Wie können Hoffnung, Freude und Ausharren in Glaubens­prüfungen für uns zusammenwirken?

      19 Wie Jesus müssen auch wir Hoffnung, Freude und Ausharren für uns zusammenwirken lassen. Der Apostel Paulus schrieb: „Freut euch in der Hoffnung. Harrt in Schwierigkeiten aus“ (Römer 12:12). Hast du momentan eine schwere Glaubensprüfung durchzumachen? Dann schau unbedingt nach vorn. Verlier nie aus den Augen, dass durch dein Ausharren Jehovas Name gepriesen wird. Lass dir den Blick auf die kostbare Königreichs­hoffnung nie trüben. Versetz dich im Geist in Gottes neue Welt und stell dir vor, wie es sein wird, wenn du die vielen Segnungen im Paradies erleben wirst. Wenn du über die Erfüllung der wunderbaren Versprechen Gottes nachdenkst – zum Beispiel darüber, dass Jehovas Name geheiligt werden wird und alles Böse, sämtliche Krankheiten und der Tod nicht mehr sein werden –, dann wird dein Herz so voll Freude sein, dass du jede Prüfung durchstehen kannst. Verglichen mit dem, was das Königreich bringen wird, ist alles Leid im heutigen Weltsystem wirklich „vorübergehend und leicht“ (2. Korinther 4:17).

      „Folgt seinen Fußspuren genau“

      20, 21. Was erwartet Jehova von uns, was das Ausharren anbelangt, und wozu sollten wir entschlossen sein?

      20 Jesus wusste, dass seine Nachfolger vor Heraus­forderungen stehen und Ausharren benötigen würden (Johannes 15:20). Deshalb war er bereit, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihnen dadurch Kraft zu geben (Johannes 16:33). Er gab natürlich ein vollkommenes Beispiel des Ausharrens, während wir alles andere als vollkommen sind. Was erwartet Jehova von uns? Petrus erklärt, dass Christus für uns gelitten hat, und sagt weiter: „Er hat euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren genau folgt“ (1. Petrus 2:21). Durch die Art und Weise, wie Jesus Prüfungen begegnete, hinterließ er uns „ein Beispiel“, ein Muster, nach dem wir uns ausrichten können.a Durch sein treues Ausharren hat er uns sozusagen Fußspuren hinterlassen, denen wir zwar nicht perfekt, aber doch „genau“ folgen können.

      21 Wir möchten daher Jesu Beispiel so gut wie nur möglich nachahmen und nie vergessen: Je genauer wir seinen Fußspuren folgen, desto besser sind wir gerüstet, „bis zum Ende“ auszuharren – entweder bis zum Ende des alten Weltsystems oder bis zum Ende unseres gegenwärtigen Lebens. Wir wissen nicht, was zuerst kommt, aber eines steht fest: Jehova wird uns bis in alle Ewigkeit für unser Ausharren belohnen (Matthäus 24:13).

      a Das mit „Beispiel“ übersetzte griechische Wort bedeutet wörtlich „ein Darunterschreiben“. Der Apostel Petrus ist der einzige Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften, der dieses Wort gebraucht. Es bezeichnet eine „Mustervorlage“ mit „Linien …, die der Elementarlehrer für die Kinder, die noch nicht schreiben können, mit dem Griffel zieht, damit sie sich bei ihren ersten Schreibversuchen an diese Linien halten“.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie sollten wir es sehen, wenn wir leiden müssen, weil wir Nachfolger Christi sind? (Matthäus 5:10-12).

      • Worauf bereitete Jesus seine Nachfolger vor, und wie können wir seinen Rat befolgen? (Matthäus 10:16-22).

      • Wie können wir Jesu Beispiel bei Widerstand und Verfolgung nachahmen? (1. Petrus 2:18-25).

      • Was bestätigt sich, wenn wir unter Leiden treu ausharren? (1. Petrus 4:12-14).

  • „Dazu bin ich ausgesandt worden“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL ACHT

      „Dazu bin ich ausgesandt worden“

      1-4. (a) Wie geht Jesus vor, als er mit einer Samariterin spricht, und wozu führt das? (b) Wie reagieren die Apostel?

      SIE sind seit Stunden unterwegs. Jesus und seine Apostel ziehen von Judäa nordwärts nach Galiläa. Die kürzeste Route – eine Reise von ungefähr drei Tagen – führt sie durch Samaria. Etwa zur Mittagszeit machen sie ganz in der Nähe des Städtchens Sychar Rast.

      Jesus spricht an einem Brunnen mit einer Samariterin.

      2 Die Apostel gehen Lebensmittel kaufen, während sich Jesus an einem Brunnen außerhalb der Stadt ausruht. Eine Frau kommt zum Wasserschöpfen. Jesus könnte sie einfach ignorieren. Er ist „von der Reise erschöpft“ (Johannes 4:6). Es wäre verständlich, wenn er die Augen schließen und die Frau unbeachtet wieder gehen lassen würde. Wie wir in Kapitel 4 dieses Buches gesehen haben, würde eine Samariterin von einem Juden wahrscheinlich ohnehin nur Verachtung erwarten. Doch Jesus fängt ein Gespräch mit ihr an.

      3 Er bezieht sich auf eine Tätigkeit aus dem Alltag der Frau – auf etwas, das sie momentan tut. Sie ist zum Wasserschöpfen gekommen, und Jesus spricht nun von Leben spendendem Wasser, das ihren geistigen Durst löschen wird. Die Frau bringt mehrere Einwände vor.a Jesus umgeht diese taktvoll und bleibt bei seinem Thema. Er konzentriert sich auf Geistiges – auf die reine Anbetung und auf Jehova Gott. Seine Worte lösen einiges aus, denn die Frau erzählt den Leuten in der Stadt von dem Gespräch, und daraufhin wollen auch sie Jesus hören (Johannes 4:3-42).

      4 Wie reagieren die Apostel, als sie zurückkommen? Sie zeigen keine Spur von Begeisterung über das bemerkenswerte Zeugnis, das Jesus gibt. Sie wundern sich, dass er überhaupt mit dieser Frau redet; sie selbst halten sich offensichtlich aus dem Gespräch heraus. Als die Frau gegangen ist, drängen sie Jesus, etwas von den eingekauften Lebensmitteln zu essen. Doch Jesus sagt zu ihnen: „Ich habe eine Nahrung, von der ihr nichts wisst.“ Die Jünger nehmen das zunächst wörtlich und sind irritiert. Darauf erklärt Jesus: „Meine Nahrung ist, den Willen dessen auszuführen, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen“ (Johannes 4:32, 34). Jesus macht seinen Jüngern dadurch klar, dass er ein sehr wichtiges Werk auszuführen hat, das für ihn noch wichtiger ist, als zu essen. Er möchte, dass auch sie so eingestellt sind. Welches Werk meint er?

      5. Was war für Jesus die Hauptaufgabe im Leben, und womit werden wir uns in diesem Kapitel befassen?

      5 Jesus sagte einmal: „Ich muss die gute Botschaft von Gottes Königreich … bekannt machen, denn dazu bin ich ausgesandt worden“ (Lukas 4:43). Ja, Jesus wurde ausgesandt, die gute Botschaft von Gottes Königreich zu predigen und zu lehren.b Diese Aufgabe haben auch seine Nachfolger heute. Deshalb wollen wir uns damit befassen, warum Jesus predigte, was er predigte und wie er zu seinem Auftrag eingestellt war.

      Warum Jesus predigte

      6, 7. Wie sollte laut Jesu Aussage „jeder öffentliche Lehrer“ zum Predigen der guten Botschaft eingestellt sein? Veranschauliche es.

      6 Beschäftigen wir uns zunächst damit, wie Jesus zu den Wahrheiten, die er lehrte, eingestellt war, und dann damit, wie er zu den Menschen stand, die er lehrte. Um zu zeigen, wie er zum Lehren der von Jehova stammenden Wahrheiten eingestellt war, erzählte Jesus einmal einen einprägsamen Vergleich. Er sagte: „Jeder öffentliche Lehrer, der über das Königreich des Himmels belehrt wird, ist wie ein Hausherr, der aus seinem Vorrat an Kostbarkeiten Neues und Altes holt“ (Matthäus 13:52). Warum holt dieser Hausherr „Kostbarkeiten“ aus seinem „Vorrat“ hervor?

      7 Er will seinen Besitz nicht einfach stolz herzeigen wie einst König Hiskia, den das teuer zu stehen kam (2. Könige 20:13-20). Was für einen Grund hat er dann? Dazu eine Veranschaulichung: Angenommen, du besuchst einen sehr beliebten Lehrer zu Hause. Der Lehrer öffnet eine Schreibtischschublade und holt zwei Briefe heraus – der eine ist schon ganz vergilbt, der andere noch relativ neu. Es sind Briefe von seinem Vater. Den einen hat er vor Jahrzehnten bekommen, als er noch ein kleiner Junge war, der andere kam erst vor Kurzem. Voll Freude und mit leuchtenden Augen erzählt dir der Lehrer, wie viel ihm diese Briefe bedeuten, wie der darin enthaltene Rat sein Leben verändert hat und wie er auch dir nützen könnte. Die Briefe sind für den Lehrer ganz offensichtlich eine Kostbarkeit und nehmen in seinem Herzen einen Ehrenplatz ein (Lukas 6:45). Wenn er sie dir zeigt und darüber spricht, tut er das nicht aus Eigennutz oder um zu prahlen, sondern damit du etwas davon hast und ihren Wert erkennst.

      8. Warum haben wir guten Grund, die Wahrheiten aus Gottes Wort als Schätze zu betrachten?

      8 Jesus, der große Lehrer, sprach aus ähnlichen Gründen über die von Gott kommenden Wahrheiten. Sie waren für ihn unbezahlbare Schätze. Er liebte sie und wollte möglichst viele Menschen daran teilhaben lassen. Er wünschte sich, dass jeder seiner Nachfolger – „jeder öffentliche Lehrer“ – so eingestellt ist. Sind wir das? Wir haben allen Grund, die Wahrheiten, die wir aus Gottes Wort erfahren, zu lieben. Sie sind kostbar für uns, egal ob es sich um seit Langem geschätzte Glaubens­überzeugungen handelt oder um neuere Erkenntnisse. Wenn wir mit echter Begeisterung darüber sprechen und uns die Liebe für das, was Jehova uns gelehrt hat, erhalten, können wir wie Jesus diese Liebe weitervermitteln.

      9. (a) Wie war Jesus zu den Menschen eingestellt, die er lehrte? (b) Wie können wir uns an Jesu Einstellung zu den Menschen ein Beispiel nehmen?

      9 Jesus liebte auch die Menschen, die er lehrte. Darauf wird in Abschnitt 3 noch näher eingegangen. In einer Prophezeiung hieß es über den Messias: „Er wird Mitleid haben mit den Benachteiligten und den Armen“ (Psalm 72:13). Ja, Jesus lag viel an den Menschen. Er interessierte sich für das, was in ihnen vorging und was sie motivierte; er machte sich Gedanken über ihre Sorgen und Nöte und über das, was sie hinderte, die Wahrheit anzunehmen (Matthäus 11:28; 16:13; 23:13, 15). Das war auch im Fall der Samariterin zu erkennen. Wie beeindruckt muss sie gewesen sein, als Jesus auf sie einging! Als sie sah, wie genau Jesus über ihre Lage Bescheid wusste, wurde ihr klar, dass er ein Prophet war, und sie erzählte in der Stadt von ihm (Johannes 4:16-19, 39). Jesu Nachfolger können beim Predigen natürlich niemandem ins Herz schauen. Doch wir können uns wie Jesus für die Menschen interessieren, wir können ihnen zeigen, dass sie uns am Herzen liegen, und wir können unsere Worte auf ihre speziellen Interessen, Bedürfnisse und Probleme zuschneiden.

      Was Jesus predigte

      10, 11. (a) Was predigte Jesus? (b) Wieso wurde Gottes Königreich nötig?

      10 Was predigte Jesus? Würde man die Antwort auf diese Frage in den Lehren der vielen Kirchen suchen, die Jesus zu repräsentieren behaupten, käme man vielleicht zu dem Schluss, dass er eine Art soziales Evangelium predigte. Möglicherweise entstünde auch der Eindruck, Jesus habe sich für politische Reformen starkgemacht oder die Rettung des Einzelnen als das Wichtigste hingestellt. Wie wir jedoch gelesen haben, sagte Jesus ganz einfach: „Ich muss die gute Botschaft von Gottes Königreich … bekannt machen.“ Was war konkret damit verbunden?

      11 Wir erinnern uns, dass Jesus im Himmel zugegen war, als Satan zum ersten Mal Jehovas heiligen Namen in den Schmutz zog und Jehovas Herrschaftsweise infrage stellte. Wie muss es Jesus wehgetan haben, zu sehen, dass sein gerechter Vater als ungerecht hingestellt wurde, als ein Herrscher, der seinen Geschöpfen Gutes vorenthält! Wie muss es ihn geschmerzt haben, als Adam und Eva, von denen die ganze Menschheit abstammen sollte, Satans Verleumdung Beachtung schenkten! Jehovas Sohn sah, wie als Folge dieser Rebellion Sünde und Tod über die Menschheits­familie kam (Römer 5:12). Wie begeistert muss er daher gewesen sein, zu erfahren, dass sein Vater eines Tages alles richtigstellen würde!

      12, 13. Was wird durch Gottes Königreich richtiggestellt, und wie machte Jesus das Königreich zum Mittelpunkt seiner Predigt­tätigkeit?

      12 Was musste vor allen Dingen richtiggestellt werden? Jehovas Name musste geheiligt werden, er musste von aller Schande, die Satan und seine Mitrebellen im Lauf der Zeit auf ihn brachten, restlos befreit werden. Da Jehovas Name auch für seinen Ruf als Herrscher steht, musste bewiesen werden, dass seine Souveränität rechtmäßig und die Art, wie er sie ausübt, gerechtfertigt ist. Jesus verstand diese wichtigen Streitfragen besser als jeder andere Mensch. Im Mustergebet lehrte er seine Nachfolger, zuerst darum zu beten, dass Gottes Name geheiligt werden, dann, dass Gottes Königreich kommen, und danach, dass der Wille seines Vaters auf der Erde geschehen soll (Matthäus 6:9, 10). Unter Gottes Königreich mit Christus Jesus als Herrscher wird Satans verdorbenes Weltsystem bald von der Erde verschwinden und Jehovas gerechte Herrschaft wird sich für alle Zeit als gerechtfertigt erweisen (Daniel 2:44).

      13 Das Königreich Gottes war das zentrale Thema der Predigt­tätigkeit Jesu. Durch alles, was er sagte und tat, machte er deutlich, was dieses Königreich ist und wie es Jehovas Vorhaben dienen wird. Jesus ließ sich durch nichts von seinem Auftrag ablenken, die gute Botschaft von Gottes Königreich zu predigen. Obwohl es zu jener Zeit drängende soziale Probleme und unzählige Ungerechtigkeiten gab, blieb Jesus ganz auf seine Botschaft und sein Werk konzentriert. War er deswegen in seinem Horizont beschränkt, war sein Lehren trocken und eintönig? Ganz im Gegenteil!

      14, 15. (a) Wie zeigte sich, dass Jesus „bedeutender … als Salomo“ war? (b) Wie können wir uns beim Predigen an Jesus ein Beispiel nehmen?

      14 Wie wir in diesem Abschnitt sehen werden, lehrte Jesus interessant und abwechslungsreich. Er wollte Herzen gewinnen. Hier kommt uns vielleicht der weise König Salomo in den Sinn, der ansprechende Worte suchte, die exakten Worte der Wahrheit, um die Gedanken nieder­zu­schreiben, die Jehova ihm eingab (Prediger 12:10). Jehova gab diesem unvollkommenen Mann ein Herz mit „viel Einsicht“, sodass er über die verschiedensten Themen sprechen konnte – von den Vögeln des Himmels über die Bäume und die Tiere auf dem Land bis zu den Fischen des Meeres. Die Menschen kamen von weit her, um Salomo zuzuhören (1. Könige 4:29-34). Doch Jesus war „bedeutender … als Salomo“ (Matthäus 12:42). Er war viel weiser und besaß viel mehr Einsicht. Er schöpfte beim Lehren aus seiner überragenden Kenntnis des Wortes Gottes sowie aus seinem Wissen über die Vögel, die Land- und Wassertiere, die Landwirtschaft, das Wetter, die Geschichte, aktuelle Ereignisse und soziale Verhältnisse. Dabei gab er mit seinen Kenntnissen aber nie an, um andere zu beeindrucken. Er hielt seine Botschaft einfach und klar. Kein Wunder, dass ihm die Leute so gern zuhörten! (Markus 12:37; Lukas 19:48).

      15 Christen heute bemühen sich, Jesu Vorbild nachzuahmen. Wir verfügen zwar nicht über so viel Weisheit und solche enormen Kenntnisse wie Jesus, aber wir besitzen alle einen bestimmten Wissens- und Erfahrungsschatz, aus dem wir schöpfen können, wenn wir über biblische Wahrheiten sprechen. Eltern beispielsweise können sich auf ihre Erfahrung in der Kindererziehung stützen, um zu veranschaulichen, wie sehr Jehova seine Kinder liebt. Andere können vielleicht Beispiele oder Veranschaulichungen aus dem Berufsleben beziehungsweise der Schule verwenden oder sich auf ihr Wissen über Menschen und aktuelle Ereignisse stützen. Wichtig ist dabei, dass die Aufmerksamkeit nicht von unserer Botschaft abgelenkt wird – der guten Botschaft von Gottes Königreich (1. Timotheus 4:16).

      Jesu Einstellung zum Predigen

      16, 17. (a) Wie war Jesus zum Predigen eingestellt? (b) Woran war zu erkennen, dass das Predigen für Jesus im Mittelpunkt stand?

      16 Jesus betrachtete die Predigt­tätigkeit als etwas sehr Wertvolles. Es machte ihm Freude, den Menschen zu zeigen, wie sein himmlischer Vater wirklich ist – ohne den Schleier verwirrender menschlicher Lehren und Überlieferungen. Gern half er anderen, ein gutes Verhältnis zu Jehova aufzubauen und die Aussicht auf ewiges Leben zu erlangen. Es war für ihn etwas Schönes, durch die gute Botschaft Trost und Freude zu verbreiten. Wie zeigte sich das? Betrachten wir dazu drei Punkte.

      17 Erstens: Das Predigen stand für Jesus im Mittelpunkt. Über das Königreich zu sprechen war seine Lebensaufgabe, sein Lebenswerk, dem er immer volle Aufmerksamkeit schenkte. Wie in Kapitel 5 erwähnt, führte er deshalb klugerweise ein einfaches Leben. Seinem eigenen Rat entsprechend konzentrierte er sich stets auf das Wichtigste. Er ließ sich nicht durch eine Menge Dinge ablenken, die hätten bezahlt, gepflegt und im Lauf der Zeit repariert oder neu beschafft werden müssen. Er lebte ein einfaches Leben, um sich durch nichts unnötig vom Predigen abbringen zu lassen (Matthäus 6:22; 8:20).

      18. Woran kann man erkennen, dass sich Jesus beim Predigen voll einsetzte?

      18 Zweitens: Jesus setzte sich beim Predigen voll ein. Unter enormem Krafteinsatz zog er buchstäblich Hunderte von Kilometern durch Palästina und suchte nach Menschen, mit denen er über die gute Botschaft sprechen konnte. Das tat er bei ihnen zu Hause, auf öffentlichen Plätzen, auf Marktplätzen oder in der freien Natur. Er predigte und lehrte, selbst wenn er müde, hungrig oder durstig war oder sich mit seinen vertrautesten Freunden gern etwas zurückgezogen hätte. Sogar als er am Pfahl hing, sprach er noch über die gute Botschaft von Gottes Königreich (Lukas 23:39-43).

      19, 20. Wie verdeutlichte Jesus die Dringlichkeit des Predigtwerks?

      19 Drittens: Jesus betrachtete das Predigen als sehr dringend. Wir erinnern uns an seine Unterhaltung mit der Samariterin am Brunnen bei Sychar. Die Apostel sahen damals offensichtlich keine Notwendigkeit, über die gute Botschaft zu sprechen. Jesus sagte zu ihnen: „Sagt ihr nicht, dass es noch vier Monate bis zur Ernte sind? Ich dagegen sage euch: Seht euch die Felder an, dass sie reif sind für die Ernte“ (Johannes 4:35).

      20 Mit diesem Bild bezog sich Jesus auf die gerade herrschende Jahreszeit. Es war offensichtlich der Monat Kislew (November/Dezember). Bis zur Gerstenernte um das Passah (14. Nisan) waren es noch vier Monate hin, das heißt, die geschäftige Erntezeit lag eigentlich noch weit in der Ferne. Wie stand es jedoch mit der sinnbildlichen Ernte? Es gab so viele Menschen, die hören und lernen wollten, die Jünger Christi werden und sich die wunderbare, von Jehova in Aussicht gestellte Hoffnung zu eigen machen wollten! Es war, als könnte Jesus über sinnbildliche Kornfelder blicken, auf denen das Getreide, weiß und reif zur Ernte, sanft im Wind wiegte.c Für diese Art Ernte war die Zeit gekommen und sie musste dringend eingebracht werden! Daher sagte Jesus einmal, als man ihn in einer Stadt nicht weggehen lassen wollte: „Ich muss die gute Botschaft von Gottes Königreich auch in anderen Städten bekannt machen, denn dazu bin ich ausgesandt worden“ (Lukas 4:43).

      21. Wie können wir Jesus nachahmen?

      21 Wir haben nun drei Punkte betrachtet, in denen wir Jesus nachahmen können. Wir können den Predigtdienst zum Mittelpunkt unseres Lebens machen. Auch wenn wir familiäre oder andere Verpflichtungen haben, können wir zeigen, dass der Dienst für uns Vorrang hat, indem wir uns wie Jesus regelmäßig und mit Eifer daran beteiligen (Matthäus 6:33; 1. Timotheus 5:8). Wir können uns beim Predigen voll einsetzen, indem wir großzügig Zeit, Kraft und finanzielle Mittel dafür aufwenden (Lukas 13:24). Und wir können wie Jesus immer im Sinn behalten, dass das Predigtwerk sehr dringend ist (2. Timotheus 4:2). Nutzen wir jede Gelegenheit zu predigen!

      22. Worum geht es im nächsten Kapitel?

      22 Wie wichtig dieses Werk für Jesus war, zeigte sich noch auf andere Weise: Er sorgte dafür, dass es nach seinem Tod fortgesetzt würde. Er beauftragte seine Nachfolger, das Werk des Predigens und Lehrens weiterzuführen. Um diesen Auftrag geht es im nächsten Kapitel.

      a Sie fragt zum Beispiel, wie es kommt, dass ein Jude sie als Samariterin anspricht, und spielt damit auf die jahrhundertealte Fehde zwischen Juden und Samaritern an (Johannes 4:9). Außerdem erwähnt sie, ihr Volk stamme von Jakob ab, was die Juden jener Tage hartnäckig bestreiten (Johannes 4:12). Sie nennen die Samariter „Chuthäer“, um ihre Abstammung von Fremdvölkern zu betonen.

      b Eine Botschaft zu predigen bedeutet, sie öffentlich auszurufen oder zu verkünden. Lehren hat eine ähnliche Bedeutung, geht jedoch im Unterschied zum Predigen mehr in die Tiefe und ins Detail. Gutes Lehren hat zum Ziel, das Herz der Schüler anzusprechen und sie zu entsprechendem Handeln zu motivieren.

      c In einem Nachschlagewerk heißt es zu diesem Vers: „Wenn Getreide reift, wechselt es von Grün zu einem hellen Gelb, was anzeigt, dass es Zeit zum Ernten ist.“

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie zeigt sich in unseren Gebeten und unserem Verhalten, dass wir verstanden haben, wie dringend das Predigen ist? (Matthäus 9:35-38).

      • Wie kann uns Jesu Einstellung anspornen, wenn wir feststellen, dass unser Eifer im Predigtdienst nachlässt? (Markus 1:35-39).

      • Wie sollten wir beim Predigen zu Menschen eingestellt sein, die benachteiligt oder ausgegrenzt werden oder unbedeutend erscheinen? (Lukas 18:35 bis 19:10).

      • Warum sollten wir unseren Eifer beim Predigen nie durch gleichgültige oder feindselige Reaktionen dämpfen lassen? (Johannes 7:32-52).

  • „Geht und macht Menschen … zu meinen Jüngern“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL NEUN

      „Geht und macht Menschen … zu meinen Jüngern“

      Ein Feld, das reif ist zur Ernte.

      Was kann ein Landwirt tun, wenn die Ernte so groß ist, dass er sie nicht allein einbringen kann?

      1-3. (a) Was macht ein Landwirt, wenn die Ernte so groß ist, dass er sie nicht allein einbringen kann? (b) Vor welcher Aufgabe steht Jesus im Frühjahr 33 u. Z., und wie geht er sie an?

      EIN Landwirt steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Vor ein paar Monaten hat er seine Felder gepflügt und eingesät. Er hat genau beobachtet, wie die ersten Blättchen kamen, und sich gefreut, als die Pflanzen größer wurden. Jetzt wird all seine harte Arbeit belohnt, denn die Zeit zum Ernten ist da. Es gibt jedoch ein Problem: Die Ernte ist so groß, dass er sie unmöglich allein einbringen kann. Also beschließt er, Arbeiter einzustellen und sie auf die Felder zu schicken. Das ist sehr vernünftig, denn schließlich hat er für das Einbringen der wertvollen Ernte nicht endlos Zeit.

      2 Im Frühjahr 33 u. Z. steht Jesus nach seiner Auferstehung vor einer ähnlichen Aufgabe. Er hat während seines irdischen Dienstes Wahrheitssamen ausgesät, der nun zu einer reichen Ernte herangereift ist. Viele Menschen, die günstig reagieren, müssen als Jünger eingesammelt werden (Johannes 4:35-38). Wie geht Jesus diese Aufgabe an? Kurz bevor er in den Himmel auffährt, beauftragt er auf einem Berg in Galiläa seine Jünger, nach zusätzlichen Arbeitern zu suchen. Er sagt zu ihnen: „Darum geht und macht Menschen aus allen Völkern zu meinen Jüngern, tauft sie … und lehrt sie, sich an alles zu halten, was ich euch aufgetragen habe“ (Matthäus 28:19, 20).

      3 Dieser Auftrag spielt für echte Nachfolger Christi eine zentrale Rolle. Deshalb möchten wir uns mit drei Fragen befassen: Warum gab Jesus den Auftrag, nach zusätzlichen Arbeitern zu suchen? Wie schulte er seine Jünger, diese zu finden? Was haben wir mit Jesu Auftrag zu tun?

      Warum mehr Arbeiter gebraucht wurden

      4, 5. Warum würde Jesus das Werk, das er begonnen hatte, nicht zu Ende bringen, und wer sollte es nach seiner Himmelfahrt fortsetzen?

      4 Als Jesus im Jahr 29 u. Z. seinen Dienst begann, wusste er, dass er ein Werk in Gang setzte, das er selbst nicht zu Ende führen würde. Er würde nicht mehr lange auf der Erde leben und daher nur ein begrenztes Gebiet und eine begrenzte Zahl Menschen mit der Königreichs­botschaft erreichen. Sein Predigen galt hauptsächlich den Juden und Proselyten – „den verlorenen Schafen Israels“ (Matthäus 15:24). Doch auch diese „verlorenen Schafe“ waren über Tausende von Quadrat­kilometern in ganz Israel verstreut. Außerdem müsste die gute Botschaft letztendlich auf der ganzen Welt gepredigt werden (Matthäus 13:38; 24:14).

      5 Nach Jesu Tod blieb also noch viel zu tun. Jesus wusste das und sagte deshalb zu seinen 11 treuen Aposteln: „Eins steht fest: Wer an mich glaubt, wird dieselben Taten vollbringen wie ich, und er wird noch größere Taten vollbringen, denn ich gehe zum Vater“ (Johannes 14:12). Der Sohn würde in den Himmel zurückkehren und dann sollten seine Nachfolger – nicht nur die Apostel, sondern auch alle künftigen Jünger – das Werk des Predigens und Lehrens fortsetzen (Johannes 17:20). Demütig erkannte Jesus an, dass sie „noch größere Taten“ vollbringen würden als er. Inwiefern? In dreifacher Hinsicht.

      6, 7. (a) In welcher Hinsicht würden Jesu Nachfolger „noch größere Werke“ vollbringen als er? (b) Wie können wir beweisen, dass Jesu Vertrauen in seine Nachfolger berechtigt war?

      6 Erstens würden Jesu Nachfolger ein größeres Gebiet bearbeiten. Ihre Predigt­tätigkeit erstreckt sich heute bis an die Enden der Erde, weit über Jesu damaligen Tätigkeitsbereich hinaus. Zweitens würden sie eine größere Zahl von Menschen erreichen. Die kleine Schar von Jüngern, die Jesus zurückließ, wuchs und ging bald in die Tausende (Apostel­geschichte 2:41; 4:4). Mittlerweile sind es Millionen und Jahr für Jahr kommen Hunderttausende Neugetaufte hinzu. Drittens würden Jesu Nachfolger über einen größeren Zeitraum predigen – bis auf den heutigen Tag, also noch fast 2 000 Jahre nach dem Ende der dreieinhalb­jährigen Tätigkeit Jesu.

      7 Als Jesus sagte, seine Nachfolger würden „noch größere Taten“ vollbringen, brachte er sein Vertrauen in sie zum Ausdruck. Er legte ihnen ein Werk in die Hände, das ihm sehr viel bedeutete – sie sollten die „gute Botschaft von Gottes Königreich“ predigen und lehren (Lukas 4:43). Er war überzeugt, dass sie diese Aufgabe gewissenhaft ausführen würden. Was heißt das für uns heute? Wenn wir uns eifrig und mit ganzem Herzen im Predigtdienst einsetzen, beweisen wir, dass Jesu Vertrauen in seine Nachfolger berechtigt war. Ist das nicht eine außergewöhnliche Ehre? (Lukas 13:24).

      Für das Zeugnisgeben geschult

      Eine Schwester predigt einem Ladenbesitzer.

      Aus Liebe predigen wir überall, wo Menschen sind

      8, 9. Was für ein Beispiel gab Jesus beim Predigen, und wie können wir uns danach ausrichten?

      8 Die Jünger wurden von Jesus für die Predigt­tätigkeit optimal geschult. Allem voran gab er ihnen ein vollkommenes Beispiel (Lukas 6:40). Im vorigen Kapitel ging es darum, wie Jesus zu seinem Dienst eingestellt war. Überlegen wir kurz, was die Jünger beobachteten, wenn sie ihn auf seinen Predigtreisen begleiteten. Sie sahen, dass er überall predigte, wo er Menschen traf – an Seeufern und Berghängen, in Städten, auf Marktplätzen und in Privathäusern (Matthäus 5:1, 2; Lukas 5:1-3; 8:1; 19:5, 6). Sie lernten Jesus als einen harten Arbeiter kennen, der von frühmorgens bis tief in die Nacht tätig war. Das Predigen lief bei ihm nicht einfach so nebenher! (Lukas 21:37, 38; Johannes 5:17). Die Jünger müssen gespürt haben, dass ihn tiefe Liebe zu den Menschen antrieb. Vielleicht spiegelte sich in seinem Gesicht wider, wie viel Mitgefühl er im Herzen hatte (Markus 6:34). Was bewirkte sein Beispiel wohl bei ihnen? Wie hätte es auf dich gewirkt?

      9 Als Nachfolger Christi richten wir uns beim Predigen nach seinem Beispiel aus. Wir lassen nichts unversucht, wenn es darum geht, die Wahrheit „gründlich zu bezeugen“ (Apostel­geschichte 10:42). Wie Jesus besuchen wir die Menschen zu Hause (Apostel­geschichte 5:42). Wir ändern nötigenfalls unseren Zeitplan, um dann vorzusprechen, wenn sie eher anzutreffen sind. Wir suchen auch nach Möglichkeiten, an öffentlichen Orten Menschen diskret von der guten Botschaft zu erzählen – etwa auf der Straße, in Parks, in Geschäften oder am Arbeitsplatz. Da uns der Predigtdienst sehr viel bedeutet, „arbeiten wir hart und strengen uns an“ (1. Timotheus 4:10). Aus tiefer, von Herzen kommender Liebe zu den Menschen werden wir auch künftig jederzeit und überall Gelegenheiten zum Predigen suchen (1. Thessalonicher 2:8).

      Jesu 70 Jünger berichten ihm voller Freude von ihren Erlebnissen beim Predigen.

      „Schließlich kamen die 70 voller Freude zurück“

      10-12. Welche wichtigen Anweisungen gab Jesus seinen Jüngern, bevor er sie zum Predigen aussandte?

      10 Außerdem schulte Jesus seine Jünger, indem er ihnen ausführliche Anweisungen gab. Bevor er die 12 Apostel und später die 70 Jünger zum Predigen aussandte, kam er mit ihnen zusammen, um sie in ihre Aufgabe einzuweisen (Matthäus 10:1-15; Lukas 10:1-12). Das führte zu guten Ergebnissen, denn in Lukas 10:17 heißt es: „Schließlich kamen die 70 voller Freude zurück“. Sehen wir uns einmal vor dem Hintergrund der damaligen jüdischen Gepflogenheiten zwei der wichtigen Anweisungen Jesu an.

      11 Jesus lehrte seine Jünger, auf Jehova zu vertrauen. Er sagte ihnen: „Besorgt euch kein Gold, Silber oder Kupfer für euren Geldgürtel, keine Provianttasche für unterwegs, kein zusätzliches Gewand, keine Sandalen und keinen Stab, denn der Arbeiter hat sich sein Essen verdient“ (Matthäus 10:9, 10). Damals war es üblich, einen speziellen Gürtel für Geld, eine Speisetasche für Proviant und ein zusätzliches Paar Sandalen auf die Reise mitzunehmen.a Als Jesus seine Jünger anwies, sich über solche Dinge keine Gedanken zu machen, sagte er praktisch: „Ihr müsst nur voll und ganz auf Jehova vertrauen; er sorgt schon für das, was ihr braucht.“ Jehova würde für sie sorgen, indem er Menschen, die die gute Botschaft annehmen, dazu bewegen würde, ihnen gemäß israelitischem Brauch Gastfreundschaft zu erweisen (Lukas 22:35).

      12 Jesus wies seine Jünger auch an, sich nicht unnötig ablenken zu lassen. Er sagte: „Grüßt niemanden unterwegs“ (Lukas 10:4). Meinte er damit, sie sollten sich kühl und distanziert verhalten? Keineswegs. In biblischer Zeit gingen Begrüßungen oft weit über kurze Grußformeln hinaus. Sie waren gewöhnlich mit verschiedenen Förmlichkeiten und einer längeren Unterhaltung verbunden. In einem Bibelkommentar heißt es: „Eine Begrüßung unter Orientalen bestand nicht einfach in einer kurzen Verbeugung oder einem Händeschütteln, wie es bei uns üblich ist, sondern sie bestand in vielen Umarmungen und tiefen Verbeugungen, ja man warf sich sogar zu Boden. All das erforderte viel Zeit.“ Wenn Jesus seine Jünger also anwies, niemand auf die gewohnte Art zu grüßen, sagte er gewissermaßen: „Verliert keine Zeit, ihr habt eine dringende Botschaft.“b

      13. Wie zeigt sich, dass wir uns die Anweisungen Jesu an seine Jünger im 1. Jahrhundert zu Herzen nehmen?

      13 Wir nehmen uns die Anweisungen, die Jesus seinen Jüngern im 1. Jahrhundert gab, zu Herzen. Bei unserer Predigt­tätigkeit vertrauen wir voll und ganz auf Jehova (Sprüche 3:5, 6). Wir wissen, dass uns das zum Leben Notwendige nie fehlen wird, wenn wir das Königreich weiter an die erste Stelle setzen (Matthäus 6:33). Vollzeitprediger des Königreichs auf der ganzen Welt können bezeugen, dass Jehovas Hand auch in schwierigen Zeiten nie zu kurz ist (Psalm 37:25). Außerdem ist uns klar, dass wir uns nicht ablenken lassen dürfen. Wenn wir nicht achtgeben, kann das im gegenwärtigen Weltsystem leicht geschehen (Lukas 21:34-36). Aber jetzt ist nicht die Zeit, sich ablenken zu lassen. Wir haben eine dringende Botschaft, bei der es um Menschenleben geht (Römer 10:13-15). Wenn wir das immer im Sinn behalten, lassen wir uns von der Welt nicht Zeit und Kraft rauben, die wir im Predigtdienst besser einsetzen könnten. Vergessen wir nicht: Die Zeit drängt und die Ernte ist groß! (Matthäus 9:37, 38).

      Ein Auftrag, der auch uns angeht

      14. Was zeigt, dass der Auftrag in Matthäus 28:18-20 allen Nachfolgern Christi gilt? (Siehe auch die Fußnote.)

      14 Mit den Worten „Geht und macht Menschen … zu meinen Jüngern“ übertrug der auferstandene Jesus seinen Nachfolgern eine schwere Verantwortung. Er dachte dabei nicht nur an die Jünger, die an jenem Frühlingstag mit auf dem Berg in Galiläa waren.c Sein Auftrag sollte zum Ziel haben, „Menschen aus allen Völkern“ zu erreichen, und er sollte „bis zum Abschluss des Weltsystems“ gelten. Er gilt also offensichtlich allen Nachfolgern Christi, auch uns heute. Sehen wir uns Jesu Worte in Matthäus 28:18-20 einmal genauer an.

      15. Warum tun wir gut daran, dem Gebot des Jüngermachens nachzukommen?

      15 Bevor Jesus den Auftrag erteilt, sagt er: „Mir ist im Himmel und auf der Erde alle Macht gegeben worden“ (Vers 18). Hat Jesus tatsächlich so große Macht? Allerdings! Als Erzengel befehligt er viele Myriaden von Engeln (1. Thessalonicher 4:16; Offenbarung 12:7). Und als „Haupt der Versammlung“ hat er Autorität über seine Nachfolger auf der Erde (Epheser 5:23). Er herrscht seit 1914 als messianischer König im Himmel (Offenbarung 11:15). Seine Macht reicht sogar bis ins Grab, denn er kann die Toten auferwecken (Johannes 5:26-28). Dadurch dass Jesus zunächst erklärt, wie umfassend seine Macht ist, verdeutlicht er, dass seine anschließenden Worte nicht bloß eine Anregung sind, sondern ein Gebot. Wir tun gut daran, es zu befolgen, denn Jesus hat die Macht, die er besitzt, nicht an sich gerissen; er hat sie von Gott erhalten (1. Korinther 15:27).

      16. Wozu fordert Jesus auf, wenn er sagt: „Geht …“, und wie kommen wir diesem Aspekt seines Auftrags nach?

      16 Jesus umreißt nun den Auftrag, der mit der Aufforderung beginnt: „Geht …“ (Vers 19). Wir sollen also beim Predigen der Königreichs­botschaft die Initiative ergreifen. Wir können diesem Aspekt seines Auftrags auf unterschied­lichste Weise nachkommen. Das Predigen von Haus zu Haus ist ein sehr wirksamer Weg, persönliche Kontakte herzustellen (Apostel­geschichte 20:20). Außerdem suchen wir nach Möglichkeiten, informell zu predigen; wir sind darauf bedacht, auch im Alltag bei jeder passenden Gelegenheit auf die gute Botschaft zu sprechen zu kommen. Unsere Predigtmethoden mögen je nach den Bedürfnissen der Menschen und den örtlichen Gegebenheiten variieren, doch eines bleibt unverändert: Wir „gehen“ und suchen nach Menschen, die der Botschaft würdig sind (Matthäus 10:11).

      17. Wie können wir Menschen zu Jüngern Jesu machen?

      17 Als Nächstes erklärt Jesus das Ziel seines Auftrags: „Macht Menschen aus allen Völkern zu meinen Jüngern“ (Vers 19). Wie können wir Menschen zu seinen Jüngern machen? Ein Jünger ist im Wesentlichen ein Lernender, ein Belehrter. Menschen zu Jüngern zu machen bedeutet allerdings nicht einfach nur, Wissen zu vermitteln. Wenn wir mit interessierten Personen die Bibel studieren, möchten wir ihnen helfen, Nachfolger Christi zu werden. Wir stellen bei jeder Gelegenheit Jesu Beispiel in den Vordergrund, sodass der Studierende lernt, ihn als Lehrer und Vorbild zu betrachten, und dann sein Leben nach Jesu Leben ausrichtet und sich an dem Werk beteiligt, das Jesus tat (Johannes 13:15).

      18. Warum ist die Taufe der wichtigste Meilenstein im Leben eines Jüngers?

      18 Ein wichtiges Element des Auftrags Jesu ist in den Worten enthalten: „Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“ (Vers 19). Die Taufe ist der wichtigste Meilenstein im Leben eines Jüngers Christi, denn sie ist ein passendes Zeichen dafür, dass er sich Gott von ganzem Herzen hingegeben hat. Sie ist also für die Rettung erforderlich (1. Petrus 3:21). Ein getaufter Jünger, der Jehova weiterhin nach besten Kräften dient, kann sich auf endlosen Segen in der künftigen neuen Welt freuen. Konntest du schon einmal jemandem helfen, ein getaufter Jünger Christi zu werden? Es gibt in unserem christlichen Dienst keine größere Freude (3. Johannes 4).

      19. Was bringen wir Neuen bei, und warum benötigen sie nach der Taufe wahrscheinlich weiterhin Schulung?

      19 Jesus nennt dann den nächsten Aspekt unseres Auftrags: „Lehrt sie, sich an alles zu halten, was ich euch aufgetragen habe“ (Vers 20). Wir lehren Neue, Jesu Gebote zu halten, insbesondere die Gebote, Gott und den Nächsten zu lieben sowie Menschen zu Jüngern Jesu zu machen (Matthäus 22:37-39). Wir bringen Neuen schrittweise bei, wie sie biblische Wahrheiten erklären und ihren wachsenden Glauben verteidigen können. Wenn sie so weit sind, dass sie sich am öffentlichen Predigen beteiligen dürfen, stehen wir ihnen zur Seite und zeigen ihnen durch Wort und Tat, wie sie einen sinnvollen Anteil an diesem Werk haben können. Die Schulung neuer Jünger ist mit der Taufe nicht notwendigerweise zu Ende. Neugetaufte brauchen womöglich weitere Hilfestellung, damit sie leichter mit Problemen fertig werden, die mit dem Leben als Nachfolger Christi verbunden sind (Lukas 9:23, 24).

      „Ich bin die ganze Zeit über bei euch“

      20, 21. (a) Warum brauchen wir keine Angst zu haben, wenn wir Jesu Auftrag ausführen? (b) Warum ist jetzt nicht die Zeit, nachzulassen, und wozu sollten wir entschlossen sein?

      20 Jesus beendet seinen Auftrag mit den sehr ermutigenden Worten: „Und denkt daran: Ich bin die ganze Zeit über bei euch bis zum Abschluss des Weltsystems“ (Matthäus 28:20). Jesus weiß, wie wichtig dieser Auftrag ist. Er weiß auch, dass beim Predigen mit feindseligen Reaktionen zu rechnen ist (Lukas 21:12). Aber wir brauchen keine Angst zu haben! Jesus, unser Führer, erwartet von uns nicht, dass wir unsere Aufgabe allein und ohne Unterstützung erfüllen. Ist es nicht beruhigend, dass er, dem „im Himmel und auf der Erde alle Macht“ gegeben worden ist, uns zur Seite steht und uns bei diesem Auftrag unterstützt?

      21 Jesus versicherte seinen Jüngern, er würde sie durch all die Jahrhunderte bis zum „Abschluss des Weltsystems“ in ihrem Dienst begleiten. Wir müssen Jesu Auftrag weiterhin ausführen, bis das Ende kommt. Jetzt ist nicht die Zeit, nachzulassen. Eine reiche Ernte ist im Gang! Viele Menschen reagieren positiv und werden sozusagen eingesammelt. Als Nachfolger Christi möchten wir unseren wichtigen Auftrag entschlossen weiter ausführen und Zeit, Kraft und Mittel einsetzen, um das Gebot Christi zu befolgen: „Geht und macht Menschen … zu meinen Jüngern.“

      a Geldgürtel wurden verwendet, um Münzen darin mitzunehmen. Die Speisetasche war eine größere Tasche, gewöhnlich aus Leder, die über die Schulter getragen wurde und in der Proviant und andere notwendige Dinge verstaut wurden.

      b Der Prophet Elisa gab einmal ähnliche Anweisungen. Als er seinen Diener Gehasi zu einer Frau schickte, deren Sohn gestorben war, sagte er: „Wenn du jemand triffst, begrüße ihn nicht“ (2. Könige 4:29). Die Mission war eilig und für unnötige Verzögerungen war keine Zeit.

      c Da die meisten Nachfolger Jesu in Galiläa waren, kann es durchaus bei der in Matthäus 28:16-20 beschriebenen Gelegenheit gewesen sein, dass Jesus nach seiner Auferstehung „mehr als 500 Brüdern“ erschien (1. Korinther 15:6). Es waren also möglicherweise Hunderte anwesend, als Jesus den Auftrag zum Jüngermachen gab.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Auf welche Weise sollten wir mit der Königreichs­botschaft auf Menschen zugehen? (Matthäus 10:11-13; Lukas 10:5).

      • Wie können uns Jesu Worte helfen, wenn wir beim Predigen auf Widerstand stoßen? (Markus 13:9-13).

      • Wie sollten wir uns verhalten, wenn jemand für unsere Botschaft nicht empfänglich ist? (Lukas 10:10, 11).

      • Wovon können wir überzeugt sein, wenn das Predigtwerk für uns Vorrang hat? (Lukas 12:22-31).

  • „In den Schriften steht …“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL ZEHN

      „In den Schriften steht …“

      Jesus liest in der Synagoge aus der Buchrolle des Propheten Jesaja vor.

      „Heute hat sich die Schriftstelle … erfüllt“

      1-3. Zu welcher wichtigen Schlussfolgerung will Jesus den Menschen in Nazareth verhelfen, und wie geht er vor?

      JESUS hat seinen Dienst vor noch nicht langer Zeit begonnen. Er ist jetzt wieder in seiner Heimatstadt Nazareth. Sein Ziel ist es, den Menschen dort zu einer wichtigen Schlussfolgerung zu verhelfen: Sie sollen erkennen, dass er der vor langer Zeit vorhergesagte Messias ist. Wie geht er vor?

      2 Viele Menschen haben von Jesu erstaunlichen Taten gehört und erwarten jetzt zweifellos ein Wunder. Doch nichts dergleichen geschieht. Jesus geht vielmehr wie gewohnt in die Synagoge. Er steht auf, um vorzulesen, und man reicht ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Aufmerksam rollt er die lange Schriftrolle von einem Stab auf den anderen, bis er eine bestimmte Stelle gefunden hat. Dann liest er laut die Passage vor, die heute in Jesaja 61:1-3 zu finden ist (Lukas 4:16-19).

      3 Der Text ist den Anwesenden sicher bekannt. Er enthält eine Prophezeiung über den Messias. Die Augen aller in der Synagoge sind gespannt auf Jesus gerichtet. Es herrscht Stille. Dann setzt Jesus zu einer wahrscheinlich ausführlicheren Erklärung an und sagt: „Heute hat sich die Schriftstelle, die ihr gerade gehört habt, erfüllt.“ Die Zuhörer staunen über seine gewinnenden Worte, doch warten viele offenbar nach wie vor auf irgendein spektakuläres Zeichen. Auf der Grundlage der Heiligen Schrift legt Jesus mit deutlichen Worten ihren Mangel an Glauben bloß. Wenig später versuchen die Leute in Nazareth, ihn zu töten! (Lukas 4:20-30).

      4. Was war für Jesu Dienst charakteristisch, und womit werden wir uns in diesem Kapitel befassen?

      4 Die Art und Weise, wie Jesus damals vorging, war charakteristisch für seinen gesamten Dienst. Er stützte sich voll und ganz auf Gottes inspiriertes Wort. Natürlich waren seine Wunder ein wichtiger Beweis, dass Gottes Geist mit ihm war, doch nichts hatte für ihn größeres Gewicht als die Heilige Schrift. Sehen wir uns einmal an, wie sich das äußerte. Wie hat Jesus aus Gottes Wort zitiert, wie hat er es verteidigt und wie hat er es erklärt?

      Aus Gottes Wort zitieren

      5. Was wollte Jesus seine Zuhörer unbedingt wissen lassen, und wie unterstrich er seine Aussagen?

      5 Jesus wollte die Menschen wissen lassen, woher seine Botschaft kam. Er sagte: „Was ich lehre, kommt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“ (Johannes 7:16). Bei einer anderen Gelegenheit erklärte er, dass er „nichts aus eigener Initiative“ tat, sondern das sagte, was der Vater ihm beigebracht hatte (Johannes 8:28). Auch sagte er: „Was ich euch sage, kommt nicht von mir, sondern der Vater, der mit mir verbunden bleibt, vollbringt seine Taten“ (Johannes 14:10). Diese Aussagen unterstrich Jesus unter anderem dadurch, dass er immer wieder aus Gottes geschriebenem Wort zitierte.

      6, 7. (a) Wie ausgiebig zitierte Jesus aus den Hebräischen Schriften, und warum ist das beeindruckend? (b) Was unterschied Jesu Art zu lehren von der Lehrweise der Schrift­gelehrten?

      6 Sieht man sich Jesu Worte in der Bibel genauer an, findet man darunter direkte Zitate oder sinngemäße Wiedergaben aus mehr als der Hälfte der Bücher des Kanons der Hebräischen Schriften. Das klingt im ersten Moment vielleicht gar nicht so beeindruckend. Es erhebt sich die Frage, warum Jesus während seiner dreieinhalb­jährigen öffentlichen Predigt- und Lehrtätigkeit nicht aus allen verfügbaren inspirierten Büchern zitiert hat. Nun, vielleicht hat er das ja. In der Bibel ist schließlich nur ein Bruchteil seiner Worte und Taten festgehalten (Johannes 21:25). Um die gesamten überlieferten Worte Jesu laut vorzulesen, braucht man normalerweise nur ein paar Stunden. Stellen wir uns vor, wir selbst würden nur einige wenige Stunden über Gott und sein Königreich sprechen und es schaffen, uns in dieser kurzen Zeit auf über die Hälfte der Bücher der Hebräischen Schriften zu beziehen! Außerdem hatte Jesus meist keine Schriftrollen zur Hand. In seiner berühmten Bergpredigt zitierte er oftmals direkt oder sinngemäß aus den Hebräischen Schriften – und das durchweg aus dem Kopf!

      7 Jesu Zitate machen deutlich, wie viel Ehrfurcht er vor Gottes Wort hatte. Seine Zuhörer „staunten nur so über seine Art zu lehren, denn er lehrte sie wie jemand mit Autorität und nicht wie die Schrift­gelehrten“ (Markus 1:22). Die Schrift­gelehrten bezogen sich beim Lehren gern auf das sogenannte mündliche Gesetz, zitierten gelehrte Rabbis vergangener Zeiten. Jesus dagegen stützte sich nicht ein einziges Mal auf das mündliche Gesetz oder auf die Autorität irgendeines Rabbis. Für ihn war Gottes Wort entscheidend. Immer wieder sagte er: „In den Schriften steht …“ Diese oder ähnliche Worte gebrauchte er wiederholt, wenn er seine Nachfolger lehrte oder falsche Ansichten richtigstellte.

      8, 9. (a) Wie unterstrich Jesus bei der Reinigung des Tempels die Autorität des Wortes Gottes? (b) Wie bewiesen die religiösen Führer im Tempel grobe Missachtung gegenüber Gottes Wort?

      8 Als Jesus den Tempel in Jerusalem reinigte, sagte er: „In den Schriften steht: ‚Mein Haus wird Gebetshaus genannt werden‘, aber ihr macht es zu einer Räuberhöhle“ (Matthäus 21:12, 13; Jesaja 56:7; Jeremia 7:11). Am Tag davor wirkte Jesus dort viele Wunder, und kleine Jungen begannen, ihn begeistert zu preisen. Die religiösen Führer dagegen fragten ihn ärgerlich, ob er denn höre, was die Kinder sagten. Er antwortete: „Ja. Habt ihr denn noch nie gelesen: ‚Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen lässt du Lobpreis kommen‘?“ (Matthäus 21:16; Psalm 8:2). Jesus gab diesen Männern zu verstehen, dass alles, was hier geschah, mit Gottes Wort in Übereinstimmung war.

      9 Später traten diese religiösen Führer gemeinsam an Jesus heran und fragten ihn: „Mit welchem Recht tust du das alles?“ (Matthäus 21:23). Jesus hatte schon mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht, wer ihn dazu berechtigt hatte. Er hatte nichts Neues erfunden, keine neuen Lehren aufgebracht, sondern er setzte nur das um, was im inspirierten Wort seines Vaters stand. Die Priester und Schrift­gelehrten bewiesen also wirklich grobe Missachtung gegenüber Jehova und seinem Wort. Sie verdienten es voll und ganz, dass Jesus ihre schlechten Beweggründe bloßlegte und ihnen so eine Lektion erteilte (Matthäus 21:23-46).

      10. Wie können wir durch die Art und Weise, wie wir Gottes Wort gebrauchen, Jesus nachahmen, und welche Hilfen haben wir, die Jesus nicht zur Verfügung standen?

      10 Wie Jesus stützen sich auch wahre Christen heute beim Predigen auf Gottes Wort. Zeugen Jehovas sind überall auf der Welt dafür bekannt, dass sie oft und gern über die Bibel sprechen. In unseren Veröffentlichungen wird ausgiebig auf die Bibel Bezug genommen und direkt daraus zitiert. Genauso machen wir es im Predigtdienst, wenn wir uns bemühen, die Heilige Schrift konsequent in den Vordergrund zu stellen (2. Timotheus 3:16). Wir freuen uns sehr, wenn uns jemand gestattet, etwas aus der Bibel vorzulesen und den Wert sowie die Bedeutung des Wortes Gottes zu erklären. Wir haben zwar kein vollkommenes Gedächtnis wie Jesus, doch stehen uns viele Hilfen zur Verfügung, die es zur Zeit Jesu nicht gab. Außer der vollständigen Bibel, die in immer mehr Sprachen veröffentlicht wird, haben wir zahlreiche Bibelstudien­hilfsmittel, mit denen wir jeden beliebigen Bibelvers finden können. Wir wollen daher auch in Zukunft aus der Bibel zitieren und bei jeder Gelegenheit auf Gottes Wort aufmerksam machen.

      Gottes Wort verteidigen

      11. Warum musste Jesus Gottes Wort oft verteidigen?

      11 Jesus sah Gottes Wort häufig Angriffen ausgesetzt, doch das hat ihn sicher nicht überrascht. In einem Gebet zu seinem Vater sagte er: „Dein Wort ist Wahrheit“ (Johannes 17:17). Andererseits wusste er genau, dass Satan, „der Herrscher der Welt“, „ein Lügner und der Vater der Lüge“ ist (Johannes 8:44; 14:30). Als Jesus Satans Versuchungen widerstand, zitierte er drei Mal aus der Heiligen Schrift. Satan zitierte eine einzige Stelle aus den Psalmen und wandte sie bewusst falsch an. Sofort verteidigte Jesus Gottes Wort gegen solchen Missbrauch (Matthäus 4:6, 7).

      12-14. (a) Wie zeigten die religiösen Führer Missachtung gegenüber dem mosaischen Gesetz? (b) Wie verteidigte Jesus Gottes Wort?

      12 Jesus verteidigte die Heilige Schrift oft gegen Missbrauch, Falschauslegung und Falschdarstellung. Die religiösen Lehrer seiner Zeit stellten Gottes Wort verzerrt dar. Sie legten sehr viel Wert auf die Einhaltung der kleinsten Einzelheiten des mosaischen Gesetzes, während ihnen die Grundsätze hinter diesen Gesetzen weniger wichtig waren. Dadurch förderten sie eine oberflächliche Art der Anbetung, bei der Äußerlichkeiten mehr zählten als „das Wichtigere“, wie zum Beispiel Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue (Matthäus 23:23). Wie verteidigte Jesus Gottes Gesetz?

      13 Als er in der Bergpredigt auf einige Bestimmungen des mosaischen Gesetzes einging, gebrauchte er wiederholt Formulierungen wie: „Ihr habt gehört, dass es heißt …“ Daran schloss er die Worte an: „Aber ich sage euch …“ und kam dann auf einen Grundsatz zu sprechen, der über die formale Beachtung des Gesetzes hinausging. Stellte er sich damit gegen das Gesetz? Nein, er verteidigte es. Hier ein Beispiel: Das Gesetz „Du sollst nicht morden“ war damals gut bekannt. Jesus erklärte jedoch, dass jemand, der seinen Mitmenschen hasst, gegen den Geist dieses Gesetzes verstößt. Ebenso würde jemand, der Leidenschaft für eine Person nährt, mit der er nicht verheiratet ist, den Grundsatz hinter dem Gesetz gegen Ehebruch verletzen (Matthäus 5:17, 18, 21, 22, 27-39).

      14 Schließlich sagte Jesus: „Ihr habt gehört, dass es heißt: ‚Liebe deinen Mitmenschen und hasse deinen Feind.‘ Aber ich sage euch: Hört nicht auf, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen“ (Matthäus 5:43, 44). Stammte das Gebot, seinen Feind zu hassen, aus der Bibel? Nein. Diese Lehre hatten die religiösen Führer von sich aus aufgestellt. Sie verwässerten Gottes vollkommenes Gesetz durch menschliches Gedankengut. Jesus verteidigte Gottes Wort furchtlos gegen den schädlichen Einfluss menschlicher Überlieferungen (Markus 7:9-13).

      15. Wie verteidigte Jesus Gottes Gesetz gegen Versuche, es unangemessen streng, ja sogar hart wirken zu lassen?

      15 Die religiösen Führer griffen Gottes Gesetz auch insofern an, als sie es unangemessen streng, ja sogar hart erscheinen ließen. Als Jesu Jünger einmal durch Getreidefelder gingen und ein paar Ähren abpflückten, behaupteten einige Pharisäer, sie hätten den Sabbat gebrochen. Mit einem Beispiel aus der Heiligen Schrift verteidigte Jesus Gottes Wort gegen diese unausgewogene Ansicht. Er führte die einzige Stelle in der Bibel an, wo davon berichtet wird, dass Schaubrote außerhalb des Heiligen der Anbetungsstätte Jehovas verwendet wurden; das war, als David und seine hungrigen Männer davon aßen. Jesus zeigte den Pharisäern damit, dass sie Jehovas Mitgefühl und Barmherzigkeit verkannten (Markus 2:23-27).

      16. Wie hatten die religiösen Führer die Scheidungsbestimmung aus dem mosaischen Gesetz verfälscht, und wie reagierte Jesus?

      16 Die religiösen Führer dachten sich auch formale Schlupflöcher aus, um Gottes Gesetz in seiner Wirkung zu schwächen. Zum Beispiel war es einem Mann dem Gesetz nach erlaubt, sich von seiner Frau scheiden zu lassen, wenn er „etwas Anstößiges“ an ihr fand – offensichtlich etwas Schwerwiegendes, das die Familie in Verruf brachte (5. Mose 24:1). Zur Zeit Jesu erlaubten die religiösen Führer jedoch unter Berufung auf dieses Zugeständnis einem Mann, sich aus allen möglichen Gründen von seiner Frau scheiden zu lassen – allein schon wenn sie das Essen anbrennen ließ!a Jesus machte deutlich, wie wenig das den inspirierten Worten von Moses entsprach. Dann führte er Jehovas ursprüngliche Norm für die Ehe, die monogame Ehe, wieder ein und gab sexuelle Unmoral als einzigen zulässigen Scheidungsgrund an (Matthäus 19:3-12).

      17. Wie können wir heute wie Jesus die Bibel verteidigen?

      17 Christi Nachfolger heute fühlen sich ebenfalls gedrängt, die Heilige Schrift zu verteidigen. Wenn religiöse Führer unterstellen, die Moralmaßstäbe der Bibel seien rückständig, ist das genau genommen ein Angriff auf Gottes Wort. Es ist auch jedes Mal ein Angriff auf die Bibel, wenn religiöse Irrlehren als biblisch hingestellt werden. Wir freuen uns, Gottes reines Wort der Wahrheit verteidigen zu dürfen, indem wir beispielsweise bekannt machen, dass der wahre Gott kein dreieiniger Gott ist (5. Mose 4:39). Wenn wir die Bibel verteidigen, tun wir das stets höflich, mit echter Milde und tiefem Respekt (1. Petrus 3:15).

      Gottes Wort erklären

      18, 19. Welche Beispiele zeigen, dass Jesus Gottes Wort sehr gut erklären konnte?

      18 Als die Hebräischen Schriften nieder­geschrieben wurden, war Jesus im Himmel. Wie muss es ihn gefreut haben, auf die Erde zu kommen und Gottes Wort zu erklären! Nehmen wir zum Beispiel jenen denkwürdigen Tag nach seiner Auferstehung, als er sich zwei seiner Jünger auf dem Weg nach Emmaus anschloss. Ohne Jesus zu erkennen, erzählten sie ihm, wie traurig und verwirrt sie wegen des Todes ihres geliebten Herrn waren. Wie reagierte Jesus? „Angefangen mit Moses und allen Propheten legte er ihnen in den gesamten Schriften das aus, was ihn betraf.“ Das berührte die beiden tief. Sie sagten später zueinander: „Brannte nicht unser Herz in unserem Innern, als er unterwegs mit uns redete und uns die Schriften völlig erschloss?“ (Lukas 24:15-32).

      19 Am selben Tag erschien Jesus dann auch seinen Aposteln und anderen und bewirkte, „dass sie die Bedeutung der Schriften voll und ganz erfassen konnten“ (Lukas 24:45). Bestimmt kamen ihnen bei diesem freudigen Anlass die vielen Gelegenheiten in den Sinn, bei denen Jesus für sie – und für alle anderen, die ein offenes Ohr hatten – Ähnliches getan hatte. Jesus zog immer wieder bekannte Schriftstellen heran und erklärte sie so, dass sich seinen Zuhörern etwas Wunderbares erschloss: ein neues, tieferes Verständnis des Wortes Gottes.

      20, 21. Wie erklärte Jesus die Worte, die Jehova am brennenden Dornbusch zu Moses gesprochen hatte?

      20 Einmal sprach Jesus zu einer Gruppe von Sadduzäern. Die Sadduzäer waren eine mit der jüdischen Priesterschaft in Verbindung stehende Sekte des Judaismus, die nicht an die Auferstehung glaubte. Jesus sagte zu ihnen: „Was nun die Auferstehung der Toten betrifft: Habt ihr nicht gelesen, was Gott zu euch gesagt hat: ‚Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs‘? Er ist nicht der Gott der Toten, sondern der Lebenden“ (Matthäus 22:31, 32). Diese Schriftstelle kannten sie gut. Sie stammte von einem Mann, den sie verehrten – Moses. Achten wir einmal darauf, was für eine aussagekräftige Erklärung Jesus gab.

      21 Das Gespräch zwischen Moses und Jehova am brennenden Dornbusch fand etwa im Jahr 1514 v. u. Z. statt (2. Mose 3:2, 6). Abraham war damals schon 329 Jahre tot, Isaak 224 Jahre und Jakob 197 Jahre. Trotzdem sagte Jehova immer noch: „Ich bin … [ihr] Gott.“ Die Sadduzäer wussten, dass Jehova nicht wie irgendein heidnischer Totengott eine legendäre Unterwelt beherrscht. Jehova ist der Gott „der Lebenden“, wie Jesus sagte. Was bedeutet das? Jesus zog den überzeugenden Schluss: „Für ihn leben sie alle“ (Lukas 20:38). Jehovas geliebte Diener, die gestorben sind, haben in seinem unbegrenzten, nie nachlassenden Gedächtnis einen sicheren Platz. Jehova ist so fest entschlossen, sie aufzuerwecken, dass man sie sozusagen als lebend bezeichnen kann (Römer 4:16, 17). Was für eine hervorragende Erklärung des Wortes Gottes! Kein Wunder, dass die Leute tief beeindruckt waren! (Matthäus 22:33).

      22, 23. (a) Wie können wir Jesus nachahmen, wenn wir Gottes Wort erklären? (b) Was werden wir im nächsten Kapitel kennenlernen?

      22 Wir haben heute die Ehre, Jesu Art, Gottes Wort zu erklären, nachzuahmen. Wir besitzen zwar kein vollkommenes Gedächtnis, das stimmt. Aber es bieten sich uns doch immer wieder Möglichkeiten, mit anderen über Aspekte bekannter Bibeltexte zu sprechen, über die sie vielleicht noch gar nicht nachgedacht haben. Viele haben zum Beispiel ihr Leben lang gebetet: „Dein Name werde geheiligt“, und: „Dein Reich komme“, haben aber nie erfahren, wie Gottes Name überhaupt lautet oder was mit Gottes Reich gemeint ist (Matthäus 6:9, 10, Einheits­übersetzung). Wie schön ist es doch, wenn uns jemand erlaubt, solche biblischen Wahrheiten klar und einfach zu erklären!

      23 Um Jesu Vorgehensweise beim Predigen und Lehren nachzuahmen, ist es ganz wichtig, Gottes Wort zu zitieren, zu verteidigen und zu erklären. Konzentrieren wir uns als Nächstes darauf, wie es Jesus immer wieder gelang, mit der biblischen Wahrheit das Herz seiner Zuhörer anzusprechen.

      a Der Geschichts­schreiber Josephus, ein Pharisäer aus dem 1. Jahrhundert, der selbst geschieden war, schrieb später, dass sich ein Mann „aus irgendeinem Grunde (solcher Gründe hat man viele) scheiden lassen“ konnte.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Warum sollten wir immer darauf achten, dass Gottes Wort nicht durch Ansichten oder Traditionen der Menschen in den Hintergrund gedrängt wird? (Matthäus 15:2-11).

      • Warum lenken wir beim Beantworten von Fragen die Aufmerksamkeit am besten auf die Bibel? (Lukas 10:25-28).

      • Wie können wir Jesu Bereitschaft nachahmen, sich in seiner Lebensführung und seinen Entscheidungen stets von Gottes prophetischem Wort leiten zu lassen? (Lukas 18:31-34; 22:37).

      • Warum sollten wir Angriffen auf unsere Glaubens­überzeugungen immer mit der Bibel begegnen? (Johannes 10:31-39).

  • „Noch nie hat ein Mensch so geredet“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL ELF

      „Noch nie hat ein Mensch so geredet“

      1, 2. (a) Warum kamen die Beamten, die Jesus ergreifen sollten, unverrichteter Dinge zurück? (b) Warum war Jesus ein hervorragender Lehrer?

      DIE Pharisäer kochen vor Wut. Jesus ist im Tempel und lehrt die Menschen über seinen Vater. Die Zuhörerschaft ist gespalten: Viele glauben an Jesus, während ihn andere lieber hinter Schloss und Riegel sähen. Die religiösen Führer können ihren Zorn nicht mehr beherrschen und schicken Beamte los, um Jesus zu ergreifen. Doch die Beamten kommen unverrichteter Dinge zurück. Die Oberpriester und Pharisäer verlangen eine Erklärung: „Warum habt ihr ihn nicht hergebracht?“ Die Beamten antworten: „Noch nie hat ein Mensch so geredet.“ Jesus hat die Männer durch sein Lehren so fasziniert, dass sie es einfach nicht fertiggebracht haben, ihn festzunehmen (Johannes 7:45, 46).a

      2 Die Beamten waren nicht die Einzigen, die von Jesu Lehren beeindruckt waren. Jesus hatte oft Scharen von Menschen um sich, die nur gekommen waren, um ihm zuzuhören (Markus 3:7, 9; 4:1; Lukas 5:1-3). Warum war er ein so hervorragender Lehrer? Wie in Kapitel 8 erwähnt wurde, liebte er die Wahrheiten, die er lehrte, und auch die Menschen, die er lehrte. Außerdem war er ein Meister im Gebrauch verschiedener Lehrmethoden. Befassen wir uns einmal mit drei seiner wirkungsvollen Lehrmethoden, um zu sehen, wie wir sie einsetzen können.

      Einfache Ausdrucksweise

      3, 4. (a) Warum drückte sich Jesus beim Lehren einfach aus? (b) Inwiefern ist die Bergpredigt ein Beispiel dafür, dass Jesus einfach lehrte?

      3 Jesus verfügte zweifellos über einen sehr umfangreichen Wortschatz. Dennoch redete er beim Lehren nie über die Köpfe seiner Zuhörer hinweg, unter denen viele „gewöhnliche Leute ohne besondere Bildung“ waren (Apostel­geschichte 4:13). Er berücksichtigte ihre Grenzen und überschüttete sie nicht mit Informationen (Johannes 16:12). Mit einfachen Worten vermittelte er sehr tiefgründige Wahrheiten.

      4 Ein Beispiel dafür ist die Bergpredigt, die in Matthäus 5:3 bis 7:27 aufgezeichnet ist. Jesus gab in dieser Predigt tiefgehenden Rat, der jeweils den Kern der Sache traf. Seine Gedanken und seine Ausdrucksweise sind nicht kompliziert. Ja es ist kaum ein Wort dabei, das nicht schon ein Kind ohne Weiteres verstehen kann! Kein Wunder, dass die Menschenmengen – darunter wahrscheinlich viele Bauern, Schäfer und Fischer – am Ende seiner Ausführungen über seine Art zu lehren nur so staunten (Matthäus 7:28).

      5. Nenne Beispiele für einfache und doch inhaltsreiche Aussprüche Jesu.

      5 Beim Lehren gebrauchte Jesus oft einfache, kurze Sätze und prägte inhaltsreiche Aussprüche. So konnte er lange vor Erfindung des Buchdrucks seine Botschaft unauslöschlich in Herz und Sinn seiner Zuhörer einpflanzen. Hier einige Beispiele: „Hört auf, ein Urteil über andere zu fällen, damit kein Urteil über euch gefällt wird.“ „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken.“ „Der Geist ist … voller Eifer, aber der Körper ist schwach.“ „Gebt Cäsar zurück, was Cäsar gehört, und Gott, was Gott gehört.“ „Geben macht glücklicher als Empfangen“ (Matthäus 7:1; 9:12; 26:41; Markus 12:17; Apostel­geschichte 20:35).b Diese Worte sind heute, nach knapp 2000 Jahren, so unvergesslich wie eh und je.

      6, 7. (a) Warum ist es wichtig, sich beim Lehren einfach auszudrücken? (b) Wie vermeidet man es, Studierende mit Informationen zu überschütten?

      6 Wie können wir einfach lehren? Insbesondere dadurch, dass wir uns klar und allgemein verständlich ausdrücken. Die Grundwahrheiten der Bibel sind nicht kompliziert. Jehova hat sein Vorhaben aufrichtigen, demütigen Menschen offenbar gemacht (1. Korinther 1:26-28). Die Wahrheiten aus Gottes Wort lassen sich mit einfachen, gut überlegten Worten am besten vermitteln.

      Ein Bruder studiert mit einem Mann die Bibel.

      Lehre einfach und unkompliziert

      7 Um einfach zu lehren, dürfen wir einen Studierenden nicht mit Informationen überschütten. Wir brauchen beim Bibelstudium nicht auf jede Einzelheit einzugehen, noch sollten wir durch den Stoff hetzen, nur um ein bestimmtes Pensum zu schaffen. Die Studiengeschwindigkeit muss den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Studierenden angepasst sein. Wir möchten ihm helfen, ein Nachfolger Christi und ein Anbeter Jehovas zu werden, und deshalb räumen wir so viel Zeit ein, wie der Betreffende benötigt, um den Stoff gut aufzunehmen. Nur dann wird ihm die Wahrheit der Bibel zu Herzen gehen und ihn motivieren, entsprechend zu handeln (Römer 12:2).

      Die richtigen Fragen

      8, 9. (a) Warum stellte Jesus Fragen? (b) Wie verhalf Jesus Petrus durch Fragen zur richtigen Schlussfolgerung, was das Zahlen der Tempelsteuer betraf?

      8 Jesus verwendete geschickt Fragen, selbst wenn es schneller gegangen wäre, den Zuhörern einfach zu sagen, worauf es ankam. Warum stellte er Fragen? Manchmal deckte er dadurch gezielt die Beweggründe seiner Gegner auf und brachte sie so zum Schweigen (Matthäus 21:23-27; 22:41-46). In vielen Fällen gebrauchte er auch Fragen, um seine Jünger dazu zu bringen, sich zu äußern, um sie zum Nachdenken anzuregen und sie im Denken zu schulen. Deshalb fragte er manchmal: „Was denkt ihr?“, oder: „Glaubst du das?“ (Matthäus 18:12; Johannes 11:26). Durch Fragen gelang es Jesus immer wieder, das Herz seiner Jünger anzusprechen. Hier ein Beispiel.

      9 Petrus wurde einmal von Steuereinnehmern gefragt, ob Jesus die Tempelsteuer bezahlt.c Ohne lange zu überlegen, bejahte Petrus. Jesus sagte später zu ihm: „Was denkst du, Simon: Von wem bekommen die Könige der Erde Zölle oder die Kopfsteuer? Von ihren Söhnen oder von den Fremden?“ Petrus antwortete: „Von den Fremden.“ Jesus sagte: „Dann sind die Söhne ja von Steuern befreit“ (Matthäus 17:24-27). Petrus muss begriffen haben, worauf Jesus mit diesen Fragen hinauswollte, denn Familien­angehörige von Königen waren damals bekanntlich von Steuern befreit. Somit war Jesus als der einziggezeugte Sohn des himmlischen Königs, der im Tempel angebetet wurde, zur Zahlung der Steuer nicht verpflichtet. Statt einfach den Sachverhalt zu erklären, stellte Jesus taktvoll Fragen, damit Petrus selbst zur richtigen Schlussfolgerung kam und vielleicht auch zu der Erkenntnis, dass es besser wäre, vor dem Antworten etwas mehr nachzudenken.

      Eine Schwester spricht mit einer Mutter, die ein Baby auf dem Arm hat, über die Wahrheit.

      Stelle Fragen, die auf die Interessen der Menschen zugeschnitten sind

      10. Wie können wir beim Predigen von Haus zu Haus Fragen wirkungsvoll einsetzen?

      10 Wie können wir beim Predigen Fragen wirkungsvoll einsetzen? Wenn wir von Haus zu Haus unterwegs sind, könnten wir durch Fragen Interesse wecken und so vielleicht den Weg für ein Gespräch über die gute Botschaft ebnen. Kommt zum Beispiel ein älterer Mensch an die Tür, könnten wir höflich die Frage aufwerfen: „Was würden Sie sagen: Wie hat sich die Welt im Lauf Ihres Lebens verändert?“ Nachdem wir die Antwort abgewartet haben, könnten wir fragen: „Was müsste Ihrer Meinung nach geschehen, damit das Leben auf der Erde lebenswerter wird?“ (Matthäus 6:9, 10). Treffen wir eine Mutter mit kleinen Kindern an, könnten wir sagen: „Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie die Welt aussehen wird, wenn Ihre Kinder erwachsen sind?“ (Psalm 37:10, 11). Wenn wir einen aufmerksamen Blick auf die Umgebung eines Hauses werfen, können wir vielleicht eine Frage stellen, die genau auf die Interessen des Bewohners zugeschnitten ist.

      11. Wie können wir bei Bibelkursen gezielt Fragen einsetzen?

      11 Wie können wir bei einem Bibelkurs gezielt Fragen einsetzen? Durch gut gewählte Fragen können wir erfahren, wie der Studierende denkt und empfindet (Sprüche 20:5). Angenommen, wir besprechen in dem Buch Glücklich – für immerd Lektion 43, „Was die Bibel über Alkohol sagt“. Darin wird erklärt, wie Gott über Trunkenheit und übermäßigen Alkoholkonsum denkt. Die Antworten des Studierenden zeigen vielleicht, dass er verstanden hat, was die Bibel lehrt, aber stimmt er mit dem Gelernten auch überein? Wir könnten ihn fragen: „Findest du Gottes Standpunkt hierzu vernünftig?“ Eine weitere Frage wäre: „Wie könnte man diese Punkte im eigenen Leben umsetzen?“ Dabei ist es wichtig, immer taktvoll zu bleiben und die Würde des Studierenden zu wahren. Wir dürfen ihn durch unsere Fragen niemals unnötig in Verlegenheit bringen (Sprüche 12:18).

      Überzeugende Logik

      12-14. (a) Wozu gebrauchte Jesus seine Fähigkeit, logisch zu argumentieren? (b) Mit welcher überzeugenden Logik ging Jesus auf die Behauptung der Pharisäer ein, seine Kraft komme von Satan?

      12 Aufgrund seines vollkommenen Verstandes konnte Jesus meisterhaft argumentieren. Manchmal widerlegte er durch überzeugende Logik die falschen Anschuldigungen seiner Gegner. Oft vermittelte er auch durch schlüssige Beweisführung seinen Nachfolgern wertvolle Lehren. Sehen wir uns dazu Beispiele an.

      13 Nachdem Jesus einen von Dämonen besessenen Mann, der blind und stumm war, geheilt hatte, beschuldigten ihn die Pharisäer: „Der kann die Dämonen doch nur durch Beelzebub [Satan], den Herrscher der Dämonen, austreiben.“ Sie gaben also zu, dass Dämonen nur mithilfe übermenschlicher Kraft auszutreiben waren. Jesu Kraft aber schrieben sie Satan zu. Das war nicht nur unwahr, sondern auch unlogisch. Um zu zeigen, wie falsch sie dachten, sagte Jesus: „Jedes Reich, das in sich gespalten ist, geht unter, und jede Stadt oder jede Familie, die in sich gespalten ist, wird keinen Bestand haben. So ist es auch, wenn der Satan den Satan austreibt. Er ist dann in sich selbst gespalten. Wie soll da sein Reich bestehen?“ (Matthäus 12:22-26). Anders ausgedrückt sagte Jesus: „Wenn ich ein Handlanger Satans wäre und gleichzeitig Satans Werk zunichtemache, dann würde Satan doch gegen seine eigenen Interessen arbeiten und bald fallen.“ Was hätten die Pharisäer einem so schlüssigen Argument entgegenhalten können?

      14 Jesus ließ es dabei jedoch nicht bewenden. Da ihm bekannt war, dass einige von den Jüngern der Pharisäer ebenfalls Dämonen ausgetrieben hatten, stellte er eine einfache Frage, die es aber in sich hatte: „Wenn ich die Dämonen mithilfe von Beelzebub austreibe, wie treiben eure Söhne [oder Jünger] sie dann aus?“ (Matthäus 12:27). Sinngemäß sagte er: „Wenn ich Dämonen durch die Kraft Satans austreibe, dann tun eure Anhänger das doch auch.“ Was hätten die Pharisäer darauf erwidern können? Niemals würden sie anerkennen, dass ihre Jünger mithilfe der Kraft Satans wirkten. So brachte Jesus sie, ausgehend von ihren falschen Überlegungen, zu einer für sie höchst unangenehmen Schlussfolgerung. Ist es nicht schon faszinierend, den Bericht über diese Begebenheit zu lesen? Wie kraftvoll müssen Jesu Worte erst auf die Menschenmengen gewirkt haben, die ihn direkt vor sich sahen und seine Stimme hörten.

      15-17. Nenne ein Beispiel, wie Jesus durch den sogenannten Erst-recht-Schluss zu Herzen gehende Wahrheiten über seinen Vater lehrte.

      15 Auf logische, überzeugende Art lehrte Jesus außerdem ermutigende, zu Herzen gehende Wahrheiten über seinen Vater. Dabei gebrauchte er oft einen sogenannten Erst-recht-Schluss – häufig mit den Worten „wie viel mehr“ –, durch den er seine Zuhörer von einer bekannten Tatsache ausgehend in einer bestimmten Überzeugung bestärkte.e Eine solche gegenüberstellende Beweisführung kann sehr beeindruckend wirken. Untersuchen wir nur zwei Beispiele.

      16 Als die Jünger von Jesus wissen wollten, wie man betet, sprach er davon, wie sehr es schon unvollkommenen Menschen am Herzen liegt, ihren Kindern „Gutes zu schenken“. Dann zog er den Schluss: „Wenn also schon ihr es versteht, euren Kindern Gutes zu schenken, obwohl ihr schlecht seid, wie viel mehr wird dann der Vater im Himmel denen, die ihn bitten, heiligen Geist geben!“ (Lukas 11:1-13). Jesus hebt hier einen bestimmten Punkt durch eine Gegenüberstellung hervor: Wenn schon unvollkommene Menschen für ihre Kinder sorgen, dann wird unser himmlischer Vater, der ja durch und durch gerecht und vollkommen ist, seinen loyalen Anbetern erst recht heiligen Geist geben, wenn sie ihn demütig darum bitten.

      17 Ähnlich ging Jesus vor, als er zeigte, wie man mit Sorgen fertigwerden kann. Er sagte: „Denkt nur einmal an die Raben: Sie säen nicht und ernten nicht und haben weder Scheune noch Vorratshaus. Trotzdem ernährt Gott sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als Vögel? Achtet einmal darauf, wie die Lilien wachsen: Sie mühen sich nicht ab und spinnen kein Garn. … Wenn Gott schon die Pflanzen auf den Feldern, die heute da sind und morgen in einen Ofen geworfen werden, so kleidet, dann wird er doch erst recht euch kleiden! Habt ihr so wenig Glauben?“ (Lukas 12:24, 27, 28). Wenn Jehova für die Vögel und die Blumen sorgt, dann wird er sich doch erst recht um Menschen kümmern, die ihn lieben und anbeten! Solche Erklärungen sprachen mit Sicherheit das Herz seiner Zuhörer an.

      18, 19. Wie könnten wir vorgehen, wenn jemand sagt, er glaube nicht an einen unsichtbaren Gott?

      18 Im Predigtdienst müssen wir verkehrte Ansichten gut begründet widerlegen. Auch ist es unser Ziel, mit gewinnenden Worten erbauende Wahrheiten über Jehova zu vermitteln (Apostel­geschichte 19:8; 28:23, 24). Dazu sind keine ausgefeilten Argumentationstechniken nötig. Von Jesus lernen wir, dass einfache, logische Beweise am wirksamsten sind.

      19 Wie können wir beispielsweise vorgehen, wenn jemand sagt, er glaube nicht an einen unsichtbaren Gott? Wir könnten das Gesetz von Ursache und Wirkung anführen. Wenn wir eine Wirkung beobachten, schließen wir auf eine Ursache. Wir könnten also sagen: „Wenn Sie in einer einsamen Gegend zu einem schönen Haus voll mit Nahrungsvorräten kommen (eine Wirkung), würden Sie dann nicht sofort annehmen, dass jemand (eine Ursache) das Haus gebaut und die Vorräte angelegt hat? Genauso geht es einem, wenn man sieht, welche Planung in der Natur steckt und wie viel Nahrung in den ‚Vorratskammern‘ der Erde vorhanden ist (eine Wirkung). Muss nicht auch das auf jemand (eine Ursache) zurückzuführen sein? Eine solche Überlegung findet man in der Bibel: ‚Jedes Haus [wird] von jemandem gebaut, doch der, der alles gemacht hat, ist Gott‘“ (Hebräer 3:4). Natürlich werden wir selbst mit der logischsten Beweisführung nicht jeden überzeugen (2. Thessalonicher 3:2).

      Zwei Älteste, die mit einem Bruder sprechen, argumentieren anhand der Bibel.

      Führe Gedanken an, die das Herz ansprechen

      20, 21. (a) Wie können wir durch Erst-recht-Schlüsse auf Jehovas Eigenschaften und Handlungsweisen aufmerksam machen? (b) Womit werden wir uns im nächsten Kapitel befassen?

      20 Der Erst-recht-Schluss bietet sich ebenfalls an, wenn man im Predigtdienst oder in der Versammlung auf Jehovas Eigenschaften und Handlungsweisen aufmerksam machen möchte. Um beispielsweise zu erklären, dass die Lehre von einer ewigen Qual im Höllenfeuer Jehova in Wirklichkeit entehrt, könnten wir sagen: „Welcher Vater, der sein Kind liebt, würde es damit bestrafen, dass er die Hand des Kindes ins Feuer hält? Dann muss doch für unseren liebevollen himmlischen Vater allein schon der Gedanke, Menschen für immer im Höllenfeuer zu quälen, erst recht abstoßend sein!“ (Jeremia 7:31). Ist jemand aus der Versammlung niedergeschlagen, könnten wir ihm versichern, dass Jehova ihn liebt, indem wir sagen: „Wenn für Jehova schon ein winziger Spatz von Wert ist, wie viel mehr muss ihm dann an seinen Anbetern auf der Erde liegen, auch an dir!“ (Matthäus 10:29-31). Solche Denkanstöße können sehr zu Herzen gehen.

      21 Nachdem wir nun lediglich drei der Lehrmethoden Jesu betrachtet haben, merken wir schon, dass die Beamten, die es nicht fertiggebracht hatten, Jesus festzunehmen, keineswegs übertrieben, als sie sagten: „Noch nie hat ein Mensch so geredet.“ Im nächsten Kapitel werden wir uns mit der Lehrmethode befassen, für die Jesus wahrscheinlich am meisten bekannt ist: der Gebrauch von Gleichnissen und Sprachbildern.

      a Bei den Beamten handelte es sich wahrscheinlich um Dienstleute des Sanhedrins, die den Oberpriestern unterstanden.

      b Die letzte dieser Aussagen steht in Apostel­geschichte 20:35 und wird nur vom Apostel Paulus zitiert. Er hat sie vielleicht von jemandem gehört, der mit Jesus zusammen war, oder vom auferstandenen Jesus selbst, oder er hat sie durch göttliche Offenbarung übermittelt bekommen.

      c Die Juden mussten jährlich zwei Drachmen Tempelsteuer zahlen, was etwa zwei Tagelöhnen entsprach. In einem Nachschlagewerk heißt es dazu: „Verwendet wurde diese Steuer hauptsächlich zur Bestreitung des täglichen Brandopfers und überhaupt aller im Namen des Volkes darzubringenden Opfer.“

      d Herausgegeben von Jehovas Zeugen.

      e Diese Art der Beweisführung bezeichnet man lateinisch als „Argumentum a fortiori“. „A fortiori“ heißt übersetzt „vom Stärkeren her“ und bedeutet „nach dem stärker überzeugenden Grund; erst recht, umso mehr“.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie können Jesu Äußerungen uns helfen, bei Aufgaben in der Versammlung die richtigen Worte zu wählen? (Matthäus 11:25).

      • Wie lässt sich das Muster, nach dem Jesus hier Fragen stellt, in Vorträgen umsetzen? (Matthäus 11:7-9).

      • Wie lassen sich beim Lehren Hyperbeln, das heißt offensichtliche Übertreibungen, taktvoll einsetzen? (Matthäus 7:3; 19:24).

      • Wie könnten wir Jesu anschauliche Art zu lehren nachahmen? (Johannes 13:5, 14).

  • „Er sagte ihnen nichts, ohne in Bildern zu reden“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL ZWÖLF

      „Er sagte ihnen nichts, ohne in Bildern zu reden“

      1-3. (a) Welches Vorrecht haben Jesu Jünger, und wie erleichtert Jesus es ihnen, sich an seine Lehren zu erinnern? (b) Warum kann man sich gute Sprachbilder leicht merken?

      DIE Jünger, die Jesus begleiten, haben ein besonderes Vorrecht. Sie lernen direkt von dem großen Lehrer. Sie hören seine Stimme, wenn er Gottes Wort erklärt und sie begeisternde Wahrheiten lehrt. Vorerst müssen sie sich seine wertvollen Äußerungen allerdings in Herz und Sinn einprägen, denn es ist noch nicht die Zeit, seine Worte schriftlich festzuhalten.a Jesus erleichtert es ihnen, sich an seine Lehren zu erinnern. Wie? Durch die Art, wie er lehrt, besonders durch den meisterhaften Gebrauch von Sprachbildern und Gleichnissen.

      2 Gute Sprachbilder vergisst man tatsächlich nicht so schnell. Ein Autor schrieb, dass durch Sprachbilder „aus Ohren Augen“ werden und „im Sinn der Zuhörer Bilder entstehen“. Sie machen es leichter, selbst abstrakte Gedanken zu erfassen, weil es oft einfacher ist, in Bildern zu denken. Sprachbilder und Gleichnisse erfüllen Worte mit Leben und prägen uns Lehren fest ein.

      3 Kein Lehrer auf der Erde konnte anschaulicher lehren als Jesus Christus. Seine Gleichnisse sind heute noch vielen geläufig. Warum griff Jesus so oft auf diese Lehrmethode zurück? Was machte seine Sprachbilder und Beispiele so wirkungsvoll? Wie können auch wir diese Lehrmethode erlernen?

      Warum Jesus in Bildern redete

      4, 5. Warum redete Jesus in Bildern?

      4 Aus der Bibel erfahren wir zwei wichtige Gründe, weshalb Jesus in Bildern redete. Erstens erfüllte sich dadurch eine Prophezeiung. In Matthäus 13:34, 35 lesen wir: „All das teilte Jesus den Leuten in Bildern mit. Ja, er sagte ihnen nichts, ohne in Bildern zu reden, damit sich erfüllte, was durch den Propheten angekündigt worden war: ‚Ich werde meinen Mund öffnen und in Bildern reden.‘“ Der hier erwähnte Prophet war der Schreiber von Psalm 78:2. Er verfasste diese Worte unter dem Einfluss des Geistes Gottes Jahrhunderte vor Jesu Geburt. Das heißt, Jehova hatte schon lange im Voraus festgelegt, dass der Messias beim Lehren in Bildern reden würde. Demnach muss Jehova dieser Lehrmethode hohen Wert beimessen.

      5 Zweitens sprach Jesus in Bildern, um, wie er selbst erklärte, diejenigen auszusondern, deren Herz „unempfänglich geworden“ war (Matthäus 13:10-15; Jesaja 6:9, 10). Wie kam es, dass durch seine Bilder die Beweggründe der Menschen aufgedeckt wurden? In manchen Fällen mussten die Zuhörer nachfragen, um den tieferen Sinn seiner Worte zu verstehen. Demütige Menschen waren dazu bereit, hochmütige und desinteressierte dagegen nicht (Matthäus 13:36; Markus 4:34). So wurde durch Jesu Art zu lehren die Wahrheit denjenigen, die von Herzen danach hungerten, enthüllt und gleichzeitig vor Menschen mit einem stolzen Herzen verhüllt.

      6. Welche Vorteile hatte es, dass Jesus so anschaulich lehrte?

      6 Es hatte noch weitere Vorteile, dass Jesus so anschaulich lehrte. Er weckte dadurch das Interesse der Menschen und fesselte sie. Jesus ließ vor ihrem geistigen Auge Bilder entstehen, die leicht zu begreifen waren. Wie schon eingangs erwähnt, konnten die Zuhörer seine Worte dadurch besser behalten. Die in Matthäus 5:3 bis 7:27 aufgezeichnete Bergpredigt belegt eindrucksvoll, wie oft Jesus in Bildern sprach. In dieser Rede hat man mehr als 50 Redefiguren gezählt. Wenn man bedenkt, dass sie in ungefähr 20 Minuten vorgetragen werden kann, kommt auf durchschnittlich je 20 Sekunden eine Redefigur! Jesus war sich zweifellos bewusst, wie wertvoll es ist, sich in Bildern auszudrücken.

      7. Warum sollten wir uns an der Art, wie Jesus Sprachbilder verwendete, ein Beispiel nehmen?

      7 Als Nachfolger Christi möchten wir uns an seiner Art zu lehren ein Beispiel nehmen, auch was den Gebrauch von Sprachbildern und Gleichnissen betrifft. Wie Gewürze einem Essen mehr Geschmack verleihen, so können treffende und wohlüberlegte Veranschaulichungen unser Lehren ansprechender und wichtige Wahrheiten leichter verständlich machen. Schauen wir uns einmal genauer an, was Jesu Sprachbilder so wirkungsvoll machte. Dadurch können wir lernen, diese wertvolle Lehrmethode selbst mit Erfolg einzusetzen.

      Einfache Vergleiche ziehen

      Zwei fliegende Möwen und eine Blume.

      Wie zeigte Jesus am Beispiel von Vögeln und Blumen, dass Jehova für uns sorgt?

      8, 9. Wie setzte Jesus einfache Vergleiche ein, und warum waren seine Vergleiche so wirkungsvoll?

      8 Jesus gebrauchte beim Lehren oft einfache Vergleiche, die aus nur wenigen Worten bestanden. Dadurch rief er jedoch plastische Vorstellungen wach und konnte wichtige biblische Wahrheiten verständlich vermitteln. Als er zum Beispiel seinen Jüngern riet, wegen materieller Bedürfnisse nicht ängstlich besorgt zu sein, wies er auf die „Vögel am Himmel“ und die Lilien auf den Feldern hin. Die Vögel säen und ernten nicht und die Lilien spinnen und weben nicht. Trotzdem sorgt Gott für sie. Der Kerngedanke hier ist einfach zu erkennen: Wenn Gott schon für Vögel und Blumen sorgt, dann wird er sich erst recht um die Menschen kümmern, die das Königreich im Leben an die erste Stelle setzen (Matthäus 6:26, 28-33).

      9 Jesus machte ferner ausgiebig von Metaphern, das heißt noch ausdrucksstärkeren Vergleichen, Gebrauch. Bei einer Metapher steht ein bildlicher Ausdruck für die eigentliche Sache. Auch diese Vergleiche waren bei Jesus nicht kompliziert. Zu seinen Jüngern sagte er einmal: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Das verstanden die Jünger gut: Sie konnten durch ihre Worte und Taten das Licht der Wahrheit leuchten lassen und Menschen helfen, Gott zu verherrlichen (Matthäus 5:14-16). Weitere Metaphern, die Jesus gebrauchte, waren: „Ihr seid das Salz der Erde“ und „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Zweige“ (Matthäus 5:13; Johannes 15:5). Solche Redefiguren wirken durch ihre Einfachheit.

      10. Nenne einige Beispiele, die zeigen, wie man anschaulich lehren kann.

      10 Wie können wir anschaulich lehren? Wir brauchen uns keine langen, weitschweifigen Geschichten auszudenken. Suchen wir lieber nach einfachen Vergleichen. Nehmen wir an, wir sprechen über die Auferstehung und möchten veranschaulichen, dass es für Jehova kein Problem ist, Tote aufzuerwecken. Was für ein Vergleich bietet sich an? In der Bibel wird Schlaf als Metapher für den Tod gebraucht. Man könnte also sagen: „Gott kann die Toten so leicht auferwecken, wie wir jemand aus dem Schlaf wecken können“ (Johannes 11:11-14). Oder angenommen, wir möchten zeigen, wie wichtig Liebe und Zuwendung für die Entwicklung eines Kindes sind. Wie könnten wir das anschaulich erklären? Die Bibel vergleicht Kinder mit den „Trieben eines Olivenbaums“ (Psalm 128:3). Wir könnten also sagen: „Liebe und Zuwendung sind für ein Kind so wichtig wie Wasser und Licht für einen Baum.“ Je einfacher der Vergleich, desto besser verstehen unsere Zuhörer, worauf es ankommt.

      Auf den Alltag Bezug nehmen

      11. Zeige an Beispielen, wie Jesus Beobachtungen, die er in jungen Jahren in Galiläa gemacht haben muss, zur Veranschaulichung heranzog.

      11 Jesus verstand es meisterhaft, bei seinen Vergleichen auf das Leben der Menschen Bezug zu nehmen. Oft sind darin alltägliche Beobachtungen wiederzufinden, die er wahrscheinlich in Galiläa gemacht hatte, wo er aufgewachsen war. Denken wir einmal kurz über seine frühen Lebensjahre nach. Wie oft hat er wohl seiner Mutter zugesehen, wenn sie Mehl mahlte, einem Teig Sauerteig zusetzte, eine Lampe anzündete oder das Haus fegte? (Matthäus 13:33; 24:41; Lukas 15:8). Wie oft hat er wohl den Fischern zugesehen, wenn sie ihre Netze in den See von Galiläa hinabließen? (Matthäus 13:47). Und wie oft hat er wohl auf dem Marktplatz Kinder spielen sehen? (Matthäus 11:16). Bestimmt beobachtete Jesus noch andere alltägliche Dinge, die er dann in seinen zahlreichen Veranschaulichungen aufgriff, wie das Aussäen von Samen, das freudige Feiern von Hochzeitsfesten und das Reifen von Getreide in der Sonne (Matthäus 13:3-8; 25:1-12; Markus 4:26-29).

      12, 13. Warum ist es bemerkenswert, dass Jesus in der Geschichte vom barmherzigen Samariter die Straße erwähnte, die „von Jerusalem hinunter nach Jericho“ führte?

      12 Jesus nannte in seinen Gleichnissen Einzelheiten, die seinen Zuhörern bekannt waren. Die Geschichte vom barmherzigen Samariter zum Beispiel begann er mit den Worten: „Ein Mann ging von Jerusalem hinunter nach Jericho und wurde von Räubern überfallen. Sie nahmen ihm alles weg, schlugen auf ihn ein und ließen ihn dann halb tot zurück“ (Lukas 10:30). Bemerkenswerter­weise erwähnte Jesus bewusst die Straße, die „von Jerusalem hinunter nach Jericho“ führte. Als er die Geschichte erzählte, hielt er sich in Judäa auf, und zwar in der Nähe von Jerusalem. Seine Zuhörer müssen die besagte Straße also gekannt haben. Außerdem wussten sie, dass sie besonders für Alleinreisende gefährlich war. Da sie sich durch ein einsames Gebiet schlängelte, konnten sich Räuber gut verstecken.

      13 Jesus baute in seine Geschichte noch andere bekannte Einzelheiten über die Straße ein, die „von Jerusalem hinunter nach Jericho“ führte. Gemäß der Geschichte kam auf der Straße zuerst ein Priester und dann ein Levit vorbei – doch keiner von beiden blieb stehen, um dem Überfallenen zu helfen (Lukas 10:31, 32). Die Priester dienten im Tempel in Jerusalem und die Leviten unterstützten sie dabei. Viele Priester und Leviten wohnten in Jericho, wenn sie nicht im Tempel tätig waren; Jericho lag nur etwa 23 Kilometer von Jerusalem entfernt. Sie waren daher immer wieder auf dieser Straße zu sehen. Wie Jesus außerdem sagte, ging der Reisende die Straße „von Jerusalem“ nach Jericho nicht hinauf, sondern „hinunter“. Das war seinen Zuhörern klar, denn Jerusalem lag höher als Jericho. Kam jemand „von Jerusalem“, ging er die Straße also tatsächlich „hinunter“.b Wie hier deutlich zu sehen ist, behielt Jesus seine Zuhörer im Sinn.

      14. Wie können wir beim Gebrauch von Veranschaulichungen unsere Zuhörer im Sinn behalten?

      14 Auch wir müssen beim Gebrauch von Veranschaulichungen unsere Zuhörer im Sinn behalten. Worauf könnten wir achten? Nun, da wären beispielsweise das Alter, die Kultur, die Familien­verhältnisse oder der Beruf. Ein Vergleich mit Einzelheiten aus der Landwirtschaft zum Beispiel würde wohl auf dem Land eher verstanden werden als in einer Großstadt. Auch vieles aus dem Alltag unserer Zuhörer – Kinder, Haus, Hobbys, Essen und Trinken – könnte Stoff für passende Vergleiche bieten.

      Aus der Schöpfung ableiten

      15. Warum überrascht es nicht, dass Jesus mit der Schöpfung gut vertraut war?

      15 Viele Sprachbilder und Beispiele, die Jesus gebrauchte, beweisen, dass er mit Pflanzen, Tieren, den Elementen, ja der gesamten Natur vertraut war (Matthäus 16:2, 3; Lukas 12:24, 27). Woher hatte er dieses Wissen? Während er in Galiläa aufwuchs, hatte er bestimmt reichlich Gelegenheit, die Schöpfung zu beobachten. Wichtiger noch, Jesus ist der „Erstgeborene der gesamten Schöpfung“ und Jehova gebrauchte ihn bei der Erschaffung aller Dinge als „Werkmeister“ (Kolosser 1:15, 16; Sprüche 8:30, 31). Es überrascht daher nicht, dass er mit der Schöpfung gut vertraut war. Sehen wir uns einmal an, wie er von diesem Wissen geschickt Gebrauch machte.

      16, 17. (a) Woran ist zu erkennen, dass sich Jesus mit Schafen gut auskannte? (b) Welches Beispiel zeigt, dass Schafe tatsächlich auf die Stimme ihres Hirten hören?

      16 Wir erinnern uns, dass Jesus sich selbst als der „gute Hirte“ bezeichnete und seine Nachfolger als „Schafe“. Aus seinen Worten geht hervor, dass er sich mit Hausschafen gut auskannte. Er wusste um die außergewöhnliche Beziehung zwischen Hirten und ihren Schafen. Er erwähnte, dass sich diese zutraulichen Tiere leicht leiten lassen und treu ihrem Hirten folgen. Warum folgen Schafe ihrem Hirten? „Weil sie seine Stimme kennen“, sagte Jesus (Johannes 10:2-4, 11). Kennen Schafe tatsächlich die Stimme ihres Hirten?

      Ein Hirte geht vor seinen Schafen her.

      17 George A. Smith berichtet in einem Buch, was er selbst einmal beobachtete: „Mitunter verbrachten wir die Mittagspause an einem jener judäischen Brunnen, zu denen drei oder vier Hirten mit ihren Herden herabkamen. Die verschiedenen Herden vermengten sich untereinander, und wir fragten uns, wie jeder Hirte wieder zu seinen eigenen Tieren kommen würde. Als aber das Tränken und das Spielen zu Ende war, begab sich jeder Hirte an eine andere Stelle des Tals und stieß den für ihn charakteristischen Ruf aus; da strebten die Schafe auseinander und schlossen sich alle dem eigenen Hirten an, und die Herden zogen genauso geordnet weg, wie sie gekommen waren“ (The Historical Geography of the Holy Land). Jesus hätte den Gedanken, auf den es ihm ankam, kaum treffender veranschaulichen können: Wenn wir seine Lehren annehmen und uns daran halten und wenn wir seiner Leitung folgen, dann kann der „gute Hirte“ für uns sorgen.

      18. Wo können wir uns über Jehovas Schöpfungswerke informieren?

      18 Wie können wir Vergleiche aus der Schöpfung ableiten? Wir könnten besondere Merkmale von Tieren als Grundlage für einfache, treffende Vergleiche heranziehen. Wo können wir uns über Jehovas Schöpfungswerke informieren? Die Bibel bietet eine Fülle von Aussagen über verschiedene Tiere, deren Eigenschaften zum Teil in übertragenem Sinn gebraucht werden. Wir finden Vergleiche wie zum Beispiel: flink wie Gazellen, schneller als Leoparden, vorsichtig wie Schlangen und unschuldig wie Tauben (1. Chronika 12:8; Habakuk 1:8; Matthäus 10:16).c Weitere wertvolle Informations­quellen sind die Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! sowie Artikel und Videos aus der Serie „Wer hat es erfunden?“ auf jw.org. Man kann viel lernen, wenn man darauf achtet, wie in diesen Quellen aus den zahllosen wunderbaren Schöpfungswerken Jehovas einfache Vergleiche abgeleitet werden.

      Bekanntes als Beispiel heranziehen

      19, 20. (a) Wie korrigierte Jesus eine falsche Vorstellung durch den Hinweis auf ein aktuelles Ereignis? (b) Wie können wir beim Lehren Beispiele und Begebenheiten aus dem täglichen Leben einflechten?

      19 Auch Begebenheiten aus dem Leben eignen sich sehr gut, um etwas zu veranschaulichen. Um die falsche Vorstellung zu korrigieren, Unglücke träfen Menschen, die es verdienten, zog Jesus einmal ein aktuelles Ereignis heran. Er sagte: „Die 18, auf die der Turm in Siloam fiel und sie tötete – denkt ihr, sie hatten größere Schuld als alle anderen Einwohner Jerusalems?“ (Lukas 13:4). Jene 18 Menschen kamen nicht etwa deshalb so tragisch ums Leben, weil sie durch eine Sünde Gottes Missfallen erregt hätten, sondern weil „Zeit und unerwartete Ereignisse“ sie trafen (Prediger 9:11). Jesus korrigierte in diesem Fall eine Irrlehre durch den Hinweis auf ein Ereignis, das seinen Zuhörern noch frisch in Erinnerung war.

      20 Wie können wir beim Lehren Beispiele und Begebenheiten aus dem täglichen Leben einflechten? Angenommen, es geht in einem Gespräch um die Erfüllung der Prophezeiung Jesu über das Zeichen seiner Gegenwart (Matthäus 24:3-14). Wir könnten auf aktuelle Berichte über Kriege, Hungersnöte oder Erdbeben zu sprechen kommen, um zu zeigen, dass sich bestimmte Merkmale dieses Zeichens jetzt gerade erfüllen. Oder nehmen wir an, wir möchten anhand eines Beispiels zeigen, wie sich jemand ändert, wenn er die „neue Persönlichkeit“ anzieht (Epheser 4:20-24). Wo finden wir Stoff dazu? Wir könnten erzählen, was jemand aus der Versammlung erlebt hat, oder einen Lebensbericht aus einer Veröffentlichung von Jehovas Zeugen verwenden. Außerdem werden wir auf jw.org in der Serie „Die Bibel hat ihr Leben verändert“ bestimmt fündig.

      21. Womit wird ein guter Lehrer des Wortes Gottes belohnt?

      21 Jesus war zweifellos der beste Lehrer aller Zeiten. Wie wir in diesem Abschnitt gesehen haben, bestand seine Lebensaufgabe darin, zu lehren und die gute Botschaft zu predigen (Matthäus 4:23). Das ist auch unsere Lebensaufgabe. Wirkungsvoll zu lehren ist etwas sehr Lohnendes. Durch unser Lehren können wir geben, und Geben macht glücklich (Apostel­geschichte 20:35). Dieses Glück entspringt dem freudigen Bewusstsein, dass wir etwas von echtem, dauerhaftem Wert vermitteln: die Wahrheit über Jehova. Außerdem haben wir die befriedigende Gewissheit, dem Beispiel Jesu zu folgen, des größten Lehrers, der je auf der Erde lebte.

      a Der erste inspirierte Bericht über das Leben Jesu auf der Erde war offensichtlich das Matthäus­evangelium, das etwa acht Jahre nach Jesu Tod nieder­geschrieben wurde.

      b Aus Jesu Worten geht auch hervor, dass der Priester und der Levit „von Jerusalem“ kamen, also vom Tempel weggingen. Somit konnte niemand ihre Gleich­gültigkeit mit dem Argument entschuldigen, sie hätten sich von dem Mann, der tot zu sein schien, ferngehalten, weil sie nicht riskieren wollten, für den Tempeldienst vorübergehend untauglich zu werden (3. Mose 21:1; 4. Mose 19:16).

      c Eine ausführlichere Liste, wie die Eigenschaften bestimmter Tiere in der Bibel sinnbildlich gebraucht werden, enthält das von Jehovas Zeugen herausgegebene Nachschlagewerk Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 1123, 1124.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Welche Details aus der Schöpfung zog Jesus zur Veranschaulichung heran, und wie könnten wir ähnlich vorgehen? (Matthäus 13:24-32).

      • Wie vermittelte Jesus durch ein einfaches Beispiel einen wichtigen Gedanken, und was können wir von ihm lernen? (Matthäus 18:12-14).

      • Welche Alltagssituationen zog Jesus zur Veranschaulichung heran, und was können wir daraus lernen? (Lukas 11:5-8; 12:6).

  • „Ich liebe den Vater“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL DREIZEHN

      „Ich liebe den Vater“

      1, 2. Was berichtet Johannes über den letzten Abend, den die Apostel mit Jesus verbrachten?

      EIN betagter Mann taucht seine Feder in die Tinte, den Kopf voller Erinnerungen. Sein Name ist Johannes. Er ist der letzte noch lebende Apostel Jesu Christi. Mit fast 100 Jahren versetzt sich Johannes in Gedanken rund 70 Jahre in die Vergangenheit an einen überaus denkwürdigen Abend – den letzten, den er und die anderen Apostel mit Jesus vor dessen Tod verbrachten. Unter der Leitung des heiligen Geistes Gottes kann sich Johannes an die damaligen Ereignisse erinnern und sie sehr detailliert aufschreiben.

      2 An jenem Abend kündigte Jesus seinen kurz bevorstehenden Tod an. Nur Johannes berichtet, welchen Grund Jesus selbst für sein qualvolles Ende angab: „Damit die Welt … erkennt, dass ich den Vater liebe, befolge ich seine Anweisungen genau. Jetzt steht auf und lasst uns weggehen“ (Johannes 14:31).

      3. Woran war erkennbar, dass Jesus seinen Vater liebte?

      3 „Ich liebe den Vater.“ Das war für Jesus am allerwichtigsten. Nicht, dass er diese Worte ständig wiederholt hätte. Johannes 14:31 ist genau genommen die einzige Stelle in der Bibel, wo wir lesen, dass Jesus so direkt über seine Liebe zu seinem Vater sprach. Jesus lebte diese Worte vielmehr aus. Seine Liebe zu Jehova war Tag für Tag erkennbar. Sein Mut, sein Gehorsam und sein Ausharren bewiesen, wie sehr er Gott liebte. Diese Liebe war die Motivation für seinen gesamten Dienst.

      4, 5. Von welcher Art Liebe spricht die Bibel hauptsächlich, und was ist über die Liebe Jesu zu Jehova zu sagen?

      4 Liebe ist für viele heute oft eine reine Gefühlssache. Man denkt an Liebesgedichte, Liebeslieder oder vielleicht an das vorübergehende Kribbeln, das Verliebte manchmal verspüren. Auch die Bibel spricht über die sinnliche Liebe – allerdings würdiger, als es heute üblich ist (Sprüche 5:15-21). Viel häufiger geht es in Gottes Wort jedoch um eine andere Art Liebe, eine Liebe, die keine reine Leidenschaft ist, kein flüchtiges Gefühl und auch keine trockene, vom Intellekt bestimmte Philosophie. Bei dieser Liebe sind Herz und Sinn beteiligt. Sie entspringt dem innersten Ich, wird von erhabenen Grundsätzen bestimmt und drückt sich in konkretem Handeln aus. Sie ist alles andere als oberflächlich. Gottes Wort sagt: „Die Liebe versagt nie“ (1. Korinther 13:8).

      5 Von allen Menschen, die je gelebt haben, hat keiner Jehova so geliebt wie Jesus. Niemand hat so vollkommen ausgelebt, was Jesus selbst als das erste der Gebote Gottes bezeichnete: „Liebe Jehova, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft“ (Markus 12:30). Wie kam es, dass Jesus Jehova so sehr liebte? Wie erhielt er auf der Erde seine Liebe zu Gott stark? Und wie können wir uns an ihm ein Beispiel nehmen?

      Das älteste und stärkste Band der Liebe

      6, 7. Warum kann man sagen, dass in Sprüche 8:22-31 Gottes Sohn beschrieben wird und nicht einfach die Weisheit als bloße Eigenschaft?

      6 Hast du schon einmal mit einem Freund an einem Projekt gearbeitet und festgestellt, dass euch das noch enger zusammen­geschweißt hat? Diese schöne Erfahrung lässt in etwa erahnen, welch eine Liebe sich zwischen Jehova und seinem einziggezeugten Sohn entwickelt haben muss. Sprüche 8:30 wurde in diesem Buch schon mehrmals angeführt, doch sehen wir uns diesen Vers noch einmal im Zusammenhang etwas genauer an. In den Versen 22 bis 31 finden wir eine inspirierte Beschreibung der personifizierten Weisheit. Warum kann man sagen, dass sich diese Worte auf Gottes Sohn beziehen?

      7 In Vers 22 sagt die Weisheit: „Jehova brachte mich als den Anfang seines Weges hervor, als das früheste seiner Werke vor langer Zeit.“ Hier kann nicht einfach die Weisheit als Eigenschaft gemeint sein; sie wurde niemals „hervorgebracht“. Sie hat keinen Anfang, denn Jehova hat schon immer existiert und war schon immer weise (Psalm 90:2). Gottes Sohn dagegen, „der Erstgeborene der gesamten Schöpfung“, wurde hervorgebracht oder erschaffen; er war das früheste aller Werke Jehovas (Kolosser 1:15). Wie im Bibelbuch Sprüche beschrieben wird, existierte Gottes Sohn bereits vor der Erschaffung von Himmel und Erde. Und als „das Wort“, das heißt Gottes Sprecher, brachte er die Weisheit Jehovas vollkommen zum Ausdruck (Johannes 1:1).

      8. Womit war der Sohn während seiner vormenschlichen Existenz beschäftigt, und woran könnten wir denken, wenn wir die Schöpfung bewundern?

      8 Womit war Gottes Sohn während der so langen Zeit vor seinem Erdendasein beschäftigt? Wie wir aus Vers 30 erfahren, war er neben Gott als „Werkmeister“ tätig. Was ist damit gemeint? Kolosser 1:16 gibt die Antwort: „Durch ihn ist alles andere im Himmel und auf der Erde erschaffen worden … Alles andere ist durch ihn und für ihn erschaffen worden.“ Jehova, der Schöpfer, brachte also durch seinen Sohn, den Werkmeister, alle anderen Schöpfungswerke ins Dasein – die Geistwesen im Himmel, das weite Universum, die Erde und ihre herrliche Vielfalt an Tieren und Pflanzen bis hin zum Höhepunkt der irdischen Schöpfung, dem Menschen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Vater und seinem Sohn ist in mancher Hinsicht mit der eines Architekten und eines Bauunternehmers vergleichbar: Der eine liefert geniale Entwürfe und der andere setzt sie gekonnt um. Wenn wir eines der vielen Schöpfungswerke bestaunen, gilt unsere Bewunderung eigentlich dem großartigen Architekten, Jehova (Psalm 19:1). Wir könnten dabei jedoch auch an die lange, freudige Zusammenarbeit zwischen dem Schöpfer und seinem „Werkmeister“ denken.

      9, 10. (a) Was stärkte die Bindung zwischen Jehova und seinem Sohn? (b) Was kann unsere Bindung zu unserem himmlischen Vater stärken?

      9 Wenn zwei unvollkommene Menschen eng zusammen­arbeiten, geht das nicht immer ganz reibungslos ab. Nicht so bei Jehova und seinem Sohn! Der Sohn arbeitete unvorstellbar lange mit seinem Vater zusammen und freute sich vor ihm die ganze Zeit (Sprüche 8:30). Für ihn war es eine Freude, mit seinem Vater zusammen zu sein, und der Vater empfand ebenso. Natürlich wurde der Sohn dem Vater dabei immer ähnlicher und lernte dessen Eigenschaften widerzuspiegeln. Kein Wunder, dass sich zwischen Vater und Sohn eine so starke Bindung entwickelte! Man kann wirklich sagen, dass zwischen den beiden das älteste und stärkste Band der Liebe besteht, das es gibt.

      10 Was kann das für uns bedeuten? Vielleicht denkst du: „Eine solche Bindung zu Jehova kann ich nie entwickeln.“ Natürlich ist keiner von uns in einer so erhabenen Stellung wie Jesus, doch wir können uns über ein bemerkenswertes Vorrecht freuen. Wie wir wissen, kam Jesus seinem Vater dadurch näher, dass er mit ihm zusammenarbeitete. Und nun bietet Jehova uns liebevollerweise an, seine „Mitarbeiter“ zu sein (1. Korinther 3:9). Wenn wir im Dienst dem Beispiel Jesu folgen, sollte uns immer bewusst sein, dass wir Gottes Mitarbeiter sind. So wird das Band der Liebe, das uns mit Jehova verbindet, immer stärker. Könnte es ein größeres Vorrecht geben?

      Wie Jesus seine Liebe zu Jehova stark erhielt

      11-13. (a) Warum ist es hilfreich, sich die Liebe als etwas Lebendiges vorzustellen, und wie erhielt Jesus in jungen Jahren seine Liebe zu Jehova stark? (b) Woran zeigte sich – sowohl im Himmel als auf der Erde –, dass Gottes Sohn mit Interesse von seinem Vater lernte?

      11 Stellen wir uns die Liebe im Herzen doch einmal als etwas Lebendiges vor – als eine schöne Pflanze zum Beispiel. Eine Pflanze braucht Pflege, damit sie wächst und gedeiht. Vernachlässigt man sie, verkümmert sie und geht ein. Ähnlich ist es mit der Liebe. Für Jesus war die Liebe zu Jehova nichts Selbst­verständliches. Er sorgte während seines ganzen Lebens auf der Erde dafür, dass sie stark blieb. Sehen wir uns an, wie.

      12 Denken wir noch einmal an die Situation, als sich Jesus mit 12 Jahren im Tempel in Jerusalem zu Wort meldete oder als er zu seinen besorgten Eltern sagte: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“ (Lukas 2:49). Jesus konnte sich damals offenbar noch nicht an sein vormenschliches Dasein erinnern. Trotzdem war seine Liebe zu seinem Vater Jehova sehr stark. Er wusste, dass sich eine solche Liebe naturgemäß in der Anbetung ausdrückt. Deshalb gab es für Jesus keinen anderen Ort auf der Erde, zu dem es ihn so hinzog wie zum Haus seines Vaters, dem Haus der wahren Anbetung. Er war gern dort und ging nur ungern wieder weg. Außerdem war er kein passiver Beobachter. Er wollte etwas über Jehova lernen und über das sprechen, was er wusste. Diese Einstellung entwickelte er nicht erst mit 12 Jahren, und er gab sie später auch nicht auf.

      13 Schon im Himmel hatte der Sohn gern von seinem Vater gelernt. Gemäß einer Prophezeiung in Jesaja 50:4-6 bereitete Jehova seinen Sohn auf die Rolle als Messias gut vor. Jesus erfuhr dabei auch, dass Jehovas Gesalbter so manches erleiden würde; dennoch nahm er alles mit größtem Interesse auf. Als er später auf die Erde kam und zum Mann heranwuchs, war es für ihn immer sehr wichtig, das Haus seines Vaters aufzusuchen, um an der Anbetung und der Belehrung teilzuhaben, die dort gemäß Jehovas Willen gefördert wurden. Wie die Bibel berichtet, war es daher Jesu Gewohnheit, zum Tempel und in die Synagoge zu gehen (Lukas 4:16; 19:47). Wenn wir unsere Liebe zu Jehova stark und lebendig erhalten möchten, dürfen wir den Besuch der Zusammenkünfte nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn wir beten dort Jehova an und lernen ihn immer mehr kennen und schätzen.

      Jesus betet auf einem Berg.

      „Er ging allein auf einen Berg, um zu beten“

      14, 15. (a) Warum wollte Jesus manchmal allein sein? (b) Wie zeigte sich in Jesu Gebeten zu seinem Vater Vertrautheit und Respekt?

      14 Jesus erhielt seine Liebe zu Jehova außerdem dadurch stark, dass er regelmäßig betete. Obwohl er ein umgänglicher, geselliger Mensch war, schätzte er es auch, allein zu sein. In Lukas 5:16 heißt es zum Beispiel: „Er zog sich … oft in einsame Gegenden zurück, um zu beten.“ In Matthäus 14:23 wird gesagt: „Als er die Leute weggeschickt hatte, ging er allein auf einen Berg, um zu beten. Es war Abend und er war dort ganz für sich.“ Auch bei anderen Gelegenheiten suchte Jesus die Einsamkeit, aber nicht weil er ein Einzelgänger war oder sich unter Menschen nicht wohlfühlte, sondern weil er mit Jehova allein sein und im Gebet frei mit seinem Vater sprechen wollte.

      15 Wenn Jesus betete, sagte er manchmal: „Abba, Vater“ (Markus 14:36). Das Wort „Abba“ war zur Zeit Jesu eine vertrauliche Bezeichnung für „Vater“, ein Kosename. Es gehörte oft zu den ersten Wörtern, die ein Kind lernte. Dennoch war es respektvoll. In diesem Wort kam die Vertrautheit zum Ausdruck, mit der Jesus zu seinem geliebten Vater sprach, und gleichzeitig zeigte sich darin sein tiefer Respekt vor Jehovas väterlicher Autorität. Diese Kombination von Vertrautheit und Respekt zieht sich durch alle in der Bibel aufgezeichneten Gebete Jesu. Johannes, Kapitel 17 enthält beispielsweise das lange, innige Gebet, das Jesus am Abend vor seinem Tod sprach. Es ist sehr bewegend, dieses Gebet bewusst zu durchdenken, und es sollte uns als Orientierung dienen – natürlich nicht in dem Sinn, dass wir es wörtlich wiederholen, sondern dass wir Wege suchen, möglichst oft von Herzen zu unserem himmlischen Vater zu sprechen. Dann wird unsere Liebe zu Jehova stark und lebendig bleiben.

      16, 17. (a) Wie drückte Jesus seine Liebe zu seinem Vater in Worten aus? (b) Wie schilderte Jesus die Großzügigkeit seines Vaters?

      16 Wie schon erwähnt, wiederholte Jesus nicht ständig: „Ich liebe den Vater.“ Er drückte seine Liebe zu Jehova jedoch oft in anderen Worten aus. Beispielsweise sagte er: „Ich preise dich öffentlich, Vater, Herr des Himmels und der Erde“ (Matthäus 11:25). Wie wir in Abschnitt 2 dieses Buches gesehen haben, pries Jesus seinen Vater gern dadurch, dass er Menschen half, ihn kennenzulernen. Einmal verglich er Jehova mit einem Vater, der seinem auf Abwege geratenen Sohn so gern verzeihen wollte, dass er auf den reumütigen jungen Mann wartete und, als er ihn von Weitem kommen sah, auf ihn zulief und ihn in die Arme schloss (Lukas 15:20). Wird einem nicht richtig warm ums Herz, wenn man liest, wie Jesus hier Jehovas Liebe und Bereitschaft zum Vergeben beschreibt?

      17 Jesus pries seinen Vater auch oft wegen dessen Großzügigkeit. Am Beispiel unvollkommener Eltern zeigte er, dass wir sicher sein können, von unserem Vater Jehova immer das nötige Maß an heiligem Geist zu erhalten (Lukas 11:13). Jesus sprach außerdem über die Hoffnung, die Jehova in seiner Großzügigkeit bietet. Voller Sehnsucht sagte er, dass er selbst in den Himmel an die Seite seines Vaters zurückkehren würde (Johannes 14:28; 17:5). Er erzählte seinen Nachfolgern, was Jehova der „kleinen Herde“ Christi in Aussicht stellte – sie würde im Himmel wohnen und mit dem messianischen König zusammen regieren (Lukas 12:32; Johannes 14:2). Einen sterbenden Verbrecher tröstete er mit der Hoffnung auf ein Leben im Paradies (Lukas 23:43). Dass Jesus auf diese Weise von der überwältigenden Großzügigkeit seines Vaters sprach, hat ihm sicher geholfen, seine Liebe zu Jehova stark zu erhalten. Viele Nachfolger Christi können bestätigen, dass nichts ihren Glauben und ihre Liebe zu Jehova mehr stärkt, als über Jehova zu sprechen und über die Hoffnung, die er für Menschen bereithält, die ihn lieben.

      Wirst du dir an Jesu Liebe zu Jehova ein Beispiel nehmen?

      18. Was ist für einen Nachfolger Jesu am wichtigsten, und warum?

      18 Wir müssen Jesus auf vielerlei Weise nachahmen, doch nichts ist dabei wichtiger, als Jehova mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Denken und ganzer Kraft zu lieben (Lukas 10:27). Diese Liebe lässt sich nicht nur daran messen, wie stark wir sie empfinden, sondern auch daran, zu welchen Taten sie uns motiviert. Jesus gab sich nicht damit zufrieden, Liebe zu seinem Vater zu empfinden oder einfach nur zu sagen: „Ich liebe den Vater.“ Er erklärte: „Damit die Welt … erkennt, dass ich den Vater liebe, befolge ich seine Anweisungen genau“ (Johannes 14:31). Satan hatte behauptet, kein Mensch würde Jehova aus selbstloser Liebe dienen (Hiob 2:4, 5). Jesus wollte auf diese boshafte Verleumdung des Teufels die bestmögliche Antwort geben und bewies deshalb mutig vor aller Welt, wie sehr er seinen Vater liebte. Sein Gehorsam ging sogar so weit, dass er sein Leben opferte. Wirst du Jesus nachfolgen? Wirst du der Welt beweisen, dass du Jehova Gott wirklich liebst?

      19, 20. (a) Aus welchen wichtigen Gründen besuchen wir regelmäßig die Zusammenkünfte? (b) Wie sollten wir das persönliche Studium, das Nachdenken und das Gebet ansehen?

      19 Wir haben ein tief verwurzeltes Bedürfnis, unsere Liebe zu Jehova zum Ausdruck zu bringen. Deshalb hat er für eine Art der Anbetung gesorgt, durch die unsere Liebe zu ihm vertieft und gefestigt wird. Wenn wir die Zusammenkünfte besuchen, sollten wir immer daran denken, dass wir dort sind, um unseren Gott anzubeten. Das tun wir unter anderem durch innige Gebete, das Singen von Liedern, aufmerksames Zuhören und Beteiligung, wenn möglich. Zudem bieten die Zusammenkünfte Gelegenheiten, unseren Brüdern und Schwestern Mut zu machen (Hebräer 10:24, 25). In den Zusammenkünften regelmäßig zur Anbetung Jehovas zusammenzukommen trägt dazu bei, dass unsere Liebe zu Gott immer stärker wird.

      20 Ganz ähnlich verhält es sich mit dem persönlichen Studium, dem Nachdenken und dem Gebet. Das sind alles Gelegenheiten, mit Jehova allein zu sein. Wenn wir sein Wort studieren und gründlich darüber nachdenken, lässt uns Jehova an seinen Gedanken teilhaben. Und im Gebet können wir ihm unser Herz öffnen. Denken wir jedoch daran, dass beten nicht nur bitten bedeutet. Im Gebet haben wir auch die Möglichkeit, uns bei Jehova für all das Gute zu bedanken, das er für uns getan hat, und ihn für seine wunderbaren Werke zu preisen (Psalm 146:1). Außerdem können wir Jehova am besten danken und ihm unsere Liebe zeigen, wenn wir mit Freude und Begeisterung anderen von ihm erzählen.

      21. Wie wichtig ist die Liebe zu Jehova, und worum geht es in den folgenden Kapiteln?

      21 Liebe zu Gott ist der Schlüssel zu ewigem Glück. Adam und Eva wären gehorsam geblieben, wenn sie genügend Liebe entwickelt hätten, aber genau daran fehlte es ihnen. Die Liebe ist das Allerwichtigste, was wir brauchen, denn dann können wir jede Glaubensprüfung bestehen, jeder Versuchung widerstehen und jede Schwierigkeit ertragen. Sie ist in der Nachfolge Jesu das A und O. Die Liebe zu Gott hängt natürlich eng mit der Liebe zu unseren Mitmenschen zusammen (1. Johannes 4:20). In den folgenden Kapiteln geht es darum, wie Jesus Menschen Liebe zeigte. In Kapitel 14 werden wir uns mit der Frage befassen, warum sich so viele zu Jesus hingezogen fühlten.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie können wir im Gebet Vertrauen zu Jehova zum Ausdruck bringen, wie es auch Jesus tat? (Johannes 11:41, 42; Hebräer 11:6).

      • Wie können wir durch die Art und Weise, wie wir Jehovas Namen gebrauchen, beweisen, dass wir Jehova von Herzen lieben? (Johannes 17:6-8).

      • Warum verlangt die Liebe zu Jehova, sich wie Jesus von der Welt getrennt zu halten? (Johannes 17:14-16; Jakobus 4:8).

      • Wie können wir Jesu Rat umsetzen und unsere tiefe Liebe zu Jehova bewahren? (Offenbarung 2:1-5).

  • „Große Menschenmengen kamen zu ihm“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL VIERZEHN

      „Große Menschenmengen kamen zu ihm“

      Jesus schließt im Beisein der Eltern Kinder unterschiedlichen Alters liebevoll in die Arme.

      „Lasst die Kinder zu mir kommen!“

      1-3. Was geschieht, als Eltern ihre Kinder zu Jesus bringen, und was verrät diese Begebenheit über Jesus?

      JESUS weiß, dass sein Leben auf der Erde bald zu Ende sein wird. Er hat nur noch ein paar Wochen Zeit, und es gibt noch so viel zu tun! Er predigt mit seinen Aposteln in Peräa, einer Gegend östlich des Jordan. Sie arbeiten sich in Richtung Süden nach Jerusalem vor, wo Jesus sein letztes, höchst wichtiges Passah feiern wird.

      2 Nach einer ernsten Diskussion mit einigen religiösen Führern kommt es zu einem kleinen Zwischenfall. Eltern bringen ihre Kinder zu Jesus. Die Kinder sind offensichtlich unterschiedlich alt, denn Markus gebraucht für sie dasselbe Wort, das er vorher für eine 12-Jährige gebraucht hat, während bei Lukas ein Wort steht, das für kleinere Kinder verwendet wird (Lukas 18:15; Markus 5:41, 42; 10:13). Wo Kinder sind, geht es natürlich oft laut und turbulent zu. Jesu Jünger wollen die Eltern von Jesus fernhalten. Sie denken wahrscheinlich, dass er sich jetzt unmöglich mit Kindern abgeben kann. Wie reagiert Jesus?

      3 Als er sieht, was vor sich geht, wird er ärgerlich. Über wen? Über die Kinder? Über die Eltern? Nein – über seine Jünger! Er sagt: „Lasst die Kinder zu mir kommen! Hindert sie nicht daran, denn Gottes Königreich gehört solchen Menschen. Ich versichere euch: Wer Gottes Königreich nicht wie ein Kind willkommen heißt, wird auf keinen Fall dort hineinkommen.“ Dann schließt Jesus die Kinder in die Arme und segnet sie (Markus 10:13-16). Die Wortwahl des Markus lässt darauf schließen, dass Jesus die Kinder liebevoll umarmte; vielleicht nahm er sogar einige von den ganz Kleinen auf den Arm und „herzte“ sie, wie es ein Übersetzer ausdrückte. Ganz offensichtlich hatte Jesus Kinder gern. Doch wir lernen hier noch etwas anderes über ihn: Er war zugänglich.

      4, 5. (a) Warum muss Jesus zugänglich gewesen sein? (b) Mit welchen Fragen werden wir uns in diesem Kapitel beschäftigen?

      4 Wäre Jesus ein strenger, unfreundlicher oder stolzer Mensch gewesen, hätten sich die Kinder wahrscheinlich nicht zu ihm hingezogen gefühlt und die Eltern wären auch nicht so ohne Weiteres zu ihm gekommen. Wie müssen die Eltern gestrahlt haben, als sie sahen, wie liebevoll und freundlich dieser Mann mit ihren Kindern umging, wie er hervorhob, welchen Wert die Kleinen in Gottes Augen haben, und wie er sie segnete! Obwohl Jesus unter größter Belastung stand, blieb er so zugänglich wie kein anderer.

      5 Wer fühlte sich sonst noch zu Jesus hingezogen? Warum kamen die Menschen so gern zu ihm? Und wie können wir Jesus in dieser Hinsicht ähnlicher werden? Wir wollen sehen.

      Wer fühlte sich zu Jesus hingezogen?

      6-8. Von wem war Jesus oft umgeben, und inwiefern war er zu diesen Menschen anders eingestellt als die religiösen Führer?

      6 Beim Lesen der Evangelien­berichte fällt auf, dass immer wieder große Menschenmengen ohne Zögern Jesu Nähe suchten. Zum Beispiel lesen wir: „Daraufhin folgten ihm große Menschenmengen aus Galiläa“ oder: „Dort [bei Jesus] versammelten sich große Menschenmengen“ oder auch: „Nun waren große Menschenmengen mit Jesus unterwegs“ (Matthäus 4:25; 13:2; 15:30; Lukas 14:25). Ja, die Menschen versammelten sich oft scharenweise um Jesus.

      7 Im Allgemeinen handelte es sich dabei um Leute aus dem einfachen Volk, von den religiösen Führern verächtlich „Volk des Landes“ genannt. Die Pharisäer und Priester sagten ganz offen: „Diese Menge jedoch, die das Gesetz nicht kennt, das sind verfluchte Leute“ (Johannes 7:49). In späteren rabbinischen Schriften findet man diese Einstellung bestätigt. Viele religiöse Führer betrachteten einfache Menschen mit Verachtung; sie aßen nicht mit ihnen, kauften nicht bei ihnen und verkehrten auch sonst nicht mit ihnen. Manche behaupteten sogar, wer das mündliche Gesetz nicht kenne, könne nicht auf eine Auferstehung hoffen! Viele einfache Leute müssen vor solchen Führern eher zurückgeschreckt sein, als dass sie bei ihnen Rat oder Hilfe gesucht hätten. Jesus dagegen war anders.

      8 Jesus mischte sich ganz ungezwungen unter das einfache Volk. Er aß mit den Menschen, heilte sie, lehrte sie und machte ihnen Hoffnung. Natürlich war er realistisch, wusste er doch, dass die meisten Jehova nicht dienen würden (Matthäus 7:13, 14). Dennoch stand er jedem Einzelnen positiv gegenüber und sah in vielen das Potenzial, das Richtige zu tun. Was für ein Unterschied zu jenen hartherzigen Priestern und Pharisäern! Erstaunlicher­weise kamen jedoch auch Priester und Pharisäer zu Jesus, und eine ganze Reihe von ihnen änderte sich und folgte ihm nach (Apostel­geschichte 6:7; 15:5). Selbst unter den Reichen und Mächtigen gab es einige, die Jesus als nahbar empfanden (Markus 10:17, 22).

      9. Warum fühlten sich Frauen zu Jesus hingezogen?

      9 Frauen scheuten sich ebenfalls nicht, zu Jesus zu kommen. Sie müssen oft den Hohn und die Verachtung religiöser Führer zu spüren bekommen haben. Die Rabbis missbilligten es im Allgemeinen, wenn Frauen unterrichtet wurden. Frauen durften nicht als Zeuge vor Gericht aussagen, weil man sie für unzuverlässig hielt. Es gab sogar ein Gebet, in dem die Rabbis Gott dafür dankten, dass sie keine Frau waren! Bei Jesus war jedoch keine solche Verachtung zu spüren. Viele Frauen kamen voller Wissbegierde zu ihm, um von ihm zu lernen. Die Bibel berichtet zum Beispiel, dass Maria, die Schwester von Lazarus, Jesus zu Füßen saß und ihm gespannt zuhörte, während ihre Schwester Martha geschäftig hin- und herlief und übermäßig um das Essen besorgt war. Jesus lobte Maria, weil sie erkannt hatte, was wirklich zählte (Lukas 10:39-42).

      10. Wie unterschied sich Jesus im Umgang mit Kranken von den religiösen Führern?

      10 Auch Kranke kamen in Scharen zu Jesus. Sie wurden von den religiösen Führern ebenfalls oft wie Geächtete behandelt. Das mosaische Gesetz sah zwar vor, Aussätzige wegen der Ansteckungsgefahr unter Quarantäne zu stellen, doch Entwürdigungen und Lieblosigkeiten waren damit nicht zu rechtfertigen (3. Mose, Kapitel 13). In späteren rabbinischen Vorschriften hieß es dagegen, Aussätzige seien so widerlich wie Exkremente. Manche religiöse Führer gingen sogar so weit, Aussätzige mit Steinen zu bewerfen, um sie auf Distanz zu halten! Man kann sich schwer vorstellen, dass jemand bei einer solchen Behandlung noch den Mut aufbringen und auf irgendeinen Lehrer zugehen konnte, doch zu Jesus zog es auch Aussätzige hin. Einer äußerte glaubensvoll die bekannten Worte: „Herr, wenn du nur willst, kannst du mich gesund machen!“ (Lukas 5:12). Im nächsten Kapitel werden wir sehen, wie Jesus darauf reagierte. Vorerst sei nur gesagt: Nichts könnte deutlicher beweisen, dass Jesus zugänglich war.

      11. Welches Beispiel zeigt, dass schuldbeladene Menschen sich trauten, zu Jesus zu kommen, und warum ist das wichtig?

      11 Zu Jesus trauten sich auch Menschen zu kommen, die von Schuldgefühlen geplagt wurden. Als er zum Beispiel einmal bei einem Pharisäer zum Essen eingeladen war, kam eine als Sünderin bekannte Frau herein und kniete sich zu seinen Füßen nieder. Sie weinte vor Schuldgefühl. Ihre Tränen tropften auf Jesu Füße und sie trocknete sie mit ihren Haaren ab. Der Gastgeber war sichtlich entrüstet und verurteilte es scharf, dass Jesus diese Frau in seine Nähe kommen ließ. Jesus dagegen lobte freundlich ihre aufrichtige Reue und sicherte ihr Jehovas Vergebung zu (Lukas 7:36-50). Heute ist es wichtiger denn je, dass sich schuldbeladene Menschen ohne Hemmungen an jemand wenden können, der zugänglich ist und ihnen helfen kann, mit Gott ins Reine zu kommen. Was machte denn Jesus so zugänglich?

      Was machte Jesus zugänglich?

      12. Warum überrascht es nicht, dass Jesus zugänglich war?

      12 Wie wir wissen, ahmte Jesus seinen geliebten himmlischen Vater vollkommen nach (Johannes 14:9). Die Bibel zeigt, dass Jehova „einem jeden von uns nicht fern“ ist (Apostel­geschichte 17:27). Als „Hörer des Gebets“ ist er für seine treuen Diener und für alle anderen, die ihn aufrichtig suchen und ihm dienen möchten, jederzeit erreichbar (Psalm 65:2). Stellen wir uns das vor: Die mächtigste und wichtigste Persönlichkeit überhaupt ist gleichzeitig die zugänglichste! Wie sein Vater, so liebt auch Jesus die Menschen. In den nachfolgenden Kapiteln werden wir darauf eingehen, was für eine tiefe Liebe Jesu Herz durchdrang. Zugänglich war er für die Menschen jedoch im Wesentlichen deshalb, weil seine Liebe zu ihnen deutlich sichtbar war. Betrachten wir einige Wesenszüge Jesu, durch die sich seine Liebe zeigte.

      13. Wie könnten Eltern Jesus nachahmen?

      13 Die Menschen spürten sofort, dass Jesus an ihnen persönlich interessiert war. Das änderte sich selbst dann nicht, wenn er unter Druck stand. Als einmal Eltern, wie schon erwähnt, ihre Kinder zu ihm brachten, wies er sie nicht ab, obwohl er beschäftigt war und schwere Verantwortung auf ihm lastete. Was für ein schönes Beispiel für Eltern! Kinder zu erziehen ist heute wirklich nicht einfach. Doch es ist sehr wichtig, dass Eltern immer zugänglich sind. Wenn du Kinder hast, kennst du das Problem, dass man manchmal nicht die Zeit hat, sofort auf sein Kind einzugehen. Könntest du ihm versprechen, dir etwas später Zeit zu nehmen? Wenn du Wort hältst, merkt dein Kind, dass es sich lohnt, geduldig zu sein. Außerdem lernt es, dass es mit allen Sorgen und Problemen jederzeit zu dir kommen kann.

      14-16. (a) Welche Umstände führten zu Jesu erstem Wunder, und warum war seine Tat so erstaunlich? (b) Was verrät Jesu Wunder in Kana über ihn, und was können Eltern daraus lernen?

      14 Die Menschen spürten deutlich, dass ihre Sorgen Jesus nicht egal waren. Das zeigt beispielsweise sein erstes Wunder. Jesus war bei einem Hochzeitsfest in Kana, einer Stadt in Galiläa, zu Gast, als dort eine peinliche Situation entstand: Der Wein ging aus! Jesu Mutter Maria erzählte das ihrem Sohn. Was tat Jesus? Er ließ sechs große Steinkrüge mit Wasser füllen. Als man dem Festleiter eine Kostprobe brachte, staunte er: Es war vorzüglicher Wein! War das ein Trick, eine raffinierte Täuschung? Nein, das Wasser war „zu Wein geworden“ (Johannes 2:1-11). Die Menschheit träumt schon seit alters davon, einen Stoff in einen anderen umzuwandeln. Sogenannte Alchimisten versuchten jahrhundertelang, aus Blei Gold zu machen, doch obwohl die Elemente Blei und Gold eigentlich erstaunlich ähnlich sind, hatten sie nie Erfolg.a Wie ist es mit Wasser und Wein? Wasser ist chemisch gesehen einfach; es ist eine Verbindung aus zwei Grundstoffen. Wein dagegen enthält fast tausend Bestandteile in oft komplexen Verbindungen. Wieso wirkte Jesus ein so erstaunliches Wunder, wo es doch bloß darum ging, dass einer Hochzeits­gesellschaft nicht der Wein ausging?

      15 Für das Brautpaar war der Vorfall keine Bagatelle. Im Nahen Osten wurde damals auf Gastfreundschaft gegenüber geladenen Gästen großer Wert gelegt. Es wäre für die Braut und den Bräutigam ziemlich peinlich gewesen, wenn es bei ihrem Hochzeitsfest irgendwann keinen Wein mehr gegeben hätte. Ihr Hochzeitstag und die Erinnerung daran wären getrübt gewesen. Für das Brautpaar war das Ganze ein echtes Problem und auch Jesus war es nicht egal. Also unternahm er etwas. Man kann wirklich verstehen, weshalb die Menschen mit ihren Anliegen gern zu Jesus kamen.

      Eine Mutter tröstet ihre Tochter, die traurig ist, weil ihr Teddybär einen Arm verloren hat.

      Lass dein Kind spüren, dass es immer zu dir kommen kann und du seine Sorgen wirklich ernst nimmst

      16 In dieser Begebenheit steckt ebenfalls eine nützliche Lehre für Eltern. Wie reagierst du, wenn dein Kind zu dir kommt, weil es etwas auf dem Herzen hat? Vielleicht bist du versucht, sein Anliegen als Bagatelle abzutun oder gar darüber zu lachen. Verglichen mit deinen eigenen Belastungen mag es dir ja wirklich unbedeutend vorkommen, doch denk daran: Für dein Kind ist es keine Bagatelle! Wenn einem Menschen, den du so lieb hast, etwas am Herzen liegt, sollte es dann nicht auch dir am Herzen liegen? Gibst du deinem Kind das Gefühl, dass du seine Sorgen ernst nimmst, wird es gern zu dir kommen.

      17. Welches Beispiel gab Jesus im Hinblick auf Milde, und warum ist Milde ein Zeichen von innerer Stärke?

      17 In Kapitel 3 haben wir gesehen, dass Jesus ein mildes Wesen hatte und demütig war (Matthäus 11:29). Milde ist eine schöne Eigenschaft und ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass jemand von Herzen demütig ist. Sie gehört zur Frucht, die Gottes heiliger Geist hervorbringt, und wird mit göttlicher Weisheit in Verbindung gebracht (Galater 5:22, 23; Jakobus 3:13). Jesus verlor selbst unter den schlimmsten Provokationen nie die Beherrschung. Seine Milde war alles andere als eine Schwäche. Ein Bibelgelehrter schrieb über diese Eigenschaft: „Hinter der Sanftmut ist die Festigkeit von Stahl.“ Ja, oft brauchen wir innere Stärke, um unser Temperament zu zügeln und andere mit Milde zu behandeln. Doch mit Jehovas Segen können wir es schaffen, Jesu milde Art nachzuahmen, und dadurch zugänglicher werden.

      18. Welches Beispiel zeigt, wie vernünftig Jesus war, und warum macht diese Eigenschaft deiner Meinung nach einen Menschen zugänglich?

      18 Jesus war vernünftig. Als er sich in Tyrus aufhielt, bat ihn eine Frau um Hilfe, weil ihre Tochter „ganz schlimm von einem Dämon besessen“ war. Jesus gab auf dreierlei Weise zu verstehen, dass er nicht geneigt war, ihrer Bitte nachzukommen. Zuerst gab er ihr keine Antwort; dann sagte er ihr, warum er ihre Bitte nicht erfüllen könne; und schließlich verdeutlichte er seinen Standpunkt noch durch einen Vergleich. War er dabei jedoch hart und kalt? Erweckte er den Eindruck, es sei ganz schön gewagt, einem so bedeutenden Mann wie ihm zu widersprechen? Nein, die Frau fühlte sich eindeutig sicher. Sie traute sich nicht nur, Jesus um Hilfe zu bitten, sondern ließ auch trotz seiner offensichtlichen Zurückweisung nicht locker. Als Jesus sah, was für ein bemerkenswerter Glaube hinter ihrer Beharrlichkeit steckte, heilte er ihre Tochter (Matthäus 15:22-28). Jesu Vernünftigkeit, seine Bereitschaft, zuzuhören und wo angebracht nachzugeben, ließ ihn zweifellos auf die Menschen anziehend wirken.

      Bist du zugänglich?

      19. Woran können wir erkennen, ob wir persönlich wirklich zugänglich sind?

      19 Wer hält sich selbst nicht gern für zugänglich? Manche Autoritätspersonen zum Beispiel erwähnen mit Vorliebe, dass ihre Tür für Untergebene jederzeit offen steht. Die Bibel mahnt jedoch zur Vorsicht: „Viele Menschen rühmen sich ihrer loyalen Liebe, aber wer kann einen treuen Mann finden?“ (Sprüche 20:6). Sich selbst als zugänglich zu bezeichnen ist nicht schwer, doch ahmen wir Jesu Liebe in diesem Punkt wirklich treu nach? Die Antwort hängt wahrscheinlich nicht so sehr davon ab, wie wir selbst uns sehen, sondern wie andere uns sehen. Paulus sagte: „Eure Vernünftigkeit soll allen Menschen bekannt werden“ (Philipper 4:5). Wir tun gut daran, uns zu fragen: „Welchen Eindruck hat man von mir? Was für einen Ruf habe ich?“

      Ein Ältester geht liebevoll auf einen Bruder ein, der sich mit einem Problem an ihn wendet.

      Älteste sind bestrebt, zugänglich zu sein

      20. (a) Warum ist es wichtig, dass christliche Älteste zugänglich sind? (b) Warum sollten wir in unseren Erwartungen an die Ältesten in der Versammlung vernünftig sein?

      20 Besonders Älteste bemühen sich, zugänglich zu sein. Es ist ihr aufrichtiger Wunsch, der Beschreibung in Jesaja 32:1, 2 zu entsprechen: „Jeder von ihnen wird wie ein sicherer Ort bei Sturm sein, wie ein schützender Ort bei einem Wolkenbruch, wie Wasserbäche in einem wasserlosen Land, wie der Schatten eines massiven Felsens in einem trockenen Land.“ Diese Art Schutz, Erfrischung und Erleichterung kann ein Ältester nur dann bieten, wenn er immer zugänglich bleibt. Das ist natürlich nicht einfach, denn Älteste haben in den heutigen kritischen Zeiten eine schwere Last der Verantwortung zu tragen. Trotzdem möchten sie nie den Eindruck erwecken, sie seien zu beschäftigt, um sich um die Bedürfnisse der Schafe Jehovas zu kümmern (1. Petrus 5:2). Die anderen in der Versammlung werden versuchen, in ihren Erwartungen an diese treuen Männer vernünftig zu sein, und werden demütig und bereitwillig mit ihnen zusammen­arbeiten (Hebräer 13:17).

      21. Wie können Eltern für ihre Kinder zugänglich bleiben, und worum geht es im nächsten Kapitel?

      21 Eltern haben den Wunsch, immer für ihre Kinder da zu sein. Es steht so viel auf dem Spiel! Sie lassen ihre Kinder wissen, dass sie mit ihnen offen über alles reden können. Deshalb achten sie darauf, mild und vernünftig zu sein und nicht überzureagieren, wenn das Kind einen Fehler gesteht oder in irgendeinem Punkt falsch denkt. Während sie ihre Kinder geduldig erziehen, bemühen sie sich auch, die Kommunikation nie abreißen zu lassen. Ja, wir alle möchten gern – wie Jesus – immer zugänglich bleiben. Im nächsten Kapitel werden wir uns mit Jesu aufrichtigem Mitgefühl befassen. Seine mitfühlende Art trug ganz besonders dazu bei, dass sich so viele zu ihm hingezogen fühlten.

      a Wer sich in Chemie auskennt, weiß, dass Blei und Gold im Periodensystem der Elemente recht dicht beieinanderliegen. Blei hat einfach drei Protonen mehr im Atomkern als Gold. In neuerer Zeit ist es sogar gelungen, kleine Mengen Blei in Gold umzuwandeln, doch wegen des hohen Energieaufwands ist das unrentabel.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Warum werden andere gern zu uns kommen, wenn wir Fragen stellen und gute Zuhörer sind? (Matthäus 16:13-17).

      • Wie zeigte sich Jesus zugänglich, selbst als er sich gern zurückgezogen hätte, und wie können wir seinem Beispiel folgen? (Markus 6:31-34).

      • Wie betrachtete Jesus Andersgläubige, und warum werden wir auf andere zugänglich wirken, wenn wir seine ausgeglichene Einstellung übernehmen? (Lukas 5:29-32).

      • Inwiefern hilft es uns, zugänglicher zu werden, wenn wir wie Jesus anderen positiv gegenüberstehen? (Johannes 1:47).

  • „Von tiefem Mitgefühl ergriffen“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL FÜNFZEHN

      „Von tiefem Mitgefühl ergriffen“

      Jesus heilt zwei blinde Männer.

      „Herr, öffne unsere Augen“

      1-3. (a) Wie reagiert Jesus, als ihn zwei blinde Bettler um Hilfe anflehen? (b) Was steckt in dem Ausdruck „von tiefem Mitgefühl ergriffen“? (Siehe Fußnote.)

      ZWEI Blinde sitzen am Wegesrand vor Jericho. Sie kommen jeden Tag hierher, suchen sich einen Platz, wo viele Menschen vorbeigehen, und bitten um Almosen. An diesem Tag geschieht jedoch etwas, was ihr Leben grundlegend verändern wird.

      2 Die Bettler hören, dass es um sie herum plötzlich unruhig wird. Da sie nicht sehen können, was vor sich geht, erkundigt sich einer von ihnen nach dem Grund für die Unruhe. Man antwortet ihm: „Jesus, der Nazarener, geht gerade vorbei.“ Jesus ist zum letzten Mal nach Jerusalem unterwegs. Er ist jedoch nicht allein; eine große Menschenmenge folgt ihm. Als die Bettler erfahren, wer da vorbeigeht, verursachen sie einigen Aufruhr, denn sie rufen: „Herr, hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!“ Ärgerlich verbieten die Umstehenden ihnen das Wort. Doch die Männer sind verzweifelt. Sie lassen sich nicht zum Schweigen bringen.

      3 Jesus hört die beiden Männer durch das Stimmengewirr rufen. Was wird er tun? Er steht unter großer innerer Belastung. Die letzte Woche seines irdischen Lebens liegt vor ihm, und er weiß, dass ihn in Jerusalem Leiden und ein grausamer Tod erwarten. Trotzdem ignoriert er die beharrlichen Rufe nicht. Er bleibt stehen und lässt die Blinden zu sich bringen. Sie flehen ihn an: „Herr, öffne unsere Augen“ „Von tiefem Mitgefühl ergriffen“ berührt Jesus ihre Augen und sie können wieder sehen.a Unverzüglich folgen sie ihm (Lukas 18:35-43; Matthäus 20:29-34).

      4. Wie erfüllte sich die Prophezeiung über Jesus, er würde „Mitleid haben mit den Benachteiligten“?

      4 Diese Situation war kein Einzelfall. Jesus handelte bei vielen Gelegenheiten und unter vielerlei Umständen aus tiefem Mitleid. In der Bibel hieß es prophetisch über ihn: „Er wird Mitleid haben mit den Benachteiligten“ (Psalm 72:13). Und so war es tatsächlich. Jesus hatte ein feines Gespür für die Gefühle der Menschen. Er ergriff die Initiative und half. Aus Mitleid fühlte er sich gedrängt zu predigen. Untersuchen wir einmal anhand der Evangelien, wie viel Mitgefühl aus Jesu Worten und Taten sprach, und überlegen wir, wie wir ähnlich mitfühlend sein können.

      Rücksichtnahme auf Gefühle

      5, 6. Welche Beispiele zeigen, dass sich Jesus gut in andere Menschen einfühlen konnte?

      5 Jesus hatte sehr viel Einfühlungs­vermögen. Er versetzte sich in die Leidenden hinein und litt mit ihnen. Auch wenn er nicht in genau derselben Lage war wie sie, spürte er regelrecht ihren Schmerz in seinem Herzen (Hebräer 4:15). Als er einmal eine Frau heilte, die seit 12 Jahren an Blutungen litt, bezeichnete er ihr Leiden als „schlimme Krankheit“; ihm war also bewusst, wie sehr sie darunter gelitten hatte (Markus 5:25-34). Als er Maria und andere, die bei ihr waren, über den Tod des Lazarus weinen sah, ging ihm das so nahe, dass er innerlich ganz aufgewühlt war. Obwohl er wusste, dass er Lazarus gleich auferwecken würde, kamen ihm die Tränen (Johannes 11:33, 35).

      6 Ein andermal kam ein Aussätziger zu Jesus und flehte ihn an: „Wenn du nur willst, kannst du mich gesund machen.“ Wie reagierte Jesus, ein vollkommener Mensch, der nie krank gewesen war? Das Leid des Mannes berührte ihn sehr, ja er empfand „tiefes Mitgefühl“ (Markus 1:40-42). Dann tat er etwas Außergewöhnliches. Er wusste genau, dass Aussätzige unter dem mosaischen Gesetz unrein waren und sich von anderen fernhalten mussten (3. Mose 13:45, 46). Natürlich hätte er diesen Mann auch ohne Berührung heilen können (Matthäus 8:5-13). Aber er streckte seine Hand aus, berührte den Aussätzigen und sagte: „Das will ich! Du sollst gesund werden.“ Sofort war der Aussatz verschwunden. Wie einfühlsam das doch war!

      Eine Schwester tröstet eine andere Schwester.

      Hab Mitgefühl

      7. Wie können wir Einfühlungs­vermögen entwickeln, und wodurch kommt es zum Ausdruck?

      7 Als Christen sind wir aufgerufen, Jesus nachzuahmen und ebenfalls einfühlsam zu sein. Die Bibel fordert uns auf: „Habt Mitgefühl“ (1. Petrus 3:8).b Es ist oft nicht einfach, die Gefühle eines Menschen nachzuempfinden, der an einer chronischen Krankheit oder an Depressionen leidet – besonders wenn man selbst nie in einer solchen Lage war. Doch eigentlich braucht man nicht dasselbe erlebt zu haben. Jesus konnte sich in Kranke hineinversetzen, obwohl er selbst nie krank war. Wie aber entwickelt man Einfühlungs­vermögen? Man muss geduldig zuhören, wenn sich Menschen, die leiden, öffnen und über ihre Gefühle sprechen. Man könnte sich fragen: „Wie würde ich mich in ihrer Lage fühlen?“ (1. Korinther 12:26). Je feiner unser Gespür für die Gefühle anderer wird, desto besser können wir „die Nieder­geschlagenen … trösten“ (1. Thessalonicher 5:14). Manchmal zeigt sich Mitgefühl nicht nur durch Worte, sondern auch durch Tränen. In Römer 12:15 heißt es: „Weint mit denen, die weinen.“

      8, 9. Wie nahm Jesus auf die Gefühle anderer Rücksicht?

      8 Jesus nahm Rücksicht auf die Menschen und ihre Gefühle. Denken wir zum Beispiel an die Situation, als ein gehörloser, sprachbehinderter Mann zu ihm gebracht wurde. Jesus spürte offensichtlich, dass dieser Mann verunsichert war, und so ging er anders vor, als er es bei Heilungen sonst gewöhnlich tat: „Er [nahm] ihn mit an einen Ort, wo sie allein waren.“ Abseits von den Blicken der Menge heilte er ihn (Markus 7:31-35).

      9 Ebenso rücksichtsvoll behandelte Jesus einen Blinden, den man zu ihm brachte, damit er ihn heile. „Er nahm den Blinden an die Hand und führte ihn aus dem Dorf hinaus.“ Dann heilte er ihn schrittweise – vielleicht damit sich die Augen und das Gehirn des Mannes nach und nach an das grelle Sonnenlicht und die vielen neuen Eindrücke gewöhnen konnten (Markus 8:22-26). Wie rücksichtsvoll!

      10. Wie können wir auf die Gefühle anderer Rücksicht nehmen?

      10 Als Nachfolger Jesu müssen auch wir auf die Gefühle anderer Rücksicht nehmen. Da uns bewusst ist, dass wir durch gedankenlose Worte andere verletzen könnten, achten wir auf das, was wir sagen (Sprüche 12:18; 18:21). Grobe, abfällige Bemerkungen und beißender Spott zeugen nicht von Feingefühl und haben unter Christen keinen Platz (Epheser 4:31). Wie können Älteste auf die Gefühle anderer Rücksicht nehmen? Wenn sie ein Problem ansprechen, sollten sie es in freundliche Worte verpacken, damit sich der Angesprochene nicht würdelos behandelt fühlt (Galater 6:1). Wie können Eltern die Gefühle ihrer Kinder berücksichtigen? Indem sie ihnen bei Erziehungs­maßnahmen unnötige Peinlichkeiten ersparen (Kolosser 3:21).

      Die Initiative ergreifen und helfen

      11, 12. Welche biblischen Berichte zeigen, dass Jesus nicht erst gebeten werden musste, bevor er andere mitfühlend behandelte?

      11 Jesus musste nicht immer erst gebeten werden, bevor er andere mitfühlend behandelte. Mitgefühl ist nichts Passives, sondern es regt zu positivem Handeln an. Deshalb verwundert es nicht, dass Jesus oft die Initiative ergriff und von sich aus half. Als zum Beispiel eine große Menschenmenge drei Tage ohne Nahrungsmittel bei ihm war, brauchte ihm niemand erst zu sagen, dass die Leute Hunger hatten oder er etwas für sie tun solle. Im Bibelbericht heißt es: „Jesus rief seine Jünger nun zu sich und sagte: ‚Die Leute tun mir leid. Sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts zu essen. Ich möchte sie nicht hungrig wegschicken, sonst verlassen sie unterwegs die Kräfte.‘“ Dann versorgte er die Menschen von sich aus durch ein Wunder mit etwas zu essen (Matthäus 15:32-38).

      12 Nehmen wir noch eine andere Begebenheit. Als Jesus im Jahr 31 u. Z. nach Nain kam, bot sich ihm ein trauriger Anblick. In einem Trauerzug wurde ein Toter aus der Stadt getragen, „der einzige Sohn“ einer Witwe; er sollte wahrscheinlich in den Grabhöhlen des benachbarten Hügellandes beigesetzt werden. Wie muss die Mutter dieses jungen Mannes doch gelitten haben! Sie hatte ihren einzigen Sohn verloren und hatte keinen Ehemann, mit dem sie ihren Kummer hätte teilen können. Jesus erblickte zwischen all den Leuten in dem Trauerzug die nun kinderlose Witwe. Ihr Anblick ging ihm sehr zu Herzen – ja er „empfand … tiefes Mitgefühl“. Niemand brauchte ihn erst um Hilfe zu bitten. Tiefes Mitleid trieb ihn an, von sich aus zu handeln. Deshalb „kam er näher, berührte die Bahre“ und brachte den jungen Mann wieder zum Leben. Was geschah dann? Jesus verlangte von dem Auferweckten nicht, sich der Menschenmenge, die ihm folgte, anzuschließen und mit ihm zu gehen, sondern er „gab ihn seiner Mutter zurück“, damit sie wieder einen Angehörigen hatte, der für sie sorgen konnte (Lukas 7:11-15).

      Eine jüngere Schwester hilft einer älteren Schwester dabei, Blumen einzupflanzen.

      Ergreife die Initiative, wenn jemand Hilfe braucht

      13. Wie können wir Jesus nachahmen, wenn es darum geht, in Notlagen von uns aus die nötige Hilfe zu leisten?

      13 Wie können wir Jesu Beispiel nachahmen? Wir können natürlich nicht durch ein Wunder Nahrungsmittel beschaffen oder Tote auferwecken. Aber wir können wie Jesus die Initiative ergreifen, wenn jemand Hilfe braucht. Vielleicht hat ein Glaubensbruder oder eine Glaubens­schwester einen schweren materiellen Verlust erlitten oder die Arbeit verloren (1. Johannes 3:17). Am Haus einer Witwe sind womöglich Reparaturen fällig (Jakobus 1:27). Oder wir wissen von jemandem, der einen Todesfall in der Familie hatte und Trost oder etwas praktische Hilfe benötigt (1. Thessalonicher 5:11). Wir brauchen uns nicht erst bitten zu lassen, bevor wir in einer Notlage Hilfe anbieten (Sprüche 3:27). Wir werden aus Mitgefühl je nach unseren persönlichen Möglichkeiten von uns aus die nötige Hilfe leisten. Vergessen wir nie: Eine einfache, freundliche Geste oder ein paar herzliche Worte des Trostes können ausdrucksvolle Zeichen von Mitgefühl sein (Kolosser 3:12).

      Mitgefühl motivierte ihn zu predigen

      14. Warum hatte das Predigen der guten Botschaft für Jesus Vorrang?

      14 Wie wir in Abschnitt 2 dieses Buches gesehen haben, gab Jesus als Prediger der guten Botschaft ein hervorragendes Beispiel. Er sagte: „Ich muss die gute Botschaft von Gottes Königreich auch in anderen Städten bekannt machen, denn dazu bin ich ausgesandt worden“ (Lukas 4:43). Warum hatte das Predigtwerk für ihn Vorrang? In erster Linie, weil er Gott liebte. Aber es gab noch einen anderen Grund: tiefes Mitgefühl mit anderen. Jesus zeigte auf vielerlei Weise Mitgefühl, vor allem aber dadurch, dass er anderen half, Jehova kennenzulernen. Befassen wir uns kurz mit zwei Begebenheiten, die zeigen, wie Jesus die Menschen sah, denen er predigte. So können wir uns darüber klar werden, was uns persönlich zum Predigen bewegt.

      15, 16. Schildere zwei Begebenheiten, die zeigen, wie Jesus die Menschen sah, denen er predigte.

      15 Nachdem Jesus etwa zwei Jahre unter großem Einsatz gepredigt hatte, dehnte er seinen Wirkungsbereich aus und unternahm im Jahr 31 u. Z. eine Reise „durch alle Städte und Dörfer“ Galiläas. Was er dort sah, ging ihm zu Herzen. Der Apostel Matthäus berichtet: „Als er die Menschenmengen sah, empfand er tiefes Mitgefühl, denn sie waren wie geschundene und herumgestoßene Schafe, die keinen Hirten haben“ (Matthäus 9:35, 36). Jesus hatte Mitgefühl mit den Menschen. Ihm war voll bewusst, in was für einem schlimmen Zustand sie eigentlich waren. Er wusste, dass sie von ihren religiösen Führern – genau denen, die eigentlich ihre Hirten hätten sein sollen – schlecht behandelt und völlig vernachlässigt wurden. Aus tiefem Mitgefühl setzte er alles daran, den Menschen eine Botschaft der Hoffnung zu bringen. Nichts brauchten sie dringender als die gute Botschaft von Gottes Königreich.

      16 Etwas Ähnliches trug sich einige Monate später kurz vor dem Passah des Jahres 32 u. Z. zu. Jesus und die Apostel bestiegen ein Boot und fuhren über den See von Galiläa, um einen abgelegenen Ort zu suchen, wo sie sich etwas ausruhen konnten. Viele Menschen liefen jedoch am Ufer entlang und kamen noch vor dem Boot auf der anderen Seite an. Wie reagierte Jesus? „Als er ausstieg, sah er eine große Menschenmenge und empfand tiefes Mitgefühl mit den Leuten, denn sie waren wie Schafe ohne einen Hirten. Und er fing an, sie vieles zu lehren“ (Markus 6:31-34). Wieder ergriff Jesus Mitleid, weil er sah, wie schlecht es um diese Menschen bestellt war. Sie waren sich selbst überlassen und wie „Schafe ohne einen Hirten“, die dringend geistige Nahrung benötigten. Mitgefühl – nicht nur reines Pflichtgefühl – motivierte Jesus zu predigen.

      Eine Schwester predigt einer Frau und zeigt dabei Mitgefühl.

      Sei beim Predigen mitfühlend

      17, 18. (a) Was motiviert uns zu predigen? (b) Wie können wir Mitgefühl mit anderen entwickeln?

      17 Was motiviert uns als Nachfolger Christi zu predigen? In Kapitel 9 dieses Buches war davon die Rede, dass wir einen Auftrag, eine Verantwortung, haben: zu predigen und Menschen zu Jüngern Jesu zu machen (Matthäus 28:19, 20; 1. Korinther 9:16). Dazu darf uns allerdings nicht nur reines Pflichtgefühl antreiben. Wir predigen die gute Botschaft von Gottes Königreich vor allem aus Liebe zu Jehova. Ein weiteres Motiv ist Mitgefühl mit den Menschen, die nicht an Jehova glauben (Markus 12:28-31). Wie aber können wir dieses Mitgefühl entwickeln?

      18 Wir müssen die Menschen so sehen, wie Jesus sie sah: wie geschundene und herumgestoßene Schafe, die keinen Hirten haben. Stell dir vor, du findest ein Lamm, das sich hoffnungslos verirrt hat. Ohne einen Hirten, der es auf eine gute Weide und ans Wasser führt, wird das arme Tier verhungern und verdursten. Würde dir dieses Lamm nicht von Herzen leidtun? Würdest du nicht alles tun, damit es Futter und Wasser bekommt? Wie diesem Lamm geht es vielen Menschen, die von der guten Botschaft noch nichts gehört haben. Von Hirten der falschen Religion vernachlässigt, leiden sie Hunger und Durst, und das ohne echte Zukunftshoffnung. Wir haben, was sie brauchen: nahrhafte geistige Nahrung und erfrischendes Wasser der Wahrheit aus Gottes Wort (Jesaja 55:1, 2). Wenn wir darüber nachdenken, wie dringend die Menschen die Botschaft der Bibel benötigen, tun sie uns von Herzen leid. Und wenn wir wie Jesus tiefes Mitgefühl mit ihnen haben, werden wir alles daransetzen, ihnen von der Königreichs­hoffnung zu erzählen.

      19. Wie könnten wir jemand, der die Bibel studiert und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, zum Predigen ermutigen?

      19 Wie können wir andere anregen, Jesu Beispiel zu folgen? Angenommen, wir möchten jemand, der die Bibel studiert und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, zum Predigen ermutigen. Oder wir würden gern einem Untätigen helfen, sich wieder voll am Predigtdienst zu beteiligen. Was können wir tun? Wir müssen versuchen, sein Herz anzusprechen. Wie wir gesehen haben, lehrte Jesus die Menschen, weil er „tiefes Mitgefühl“ empfand (Markus 6:34). Wenn wir es also schaffen, bei einem Bibelschüler oder einem Untätigen das Mitgefühl zu wecken, kann es gut sein, dass er sich motiviert fühlt, wie Jesus über die gute Botschaft zu sprechen. Wir könnten fragen: „Was hat die Königreichs­botschaft in deinem Leben Gutes bewirkt? Was ist mit denen, die von dieser Botschaft noch nichts wissen – müssten nicht auch sie davon erfahren? Wie könntest du ihnen helfen?“ Die stärkste Motivation zu predigen ist natürlich die Liebe zu Gott und der Wunsch, ihm zu dienen.

      20. (a) Was bedeutet es, ein Nachfolger Jesu zu sein? (b) Womit werden wir uns im nächsten Kapitel befassen?

      20 Ein Nachfolger Jesu zu sein bedeutet nicht nur, so zu reden und zu handeln wie Jesus. Wir müssen die gleiche „innere Einstellung“ entwickeln wie er (Philipper 2:5). Wie dankbar können wir doch sein, dass uns die Bibel die Gedanken und Gefühle hinter Jesu Worten und Taten offenbart! Je besser wir „die Denkweise Christi“ kennenlernen, umso feinfühliger und mitfühlender werden wir, und wir behandeln dann andere so, wie Jesus die Menschen allgemein behandelte (1. Korinther 2:16). Im nächsten Kapitel werden wir uns damit befassen, auf welche unterschiedliche Art sich Jesu Liebe insbesondere zu seinen Nachfolgern zeigte.

      a Das Wort, das mit „von tiefem Mitgefühl ergriffen“ wiedergegeben wurde, gilt im Griechischen als eines der stärksten Wörter für Mitgefühl. In einem Nachschlagewerk heißt es dazu: „Es deutet nicht nur auf ein schmerzliches Gefühl angesichts von Leid hin, sondern auch auf den starken Wunsch, das Leid zu lindern und es zu beseitigen.“

      b Das griechische Adjektiv, das mit „Mitgefühl haben“ wiedergegeben wurde, bedeutet wörtlich „mitleidend“.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie zeigte Jesus, ein Mann mit großer Machtbefugnis, Mitgefühl, und wie können wir ihn nachahmen? (Matthäus 11:28-30).

      • Warum ist es wichtig, nach Jesu Vorbild Barmherzigkeit zu üben, das heißt, aus Mitleid etwas für andere zu tun? (Matthäus 9:9-13; 23:23).

      • Welche Handlungen Jesu ließen erkennen, dass er die Gefühle anderer verstand, und wie können wir seinem Beispiel folgen? (Lukas 7:36-50).

      • Wie zeigt die Geschichte vom barmherzigen Samariter, dass sich Mitleid positiv äußert, und wie können wir den Lehrpunkt daraus umsetzen? (Lukas 10:29-37).

  • „Jesus liebte die, die zu ihm gehörten, bis ans Ende“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL SECHZEHN

      „Jesus liebte die, die zu ihm gehörten, bis ans Ende“

      1, 2. Wie verbringt Jesus seinen letzten Abend mit den Aposteln, und warum sind diese letzten Augenblicke für ihn so kostbar?

      JESUS versammelt seine Apostel im Obergeschoss eines Hauses in Jerusalem. Er weiß, dass dies sein letzter Abend mit ihnen sein wird. Nur noch kurze Zeit, dann wird er zu seinem Vater zurückkehren. In wenigen Stunden wird man ihn verhaften und sein Glaube wird wie nie zuvor geprüft werden. Doch nicht einmal sein bevorstehender Tod kann ihn von den Bedürfnissen der Apostel ablenken.

      2 Jesus hat die Apostel schon auf seinen Weggang vorbereitet, aber er möchte sie für die vor ihnen liegende Zeit noch mehr stärken. Deshalb gibt er ihnen in diesen letzten kostbaren Augenblicken wichtige Lehren mit auf den Weg, die ihnen helfen werden, treu zu bleiben. Seine Worte an jenem Abend gehören zu den herzlichsten und vertraulichsten, die er je an sie gerichtet hat. Doch warum ist Jesus mehr auf seine Apostel als auf sich selbst bedacht? Warum liegt ihm an diesen letzten Stunden mit ihnen so viel? Ganz einfach, weil er sie liebt – weil er sie von Herzen liebt.

      3. Wieso wissen wir, dass Jesu Liebe zu seinen Nachfolgern nicht erst an seinem letzten Abend zum Ausdruck kam?

      3 Jahrzehnte später schrieb der Apostel Johannes einleitend in seinem inspirierten Bericht über die Ereignisse an jenem Abend: „Da Jesus vor dem Passahfest wusste, dass für ihn die Stunde gekommen war, diese Welt zu verlassen und zum Vater zu gehen, liebte er die, die zu ihm gehörten und die in der Welt waren und die er geliebt hatte, bis ans Ende“ (Johannes 13:1). Jesu Liebe zu denjenigen, „die zu ihm gehörten“, kam nicht erst an jenem Abend zum Ausdruck. Er bewies sie während seiner gesamten Tätigkeit im Großen wie im Kleinen. Sehen wir uns einmal an, wie sich das im Einzelnen äußerte, denn wenn wir ihn in dieser Hinsicht nachahmen, erweisen wir uns als seine echten Nachfolger.

      Er war geduldig

      4, 5. (a) Warum brauchte Jesus im Umgang mit seinen Jüngern Geduld? (b) Wie reagierte Jesus darauf, dass drei seiner Apostel im Garten Gethsemane nicht wachsam geblieben waren?

      4 Liebe ist eng mit Geduld verbunden. In 1. Korinther 13:4 heißt es: „Die Liebe ist geduldig.“ Geduldig zu sein schließt ein, andere zu ertragen. Brauchte Jesus im Umgang mit seinen Jüngern Geduld? Durchaus! Wie wir in Kapitel 3 gesehen haben, dauerte es eine Zeit lang, bis die Apostel Demut lernten. Mehrere Male gerieten sie darüber in Streit, wer von ihnen der Größte sei. Wie reagierte Jesus? Wurde er ärgerlich? Nahm er ihnen ihr Verhalten übel? Nein. Er redete ihnen geduldig zu, sogar noch als an ihrem letzten gemeinsamen Abend „eine hitzige Auseinander­setzung“ über diese Frage entstand! (Lukas 22:24-30; Matthäus 20:20-28; Markus 9:33-37).

      5 Als Jesus etwas später an jenem Abend mit den elf treuen Aposteln zum Garten Gethsemane ging, wurde seine Geduld erneut auf die Probe gestellt. Jesus ließ acht der Apostel zurück und ging mit Petrus, Jakobus und Johannes weiter in den Garten hinein. Er sagte zu ihnen: „Ich bin zu Tode betrübt. Wartet hier und wacht mit mir.“ Dann entfernte er sich ein Stück und begann intensiv zu beten. Nachdem er eine ganze Zeit gebetet hatte, kam er zu den drei Aposteln zurück. Was sah er? In seiner schwersten Stunde schliefen sie! Machte er ihnen Vorwürfe, weil sie nicht wachsam geblieben waren? Nein, er redete ihnen geduldig ins Gewissen. Seine freundlichen Worte zeugten von Verständnis für ihre Schwächen und für die Belastung, unter der sie gestanden hatten.a „Der Geist ist zwar voller Eifer“, sagte er, „aber der Körper ist schwach.“ Jesus blieb geduldig, obwohl er die Apostel an jenem Abend nicht nur ein Mal, sondern drei Mal schlafend vorfand! (Matthäus 26:36-46).

      6. Wie können wir Jesus im Umgang mit anderen nachahmen?

      6 Es ist ermutigend, zu sehen, dass Jesus seine Apostel nicht als hoffnungslose Fälle betrachtete. Seine Geduld trug schließlich Früchte, denn diese treuen Männer lernten, sowohl demütig als auch wachsam zu sein (1. Petrus 3:8; 4:7). Wie können wir Jesus im Umgang mit anderen nachahmen? Besonders Älteste müssen geduldig sein. Vielleicht kommt jemand gerade dann mit einem Problem zu ihnen, wenn sie erschöpft sind oder selbst Sorgen haben. Oder es dauert eine gewisse Zeit, bis jemand auf guten Rat reagiert. Geduldige Älteste leiten andere jedoch immer „mit Milde“ an und „schonen“ die Herde (2. Timotheus 2:24, 25; Apostel­geschichte 20:28, 29). Auch Eltern brauchen Geduld, denn Kinder reagieren ja auf Rat oder Erziehungs­maßnahmen manchmal nur langsam. Liebe und Geduld hilft ihnen, nicht aufzugeben, sondern ihre Kinder weiterhin konsequent zu erziehen. Dafür werden sie oft sehr belohnt (Psalm 127:3).

      Er ging auf ihre Bedürfnisse ein

      7. Wie ging Jesus auf verschiedene Weise auf die physischen Bedürfnisse seiner Jünger ein?

      7 Liebe zeigt sich durch selbstlose Taten (1. Johannes 3:17, 18). Sie „hat nicht ihre eigenen Interessen im Sinn“ (1. Korinther 13:5). Aus Liebe ging Jesus auf die physischen Bedürfnisse seiner Jünger ein. Er handelte oft schon, bevor sie etwas sagten. Als er sah, dass sie müde waren, schlug er vor: „Kommt mit, ihr allein, an einen einsamen Ort und ruht euch ein bisschen aus“ (Markus 6:31). Als er merkte, dass sie Hunger hatten, sorgte er dafür, dass sie etwas zu essen bekamen – sie und Tausende andere, die gekommen waren, um ihm zuzuhören (Matthäus 14:19, 20; 15:35-37).

      8, 9. (a) Woran ist zu erkennen, dass Jesus sah, was seine Jünger brauchten, um im Glauben stark zu bleiben, und dass er darauf einging? (b) Wie zeigte Jesus, als er am Pfahl hing, dass ihm das Wohl seiner Mutter sehr am Herzen lag?

      8 Jesus sah auch, was seine Jünger brauchten, um im Glauben stark zu bleiben, und ging darauf ein (Matthäus 4:4; 5:3). Wenn er lehrte, hatte er oft speziell seine Jünger im Sinn. Die Bergpredigt hielt er besonders für sie (Matthäus 5:1, 2, 13-16). Oft redete Jesus in Bildern, und „wenn er dann mit seinen Jüngern allein war, erklärte er ihnen alles“ (Markus 4:34). Er sagte voraus, dass er einen „treuen und verständigen Sklaven“ einsetzen würde, damit seine Nachfolger in den letzten Tagen mit geistiger Nahrung gut versorgt würden. Dieser treue Sklave, bestehend aus einer kleinen Gruppe von geistgesalbten Brüdern Jesu auf der Erde, teilt seit 1919 geistige Nahrung „zur richtigen Zeit“ aus (Matthäus 24:45).

      9 Am Tag seines Todes zeigte sich auf sehr ergreifende Weise, wie wichtig es Jesus war, dass diejenigen, die er liebte, Jehova naheblieben. Jesus hing am Pfahl und litt unerträgliche Schmerzen. Um Atem zu holen, musste er sich wahrscheinlich mit den Füßen etwas hochstemmen. Das war bestimmt sehr qualvoll, denn das Gewicht seines Körpers lastete dabei auf den Nagelwunden in seinen Füßen und sein gegeißelter Rücken scheuerte am Pfahl. Unter diesen Umständen zu sprechen muss schwierig und schmerzhaft gewesen sein. Doch kurz bevor Jesus starb, sagte er etwas, das tiefe Liebe zu seiner Mutter Maria erkennen ließ. Er sah Maria und den Apostel Johannes in der Nähe stehen und sagte zu seiner Mutter so laut, dass es die Umstehenden hören konnten: „Frau, das ist jetzt dein Sohn!“ Dann sagte er zu Johannes: „Das ist jetzt deine Mutter!“ (Johannes 19:26, 27). Jesus wusste, dass der treue Apostel gut für Maria sorgen würde – sowohl für ihre physischen Bedürfnisse als auch für das, was sie brauchte, um einen starken Glauben zu haben.b

      Collage: 1. Ein Vater beim Familienstudium mit seiner Frau und seinen drei Kindern 2. Die Familie lässt einen Drachen steigen 3. Die Familie beim Essen.

      Eltern, die ihre Kinder lieben, sind geduldig mit ihnen und kümmern sich um ihre Bedürfnisse

      10. Wie können Eltern Jesus nachahmen, wenn es um die Bedürfnisse ihrer Kinder geht?

      10 Eltern haben in Jesus ein gutes Beispiel, was Fürsorglichkeit betrifft. Ein Vater, der seine Familie wirklich liebt, sorgt materiell für sie (1. Timotheus 5:8). Er schafft in einem ausgeglichenen Rahmen Gelegenheiten zur Erholung und Entspannung und – was noch wichtiger ist – er hilft seinen Kindern, einen starken Glauben zu entwickeln. Dazu studiert er mit seiner Familie regelmäßig die Bibel und bemüht sich, das Studium so zu gestalten, dass die Kinder davon profitieren und Freude daran haben (5. Mose 6:6, 7). Liebevolle Eltern werden ihren Kindern auch erklären und vorleben, wie wichtig der Predigtdienst ist und dass der Besuch der Zusammenkünfte sowie die Vorbereitung darauf zu ihrem Glaubensleben dazugehören (Hebräer 10:24, 25).

      Er war zum Vergeben bereit

      11. Was lehrte Jesus seine Nachfolger über das Vergeben?

      11 Eine weitere Facette der Liebe ist Vergebung (Kolosser 3:13, 14). Die Liebe „rechnet das Böse nicht an“, heißt es in 1. Korinther 13:5. Jesus lehrte seine Nachfolger des Öfteren, wie wichtig das Vergeben ist. Wie oft sollten sie vergeben? „Nicht bis zu 7 Mal, sondern bis zu 77 Mal“ – also unbegrenzt (Matthäus 18:21, 22). Er erklärte ihnen, dass einem Sünder, wenn er nach einer Zurechtweisung Reue zeigt, vergeben werden solle (Lukas 17:3, 4). Jesus war jedoch nicht wie die heuchlerischen Pharisäer, die nur Worte machten; er praktizierte, was er lehrte (Matthäus 23:2-4). Sehen wir uns einmal an, wie sich das äußerte, als er von einem guten Freund enttäuscht wurde.

      Jesus schaut von einem Balkon aus hinunter in den Hof und blickt auf Petrus, der leugnet, ihn zu kennen.

      12, 13. (a) Wie wurde Jesus in der Nacht seiner Festnahme von Petrus im Stich gelassen? (b) Wie zeigte sich nach Jesu Auferstehung deutlich, dass er Vergebung nicht nur predigte?

      12 Jesus hatte ein enges Verhältnis zum Apostel Petrus, einem warmherzigen, manchmal impulsiven Mann. Er sah, was für gute Eigenschaften Petrus hatte, und übertrug ihm besondere Dienstvorrechte. Zusammen mit Jakobus und Johannes wurde Petrus Zeuge bestimmter Wunder, die die übrigen Apostel nicht miterlebten (Matthäus 17:1, 2; Lukas 8:49-55). Wie schon erwähnt, war Petrus einer der Apostel, die mit Jesus in der Nacht seiner Festnahme weiter in den Garten Gethsemane hineingingen. Als Jesus in jener Nacht verraten und abgeführt wurde, lief Petrus jedoch wie die anderen Apostel davon. Später wagte sich Petrus bis in den Hof des Gebäudes, in dem Jesus illegal verhört wurde. Dort bekam er es dann mit der Angst zu tun und beging einen schweren Fehler: Er verleugnete Jesus drei Mal und behauptete sogar, ihn nicht zu kennen (Matthäus 26:69-75). Wie reagierte Jesus? Wie hättest du reagiert, wenn ein guter Freund dich so im Stich gelassen hätte?

      13 Jesus war zum Vergeben bereit. Er wusste, dass Petrus von seiner Sünde fast erdrückt wurde. Ja, der reumütige Apostel „brach … zusammen und fing an zu weinen“ (Markus 14:72). Jesus erschien ihm gleich am Tag seiner Auferstehung – wahrscheinlich um ihn zu trösten und zu beruhigen (Lukas 24:34; 1. Korinther 15:5). Keine zwei Monate später durfte Petrus am Pfingsttag in Jerusalem vor vielen Menschen Zeugnis ablegen (Apostel­geschichte 2:14-40). Auch den anderen Aposteln war Jesus interessanter­weise nicht böse, obwohl sie ihn alleingelassen hatten. Er nannte sie nach seiner Auferstehung immer noch „meine Brüder“ (Matthäus 28:10). Ganz offensichtlich hat Jesus Vergebung nicht nur gepredigt.

      14. Warum müssen wir vergeben können, und worin zeigt sich die Bereitschaft dazu?

      14 Als Jünger Christi müssen wir vergeben lernen. Warum? Weil wir im Gegensatz zu Jesus unvollkommen sind – wie diejenigen, die gegen uns sündigen. Wir machen alle oft Fehler in dem, was wir sagen oder tun (Römer 3:23; Jakobus 3:2). Wenn wir vergeben, wo eine Grundlage für Barmherzigkeit besteht, kann Gott auch unsere Sünden vergeben (Markus 11:25). Worin zeigt sich die Bereitschaft zu vergeben? Oft darin, dass wir aus Liebe über kleinere Sünden und Unzulänglichkeiten hinwegsehen (1. Petrus 4:8). Wenn uns jemand Unrecht getan hat und es ihm aufrichtig leidtut, wie es bei Petrus der Fall war, sollten wir wie Jesus vergeben. Statt nachtragend zu sein, ist es viel klüger, Groll zu begraben (Epheser 4:32). Das fördert den Frieden in der Versammlung und unseren eigenen inneren Frieden (1. Petrus 3:11).

      Er brachte Vertrauen zum Ausdruck

      15. Warum vertraute Jesus seinen Jüngern trotz ihrer Unzulänglichkeiten?

      15 Liebe ist auch eng mit Vertrauen verknüpft. Die Liebe „glaubt alles“ (1. Korinther 13:7).c Jesus war aus Liebe bereit, seinen Jüngern trotz ihrer Unzulänglichkeiten zu vertrauen. Er war zuversichtlich und davon überzeugt, dass sie Jehova von Herzen liebten und seinen Willen tun wollten. Selbst wenn sie Fehler machten, stellte er ihre Beweggründe nicht infrage. Als sich zum Beispiel die Apostel Jakobus und Johannes – offenbar durch ihre Mutter – einen Platz im Königreich an Jesu Seite sichern wollten, zweifelte Jesus weder ihre Loyalität an noch lehnte er sie als Apostel ab (Matthäus 20:20-28).

      16, 17. Welche verantwortungs­vollen Aufgaben hat Jesus seinen Jüngern übertragen?

      16 Jesu Vertrauen zu seinen Jüngern zeigte sich auch darin, dass er ihnen verantwortungs­volle Aufgaben übertrug. Als er zweimal durch ein Wunder Brote und Fische vermehrte, beauftragte er seine Jünger, sie unter die versammelte Menge zu verteilen (Matthäus 14:19; 15:36). Vor seinem letzten Passah trug er Petrus und Johannes auf, in Jerusalem die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen. Sie kümmerten sich um das Lamm, den Wein, das ungesäuerte Brot, um bittere Kräuter und was sonst noch nötig war. Das war nicht unwichtig, denn im mosaischen Gesetz war festgelegt, wie beim Passah im Einzelnen vorzugehen war, und Jesus musste sich daran halten. Außerdem gebrauchte er den Wein und das ungesäuerte Brot an jenem Abend als Symbole bei der Einsetzung der Feier zum Gedenken an seinen Tod (Matthäus 26:17-19; Lukas 22:8, 13).

      17 Jesus übertrug seinen Jüngern später noch größere Verantwortung. Sie erhielten von ihm den bedeutenden Auftrag, zu predigen und Menschen zu seinen Jüngern zu machen (Matthäus 28:18-20). Wie schon erwähnt, sagte er voraus, dass er eine kleine Gruppe seiner gesalbten Nachfolger auf der Erde mit der verantwortungs­vollen Aufgabe betrauen würde, geistige Nahrung auszuteilen (Lukas 12:42-44). Außerdem vertraut er in der heutigen Zeit, wo er unsichtbar vom Himmel aus regiert, seine Versammlung auf der Erde der Obhut fähiger Männer an – Menschen, die er „als Gaben“ gegeben hat (Epheser 4:8, 11, 12).

      18-20. (a) Wie können wir Glaubensbrüdern mit Vertrauen und Zuversicht begegnen? (b) Wie können wir Jesu Bereitschaft, Aufgaben abzugeben, nachahmen? (c) Worauf wird im nächsten Kapitel eingegangen?

      18 Wie können wir im Umgang mit anderen Jesu Beispiel nachahmen? Wenn wir unseren Glaubensbrüdern mit Vertrauen und Zuversicht begegnen, zeugt das von Liebe. Behalten wir immer im Sinn, dass die Liebe nicht negativ, sondern positiv ist. Sollte uns jemand enttäuschen, was ja immer wieder einmal vorkommt, hilft uns Liebe, dem Betreffenden nicht gleich schlechte Motive zu unterstellen (Matthäus 7:1, 2). Wenn wir gegenüber unseren Brüdern und Schwestern positiv eingestellt bleiben, reißen wir sie nicht nieder, sondern bauen sie auf (1. Thessalonicher 5:11).

      19 Können wir wie Jesus Aufgaben abgeben? Es ist gut, wenn Brüder in verantwortlicher Stellung sinnvolle Aufgaben an geeignete Brüder delegieren und darauf vertrauen, dass sie nach besten Kräften ausgeführt werden. So können Älteste aufgrund ihrer Erfahrung jüngeren Männern, die sich darum bemühen, in der Versammlung mitzuhelfen, wertvolle Schulung vermitteln (1. Timotheus 3:1; 2. Timotheus 2:2). Das ist notwendig und sehr wichtig, denn je mehr Jehova das Wachstum des Königreichswerks beschleunigt, desto mehr geeignete Männer müssen geschult werden, um diesem Wachstum gerecht zu werden (Jesaja 60:22).

      20 Jesus ist ein hervorragendes Vorbild dafür, wie man Liebe praktiziert. Wir können uns auf vielen Gebieten an ihm ein Beispiel nehmen, doch am wichtigsten ist es, seine Liebe nachzuahmen. Im nächsten Kapitel werden wir darauf eingehen, wie sich seine Liebe zu uns am deutlichsten gezeigt hat: Er war bereit, sein Leben für uns zu geben.

      a Die Apostel waren nicht einfach nur körperlich müde. Gemäß der Parallelstelle in Lukas 22:45 sah Jesus, dass sie „eingenickt waren“, weil sie „vor Kummer erschöpft“ waren.

      b Maria war inzwischen offensichtlich verwitwet und ihre anderen Kinder scheinen noch keine Jünger Jesu gewesen zu sein (Johannes 7:5).

      c Die Liebe ist deswegen natürlich nicht leichtgläubig oder naiv, sondern sie ist einfach nicht ungebührlich kritisch oder misstrauisch. Wer liebt, urteilt nicht vorschnell über die Beweggründe anderer und nimmt nicht gleich das Schlimmste an.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Warum ist es wichtig, das zu befolgen, was Jesus über das Vergeben sagte? (Matthäus 6:14, 15).

      • Wie können wir die Lehre aus Jesu Gleichnis über das Vergeben in die Praxis umsetzen? (Matthäus 18:23-35).

      • Wie nahm Jesus auf seine Jünger Rücksicht, und wie können wir es ihm gleichtun? (Matthäus 20:17-19; Johannes 16:12).

      • Wie ließ Jesus den Apostel Petrus wissen, dass er ihm vertraute, und wie zeigen wir anderen, dass wir ihnen vertrauen? (Lukas 22:31, 32).

  • „Die größte Liebe“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL SIEBZEHN

      „Die größte Liebe“

      Pontius Pilatus deutet auf Jesus, der an den Händen gefesselt ist und ein purpurrotes Gewand und eine Dornenkrone trägt.

      1-4. (a) Was geschieht, als Pilatus Jesus der wütenden Menge vor seinem Palast vorführt? (b) Wie reagiert Jesus auf Demütigungen und Leiden, und welche wichtigen Fragen erheben sich?

      „SEHT! Der Mensch!“ Mit diesen Worten präsentiert der römische Statthalter Pontius Pilatus Jesus Christus einer wütenden Menge, die sich am Passahmorgen des Jahres 33 u. Z. vor seinem Palast versammelt hat (Johannes 19:5). Ein paar Tage zuvor wurde Jesus bei seinem triumphalen Einzug in Jerusalem als der von Gott eingesetzte König noch bejubelt. Doch jetzt ist die Menge ihm gegenüber feindselig.

      2 Jesus ist wie ein König in Purpur gekleidet und trägt eine Krone auf dem Kopf. Der purpurrote Umhang, der um seinen zerschlagenen, blutenden Rücken geschlungen ist, und die Krone aus Dornen, die sich in seine blutige Kopfhaut bohrt, dienen jedoch nur zum Spott. Das von den Oberpriestern aufgewiegelte Volk lehnt den misshandelten Mann, der vor ihnen steht, ab. Die Priester schreien: „An den Pfahl mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“ Das Volk will Blut sehen und verlangt seine Hinrichtung (Johannes 19:1-7).

      3 Würdevoll, mutig und ohne zu klagen, erträgt Jesus Demütigungen und Leiden.a Er ist darauf gefasst, zu sterben. Später an jenem Passahtag erleidet er freiwillig einen qualvollen Tod an einem Marterpfahl (Johannes 19:17, 18, 30).

      4 Durch seinen Opfertod erwies sich Jesus seinen Nachfolgern als echter Freund. Er sagte: „Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde gibt“ (Johannes 15:13). Das gibt zu einigen wichtigen Fragen Anlass: War es wirklich nötig, dass Jesus so viel litt und dann starb? Warum war er dazu bereit? Wie können wir als „seine Freunde“ und Nachfolger sein Beispiel nachahmen?

      Warum war es nötig, dass Jesus litt und starb?

      5. Woher wusste Jesus, was ihm alles bevorstand?

      5 Als der angekündigte Messias wusste Jesus, was ihn erwartete. Er kannte die vielen Prophezeiungen in den Hebräischen Schriften, in denen die Leiden und der Tod des Messias im Detail beschrieben wurden (Jesaja 53:3-7, 12; Daniel 9:26). Mehr als einmal sprach er mit seinen Jüngern über das, was ihm bevorstand (Markus 8:31; 9:31). Als er das letzte Mal zum Passah nach Jerusalem unterwegs war, erklärte er seinen Aposteln: „Der Menschensohn [wird] den Oberpriestern und Schrift­gelehrten ausgeliefert. Sie werden ihn zum Tod verurteilen und Menschen anderer Völker übergeben. Die werden ihn verspotten, anspucken, auspeitschen und töten“ (Markus 10:33, 34). Das waren keine leeren Worte. Wie wir gesehen haben, verspottete man Jesus tatsächlich, spuckte ihn an, peitschte ihn aus und tötete ihn schließlich.

      6. Warum war es nötig, dass Jesus litt und starb?

      6 Warum war es überhaupt nötig, dass Jesus litt und starb? Aus mehreren wichtigen Gründen. Erstens würde er dadurch, dass er bis in den Tod treu blieb, seine Ergebenheit gegenüber Jehova unter Beweis stellen und dessen Namen heiligen. Satan hatte ja behauptet, der Mensch diene Jehova nur aus selbstsüchtigen Beweggründen (Hiob 2:1-5). Durch Jesu Treue bis in den „Tod an einem Marterpfahl“ wurde diese haltlose Anklage eindeutig widerlegt (Philipper 2:8; Sprüche 27:11). Zweitens würde durch die Leiden und den Tod des Messias die Grundlage zur Sündensühnung geschaffen werden (Jesaja 53:5, 10; Daniel 9:24). Jesus gab sein Leben „als Lösegeld für viele“, und dadurch ist es uns möglich, Gottes Gunst zu erlangen (Matthäus 20:28). Drittens wurde Jesus durch die vielen verschiedenen Härten und Leiden, die er durchmachte, „in allem auf die Probe gestellt … wie wir“. Er ist so zu einem Hohen Priester geworden, der wirklich „mit unseren Schwächen … mitfühlen kann“ (Hebräer 2:17, 18; 4:15).

      Warum war Jesus bereit, sein Leben zu geben?

      7. Was gab Jesus alles auf, als er auf die Erde kam?

      7 Um uns einen Begriff davon zu machen, was Jesus auf sich nahm, könnten wir Folgendes bedenken: Welcher Mann würde seine Familie und sein Zuhause verlassen und in ein fremdes Land ziehen, wenn er schon vorher wüsste, dass ihn die meisten Menschen dort ablehnen werden und dass man ihn demütigen, foltern und schließlich umbringen wird? Und nun überlegen wir, was Jesus tat. Er hatte ursprünglich eine begünstigte Stellung an der Seite seines Vaters im Himmel. Diese gab er bereitwillig auf und kam als Mensch auf die Erde – obwohl er wusste, dass er von den meisten Menschen abgelehnt werden würde und grausame Demütigungen, starke Schmerzen und einen qualvollen Tod zu erwarten hätte (Philipper 2:5-7). Warum brachte er ein so großes Opfer?

      8, 9. Warum war Jesus bereit, sein Leben zu opfern?

      8 Jesus tat das alles in erster Linie aus tiefer Liebe zu seinem Vater. Sein Ausharren war ein Beweis dieser Liebe. Sie war der Grund, warum ihm der Name und Ruf seines Vater sehr am Herzen lag (Matthäus 6:9; Johannes 17:1-6, 26). Jesus wünschte nichts sehnlicher, als den Namen seines Vaters von aller Schande befreit zu sehen. Deshalb war es für ihn die höchste Ehre und das größte Vorrecht, um der Gerechtigkeit willen zu leiden, wusste er doch, dass er durch seine Integrität dazu beitragen würde, den guten und herrlichen Namen seines Vaters zu heiligen (1. Chronika 29:13).

      9 Jesus opferte sein Leben noch aus einem anderen Grund: aus Liebe zu den Menschen. Diese Liebe empfand er schon ganz zu Beginn der Menschheits­geschichte. Lange bevor er auf die Erde kam, hieß es in der Bibel über ihn: „Besonders die Menschen hatte ich lieb“ (Sprüche 8:30, 31). Als Jesus auf der Erde lebte, war seine Liebe deutlich zu erkennen. Wie wir in den vorausgehenden drei Kapiteln dieses Buches gesehen haben, zeigte sich seine Liebe zu den Menschen allgemein und zu seinen Nachfolgern im Besonderen auf vielerlei Weise. Doch was er am 14. Nisan 33 u. Z. tat, übertraf alles. Er gab bereitwillig sein Leben für die Menschen (Johannes 10:11). Sollten auch wir dazu bereit sein? Ja. Wir sind sogar dazu verpflichtet.

      „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“

      10, 11. Wie lautet das neue Gebot, das Jesus seinen Nachfolgern gab, was verlangt es und warum ist es wichtig, dieses Gebot zu befolgen?

      10 Am Abend vor seinem Tod sagte Jesus zu seinen vertrautesten Jüngern: „Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe zueinander habt“ (Johannes 13:34, 35). „Liebt einander“ – was ist an diesem Gebot neu? Im mosaischen Gesetz hieß es ja schon: „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19:18). Das stimmt, doch das neue Gebot verlangt noch größere Liebe – eine Liebe, die so weit geht, dass man sein Leben für andere gibt. Jesus machte das deutlich, als er sagte: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde gibt“ (Johannes 15:12, 13). Oder anders ausgedrückt: Liebe andere nicht nur wie dich selbst, sondern mehr als dich selbst. Diese Liebe hat Jesus durch sein Leben und seinen Tod beispielhaft bewiesen.

      11 Warum ist es wichtig, das neue Gebot zu befolgen? Jesus sagte: „Daran [an der selbstlosen Liebe] werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“ Ja, Liebe, die zu Opfern bereit ist, kennzeichnet uns als wahre Christen. Man könnte sie mit einem Abzeichen vergleichen. Als Zeugen Jehovas tragen wir bei unseren regionalen Kongressen Abzeichen, an denen man erkennen kann, wer wir sind, weil unser Name und der Name unserer Versammlung darauf steht. Selbstlose Liebe ist das „Abzeichen“, an dem echte Christen zu erkennen sind. Mit anderen Worten: Die Liebe, die wir untereinander haben, sollte so deutlich sichtbar sein wie ein Erkennungszeichen oder ein Abzeichen; jeder sollte daran sehen, dass wir wahre Nachfolger Christi sind. Wir tun also gut daran, uns zu fragen: „Ist das ‚Abzeichen‘ echter Christen – selbstlose Liebe – bei mir immer deutlich sichtbar?“

      Selbstlose Liebe – was schließt sie ein?

      12, 13. (a) Wozu müssen wir aus Liebe zueinander bereit sein? (b) Was bedeutet es, opferbereit zu sein?

      12 Als Nachfolger Jesu müssen wir einander lieben, wie er uns geliebt hat. Wir müssen bereit sein, für Glaubensbrüder und -schwestern Opfer zu bringen. Wie weit kann das gehen? In der Bibel heißt es: „Dadurch haben wir die Liebe kennengelernt: weil Jesus Christus sein Leben für uns gegeben hat. Und wir sind verpflichtet, unser Leben für unsere Brüder zu geben“ (1. Johannes 3:16). Wir müssen wie Jesus bereit sein, notfalls füreinander zu sterben. In Verfolgungszeiten würden wir eher unser Leben lassen, als unsere Glaubensbrüder zu verraten und sie dadurch in Gefahr zu bringen. Wenn in einem Land Volksgruppen im Streit liegen, würden wir unsere Brüder unter Einsatz unseres Lebens schützen, ganz gleich welcher Volksgruppe sie angehören. Und wenn Länder gegeneinander Krieg führen, würden wir eher Haft oder gar den Tod in Kauf nehmen, als gegen Glaubensbrüder oder irgendjemand anders die Waffe zu erheben (Johannes 17:14, 16; 1. Johannes 3:10-12).

      13 Selbstlose Liebe zeigt sich nicht nur dadurch, dass wir unser Leben für unsere Brüder opfern würden. In diese Lage kommen ohnehin nur wenige von uns. Aber wenn wir aus Liebe schon unser Leben lassen würden, sollten wir dann zu kleineren Opfern für unsere Brüder nicht erst recht bereit sein und ihnen schon jetzt nach besten Kräften helfen? Opferbereit zu sein bedeutet, zugunsten anderer auf persönliche Vorteile oder Bequemlichkeiten zu verzichten. Wir stellen ihre Bedürfnisse und ihr Wohl über unsere eigenen Interessen, auch wenn das unbequem ist (1. Korinther 10:24). Wie kann selbstlose Liebe konkret zum Ausdruck kommen?

      In der Versammlung und in der Familie

      14. (a) Zu welchen Opfern sind Älteste bereit? (b) Wie empfindest du, wenn du an die hart arbeitenden Ältesten in deiner Versammlung denkst?

      14 Versammlungs­älteste bringen viele Opfer, um Gottes „Herde“ zu „hüten“ (1. Petrus 5:2, 3). Sie sorgen für die eigene Familie und sind vielleicht abends oder am Wochenende oft zusätzlich mit Versammlungs­angelegenheiten beschäftigt, zum Beispiel mit der Vorbereitung auf Programmpunkte, mit Hirtenbesuchen oder Rechtsfällen. Viele Älteste setzen sich außerdem bei größeren und kleineren Kongressen, in Krankenhaus-Verbindungs­komitees oder in Kranken­besuchs­gruppen ein. Andere engagieren sich als Helfer der Lokalen Planungs- und Bauabteilung. Ihr Ältesten, vergesst bitte nie: Euer bereitwilliger Einsatz – die Zeit, die Kraft und die Mittel, die ihr für das Hüten der Herde aufbringt – zeugt von Opfer­bereitschaft und Liebe (2. Korinther 12:15). Jehova und die Versammlung, um die ihr euch kümmert, schätzen das wirklich sehr (Philipper 2:29; Hebräer 6:10).

      15. (a) Welche Opfer bringen die Frauen von Ältesten? (b) Wie empfindest du, wenn du an die opferbereiten Frauen denkst, die ihren Mann mit der Versammlung teilen, der du angehörst?

      15 Was ist über die Frauen von Ältesten zu sagen? Bringen diese Schwestern nicht ebenfalls Opfer, damit sich ihr Mann um die Herde kümmern kann? Es ist bestimmt ein Opfer für eine Frau, wenn ihr Mann für Versammlungs­angelegenheiten Zeit aufwenden muss, die er sonst mit der Familie verbringen könnte. Denken wir auch daran, was die Frauen der Kreisaufseher auf sich nehmen, wenn sie ihren Mann von Versammlung zu Versammlung und von Kreis zu Kreis begleiten. Sie verzichten auf ein eigenes Zuhause und müssen unter Umständen jede Woche in einem anderen Bett schlafen. Frauen, die im Interesse der Versammlung bereitwillig zurückstehen, haben für ihre große Liebe und Opfer­bereitschaft wirklich ein Lob verdient (Philipper 2:3, 4).

      16. Welche Opfer bringen christliche Eltern für ihre Kinder?

      16 Wie kommt selbstlose Liebe in der Familie zum Ausdruck? Ihr lieben Eltern bringt viele Opfer, um für eure Kinder zu sorgen und sie „nach den Maßstäben und der Anleitung Jehovas“ großzuziehen (Epheser 6:4). Vielleicht müsst ihr lange und hart arbeiten, nur um das tägliche Brot zu verdienen und dafür zu sorgen, dass die Kinder etwas Vernünftiges anzuziehen und ein angemessenes Zuhause haben. Ihr würdet eher selbst zurückstecken, als es euren Kindern an etwas Wichtigem fehlen zu lassen. Außerdem verwendet ihr viel Mühe darauf, mit euren Kindern zu studieren, sie in die Zusammenkünfte mitzunehmen und mit ihnen predigen zu gehen (5. Mose 6:6, 7). Eure Liebe und Opfer­bereitschaft macht dem Urheber der Familie Freude und kann für eure Kinder ewiges Leben bedeuten (Sprüche 22:6; Epheser 3:14, 15).

      17. Wie können christliche Ehemänner Jesu selbstlose Einstellung nachahmen?

      17 Wie können Ehemänner gemäß Jesu Beispiel selbstlose Liebe zeigen? Die Bibel sagt: „Ihr Männer, liebt eure Frauen weiterhin, so wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich für sie geopfert hat“ (Epheser 5:25). Wie wir gesehen haben, liebte Jesus seine Nachfolger so sehr, dass er für sie starb. Ein christlicher Ehemann ahmt die selbstlose Einstellung Jesu nach, der „nicht einfach getan [hat], was ihm gefiel“ (Römer 15:3). Er stellt seine eigenen Bedürfnisse im Interesse seiner Frau bereitwillig zurück. Auch besteht er nicht steif und fest darauf, seinen Willen durchzusetzen, sondern ist im Rahmen biblischer Grundsätze zum Nachgeben bereit. Selbstlose Liebe bringt einem Mann Jehovas Anerkennung ein sowie die Liebe und die Achtung seiner Familie.

      Was wirst du tun?

      18. Was motiviert uns, das neue Gebot zu befolgen und einander zu lieben?

      18 Das neue Gebot, einander zu lieben, ist nicht einfach zu befolgen, doch wir haben eine starke Motivation. Paulus schrieb: „Die Liebe, die der Christus hat, treibt uns an. Wir sind nämlich zu dem Schluss gekommen, dass ein Mensch für alle gestorben ist … Und er ist für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde“ (2. Korinther 5:14, 15). Jesus ist für uns gestorben. Sollten wir uns dann nicht gedrängt fühlen, für ihn zu leben? Das tun wir, wenn wir wie er aus Liebe für andere Opfer bringen.

      19, 20. Welches kostbare Geschenk hat uns Jehova gemacht, und wie zeigt sich, dass wir es annehmen?

      19 Jesus übertrieb keineswegs, als er sagte: „Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde gibt“ (Johannes 15:13). Seine Bereitschaft, für uns zu sterben, war der größte Beweis dafür, wie sehr er uns liebt. Doch jemand anders hat sogar noch größere Liebe zu uns bewiesen. Jesus erklärte: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht vernichtet wird, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3:16). Gott liebt uns so sehr, dass er seinen Sohn als Lösegeld gab und es uns dadurch ermöglicht hat, von Sünde und Tod befreit zu werden (Epheser 1:7). Mit dem Lösegeld hat uns Jehova ein kostbares Geschenk gemacht, doch er zwingt es uns nicht auf.

      20 Es liegt bei uns, es anzunehmen. Wie tun wir das? Dadurch dass wir an seinen Sohn glauben. Ein solcher Glaube erschöpft sich allerdings nicht in Worten. Er äußert sich durch Taten, durch unsere gesamte Lebensführung (Jakobus 2:26). Wenn wir Jesus Christus Tag für Tag nachfolgen, beweisen wir Glauben an ihn. Wie das letzte Kapitel zeigt, werden wir dafür jetzt und in der Zukunft sehr gesegnet.

      a Jesus wurde an jenem Tag zwei Mal angespuckt, zuerst von den religiösen Führern und dann von den römischen Soldaten (Matthäus 26:59-68; 27:27-30). Sogar diesen Ausdruck der Verachtung nahm er klaglos hin, wodurch sich die prophetischen Worte erfüllten: „Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Demütigungen und Speichel“ (Jesaja 50:6).

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Welchen Weg der Selbstlosigkeit zeichnete Jesus seinen Nachfolgern vor? (Matthäus 16:24-26).

      • Wieso lohnt es sich, den Weg der Selbstlosigkeit zu gehen? (Markus 10:23-30).

      • Wie erwies sich Jesus als der gute Hirte, und was können Älteste von ihm lernen? (Johannes 10:11-15).

      • Wie können wir Jesu selbstlose Liebe in der Praxis nachahmen? (1. Johannes 3:17, 18).

  • „Folge mir weiter nach“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL ACHTZEHN

      „Folge mir weiter nach“

      1-3. (a) Auf welche Weise verließ Jesus seine Apostel, und warum war das kein Abschied für immer? (b) Warum sollte es uns unbedingt interessieren, wie Jesu Leben nach seiner Himmelfahrt weiterging?

      ELF Männer stehen zusammen auf einem Berg. Voll Liebe und Bewunderung ruht ihr Blick auf einer zwölften Gestalt. Sie sieht aus wie ein Mensch, doch in Wirklichkeit ist es der auferstandene Jesus; er ist jetzt wieder der mächtigste aller Geistsöhne Jehovas. Jesus hat seine Apostel versammelt, um ein letztes Mal hier auf dem Ölberg mit ihnen zusammen zu sein.

      2 Der Ölberg, Teil eines Höhenzugs jenseits des Kidrontals östlich von Jerusalem, ruft in Jesus sicher viele Erinnerungen wach. An einem seiner Hänge liegt Bethanien, wo Jesus Lazarus auferweckte. Vom nahe gelegenen Bethphage aus ritt Jesus noch vor ein paar Wochen nach Jerusalem, wo er jubelnd empfangen wurde. Außerdem lag am Ölberg oder nicht weit entfernt der Garten Gethsemane, in dem Jesus die qualvollen letzten Stunden vor seiner Festnahme verbrachte. Auf diesem Berg wird er sich nun von seinen engsten Freunden und Nachfolgern trennen. Er gibt ihnen noch stärkende Worte mit auf den Weg und dann wird er emporgehoben. Die Apostel stehen wie angewurzelt da und verfolgen gebannt, wie ihr geliebter Herr in den Himmel auffährt. Schließlich entschwindet er in einer Wolke (Apostel­geschichte 1:6-12).

      3 Ein bittersüßes Ende? Ein wehmütiger Abschied für immer? Nein! Zwei Engel versichern den Aposteln gleich darauf, dass Jesu Geschichte keineswegs zu Ende ist (Apostel­geschichte 1:10, 11). Seine Himmelfahrt ist in vieler Hinsicht erst ein Anfang. Gottes Wort lässt uns nicht im Dunkeln darüber, was mit Jesus als Nächstes geschah. Wir sollten uns unbedingt dafür interessieren, wie sein Leben weiterging, denn Jesus sagte ja noch zu Petrus: „Folge mir weiter nach“ (Johannes 21:19, 22). Diesem Gebot müssen wir alle gehorchen, und zwar nicht nur vorübergehend, sondern unser ganzes Leben lang. Voraussetzung dafür ist, dass wir wissen, was für eine Stellung unser Herr jetzt im Himmel hat und welche Aufgaben ihm übertragen wurden.

      Jesu Leben seit seinem Weggang von der Erde

      4. Wie gab die Bibel im Voraus Aufschluss darüber, was im Himmel nach Jesu Rückkehr geschehen würde?

      4 In der Bibel steht nichts über Jesu Ankunft im Himmel, über seinen Empfang und die freudige Wieder­vereinigung mit seinem Vater. Doch bereits lange im Voraus gab die Heilige Schrift Aufschluss darüber, was im Himmel schon bald nach der Rückkehr Jesu vor sich gehen würde. Mehr als 1500 Jahre lang waren die Juden regelmäßig Zeuge einer feierlichen heiligen Handlung. An einem bestimmten Tag im Jahr betrat der Hohe Priester das Allerheiligste im Tempel, um das Blut der Tieropfer des Sühnetages vor die Bundeslade zu spritzen. Er stellte an jenem Tag den Messias dar. Nach Jesu Himmelfahrt wurde das, was diese Zeremonie prophetisch darstellte, ein für alle Mal Wirklichkeit. Jesus trat vor die Majestät Jehovas im Himmel – den heiligsten Ort überhaupt – und brachte seinem Vater den Wert seines Loskaufsopfers dar (Hebräer 9:11, 12, 24). Nahm Jehova das Opfer an?

      5, 6. (a) Was zeigt, dass Jehova Christi Loskaufsopfer angenommen hatte? (b) Wem kommt das Lösegeld zugute, und wie?

      5 Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus den Ereignissen einige Tage nach Jesu Himmelfahrt. Eine kleine Gruppe von etwa 120 Christen war in einem Raum in einem Obergeschoss in Jerusalem versammelt, als plötzlich das Rauschen einer kräftigen Brise das Haus erfüllte. Über ihren Köpfen erschienen Zungen wie aus Feuer, sie wurden mit heiligem Geist erfüllt und konnten plötzlich in verschiedenen Sprachen sprechen (Apostel­geschichte 2:1-4). Eine neue Nation war entstanden: das geistige Israel, Gottes neues „auserwähltes Geschlecht“, „eine königliche Priesterschaft“, die den Willen Gottes auf der Erde ausführen sollte (1. Petrus 2:9). Jehova Gott hatte Christi Loskaufsopfer ganz offensichtlich angenommen. Die Ausgießung des heiligen Geistes war eine der ersten Segnungen des Loskaufsopfers.

      6 Seither kommt Christi Lösegeld seinen Nachfolgern auf der ganzen Erde zugute. Ob wir nun zur „kleinen Herde“ der Gesalbten gehören, die mit Christus im Himmel regieren wird, oder zu den „anderen Schafen“, die unter seiner Herrschaft auf der Erde leben werden – in beiden Fällen ziehen wir aus Jesu Opfer Nutzen (Lukas 12:32; Johannes 10:16). Es ist die Grundlage für unsere Hoffnung und für die Vergebung unserer Sünden. Solange wir weiter Glauben an das Lösegeld beweisen, indem wir Jesus Tag für Tag nachfolgen, können wir ein reines Gewissen haben und auf eine herrliche Zukunft hoffen (Johannes 3:16).

      7. Welche Macht wurde Jesus nach seiner Rückkehr in den Himmel übertragen, und wie können wir ihn unterstützen?

      7 Wie ging Jesu Leben nach seiner Rückkehr in den Himmel weiter? Ihm wurde große Macht übertragen (Matthäus 28:18). Jehova setzte ihn zum Haupt der Christen­versammlung ein, über die Jesus seitdem liebevoll und gerecht herrscht (Kolosser 1:13). Wie vorausgesagt hat Jesus für verantwortungs­bewusste Männer gesorgt, die sich um seine Herde kümmern (Epheser 4:8). So sandte er zum Beispiel Paulus als „Apostel für die anderen Völker“ aus, damit er die gute Botschaft weit und breit verkündet (Römer 11:13; 1. Timotheus 2:7). Gegen Ende des 1. Jahrhunderts richtete er Botschaften mit Lob, Rat und Zurechtweisung an sieben Versammlungen in der römischen Provinz Asien (Offenbarung, Kapitel 2, 3). Erkennen wir persönlich Jesus als Haupt der Christen­versammlung an? (Epheser 5:23). Dann können wir das unter anderem dadurch beweisen, dass wir gern mit denen zusammen­arbeiten, die in der Versammlung die Führung übernehmen.

      8, 9. Welche Macht wurde Jesus im Jahr 1914 übertragen, und wie sollte sich das auf unsere persönlichen Entscheidungen auswirken?

      8 Im Jahr 1914 erhielt Jesus noch größere Macht. Er wurde als König von Jehovas messianischem Königreich eingesetzt. Zu Beginn seiner Herrschaft brach Krieg aus im Himmel. Die Folge? Satan und die Dämonen wurden zur Erde hinab­geschleudert, wo eine Zeit großen Leids anbrach. Die vielen Kriege, die Verbrechen, der Terror, die Krankheiten, Erdbeben und Hungersnöte, unter denen die Menschheit heute leidet, erinnern uns daran, dass Jesus jetzt im Himmel regiert. Satan ist momentan „der Herrscher dieser Welt“, aber er hat nur noch „eine kurze Frist“ (Offenbarung 12:7-12; Johannes 12:31; Matthäus 24:3-7; Lukas 21:11). Gleichzeitig bietet Jesus Menschen auf der ganzen Erde die Gelegenheit, ihn als König anzuerkennen.

      9 Es ist sehr wichtig, dass wir für den messianischen König klar Stellung beziehen. In all unseren täglichen Entscheidungen müssen wir seine Anerkennung suchen und nicht die der verdorbenen Welt, in der wir leben. Wenn sich Jesus, der „König der Könige und Herr der Herren“, die Menschheit so ansieht, dann lodert einerseits Zorn in seinem gerechten Herzen und andererseits sprüht es über vor Freude (Offenbarung 19:16). Warum?

      Zorn und Freude des messianischen Königs

      10. Wie ist Jesus dem Wesen nach, doch was macht ihn zu Recht zornig?

      10 Jesus ist wie sein Vater dem Wesen nach glücklich (1. Timotheus 1:11). Er war als Mensch weder kritisch noch schwer zufrieden­zustellen. Heute geschieht jedoch auf der Erde sehr vieles, was ihn zu Recht zornig machen muss. Er ist bestimmt zornig über all die religiösen Organisationen, die nur vorgeben, ihn zu vertreten. Er sagte schon voraus: „Nicht jeder, der zu mir sagt: ‚Herr, Herr!‘, wird in das Königreich des Himmels kommen, sondern nur, wer das tut, was mein Vater im Himmel will. An jenem Tag werden viele zu mir sagen: ‚Herr, Herr! Haben wir nicht in deinem Namen … viele mächtige Taten vollbracht?‘ Aber ich sage ihnen dann: ‚Ich habe euch nie gekannt! Verschwindet, ihr Gesetzlosen!‘“ (Matthäus 7:21-23).

      11-13. Warum sind manche vielleicht erstaunt, dass Jesus mit Menschen, die in seinem Namen „viele mächtige Taten“ vollbringen, hart ins Gericht geht, doch warum ist Jesus zornig? Veranschauliche es.

      11 Viele, die sich heute als Christen bezeichnen, werden über diese Worte vielleicht erstaunt sein. Warum geht Jesus mit Menschen, die in seinem Namen „viele mächtige Taten“ vollbracht haben, so hart ins Gericht? Die Kirchen der Christenheit haben Wohltätigkeits­organisationen unterstützt, den Armen geholfen, Krankenhäuser und Schulen gebaut und vieles andere mehr. Warum haben sie Jesu Zorn dennoch verdient? Ein Vergleich soll das verdeutlichen.

      12 Ein Elternpaar muss dringend verreisen. Da sie ihre Kinder nicht mitnehmen können, engagieren sie eine Babysitterin. Sie geben ihr folgende einfache Anweisungen: „Kümmern Sie sich um die Kinder. Geben Sie ihnen zu essen, halten Sie sie sauber, und passen Sie auf, dass ihnen nichts passiert.“ Als die Eltern zurückkommen, sind sie schockiert: Die Kinder sind ausgehungert, schmutzig, kränklich und sehen elend aus. Sie weinen und rufen nach der Babysitterin, aber sie reagiert nicht. Sie steht auf der Leiter und putzt Fenster. Zornig verlangen die Eltern eine Erklärung. Die Frau sagt: „Schauen Sie, was ich alles gemacht habe! Sind die Fenster nicht schön sauber? Und ich hab auch etwas am Haus repariert, extra für Sie!“ Würde das die Eltern beschwichtigen? Bestimmt nicht! Sie haben das alles gar nicht verlangt. Die Babysitterin sollte sich lediglich um die Kinder kümmern. Eine solche Eigenmächtigkeit kann die Eltern nur zornig machen.

      13 Die Christenheit hat sich ähnlich verhalten. Jesus hinterließ seinen Vertretern klare Anweisungen: Sie sollten die Menschen mit der Wahrheit aus Gottes Wort ernähren und ihnen helfen, in Gottes Augen rein zu bleiben (Johannes 21:15-17). Doch in alldem hat die Christenheit kläglich versagt. Sie hat die Menschen hungern lassen, indem sie sie durch Unwahrheiten verwirrt und über die grundlegenden Wahrheiten der Bibel in Unwissenheit gelassen hat (Jesaja 65:13; Amos 8:11). Ihr willentlicher Ungehorsam ist auch dadurch nicht zu entschuldigen, dass sie die Welt verbessern wollte, gleicht doch das heutige Weltsystem einem Haus, das kurz vor dem Abriss steht! Gottes Wort zeigt deutlich, dass Satans Weltsystem bald zerstört werden wird (1. Johannes 2:15-17).

      14. Was freut Jesus heute, und warum?

      14 Andererseits muss es Jesus sehr freuen, wenn er vom Himmel aus Millionen Menschen sieht, die seinem Auftrag nachkommen und Menschen zu seinen Jüngern machen, wie er es seinen Nachfolgern vor seiner Himmelfahrt aufgetragen hat (Matthäus 28:19, 20). Es ist wirklich etwas Besonderes, zur Freude des messianischen Königs beitragen zu dürfen! Hören wir daher nie auf, den „treuen und verständigen Sklaven“ zu unterstützen (Matthäus 24:45). Diese kleine Gruppe gesalbter Christen hat im Gegensatz zur Geistlichkeit der Christenheit das Predigtwerk gehorsam geleitet und Christi Schafe gewissenhaft ernährt.

      15, 16. (a) Wie empfindet Jesus all die Lieblosigkeit in der Welt von heute, und woraus ist das zu schließen? (b) Wodurch hat sich die Christenheit Jesu Zorn zugezogen?

      15 Wir können sicher sein, dass Jesus zornig ist, wenn er all die Lieblosigkeit in der Welt von heute sieht. Denken wir nur an die Pharisäer, die Jesus kritisierten, weil er am Sabbat heilte. Sie waren so hartherzig und eingefahren in ihrem Denken, dass sie über ihre kleinliche Auslegung des mosaischen und des mündlichen Gesetzes nicht hinausblickten. Jesu Wunder bewirkten unendlich viel Gutes! Sie brachten Freude, schufen Erleichterung und stärkten den Glauben der Menschen; doch das zählte für die Pharisäer nicht. Wie dachte Jesus über diese Männer? Die Bibel berichtet, dass er einmal empört in ihre Runde schaute, „tieftraurig über ihr gefühlloses Herz“ (Markus 3:5).

      16 Heute sieht Jesus noch viel mehr, was ihn tieftraurig macht. Die Führer der Christenheit sind verblendet, weil sie auf unbiblische Traditionen und Lehren fixiert sind. Außerdem macht es sie wütend, dass die gute Botschaft von Gottes Königreich gepredigt wird. In vielen Teilen der Welt haben Geistliche die heftige Verfolgung von Christen geschürt, von Menschen, die in aller Aufrichtigkeit die Botschaft predigen, die auch Jesus predigte (Johannes 16:2; Offenbarung 18:4, 24). Darüber hinaus rufen solche Geistliche oft ihre Gläubigen auf, in den Krieg zu ziehen und Menschen zu töten – als ob das Jesus Christus gefallen würde!

      17. Wie machen echte Nachfolger Jesu ihrem Herrn große Freude?

      17 Echte Nachfolger Jesu dagegen bemühen sich, ihren Mitmenschen Liebe zu erweisen. Wie Jesus überbringen sie trotz Widerstand „Menschen aller Art“ die gute Botschaft (1. Timotheus 2:4). Und die Liebe, die sie untereinander haben, ist wirklich bemerkenswert; sie ist ihr Hauptkennzeichen (Johannes 13:34, 35). Dadurch, dass sie einander mit Liebe, Respekt und Würde behandeln, zeichnen sie sich als echte Nachfolger Jesu aus und machen dem messianischen König große Freude.

      18. Was stimmt Jesus traurig, doch wie können wir ihm Freude machen?

      18 Denken wir auch daran, dass es unseren Herrn Jesus traurig stimmt, wenn jemand von seinen Nachfolgern aufgibt, die Liebe zu Jehova abkühlen lässt und ihm nicht mehr dient (Offenbarung 2:4, 5). Andererseits freut sich Jesus über diejenigen, die bis zum Ende ausharren (Matthäus 24:13). Beachten wir also unbedingt Christi Gebot: „Folge mir weiter nach“ (Johannes 21:19). Sehen wir uns nun noch an, welche Segnungen der messianische König für Menschen bereithält, die bis zum Ende ausharren.

      Reicher Segen für treue Diener des Königs

      19, 20. (a) Welchen Segen bringt es heute schon, wenn man Jesus nachfolgt? (b) Wie können wir dadurch, dass wir Christus nachfolgen, einen „Ewigvater“ erhalten?

      19 Jesus nachzufolgen führt schon heute zu einem segensreichen Leben. Wenn wir ihn als unseren Herrn annehmen, indem wir seiner Leitung folgen und uns an sein Beispiel halten, finden wir Schätze, nach denen die Menschheit im Allgemeinen vergeblich sucht. Wir können uns über sinnvolle Aufgaben freuen, über eine in Liebe verbundene Glaubensfamilie, ein reines Gewissen und inneren Frieden. Kurzum, wir können ein ausgefülltes, befriedigendes Leben führen. Doch das ist noch nicht alles.

      20 Jehova gibt Menschen, die die Aussicht haben, ewig auf der Erde zu leben, mit Jesus einen „Ewigvater“. Jesus nimmt die Stelle Adams ein, der als Vater der Menschheit so jämmerlich versagt hat (Jesaja 9:6, 7). Wenn wir Jesus als „Ewigvater“ annehmen, indem wir an ihn glauben, haben wir eine sichere Hoffnung auf ewiges Leben. Außerdem kommen wir dadurch Jehova Gott immer näher. Wie wir gelernt haben, müssen wir uns Tag für Tag bemühen, dem Beispiel Jesu zu folgen, denn so können wir am besten das göttliche Gebot erfüllen: „Nehmt euch Gott zum Vorbild als geliebte Kinder“ (Epheser 5:1).

      21. Wie spiegeln Nachfolger Christi in einer finsteren Welt Licht wider?

      21 Es ist schon etwas Besonderes, Jesus und seinen Vater, Jehova, nachahmen zu dürfen. Wir spiegeln dadurch ein strahlendes Licht wider. In einer finsteren Welt, in der Milliarden Menschen von Satan irregeführt werden und seine Eigenschaften nachahmen, lassen wir als Nachfolger Christi weit und breit das glänzendste Licht leuchten: das Licht der biblischen Wahrheit, das Licht guter christlicher Eigenschaften, echter Freude, wirklichen Friedens und wahrer Liebe. Gleichzeitig kommen wir Jehova näher, und das ist das erstrebenswerteste, das höchste aller Ziele jedes vernunftbegabten Geschöpfes.

      Jesus sitzt auf seinem himmlischen Thron und regiert über treue Menschen.

      22, 23. (a) Worüber werden sich Menschen freuen, die Jesus weiter loyal nachfolgen? (b) Wozu sollten wir entschlossen sein?

      22 Denken wir auch an das, was Jehova durch seinen messianischen König in Zukunft für uns persönlich tun möchte. Jesus wird bald in einem gerechten Krieg gegen Satans böses Weltsystem vorgehen. Sein Sieg steht bereits fest! (Offenbarung 19:11-15). Danach wird Christus seine tausendjährige Herrschaft über die Erde antreten. Seine himmlische Regierung wird allen treuen Menschen den Nutzen des Lösegelds zukommen lassen und sie zur Vollkommenheit führen. Stell dir vor, du bist dann ewig jung, kerngesund und voller Energie und arbeitest zusammen mit einer geeinten Menschheits­familie freudig daran, die Erde zu einem Paradies zu machen! Am Ende der tausend Jahre wird Jesus die Herrschaft wieder seinem Vater übergeben (1. Korinther 15:24). Wenn wir Christus auch in Zukunft loyal nachfolgen, wartet etwas Wunderbares, ja etwas fast Unvorstellbares auf uns: die „herrliche Freiheit der Kinder Gottes“! (Römer 8:21). Wir werden uns über die vielen Segnungen freuen können, die Adam und Eva anfangs genießen durften, dann aber einbüßten. Als irdische Söhne und Töchter Jehovas werden wir für immer von dem Makel der Sünde Adams befreit sein und „den Tod wird es nicht mehr geben“ (Offenbarung 21:4).

      23 Wie war das mit dem reichen jungen Vorsteher, von dem in Kapitel 1 die Rede war? Er lehnte Jesu Einladung „Komm, folge mir nach!“ ab (Markus 10:17-22). Machen wir niemals denselben Fehler! Nehmen wir Jesu Einladung voller Freude und Begeisterung an. Harren wir entschlossen aus, folgen wir dem guten Hirten weiter Tag für Tag und Jahr für Jahr nach, und erleben wir, wie durch ihn alle Versprechen Jehovas glorreich verwirklicht werden!

  • „Komm und sieh“ den Christus
    „Komm, folge mir nach“
    • ABSCHNITT 1

      „Komm und sieh“ den Christus

      Das Leben Jesu als Mensch liegt zwar schon rund 2000 Jahre zurück, aber wir können auch heute noch „kommen“ und Gottes Sohn „sehen“ (Johannes 1:46). Die Evangelien beschreiben sehr anschaulich, was für ein Mensch Jesus war, wie er dachte und wie er handelte. Der folgende Abschnitt gibt einen Überblick über seine außergewöhnlichen Eigenschaften.

  • Er lehrte und predigte die gute Botschaft
    „Komm, folge mir nach“
    • ABSCHNITT 2

      Er lehrte und predigte die gute Botschaft

      Zimmermann. Wundertäter. Heiler. Das alles war Jesus und noch mehr. Doch die Menschen nannten ihn „Lehrer“. Ja, Jesus „lehrte“ und „predigte die gute Botschaft“ (Matthäus 4:23). Das war seine Lebensaufgabe. Als Nachfolger Jesu haben wir dieselbe Aufgabe. Im nun folgenden Abschnitt werden wir sehen, was wir diesbezüglich von Jesus lernen können.

  • „Die Liebe, die der Christus hat, treibt uns an“
    „Komm, folge mir nach“
    • ABSCHNITT 3

      „Die Liebe, die der Christus hat, treibt uns an“

      Was motiviert uns, Jesus beständig zu folgen? Der Apostel Paulus gibt die Antwort: „Die Liebe, die der Christus hat, treibt uns an“ (2. Korinther 5:14). In diesem Abschnitt werden wir uns damit befassen, welche Liebe Jesus hatte – zu Jehova, zur Menschheit insgesamt und zu uns als Einzelne. Eine solche Betrachtung ist wirklich anspornend. Sie geht zu Herzen, und wir fühlen uns gedrängt, zu handeln und uns immer mehr nach dem Vorbild unseres Herrn auszurichten.

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