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  • Inwieweit kann man der Wissenschaft vertrauen?
    Erwachet! 1998 | 8. März
    • Inwieweit kann man der Wissenschaft vertrauen?

      VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN AUSTRALIEN

      DIE meisten Menschen bewundern die Wissenschaft wegen ihrer vielen Errungenschaften in der Medizin, der Technik, der Kommunikation und in anderen Disziplinen. Wissenschaftliche Entdeckungen haben das Leben nahezu aller Menschen von heute berührt. Viele Forscher haben ihr ganzes Leben in den Dienst der Wissenschaft gestellt, und ehrliche Bestrebungen der Wissenschaft, die Lebensqualität zu heben, sind nur anzuerkennen. Ja, der Autor Tony Morton sagt sogar: „Die Wissenschaft ist ohne Zweifel eine der wichtigsten Stützen der modernen Zivilisation.“

      In allen Lebensbereichen benötigt man jedoch Ausgewogenheit, um den wahren Wert einer Sache zu beurteilen, und die Wissenschaft ist davon nicht ausgenommen. Um uns eine solche ausgeglichene Ansicht zu erhalten, wollen wir uns mit der Aussage eines anderen Autors befassen, der die Rolle der Wissenschaft in unserem Leben weniger schmeichelhaft bewertet. Lewis Wolpert schreibt in seinem Buch The Unnatural Nature of Science: „Umfragen bestätigen, daß der Wissenschaft großes Interesse und große Bewunderung entgegengebracht wird, gekoppelt mit der unrealistischen Vorstellung, sie könne alle Probleme lösen; bei einigen Menschen ist jedoch auch eine tiefsitzende Furcht und Feindseligkeit zu spüren ... Wissenschaftler werden als nüchterne, namenlose und kühle Techniker gesehen.“

      Der Aufstieg der Wissenschaft

      Mit dem Betreten von Neuland durch wissenschaftliche Experimente ist immer ein gewisses Risiko verbunden. Doch wenn neue Entdeckungen aufzeigen, daß sich das Risiko lohnt, steigt das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft. Die Wissenschaft, die sich bis zu einem gewissen Grad im Glanz vergangener Erfolge sonnen kann, wagt sich an immer kühnere Projekte, und in ihrer Euphorie und ihrer ehrfürchtigen Scheu betrachten viele Menschen die Wissenschaft schließlich als das Allheilmittel für die Probleme der Menschheit. Die Folge ist, daß viele die Begriffe „Wissenschaft“ und „wissenschaftlich“ mit absoluter Wahrheit verknüpfen.

      In der Veröffentlichung American Studies kann man folgenden Kommentar lesen: „In den 20er Jahren und verstärkt in den 30er Jahren galt ein Wissenschaftler im weißen Laborkittel in den Augen der Kunden als jemand, der mit Sicherheit objektiv beurteilen konnte, ob ein Produkt anderen Produkten ‚wissenschaftlich‘ überlegen sei. In einem Leitartikel der Nation vom Jahr 1928 wurde lamentiert: ‚Beginnt ein Satz mit den Worten: „Die Wissenschaft sagt“, läßt sich damit jeder Artikel, von der Zahnpasta bis zum Kühlschrank, verkaufen oder auf einer Gesellschaft im allgemeinen jede Diskussion beenden.‘“

      Ist Wissenschaft jedoch zwangsläufig immer gleichbedeutend mit absoluter Wahrheit? Im Verlauf der Geschichte hatten wissenschaftliche Entdeckungen auch ihre erbitterten Gegner. Etliche Einwände entbehrten jeder Grundlage; andere schienen wohlbegründet. Galileis Entdeckungen erregten beispielsweise den Zorn der katholischen Kirche. Und wissenschaftliche Theorien über den Ursprung des Menschen lösten von wissenschaftlicher ebenso wie von biblischer Seite her heftigen Widerspruch aus. Es ist also nicht verwunderlich, daß jede neue wissenschaftliche Entdeckung sowohl Anhänger als auch Gegner auf den Plan ruft.

      Ein altes lateinisches Sprichwort lautet: „Nur der Unkundige ist der Feind der Wissenschaft [oder des Wissens].“ Das trifft allerdings nicht mehr zu, denn die Wissenschaft steht heute stärker unter Beschuß als je zuvor, und zwar nicht von seiten Unkundiger. Mittlerweile ist es wohl so, daß die vormals von vielen als unanfechtbar betrachtete Wissenschaft von etlichen ihrer einstigen Jünger angegriffen wird. Man könnte fast sagen, daß immer mehr Anhänger der Wissenschaft nun ihre Richter, Schöffen und Henker geworden sind. Die großen Tempel wissenschaftlicher Gelehrtheit sind heute oftmals Schauplatz von Zwistigkeiten. Ein Grund für die Misere der Wissenschaft liegt darin, daß inzwischen mancher Betrug und manche Korruption wissenschaftlicher Gelehrter ans Tageslicht gekommen ist.

      Häufiger denn je tritt somit die Frage auf: Kann man der Wissenschaft wirklich uneingeschränkt vertrauen? Der folgende Artikel beschäftigt sich mit einigen Gründen, die immer mehr Menschen zu einer solchen Fragestellung veranlassen.

  • Uneinigkeit unter Wissenschaftlern?
    Erwachet! 1998 | 8. März
    • Uneinigkeit unter Wissenschaftlern?

      „OBWOHL wir den Gedanken, daß Wissenschaft die Suche nach Wahrheiten über die Welt ist, nicht wegschieben dürfen, müssen wir die psychologischen und sozialen Faktoren berücksichtigen, die dieser Suche oft zuwiderlaufen.“ Das schrieb Tony Morton in einer Abhandlung zu dem Thema „Widerstreit der Meinungen: Motive und Methoden der Wissenschaftler“. Ja, es scheint, daß Ruhm, Profit und sogar politische Anschauungen bisweilen die Erkenntnisse von Wissenschaftlern beeinflußt haben.

      Schon 1873 äußerte sich Lord Jessel besorgt über derlei Einflüsse auf Gerichtsfälle, als er sagte: „Gutachten ... werden mitunter von Personen erstellt, die davon leben; in jedem Fall aber werden die Betreffenden für ihr Gutachten bezahlt. ... Daher ist es natürlich, daß jemand in seinem Denken, so ehrlich er auch ist, zugunsten seines Auftraggebers voreingenommen ist, und dementsprechend finden wir eine solche Befangenheit tatsächlich vor.“

      Ziehen wir als Beispiel einmal die Forensik heran. Ein Berufungsgericht verwies darauf, daß Wissenschaftler, die im Dienst der Rechtspflege stehen, unter Umständen voreingenommen sein können. Die Zeitschrift Search schrieb: „Allein der Umstand, daß die Polizei ihre Unterstützung sucht, kann zwischen der Polizei und den Wissenschaftlern eine innere Verbundenheit herstellen. ... Staatlich angestellte Wissenschaftler sehen ihre Aufgabe möglicherweise darin, der Polizei zu helfen.“ Gemäß dieser Zeitschrift sind die Gerichtsfälle, bei denen Maguire (1989) und Ward (1974) angeklagt wurden, im Auftrag der IRA (Irish Republican Army) in Großbritannien einen Bombenanschlag verübt zu haben, ein „vielsagendes Zeugnis für die Bereitschaft einiger höchst qualifizierter und ansonsten achtbarer Wissenschaftler, ihre wissenschaftliche Neutralität aufzugeben und ihre Verantwortung darin zu sehen, der Staatsanwaltschaft zu helfen“.

      Ein anderes markantes Beispiel ist der Fall Lindy Chamberlain in Australien (1981/82), der die Grundlage für den Film Ein Schrei in der Dunkelheit bildete. Die Gutachten der Rechtsmediziner beeinflußten das Urteil über Lindy Chamberlain, die des Mordes an ihrem Baby Azaria angeklagt war, offensichtlich nachteilig. Obgleich sie erklärte, ihr Kind sei von einem Dingo (Wildhund) getötet worden, wurde sie verurteilt und mit Gefängnis bestraft. Jahre später, als das schmutzige, blutbefleckte Jäckchen ihres Babys gefunden wurde, hielt die vorherige Beweisführung einer eingehenden Untersuchung nicht mehr stand. Die Folge war, daß Lindy aus dem Gefängnis freikam, der Schuldspruch aufgehoben wurde und ihr wegen Justizirrtum eine Entschädigung gezahlt wurde.

      Wenn Wissenschaftler miteinander streiten, kann es zu erbitterten Kontroversen kommen. Als Dr. William McBride vor einigen Jahrzehnten bei den Herstellern des Mittels Thalidomid Einwände erhob, ging sein Protest um die ganze Welt. Dieser Arzt äußerte die Ansicht, daß das Arzneimittel, das auf dem Markt als Mittel gegen morgendliche Übelkeit während der Schwangerschaft vertrieben wurde, schwere Mißbildungen bei ungeborenen Kindern verursache. Er wurde über Nacht zum Helden. Doch Jahre später, als er an einem anderen Projekt arbeitete, beschuldigte ihn ein Arzt, der Journalist geworden war, Daten zu verfälschen. McBride wurde des wissenschaftlichen Betrugs und des standeswidrigen Verhaltens überführt. Er verlor seine Zulassung als Arzt in Australien.

      Wissenschaftliche Kontroversen

      Aktuell ist die Kontroverse, ob elektromagnetische Felder für die Gesundheit von Mensch und Tier gefährlich sind oder nicht. Es gibt manche Anhaltspunkte dafür, daß unsere Umwelt durch Elektromagnetismus stark belastet wird, angefangen von Hochspannungsleitungen über Personalcomputer bis hin zur Mikrowelle in der Wohnung. Manche behaupten sogar, daß die Nutzung von Mobiltelefonen im Lauf der Jahre Gehirnschäden hervorrufen kann. Andere verweisen auf wissenschaftliche Studien, nach denen eine elektromagnetische Strahlung Krebs verursachen und zum Tod führen kann. Ein Beispiel dafür ist ein Bericht in der Zeitung The Australian: „Eine britische Elektrizitätsgesellschaft wird gerichtlich belangt für den Tod eines Jungen, der angeblich Krebs bekam, weil er in der Nähe von Hochspannungsleitungen schlief.“ Dr. Bruce Hocking, ein Melbourner fachärztlicher Berater auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin, stellte fest, daß „bei Kindern, die in einem Radius von ungefähr vier Kilometern um Sydneys wichtigste Fernsehtürme herum wohnen, mindestens doppelt so häufig Leukämie auftritt wie bei Kindern außerhalb dieses Umkreises“.

      Umweltschützer treten zwar für solche Behauptungen ein, aber das Großkapital und der Kommerz können durch derartige Kampagnen „unnötiger Panikmache“, wie sie es nennen, Milliarden Dollar verlieren. Darum starten sie Gegenangriffe und erhalten die Unterstützung anderer Bereiche der wissenschaftlichen Gemeinschaft.

      Dann gibt es Kontroversen um die Verschmutzung der Umwelt durch die Chemie. Manche bezeichnen Dioxin als „die giftigste Chemikalie, die der Mensch je produziert hat“. Diese Chemikalie, die laut Michael Fumento „einfach ein unvermeidbares Nebenprodukt bei der Herstellung bestimmter Herbizide“ sein soll (Science Under Siege), wurde von einigen als „Hauptbestandteil von Agent Orange“ angegeben.a Am meisten Aufsehen erregte es nach dem Vietnamkrieg. Zwischen Kriegsveteranen und Chemiekonzernen kam es zu schweren Rechtsstreitigkeiten, bei denen jede Gruppe mit einander widersprechenden wissenschaftlichen Gutachten aufwartete.

      Im Brennpunkt des Interesses der Öffentlichkeit stehen außerdem Umweltfragen wie die globale Erwärmung, der Treibhauseffekt und die Ausdünnung der Ozonschicht. Über Umweltsorgen in der Antarktis schrieb die Zeitung The Canberra Times: „Forschungen von Wissenschaftlern der Palmer-Station, einer amerikanischen Forschungsstation auf Anvers Island, lassen erkennen, daß eine hohe ultraviolette Strahlung niederen Lebensformen wie Plankton und Weichtieren schadet und anfangen könnte, sich die Nahrungskette hinaufzuarbeiten.“ Viele andere wissenschaftliche Studien scheinen dieser Meinung jedoch zu widersprechen und Befürchtungen wegen des Ozonabbaus und der globalen Erwärmung zu zerstreuen.

      Wer hat also recht? Es scheint, daß jede Behauptung oder jedes Argument von wissenschaftlichen Experten sowohl bewiesen als auch widerlegt werden kann. In dem Buch Verlust der Wahrheit heißt es, daß „wissenschaftliche Wahrheit mindestens ebensosehr vom sozialen Klima der Zeit bestimmt wird wie von den Geboten der Logik und Vernunft“. Michael Fumento faßt die Dioxin-Problematik mit den Worten zusammen: „Je nachdem, wem wir zuhören, sind wir alle entweder potentielle Opfer einer Vergiftung oder einer groben Desinformation.“

      Einige weithin bekannte wissenschaftliche Katastrophen lassen sich jedoch nicht wegerklären. Für diese muß die Wissenschaft Rechenschaft ablegen.

      „Eine Tragödie von überwältigender Bitternis!“

      In seiner „Botschaft an die Intelligenz“, die am 29. August 1948 für die Presse freigegeben wurde, brachte Albert Einstein seine Gedanken über die weniger glorreichen Aspekte der Wissenschaft mit folgenden Worten zum Ausdruck: „Durch schmerzliche Erfahrung haben wir gelernt, daß die Probleme unseres sozialen Lebens sich nicht durch rationales Denken lösen. Eingehende Forschung und intensive wissenschaftliche Arbeit haben für die Menschheit oft tragische Folgen gehabt; ... [sie schufen] die Mittel zu seiner [des Menschen] eigenen Massenvernichtung. Dies ist in der Tat eine Tragödie von überwältigender Bitternis!“

      In einer Pressemeldung der Associated Press hieß es unlängst: „Großbritannien gibt Versuche mit Strahlungen an Menschen zu.“ Das britische Verteidigungsministerium bestätigte, daß die Regierung nahezu 40 Jahre lang an Menschen Versuche mit Strahlungen durchgeführt hatte. Eines dieser Experimente hatte mit dem Atombombenversuch im Testgebiet Maralinga (Südaustralien) Mitte der 50er Jahre zu tun.

      Der Name „Maralinga“ leitet sich von einem einheimischen Wort ab, das „Donner“ bedeutet; diese abgelegene Gegend war für Großbritannien der ideale Ort, um wissenschaftliche Experimente durchzuführen. Nach der ersten Explosion verbreitete sich ob des Erfolgs eine euphorische Stimmung. In dem Bericht einer Melbourner Zeitung konnte man lesen: „Als sich die [radioaktive] Wolke verzog, kamen die britischen, kanadischen, australischen und neuseeländischen Militärangehörigen, die die Explosion aus nur acht Kilometer Entfernung in Unterständen miterlebt hatten, kolonnenweise mit Lastwagen und Geländewagen an. Auf allen Gesichtern war ein Lächeln zu sehen, als ob sie von einem Picknick zurückkämen.“

      Chapman Pincher, ein Wissenschaftsjournalist der britischen Zeitung Daily Express, komponierte sogar ein Lied mit dem Titel „Sehnsucht nach dem Atompilz“. Hinzu kam noch, daß ein Minister versicherte, der Test sei völlig nach Plan verlaufen und die Strahlung bedeute für niemanden in Australien eine Gefahr. Jahre später erstarb jedoch das Lächeln auf den Gesichtern derer, die der Strahlung ausgesetzt gewesen waren, und es folgte eine Welle von Schadensersatzklagen. Von einer „Sehnsucht nach dem Atompilz“ war keine Rede mehr. Noch heute ist Maralinga auf Grund der Strahlenbelastung eine Sperrzone.

      Wohl sehr ähnliche Erfahrungen haben die Vereinigten Staaten mit ihren Atomtests in Nevada gemacht. Manche sind der Ansicht, hierbei gehe es eher um eine politische Frage als um einen Fehler der Wissenschaft. Robert Oppenheimer, der damit beauftragt war, in Los Alamos (New Mexico) die erste amerikanische Atombombe zu bauen, sagte: „Es ist nicht die Verantwortung des Wissenschaftlers, zu entscheiden, ob eine Wasserstoffbombe eingesetzt werden sollte. Diese Verantwortung liegt beim amerikanischen Volk und bei den von ihm gewählten Vertretern.“

      Eine Tragödie anderer Art

      Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Verwendung von Blut in der Medizin gängige Praxis. Die Wissenschaft pries Blut als lebensrettend an und erklärte seine Verwendung für ungefährlich. Doch Aids schreckte die Welt der Medizin aus ihrer Selbstgefälligkeit auf. Mit einem Schlag hatte sich die angeblich lebensrettende Flüssigkeit bei etlichen Personen in einen Killer verwandelt. Der Verwalter eines größeren Krankenhauses in Sydney (Australien) erklärte gegenüber Erwachet!: „Jahrzehntelang haben wir eine Substanz transfundiert, über die wir wenig wußten. Wir kannten nicht einmal alle Krankheiten, die dadurch übertragen werden konnten. Und bis heute wissen wir nicht, was wir sonst noch mit dieser Substanz transfundieren, denn wir können sie nicht auf etwas testen, was wir nicht kennen.“

      Als besonders tragisch erwies sich die Behandlung unfruchtbarer Frauen mit einem Wachstumshormon. Diese Frauen erhofften sich durch ein Baby ein erfüllteres Leben und hielten die Hormonbehandlung für einen Segen. Jahre später starben jedoch einige von ihnen auf geheimnisvolle Weise an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD), einer degenerativen Gehirnerkrankung. Dann starben Kinder, die man wegen Wachstumsstörungen mit demselben Hormon behandelt hatte. Forscher entdeckten, daß Wissenschaftler das Hormon aus der Hirnanhangsdrüse von Leichen gewonnen hatten. Einige Verstorbene hatten offensichtlich das CJD-Virus in sich getragen, und so wurden Bestände von Hormonpräparaten verseucht. Noch tragischer ist der Umstand, daß etliche Frauen, die mit dem Hormon behandelt wurden, vor dem Auftreten der Symptome von CJD Blut spendeten. Da es für dieses Virus keine Testmöglichkeiten gibt, befürchtet man nun, daß sich das Virus in Blutkonserven befindet.

      Jede Wissenschaft ist mit Risiken verbunden. Es ist daher kein Wunder, daß die Wissenschaft gemäß dem Buch The Unnatural Nature of Science „mit einer Mischung aus Bewunderung und Furcht, aus Hoffnung und Verzweiflung sowohl als die Quelle vieler Übel unserer modernen Industriegesellschaft betrachtet wird als auch als die Quelle, aus der Abhilfe für diese Übel kommen wird“.

      Wie können wir die Risiken für uns persönlich auf ein Mindestmaß reduzieren? Wie können wir uns eine ausgeglichene Ansicht über die Wissenschaft erhalten? Der folgende Artikel soll in dieser Hinsicht hilfreich sein.

  • Wissenschaftliche Aussagen — Inwieweit schenken wir ihnen Gehör?
    Erwachet! 1998 | 8. März
    • Wissenschaftliche Aussagen — Inwieweit schenken wir ihnen Gehör?

      SOWOHL neue als auch wiederkehrende alte Krankheiten sind für die Wissenschaft eine Herausforderung. Personen, die verzweifelt nach einem Heilmittel suchen, blicken zur Wissenschaft auf. Aus Angst davor, zu sterben, greifen viele nach dem neuesten „Wundermittel“, und oftmals werden dabei die Langzeitfolgen nicht weiter bedacht.

      In vielen Fällen hat die Wissenschaft kranken Menschen helfen können, ihre Lebensqualität zu verbessern. Herausragend sind Operationstechniken, mit denen sich die risikoreiche Transfusion von Blut vermeiden läßt. Die Wissenschaft und die Technik haben der Menschheit unvorstellbare Möglichkeiten eröffnet. Was einst Science-fiction war, ist heute Wirklichkeit. Doch nicht alles in der Wissenschaft ist uneigennützig und entsteht aus einem dringenden Bedürfnis der Menschheit heraus.

      Wer steht hinter der Aussage?

      Wie bereits erwähnt, wird vieles in der Wissenschaft aus Profitgier gemacht und von einflußreichen Interessengruppen unterstützt. Bevor man sich für eine neue wissenschaftliche Entdeckung begeistert oder irgendwelche Schlüsse daraus zieht, sollte man sich deshalb fragen: „Wer steht wirklich hinter der Aussage?“ Wir sollten lernen, hinter die Kulissen zu schauen. Es ist kein Geheimnis, daß der Erfolg der Nachrichtenmedien in der Sensation liegt. Manche Zeitungen würden alles tun, um ihr Blatt an den Mann zu bringen. Und sogar in etlichen renommierten Zeitschriften und Zeitungen findet sich bisweilen ein gewisses Maß an Sensationsmache.

      Zwischen der Wissenschaft und den Medien herrscht häufig eine Art Haßliebe. Die Medien können der Wissenschaft zu einem guten Image verhelfen, andererseits „versuchen Wissenschaftler oftmals, die Presse zu kontrollieren, indem sie Interviews verweigern, wenn sie sie vor der Veröffentlichung nicht überprüfen und korrigieren können. Da die Journalisten jedoch befürchten, daß die Wissenschaftler dabei persönliche Interessen einfließen lassen könnten, zeigen sie den Betreffenden in der Regel ihre Artikel ungern, obgleich sie häufig Einzelheiten auf ihre Richtigkeit hin mit ihnen abklären.“ Das schreibt Dorothy Nelkin in ihrem Buch Selling Science.

      Um ihre Behauptung zu belegen, nennt sie ein paar Beispiele. „Presseberichte über neue wissenschaftliche Fortschritte lassen die Hoffnung verzweifelter Menschen wieder aufleben. ... Die Patienten gehen in die Arztpraxis, die neueste Ausgabe [einer bekannten Zeitschrift] in der Hand schwenkend, und verlangen das neueste Heilmittel.“ Dann erwähnt Dorothy Nelkin das Beispiel eines Reporters, der den Vorsitzenden der International Task Force on World Health and Manpower fragte, ob er die medizinische Behandlung durch Medizinmänner in Afrika für wirkungsvoll halte. Der Vorsitzende erwiderte, sie könne wahrscheinlich effektiv sein, weil die Bevölkerung den Medizinmännern ein großes Vertrauen entgegenbringe. Doch was stand am folgenden Tag in den Schlagzeilen? „UN-Experte fordert mehr Medizinmänner!“

      Leider gehe der heutige Trend wohl dahin, daß sich immer mehr Menschen auf Zeitungen und Zeitschriften verlassen, um sich über den gegenwärtigen wissenschaftlichen Stand zu informieren, sagt Dorothy Nelkin. Und für viele, die nicht so gern lesen oder vielleicht nicht gut lesen können, wird das Fernsehen zur Hauptinformationsquelle.

      Sich eine ausgeglichene Ansicht über die Wissenschaft erhalten

      Trotz der Triumphe der Wissenschaft, die der Menschheit zugute kommen, dürfen wir nicht vergessen, daß Wissenschaftler nur Menschen sind. Sie sind gegen Versuchungen und Korruption nicht gefeit. Sie haben nicht immer noble Motive. Die Wissenschaft hat wirklich ihren berechtigten Platz in der Gesellschaft, aber sie ist kein unfehlbares Licht, das uns den Weg durch eine immer dunkler werdende Welt weist.

      In der Zeitschrift Speculations in Science and Technology hieß es: „Die Geschichte der Wissenschaft zeigt: So überragend führende Wissenschaftler ... auch zu sein scheinen, sie sind dennoch fehlbar.“ Manche sind sogar mehr als das.

      Aus den Gründen, die in dieser Artikelserie erläutert wurden, wäre es für Christen unklug, sich auf wissenschaftliche Kontroversen einzulassen oder unbewiesene wissenschaftliche Theorien zu propagieren. Beispielsweise könnte sich jemand in die Angst vor dem Elektromagnetismus verrennen. Vielleicht fängt er dann in bester Absicht an, anderen zuzureden, ihren Mikrowellenherd, ihre elektrische Heizdecke und dergleichen abzuschaffen. Natürlich ist es jedem überlassen, das zu tun, was er für richtig hält, und er sollte von anderen nicht kritisiert werden. Doch wer sich anders entscheidet, sollte ebenso respektiert werden. Man ist daher gut beraten, keine Sensationsmeldungen zu verbreiten. Bei vielen ungewöhnlichen Behauptungen muß sich erst herausstellen, ob sie stimmen oder nicht. Sollten sich einige Behauptungen schließlich als unbegründet oder sogar als falsch erweisen, dann haben sich diejenigen, die sie verfochten haben, nicht nur zum Gespött gemacht, sondern sie haben anderen, ohne es zu wollen, womöglich geschadet.

      Vorsicht geboten

      Wie sollte ein Christ auf wissenschaftliche Sensationsberichte in den Medien reagieren? Erstens sollte er analysieren, in welche Richtung die Meldung tendiert. Welches Motiv liegt dem Artikel oder der Meldung zugrunde? Zweitens sollte er den ganzen Artikel lesen. Die reißerische Schlagzeile hat vielleicht nichts mit den Einzelheiten im Artikel zu tun. Drittens — und das ist am wichtigsten — sollte er die bisherigen Leistungen eines Autors überprüfen. Ist er ehrlich? Hat er Hintergedanken? (Römer 3:4).

      Man kann sagen, daß sich die Wissenschaft die Skepsis, die ihr manch einer entgegenbringt, selbst zuzuschreiben hat. Die Glaubwürdigkeit einiger Wissenschaftler als neutrale Erforscher der Wahrheit ist schwer erschüttert worden. Die Wissenschaft hat aufregende Gebiete des Wissens über unsere Welt und das Universum erschlossen. Dennoch sind einige Prognosen hinsichtlich der Schaffung einer besseren, neuen Welt durch die Wissenschaft eher beängstigend und besorgniserregend als hoffnungsvoll.

      Etliche Experten sprechen düstere Warnungen vor möglichen Katastrophen aus. Joseph Rotblat, britischer Physiker und Friedensnobelpreisträger, äußerte folgende Bedenken: „Ich fürchte, daß weitere Fortschritte in der Wissenschaft zu weiteren Massenvernichtungsmitteln führen könnten, die möglicherweise noch leichter zugänglich sind als Kernwaffen. Ein Gebiet, das dafür durchaus in Frage kommen könnte, ist die Gentechnologie, denn die Entwicklung, die sich auf diesem Gebiet abzeichnet, ist geradezu schreckenerregend.“ Professor Ben Selinger von der Australian National University schildert die Probleme, die er vorhersieht: „Meiner Ansicht nach wird sich die nächste Katastrophe auf dem Gebiet der Gentechnologie abspielen, aber ich weiß nicht, was passiert oder wie und wann es passieren wird.“

      Die Bibel, das Wort Gottes, ist dagegen ein glaubwürdiges und zuverlässiges ‘Licht für unseren Pfad’; sie weist uns den Weg in eine sichere Zukunft auf einer gereinigten Erde unter der Herrschaft von Gottes Königreich, wo Frieden und weltweite Einheit herrschen und sich alle einer guten Gesundheit erfreuen werden (Psalm 119:105; Offenbarung 11:18; 21:1-4).

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