Geldgier — die Wurzel von allerlei Bösem
WOHL jede Generation mag den Eindruck gehabt haben, zu ihrer Zeit sei die unersättlichste Gier nach dem begehrtesten aller Güter der Erde zu beobachten gewesen — nach Geld. Jede Epoche kann von Kriegen berichten, die geführt wurden, um zu Reichtum zu gelangen, wobei die Dauer der Kriege oft davon abhing, wie lange das Geld reichte.
Weltweit ist Geld bei Millionen von Morden das Tatmotiv gewesen. Kinder reicher Eltern sind entführt worden, weil sich die Kidnapper ein Lösegeld erhofften — Geld, das die Eltern für die sichere Rückkehr ihres Kindes zahlen würden. Gutgläubige Menschen wurden von gerissenen Betrügern um ihre gesamten Ersparnisse gebracht. Auf der Suche nach Geld wurde in Wohnungen eingebrochen und alles auf den Kopf gestellt. Dreiste Männer hat man schon als „Staatsfeind Nummer eins“ bezeichnet, weil sie eine einzige Bank überfielen. Keine Generation kann behaupten, nur sie als einzige habe solche verwerflichen Taten erlebt. Beispielsweise war keine Generation Zeuge einer größeren Geldgier als diejenige, die beobachtete, wie ein verachtenswerter Verbrecher seinen besten Freund, den größten Menschen, der je lebte, für 30 Münzen verriet.
Doch heute, am Ende des 20. Jahrhunderts, hat die Jagd nach diesem flüchtigen Tauschmittel, das von einem amerikanischen Schriftsteller „allmächtiger Dollar, bedeutender Gegenstand universeller Verehrung“ genannt wurde, schlimmere Ausmaße angenommen als je zuvor. Keine Generation hat so waghalsige Banküberfälle erlebt wie die heutige; nicht nur Männer und Frauen, nein, auch Jugendliche entreißen Kassierern mit vorgehaltener Waffe Millionenbeträge. Solche Raubüberfälle sind so häufig, daß die Nachrichtenmedien ihnen nur noch wenig Beachtung schenken. Etliche Geldinstitute mußten Konkurs anmelden, weil habgierige Bankiers mit Einlegergeldern in Millionenhöhe illegale Geschäfte gemacht haben, wodurch das Bankkapital aufgezehrt und viele Einleger praktisch in den Ruin getrieben wurden.
Was ist von Büroangestellten zu halten, die Beträge in Millionenhöhe veruntreuen, weil sie den Lebensstil der High-Society ausprobieren wollen? Mit Berichten über Verbrecher, die in schwach beleuchteten Straßen Passanten auflauern, um deren Portemonnaie oder Brieftasche zu erleichtern, könnten Zeitungen gefüllt werden. Ganz zu schweigen von den dreisten Überfällen am hellichten Tag, bei denen das Opfer oft unter den Blicken von Zuschauern ausgeraubt und getötet wird. In einigen Stadtvierteln klagen die Bewohner: „Die Frage ist nicht, ob ich in unserer Straße überfallen werde, sondern wie oft.“ Manche stecken sogar einen zusätzlichen Geldbeutel mit einer gewissen Geldsumme ein, um einen Straßenräuber zufriedenzustellen, so daß er vielleicht ihr Leben verschont. Bedauerlicherweise erlebt die letzte Generation des 20. Jahrhunderts die skrupelloseste Geldgier aller Zeiten.
Die Macht des Geldes in der Familie
Denken wir nur einmal an die täglichen Streitereien um Geld zwischen Eheleuten. „Geld gleicht einem Magneten, der alle Enttäuschungen des Lebens anzieht“, schrieb eine Forscherin. „Wenn Eheleute Auseinandersetzungen um Geld ein Ende machen möchten, sollte jeder Ehepartner wissen, wie er selbst und wie der andere zum Geld eingestellt ist und damit umgehen möchte“, sagte sie außerdem. Die allermeisten Experten sind sich darin einig, daß Geld der häufigste Streitpunkt zwischen Eheleuten ist, ganz gleich, ob sie sich zu den Reichen, zu den Armen oder zur Mittelschicht zählen. „Ich finde es erstaunlich“, meinte ein anderer Forscher, „wie viele Differenzen sich um das Ausgeben oder um das Sparen von Geld drehen.“ Nehmen wir als Beispiel die Superreichen. Oftmals dreht ein Ehepartner jeden Pfennig um und ist darauf bedacht, Geld zu sparen, wogegen der andere gern mit Geld um sich wirft. Trotz des Reichtums kommt es zu Streitigkeiten — nicht weil zuwenig Geld da wäre, sondern weil es im Überfluß vorhanden ist. Dann gibt es solche, die sich auf eine Geldheirat einlassen, ein Leben führen, von dem sie nicht zu träumen gewagt hatten, sich dann schließlich scheiden lassen und hohe Unterhaltszahlungen erhalten.
In dem heutigen geldbesessenen System ist Geld ein Symbol für Macht und Selbstachtung. Daher führt es nicht selten zu Verstimmungen, wenn eine Frau mehr Geld verdient als ihr Mann. Der Mann meint vielleicht, seine Autorität und seine Selbstachtung gingen dadurch verloren. Das häßliche Gesicht der Eifersucht erscheint — nicht weil sich etwa irgendein Eindringling heimlich zwischen die Eheleute gestellt hätte, sondern weil das begehrenswerte, allmächtige Geld dies gewagt hat. Wenn Geld und Liebe miteinander kämpfen, geht nur allzuoft das Geld als eindeutiger Sieger aus dem Kampf hervor.
Es ist immer das gleiche. Man kann wirklich sagen, daß „die Geldliebe ... eine Wurzel von schädlichen Dingen aller Arten“ ist (1. Timotheus 6:10). Noch dazu erleben diejenigen, die aufgrund der Geldgier anderer an Geldknappheit leiden, viel Not und Leid.
Geld, überall Geld
Man hat schon oft gehört, daß Geld nötig ist, um Geld zu machen. Denken wir nur an die immensen Summen — Abermillionen —, die für intensive Werbung ausgegeben werden, um potentielle Käufer zum Kaufen von Waren zu verlocken. Oder schauen wir unsere Post durch — gehören wir vielleicht zu denen, die demnächst „zehn Millionen Mark“ gewinnen werden? Anscheinend interessiert sich keiner mehr für nur eine Million Mark; heute geht es um zehn Millionen und mehr. Eine ganze Anzahl von Leuten abonnieren Zeitschriften, die sie eigentlich uninteressant finden und wahrscheinlich auch nicht lesen werden, nur aus Angst, einen möglichen Gewinn zu verpassen. Das in Werbematerial gemachte Versprechen „Die Teilnahme ist nicht von einer Bestellung abhängig“ erscheint vielen fragwürdig.
Werfen wir einen Blick in die Bundesstaaten Amerikas, wo es heutzutage Lotterien gibt, bei denen die Gewinne in die Millionen gehen können. Einen Gewinn von einigen Millionen betrachtet man als „ein paar Pfennige“. Bei einer einzigen Ziehung kann man fünfzig bis hundert Millionen Dollar gewinnen. Die Jackpots scheinen keine Grenze nach oben zu haben. In etlichen Ländern existieren seit Generationen staatliche Lotterien. Manche setzen einen ganzen Wochenlohn auf eine einzige Gewinnchance, um das große Geld zu machen. Familien fehlt es an ausreichender Nahrung und angemessener Kleidung — statt dessen wird das Geld dem „Gott des ‚Glücks‘“ geopfert (Jesaja 65:11).
Vergessen wir auch nicht die Millionen von Menschen, die durch Glücksspiele das große Geld machen wollen. Weltweit lassen Personen in Spielkasinos ihrer Phantasie freien Lauf. Sie hoffen, daß ihre Träume wahr werden — durch einen Würfelwurf, durch das Ziehen einer Karte oder durch die Betätigung eines Spielautomaten. Es wäre jedoch noch eher möglich, Öl in der Hand zu halten.
Die unerbittliche Jagd nach dem schwer zu fassenden Geld geht in rasantem Tempo weiter — eine Jagd nach dem Wind. Einige haben sich zwar ein Vermögen aufgehäuft, mußten jedoch feststellen, daß es damit ganz plötzlich und unerwartet vorbei war. Daher sollten die Worte des weisen Königs Salomo für sie von besonderer Bedeutung sein: „Ehe du dich’s versiehst, hat dein Reichtum Flügel bekommen und entschwindet deinen Augen wie ein Adler, der zum Himmel aufsteigt“ (Sprüche 23:5, Die Gute Nachricht).
Auffallender Gegensatz
Es ist eine Tatsache, daß manche sich und ihrer Familie viel Herzeleid bereiten, indem sie den letzten Pfennig für Glücksspiele ausgeben. Oftmals sind es arme Menschen, die gerade so viel verdienen, daß sie sich das Lebensnotwendige leisten können. Andere wiederum sind faul und spielen, um ohne große Anstrengung zu Geld zu kommen. Heutzutage sind die meisten Armen auf der Erde jedoch Opfer von Umständen, auf die sie keinen Einfluß haben. Die Zahl derer, die gerade genug Bildung besitzen, um ihren Namen schreiben zu können, geht in die Millionen. Zahlreiche andere bringen einen Hungerlohn nach Hause, weil die Wirtschaft ihres Heimatlandes krankt. Selbst wer eine bessere Bildung genossen hat, muß erleben, daß seine Bewerbungen um eine Arbeitsstelle abgelehnt werden. Und weitere Tausende sind arbeitslos, weil große Betriebe wegen der zu geringen Nachfrage ihre Produktion drosseln. Wie kommen solche Personen mit ihrer Situation zurecht?
Unter Umständen erscheinen ihnen Gelegenheiten verlockend, auf unehrliche Weise zu Geld zu kommen. Sie sagen sich, der Zweck heilige schließlich die Mittel. „Ich werde alles tun, um meine Familie zu ernähren“, denken viele, die große Geldsorgen haben. Der unmoralischen Mittel sind viele; Frauen gehen der Prostitution nach, Männer begehen Diebstahl. Läßt sich Unehrlichkeit, Stehlen und Glücksspiel — das Jagen nach der schnellen Mark — aber rechtfertigen? Die Welt ist voll von Menschen, die dieser Meinung sind.
Glaubst du an den großen Schöpfer, Jehova Gott? Er rät uns, unsere Bürden auf ihn zu werfen und uns in Zeiten der Not auf ihn zu verlassen. Nachdem der Apostel Paulus etwa 25 Jahre lang als Christ Erfahrungen gesammelt hatte, konnte er schreiben: „Ich weiß tatsächlich, wie man an Mitteln knapp sein kann, ich weiß tatsächlich, wie man Überfluß haben kann. In allem und unter allen Umständen habe ich das Geheimnis kennengelernt, sowohl satt zu sein als auch zu hungern, sowohl Überfluß zu haben als auch Mangel zu leiden. Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht“ (Philipper 4:12, 13). Offensichtlich nahm Paulus nicht zu unehrlichen Mitteln Zuflucht, als er Not litt, sondern er vertraute auf Jehova und erhielt von ihm Hilfe.
Halte daher nicht nach unehrlichem Gewinn Ausschau, wenn du arm oder bedürftig bist. Gewiß ist nichts dagegen einzuwenden, sein Geld auf ehrliche Weise zu verdienen; Jesus selbst sagte: „Der Arbeiter ist seines Lohnes würdig“ (Lukas 10:7). Es ist auch nichts Verkehrtes daran, reich zu sein. Doch laß dich niemals auf Kompromisse ein, um deinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Entwickle ein Verhältnis zu deinem großen Schöpfer, Jehova Gott, und vertraue darauf, daß er dir hilft, mit den Problemen und Nöten des Lebens fertig zu werden. „ [Werft] all eure Sorge auf ihn ..., denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5:6, 7).