Junge Leute fragen sich:
Warum sollte man nicht flirten?
„SARAH! Sarah!“ flüstert der Junge ein paar Reihen hinter ihr. „Komm, setz dich zu mir!“ Alle fünf Minuten fängt er wieder damit an — vergeblich. Seine dauernden Annäherungsversuche im Klassenzimmer gehen ihr langsam auf die Nerven.
Jennifer, die noch nicht einmal 13 Jahre alt ist, erzählt: „Die Jungs sagen zweideutige Sachen und nehmen sich allerhand heraus.“ „Ihre Augen!“ meint Erika dazu. „Sie gucken dich mit diesem breiten Grinsen an, und auf einmal sprechen sie ganz tief — darüber kann ich nur lachen. Dann kommen sie ganz nah an dich heran.“ Aber auch mit Jungen wird geflirtet. John berichtet: „Die Mädchen [in der Schule] machen Annäherungsversuche und wollen einen umarmen. Sie tauchen plötzlich im Flur auf und werfen sich einem an den Hals.“
Zugegeben, viele Jugendliche genießen es, wenn mit ihnen geflirtet wird. „Es macht einfach Spaß“, erklärt Connie, die durch ihre aufreizende Kleidung gierige Blicke provoziert. Nicht wenige Teenager flirten jedoch selbst gern. „Ich flirte mit allen Jungs — ob ich sie mag oder nicht“, schrieb ein Mädchen an die Zeitschrift ’Teen. „Wenn ich flirte, fühle ich mich selbstbewußter und charmanter.“
Wie sollte nun ein christlicher Jugendlicher das Flirten betrachten? Ist es nur ein harmloser Spaß, ein unvermeidlicher Abschnitt auf dem Weg zur Liebe? Oder sind damit Gefahren verbunden, die man meiden sollte?
Was ist überhaupt Flirten?
Mit Flirten ist nicht die berechtigte Aufmerksamkeit gemeint, die ein Mann einer Frau (oder umgekehrt) zu Beginn einer festen Freundschaft schenkt. Vielmehr handelt es sich um ein „erotisches [verliebtes] Verhalten ohne ernste Absichten“. In Frankreich wird eine Frau, die sich so benimmt, als coquette (kokett) bezeichnet.
Es ist allerdings keinesfalls einfach zu erklären, was Flirten genau ist. Man kann durch Blicke flirten, durch eine Berührung, den Ton der Stimme oder durch ein scheues Lächeln — auch die Kleidung, die Körperhaltung oder das Benehmen kann vielsagend sein. Das Wort flirten ist zwar schwer zu definieren, aber normalerweise ist leicht zu erkennen, wenn mit jemandem geflirtet wird. Auf jeden Fall ist es riskant, zu flirten, wenn man noch zu jung zum Heiraten ist.
Gefährlicher „Spaß“?
Nicht, daß es verkehrt ist, sich zu jemandem vom anderen Geschlecht hingezogen zu fühlen. In der „Blüte der Jugend“ ist es ganz normal, daß solche Gefühle aufkommen; wir sind so erschaffen worden (1. Korinther 7:36). Vielleicht möchtest du wissen, wie anziehend du auf andere wirkst; das Flirten könnte dir als eine unverfängliche Möglichkeit erscheinen, es herauszufinden. In der Zeitschrift ’Teen wurden junge Mädchen sogar zum Flirten aufgefordert, indem es hieß: „Flirten kann Spaß machen!“ Der folgende Artikel war gewissermaßen eine genaue Anleitung zum Flirten.
Obwohl das Flirten als Spaß bezeichnet wird, ist es noch lange nicht gut oder harmlos. Beachte die Haltung Hiobs, eines rechtschaffenen Mannes. Er sagte einmal: „Einen Bund habe ich mit meinen Augen geschlossen. Wie also könnte ich mich einer Jungfrau gegenüber aufmerksam zeigen?“ (Hiob 31:1, 9-11). Hiob hatte sich praktisch verpflichtet, über seine Augen zu wachen und niemals eine unverheiratete Frau begehrlich anzublicken. Warum? Weil er verheiratet war. Schon der harmloseste Flirt wäre unpassend gewesen und zudem treulos gegenüber seiner Frau. Außerdem hätten verkehrte Wünsche und Hoffnungen geweckt werden können. Deswegen machte Hiob anderen Frauen keine schönen Augen.
Gut, du bist unverheiratet. Aber wenn du darüber nachdenkst — meinst du nicht auch, daß du ebensowenig wie Hiob einen berechtigten Grund hast, dich gegenüber jemandem vom anderen Geschlecht aufmerksam zu zeigen? Was hätte es überhaupt für einen Sinn, wenn du sowieso zu jung zum Heiraten bist? Was würdest du tun, wenn der andere auf deine Aufmerksamkeiten einginge? Bist du wirklich schon soweit, eine Freundschaft bis zur letzten Konsequenz — der Ehea — durchzuziehen? Wenn nicht, dann führt das Flirten nur zu Enttäuschung.
Steigerung des Selbstbewußtseins
Eine feste Freundschaft ist meistens das letzte, was jemand mit einem Flirt beabsichtigt. Das andere Geschlecht auf sich aufmerksam zu machen ist oft eine Art Spiel oder Spaß. Ein christliches Mädchen namens Maria zum Beispiel kannte das biblische Gebot sehr gut, sich nicht in ein ungleiches Joch mit einem Ungläubigen spannen zu lassen (2. Korinther 6:14). Sie glaubte indes fälschlicherweise, es sei nicht verkehrt, mit den Jungen zu flirten, mit denen sie zur Schule ging. „Als ich interessant für sie wurde“, erklärt sie, „mußte ich jedesmal Schluß machen. Irgendwann wollen sie mit dir gehen, und dann mußt du aufhören.“ Will jedoch auch der andere dann aufhören?
Die Autorin Kathy McCoy berichtet in einem Artikel für die Zeitschrift Seventeen: „Wer auf Abenteuer aus ist, hat meistens nur geringe Selbstachtung und versucht, diese durch die Aufmerksamkeit und Bewunderung anderer zu steigern.“ Wenn dein verführerischer Blick oder deine Berührung erwidert wird, kann dein Selbstbewußtsein durchaus steigen — allerdings nur vorübergehend. Als der Apostel Paulus über wahre Liebe, Gefühle inniger Zuneigung und christliche Einheit sprach, ermahnte er Christen, „nichts aus Ichsucht“ oder, wie es die Bruns-Übersetzung ausdrückt, aus „Eitelkeit“ zu tun (Philipper 2:1-3).
Es gibt weitaus erfolgreichere und nachhaltiger wirkende Methoden, mehr Selbstachtung zu gewinnen, als leichtfertig mit den Gefühlen anderer zu spielen. Warum nicht einmal versuchen, am „inneren Menschen“ zu arbeiten? (2. Korinther 4:16, Neue Jerusalemer Bibel).
„Feurige Geschosse“
In einem Artikel der Zeitschrift Seventeen wird noch auf eine andere Gefahr hingewiesen: „Das Heikle beim Flirten ist, daß es häufig falsch gedeutet und dadurch mißverstanden wird — und daß deshalb Gefühle verletzt werden.“
Jugendliche wissen in ihrer Naivität oft nicht, welchen Schaden sie durch das Flirten anrichten können. Im Bibelbuch Sprüche heißt es: „So wie ein Wahnsinniger, der feurige Geschosse schießt, Pfeile und Tod, so ist der Mann, der seinen Mitmenschen hintergangen und gesagt hat: ,Habe ich nicht Spaß gehabt?‘“ (Sprüche 26:18, 19). Es kann sogar tödlich enden, wenn jemand auf die Gefühle eines anderen keine Rücksicht nimmt. Deswegen sollte man in dieser Hinsicht vorsichtig sein und verantwortungsvoll handeln.
Das Flirten ist irreführend, lieblos und oft grausam. Es kann eine sich anbahnende gute Freundschaft ruinieren. Durch das Flirten kannst du in den Augen anderer sinken. Noch schlimmer ist, daß du dich viel zu früh verlieben oder gar in Unsittlichkeit verstricken könntest. Die Bibel sagt: „Kann ein Mann Feuer in seinem Busen zusammenscharren, ohne daß seine Kleider verbrannt werden?“ (Sprüche 6:27).
„Ich möchte beliebt sein“
Der Wunsch, beliebt zu sein, ist völlig normal. Vielleicht kommt es dir so vor, als hätten die, die ihren Charme spielen lassen, den meisten Spaß und die meisten Freunde. Aber führt ein Flirt wirklich zu echten, dauerhaften Freundschaften? Wohl kaum. Einige finden einen Flirt schön, solange es sich dabei um sie dreht. Wenn dagegen jemand anders plötzlich im Mittelpunkt steht, stößt sie der Flirt in der Regel ab.
Daher überrascht es nicht, daß gemäß einer Umfrage 80 Prozent der Mädchen bei einem Jungen auf eine „Neigung zum Flirten“ überhaupt „keinen Wert legen“. Das Bibelbuch Sprüche sagt: „Der Grausame bringt seinen eigenen Organismus in Verruf“ (Sprüche 11:17).
Wahre Freundschaften
Es ist zugegebenermaßen nicht immer leicht, sich im Umgang mit dem anderen Geschlecht richtig zu verhalten. Kelly sagt, daß es ihr „schwerfällt, den feinen Unterschied zwischen Freundlichkeit und Flirten festzustellen“. Sie fügt hinzu: „Ich bin nun mal sehr kontaktfreudig.“
Mitteilsam zu sein ist nicht verkehrt. Man braucht sich nicht in sein Schneckenhaus zu verkriechen oder anderen die kalte Schulter zu zeigen. Freunde lassen sich durch erbauende, sinnvolle Gespräche finden. Ein zwangloses Gespräch wird außerdem nicht so schnell falsch aufgefaßt wie geheimnisvolle Blicke oder ein schüchternes Lächeln aus der Ferne. Könnte man sich jedoch nicht ein falsches Bild von dir machen, wenn du nur zu Gleichaltrigen vom anderen Geschlecht freundlich bist und von niemandem sonst Notiz nimmst?
Der Schlüssel zu wahren Freundschaften ist, ‘nicht nur die eigenen Dinge in seinem Interesse im Auge zu behalten, sondern auch persönlich Interesse zu zeigen für die der anderen’ — ungeachtet ihres Alters oder Geschlechts (Philipper 2:4). Führe keine zweideutige Sprache, und provoziere andere nicht durch eine aufreizende äußere Erscheinung oder ein herausforderndes Benehmen. (Vergleiche 1. Timotheus 2:9.) Wenn du dafür bekannt bist, an allen echtes Interesse zu bekunden, wird deine Freundlichkeit nicht als Anbändeln mißverstanden. Durch dein Reden und Handeln kannst du allen klarmachen: „Flirten? Ohne mich!“
[Fußnote]
a Siehe Kapitel 29 („Bin ich reif genug für Verabredungen?“) in dem Buch Fragen junger Leute — Praktische Antworten, herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft.
[Bild auf Seite 20]
Zeige an allen Personen echtes Interesse — ungeachtet ihres Alters oder Geschlechts