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  • Eine Begegnung mit dem kleinsten Hirsch der Welt
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Erwachet! 1987
g87 8. 5. S. 26-27

Eine Begegnung mit dem kleinsten Hirsch der Welt

MAN schrieb das Jahr 1935. Ein chilenischer Bauer bestellte in der malerischen Berggegend um Curicó sein Land. Plötzlich hörte er, daß Hunde hinter einem, wie er vermutete, Kaninchen herjagten. Man stelle sich seine Überraschung vor, als ein ziegenähnliches Tier von der Größe eines Beagles aus dem Wald herauslief und zwischen seinen Beinen Schutz suchte. Als der Bauer auf das zitternde Geschöpf hinuntersah, bemerkte er, daß es ein Pudu war — der kleinste Hirsch der Welt.

Den unscheinbaren Zwerghirsch bekommt man selten zu Gesicht, da er in unzugänglichen Hochgebirgsregionen Südamerikas heimisch ist. Er wagt sich nur heraus, um wilde Früchte, Blätter und andere Pflanzenkost zu äsen, bringt sich aber geschwind in Sicherheit, wenn sein scharfes Gehör oder seine gute Witterung Gefahr meldet. Der Pudu liebt dichtbewaldete Gebiete, zumal schon drei Stunden direktes Sonnenlicht für ihn den Tod bedeuten können.

Über das scheue Geschöpf war so wenig bekannt, daß die Zoologen erst um die Jahrhundertwende erkannten, daß es weder ein Schaf noch eine Ziege ist. Man fand schließlich heraus, daß es ein Hirsch ist, denn das männliche Tier wirft sein 6 bis 9 Zentimeter kurzes Spießgeweihchen jährlich ab. Eigentlich gibt es zwei Puduarten. Die Art, die früher in Südchile und in Argentinien recht weit verbreitet war, ist rötlich gefärbt. Der nördliche Verwandte, der in den dichten Wäldern Kolumbiens, Perus und Ecuadors beheimatet ist, hat eine etwas dunklere Färbung. Pudus sind etwa 40 Zentimeter hoch, 70 bis 80 Zentimeter lang und bis zu 10 Kilogramm schwer. Sie haben eine auffällige Gestalt, weil ihre Vorderbeine etwas kürzer sind als die Hinterbeine.

Bedrohter Überlebenskünstler

So scheu der Pudu auch ist, er liebt anscheinend die Nähe des Menschen und wird recht zutraulich. Viele Pudus sind Schafen und Rindern von der Weide in den Stall gefolgt und ließen sich nur von den Hunden der Bauern wieder verjagen. Naturforscher, die das Zutrauen eines Pudus gewinnen, werden nicht selten dadurch belohnt, daß ihr neuer Freund ihnen Hände oder Wangen leckt. Ein Tierforscher freundete sich mit einem Muttertier an, das sogar auf seinen Schoß sprang, sein Gesicht leckte und ihn dann mit dem Kopf in Richtung Kinderstube schubste; offenbar wollte es ihm sein neugeborenes Junges zeigen.

Der Pudu hat natürliche Feinde — Fuchs, Puma, Wildkatze und Eule —, doch keiner verfolgt ihn so hemmungslos wie der Mensch. In der Vergangenheit bewohnte der Hirsch auch lichtere Gebiete und entkam seinen Verfolgern durch List und Schnelligkeit. Man weiß, daß der Pudu gelegentlich auf seiner eigenen Spur zurückkehrt oder daß er flußaufwärts schwimmt, um einen Fuchs oder einen Puma an der Nase herumzuführen. Heute, wo der Mensch die Wälder abholzt, schrumpft der Lebensraum des Pudus jedoch ständig. Daher hat er sich auf ein Leben in Gängen verlegt, die er sich im dichten Unterholz schafft. Da er Ordnung und Sauberkeit liebt, hat er in seinem Tunnelheim sein besonderes Eß- und Schlafzimmer sowie eine Toilette — Räume, die er sein Leben lang für denselben Zweck benutzt. Das Geheimnis seines Überlebens ist seine Vertrautheit mit dem Tunnelsystem. Er ist zwar ein flinker Läufer und ein guter Schwimmer, aber in freiem Gelände ist er seinen Feinden ausgeliefert. Ganz anders ist es dagegen in den Tunnelgängen, wo er, so ein Forscher, „wie eine Gewehrkugel davonschießt“ und seine Verfolger abhängt.

Der Pudu steht unter Naturschutz, doch gewissenlose Jäger haben Methoden gefunden, die friedlichen Tierchen zu fangen oder zu töten. Die Wilderer lockt das dichte Fell, das schmackhafte Fleisch und der Preis, den ausländische Zoos für ein gesundes Exemplar zu zahlen bereit sind. Sie haben kleine Hunde auf die Pudus abgerichtet, die sie aus ihren Gängen ins Freie treiben. Weil der Pudu schneller schwimmen kann als ein Hund, flüchtet er zum nächsten Fluß, wo aber Männer in Booten warten, um ihn aufzufischen. Die Tiere sind oft verletzt, und wie ein Forscher sagt, sterben 80 Prozent vor Schreck.

Wie man sieht, ist Scheu die schwache Stelle des Pudus. Wenn er sich erschreckt, scheinen ihm die Tränen in den Augen zu stehen, er zittert, seine Haare sträuben sich, und oft stirbt er an einem Herzanfall. Anscheinend aus diesem Grund leben die Tiere in Gefangenschaft nicht lange, wenn auch Pudus von Landbewohnern und von Universitäten in Gehegen gehalten wurden. Oft sterben sie ohne ersichtlichen Grund — als Folge von Streß und Gefangenschaft. Der Pudu liebt die Freiheit.

Man hat befürchtet, daß es dem Pudu bald so ergehen wird wie den 68 anderen Säugetierarten, die in unserem Jahrhundert ausgestorben sind. Neuere Studien eines Forschers der World Wildlife Foundation lassen indes vermuten, daß der Pudu letztendlich doch überleben wird. Wodurch? Er hat sich durch sein Tunnelsystem den veränderten Umständen angepaßt. Der Berglöwe oder Puma, der eindeutig vom Aussterben bedroht ist, tut das leider nicht. Hier bewahrheitet es sich einmal mehr, daß es unter belastenden oder sich verändernden Umständen vorteilhafter ist, sich anzupassen und freundlich zu bleiben, als böse und angriffslustig zu reagieren.

Hoffen wir, daß der Pudu in das friedliche neue System hinüberlebt, wo diese Tiere nicht mehr in Tunneln Schutz suchen müssen, sondern sich ohne Furcht der Freiheit erfreuen können. Wirst du dort sein, um dem kleinsten Hirsch der Welt zu begegnen?

[Bildnachweis auf Seite 26]

New York Zoological Society

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