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Das zweite Wehe — ReiterheereDie Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
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Kapitel 23
Das zweite Wehe — Reiterheere
1. Was ist trotz des Bemühens der Geistlichkeit, die Heuschrecken auszurotten, geschehen, und was bedeutet das Kommen zweier weiterer Wehe?
SEIT 1919 haben die in die Christenheit eindringenden sinnbildlichen Heuschrecken der Geistlichkeit großes Unbehagen bereitet. Man versuchte sie deshalb auszurotten, aber sie kamen immer wieder und wurden immer zahlreicher (Offenbarung 9:7). Das war aber noch nicht alles. Johannes schreibt: „Das eine Wehe ist vorbei. Siehe! Zwei weitere Wehe kommen nach diesen Dingen“ (Offenbarung 9:12). Der Christenheit stehen noch weitere quälende Plagen bevor.
2. (a) Was geschieht, als der sechste Engel seine Trompete bläst? (b) Was stellt die „e i n e Stimme aus den Hörnern des goldenen Altars“ dar? (c) Warum werden vier Engel erwähnt?
2 Woher kommt das zweite Wehe? Johannes schreibt: „Und der sechste Engel blies seine Trompete. Und ich hörte e i n e Stimme aus den Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott steht, zu dem sechsten Engel sagen, der die Trompete hatte: ‚Binde die vier Engel los, die an dem großen Strom Euphrat gebunden sind‘ “ (Offenbarung 9:13, 14). Das Losbinden der Engel erfolgt als Reaktion auf die Stimme aus den Hörnern des goldenen Altars. Dieser Altar ist der goldene Räucheraltar, und schon zweimal vorher ist das Räucherwerk in den goldenen Schalen dieses Altars mit den Gebeten der Heiligen in Verbindung gebracht worden (Offenbarung 5:8; 8:3, 4). Die erwähnte e i n e Stimme stellt daher die vereinten Gebete der Heiligen auf der Erde dar. Sie bitten darum, befreit zu werden, um weiterhin mit aller Kraft tätig zu sein als Jehovas „Boten“, denn das ist die Grundbedeutung des hier mit „Engel“ wiedergegebenen griechischen Wortes. Warum aber vier Engel? Diese symbolische Zahl scheint anzudeuten, daß sie so organisiert sind, daß sich ihre Wirksamkeit über die ganze Erde erstreckt (Offenbarung 7:1; 20:8).
3. Inwiefern sind die vier Engel „an dem großen Strom Euphrat gebunden“?
3 Wie wurden diese Engel „an dem großen Strom Euphrat gebunden“? Der Strom Euphrat bildete im Altertum die nordöstliche Grenze des Landes, das Jehova Abraham verheißen hatte (1. Mose 15:18; 5. Mose 11:24). Anscheinend wurden die Engel an der Grenze des ihnen von Gott gegebenen Landes oder irdischen Tätigkeitsgebietes zurückgehalten und daran gehindert, den Dienst, den Jehova für sie vorgesehen hatte, völlig aufzunehmen. Der Euphrat spielte auch eine wichtige Rolle für die Stadt Babylon, und nach der Eroberung Jerusalems im Jahre 607 v. u. Z. waren die Israeliten dort „an dem großen Strom Euphrat gebunden“, das heißt 70 Jahre dort in Gefangenschaft (Psalm 137:1). Im Jahre 1919 befanden sich auch die geistigen Israeliten in einer Lage, in der sie eingeschränkt oder gewissermaßen „gebunden“ waren; sie fühlten sich unglücklich und baten Jehova um Führung.
4. Welchen Auftrag haben die vier Engel, und wie ist er erfüllt worden?
4 Erfreulicherweise kann Johannes berichten: „Und losgebunden wurden die vier Engel, die bereitgemacht worden sind für die Stunde und den Tag und den Monat und das Jahr, um ein Drittel der Menschen zu töten“ (Offenbarung 9:15). Jehova hat einen Zeitplan, den er genau einhält. Diese Boten sind deshalb planmäßig, genau zur festgesetzten Zeit, freigelassen worden, um das ihnen aufgetragene Werk durchzuführen. Stell dir vor, wie sehr sie sich gefreut haben müssen, als sie im Jahre 1919 aus der Knechtschaft befreit wurden und nun ans Werk gehen konnten! Ihr Auftrag bestand nicht nur darin, zu quälen, sondern auch darin, schließlich „ein Drittel der Menschen zu töten“. Das steht in Verbindung mit den Plagen, die durch die ersten vier Trompetenstöße angekündigt und von denen ein Drittel der Erde und des Meeres sowie der Geschöpfe im Meer betroffen wurden, aber auch der Wasserquellen und Flüsse und der himmlischen Lichtquellen (Offenbarung 8:7-12). Die vier Engel gehen jedoch weiter. Sie „töten“, indem sie vollständig enthüllen, daß die Christenheit geistig tot ist. Das ist durch öffentliche Erklärungen geschehen, die vom Jahre 1922 an — und auch heute noch — wie durch Trompetenstöße bekanntgemacht wurden.
5. Was entsprach im Hinblick auf die Christenheit im Jahre 1927 dem sechsten Trompetenstoß?
5 Behalten wir im Sinn, daß der sechste Engel soeben seine Trompete geblasen hat. Daraufhin fand in Toronto (Ontario, Kanada) der sechste einer Reihe von Kongressen der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung statt. Das Programm am Sonntag, dem 24. Juli 1927, wurde über ein Netz von 53 Rundfunkstationen — das bis dahin größte Sendernetz — ausgestrahlt. So hörten wahrscheinlich viele Millionen diese gesprochene Botschaft. Zuerst verlas der Redner eine eindrucksvolle Resolution, die die Christenheit als geistig tot bloßstellte und in der unter anderem gesagt wurde: „In dieser Stunde der Verwirrung läßt Jehova Gott an die Völker die Aufforderung ergehen, das System dieses Scheinchristentums oder der ‚organisierten Christenheit‘ aufzugeben, für immer zu verlassen, sich vollständig davon abzuwenden ...; und daß die Völker die Ergebenheit und Unterwürfigkeit ihrer Herzen gänzlich Jehova Gott, seinem König und seinem Königreich zuwenden sollen.“ „Freiheit für die Völker“ war der Titel des anschließenden öffentlichen Vortrages, den J. F. Rutherford in seiner gewohnten dynamischen Art hielt, passend zu dem „Feuer und Rauch und Schwefel“, die Johannes als nächstes in der Vision sieht.
6. Wie beschreibt Johannes die Reiterheere, die er als nächstes sieht?
6 „Und die Zahl der Reiterheere war zwei Myriaden mal Myriaden; ich hörte deren Zahl. Und so sah ich die Pferde in der Vision und die darauf saßen: Sie hatten feuerrote und hyazinthblaue und schwefelgelbe Brustpanzer; und die Köpfe der Pferde waren wie Köpfe von Löwen, und aus ihren Mäulern kam Feuer und Rauch und Schwefel hervor. Durch diese drei Plagen wurde ein Drittel der Menschen getötet, von dem Feuer und dem Rauch und dem Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorkamen“ (Offenbarung 9:16-18).
7, 8. (a) Unter wessen Führung stürmen diese Reiterheere vorwärts? (b) Welche Ähnlichkeiten bestehen zwischen diesen Reiterheeren und den Heuschrecken, die ihnen vorausgegangen sind?
7 Offenbar stürmen diese Reiterheere unter der Führung und Leitung der vier Engel vorwärts. Welch furchteinflößendes Schauspiel! Stell dir vor, wie dir zumute wäre, wenn du das Angriffsziel solcher Reiterheere wärst! Schon allein ihr Anblick würde dich zutiefst erschrecken. Hast du aber bemerkt, welche Ähnlichkeit zwischen diesen Reiterheeren und den zuvor erwähnten Heuschrecken besteht? Die Heuschrecken glichen Pferden; in den Reiterheeren dagegen sind Pferde. Sowohl die Heuschrecken als auch die Pferde sind an einem theokratischen Kriegszug beteiligt (Sprüche 21:31). Die Heuschrecken hatten Zähne wie Löwen; die Pferde der Reiterheere haben Köpfe wie Löwen. Sowohl die Heuschrecken als auch die Pferde sind daher mit dem mutigen Löwen, der vom Stamm Juda ist, verbunden, mit Jesus Christus, ihrem Führer, Gebieter und Vorbild (Offenbarung 5:5; Sprüche 28:1).
8 Sowohl die Heuschrecken als auch die Reiterheere beteiligen sich an Jehovas richterlicher Tätigkeit. Die Heuschrecken kamen aus dem Rauch heraus, der der Christenheit ein Wehe und ein vernichtendes Feuer ankündigte; aus den Mäulern der Pferde kommt Feuer, Rauch und Schwefel hervor. Die Heuschrecken hatten eiserne Brustpanzer, was bedeutete, daß ihre Herzen durch eine eiserne Hingabe an die Gerechtigkeit geschützt wurden; die Reiter tragen rot-, blau- und gelbfarbene Brustpanzer, die das Feuer, den Rauch und den Schwefel widerspiegeln — die tödlichen Gerichtsbotschaften, die aus den Mäulern der Pferde hervorgehen. (Vergleiche 1. Mose 19:24, 28; Lukas 17:29, 30.) Die Heuschrecken hatten Schwänze wie Skorpione, mit denen sie quälen konnten; die Pferde haben schlangenähnliche Schwänze, mit denen sie töten können. Allem Anschein nach setzen die Reiterheere die von den Heuschrecken begonnene Tätigkeit noch intensiver fort und beenden sie.
9. Was versinnbildlichen diese Reiterheere?
9 Was versinnbildlichen also diese Reiterheere? Da die gesalbte Johannes-Klasse damit begonnen hat, Jehovas Beschluß, an der Christenheit Rache zu üben, wie mit Trompeten zu verkünden und so von ihrer Gewalt, zu ‘stechen und zu verletzen’, Gebrauch zu machen, ist anzunehmen, daß die gleiche Gruppe gebraucht wird, um zu „töten“, das heißt, um bekanntzumachen, daß die Christenheit und ihre Geistlichkeit geistig vollständig tot sind, reif, von Jehova in den „Feuerofen“ geworfen bzw. für immer vernichtet zu werden. Ja, alles, was zu Babylon der Großen gehört, muß zugrunde gehen (Offenbarung 9:5, 10; 18:2, 8; Matthäus 13:41-43). Vor deren Vernichtung gebraucht die Johannes-Klasse jedoch „das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort“, um den todähnlichen Zustand der Christenheit bloßzustellen. Die vier Engel und die Reiter auf den Pferden geben den Auftrag zu diesem sinnbildlichen Töten ‘eines Drittels der Menschen’ (Epheser 6:17; Offenbarung 9:15, 18). Das weist auf die gute Organisation und die theokratische Leitung hin, unter der die furchteinflößende Schar von Königreichsverkündigern mit dem Herrn Jesus Christus an der Spitze in den Kampf zieht.
Zwei Myriaden mal Myriaden
10. In welchem Sinn ist die Zahl der Reiterheere zwei Myriaden mal Myriaden?
10 Wie ist es möglich, daß diese Reiterheere zwei Myriaden mal Myriaden zählen? In buchstäblichem Sinn ist eine Myriade zehntausend. Zwei Myriaden mal Myriaden entsprechen demnach 200 Millionen.a Erfreulicherweise gibt es zur Zeit zwar Millionen von Königreichsverkündigern, aber noch längst keine Hunderte von Millionen. Denken wir jedoch an die Worte Mose aus 4. Mose 10:36: „Kehr doch zurück, o Jehova, zu den Myriaden der Tausende Israels!“ (Vergleiche 1. Mose 24:60.) Buchstäblich würde das bedeuten: ‘Kehr zu den Zehntausenden der Tausende Israels zurück.’ Doch Israel zählte in den Tagen Mose nur ungefähr zwei bis drei Millionen. Was wollte Moses also damit sagen? Zweifellos dachte er daran, daß die Israeliten nicht gezählt werden, sondern ungezählt „wie die Sterne der Himmel und wie die Sandkörner, die am Ufer des Meeres sind“, sein sollten (1. Mose 22:17; 1. Chronika 27:23). Er gebrauchte deshalb das Wort für „Myriade“, um zu zeigen, daß es eine große, aber nicht näher bestimmte Zahl war. Hans Bruns gibt diesen Vers daher wie folgt wieder: „Laß dich nieder, o HERR, und segne du die Tausende und aber Tausende Israels!“ Das entspricht auch einer zweiten Definition des Wortes „Myriade“, die in griechischen und hebräischen Wörterbüchern zu finden ist: „unzählbare Menge“, „große Menge“ (Griechisch-deutsches Wörterbuch von D. K. Jacobitz und D. E. E. Seiler; Wilhelm Gesenius’ Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament).
11. Was brauchte die Johannes-Klasse, um in übertragenem Sinne zu Myriaden zu werden?
11 Die Zahl derer, die zur Johannes-Klasse gehören und noch auf der Erde sind, beträgt weniger als zehntausend — weniger als eine buchstäbliche Myriade. Wie könnten sie also mit Tausenden und aber Tausenden von Reitern verglichen werden? Brauchten sie, um selbst in symbolischem Sinne zu Myriaden zu werden, nicht Verstärkung? So ist es, und durch Jehovas unverdiente Güte haben sie auch Verstärkung bekommen. Woher kam sie?
12, 13. Welche Entwicklung in den Jahren 1918 bis 1935 zeigte, woher die Verstärkung kam?
12 In den Jahren 1918 bis 1922 übermittelte die Johannes-Klasse der bedrängten Menschheit die erfreuliche Botschaft: „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben!“ Im Jahre 1923 wurde auch bekanntgemacht, daß die in Matthäus 25:31-34 erwähnten Schafe Leben auf der Erde unter Gottes Königreich ererben würden. Auf eine ähnliche Hoffnung wies die Broschüre Freiheit für die Völker hin, die 1927 auf dem internationalen Kongreß freigegeben wurde. Anfang der 30er Jahre wurde gezeigt, daß die aus rechtschaffenen Menschen bestehende Jonadab-Klasse und die ‘Menschen, die seufzen und stöhnen’ über den bedauerlichen Zustand der Christenheit, mit den symbolischen Schafen, die auf der Erde zu leben hoffen, identisch sind (Hesekiel 9:4; 2. Könige 10:15, 16). Im Wachtturm vom 15. September 1934 wurden diese Menschen auf die neuzeitlichen „Zufluchtsstädte“ hingewiesen, indem gesagt wurde: „Die Glieder der Jonadab-Klasse haben den Schall der Posaune Gottes vernommen und haben auf die Warnung gehört, darum sind sie zur Organisation Gottes geflohen und haben sich Gottes Volk zugesellt; und dort müssen sie bleiben“ (4. Mose 35:6).
13 Im Jahre 1935 wurden die Glieder der Jonadab-Klasse zum Kongreß der Zeugen Jehovas in Washington (D. C., USA) besonders eingeladen. Dort hielt J. F. Rutherford am Freitag, dem 31. Mai, den berühmten Vortrag „Die große Volksmenge“, in dem er deutlich zeigte, daß diese in Offenbarung 7:9 erwähnte Klasse mit den Schafen aus Matthäus 25:33 — einer Gott hingegebenen Klasse, die auf der Erde zu leben hofft — identisch ist. Als Anzeichen für das, was noch kommen sollte, ließen sich auf diesem Kongreß 840 neue Zeugen taufen, von denen die meisten zur großen Volksmenge gehörten.b
14. Hat die große Volksmenge an dem sinnbildlichen Angriff der Reiterheere teilgehabt, und welcher Entschluß wurde 1963 zum Ausdruck gebracht?
14 Hat diese große Volksmenge an dem Angriff der Reiterheere teilgehabt, der 1922 begonnen und 1927 auf dem Kongreß in Toronto besonders verstärkt wurde? Unter der Leitung der vier Engel — der gesalbten Johannes-Klasse — hat sie es wirklich getan. Auf den Kongressen „Ewige gute Botschaft“, die 1963 rund um die Welt durchgeführt wurden, nahm sie zusammen mit der Johannes-Klasse eine aufrüttelnde Resolution an, in der unter anderem folgendes erklärt wurde: „Der Welt steht daher eine erdbebengleiche weltweite Drangsal bevor, wie sie noch keine erlebt hat, und all ihre politischen Einrichtungen und ihre heutige religiöse Stadt Babylon werden so erschüttert, daß sie in Trümmer sinken werden.“ Des weiteren wurde darin folgender Entschluß zum Ausdruck gebracht: „Wir [werden] weiterhin allen Völkern ohne Unterschied die ‚ewige gute Botschaft‘ über Gottes messianisches Königreich und seine Gerichtsurteile verkündigen, die für seine Feinde gleich Plagen sind, die aber vollstreckt werden, um alle Menschen zu befreien, die Gott, den Schöpfer, mit Geist und Wahrheit, so wie es ihm wohlgefällig ist, anbeten möchten.“ Diese Resolution wurde auf 24 Kongressen rund um die Welt von insgesamt 454 977 Kongreßteilnehmern begeistert angenommen, von denen weit über 95 Prozent der großen Volksmenge angehörten.
15. (a) Wieviel Prozent derer, die im Jahre 2005 von Jehova in seinem Werk gebraucht wurden, gehörten zur großen Volksmenge? (b) Wie wies Jesus in seinem Gebet (Johannes 17:20, 21) auf die Übereinstimmung der großen Volksmenge mit der Johannes-Klasse hin?
15 Die große Volksmenge hat für ihre uneingeschränkte Übereinstimmung mit der Johannes-Klasse durch ihre Beteiligung am Ausgießen der Plagen auf die Christenheit unaufhörlich offen Zeugnis abgelegt. Im Jahre 2005 machte die große Volksmenge über 99,8 Prozent derer aus, die Jehova in seinem Werk gebraucht. Ihre Glieder wirken ungeteilten Herzens mit der Johannes-Klasse zusammen, derentwegen Jesus gemäß Johannes 17:20, 21 betete: „Ich bitte nicht nur in bezug auf diese, sondern auch in bezug auf diejenigen, die durch ihr Wort an mich glauben, damit sie alle eins seien, so wie du, Vater, in Gemeinschaft bist mit mir und ich in Gemeinschaft bin mit dir, daß auch sie in Gemeinschaft mit uns seien, damit die Welt glaube, daß du mich ausgesandt hast.“ Während die gesalbte Johannes-Klasse unter Jesus führend vorangeht, wird sie von der eifrigen großen Volksmenge in dem verheerendsten Angriff, den Reiterheere jemals durchgeführt haben, unterstützt.c
16. (a) Wie beschreibt Johannes die Mäuler und die Schwänze der sinnbildlichen Pferde? (b) Wie ist der Mund derer, die zu Jehovas Volk gehören, auf den Dienst vorbereitet worden? (c) Was entspricht der Tatsache, daß „ihre Schwänze ... gleich Schlangen“ sind?
16 Diese Reiterheere müssen für den Krieg gerüstet sein. Und wie wunderbar hat doch Jehova in dieser Hinsicht für sie gesorgt! Johannes schreibt darüber: „Denn die Gewalt der Pferde liegt in ihren Mäulern und in ihren Schwänzen; denn ihre Schwänze sind gleich Schlangen und haben Köpfe, und mit diesen richten sie Schaden an“ (Offenbarung 9:19). Jehova hat seine ihm ergebenen getauften Diener zu diesem Dienst ordiniert. Durch die Theokratische Predigtdienstschule sowie durch andere Versammlungszusammenkünfte und Schulen hat er sie gelehrt, ‘das Wort zu predigen’, so daß sie in der Lage sind, autoritativ mit der „Zunge der Belehrten“ zu sprechen. Er hat seine Worte in ihren Mund gelegt und sie ausgesandt, seine Urteilssprüche „öffentlich und von Haus zu Haus“ bekanntzumachen (2. Timotheus 4:2; Jesaja 50:4; 61:2; Jeremia 1:9, 10; Apostelgeschichte 20:20). Die Johannes-Klasse und die große Volksmenge haben entsprechend dem, was über die „Schwänze“ gesagt wird, in Form der Tausende von Millionen Bibeln, Bücher, Broschüren und Zeitschriften, die sie im Laufe der Jahre verbreitet haben, eine schmerzende Botschaft zurückgelassen. Ihren Gegnern, die auf den bevorstehenden von Jehova kommenden Schaden hingewiesen werden, erscheinen diese Reiterheere tatsächlich wie zwei Myriaden mal Myriaden. (Vergleiche Joel 2:4-6.)
17. Beteiligen sich Jehovas Zeugen in Ländern, in denen das Werk verboten ist und deshalb keine Schriften verbreitet werden können, an dem Angriff der Reiterheere? Erkläre es.
17 Eine äußerst eifrige Abteilung dieser Reiterheere besteht aus Brüdern in Ländern, wo das Werk der Zeugen Jehovas verboten ist. Sie müssen sich wie Schafe inmitten von Wölfen verhalten und müssen „vorsichtig wie Schlangen und doch unschuldig wie Tauben“ sein. Da sie aber Jehova gehorchen, können sie nicht aufhören, von den Dingen zu reden, die sie gesehen und gehört haben (Matthäus 10:16; Apostelgeschichte 4:19, 20; 5:28, 29, 32). Sollten wir folgern, daß sie sich an dem Angriff der Reiterheere nicht beteiligen können, da sie nur wenige oder gar keine Druckschriften zur öffentlichen Verbreitung haben? Keineswegs! Sie haben einen Mund und sind von Jehova ermächtigt worden, ihn zu gebrauchen, um biblische Wahrheiten zu äußern. Das tun sie auch — informell und mit Überzeugung —, indem sie Bibelstudien einrichten und auf diese Weise „die vielen zur Gerechtigkeit führen“ (Daniel 12:3). Sie mögen zwar mit ihren „Schwänzen“ nicht in dem Sinne Schmerzen verursachen, daß sie aggressive Schriften zurücklassen, dennoch kommt, bildlich gesprochen, Feuer, Rauch und Schwefel aus ihrem Mund, während sie taktvoll und mit Umsicht über den herannahenden Tag der Rechtfertigung Jehovas Zeugnis ablegen.
18. Wie viele Druckschriften, die die quälende Botschaft enthalten, haben diese Reiterheere verbreitet, und in wie vielen Sprachen?
18 In anderen Gebieten werden die babylonischen Lehren und Bräuche der Christenheit durch die Schriften, die die Königreichsbotschaft enthalten, unaufhörlich bloßgestellt, was der Christenheit in übertragenem Sinn den verdienten Schaden einbringt. Dank moderner Druckmethoden ist es den zahlreichen Reiterheeren in den 68 Jahren vor 2005 möglich gewesen, Milliarden von Bibeln, Büchern, Zeitschriften und Broschüren in über 450 Sprachen zu verbreiten — weit mehr als zwei Myriaden mal Myriaden. Welch einen Schmerz jene Schwänze doch verursacht haben!
19, 20. (a) Die Christenheit ist zwar das Hauptangriffsziel der quälenden Botschaften gewesen, wie haben aber Personen in Ländern außerhalb der Christenheit reagiert? (b) Wie beschreibt Johannes die Reaktion der Menschen im allgemeinen?
19 Jehova beschloß, daß durch diese quälende Botschaft „ein Drittel der Menschen getötet“ werden sollte. Das besondere Angriffsziel dieser Botschaft ist daher die Christenheit gewesen. Sie ist jedoch weit über die Christenheit hinaus vorgedrungen in Länder, in denen die Heuchelei ihrer Religionsgemeinschaften bestens bekannt ist. Haben sich die Bewohner dieser Länder zu Jehova hingezogen gefühlt, weil sie gesehen haben, wie dieses korrupte Religionssystem gequält worden ist? Bei vielen war dies der Fall. Sanftmütige, liebenswerte Menschen, die in Gebieten außerhalb des unmittelbaren Einflußbereichs der Christenheit wohnen, haben die Botschaft bereitwillig angenommen. Über die Reaktion der Menschen im allgemeinen schreibt Johannes jedoch: „Aber die übrigen der Menschen, die durch diese Plagen nicht getötet wurden, bereuten die Werke ihrer Hände nicht, daß sie die Dämonen nicht angebetet hätten sowie die Götzen aus Gold und Silber und Kupfer und Stein und Holz, die weder sehen noch hören, noch gehen können; und sie bereuten ihre Mordtaten nicht noch ihre spiritistischen Bräuche, noch ihre Hurerei, noch ihre Diebstähle“ (Offenbarung 9:20, 21). Es wird keine Massenbekehrung solcher reuelosen Personen geben. Alle, die von ihren bösen Wegen nicht abgehen, werden an Jehovas großem Tag seiner Rechtfertigung seinem Strafurteil verfallen. Aber „jeder, der den Namen Jehovas anruft, [wird] sicher davonkommen“ (Joel 2:32; Psalm 145:20; Apostelgeschichte 2:20, 21).
20 Was wir soeben betrachtet haben, gehört zum zweiten Wehe. Wie die folgenden Kapitel zeigen werden, wird sich aber noch mehr ereignen, bevor dieses Wehe vorbei ist.
[Fußnoten]
a Henry Barclay Swete schreibt in seinem Commentary on Revelation über die Zahl „zwei Myriaden mal Myriaden“: „Diese ungeheuren Zahlen schließen eine buchstäbliche Erfüllung aus, und die nachfolgende Beschreibung bestätigt diese Schlußfolgerung.“
b Siehe die vorangehenden Seiten 119—126; ferner Rechtfertigung, Band III, 1932, herausgegeben von Jehovas Zeugen, Seite 81, 82.
c Im Gegensatz zu den Heuschrecken trugen die Angehörigen der Reiterheere nichts, „was Kronen gleich Gold zu sein schienen“ (Offenbarung 9:7). Das entspricht der Tatsache, daß die große Volksmenge, die heute den größeren Teil der Reiterheere ausmacht, nicht erwartet, in Gottes himmlischem Königreich zu regieren.
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Eine sowohl süße als auch bittere BotschaftDie Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
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Kapitel 24
Eine sowohl süße als auch bittere Botschaft
6. Vision — Offenbarung 10:1—11:19
Thema: Die Vision von der kleinen Buchrolle; Tempelerfahrungen; die siebte Trompete wird geblasen
Zeit der Erfüllung: Von der Inthronisierung Jesu im Jahre 1914 bis zur großen Drangsal
1, 2. (a) Was hat das zweite Wehe bewirkt, und wann wird dieses Wehe für abgeschlossen erklärt werden? (b) Wen sieht Johannes nun vom Himmel herabkommen?
DAS zweite Wehe ist verheerend gewesen. Es hat die Christenheit und ihre Führer — „ein Drittel der Menschen“ —, die dadurch als geistig tot bloßgestellt wurden, gequält (Offenbarung 9:15). Johannes muß sich anschließend gefragt haben, was das dritte Wehe wohl bringen werde. Doch halt! Das zweite Wehe ist noch nicht vorbei, jedenfalls nicht, ehe wir den Punkt erreicht haben, der in Offenbarung 11:14 beschrieben wird. Vorher soll Johannes noch Zeuge eines Wechsels in dem Geschehen werden, an dem er selbst beteiligt ist. Es beginnt mit einem ehrfurchteinflößenden Anblick:
2 „Und ich sah einen anderen starken Engel vom Himmel herabkommen, umhüllt mit einer Wolke, und ein Regenbogen war über seinem Haupt, und sein Angesicht war wie die Sonne, und seine Füße waren wie Feuersäulen“ (Offenbarung 10:1).
3. (a) Wer ist der „starke Engel“? (b) Was bedeutet der Regenbogen über seinem Haupt?
3 Wer ist dieser „starke Engel“? Offensichtlich der verherrlichte Jesus Christus, nur in einer anderen Rolle. Er ist mit einer Wolke umhüllt, die ihn unsichtbar macht, was uns an das erinnert, was Johannes schon früher über Jesus gesagt hat: „Siehe! Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstochen haben“ (Offenbarung 1:7; vergleiche Matthäus 17:2-5). Der Regenbogen über seinem Haupt erinnert uns an Johannes’ frühere Vision, in der er Jehovas Thron sah, der von einem „Regenbogen, dem Aussehen nach gleich einem Smaragd“, umgeben war (Offenbarung 4:3; vergleiche Hesekiel 1:28). Dieser Regenbogen deutete auf die Ruhe und den Frieden hin, die Gottes Thron umgeben. Desgleichen kennzeichnet der Regenbogen über dem Haupt des Engels diesen als einen besonderen Friedensboten, als Jehovas vorhergesagten „Fürsten des Friedens“ (Jesaja 9:6, 7).
4. Was wird dadurch angezeigt, daß (a) das Angesicht des starken Engels „wie die Sonne“ war und (b) seine Füße „wie Feuersäulen“?
4 Das Angesicht des starken Engels war „wie die Sonne“. In einer früheren Vision, in der Johannes Jesus im Tempel Gottes gesehen hatte, stellte er fest, daß Jesu „Antlitz ... wie die Sonne [war], wenn sie in ihrer Kraft leuchtet“ (Offenbarung 1:16). Als „Sonne der Gerechtigkeit“ leuchtet Jesus mit Heilung in seinen Flügeln zum Nutzen derer, die Jehovas Namen fürchten (Maleachi 4:2). Nicht nur das Angesicht dieses Engels war herrlich, sondern auch seine Füße, die „wie Feuersäulen“ waren. Seine Standfestigkeit ist die Standfestigkeit dessen, dem Jehova „alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben“ hat (Matthäus 28:18; Offenbarung 1:14, 15).
5. Was sieht Johannes in der Hand des starken Engels?
5 Johannes berichtet weiter: „Und in seiner Hand hatte er eine kleine geöffnete Buchrolle. Und er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer, seinen linken aber auf die Erde“ (Offenbarung 10:2). Noch eine Buchrolle? Ja, aber diese ist nicht versiegelt. Wir können — wie damals Johannes — bald weitere begeisternde Enthüllungen erwarten. Doch zunächst wird uns der Rahmen für das, was noch kommen soll, gezeigt.
6. (a) Warum ist es passend, daß Jesus seine Füße auf die Erde und auf das Meer gesetzt hat? (b) Wann erfüllte sich Psalm 8:5-8 vollständig?
6 Kehren wir zu der Beschreibung Jesu zurück. Er hat seine feurigen Füße auf die Erde und auf das Meer gesetzt, über die er nun uneingeschränkte Macht ausübt. Es ist geradeso, wie es in dem prophetischen Psalm heißt: „Auch gingst du [Jehova] daran, ihn [Jesus] ein wenig geringer zu machen als Gottähnliche, und mit Herrlichkeit und Pracht kröntest du ihn dann. Du läßt ihn herrschen über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gelegt: Kleinvieh und Rinder, sie alle, und auch die Tiere des freien Feldes, die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres, alles was die Pfade der Meere durchzieht“ (Psalm 8:5-8; siehe ferner Hebräer 2:5-9). Dieser Psalm erfüllte sich im Jahre 1914 vollständig, als Jesus zum König des Königreiches Gottes eingesetzt wurde und die Zeit des Endes begann. Was Johannes also in dieser Vision sieht, erfüllt sich seit jenem Jahr (Psalm 110:1-6; Apostelgeschichte 2:34-36; Daniel 12:4).
Die sieben Donner
7. Wie schreit der starke Engel, und was bedeutet sein Schrei?
7 Während Johannes diesen starken Engel nachdenklich betrachtet, wird er von diesem selbst abgelenkt: „Und er [der Engel] schrie mit lauter Stimme, so als ob ein Löwe brüllt. Und als er schrie, erhoben die sieben Donner ihre eigenen Stimmen“ (Offenbarung 10:3). Dieser laute Schrei erregt ziemlich sicher Johannes’ Aufmerksamkeit und ist für ihn die Bestätigung, daß Jesus wirklich ‘der Löwe aus dem Stamm Juda’ ist (Offenbarung 5:5). Sicher weiß Johannes auch, daß von Jehova manchmal ebenfalls gesagt wird, er „brülle“. Durch sein „Brüllen“ verkündet Jehova prophetisch das Wiederversammeln des geistigen Israel und das Kommen des verderbenbringenden „Tages Jehovas“ (Hosea 11:10; Joel 3:14, 16; Amos 1:2; 3:7, 8). Der dem Brüllen eines Löwen gleichende Schrei des starken Engels kündigt demnach offensichtlich ähnliche große Ereignisse für das Meer und die Erde an. Er veranlaßt die sieben Donner zu reden.
8. Was ist unter den ‘Stimmen der sieben Donner’ zu verstehen?
8 Johannes hat schon vorher Donner gehört, die aus dem Thron Jehovas hervorgingen (Offenbarung 4:5). In den Tagen Davids wurde „die Stimme Jehovas“ manchmal mit buchstäblichem Donner verglichen (Psalm 29:3). Als Jehova in den Tagen des irdischen Dienstes Jesu hörbar verkündete, er werde seinen Namen verherrlichen, dachten viele, es habe gedonnert (Johannes 12:28, 29). Man könnte daher vernünftigerweise folgern, daß die ‘Stimmen der sieben Donner’ die von Jehova kommende Äußerung seiner Vorsätze sind. Die Tatsache, daß es „sieben“ Donner waren, deutet auf die Vollständigkeit dessen hin, was Johannes hörte.
9. Was gebietet eine Stimme aus dem Himmel?
9 Doch horch! Eine weitere Stimme ertönt. Sie gebietet etwas, was Johannes merkwürdig vorkommen muß: „Als nun die sieben Donner redeten, war ich im Begriff zu schreiben; aber ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: ‚Versiegle die Dinge, die die sieben Donner redeten, und schreib sie nicht auf‘ “ (Offenbarung 10:4). Johannes muß genauso darauf bedacht gewesen sein, die donnerähnlichen Botschaften zu hören und niederzuschreiben, wie die Johannes-Klasse heute gespannt darauf gewartet hat, daß Jehova seine Vorsätze enthüllte, damit sie veröffentlicht werden konnten. Zu solchen Enthüllungen kommt es aber nur zu Jehovas bestimmter Zeit (Lukas 12:42; siehe ferner Daniel 12:8, 9).
Die Vollendung des heiligen Geheimnisses
10. Bei wem schwört der starke Engel, und was schwört er?
10 Inzwischen hat Jehova für Johannes einen anderen Auftrag. Nachdem die sieben Donner zu hören gewesen sind, redet der starke Engel wieder: „Und der Engel, den ich auf dem Meer und auf der Erde stehen sah, erhob seine rechte Hand zum Himmel, und bei dem, der da lebt für immer und ewig, der den Himmel und das, was darin ist, und die Erde und das, was darauf ist, und das Meer und das, was darin ist, erschaffen hat, schwor er: ‚Es wird keine Verzögerung mehr geben‘ “ (Offenbarung 10:5, 6). Bei wem schwört der starke Engel? Der verherrlichte Jesus schwört nicht bei sich selbst, sondern bei der höchsten Autorität, bei Jehova, dem unsterblichen Schöpfer des Himmels und der Erde (Jesaja 45:12, 18). Durch diesen Schwur versichert der Engel dem Johannes, daß es von seiten Gottes keine Verzögerung mehr geben wird.
11, 12. (a) Was ist damit gemeint, daß es „keine Verzögerung mehr“ geben wird? (b) Was wird vollendet sein?
11 Das hier mit „Verzögerung“ wiedergegebene griechische Wort chrónos bedeutet wörtlich „Zeit“. Einige Übersetzer waren deshalb der Meinung, diese Erklärung des Engels sollte wie folgt wiedergegeben werden: „Es wird keine Zeit mehr sein“ (Herder), als ob die uns bekannte Zeit enden würde. Das Wort chrónos wird an dieser Stelle jedoch ohne bestimmten Artikel gebraucht. Folglich ist darunter nicht die Zeit im allgemeinen zu verstehen, sondern „eine Zeit“ oder „ein Zeitabschnitt“. Anders ausgedrückt: Es wird für Jehova keinen weiteren Zeitabschnitt (oder keine Verzögerung) mehr geben. Ein von chrónos abgeleitetes Verb kommt auch in Hebräer 10:37 vor, wo Paulus aus Habakuk 2:3, 4 zitiert und schreibt: „Der Kommende ... wird nicht säumen [zögert nicht, Bruns].“
12 „Keine Verzögerung mehr“ — wie sehr ist doch die betagte Johannes-Klasse heute von diesen Worten angetan! In welcher Hinsicht gibt es keine Verzögerung mehr? Johannes sagt es uns: „In den Tagen der Stimme des siebten Engels, wenn er daran ist, seine Trompete zu blasen, wird das heilige Geheimnis Gottes gemäß der guten Botschaft, die er seinen eigenen Sklaven, den Propheten, verkündet hat, tatsächlich vollendet sein“ (Offenbarung 10:7). Für Jehova ist jetzt die Zeit gekommen, die Enthüllung seines heiligen Geheimnisses zu einem beispiellosen Erfolg zu bringen, zu einem beglückenden Höhepunkt.
13. Was ist unter dem heiligen Geheimnis Gottes zu verstehen?
13 Was ist unter diesem heiligen Geheimnis zu verstehen? Es schließt den Samen ein, der zum erstenmal in Eden verheißen wurde und mit dem vor allem Jesus Christus gemeint ist (1. Mose 3:15; 1. Timotheus 3:16). Es hat auch mit der Identität der Frau zu tun, die den Samen hervorbringt (Jesaja 54:1; Galater 4:26-28). Es schließt ferner die sekundären Glieder der Samen-Klasse und das Königreich ein, in dem der Same regiert (Lukas 8:10; Epheser 3:3-9; Kolosser 1:26, 27; 2:2; Offenbarung 1:5, 6). Die gute Botschaft von diesem einzigartigen himmlischen Königreich muß in der Zeit des Endes auf der ganzen Erde gepredigt werden (Matthäus 24:14).
14. Warum wird das dritte Wehe mit dem Königreich Gottes in Verbindung gebracht?
14 Das ist bestimmt die allerbeste Botschaft. Doch in Offenbarung 11:14, 15 wird mit dem Königreich das dritte Wehe in Verbindung gebracht. Warum? Weil die wie mit Trompeten bekanntgemachte gute Botschaft, daß das heilige Geheimnis Gottes vollendet ist — das heißt, daß Gottes messianisches Königreich hier ist —, für Menschen, die Satans System bevorzugen, eine schlechte Botschaft ist. (Vergleiche 2. Korinther 2:16.) Es bedeutet, daß die Weltordnung, die sie so sehr lieben, kurz vor ihrer Vernichtung steht. Die Stimmen der sieben Donner, von denen die ernsten Sturmwarnungen ausgehen, werden immer deutlicher und lauter, je näher wir dem großen Tag des Zorns Jehovas kommen (Zephanja 1:14-18).
Die geöffnete Buchrolle
15. Was gebieten die Stimme aus dem Himmel und der starke Engel Johannes, und was wird dadurch bei ihm bewirkt?
15 Während Johannes das Blasen der siebten Trompete und die Vollendung des heiligen Geheimnisses Gottes abwartet, wird ihm ein weiterer Auftrag gegeben: „Und die Stimme, die ich aus dem Himmel hörte, redet wieder mit mir und spricht: ‚Geh, nimm die geöffnete Buchrolle, die sich in der Hand des Engels befindet, der auf dem Meer und auf der Erde steht.‘ Und ich ging zu dem Engel hin und sagte ihm, er solle mir die kleine Buchrolle geben. Und er sprach zu mir: ‚Nimm sie, und iß sie auf, und sie wird deinen Bauch bitter machen, aber in deinem Mund wird sie süß sein wie Honig.‘ Und ich nahm die kleine Buchrolle aus der Hand des Engels und aß sie auf, und in meinem Mund war sie süß wie Honig; aber als ich sie aufgegessen hatte, wurde mein Bauch bitter gemacht. Und man sprach zu mir: ‚Du mußt wieder prophezeien über Völker und Nationen und Zungen und viele Könige‘ “ (Offenbarung 10:8-11).
16. (a) Welche ähnliche Erfahrung machte der Prophet Hesekiel? (b) Warum empfand Johannes die kleine Buchrolle in seinem Mund als süß, stellte aber bei der Verdauung fest, daß sie bitter war?
16 Dieses Erlebnis des Johannes hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der Erfahrung, die der Prophet Hesekiel machte, als er in Babylonien im Exil war. Auch ihm wurde geboten, eine Buchrolle zu essen, die dann in seinem Mund süß schmeckte. Als sie aber seinen Magen füllte, veranlaßte sie ihn, dem rebellischen Haus Israel bittere Dinge vorherzusagen (Hesekiel 2:8 bis 3:15). Die geöffnete Buchrolle, die der verherrlichte Jesus Christus dem Johannes gibt, ist ebenfalls eine göttliche Botschaft. Johannes soll ‘Völkern, Nationen, Zungen und vielen Königen’ predigen. Er ißt diese Buchrolle, und sie ist süß, weil sie göttlichen Ursprungs ist. (Vergleiche Psalm 119:103; Jeremia 15:15, 16.) Bei der Verdauung stellt er jedoch fest, daß sie bitter ist — wie es damals bei Hesekiel war —, denn sie veranlaßt ihn, rebellischen Menschen unangenehme Dinge anzukündigen (Psalm 145:20).
17. (a) Wer sagt Johannes, er solle „wieder“ prophezeien, und was bedeutet das? (b) Wann sollte sich diese dramatische Darstellung erfüllen?
17 Den Auftrag, wieder zu prophezeien, erhält Johannes zweifellos von Jehova Gott und Jesus Christus. Johannes lebt zwar auf der Insel Patmos im Exil, aber durch seine bisherigen Aufzeichnungen hat er bereits über Völker, Nationen, Zungen und Könige prophezeit. Das Wort „wieder“ bedeutet, daß er den restlichen Teil des Bibelbuches Offenbarung niederschreiben und veröffentlichen soll. Denken wir aber daran, daß Johannes im Moment selbst an der prophetischen Vision beteiligt ist. Was er niederschreibt, ist in Wirklichkeit eine Prophezeiung, die sich nach 1914 erfüllen würde, zu der Zeit, wenn der starke Engel seine Stellung über Erde und Meer einnähme. Was bedeutet diese dramatische Darstellung für die Johannes-Klasse heute?
Die kleine Buchrolle heute
18. Welches Interesse zeigte die Johannes-Klasse an der Offenbarung zu Beginn des Tages des Herrn?
18 Was Johannes sieht, deutet bemerkenswerterweise auf die Erfahrung hin, die die Johannes-Klasse zu Beginn des Tages des Herrn machte. Sie hatte damals noch kein vollständiges Verständnis der Vorsätze Jehovas und der eigentlichen Bedeutung der sieben Donner. Dennoch hatte sie großes Interesse an der Offenbarung, und Charles Taze Russell schrieb im Laufe seines Lebens viele Kommentare dazu. Nach seinem Tod (1916) wurden etliche seiner Schriften zusammengestellt und in einem Buch, betitelt Das vollendete Geheimnis, veröffentlicht. Aber mit der Zeit erwies sich dieses Buch als Erklärung der Offenbarung als unbefriedigend. Der Überrest der Brüder Christi konnte diesen inspirierten Bericht erst richtig verstehen, als sich die Vision zu erfüllen begann.
19. (a) Wie wurde die Johannes-Klasse von Jehova Gott schon gebraucht, bevor die Stimmen der sieben Donner vollständig bekanntgemacht worden waren? (b) Wann wurde der Johannes-Klasse die geöffnete kleine Buchrolle gegeben, und was bedeutete das für sie?
19 Doch wie Johannes, so wurden auch die Glieder des Überrestes von Jehova schon gebraucht, bevor die Stimmen der sieben Donner vollständig bekanntgemacht worden waren. Bereits vor 1914 hatten sie 40 Jahre lang eifrig gepredigt, und auch während des Ersten Weltkrieges bemühten sie sich beharrlich, aktiv zu bleiben. Sie waren es, die der Herr bei seiner Ankunft damit beschäftigt fand, den Hausknechten die Speise zur rechten Zeit auszuteilen (Matthäus 24:45-47). Ihnen wurde daher im Jahre 1919 die geöffnete kleine Buchrolle gegeben, eine offene Botschaft, die sie der Menschheit verkündigen sollten. Wie Hesekiel, so hatten auch sie eine Botschaft, die an eine untreue Organisation — an die Christenheit — gerichtet war, die behauptete, Gott zu dienen, es aber in Wirklichkeit nicht tat. Wie Johannes, so mußten auch sie weiterhin ‘Völkern, Nationen, Zungen und vielen Königen’ predigen.
20. Was wurde dadurch veranschaulicht, daß Johannes die Buchrolle aufaß?
20 Die Brüder Jesu nahmen diese Aufgabe an, was dadurch veranschaulicht wurde, daß Johannes die Buchrolle aufaß. Sie verleibten sie sich sozusagen ein und identifizierten sich dadurch mit diesem Teil des inspirierten Wortes Gottes, ja sie ernährten sich gewissermaßen davon. Die Botschaft, die sie predigen mußten, enthielt jedoch Äußerungen über Jehovas Richtersprüche, die für viele Menschen einen bitteren Nachgeschmack hatten. Dazu gehörten auch die in Offenbarung, Kapitel 8 vorhergesagten Plagen. Für diese aufrichtigen Christen war es jedoch „süß“, Jehovas Richtersprüche zu kennen und das Bewußtsein zu haben, von ihm wieder gebraucht zu werden, diese zu verkündigen (Psalm 19:9, 10).
21. (a) Was zeigt, daß auch die große Volksmenge die Botschaft der kleinen Buchrolle als süß empfindet? (b) Warum ist die gute Botschaft für Gegner eine schlechte Botschaft?
21 Mit der Zeit empfanden auch die Glieder der ‘großen Volksmenge aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen’, die wegen der Abscheulichkeiten, die sie in der Christenheit geschehen sahen, seufzten und stöhnten, die Botschaft dieser Buchrolle als süß (Offenbarung 7:9; Hesekiel 9:4). Sie beteiligen sich nun ebenfalls tatkräftig an der Verkündigung der guten Botschaft und verwenden dabei angenehme, gefällige Worte, um Jehovas wunderbare Vorkehrung für schafähnliche Christen zu beschreiben (Psalm 37:11, 29; Kolosser 4:6). Für Gegner ist es dagegen eine schlechte Botschaft. Weshalb? Weil sie für sie bedeutet, daß das System, auf das sie vertrauten — und das sie vielleicht sogar eine Zeitlang zufriedengestellt hatte —, weichen muß. Für sie bedeutet die gute Botschaft das Todesurteil (Philipper 1:27, 28; vergleiche 5. Mose 28:15; 2. Korinther 2:15, 16).
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Die Wiederbelebung der zwei ZeugenDie Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
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Kapitel 25
Die Wiederbelebung der zwei Zeugen
1. Wozu fordert der starke Engel Johannes auf?
BEVOR das zweite Wehe endgültig vorbei ist, wird Johannes von dem starken Engel aufgefordert, an einer weiteren prophetischen Darstellung teilzunehmen, diesmal in Verbindung mit dem Tempel (Offenbarung 9:12; 10:1). Johannes berichtet darüber folgendes: „Und es wurde mir ein Rohr gegeben, einem Stab gleich, als er sprach: ‚Steh auf, und miß das Tempelheiligtum Gottes und den Altar und die darin Anbetenden‘ “ (Offenbarung 11:1).
Das Tempelheiligtum
2. (a) Welches Tempelheiligtum sollte bis in unsere Zeit bestehen? (b) Wer ist der Hohepriester dieses Tempelheiligtums, und was ist unter dem Allerheiligsten dieses Tempels zu verstehen?
2 Der hier erwähnte Tempel kann kein buchstäblicher Tempel in Jerusalem sein, da der letzte Tempel dort im Jahre 70 u. Z. von den Römern zerstört wurde. Der Apostel Paulus wies jedoch schon vor der Zerstörung dieses Tempels auf die Entstehung eines anderen Tempelheiligtums hin, das bis heute bestehen sollte. Es handelte sich dabei um den großen geistigen Tempel, das Gegenbild der Stiftshütte und der späteren Tempel in Jerusalem, die als prophetische Vorbilder gedient hatten. Dieser Tempel ist ‘das wahre Zelt, das Jehova aufschlug und nicht ein Mensch’, und sein Hoherpriester ist Jesus, von dem Paulus sagte, er habe sich bereits „zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln gesetzt“. Das Allerheiligste dieses Tempels ist die Stätte der Gegenwart Jehovas im Himmel (Hebräer 8:1, 2; 9:11, 24).
3. Was wurde (a) durch den Vorhang der Stiftshütte, der das Allerheiligste vom Heiligen trennte, (b) durch die Tieropfer und (c) durch den Opferaltar veranschaulicht?
3 Gemäß der Erklärung des Apostels Paulus stellt der Vorhang der Stiftshütte, der das Allerheiligste vom Heiligen trennte, Jesu Fleisch dar. Als Jesus sein Leben opferte, wurde dieser Vorhang entzweigerissen, was zeigte, daß das Fleisch für Jesus keine Schranke mehr war, die ihm den Eingang zu Jehovas Gegenwart im Himmel versperrte. Aufgrund des Opfers Jesu sollten zur bestimmten Zeit auch seine gesalbten Unterpriester, die in Treue sterben würden, in den Himmel eingehen (Matthäus 27:50, 51; Hebräer 9:3; 10:19, 20). Paulus macht ferner darauf aufmerksam, daß die Tieropfer, die in der Stiftshütte ständig dargebracht wurden, auf das eine Opfer des vollkommenen menschlichen Lebens Jesu hinwiesen. Der Opferaltar im Vorhof stellte die dem Willen Jehovas entsprechende Vorkehrung zur Annahme des Opfers Jesu dar, aus dem die „vielen“ Nutzen zogen — zunächst die Gesalbten und später die anderen Schafe —, ‘die ihn zu ihrer Rettung ernstlich erwarteten’ (Hebräer 9:28; 10:9, 10; Johannes 10:16).
4. Was wurde (a) durch das Heilige und (b) durch den inneren Vorhof versinnbildlicht?
4 Aus diesem göttlich inspirierten Aufschluß können wir folgern, daß das Heilige in der Stiftshütte einen heiligen Zustand versinnbildlicht, in dem sich zunächst Christus befand und sich dann auch die gesalbten Glieder der königlichen Priesterschaft, die 144 000, befinden, während ihres Daseins auf der Erde, vor dem Durchgehen „durch den Vorhang“ (Hebräer 6:19, 20; 1. Petrus 2:9). Es veranschaulicht treffend, daß Gott sie als seine geistigen Söhne angenommen hat, wie er Jesus nach seiner Taufe im Jordan (29 u. Z.) als seinen Sohn anerkannte (Lukas 3:22; Römer 8:15). Und wie verhält es sich mit dem inneren Vorhof — der einzige Teil der Stiftshütte, den die nichtpriesterlichen Israeliten sehen konnten, und die Stätte, wo die Opfer dargebracht wurden? Er stellt den vollkommenen Zustand des Menschen Jesus dar, der es ihm ermöglichte, sein Leben zugunsten der Menschheit zu opfern. Er versinnbildlicht auch den gerechten Zustand, dessen sich die gesalbten Nachfolger Jesu als Heilige aufgrund seines Opfers zugerechnetermaßen erfreuen, solange sie auf der Erde sinda (Römer 1:7; 5:1).
Das Tempelheiligtum messen
5. Was war in den Prophezeiungen der Hebräischen Schriften (a) mit dem Messen Jerusalems gemeint und (b) mit dem Messen des Tempels, den Hesekiel in einer Vision gesehen hatte?
5 Johannes wird aufgefordert, „das Tempelheiligtum Gottes und den Altar und die darin Anbetenden“ zu messen. Was ist damit gemeint? In Prophezeiungen der Hebräischen Schriften steht das Messen als Gewähr dafür, daß durch die Anwendung von Jehovas vollkommenen Maßstäben Gerechtigkeit geübt wird. In den Tagen des schlechten Königs Manasse bedeutete das vorhergesagte Messen der Stadt Jerusalem für sie ein unabänderliches Vernichtungsurteil (2. Könige 21:13; Klagelieder 2:8). Später, als Jeremia sah, daß Jerusalem gemessen wurde, war dies jedoch eine Bestätigung, daß die Stadt wieder aufgebaut werden würde (Jeremia 31:39; siehe ferner Sacharja 2:2-8). Ebenso bot die ausgedehnte und genaue Messung des Tempels, den Hesekiel in einer Vision sah, den im Babylonischen Exil lebenden Juden die Gewähr dafür, daß die wahre Anbetung in ihrer Heimat wiederhergestellt werden würde. Sie sollten angesichts ihrer Vergehungen auch daran erinnert werden, daß sie sich künftig an Gottes heilige Maßstäbe zu halten hatten (Hesekiel 40:3, 4; 43:10).
6. Wofür ist die an Johannes gerichtete Aufforderung, das Tempelheiligtum und die darin anbetenden Priester zu messen, ein Zeichen? Erkläre es.
6 Demnach ist die an Johannes gerichtete Aufforderung, das Tempelheiligtum und die darin anbetenden Priester zu messen, ein Zeichen dafür, daß nichts die Vorsätze Jehovas in bezug auf die Tempeleinrichtung und die, die damit verbunden sind, durchkreuzen kann und daß die Verwirklichung dieser Vorsätze bald ihren Höhepunkt erreicht. Da jetzt alle Dinge den Füßen des starken Engels Jehovas unterworfen worden sind, ist es an der Zeit, daß „der Berg des Hauses Jehovas fest gegründet“ wird „über dem Gipfel der Berge“ (Jesaja 2:2-4). Jehovas reine Anbetung muß nach Jahrhunderten des Abfalls der Christenheit hoch erhoben werden. Außerdem ist für die treuen Brüder Jesu, die gestorben sind, die Zeit gekommen, auferweckt zu werden, um in „das Hochheilige“ einzugehen (Daniel 9:24; 1. Thessalonicher 4:14-16; Offenbarung 6:11; 14:4). Und die letzten noch auf der Erde lebenden versiegelten „Sklaven unseres Gottes“ müssen nach den göttlichen Maßstäben gemessen werden, um als geistgezeugte Söhne Gottes für immer ihre Stellung in der Tempeleinrichtung einnehmen zu können. Die Johannes-Klasse kennt diese heiligen Maßstäbe heute genau und ist entschlossen, ihnen zu entsprechen (Offenbarung 7:1-3; Matthäus 13:41, 42; Epheser 1:13, 14; vergleiche Römer 11:20).
Das Niedertreten des Vorhofs
7. (a) Warum wurde Johannes gesagt, er solle den Vorhof nicht messen? (b) Wann wurde die heilige Stadt 42 Monate lang niedergetreten? (c) Inwiefern versäumte die Geistlichkeit der Christenheit während der 42 Monate, sich an Jehovas gerechte Maßstäbe zu halten?
7 Warum durfte Johannes aber den Vorhof nicht messen? Er sagt es uns mit folgenden Worten: „Aber was den Vorhof außerhalb des Tempelheiligtums betrifft, wirf ihn hinaus und miß ihn nicht, denn er ist den Nationen gegeben worden, und sie werden die heilige Stadt zweiundvierzig Monate lang niedertreten“ (Offenbarung 11:2). Wir haben festgestellt, daß der innere Vorhof den gerechten Zustand der geistgezeugten Christen auf der Erde darstellt. Wie wir noch sehen werden, sind hier die buchstäblichen 42 Monate gemeint, die vom Dezember 1914 bis Juni 1918 dauerten und in denen alle, die sich zum Christentum bekannten, einer schweren Prüfung unterzogen wurden. Hielten sie sich während jener Kriegsjahre alle an Jehovas gerechte Maßstäbe? Die meisten nicht. Die Geistlichkeit der Christenheit als Ganzes zog den Nationalismus dem Gehorsam gegenüber dem göttlichen Gesetz vor. Auf beiden Seiten der kriegführenden Parteien, die größtenteils der Christenheit angehörten, trieb die Geistlichkeit die jungen Männer durch ihre Predigten in die Schützengräben. Millionen fanden den Tod. Zu der Zeit, als das Gericht beim Hause Gottes anfing (1918), waren auch die Vereinigten Staaten an diesem blutigen Krieg beteiligt, und die Geistlichkeit der ganzen Christenheit hatte sich eine Blutschuld aufgeladen, die immer noch nach göttlicher Rache schreit (1. Petrus 4:17). Sie ist für immer, ja unwiderruflich „hinausgeworfen“ worden (Jesaja 59:1-3, 7, 8; Jeremia 19:3, 4).
8. Was erkannten viele Bibelforscher während des Ersten Weltkrieges, doch was verstanden sie noch nicht so recht?
8 Wie verhielt es sich aber mit der kleinen Gruppe der Bibelforscher? Sollten sie im Jahre 1914 sogleich in bezug auf ihr Festhalten an göttlichen Maßstäben „gemessen“ werden? Nein. Wie die angeblichen Christen der Christenheit sollten auch sie geprüft werden. Sie wurden ‘hinausgeworfen und den Nationen gegeben’, was für sie eine schwere Prüfung und Verfolgung mit sich brachte. Viele von ihnen hatten erkannt, daß sie nicht ausziehen durften, um ihre Mitmenschen zu töten, aber sie wußten doch noch nicht so recht, was christliche Neutralität bedeutet (Micha 4:3; Johannes 17:14, 16; 1. Johannes 3:15). Unter dem Druck der Nationen machten einige Zugeständnisse.
9. Was ist unter der heiligen Stadt zu verstehen, die von den Nationen niedergetreten wurde, und wer vertritt sie auf der Erde?
9 Inwiefern wurde aber die heilige Stadt von den Nationen niedergetreten? Offensichtlich ist mit dieser Stadt nicht das Jerusalem gemeint, das über 25 Jahre vor der Niederschrift der Offenbarung zerstört worden war. Nein, die heilige Stadt ist das Neue Jerusalem, das in der Offenbarung später beschrieben und das gegenwärtig auf der Erde durch den Überrest der gesalbten Christen im inneren Vorhof des Tempels vertreten wird. Mit der Zeit werden auch sie zu einem Teil der heiligen Stadt werden. Das Niedertreten dieser Christen ist somit gleichbedeutend mit dem Niedertreten der Stadt selbst (Offenbarung 21:2, 9-21).
Die zwei Zeugen
10. Was sollten Jehovas treue Zeugen tun, während sie niedergetreten wurden?
10 Selbst als diese Loyalgesinnten niedergetreten wurden, hörten sie nicht auf, treue Zeugen Jehovas zu sein. Deshalb heißt es in der Prophezeiung weiter: „ ‚Und ich will meine zwei Zeugen tausendzweihundertsechzig Tage mit Sacktuch bekleidet prophezeien lassen.‘ Diese sind versinnbildlicht durch die zwei Olivenbäume und die zwei Leuchter und stehen vor dem Herrn der Erde“ (Offenbarung 11:3, 4, „Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen“).
11. Was bedeutete es für die treuen gesalbten Christen, „mit Sacktuch bekleidet“ zu prophezeien?
11 Diese treuen gesalbten Christen mußten Ausharren bekunden, denn sie sollten „mit Sacktuch bekleidet“ prophezeien. Was bedeutete das? In biblischen Zeiten versinnbildlichte Sacktuch oft Trauer. Mit Sacktuch bekleidet zu sein war ein Zeichen dafür, daß man vor Kummer oder Leid niedergedrückt war (1. Mose 37:34; Hiob 16:15, 16; Hesekiel 27:31). Sacktuch wird mit den unheilkündenden oder betrüblichen Botschaften, die Gottes Propheten verkündigen mußten, in Verbindung gebracht (Jesaja 3:8, 24-26; Jeremia 48:37; 49:3). Das Tragen von Sacktuch konnte auch Demut oder Reue aufgrund einer göttlichen Warnung andeuten (Jona 3:5). Das Sacktuch, mit dem die zwei Zeugen bekleidet waren, scheint auf ihr demütiges Ausharren im Ankündigen der Urteilssprüche Jehovas hinzudeuten. Sie waren Zeugen, die seinen Tag der Rache verkündigten, der für die Nationen Trauer mit sich bringen würde (5. Mose 32:41-43).
12. Warum ist die Länge des Zeitabschnitts, in dem die heilige Stadt niedergetreten wurde, offenbar buchstäblich aufzufassen?
12 Die Johannes-Klasse mußte diese Botschaft während einer bestimmten Zeit predigen, und zwar 1 260 Tage oder 42 Monate — ebensolang, wie die heilige Stadt niedergetreten werden sollte. Die Länge dieses Zeitabschnitts ist offenbar buchstäblich aufzufassen, da sie auf zwei verschiedene Arten angegeben wird, zuerst in Monaten und dann in Tagen. Gleichzeitig mit dem Beginn des Tages des Herrn begannen die dreieinhalb Jahre, in denen Gottes Diener all die bitteren Erfahrungen durchmachten, die in den obigen Versen vorhergesagt wurden, das heißt die Zeitspanne von Dezember 1914 bis Juni 1918 (Offenbarung 1:10). Sie predigten eine „Sacktuch“-Botschaft, die Botschaft von Jehovas Urteil über die Christenheit und die Welt.
13. (a) Was wird dadurch angedeutet, daß die gesalbten Christen durch zwei Zeugen versinnbildlicht wurden? (b) An welche Prophezeiung Sacharjas werden wir dadurch erinnert, daß Johannes die zwei Zeugen als „die zwei Olivenbäume und die zwei Leuchter“ bezeichnet?
13 Daß sie durch zwei Zeugen versinnbildlicht wurden, ist für uns eine Bestätigung, daß ihre Botschaft der Wahrheit entsprach und gut begründet war. (Vergleiche 5. Mose 17:6; Johannes 8:17, 18.) Johannes bezeichnet sie als „die zwei Olivenbäume und die zwei Leuchter“ und sagt von ihnen, sie ständen „vor dem Herrn der Erde“. Damit bezog er sich offensichtlich auf die Prophezeiung Sacharjas, der einen siebenarmigen Leuchter und zwei Olivenbäume sah. Von den Olivenbäumen heißt es, sie veranschaulichten „die zwei Gesalbten“ — den Statthalter Serubbabel und den Hohenpriester Josua —, „die neben dem Herrn der ganzen Erde stehen“ (Sacharja 4:1-3, 14).
14. (a) Was wurde in Sacharjas Vision durch die zwei Olivenbäume und durch den Leuchter angedeutet? (b) Was erlebten die gesalbten Christen während des Ersten Weltkrieges?
14 Sacharja lebte in einer Zeit des Wiederaufbaus, und seine Vision von den zwei Olivenbäumen bedeutete, daß Serubbabel und Josua mit Jehovas Geist gesegnet würden, um das Volk zur Tätigkeit zu ermutigen. Die Vision von dem Leuchter erinnerte Sacharja daran, ‘den Tag kleiner Dinge nicht zu verachten’, weil Jehovas Vorsätze verwirklicht werden würden, und zwar „ ‚nicht durch eine Streitmacht noch durch Kraft, sondern durch meinen Geist‘, hat Jehova der Heerscharen gesagt“ (Sacharja 4:6, 10; 8:9). Die kleine Schar Christen, die während des Ersten Weltkrieges den Menschen beharrlich das Licht der Wahrheit überbrachten, wurden für ein ähnliches Wiederaufbauwerk eingesetzt. Auch sie waren eine Quelle der Ermutigung, und da sie nur so wenige waren, mußten sie lernen, sich auf Jehovas Kraft zu verlassen, und durften den Tag kleiner Anfänge nicht verachten.
15. (a) Woran werden wir dadurch, daß die gesalbten Christen als zwei Zeugen beschrieben wurden, auch noch erinnert? Erkläre es. (b) Welche Art von Zeichen zu tun, haben die zwei Zeugen Gewalt?
15 Daß sie als zwei Zeugen beschrieben wurden, erinnert uns an die Umgestaltung. In dieser Vision wurde Jesus von dreien seiner Apostel in der Herrlichkeit des Königreiches zusammen mit Moses und Elia gesehen. Das deutete prophetisch an, daß sich Jesus im Jahre 1914 auf seinen Thron der Herrlichkeit setzen würde, um ein Werk durchzuführen, das im Vorbild von diesen beiden Propheten durchgeführt wurde (Matthäus 17:1-3). Passenderweise sieht man die zwei Zeugen Zeichen tun, die an die Zeichen erinnern, die Moses und Elia taten. Johannes sagt zum Beispiel über sie: „Und wenn ihnen jemand schaden will, geht Feuer von ihrem Mund aus und verzehrt ihre Feinde; und sollte ihnen jemand schaden wollen, so muß er auf diese Weise getötet werden. Diese haben die Gewalt, den Himmel zu verschließen, damit während der Tage, da sie prophezeien, kein Regen falle“ (Offenbarung 11:5, 6a).
16. (a) Wieso erinnert uns das mit Feuer verbundene Zeichen an die Zeit, als die Gewalt oder Autorität Mose in Israel in Frage gestellt wurde? (b) Was hielt die Geistlichkeit der Christenheit den Bibelforschern höhnisch entgegen, wie bereitete sie ihnen während des Ersten Weltkrieges Schwierigkeiten, und wodurch setzten diese ihren Kampf fort?
16 Das erinnert uns an die Zeit, als die Gewalt oder Autorität des Propheten Moses in Israel in Frage gestellt wurde. Mit feurigen Worten verurteilte Moses die Rebellen, und Jehova vernichtete sie, 250 von ihnen durch buchstäbliches Feuer vom Himmel (4. Mose 16:1-7, 28-35). In der Neuzeit hielten die Führer der Christenheit den Bibelforschern höhnisch entgegen, sie hätten keinen akademischen Grad an einer theologischen Hochschule erworben. Jehovas Zeugen verfügten jedoch als Diener Gottes über höhere Auszeichnungen: die sanftmütigen Menschen, die ihre biblische Botschaft annahmen (2. Korinther 3:2, 3). Im Jahre 1917 veröffentlichten die Bibelforscher Das vollendete Geheimnis, einen eindrucksvollen Kommentar zur Offenbarung und zu Hesekiel. Danach wurden 10 000 000 Exemplare des vierseitigen Traktats The Bible Students Monthly (Der Schriftforscher, Monatsheft) verbreitet, das den Artikel enthielt: „Der Fall Babylons — Warum die Christenheit jetzt leiden muß — Das Endergebnis“. In den Vereinigten Staaten machte sich die wütende Geistlichkeit die Kriegshysterie zunutze, um ein Verbot des erwähnten Buches zu erwirken. In anderen Ländern wurde das Buch zensiert. Dessenungeachtet setzten Gottes Diener ihren Kampf durch feurige Botschaften fort, die sie in mehreren Ausgaben des vierseitigen Traktats Königreichsnachrichten veröffentlichten. Im Verlauf des Tages des Herrn erschienen weitere Publikationen, in denen unmißverständlich auf das geistige Versagen der Christenheit hingewiesen wurde. (Vergleiche Jeremia 5:14.)
17. (a) Welche Ereignisse in den Tagen Elias waren mit einer Dürre und mit Feuer verbunden? (b) Inwiefern ging Feuer vom Mund der zwei Zeugen aus, und welche Dürre war damit verbunden?
17 Und wie war es mit Elia? In den Tagen der Könige Israels kündigte dieser Prophet eine Dürre an, durch die Jehovas Zorn über die israelitischen Baalsanbeter zum Ausdruck kommen sollte. Diese Dürre dauerte dreieinhalb Jahre (1. Könige 17:1; 18:41-45; Lukas 4:25; Jakobus 5:17). Als der untreue König Ahasja später Soldaten zu Elia sandte, die ihn vor den König bringen sollten, rief der Prophet Feuer vom Himmel herab, das die Soldaten verzehrte. Erst als ein Oberster den richtigen Respekt vor der Stellung des Propheten zeigte, war Elia bereit, mit ihm zum König zu gehen (2. Könige 1:5-16). In den Jahren 1914 bis 1918 machte der gesalbte Überrest mutig auf die in der Christenheit herrschende geistige Dürre aufmerksam und warnte vor einem feurigen Strafgericht, „vor dem Kommen des großen und furchteinflößenden Tages Jehovas“ (Maleachi 4:1, 5; Amos 8:11).
18. (a) Welche Gewalt oder Autorität wird den zwei Zeugen gegeben, und inwiefern gleicht sie der Gewalt oder Autorität, die Moses verliehen wurde? (b) Wie stellten die zwei Zeugen die Christenheit bloß?
18 Johannes berichtet über die zwei Zeugen weiter: „Und sie haben Gewalt über die Wasser, um sie in Blut zu verwandeln, und die Erde mit jeder Art von Plagen zu schlagen, sooft sie es wünschen“ (Offenbarung 11:6b). Um Pharao zu bewegen, Israel ziehen zu lassen, ließ Jehova durch Moses über das bedrückende Ägypten verschiedene Plagen kommen, zu denen auch das Verwandeln von Wasser in Blut gehörte. Jahrhunderte später erinnerten sich die Philister, die Feinde Israels, noch gut an das, was Jehova an Ägypten getan hatte, weshalb sie ausriefen: „Wer wird uns aus der Hand dieses majestätischen Gottes retten? Das ist der Gott, der Ägypten mit jeder Art der Schlachtung [„Plagen“, Menge] in der Wildnis schlug“ (1. Samuel 4:8; Psalm 105:29). Moses stellte Jesus dar, der die Befugnis oder Gewalt hatte, die damaligen geistlichen Führer für von Gott verurteilt zu erklären (Matthäus 23:13; 28:18; Apostelgeschichte 3:22). Und die Brüder Christi, die zwei Zeugen, wiesen auf die tödliche Wirkung der „Wasser“ hin, die die geistlichen Führer der Christenheit ihren Herden vorsetzten.
Die zwei Zeugen werden getötet
19. Was geschieht gemäß dem Bericht in der Offenbarung, wenn die zwei Zeugen ihr Zeugniswerk beendet haben?
19 Diese Plagen trafen die Christenheit so hart, daß sie sich — nachdem die zwei Zeugen 42 Monate lang mit Sacktuch bekleidet prophezeit hatten — ihren weltlichen Einfluß zunutze machte, um die beiden „töten“ zu lassen. Johannes schreibt: „Wenn sie ihr Zeugnisgeben beendet haben, wird das wilde Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, Krieg mit ihnen führen und sie besiegen und sie töten. Und ihre Leichname werden auf der breiten Straße der großen Stadt liegen, die in geistigem Sinne Sodom und Ägypten heißt, wo auch ihr Herr an den Pfahl gebracht wurde. Und Leute von den Völkern und Stämmen und Zungen und Nationen werden ihre Leichname dreieinhalb Tage lang anschauen, und sie lassen nicht zu, daß ihre Leichname in eine Gruft gelegt werden. Und die, die auf der Erde wohnen, freuen sich über sie und sind froh, und sie werden einander Gaben senden, weil diese zwei Propheten die, die auf der Erde wohnen, quälten“ (Offenbarung 11:7-10).
20. Was ist unter dem ‘wilden Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt’, zu verstehen?
20 Das ist die erste von 37 Stellen in der Offenbarung, wo ein wildes Tier erwähnt wird. Zur gegebenen Zeit werden wir dieses und andere Tiere eingehender betrachten. Im Moment mag es genügen zu sagen, daß „das wilde Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt“, ein von Satan ins Leben gerufenes politisches System der Dinge ist.b (Vergleiche Offenbarung 13:1; Daniel 7:2, 3, 17.)
21. (a) Wie nutzten die religiösen Feinde der zwei Zeugen die Kriegsverhältnisse aus? (b) Was wird dadurch angedeutet, daß die Leichname der zwei Zeugen nicht begraben wurden? (c) Wie ist der Zeitabschnitt von dreieinhalb Tagen aufzufassen? (Siehe Fußnote.)
21 In den Jahren 1914 bis 1918 waren die Nationen mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigt. Nationalistische Gefühle erhitzten die Gemüter, und im Frühling des Jahres 1918 machten sich die religiösen Feinde der zwei Zeugen diese Situation zunutze. Es gelang ihnen, die staatliche Gerichtsbarkeit so weit zu beeinflussen, daß einige verantwortliche Prediger der Bibelforscher zu Unrecht staatsfeindlicher Umtriebe angeklagt wurden und ins Gefängnis kamen. Ihre treuen Mitarbeiter waren bestürzt. Das Königreichswerk kam beinahe zum Stillstand. Es war, als ob das Predigtwerk tot gewesen wäre. In biblischen Zeiten war es eine furchtbare Demütigung, nicht in einer Gedächtnisgruft beigesetzt zu werden (Psalm 79:1-3; 1. Könige 13:21, 22). Unbegraben liegen gelassen zu werden wäre für die zwei Zeugen somit eine große Schmach gewesen. In dem heißen Klima Palästinas würde ein auf offener Straße liegender Leichnam nach dreieinhalb buchstäblichen Tagen zu riechen beginnen.c (Vergleiche Johannes 11:39.) Diese Einzelheit der Prophezeiung zeigt demnach an, welche Schande die zwei Zeugen ertragen mußten. Man lehnte es sogar ab, die obenerwähnten Inhaftierten gegen Kaution freizulassen, bevor die Berufungsverhandlungen abgeschlossen waren. Sie wurden so lange in der Öffentlichkeit bloßgestellt, daß sie für die Bewohner der „großen Stadt“ sozusagen zum Gestank wurden. Was ist aber mit dieser „großen Stadt“ gemeint?
22. (a) Was ist mit der großen Stadt gemeint? Erkläre es. (b) Inwiefern schloß sich die Presse der Geistlichkeit in der Freude darüber an, daß die zwei Zeugen zum Schweigen gebracht worden waren? (Siehe Kästchen.)
22 Johannes gibt uns einige Anhaltspunkte. Er sagt, Jesus sei dort an den Pfahl geschlagen worden. Wir denken deshalb sogleich an Jerusalem. Er erwähnt aber auch, daß die große Stadt Sodom und Ägypten heißt. Das buchstäbliche Jerusalem wurde einst wegen seiner unreinen Handlungen Sodom genannt (Jesaja 1:8-10; vergleiche Hesekiel 16:49, 53-58). Und Ägypten, die erste Weltmacht, erscheint mitunter als Sinnbild des gegenwärtigen Weltsystems der Dinge (Jesaja 19:1, 19; Joel 3:19). Diese große Stadt versinnbildlicht somit ein verunreinigtes „Jerusalem“, das angeblich Gott anbetet, in Wirklichkeit aber ebenso unrein und sündig ist wie einst Sodom, und das wie das damalige Ägypten zu dem gegenwärtigen satanischen Weltsystem der Dinge gehört. Sie stellt die Christenheit dar, das neuzeitliche Gegenstück des untreuen Jerusalem, die Organisation, deren Angehörige so viel Ursache zur Freude hatten, als es ihnen gelang, die belästigende Predigttätigkeit der zwei Zeugen lahmzulegen.
Wieder auferweckt!
23. (a) Was erlebten die zwei Zeugen nach den dreieinhalb Tagen, und wie wirkte sich das auf ihre Feinde aus? (b) Wann erfüllten sich in der Neuzeit Offenbarung 11:11, 12 und Hesekiels Prophezeiung über das Tal der verdorrten Gebeine, die Jehova anhauchte?
23 Die Presse schloß sich der Geistlichkeit in ihrer Verleumdung des Volkes Gottes an. In einer Zeitung hieß es: „Dem Vollendeten Geheimnis ist ein Ende gemacht worden.“ Doch weit gefehlt! Die zwei Zeugen blieben nicht tot. Wir lesen: „Und nach den dreieinhalb Tagen kam von Gott her Geist des Lebens in sie, und sie stellten sich auf ihre Füße, und große Furcht befiel die, die sie sahen. Und sie hörten eine laute Stimme aus dem Himmel zu ihnen sagen: ‚Kommt hierherauf.‘ Und sie gingen in der Wolke in den Himmel hinauf, und ihre Feinde sahen sie“ (Offenbarung 11:11, 12). Sie hatten demnach ein ähnliches Erlebnis wie die verdorrten Gebeine in dem Tal, das Hesekiel in einer Vision besichtigte. Jehova hauchte jene verdorrten Gebeine an, und sie wurden lebendig. Das veranschaulichte die Wiedergeburt der Nation Israel nach 70jähriger Gefangenschaft in Babylon (Hesekiel 37:1-14). Diese beiden Prophezeiungen, aus Hesekiel und aus der Offenbarung, erfüllten sich auffallend im Jahre 1919, als Jehova seine „verstorbenen“ Zeugen wieder zu tätigem Leben erweckte.
24. Wie wirkte sich die Wiederbelebung der zwei Zeugen auf ihre religiösen Verfolger aus?
24 Welch ein Schock für ihre Verfolger! Die Leichname der zwei Zeugen waren plötzlich wieder am Leben und aktiv. Das war für jene Geistlichen eine bittere Pille, um so mehr, als sich die christlichen Prediger, die auf ihre Veranlassung ins Gefängnis gekommen waren, wieder auf freiem Fuß befanden und später völlig rehabilitiert wurden. Noch mehr bestürzt müssen sie gewesen sein, als die Bibelforscher im September 1919 in Cedar Point (Ohio, USA) einen Kongreß abhielten. Bei dieser Gelegenheit hielt J. F. Rutherford, der kurz vorher aus dem Gefängnis entlassen worden war, die aufrüttelnde Ansprache „Die Verkündigung des Königreiches“, die sich auf Offenbarung 15:2 und Jesaja 52:7 stützte. Die Glieder der Johannes-Klasse begannen wieder zu „prophezeien“, das heißt öffentlich zu predigen. Mit neuer Kraft stellten sie die Heuchelei der Christenheit immer deutlicher bloß.
25. (a) Wann wurde zu den zwei Zeugen gesagt: „Kommt hierherauf“, und wie geschah dies? (b) Welche schockierende Wirkung hatte die Wiederherstellung der zwei Zeugen auf die große Stadt?
25 Die Christenheit versuchte wiederholt, einen Sieg wie den im Jahre 1918 zu erringen. Man nahm Zuflucht zu Pöbelaktionen, zur Rechtsverdrehung, zu Gefängnisstrafen und sogar zu Hinrichtungen — alles aber ohne Erfolg! Nach 1919 befand sich der geistige Bereich der zwei Zeugen außerhalb der Reichweite ihrer Feinde. In jenem Jahr hatte Jehova zu ihnen gesagt: „Kommt hierherauf“, und sie waren in eine erhöhte geistige Stellung aufgestiegen, in der ihre Feinde sie zwar sehen, aber ihnen nichts anhaben konnten. Wie sehr die große Stadt durch die Wiederherstellung der zwei Zeugen erschüttert wurde, beschreibt Johannes wie folgt: „Und in jener Stunde ereignete sich ein großes Erdbeben, und ein Zehntel der Stadt fiel; und siebentausend Personen wurden durch das Erdbeben getötet, und die übrigen gerieten in Furcht und verherrlichten den Gott des Himmels“ (Offenbarung 11:13). Es kam im religiösen Bereich tatsächlich zu großen Erschütterungen. Es war, als ob sich der Boden unter den Füßen der Führer der anerkannten Kirchen bewegte, als diese Gruppe wiederbelebter Christen ans Werk ging. Ein Zehntel der Stadt, in übertragenem Sinn 7 000 Personen, wurden so gründlich betroffen, daß von ihnen gesagt wird, sie seien getötet worden.
26. Wer wird durch das „Zehntel der Stadt“ und die „siebentausend“, die in Offenbarung 11:13 erwähnt werden, dargestellt? Erkläre es.
26 Der Ausdruck „ein Zehntel der Stadt“ erinnert uns daran, daß Jesaja über das alte Jerusalem prophezeite, ein Zehntel werde als ein heiliger Same die Zerstörung der Stadt überleben (Jesaja 6:13). Und die Zahl 7 000 erinnert uns daran, daß Jehova zu Elia — der dachte, er sei der einzige in Israel, der treu geblieben sei — sagte, es seien noch 7 000 übriggeblieben, die sich nicht vor Baal gebeugt hätten (1. Könige 19:14, 18). Im ersten Jahrhundert äußerte der Apostel Paulus den Gedanken, daß diese 7 000 den Überrest der Juden darstellten, der die gute Botschaft über den Christus annahm (Römer 11:1-5). Diese Bibeltexte helfen uns verstehen, daß die „siebentausend“ und das „Zehntel der Stadt“, die in Offenbarung 11:13 erwähnt werden, diejenigen sind, die auf die wiederhergestellten zwei Zeugen hören und die sündige große Stadt verlassen. Sie sterben gleichsam in den Augen der Christenheit. Ihre Namen wurden aus ihren Kirchenregistern gestrichen. Sie existieren für sie nicht mehr.d
27, 28. (a) Inwiefern ‘verherrlichten die übrigen den Gott des Himmels’? (b) Was mußte die Geistlichkeit der Christenheit zugeben?
27 Wie aber ‘verherrlichten die übrigen [der Christenheit] den Gott des Himmels’? Jedenfalls nicht dadurch, daß sie ihre abtrünnige Religion aufgaben und Diener Gottes wurden. Es ist vielmehr so zu verstehen, wie es in dem Werk Word Studies in the New Testament von Vincent erklärt wird, in dem über die Worte „verherrlichten den Gott des Himmels“ gesagt wird: „Diese Wendung bedeutet weder Bekehrung noch Reue, noch Danksagung, sondern Anerkennung; das ist ihr üblicher Sinn in der Bibel. Vergleiche Jos. 7, 19 (Sept.). Joh. 9, 24; Apg. 12, 23; Röm. 4, 20.“ Die Christenheit mußte zu ihrem Leidwesen zugeben, daß der Gott der Bibelforscher durch deren Wiederbelebung zur christlichen Tätigkeit etwas Großes getan hatte.
28 Vielleicht machten Geistliche dieses Eingeständnis nur in ihrem Innern oder sich selbst gegenüber. Jedenfalls ist von keinem bekannt, daß er den Gott der zwei Zeugen öffentlich anerkannt hätte. Die von Johannes geäußerte Prophezeiung Jehovas hilft uns jedoch erkennen, was in ihrem Herzen vor sich ging und welche Demütigung sie im Jahre 1919 erfuhren. Von jenem Jahr an begannen die „siebentausend“, die Christenheit zu verlassen, obwohl diese sich beharrlich bemühte, ihre Schafe zu behalten, und so mußte die Geistlichkeit nun eingestehen, daß der Gott der Johannes-Klasse stärker war als ihr Gott. In den letzten Jahren konnte sie das noch deutlicher erkennen, da sich viele weitere Angehörige ihrer Herde von ihr abgewandt haben und jetzt wie das Volk, das auf dem Berg Karmel Elias Triumph über die Baalsanbeter miterlebte, gleichsam sagen: „Jehova ist der wahre Gott! Jehova ist der wahre Gott!“ (1. Könige 18:39).
29. Was sollte gemäß den Worten des Johannes eilends kommen, und welche Erschütterung steht der Christenheit noch bevor?
29 Beachten wir aber, was Johannes weiter sagt: „Das zweite Wehe ist vorbei. Siehe! Das dritte Wehe kommt eilends“ (Offenbarung 11:14). Wenn die Christenheit schon durch das, was bis jetzt geschehen ist, erschüttert wurde, was wird sie erst tun, wenn das dritte Wehe angekündigt wird, der siebte Engel seine Trompete bläst und das heilige Geheimnis Gottes schließlich vollendet ist? (Offenbarung 10:7).
[Fußnoten]
a Eine ausführliche Abhandlung über diesen großen geistigen Tempel ist in dem Artikel „Der große geistige Tempel Jehovas“ im Wachtturm vom 1. Juli 1996 und im Wachtturm vom 1. März 1973 unter der Überschrift „Der eine wahre Tempel für die Anbetung“ zu finden.
b Das Wort „Abgrund“ (griechisch: ábyssos; hebräisch: tehṓm) bezieht sich sinnbildlich auf einen Ort der Untätigkeit. (Siehe Offenbarung 9:2.) In buchstäblichem Sinn kann es sich auch auf das weite Meer beziehen. Das hebräische Wort wird oft mit „Wassertiefe“ übersetzt (Psalm 71:20; 106:9; Jona 2:5). Daher kann „das wilde Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt“, mit dem ‘wilden Tier, das aus dem Meer aufsteigt’, gleichgesetzt werden (Offenbarung 11:7; 13:1).
c Bei einer Betrachtung der Erfahrungen des Volkes Gottes der damaligen Zeit ist zu beachten, daß die 42 Monate wohl dreieinhalb buchstäbliche Jahre darstellen, wogegen die dreieinhalb Tage keine buchstäbliche Zeitspanne von 84 Stunden versinnbildlichen. Wahrscheinlich wird der besondere Zeitabschnitt von dreieinhalb Tagen zweimal erwähnt (in den Versen 9 und 11), um hervorzuheben, daß es sich dabei im Vergleich zu den vorausgegangenen dreieinhalb Jahren der Tätigkeit nur um einen kurzen Zeitabschnitt handelt.
d Vergleiche die Verwendung der Wörter „tot“, „gestorben“ und „lebendig“ mit Bibeltexten wie Römer 6:2, 10, 11; 7:4, 6, 9; Galater 2:19; Kolosser 2:20; 3:3.
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