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g99 8. 12. S. 18-21

Von einem Leben als Krimineller zu einem Leben voller Hoffnung

VON COSTA KOULLAPIS ERZÄHLT

WÄHREND ICH AUF DIE SCHMUTZIGEN WÄNDE MEINER GEFÄNGNISZELLE STARRTE, BESCHLOSS ICH, MIR AUF IRGENDEINE WEISE VIEL GELD ZU VERSCHAFFEN, UM AUS DEM TEUFELSKREIS EINES KRIMINELLEN LEBENS AUSZUBRECHEN UND NEU ZU BEGINNEN.

WIE ich so dasaß, fühlte ich mich elend und verlassen und dachte daran, daß im Verlauf des vergangenen Jahres elf meiner Freunde gestorben waren. Einer wurde wegen Mordes gehängt, ein anderer nahm sich das Leben, während er auf die Verhandlung wegen Mordes wartete. Drei starben an einer Überdosis Drogen, zwei weitere wurden bei Straßenkämpfen zu Tode geprügelt, und vier kamen bei Autounfällen ums Leben. Außerdem saßen etliche meiner Freunde wegen schwerer Delikte in verschiedenen Gefängnissen ein.

In meiner düsteren Gefängniszelle betete ich voller Verzweiflung zu Gott — wer immer er auch war —, mir einen Ausweg aus dem Labyrinth der Kriminalität zu zeigen. Es verging geraume Zeit, bis mein Gebet erhört wurde. In der Zwischenzeit gelang es mir, mich der schwerwiegenden Anklage, die auf Überfall mit schwerer Körperverletzung lautete, zu entziehen. Auf Grund eines Abkommens, das Vertreter der Anklage und der Verteidigung ausgehandelt hatten, wurde die Anklage geändert, und ich kam mit einem geringeren Strafmaß davon. Aber zunächst will ich berichten, wie ich in diese mißliche Lage geraten war.

Ich wurde 1944 in Pretoria (Südafrika) geboren und wuchs auch dort auf. Meine Kindheit war nicht glücklich. Unser Familienleben war wegen Vaters gewalttätiger Temperamentsausbrüche oft alles andere als schön. Verschlimmert wurde das Ganze noch durch seine häufigen Zechtouren. Außerdem war mein Vater dem Glücksspiel versklavt. Und wegen seiner Stimmungsschwankungen waren wir alle schweren verbalen und physischen Mißhandlungen ausgesetzt, besonders meine Mutter. Um den ständigen Streitereien aus dem Weg zu gehen, trieb ich mich auf der Straße herum.

Wie ich mich zum Kriminellen entwickelte

Das alles führte dazu, daß ich schon in sehr jungen Jahren recht durchtrieben war. Mit acht Jahren hatte ich zwei einschneidende Erlebnisse, die mich prägten. Als ich einmal mit Spielsachen, die ich aus einem Nachbarhaus gestohlen hatte, erwischt wurde, erhielt ich von meinem Vater eine gehörige Tracht Prügel. Seine zornige Drohung klingt mir immer noch in den Ohren: „Sollte ich dich je wieder mit gestohlenen Sachen erwischen, breche ich dir das Genick!“ Ich dachte aber nicht so sehr daran, das Stehlen zu lassen, sondern beschloß vielmehr, mich nie wieder erwischen zu lassen. „Das nächste Mal werde ich alles verstecken, damit man es nicht findet“, dachte ich bei mir.

Das andere Erlebnis war nicht krimineller Natur. In der Religionsstunde erklärte uns unsere Lehrerin, Gott habe einen persönlichen Namen. „Der Name Gottes ist Jehova“, sagte sie zu unserer Überraschung, „und er wird jedes eurer Gebete erhören, wenn ihr es im Namen seines Sohnes, Jesus Christus, an ihn richtet.“ Das machte zwar auf meinen jungen Sinn einen enormen Eindruck, hielt mich aber nicht davon zurück, in ein Leben als Straftäter abzugleiten. Als ich in die High-School kam, war ich bereits Spezialist für Laden- und Einbruchdiebstahl. Meine Mitschüler übten keinen positiven Einfluß aus, denn viele waren schon wegen verschiedener Vergehen längere Zeit in Erziehungsheimen gewesen.

Im Lauf der Jahre wurde ich zum Gewohnheitsverbrecher. Noch bevor ich zwanzig war, hatte ich mich an zahllosen Raubüberfällen, Einbrüchen, Autodiebstählen sowie an gewalttätigen Übergriffen beteiligt. Da ich mich ständig in der Nähe von Billardräumen und Bars herumtrieb und Botengänge für Zuhälter, Prostituierte und Verbrecher erledigte, machte ich nicht einmal das erste Jahr an einer Fachschule zu Ende.

Ständig hing ich mit Schwerverbrechern herum, die nicht davor zurückschreckten, jeden, der sie verraten würde, zum Krüppel zu schlagen. Ich lernte es, den Mund zu halten und weder mit meinen Heldentaten zu prahlen noch mit Geld um mich zu werfen. Das hätte nur auf früher verübte Straftaten hingewiesen, was unangenehme Fragen der Polizei zur Folge gehabt hätte. Schlimmer noch! Andere Verbrecher wären möglicherweise unerwartet aufgetaucht, um sich einen Teil der Beute zu sichern.

Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen wurde ich zeitweise von der Polizei überwacht, weil sie mich verdächtigte, in illegale Aktivitäten verwickelt zu sein. Aber ich nahm mich in acht, so daß man nichts bei mir fand, was mich mit kriminellen Handlungen in Verbindung gebracht oder belastet hätte. Einmal führte die Polizei um 3 Uhr morgens bei uns zu Hause eine Razzia durch. Zweimal durchsuchten sie das ganze Haus nach Elektrogeräten, denn in das Lager eines Großhändlers am Ort war eingebrochen worden. Sie fanden nichts. Ich mußte zwar mit zur Polizeiwache, wo mir Fingerabdrücke abgenommen wurden, aber angeklagt wurde ich nicht.

In der Drogenszene

Von meinem zwölften Lebensjahr an nahm ich regelmäßig bewußtseinsverändernde Drogen. Das setzte meiner Gesundheit sehr zu, und mehr als einmal hätte ich mir beinahe eine Überdosis verabreicht. Später lernte ich einen Arzt kennen, der enge Beziehungen zur Unterwelt pflegte. Das führte dazu, daß ich zum Drogendealer wurde. Schnell erkannte ich, daß es für mich ungefährlicher war, ein paar Verteiler zu beliefern und selbst im Hintergrund zu bleiben, wobei andere das Risiko trugen.

Leider starben einige, mit denen ich im Drogengeschäft war, an einer Überdosis; andere begingen unter Drogeneinfluß schwere Verbrechen. Ein „Freund“ brachte einen prominenten Arzt um, was im ganzen Land für Schlagzeilen sorgte. Er versuchte, mich zu belasten; doch erst als die Polizei auf meiner Türschwelle stand, erfuhr ich von dem Fall. Tatsächlich wurde ich häufig von der Polizei verhört, wenn Straftaten begangen worden waren.

Eines Tages tat ich jedoch etwas sehr Dummes. Nachdem ich eine Woche lang Drogen und Alkohol zugesprochen hatte, griff ich nach einem Mißverständnis in einem Wutanfall zwei Personen an und verletzte sie schwer. Am nächsten Morgen wurde ich von den Opfern als Täter identifiziert und verhaftet. Die Anklage lautete auf tätlichen Angriff mit vorsätzlicher schwerer Körperverletzung. So landete ich im Gefängnis.

Reich werden und dann neu anfangen

Nachdem ich aus dem Gefängnis entlassen worden war, hörte ich, daß ein Pharmaunternehmen einen Lagerverwalter suchte. Ich bewarb mich und überzeugte den Arbeitgeber davon, daß ich der richtige Mann für den Job sei. Dank einer Empfehlung eines Freundes, der bereits in dem Unternehmen beschäftigt war, bekam ich die Stelle. Jetzt, so dachte ich, bin ich dabei, reich zu werden, und dann werde ich irgendwo neu anfangen. Ich strengte mich an, mich in alle Bereiche gut einzuarbeiten, und zwar so schnell wie möglich. Jeden Abend machte ich Überstunden und prägte mir die Namen aller Medikamente ein. Meiner Meinung nach war ich auf dem Weg zu einem neuen Leben.

Ich hatte vor, die Zeit für mich arbeiten zu lassen und das Vertrauen meiner Arbeitgeber zu gewinnen. Zu einem passenden Zeitpunkt wollte ich dann einbrechen und große Mengen bestimmter Medikamente beiseite schaffen, von denen ich wußte, daß sie auf dem Schwarzmarkt einen hohen Preis erzielen würden. Der Erlös der verkauften Ware würde mich dann über Nacht zu einem relativ reichen Mann machen. Meiner Meinung nach hatte ich mir ein lückenloses Alibi gebastelt, durch das mir meine Freiheit und ein Neuanfang garantiert waren.

Die Zeit war gekommen, meinen Plan zu verwirklichen. Eines Nachts betrat ich vorsichtig das Lagerhaus. Ich betrachtete die Regale, vollgepackt mit Medikamenten, die Hunderttausende von Dollar wert waren. Das schien meine Chance, ein neues Leben zu beginnen, frei von Kriminalität und Gewalt. Doch zum allerersten Mal in meinem Leben regte sich mein Gewissen. Worauf waren diese plötzlichen Gewissensbisse zurückzuführen, wo ich doch fast vergessen hatte, daß ich überhaupt ein Gewissen besaß? Wie es zu dieser Entwicklung kam, erzähle ich gern.

Einige Wochen zuvor hatte ich mich mit dem Geschäftsführer über den Sinn des Lebens unterhalten. Auf eine seiner Bemerkungen sagte ich, man könne ja beten, wenn man nicht mehr weiterwisse. „Zu wem?“ fragte er. „Zu Gott“, erwiderte ich. „Es gibt viele Götter, zu denen Menschen beten“, wandte er ein, „zu welchem würden Sie denn beten?“ „Zu Gott, dem Allmächtigen“, erwiderte ich. „So“, fuhr er fort, „und wie lautet sein Name?“ „Was meinen Sie?“ fragte ich. „Nun, so wie Sie und ich und alle anderen einen Namen haben, hat auch der allmächtige Gott einen Namen“, entgegnete er. Das klang logisch, aber ich wurde ärgerlich. Etwas irritiert fragte ich: „Also, wie lautet der Name Gottes?“ „Jehova ist der Name des allmächtigen Gottes“, antwortete er.

Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen, und ich erinnerte mich deutlich an das, was ich damals als Achtjähriger in der Schule gelernt hatte. Zu meiner eigenen Überraschung hatte das Gespräch mit dem Geschäftsführer eine verblüffende Wirkung auf mich. Wir setzten uns hin und unterhielten uns einige Stunden recht tiefgehend. Tags darauf gab er mir das Buch Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt.a Ich las das Buch noch am selben Tag durch und war sofort davon überzeugt, die Wahrheit und den wirklichen Sinn des Lebens gefunden zu haben. In den beiden folgenden Wochen waren wir fast nur damit beschäftigt, Themen aus dem erstaunlichen blauen Buch zu besprechen.

Hier saß ich nun in der Dunkelheit und in der Stille des Lagerhauses, und mein Gewissen sagte mir, daß mein Plan, die Medikamente zu stehlen und zu verkaufen, völlig absurd war. Ich ging leise hinaus und machte mich auf den Heimweg, entschlossen, nie wieder zu stehlen.

Eine vollständige Wandlung

In den Tagen danach teilte ich meinen Familienangehörigen mit, daß ich beschlossen hatte, ein neues Leben zu beginnen. Und ich erzählte ihnen von den biblischen Wahrheiten, die ich kennengelernt hatte. Mein Vater wollte mich aus dem Haus werfen. Aber mein Bruder John verteidigte mich und sagte zu meinem Vater: „Das ist das erste Mal, daß Costa sich für etwas interessiert, was nichts mit Verbrechen zu tun hat, und du willst ihn hinauswerfen? Ich werde mich einmal näher mit der Sache befassen.“ Wie überrascht und froh war ich, als John mich bat, die Bibel mit ihm zu studieren. Jeder, der von dieser Zeit an zu mir kam und Drogen verlangte, erhielt statt dessen ein Wahrheits-Buch. Schon bald leitete ich elf Bibelstudien mit Hilfe dieses Buches.

Dann erfuhr ich, daß der Leiter des Unternehmens selbst kein Zeuge Jehovas war. Seine Frau hingegen war schon etwa achtzehn Jahre eine Zeugin, aber wie er sagte, habe er nie die Zeit gehabt, hinsichtlich der Wahrheit etwas zu unternehmen. Also sorgte er dafür, daß ein erfahrener Zeuge regelmäßig mit mir die Bibel studierte. Durch das Bibelstudium wurde mir schnell bewußt, daß verschiedene Probleme in meinem Leben angepackt werden mußten, und es dauerte nicht lange, bis ich durch die Wahrheit des Wortes Gottes allmählich von weltlichen Gewohnheiten frei wurde (Johannes 8:32).

Plötzlich fühlte ich mich durch das, was in den wenigen Wochen alles geschehen war, etwas überfordert. Entscheidende Änderungen standen mir bevor, und ich erkannte, daß ein enormer Kampf zwischen Fleisch und Geist ausgetragen werden mußte, wenn ich die Richtung, die mir das Bibelstudium wies, einschlagen wollte. Andererseits war mir klar, daß ich möglicherweise mit dem Tod oder mit langen Gefängnisaufenthalten rechnen müßte, wenn ich so weitermachen würde wie bisher. Nachdem ich gründlich nachgedacht und inbrünstig gebetet hatte, entschied ich mich für den Weg der Wahrheit. Sechs Monate später, am 4. April 1971, symbolisierte ich meine Hingabe an Jehova Gott durch die Wassertaufe.

Segnungen nach dem Neuanfang

Rückblickend überkommt mich manchmal ein Glücksgefühl, wenn ich an all die Segnungen denke, die mir zuteil geworden sind, seitdem ich das Leben als Krimineller hinter mir gelassen habe. Fünf von den elf Personen, mit denen ich in den ersten stürmischen Wochen ein Bibelstudium begann, befinden sich nach wie vor auf dem Weg der Wahrheit. Meine Mutter stimmte ebenfalls einem Bibelstudium zu und wurde eine getaufte Zeugin. Sie diente Gott treu bis an ihr Lebensende im Jahr 1991. Auch meine beiden Brüder gaben sich Jehova hin und dienen heute als Älteste. Darüber hinaus durfte ich meiner Tante helfen, die Wahrheit kennenzulernen; sie ist seit fünfzehn Jahren im Vollzeitdienst tätig.

Der Geschäftsführer des Pharmaunternehmens, für das ich gearbeitet hatte, fühlte sich durch die Veränderungen in meinem Leben so ermutigt, daß er sich ebenfalls ernsthafter mit der biblischen Wahrheit befaßte. Ein Jahr nach meiner Taufe ließ er sich als Symbol seiner Hingabe an Gott im Wasser taufen. Später diente er viele Jahre als Ältester in einer Versammlung der Zeugen Jehovas in Pretoria.

Ich bin inzwischen mit einer Jehova treu ergebenen Glaubensschwester verheiratet. 1978 zogen Leonie und ich nach Australien. Dort wurden unsere beiden Söhne, Elijah und Paul, geboren. Die Ermunterungen meiner Familienangehörigen haben mir viel Kraft gegeben. Derzeit habe ich das Vorrecht, als Ältester in Canberra, der Hauptstadt Australiens, zu dienen. Jeden Tag bedanke ich mich bei Jehova, daß er mich von einem leeren Leben als Krimineller befreit hat, das nur ins Elend und in den Tod geführt hätte. Und was noch viel wertvoller ist: Jehova hat meinem Leben einen Sinn gegeben und mir und meinen Angehörigen eine echte Hoffnung geschenkt.

[Fußnote]

a Herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft.

[Bild auf Seite 18]

Im Alter von 12 Jahren

[Bild auf Seite 18]

Meine Frau, unsere beiden Söhne und ich heute

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