Missionare — Wodurch sollten sie sich auszeichnen?
DAS Wort „Missionar“ kann starke Emotionen wecken. Einigen flößt es Bewunderung ein, und sie verbinden damit Menschen wie Mutter Teresa oder den verstorbenen Albert Schweitzer.
Andere reagieren mit Gleichgültigkeit, mit Widerwillen oder sogar mit Zorn. Sie denken bei dem Wort „Missionar“ an psychische Manipulation, und vor ihren Augen wird die Kolonialzeit wieder lebendig.
Daher stellt sich die berechtigte Frage: Haben sich Missionare als Boten des Lichts oder als Boten der Finsternis erwiesen?
Was ist ein Missionar?
Gemäß einem Wörterbuch ist ein Missionar jemand, der „im Auftrag einer Glaubensgemeinschaft zur Verbreitung ihrer Lehre ein geistliches Amt versieht oder humanitäre Dienste leistet“.
Die Grundlagen für die christliche Missionstätigkeit schuf Jesus Christus, der seine Nachfolger anwies: „Geht daher hin, und macht Jünger aus Menschen aller Nationen.“ Das macht ein weltweites Verkündigen der christlichen Botschaft nötig (Matthäus 28:19).
Jesus war selbst ein Missionar; er wurde von seinem Vater Jehova vom Himmel auf die Erde gesandt, wo er gewissermaßen eine Auslandszuteilung antrat (Philipper 2:5-8). Folgerichtig sollte sich ein christlicher Missionar eng an das von Jesus Christus vorgelebte Beispiel halten. Der Apostel Paulus, ein Missionar des ersten Jahrhunderts, tat genau das und gab somit ein Beispiel für christliche Missionare späterer Zeit (1. Korinther 11:1).
Während seines Aufenthalts auf der Erde war Jesus gegenüber den sozialen Problemen, von denen die Menschen geplagt wurden, zwar nicht gleichgültig, aber er räumte deren Lösung nicht die oberste Priorität ein. Hätte er das getan, dann hätte er den Menschen bestenfalls vorübergehend Erleichterung gebracht (Johannes 6:26, 27; 12:8). Etwas anderes war von wesentlich wichtigerer Bedeutung. Jesus sagte zu Pilatus: „Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.“ Es kann nicht genug betont werden, von welch unschätzbarem Wert es ist, diese Wahrheit zu erkennen; das hatte Jesus zuvor in einem Gebet mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht: „Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus“ (Johannes 17:3; 18:37).
Haben die Missionare der Christenheit dem Beispiel Jesu entsprochen? Haben sie sich wie er als Boten des Lichts erwiesen, indem sie das Licht des Wortes Gottes reflektiert und die Erkenntnis verbreitet haben, die zu ewigem Leben führt? Oder haben sie die Menschen in Finsternis gelassen? Die Antworten auf diese Fragen sollten jeden von uns interessieren, denn die Früchte, die von den angeblich christlichen Missionaren im Laufe der Jahrhunderte hervorgebracht wurden, helfen uns, zwischen der wahren und der falschen Religion zu unterscheiden. Wir freuen uns daher, für die nächsten fünf Ausgaben von Erwachet! eine eingehende Behandlung dieser Thematik anzukündigen.
Haben sich die Missionare an Christi Beispiel gehalten?
Missionare haben einen wertvollen Beitrag zur Verbreitung der christlichen Botschaft geleistet. Manche haben beispielsweise die Bibel in einheimische Sprachen übersetzt, so daß es Menschen möglich wurde, selbst in der Bibel zu lesen.
Heutzutage denken einige Missionare jedoch anscheinend, sozialer Not abzuhelfen sei dringender als das Bestreben, zu predigen oder zu übersetzen. In einem Artikel der Zeitschrift Time hieß es unter der Überschrift „Der moderne Missionar“: „Die Protestanten befassen sich jetzt mehr mit den grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Problemen der Menschen, die die Missionare zu erreichen suchen.“ Was den Katholizismus angeht, erklärte der Leiter der jesuitischen Missionstätigkeit, die von den Vereinigten Staaten ausgeht, die Verbreitung der christlichen Glaubenslehre komme „erst nach dem Dienst am Menschen“. Und ein katholischer Missionssekretär behauptete: „In der Vergangenheit war die sogenannte Erlösung der Seelen unsere Triebfeder. ... Heute glauben wir — Dank sei Gott! —, daß alle Menschen und Religionen die Gunst und Liebe Gottes bereits besitzen und durch Gottes Gnade erlöst werden.“
Besteht somit keinerlei Notwendigkeit mehr, Gottes Wort zu lehren, so wie Jesus es tat?
Kein Bedarf mehr?
Im Rahmen einer „telefonischen Massenmissionierung“, wie sich eine Zeitung ausdrückte, riefen 1985 mehrere hundert Freiwillige rund 18 000 Hamburger Haushalte an. Doch offensichtlich wurden nur magere Ergebnisse erzielt. Im Dezember vergangenen Jahres schrieb die Zeitung The European: „Die Evangelische Kirche in Deutschland ... hat seit 1991 einen Rückgang an Kirchgängern um über 500 000 zu verzeichnen.“
Nicht nur deutsche Kirchen zeichnen sich durch schrumpfende Gemeinden aus. Weltweit haben Millionen Menschen der Religion den Rücken gekehrt, weil sie der Ansicht sind, die Religion sei — auf das Leben in den 90er Jahren bezogen — wirklichkeitsfremd. Eine Kenntnis des christlichen Glaubens ist jedoch unbedingt nötig, um sich in der Finsternis der heutigen Welt zurechtzufinden und aus der Hoffnung auf eine zukünftige bessere Welt Kraft schöpfen zu können. Das Gebot Jesu, Jünger aus Menschen aller Nationen zu machen, ist ein wirksames Mittel, um einen dringenden Bedarf zu decken.
Jesus Christus wollte, daß sich christliche Missionare als Boten des Lichts erweisen, nicht als Boten der Finsternis. Haben die Missionare der Christenheit diesem Bild entsprochen? Welchem Vorbild sind sie gefolgt?
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