Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Weiter zur Schule — Warum?
    Erwachet! 1994 | 22. August
    • Weiter zur Schule — Warum?

      ROBERTS Suche nach Arbeit war eine harte Geduldsprobe und dauerte drei lange Jahre. Im Alter von 21 Jahren bekam er endlich eine Anstellung als Aufsichtsperson in einem Ferienlager. Er war zwar erleichtert, aber auch ziemlich erschöpft von der mühseligen Arbeitssuche. „Unsere Eltern können das einfach nicht verstehen“, sagt er. „Heutzutage ist alles viel schwerer.“

      Wie Robert steigen zahllose Jugendliche jedes Jahr direkt nach der Schule ins Berufsleben ein. Sie sind voller Hoffnungen und Pläne. Doch immer mehr müssen feststellen, daß sie nicht die Arbeit bekommen, die sie sich vorgestellt haben.

      Aus diesem Grund gehen viele weiter zur Schule.a „In den siebziger Jahren machte man Stimmung gegen die Vorzüge von Bildung“, heißt es in der Zeitschrift Fortune, „in den achtziger Jahren hingegen wurden die Leute von einer anderen Botschaft überrollt: ‚Machen Sie einen Hochschulabschluß, sonst bleiben Sie auf der Strecke! ‘“

      Warum ein Problem?

      Warum ist oftmals eine weitere Schulausbildung erforderlich? Erstens werden in einer ganzen Reihe Berufe heute höhere Ansprüche gestellt. „Der Kassierer, der einfach Einzahlungen entgegennahm, ist durch den Geldautomaten ersetzt worden“, sagt ein Vertreter des US-Ministeriums für Arbeit. „Heute muß ... [der Kassierer] den Kunden über drei verschiedene Möglichkeiten beraten, wie er sein Geld am Geldmarkt anlegen kann, und dann erklären, warum die eine besser ist als die andere.“ William D. Ford, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Arbeit des Repräsentantenhauses, meint: „Mit den einfachen Arbeiten ist es vorbei.“

      Zweitens vertreten einige die Meinung, daß die Schule den Schülern nicht genügend Bildung vermittelt. Ihrer Ansicht nach konzentriert sich die Schule auf Themen wie Drogenmißbrauch, Aids und Geburtenkontrolle, und das auf Kosten von Fächern wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Dr. Robert Appleton, der seit 27 Jahren Lehrer ist, klagt, das Schulsystem sei anscheinend eine Art „Sozialeinrichtung“ geworden, denn es müsse sich heute „mit Problemen herumplagen, die früher nicht in den Aufgabenbereich der Schule fielen“.

      Da den Schülern in einigen Schulen nicht die nötigen Fertigkeiten beigebracht werden, können sich viele Schulabgänger ihren Lebensunterhalt nicht verdienen. „Man hat ihnen nicht gezeigt, was es heißt, zu arbeiten“, sagt Joseph W. Schroeder, der Leiter eines Arbeitsvermittlungsbüros in Florida. „Immer wieder höre ich von Arbeitgebern, es sei ein echtes Problem, daß die jungen Leute nicht besonders gut lesen oder schreiben können. Sie könnten nicht einmal einen Bewerbungsbogen ausfüllen.“

      Ein dritter Grund, der für eine weitere Schulausbildung spricht, besteht unter Umständen darin, daß der Arbeitsmarkt in zahlreichen Ländern von Hochschulabgängern geradezu überschwemmt wird. „Es gibt mehr Hochschulabgänger als Arbeitsplätze, wo ihre Fähigkeiten gefragt sind“, konnte man in der New York Times lesen. „Aufgrund dieses Überangebots“, hieß es in dem Bericht weiter, „probieren die Arbeitgeber es gar nicht erst mit einfachen Schulabgängern.“

      Viele gehen weiter zur Schule, um die nötigen Fertigkeiten für einen Beruf zu erlangen, mit dem sie ausreichend verdienen können. In den Vereinigten Staaten setzen 59 Prozent der Schüler ihre Ausbildung nach der High-School fort. Das ist bedeutend mehr als in den letzten Jahrzehnten, in denen es durchweg 50 Prozent waren.

      In anderen Ländern ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Seit den 60er Jahren gehen beispielsweise immer mehr Schüler in Großbritannien nach der Pflichtschulzeit noch weiter zur Schule. In einem der letzten Jahre haben sich in Australien 85 Prozent der Schulabgänger an verschiedenen Universitäten und Colleges um einen Studienplatz beworben. Etwa 95 Prozent der Schüler in Japan legen ein Examen ab, um weitere drei Jahre zur Schule gehen zu können, wo sie entweder auf einen Beruf oder das College vorbereitet werden.

      Eine zusätzliche Schulausbildung bringt jedoch nicht immer die gewünschten Ergebnisse. Was sind die Vor- und Nachteile?

      [Fußnote]

      a Die Bezeichnungen der einzelnen Schularten sind von Land zu Land verschieden. In diesen Artikeln steht der Ausdruck „High-School“ für die gesamte gesetzlich vorgeschriebene Schulausbildung. „College“, „Hochschule“, „Universität“, „Fachschule“ und „Berufsfachschule“ beziehen sich auf zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten, die gesetzlich nicht verlangt, sondern freiwillig genutzt werden.

  • Eine weitere Schulausbildung — Ja oder nein?
    Erwachet! 1994 | 22. August
    • Eine weitere Schulausbildung — Ja oder nein?

      WIE umfassend muß eine Ausbildung sein, damit man seinen Lebensunterhalt verdienen kann? Das ist von Land zu Land verschieden. Das Niveau der Schulausbildung, die erforderlich ist, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist heute wohl in vielen Ländern höher als vor ein paar Jahren. Mitunter reicht die vom Gesetz verlangte Mindestschulzeit einfach nicht aus.

      Sicherlich gehen deshalb immer mehr Schulabgänger weiter zur Schule, statt eine Arbeitsstelle anzunehmen. Die Aussichten sind scheinbar vielversprechend für sie. Die New York Times zitiert einen Bericht eines Instituts für Wirtschaftsfragen, in dem es hieß, daß „der Verdienst von Männern, die nur ein Abschlußzeugnis von der High-School aufweisen konnten, zwischen 1979 und 1987 um 7,4 Prozent gekürzt wurde, wohingegen der Verdienst der männlichen Collegeabgänger um 7 Prozent erhöht wurde“.

      Der College- oder Hochschulabgänger hat durch seinen Abschluß möglicherweise bessere Berufsaussichten. William B. Johnston, ein führender Forscher am Hudson Institute, sagt: „Ein Hochschulabschluß oder allein die Tatsache, daß man eine Hochschule besucht hat, ist hier im Land inzwischen eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen Arbeitsplatz geworden.“

      Andererseits muß man zugeben, daß viele Hochschulabgänger ebenfalls Mühe haben, Arbeit zu finden, und gegen Arbeitslosigkeit nicht gefeit sind. „Die meisten meiner Freunde, die mit mir ihren Abschluß gemacht haben, sind arbeitslos“, erzählt der 22jährige Karl. Jim bestand sein Abschlußexamen an einer renommierten Universität mit Auszeichnung, doch im Februar 1992 wurde er im Alter von 55 Jahren entlassen. Sein Diplom schützte ihn nicht vor einer Entlassung und half ihm nicht, eine feste Anstellung zu finden. „Es stellt sich heraus, daß man auf Sand gebaut hat“, sagt er.

      Nicht wenige Hochschulabgänger finden sich wie Jim im „Angestelltenfegefeuer“ wieder, wie die Zeitschrift U.S.News & World Report es nennt — zu jung, um in Rente zu gehen, zu alt, um noch von einer anderen Firma eingestellt zu werden.

      Eine Hochschulausbildung hat demnach zwar ihre Vorzüge, ist aber ganz sicher kein Patentrezept. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten. Herbert Kohl schreibt in seinem Buch The Question Is College: „Es gibt viele erfolgreiche Menschen, die nicht auf die Hochschule gegangen sind, und viele vernünftige Berufe, für die kein Hochschulabschluß benötigt wird.“ Eine Firma engagiert beispielsweise Personen ohne Hochschulabschluß für Posten, die sonst oft von Hochschulabgängern eingenommen werden. Diese Firma ist nicht so sehr an einem Titel interessiert, sondern sucht Bewerber, die gute Arbeit leisten. „Wenn wir so jemanden gefunden haben“, meint ein Sprecher der Firma, „gehen wir davon aus, daß wir ... [ihm] die speziellen Kenntnisse dann schon beibringen können.“

      Ja, viele sind auch ohne eine Hochschulausbildung in der Lage, gut für sich und ihre Familie zu sorgen. Einige haben bei einem minimalen Geld- und Zeitaufwand an Berufsfachschulen, Fachschulen oder anderen Lehranstalten Kurse belegt.a Andere üben ein Gewerbe oder einen Beruf im Dienstleistungsbereich aus, ohne jemals speziell dafür ausgebildet worden zu sein. Sie konnten sich ihren Arbeitsplatz sichern, weil sie als zuverlässige Kraft bekannt sind.

      Eine ausgeglichene Ansicht

      Natürlich bietet eine Schulausbildung — wozu auch eine Hochschulausbildung oder irgendeine andere zusätzliche Schulausbildung gehört — keine Erfolgsgarantie. Die Bibel sagt treffend, daß „die Szene dieser Welt wechselt“ (1. Korinther 7:31). Was heute gefragt ist, kann morgen wertlos sein.

      Daher sollte jemand, der eine weitere Schulausbildung in Betracht zieht, sorgfältig die Vor- und Nachteile abwägen. „Kann ich mir eine solche Ausbildung leisten? In was für einem Umfeld würde ich leben, und mit wem hätte ich Umgang? Eigne ich mir durch diese Ausbildung praktische Fähigkeiten an, die mir später ermöglichen, meinen Lebensunterhalt zu verdienen? Werde ich mit diesem Beruf eine Familie ernähren können, falls ich irgendwann einmal heirate? “ Eltern, die ihren Kindern eine Stütze sind, können ihnen in Übereinstimmung mit ihrer biblischen Verantwortung wertvolle Hinweise geben (5. Mose 4:10; 6:4-9; 11:18-21; Sprüche 4:1, 2). Wenn man sich über die finanziellen Vorteile oder über andere Aspekte einer weiteren Schulausbildung Gedanken macht, ist es gut, die Worte Jesu zu beachten: „Wer von euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuerst nieder und berechnet die Kosten, um zu sehen, ob er genug habe, ihn zu vollenden?“ (Lukas 14:28).

      Man sollte sich wirklich gut überlegen, ob man eine weitere Schulausbildung macht. Ein Christ behält stets die Worte Jesu aus Matthäus 6:33 im Sinn: „So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit [die des himmlischen Vaters] zu suchen, und alle diese anderen Dinge werden euch hinzugefügt werden.“ Wahre Christen blicken nicht auf Personen herab, die keine zusätzliche Schulausbildung haben, und geben ihnen nicht das Gefühl, minderwertig zu sein; sie verurteilen auch nicht diejenigen, die eine umfassende Bildung haben, und unterschieben ihnen nicht, hochmütig zu sein. Der Apostel Paulus schrieb: „Wer bist du, daß du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt seinem eigenen Herrn. In der Tat, er wird zum Stehen veranlaßt werden, denn Jehova kann veranlassen, daß er steht“ (Römer 14:4).

      Jesus hatte diese ausgeglichene Einstellung. Er verachtete weder „ungelehrte und gewöhnliche Menschen“, noch scheute er sich davor, den gebildeten Paulus dafür auszuwählen, ein gewaltiges Predigtwerk durchzuführen (Apostelgeschichte 4:13; 9:10-16). In jedem Fall muß der Bildung der richtige Stellenwert eingeräumt werden. Davon handelt der nächste Artikel.

      [Fußnote]

      a Zusätzliche Ausbildungsprogramme sind von Ort zu Ort verschieden. In Schulen, Bibliotheken und bei staatlichen Berufsberatungsstellen kann man wertvolle Informationen darüber erhalten, welche Programme in der Umgebung angeboten werden.

      [Kasten auf Seite 5]

      Zusätzliche Schulausbildung

      Im Wachtturm vom 1. November 1992 hieß es über Jehovas Zeugen und den Vollzeitdienst: „Vielerorts [scheint] der allgemeine Trend dahin zu gehen, daß das für eine ordentliche Bezahlung erforderliche Ausbildungsniveau heute höher ist als noch vor einigen Jahren. ... es [ist] vielerorts schwer ..., einen Arbeitsplatz mit ordentlicher Bezahlung zu finden, wenn man nach der gesetzlich geforderten Mindestschulzeit abgeht ...

      Was ist eine ‚ordentliche Bezahlung‘? ... Gewiß kann man sagen, daß sie ‚gehörig‘ oder ‚in ausreichendem ... Maße‘ verdienen, wenn ihr Einkommen ihnen gestattet, ein ordentliches Leben zu führen, und ihnen genügend Zeit und Kraft bleibt, um ihren christlichen Predigtdienst durchzuführen.“

      Aus diesem Grund konnte man im Wachtturm lesen: „Daher sollten keine starren Regeln aufgestellt werden, ob eine Weiterbildung zu befürworten ist oder nicht.“

  • Der Bildung den richtigen Stellenwert einräumen
    Erwachet! 1994 | 22. August
    • Der Bildung den richtigen Stellenwert einräumen

      EIN begabter Kunstmaler weiß, wie er etwas perspektivisch oder räumlich darstellen kann. Er schenkt den Einzelheiten im Vordergrund mehr Beachtung als denen in der Mitte und im Hintergrund. Ganz ähnlich ist es mit den Prioritäten in unserem Leben. Einiges verdient mehr Beachtung als anderes.

      Jesus Christus sagte: „Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewußt sind, da das Königreich der Himmel ihnen gehört“ (Matthäus 5:3). Geistige Werte sollten deshalb im Vordergrund stehen. Materielle Dinge hingegen sollten einen niedrigeren Stellenwert einnehmen.

      Welche Rolle spielt die Bildung dabei? Sicherlich betrachtet ein Christ sie nicht als unwichtig. In der Regel braucht man eine gewisse Bildung, um der biblischen Verpflichtung nachkommen zu können, auf die der Apostel Paulus mit den Worten hinwies: „Jemand, der für die Seinigen und besonders für seine Hausgenossen nicht sorgt, [hat] den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger“ (1. Timotheus 5:8). Außerdem besteht der Auftrag Jesu für seine Nachfolger darin, Jünger zu machen und ‘sie zu lehren, alles zu halten, was er geboten hat’, und dazu muß man „Erkenntnis in sich aufnehmen“ und andere wirkungsvoll belehren können (Matthäus 28:19, 20; Johannes 17:3; Apostelgeschichte 17:11; 1. Timotheus 4:13).

      Aber der Bildung muß der richtige Stellenwert eingeräumt werden. Das Ziel sollte nicht darin bestehen, durch schulische Leistungen zu glänzen oder einen imponierenden Titel zu erlangen. Es erweist sich als Bumerang, wenn man das Streben nach Bildung zu sehr in den Vordergrund stellt. Daraus könnten sich zwar vorübergehend einige materielle Vorteile ergeben. Doch der weise König Salomo bemerkte: „Da müht sich einer ab mit Klugheit und Geschick und erreicht etwas; aber dann muß er es einem vererben, der keinen Finger dafür krummgemacht hat“ (Prediger 2:21, Die Gute Nachricht).

      Jehovas Zeugen sind an Bildung interessiert, nicht um der Bildung willen, sondern weil sie sich im Dienst Gottes besser einsetzen und ihren Lebensunterhalt verdienen möchten. Da ihr Dienst eine Tätigkeit ohne jede Gewinnabsicht ist, sind viele auf einen Arbeitsplatz angewiesen. Das kann besonders für Vollzeitprediger der Zeugen Jehovas, „Pioniere“ genannt, sehr schwierig sein. Sie haben durch den Predigtdienst einen ausgefüllten Zeitplan und müssen zudem für sich und, falls verheiratet, für ihre Familie sorgen (Sprüche 10:4).a

      Einige Zeugen Jehovas haben sich nach einem sorgfältigen Abwägen der verschiedenen Faktoren für eine weitere Schulausbildung entschieden. Natürlich mußten sie darauf achten, daß die Bildung für sie nach wie vor den richtigen Stellenwert behielt. Was hat ihnen dabei geholfen? „Mir hat Verschiedenes geholfen“, sagte John, ein junger Brasilianer. „Auch wenn ich abends lernen mußte, habe ich deswegen nie die christlichen Zusammenkünfte versäumt. Außerdem gab ich mich gegenüber meinen Klassenkameraden von Anfang an als ein Zeuge Jehovas zu erkennen.“

      Eric lebt ebenfalls in Brasilien und hat im Lauf seiner weiteren Schulausbildung bei jeder passenden Gelegenheit mit anderen über seinen Glauben gesprochen. „Ich betrachtete die Schule als mein ganz besonderes Predigtdienstgebiet“, erzählt er. „Mit etlichen Lehrern und Schülern konnte ich ein Bibelstudium durchführen; fünf von ihnen sind heute getauft, zwei dienen als Älteste.“

      Richard ging auf eine Teilzeitschule, um einen Abschluß als Zeichner zu machen. „Durch die Ausbildung konnte ich eine Arbeit finden, um mich und meine Frau zu ernähren“, sagte er, „aber dadurch eröffneten sich mir noch ganz andere Möglichkeiten. Als ich bei der Errichtung von Königreichssälen in Schnellbauweiseb mitarbeitete und mich dort mit den Verantwortlichen unterhielt, erfuhr ich, daß Zeichner benötigt wurden. Meine Ausbildung kommt mir nun bei diesen Projekten zugute. Außerdem hoffen meine Frau und ich, einmal in der Weltzentrale oder bei den internationalen Bauprojekten der Zeugen Jehovas mitarbeiten zu können.“

      Viele Zeugen Jehovas können allerdings für sich und ihre Familie auch sorgen, ohne eine zusätzliche Schulausbildung erhalten zu haben. „Ich verdiene meinen Lebensunterhalt, indem ich zwei Tage in der Woche im Haushalt arbeite“, erklärt Mary. „Paradoxerweise verdiene ich in der Stunde mehr Geld als einige der Leute, für die ich arbeite. Für mich ist die Arbeit jedoch ein Mittel zum Zweck. Sie ermöglicht mir, im Pionierdienst zu stehen; ich bereue nicht, daß ich mich so entschieden habe.“

      Steve geht es ähnlich. „Als ich mit dem Pionierdienst anfing“, erzählt er, „sagten einige zu mir: ‚Was machst du denn, wenn du mal heiratest und eine Familie hast? Wirst du dann mit dem Geld, das du verdienst, zurechtkommen? ‘ Inzwischen habe ich so viele verschiedene Arbeiten gemacht, daß ich fast in allem, was man sich denken kann, etwas Erfahrung gesammelt habe. Jetzt, wo ich eine Frau zu versorgen habe, stelle ich sogar fest, daß ich mehr verdiene als einige Hochschulabgänger, die in der gleichen Geschäftsstelle wie ich arbeiten.“

      Väter, die keine Zeugen Jehovas sind, verlangen von ihren minderjährigen Kindern vielleicht, daß sie weiter zur Schule gehen, und vom biblischen Standpunkt aus ist das ihr gutes Recht. In solchen Fällen werden Jugendliche jedoch im Einklang mit Matthäus 6:33 wahrscheinlich eine Berufsrichtung wählen, die ihnen hilft, sich später im Dienst Jehovas besser einsetzen zu können, oder die ihnen sogar während der Schulzeit ermöglicht, den Vollzeitdienst durchzuführen.

      Die höchste Bildung

      Alle Zeugen Jehovas haben ungeachtet ihres Bildungsstands etwas gemeinsam. Sie wissen, daß die allerwichtigste Bildung, die es heutzutage gibt, in Gottes Wort, der Bibel, zu finden ist. In Johannes 17:3 heißt es: „Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus.“ Erkenntnis in sich aufzunehmen über Jehova und seinen Sohn, Jesus, muß im Leben eines Christen Priorität haben, ganz gleich, was für eine Ausbildung er genossen hat.

      Die Christen im ersten Jahrhundert sind uns in dieser Hinsicht ein Vorbild. Manaen war „mit Herodes, dem Bezirksherrscher, erzogen worden“, dennoch gehörte er zu den aktiven Propheten und Lehrern der Versammlung in Antiochia (Apostelgeschichte 13:1). Auch der Apostel Paulus genoß eine Ausbildung, die sich mit der heutigen Universitätsausbildung vergleichen läßt. Doch nachdem er ein Christ geworden war, wies er seiner Bildung den richtigen Stellenwert zu. Statt andere mit seinem Wissen über Soziologie, Geschichte und das Gesetz zu beeindrucken, setzte er es ein, um Menschen von allen Arten zu predigen (Apostelgeschichte 16:37-40; 22:3; 25:11, 12; 1. Korinther 9:19-23; Philipper 1:7).

      Die ersten Christen waren nicht in erster Linie für ihren Bildungsgrad bekannt. Viele waren „ungelehrte und gewöhnliche Menschen“, die nicht an den rabbinischen Schulen unterwiesen worden waren. Aber das heißt nicht, daß sie ungebildet waren. Im Gegenteil, diese Männer und Frauen verfügten über das nötige Rüstzeug, ihren Glauben zu verteidigen — eine Fähigkeit, die eine gründliche Schulung verrät (Apostelgeschichte 4:13).

      Alle Christen sind daher lebhaft an Bildung interessiert. Gleichzeitig versuchen sie, ‘sich der wichtigeren Dinge zu vergewissern’ und der Bildung — sowie allen anderen Bestrebungen — den richtigen Stellenwert einzuräumen (Philipper 1:9, 10).

      [Fußnoten]

      a Interessanterweise beschloß der hochgebildete Apostel Paulus, seinen Lebensunterhalt als Zeltmacher zu verdienen, ein Handwerk, das er wahrscheinlich von seinem Vater gelernt hatte. Das Zeltmacherhandwerk war keine leichte Arbeit. Man verarbeitete dabei Ziegenhaartuch, cilicium genannt, das gewöhnlich steif und rauh war und sich nur mit Mühe schneiden und nähen ließ (Apostelgeschichte 18:1-3; 22:3; Philipper 3:7, 8).

      b Mit „Schnellbauweise“ ist eine gut durchorganisierte Baumethode gemeint, die von Zeugen Jehovas entwickelt wurde. Die freiwilligen Mitarbeiter werden für die Arbeit auf der Baustelle nicht bezahlt; sie setzen ihre Zeit und Mittel unentgeltlich ein. Jedes Jahr werden in den Vereinigten Staaten ungefähr 200 neue Königreichssäle gebaut, und weitere 200 werden mit Hilfe dieser Methode umgebaut.

      [Kasten auf Seite 7]

      Ein wohlverdientes Lob

      Ein Jahr vor seinem Schulabschluß überlegte sich Matthew ernsthaft, wie er sich seinen Lebensunterhalt verdienen kann, wenn er eine Laufbahn als Vollzeitprediger der Zeugen Jehovas einschlägt. Nachdem er und seine Eltern die Sache gebetsvoll überdacht hatten, kamen sie zu dem Schluß, daß eine weitere Schulausbildung ihm eine Hilfe wäre, dieses Ziel zu erreichen. So bewarb er sich um ein Stipendium. Matthews Schulberater fügte ein Empfehlungsschreiben bei, in dem es hieß:

      „In den vergangenen zweieinhalb Jahren war es mir ein Vergnügen, Matts Berater und Freund zu sein. Matt hat Stehvermögen ... Er hat einen starken Glauben und eine feste Überzeugung, die sein Handeln und sein Verhältnis zu anderen prägen.

      Matthew hat eine jahrelange Schulung als Prediger hinter sich. Ein Prediger seiner Glaubensgemeinschaft erhält keinerlei finanzielle Entschädigung. Ein solcher Dienst erfordert viel Liebe. Matt ist ein selbstloser junger Mann, umsichtig und rücksichtsvoll. Ein Stipendium würde diesem Mann des Glaubens helfen, während seiner weiteren Schulung und unentgeltlichen Tätigkeit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

      Was seine unentgeltliche Tätigkeit und sein soziales Engagement betrifft, kann ich folgendes sagen: Matt hat an Wochenenden, nach der Schule und in den Sommerferien zahllose Stunden im Predigen von Tür zu Tür eingesetzt. Sein Einsatz zum Wohl der Allgemeinheit kommt Menschen aus allen sozialen Schichten zugute. Durch das Leiten von Bibelstudien mit Jung und Alt hat Matt seine Führungseigenschaften und Fähigkeiten bewiesen. ... Er kann Menschen inspirieren und ihnen bewußt machen, was alles in ihnen steckt. Die Lehrer sagen, er übe innerhalb seiner Klasse einen guten Einfluß aus. Er leitet Klassendiskussionen und ist ein starker Diskussionspartner. ...

      Matt ist einer der nettesten jungen Männer, die ich bisher beraten durfte. Er ist sehr beliebt und wird von seinen Mitschülern und seinen Lehrern geachtet. Seine Integrität ist unübertrefflich.“

      [Bilder auf Seite 9]

      Jehovas Zeugen sind an Bildung interessiert, vornehmlich deshalb, weil sie wirkungsvollere Diener Gottes werden möchten

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen