Die ureigensten, elementaren Fragen des Menschen
Warum sind wir hier? Was wird aus uns? Hat unser Leben einen Sinn? Wie sind wir schließlich überhaupt ins Dasein gekommen?
AUF der Erde wimmelt es von Lebewesen. Ob in den dunkelsten Meerestiefen oder auf den höchsten Berggipfeln — überall ist Leben. Es gedeiht in eisigen Polargebieten und in tropischen Sumpfwäldern. Das Leben auf dem grünen Rasenteppich des Landes wetteifert mit dem Leben in den üppigen „Weidegründen des Meeres“. Lebewesen überstehen mehrere hundert Grad Hitze und trotzen einer Eiseskälte von −70 Grad. Leben gedeiht hoch oben in dünner Luft, Tausende von Metern über dem Meeresspiegel, doch auch im ungefähr 11 Kilometer tiefen Marianengraben, wo Plattfische einem Druck von etwa 11 Tonnen je Quadratzentimeter ausgesetzt sind.
Nicht weniger extrem sind die Unterschiede in der Größe, angefangen bei einer unsichtbaren Bakterie bis zum 30 Meter langen Blauwal von 90 Tonnen Gewicht. Allein seine Zunge ist so schwer wie ein Elefant. Aber was den Bakterien an Gewicht fehlt, machen sie an Zahl wieder wett. Ein Teelöffel Komposterde kann bis zu fünf Milliarden Bakterien enthalten. Ihr Milliardenheer ist es auch, das in den Verdauungsorganen von Termiten und Rindern den Abbau der Zellulose in Holz und Gras ermöglicht.
Jeder von uns beherbergt schätzungsweise mehr Mikroorganismen im Körper und auf der Haut, als Menschen auf der Erde wohnen. „Die Gesamtmasse aller Mikroorganismen auf der Erde“, so ein Wissenschaftler, „beträgt laut einer neueren Schätzung das Zwanzigfache der Masse aller auf der Erde lebenden Tiere.“ Unser Planet ist mit unzähligen Lebewesen geradezu übersät.
Doch weder eine Bakterie noch ein Wal, noch irgendein anderes der Billiarden tierischen Lebewesen würde sich mit elementaren Fragen beschäftigen wie: Warum bin ich hier? Was wird aus mir? Hat mein Leben einen Sinn? Wie bin ich entstanden?
Den Menschen hingegen lassen solche Fragen nicht los, und das seit vielen Jahrhunderten. Was ist die Ursache? Der Mensch ist anders. Er hat andere Bedürfnisse. Mensch und Tier trennt eine unüberbrückbare Kluft. Ein Beweis dafür ist, daß nur der Mensch solche Fragen stellt. In dem Buch The Limits of Science (Die Grenzen der Wissenschaft) schreibt Peter Medawar, daß die Grenzen der Wissenschaft „an deren Unfähigkeit deutlich werden, elementare Fragen, wie Kinder sie stellen, zu beantworten, bei denen es um die ersten und die letzten Dinge geht — Fragen wie: ‚Wie hat alles angefangen?‘ ‚Zu welchem Zweck sind wir alle hier?‘ ‚Was ist der eigentliche Sinn des Lebens?‘“
Elementare Fragen wie diese kehren ständig wieder, lassen sich nicht unterdrücken, schreien nach Antworten. Der Mensch verspürt im Innern einen ureigenen Hunger, einen Hunger nach Antworten. Wissenschaftler versuchen, die Antworten zu geben. Haben sie den Schlüssel für die Tür, hinter der die Antwort auf die erste elementare Frage Medawars zu finden ist: „Wie hat alles angefangen?“?