Die Wahrheit über das Lügen
„DU Lügner!“ Hat uns schon einmal jemand diese verletzende Bemerkung an den Kopf geworfen? Wenn ja, dann wissen wir sehr gut, wie hart sie einen treffen kann.
Wie eine Vase, die einem lieb und teuer ist, zerbrechen kann, wenn sie zu Boden geworfen wird, so kann ein kostbares Verhältnis durch Lügen zerstört werden. Möglicherweise läßt sich der entstandene Schaden im Laufe der Zeit wiedergutmachen, doch das Verhältnis wird vielleicht nie mehr das sein, was es einmal war.
„Diejenigen, die erfahren, daß man sie ... angelogen hat“, heißt es in dem Buch Lügen. Vom täglichen Zwang zur Unaufrichtigkeit, „müssen mit noch weiteren Enthüllungen rechnen. Und im Licht der nun an den Tag gebrachten Lügen blicken sie zurück auf ihre vergangenen Überzeugungen und Handlungen.“ Nachdem die Täuschung offenbar geworden ist, wird ein Verhältnis, das einst durch offenen Gedankenaustausch und Vertrauen gedieh, womöglich durch Mißtrauen und Zweifel erstickt.
Bei all den negativen Empfindungen, die bei dem Gedanken an das Lügen aufkommen, stellt sich die Frage: Wie nahm diese verschlagene Praktik ihren Anfang?
Die erste Lüge
Nachdem Jehova Gott Adam und Eva, das erste Menschenpaar, erschaffen hatte, setzte er sie in einen wunderschönen Garten, der ihr Zuhause sein sollte. Dort gab es keinerlei Täuschung oder Betrug. Ihr Zuhause war ein echtes Paradies.
Einige Zeit nach der Erschaffung Evas trat jedoch Satan, der Teufel, mit einem verlockenden Angebot an sie heran. Er sagte zu Eva, wenn sie „von der Frucht des Baumes“ essen würde, von dem zu nehmen Gott ihnen verboten hatte, würde sie nicht sterben, wie Gott gesagt hatte. Vielmehr würde sie „sein wie Gott, erkennend Gut und Böse“ (1. Mose 2:17; 3:1-5). Eva glaubte Satan. Sie nahm von der Frucht, aß etwas und gab dann auch ihrem Mann davon. Aber statt wie Gott zu werden, wie Satan versprochen hatte, wurden Adam und Eva ungehorsame Sünder, Sklaven des Verderbens (2. Petrus 2:19). Und durch die Äußerung dieser ersten Lüge wurde Satan „der Vater aller Lüge“ (Johannes 8:44, Today’s English Version). Im Laufe der Zeit mußten die drei Sünder feststellen, daß es sich nicht auszahlt, zu lügen oder einer Lüge Glauben zu schenken.
Todbringende Folgen
Jehova wollte seine ganze Schöpfung — im Himmel und auf der Erde — wissen lassen, daß vorsätzlicher Ungehorsam nicht ungestraft bleibt. Er trat unverzüglich in Aktion und verurteilte das rebellische Geistwesen dazu, den Rest seines Lebens außerhalb der heiligen Organisation Gottes zu verbringen. Überdies wird Jehova Gott schließlich dafür sorgen, daß Satan vollständig vernichtet wird. Das geschieht, wenn der von Gott verheißene „Same“ Satan eine tödliche Kopfwunde zufügt (1. Mose 3:14, 15; Galater 3:16).
Adam und Eva ihrerseits wurden aus dem Garten Eden verbannt. Gott verurteilte Adam und sagte: „Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, denn aus ihm wurdest du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren.“ Irgendwann starben sowohl Adam als auch Eva, so wie von Gott vorausgesagt (1. Mose 3:19).
Als Nachkommen Adams sind alle Menschen „unter die Sünde verkauft“. Alle haben die Unvollkommenheit geerbt, die zum Tod führt (Römer 5:12; 6:23; 7:14). Welch entsetzliche Auswirkungen die erste Lüge doch gehabt hat! (Römer 8:22).
Ein tiefverwurzelter Brauch
Da Satan und die Engel, die sich ihm in der Rebellion gegen Gott anschlossen, noch nicht vernichtet worden sind, sollte es uns nicht überraschen, daß sie die Menschen dazu antreiben, ‘Lügen zu reden’ (1. Timotheus 4:1-3). Deswegen ist das Lügen in der menschlichen Gesellschaft tief verwurzelt. „Das Lügen ist ein dermaßen fester Bestandteil geworden, daß die Gesellschaft heute größtenteils abgestumpft ist“, schrieb die Los Angeles Times. Heutzutage sehen viele eine enge Verbindung zwischen Politik und Politikern und dem Lügen. Wußten wir aber, daß religiöse Führer zu den notorischsten Lügnern zählen?
Während Jesu Dienst auf der Erde verbreiteten seine religiösen Gegner Lügen über ihn (Johannes 8:48, 54, 55). Er verurteilte sie öffentlich, indem er sagte: „Ihr seid aus eurem Vater, dem Teufel, und nach den Begierden eures Vaters wünscht ihr zu tun. ... Wenn er die Lüge redet, so redet er gemäß seiner eigenen Neigung, denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge“ (Johannes 8:44).
Erinnern wir uns an die Lüge, die verbreitet wurde, als man feststellte, daß Jesu Grab nach seiner Auferstehung leer war? Die Bibel berichtet, daß die Oberpriester „den Soldaten eine genügende Anzahl Silberstücke [gaben] und sprachen: ‚Sagt: „Seine Jünger kamen bei Nacht und stahlen ihn, während wir schliefen.“‘“ Diese Lüge wurde in großem Umfang weitergegeben, und viele ließen sich täuschen. Wie niederträchtig die religiösen Führer doch waren! (Matthäus 28:11-15).
Religiöse Lügen heute
Kennen wir eine markante Lüge, die religiöse Führer heute erzählen? Sie ähnelt der Lüge, die Satan gegenüber Eva äußerte: „Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben“ (1. Mose 3:4). Aber Eva starb dennoch, und sie kehrte zum Erdboden zurück, zu dem Staub, aus dem sie gemacht worden war.
Schien es jedoch nur so, als sei sie gestorben, und lebte sie in Wirklichkeit in einer anderen Form weiter? Ist der Tod nur die Tür zu einem anderen Leben? Nichts in der Bibel deutet darauf hin, daß ein Teil Evas bei Bewußtsein blieb und weiterlebte. Sie als Seele starb. Eva hatte gesündigt, indem sie Gott ungehorsam geworden war, und in der Bibel heißt es: „Die Seele, die sündigt — sie selbst wird sterben“ (Hesekiel 18:4). Eva war wie ihr Mann als lebende Seele erschaffen worden, und bei ihrem Tod endete ihr Leben als lebende Seele (1. Mose 2:7). Die Bibel sagt folgendes über den Zustand der Toten: „Was ... die Toten betrifft, sie sind sich nicht des geringsten bewußt“ (Prediger 9:5). Doch was lehren die Kirchen im allgemeinen?
Viele Kirchen lehren, daß der Mensch eine unsterbliche Seele hat, die den Körper beim Tod verläßt, um danach in die Seligkeit einzugehen oder aber gequält zu werden. In der Catholic Encyclopedia (1913, Band 7, Seite 209) kann man zum Beispiel lesen: „Die Kirche lehrt die ewige Dauer der Höllenqualen als eine ausdrückliche Glaubenswahrheit, die niemand leugnen oder in Frage ziehen kann, ohne sich der offenkundigen Häresie schuldig zu machen.“
Wie sehr sich diese Lehre doch von der unmißverständlichen Aussage der Bibel unterscheidet! Wenn ein Mensch stirbt, so die biblische Lehre, „kehrt [er] zurück zu seinem Erdboden; an jenem Tag vergehen seine Gedanken tatsächlich“ (Psalm 146:4). Gemäß der Bibel können die Toten also keinerlei Schmerz spüren, weil sie überhaupt kein Bewußtsein haben. Daher werden wir in der Bibel aufgefordert: „Alles, was deine Hand zu tun findet, das tu mit all deiner Kraft, denn es gibt weder Wirken noch Planen, noch Erkenntnis, noch Weisheit in dem Scheol [dem allgemeinen Grab der Menschheit], dem Ort, wohin du gehst“ (Prediger 9:10).
Auf der Hut sein — eine Notwendigkeit
Geradeso, wie zu Lebzeiten Jesu viele Menschen von den Lügen der Priester in die Irre geführt wurden, besteht auch heute die Gefahr, durch die Irrlehren der geistlichen Führer getäuscht zu werden. Sie haben ‘die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauscht’, und sie fördern Irrlehren wie die Lehre von der Unsterblichkeit der Menschenseele und die Lehre, die besagt, daß die Seele ewig in einem Höllenfeuer gequält wird (Römer 1:25).
Außerdem stellen die heutigen Glaubensgemeinschaften gewöhnlich menschliche Überlieferungen und Philosophien mit der biblischen Wahrheit auf eine Stufe (Kolosser 2:8). In ihren Augen sind die göttlichen Gesetze über die Moral — dazu gehören auch die Gesetze über Ehrlichkeit und Geschlechtsmoral — nicht absolut verbindlich, sondern nur bedingt gültig. Welche Auswirkungen das hat, wurde in der Zeitschrift Time beschrieben: „Der ideale Nährboden für Lügen ist eine verunsicherte Gesellschaft, in der die Menschen die Regeln, die ihr gegenseitiges Verhalten bestimmen, nicht mehr verstehen oder nicht mehr damit einiggehen.“ (Vergleiche Jesaja 59:14, 15; Jeremia 9:5.)
Ein Umfeld, in dem Wahrheit wenig geachtet wird, macht es schwer, der Ermahnung Gottes, nicht zu lügen, nachzukommen. Was kann einem helfen, stets die Wahrheit zu sagen?
Für die Wahrheit eintreten
Der Wunsch, unseren Schöpfer zu verherrlichen, ist die beste Motivation, daran zu arbeiten, stets die Wahrheit zu reden. Bedeutsamerweise wird der Schöpfer in der Bibel als der „Gott der Wahrheit“ bezeichnet (Psalm 31:5). Wenn es also unser Wunsch ist, unserem Schöpfer, der „eine falsche Zunge“ haßt, zu gefallen, wird uns das motivieren, ihn nachzuahmen (Sprüche 6:17). Wie können wir das tun?
Durch ein gewissenhaftes Studium des Wortes Gottes erhalten wir die nötige Kraft, um ‘mit unserem Nächsten die Wahrheit zu reden’ (Epheser 4:25). Lediglich zu wissen, was Gott von uns verlangt, reicht jedoch nicht aus. Wenn wir wie so viele andere um uns herum nicht immer geneigt sind, die Wahrheit zu reden, müssen wir uns wirklich anstrengen, uns zu ändern. Möglicherweise müssen wir das Beispiel des Apostels Paulus nachahmen und hart gegen uns selbst sein. „Ich zerschlage meinen Leib und mache ihn zum Sklaven“, schrieb er (1. Korinther 9:27).
Das Gebet ist eine weitere Hilfe, die uns in unserem Ringen, stets die Wahrheit zu reden, zur Verfügung steht. Bitten wir Jehova inständig um seinen Beistand, so erhalten wir „die Kraft, die über das Normale hinausgeht“ (2. Korinther 4:7). Vielleicht müssen wir regelrecht mit uns kämpfen, um „die Lippe der Wahrheit“ zu bewahren und „die Zunge der Falschheit“ abzulegen (Sprüche 12:19). Aber mit Jehovas Hilfe können wir es schaffen (Philipper 4:13).
Denken wir immer daran, daß niemand anders als Satan, der Teufel, den Eindruck erwecken möchte, daß das Lügen etwas ganz Normales ist. Er täuschte Eva, die erste Frau, durch eine freche Lüge. Doch wir wissen genau, welche verheerenden Folgen Satans Verlogenheit gehabt hat. Durch eine selbstsüchtige Lüge und drei selbstsüchtige Personen — Adam, Eva und Satan — ist unsagbares Leid über die Menschheitsfamilie hereingebrochen.
Ja, die Wahrheit über das Lügen lautet: Es gleicht einem tödlichen Gift. Glücklicherweise können wir aber etwas dagegen unternehmen. Wir können aufhören zu lügen und uns für alle Zeiten der Gunst Jehovas erfreuen, des Gottes, der „überströmend [ist] an liebender Güte und Wahrheit“ (2. Mose 34:6).
[Herausgestellter Text auf Seite 19]
Das Lügen ist mit einem tödlichen Gift vergleichbar
[Bild auf Seite 17]
Eine zerbrochene Vase veranschaulicht treffend, welche Folgen das Lügen hat