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Die für die Christenheit bestimmten Plagen JehovasDie Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
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Kapitel 21
Die für die Christenheit bestimmten Plagen Jehovas
5. Vision — Offenbarung 8:1—9:21
Thema: Sechs der sieben Trompetenstöße
Zeit der Erfüllung: Von der Zeit der Inthronisierung Jesu im Jahre 1914 an bis zur großen Drangsal
1. Was geschieht, als das Lamm das siebte Siegel öffnet?
„DIE vier Winde“ werden so lange zurückgehalten, bis die 144 000 Glieder des geistigen Israel versiegelt worden sind und die große Volksmenge anerkannt ist, so daß sie überleben kann (Offenbarung 7:1-4, 9). Bevor jedoch dieser heftige Sturm über die Erde fegt, muß das ungünstige Urteil, das Jehova über die Welt Satans gefällt hat, bekanntgemacht werden. Während das Lamm darangeht, das siebte und letzte Siegel zu öffnen, ist Johannes bestimmt gespannt darauf, was er nun zu sehen bekommt. Er erzählt uns, was es ist: „Und als er [das Lamm] das siebte Siegel öffnete, entstand ein Schweigen im Himmel, etwa eine halbe Stunde lang. Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen, und es wurden ihnen sieben Trompeten gegeben“ (Offenbarung 8:1, 2).
Eine Zeit des inständigen Gebets
2. Was geschieht während der symbolischen halben Stunde des Schweigens im Himmel?
2 Dieses Schweigen ist von Bedeutung. Eine halbe Stunde kann einem sehr lang vorkommen, wenn man darauf wartet, daß etwas geschieht. Jetzt ist nicht einmal mehr der himmlische Chor zu hören, der ständig Loblieder sang (Offenbarung 4:8). Warum? Das, was Johannes in der Vision sieht, läßt den Grund erkennen: „Und ein anderer Engel, der ein goldenes Räuchergefäß hatte, kam herzu und stellte sich an den Altar; und sehr viel Räucherwerk wurde ihm gegeben, damit er es mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar darbringe, der vor dem Thron war. Und der Rauch des Räucherwerks stieg aus der Hand des Engels mit den Gebeten der Heiligen vor Gott empor“ (Offenbarung 8:3, 4).
3. (a) Woran erinnert uns das Verbrennen von Räucherwerk? (b) Zu welchem Zweck entsteht im Himmel für eine halbe Stunde ein Schweigen?
3 Das erinnert uns daran, daß unter dem jüdischen System der Dinge in der Stiftshütte — und später im Tempel in Jerusalem — täglich Räucherwerk verbrannt wurde (2. Mose 30:1-8). Während das Räucherwerk verbrannte, warteten die nichtpriesterlichen Israeliten außerhalb des heiligen Bezirks, und sie beteten — zweifellos still in ihrem Herzen — zu demjenigen, zu dem der Rauch aufstieg (Lukas 1:10). Johannes sieht nun, daß im Himmel etwas Ähnliches geschieht. Das von dem Engel dargebrachte Räucherwerk wird mit „den Gebeten der Heiligen“ in Verbindung gebracht. Tatsächlich wird in einer früheren Vision gesagt, daß das Räucherwerk diese Gebete darstellt (Offenbarung 5:8; Psalm 141:1, 2). Das symbolische Schweigen im Himmel soll es also offensichtlich ermöglichen, daß die Gebete der Heiligen, die sich auf der Erde befinden, gehört werden.
4, 5. Welche historischen Entwicklungen helfen uns, festzustellen, welcher Zeit die symbolische halbe Stunde des Schweigens entspricht?
4 Läßt sich feststellen, wann dies geschah? Ja, und zwar wenn wir den Kontext zusammen mit der historischen Entwicklung am Anfang des Tages des Herrn untersuchen (Offenbarung 1:10). In den Jahren 1918 und 1919 stimmten die Ereignisse auf der Erde in erstaunlicher Weise mit dem überein, was in Offenbarung 8:1-4 beschrieben wird. Vor 1914 hatten die Bibelforscher — so wurden Jehovas Zeugen damals genannt — 40 Jahre lang mutig verkündigt, daß in jenem Jahr die Zeiten der Heiden enden würden. Die schrecklichen Ereignisse des Jahres 1914 bewiesen, daß sie recht hatten (Lukas 21:24, Einheitsübersetzung; Matthäus 24:3, 7, 8). Viele der Bibelforscher glaubten aber auch, daß sie 1914 von der Erde weggenommen und ihr himmlisches Erbe antreten würden. Das geschah jedoch nicht. Statt dessen mußten sie im Ersten Weltkrieg eine Zeit heftiger Verfolgung durchmachen. Am 31. Oktober 1916 starb der erste Präsident der Watch Tower Society, Charles T. Russell. Am 4. Juli 1918 wurden der neue Präsident, Joseph F. Rutherford, und sieben weitere Vertreter der Gesellschaft in die Strafanstalt von Atlanta (Georgia, USA) gebracht, weil sie ungerechterweise zu vielen Jahren Gefängnis verurteilt worden waren.
5 Die aufrichtigen Christen der Johannes-Klasse waren verwirrt. Was verlangte Gott von ihnen als nächstes? Wann würden sie in den Himmel genommen werden? Im Wacht-Turm (engl.) vom 1. Mai 1919 erschien ein Artikel mit dem Titel „Die Ernte ist beendet — was wird folgen?“ Dieser Artikel spiegelte Ungewißheit wider, und die Treuen wurden darin ermuntert, weiterhin auszuharren. Dann hieß es: „Wir glauben, daß nun mit Gewißheit gesagt werden kann, daß die Ernte der Königreichsklasse abgeschlossen ist, daß alle Glieder ordnungsgemäß versiegelt sind und daß die Tür geschlossen ist.“ In dieser schwierigen Zeitperiode stiegen die Gebete der Johannes-Klasse gleichsam wie im Rauch von sehr viel Räucherwerk auf. Und ihre Gebete wurden erhört.
Feuer wird zur Erde geschleudert
6. Was geschieht nach dem Schweigen im Himmel, und zwar als Antwort worauf?
6 Johannes berichtet: „Doch sogleich nahm der Engel das Räuchergefäß, und er füllte es mit etwas vom Feuer des Altars und schleuderte es zur Erde. Und es entstanden Donner und Stimmen und Blitze und ein Erdbeben“ (Offenbarung 8:5). Nach dem Schweigen kommt es plötzlich zu lebhafter Tätigkeit. Offenbar ist dies die Antwort auf die Gebete der Heiligen, denn die Tätigkeit wird durch das Feuer ausgelöst, das vom Räucheraltar genommen wurde. Im Jahre 1513 v. u. Z. zeigten am Berg Sinai ein Donnern und Blitzen, ein lautes Getöse, Feuer und die Erschütterung des Berges an, daß Jehova dem Volk seine Aufmerksamkeit zugewandt hatte (2. Mose 19:16-20). Die Kundgebungen, von denen Johannes berichtet, sind ähnlich und deuten ebenfalls darauf hin, daß Jehova seinen irdischen Dienern Aufmerksamkeit schenkt. Doch was Johannes beobachtet, ist in Zeichen dargelegt worden (Offenbarung 1:1). Was symbolisieren also das Feuer, das Donnern, die Stimmen, die Blitze und das Erdbeben?
7. (a) Welches Feuer zündete Jesus während seines Dienstes auf der Erde an? (b) Wie brachten Jesu geistige Brüder in der Christenheit ein Feuer zum Brennen?
7 Jesus sagte bei einer Gelegenheit zu seinen Jüngern: „Ich bin gekommen, um ein Feuer auf der Erde anzufachen“ (Lukas 12:49). Ja, er zündete tatsächlich ein Feuer an. Durch seine eifrige Predigttätigkeit machte er unter dem jüdischen Volk Gottes Königreich zur wichtigsten Streitfrage, und dadurch gab es in der ganzen Nation eine heftige Kontroverse (Matthäus 4:17, 25; 10:5-7, 17, 18). Im Jahre 1919 brachten Jesu geistige Brüder, die kleine Gruppe gesalbter Christen, die sich noch auf der Erde befanden und die prüfungsreichen Tage des Ersten Weltkriegs überlebt hatten, innerhalb der Christenheit ein ähnliches Feuer zum Brennen. Im September jenes Jahres wirkte Jehovas Geist auf bemerkenswerte Weise, als sich seine treuen Zeugen von nah und fern in Cedar Point (Ohio, USA) versammelten. Joseph F. Rutherford, der kurz zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war und der bald erleben sollte, daß alle Anklagen gegen ihn zurückgezogen werden, richtete sich mit mutigen Worten an seine Zuhörer und sagte: „Dem Befehle unseres Meisters gehorsam und unser Vorrecht und unsere Pflicht erkennend, gegen die Bollwerke des Irrtums zu kämpfen, welche so lange das Volk in Knechtschaft gehalten haben, war es und ist es unser Beruf, das Kommen des herrlichen Königreiches des Messias zu verkünden.“ Ja, in der wichtigsten Streitfrage geht es um das Königreich Gottes.
8, 9. (a) Wie beschrieb J. F. Rutherford die Einstellung und den Wunsch des Volkes Gottes in den schweren Kriegsjahren? (b) Inwiefern wurde Feuer zur Erde geschleudert? (c) Wie entstanden Donner, Stimmen, Blitze und ein Erdbeben?
8 Bezug nehmend auf die schrecklichen Erlebnisse, die Gottes Volk kurz zuvor hatte, sagte der Redner: „So unbarmherzig war der Ansturm des Feindes, daß viele von des Herrn lieber Herde betäubt waren und in Verwunderung still standen, wartend und betend, daß der Herr seinen Willen zeigen möge ... Doch trotz der momentanen Entmutigung hatten die treuen Nachfolger des Herrn den brennenden Wunsch, die Königreichsbotschaft zu verkündigen.“ (Siehe Wacht-Turm, Januar 1920, S. 8; Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 89.)
9 Im Jahre 1919 wurde dieser Wunsch erfüllt. Die kleine, doch aktive Gruppe von Christen wurde bildlich gesprochen angezündet, damit sie mit einem weltweiten Predigtfeldzug begann. (Vergleiche 1. Thessalonicher 5:19.) Es wurde insofern Feuer zur Erde geschleudert, als Gottes Königreich zu einer brennenden Streitfrage gemacht wurde, und so ist es auch heute noch. Laute Stimmen brachen das Schweigen, indem die Königreichsbotschaft klar und deutlich verkündigt wurde. Donnernde Sturmwarnungen aus der Bibel ertönten. Wie Blitze gingen von Jehovas prophetischem Wort helle Lichtstrahlen der Wahrheit aus, und der religiöse Bereich wurde wie durch ein großes Erdbeben bis auf seine Grundfesten erschüttert. Die Johannes-Klasse sah, daß es Arbeit zu tun gab. Und dieses Werk hat sich bis heute auf der ganzen bewohnten Erde auf wunderbare Weise immer weiter ausgedehnt (Römer 10:18).
Zum Blasen der Trompeten bereit
10. Die sieben Engel machen sich bereit, was zu tun, und warum?
10 Johannes fährt mit den Worten fort: „Und die sieben Engel mit den sieben Trompeten machten sich zum Blasen bereit“ (Offenbarung 8:6). Was bedeutet das Blasen dieser Trompeten? In alter Zeit wurden in Israel wichtige Tage oder bedeutende Ereignisse durch Trompetenstöße signalisiert (3. Mose 23:24; 2. Könige 11:14). Die Trompetenstöße, die Johannes bald hören wird, werden in ähnlicher Weise die Aufmerksamkeit auf wichtige Angelegenheiten lenken, auf Angelegenheiten, bei denen es um Leben und Tod geht.
11. In welchem Vorbereitungswerk war die Johannes-Klasse von 1919 bis 1922 auf der Erde eifrig tätig?
11 Als die Engel sich bereit machten, die Trompeten zu blasen, leiteten sie zweifellos auch ein Vorbereitungswerk auf der Erde. Von 1919 bis 1922 war die wiederbelebte Johannes-Klasse eifrig damit beschäftigt, den öffentlichen Predigtdienst zu organisieren und Einrichtungen zum Veröffentlichen von Literatur zu schaffen. Im Jahre 1919 wurde die Zeitschrift Das Goldene Zeitalter, heute als Erwachet! bekannt, als „eine Zeitschrift, gegründet auf Tatsache, Hoffnung und Überzeugung“, in englisch (deutsch: 1922) herausgegeben — ein trompetenähnliches Instrument, das eine wichtige Rolle in der Bloßstellung der Einmischung der falschen Religion in die Politik spielen würde.
12. Was wird durch jeden Trompetenstoß angekündigt, und an welche Ereignisse in den Tagen Mose werden wir erinnert?
12 Wie wir nun sehen werden, kündigt jeder Trompetenstoß eine dramatische Szene an, in der Teile der Erde von schrecklichen Plagen heimgesucht werden. Einige dieser Plagen erinnern uns an die Plagen, durch die Jehova die Ägypter in den Tagen Mose bestraft hatte (2. Mose 7:19 bis 12:32). Sie waren ein Ausdruck des Gerichts Jehovas, das er an dieser Nation vollzog und durch das er für sein Volk den Weg öffnete, von der Sklaverei freizukommen. Die Plagen, die Johannes sieht, bewirken etwas Ähnliches. Sie sind jedoch keine buchstäblichen Plagen, sondern Zeichen, die Jehovas gerechte Urteilssprüche symbolisieren (Offenbarung 1:1).
Was ist mit dem „Drittel“ gemeint?
13. Was geschieht, wenn die ersten vier Trompetenstöße erschallen, und welche Frage wird dadurch aufgeworfen?
13 Wie wir sehen werden, kommen bei den ersten vier Trompetenstößen Plagen über „ein Drittel“ der Erde, des Meeres, der Flüsse, der Wasser- und der Lichtquellen der Erde (Offenbarung 8:7-12). Ein Drittel bildet einen großen Teil von etwas, ist aber nicht alles. (Vergleiche Jesaja 19:24; Hesekiel 5:2; Sacharja 13:8, 9.) Welches „Drittel“ hat diese Plagen am meisten verdient? Die Mehrheit der Menschen ist von Satan und seinem Samen geblendet und zum Schlechten verleitet worden (1. Mose 3:15; 2. Korinther 4:4). Die heutige Situation wird von David treffend beschrieben: „Sie sind alle abgewichen, sie sind alle gleich verderbt; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“ (Psalm 14:3). Ja, die ganze Menschheit steht in Gefahr, daß über sie ein ungünstiges Urteil gefällt wird. Doch einen bestimmten Teil trifft besondere Schuld. Ein Teil — „ein Drittel“ — hätte es besser wissen müssen. Was ist mit diesem „Drittel“ gemeint?
14. Was ist mit dem symbolischen Drittel gemeint, das von Jehova Botschaften erhält, die es plagen?
14 Damit ist die Christenheit gemeint. In den 1920er Jahren umfaßte sie etwa ein Drittel der Menschheit. Ihr Glaube ist das Ergebnis des großen Abfalls vom wahren Christentum, des Abfalls, den Jesus und seine Jünger vorhergesagt hatten (Matthäus 13:24-30; Apostelgeschichte 20:29, 30; 2. Thessalonicher 2:3; 2. Petrus 2:1-3). Die Geistlichkeit der Christenheit behauptet, sich in Gottes Tempel zu befinden, und hat sich als Lehrer des Christentums ausgegeben. Doch ihre Lehren sind weit von der biblischen Wahrheit entfernt, und sie bringt den Namen Gottes ständig in Verruf. Die Christenheit wird passenderweise durch das symbolische Drittel dargestellt, und deshalb läßt Jehova ihr machtvolle Botschaften überbringen, die sie plagen. Dieses Drittel der Menschheit verdient auf keinen Fall Gottes Gunst.
15. (a) Ist jeder der Trompetenstöße auf ein bestimmtes Jahr beschränkt? Erkläre es. (b) Wer hilft nun der Johannes-Klasse bei der Bekanntmachung der Urteilssprüche Jehovas?
15 In Übereinstimmung damit, daß mehrere Trompetenstöße aufeinanderfolgten, wurden von 1922 bis 1928 auf sieben Kongressen besondere Resolutionen angenommen. Doch das Blasen der Trompeten war nicht auf jene Jahre beschränkt. Die schlechte Handlungsweise der Christenheit wurde im Laufe des Tages des Herrn immer und immer wieder bloßgestellt. Jehovas Urteilssprüche müssen trotz internationalen Hasses und trotz Verfolgung überall, unter allen Nationen, verkündigt werden. Erst dann kommt das Ende des Systems Satans (Markus 13:10, 13). Glücklicherweise hilft nun die große Volksmenge der Johannes-Klasse bei der weltweiten Bekanntmachung der donnernden Urteilssprüche.
Ein Drittel der Erde verbrannt
16. Was folgt, nachdem der erste Engel seine Trompete geblasen hat?
16 In seinem Bericht über die Engel schreibt Johannes: „Und der erste blies seine Trompete. Und es entstand ein Hagel und Feuer, mit Blut vermischt, und es wurde zur Erde geschleudert; und ein Drittel der Erde wurde verbrannt, und ein Drittel der Bäume wurde verbrannt, und die ganze grüne Pflanzenwelt wurde verbrannt“ (Offenbarung 8:7). Das erinnert uns an die siebte Plage, die über Ägypten kam; doch was bedeuten diese Worte für uns heute? (2. Mose 9:24).
17. (a) Was wird durch die in Offenbarung 8:7 erwähnte „Erde“ dargestellt? (b) Wie wird das Drittel der Erde, das die Christenheit symbolisiert, verbrannt?
17 In der Bibel bezieht sich das Wort „Erde“ oft auf die Menschheit (1. Mose 11:1; Psalm 96:1). Da die zweite Plage auf das Meer, das ebenfalls mit der Menschheit im Zusammenhang steht, ausgegossen wird, muß sich die „Erde“ auf die scheinbar stabile menschliche Gesellschaft beziehen, die Satan aufgebaut hat und die bald vernichtet wird (2. Petrus 3:7; Offenbarung 21:1). Die Beschreibung über die Plagen offenbart, daß ein Drittel der Erde — die Christenheit — von der Hitze des Mißfallens Jehovas versengt wird. Ihre Führer, die in ihrer Mitte wie Bäume stehen, werden durch die Verkündigung des ungünstigen Urteils Jehovas verbrannt. Und wenn ihre Hunderte von Millionen Mitglieder die Organisationen der Christenheit weiterhin unterstützen, werden sie wie versengte Grashalme werden — geistig verwelkt in Gottes Augen. (Vergleiche Psalm 37:1, 2.)a
18. Wie wurde Jehovas Gerichtsbotschaft auf dem Kongreß, der 1922 in Cedar Point stattfand, verkündigt?
18 Wie wird die Gerichtsbotschaft übermittelt? Gewöhnlich nicht durch die Nachrichtenmedien, die ein Teil der Welt sind und durch die Gottes „Sklave“ oft herabgesetzt wurde (Matthäus 24:45). Die Gerichtsbotschaft wurde auf bemerkenswerte Weise auf dem zweiten geschichtlich bedeutsamen Kongreß des Volkes Gottes verkündigt, der am 10. September 1922 in Cedar Point (Ohio, USA) abgehalten wurde. Die Versammelten nahmen einstimmig und begeistert eine Resolution an, die betitelt war „Ein Aufruf an die Führer der Welt!“ Mit unmißverständlichen Worten wurde darin der heutigen symbolischen Erde folgendes zu verstehen gegeben: „Darum wenden wir uns hiermit an alle Nationen der Erde, an ihre Herrscher und ihre Führer, an alle Geistlichen sämtlicher Kirchen und Denominationen der Erde, an ihre Anhänger und Verbündeten, die finanziellen und politischen Machthaber, und fordern sie auf, nunmehr den öffentlichen Beweis zur Rechtfertigung ihrer Behauptung herbeizuschaffen, daß sie der Welt Frieden und Wohlfahrt bringen und den Völkern wahres Glück und Gedeihen sichern können. Vermögen sie es nicht, so fordern wir sie auf, dem Zeugnis Gehör zu geben, welches wir ihnen als des Herrn Zeugen heute vorlegen, und dann mögen sie erklären, ob unser Zeugnis wahr ist oder nicht.“
19. Welche Botschaft, das Königreich Gottes betreffend, überbrachte Gottes Volk der Christenheit?
19 Welches Zeugnis hatten diese Christen vorzulegen? Das folgende: „Wir glauben und verkündigen, daß das Königreich des Messias das einzige und vollkommene Universalheilmittel für alle Leiden und Wunden der Menschheit ist und Frieden auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen, und das Ersehnte aller Nationen bringen wird und daß diejenigen, die sich willigen Herzens unter seine gerechte, nun begonnene Herrschaft beugen werden, mit ewigdauerndem Frieden, Leben, Freiheit und endloser Glückseligkeit gesegnet werden sollen.“ In der heutigen Zeit der Korruption, in der von Menschen eingesetzte Regierungen — besonders die in der Christenheit — absolut nicht in der Lage sind, die Probleme in der Welt zu lösen, ertönt diese trompetenähnliche herausfordernde Botschaft noch lauter als im Jahre 1922. Es ist offensichtlich, daß Gottes Königreich unter dem siegreichen Christus die einzige Hoffnung für die Menschheit ist.
20. (a) Was hat die Versammlung der gesalbten Christen benutzt, um von 1922 an Gerichtsbotschaften wie durch Trompetenstöße bekanntzumachen? (b) Wie wirkte sich der erste Trompetenstoß auf die Christenheit aus?
20 Durch Resolutionen, durch Traktate, Broschüren, Bücher, Zeitschriften und durch Vorträge wurden die soeben erwähnte Erklärung und später noch weitere von der Versammlung gesalbter Christen wie durch Trompetenstöße bekanntgemacht. Das Blasen der ersten Trompete wirkte auf die Christenheit wie das Niederprasseln von Hagel oder hartgefrorenem Wasser. Die Blutschuld, die die Christenheit sich durch ihre Beteiligung an den Kriegen des 20. Jahrhunderts aufgeladen hat, ist ans Tageslicht gebracht worden, und es ist enthüllt worden, daß sie die glühenden Äußerungen des Zornes Jehovas verdient. Die Johannes-Klasse — später unterstützt von der großen Volksmenge — hat den ersten Trompetenstoß fortgesetzt widerhallen lassen und darauf aufmerksam gemacht, wie Jehova über die Christenheit denkt, nämlich daß sie die Vernichtung verdient (Offenbarung 7:9, 15).
Gleich einem brennenden Berg
21. Was geschieht, als der zweite Engel seine Trompete bläst?
21 „Und der zweite Engel blies seine Trompete. Und etwas gleich einem großen mit Feuer brennenden Berg wurde ins Meer geschleudert. Und ein Drittel des Meeres wurde zu Blut; und ein Drittel der Geschöpfe im Meer, die Seelen haben, starb, und ein Drittel der Schiffe wurde zerstört“ (Offenbarung 8:8, 9). Was stellt diese erschreckende Szene dar?
22, 23. (a) Welche Resolution war zweifellos die Folge des zweiten Trompetenstoßes? (b) Was wird durch „ein Drittel des Meeres“ dargestellt?
22 Wahrscheinlich verstehen wir die erwähnten Verse am besten, wenn wir uns in den Sinn zurückrufen, was auf dem Kongreß geschah, den das Volk Jehovas vom 18. bis 26. August 1923 in Los Angeles (Kalifornien, USA) abhielt. Der Hauptvortrag am Samstagnachmittag, den J. F. Rutherford hielt, trug das Thema „Schafe und Böcke“. Die „Schafe“ wurden deutlich als die Gerechten identifiziert, die den irdischen Bereich des Königreiches Gottes ererben würden. Die darauf folgende Resolution lenkte die Aufmerksamkeit auf die Heuchelei von „abtrünnigen Geistlichen“ und von „den ‚Vornehmsten der Herde‘, den Großen dieser Welt, die einen mächtigen Einfluß auf Finanz und Politik haben“. Die „friede- und ordnungsliebenden Menschen“, von denen sich „noch eine große Menge in den Namenkirchen befindet“, wurden aufgefordert, „sich aus den ungerechten kirchlichen Systemen, die vom Herrn als Babylon bezeichnet werden, zurückzuziehen“ und bereit zu sein, „die Segnungen des Reiches Gottes zu empfangen“.
23 Diese Resolution war zweifellos die Folge des zweiten Trompetenstoßes. Diejenigen, die mit der Zeit auf diese Botschaft günstig reagieren würden, würden sich von Personen trennen, die Jesaja mit den folgenden Worten beschrieb: „Aber die Bösen sind wie das Meer, das aufgewühlt wird, wenn es sich nicht zu beruhigen vermag, dessen Wasser ständig Tang und Schlamm aufwühlen“ (Jesaja 57:20; 17:12, 13). Das „Meer“ symbolisiert demnach passenderweise die rastlose, unbeständige und rebellische Menschheit, die Unruhe verursacht und radikale Veränderungen herbeiführen will. (Vergleiche Offenbarung 13:1.) Die Zeit wird kommen, in der das „Meer“ nicht mehr sein wird (Offenbarung 21:1). Zuvor kündigt Jehova durch den zweiten Trompetenstoß das Strafgericht für „ein Drittel des Meeres“ an — den aufsässigen Teil, der sich im Bereich der Christenheit befindet.
24. Was wird durch die brennende bergähnliche Erdmasse dargestellt, die ins Meer geschleudert wurde?
24 Eine große bergähnliche Masse, die mit Feuer brennt, wird in dieses „Meer“ geschleudert. In der Bibel symbolisieren Berge oft Regierungen. Gottes Königreich wird zum Beispiel als ein Berg dargestellt (Daniel 2:35, 44). Das verfallene Babylon wurde zu einem „ausgebrannten Berg“ (Jeremia 51:25). Doch die Bergmasse, die Johannes sieht, brennt noch. Dadurch, daß sie ins Meer geschleudert wird, wird auf passende Weise dargestellt, wie während und nach dem Ersten Weltkrieg die Frage der Regierungsform zu einem brennenden Problem der Menschheit wurde, und zwar besonders in den Ländern der Christenheit. In Italien führte Mussolini den Faschismus ein. Deutschland unterstützte Hitlers Nationalsozialismus, während es andere Länder mit verschiedenen Formen des Sozialismus versuchten. Ein radikaler Wechsel trat in Rußland ein, wo durch die Revolution der Bolschewisten der erste kommunistische Staat gegründet wurde, und als Folge davon verloren religiöse Führer der Christenheit in einem Land, das ehemals eine ihrer Hochburgen war, an Macht und Einfluß.
25. Inwiefern blieb die Frage der Regierungsform auch nach dem Zweiten Weltkrieg ein brennendes Problem?
25 Den Experimenten des Faschismus und des Nationalsozialismus wurde zwar durch den Zweiten Weltkrieg ein Ende gesetzt, aber die Frage der Regierungsform blieb weiterhin ein brennendes Problem, und das Menschenmeer wühlte weiterhin revolutionäre Regierungen auf und brachte diese hervor. In den Jahren nach 1945 wurden in vielen Ländern, beispielsweise in China, Vietnam, Kuba und Nicaragua, solche Regierungen aufgerichtet. In Griechenland erwies sich eine Militärdiktatur als Fehlschlag. In Kamputschea (Kambodscha) hatte laut Berichten das Experimentieren mit dem fundamentalistischen Kommunismus über zwei Millionen Tote zur Folge.
26. Wie hat der „mit Feuer brennende Berg“ fernerhin im Meer der Menschheit Wellen verursacht?
26 Dieser „mit Feuer brennende Berg“ verursachte im Meer der Menschheit fernerhin Wellen. In Afrika, auf dem amerikanischen Kontinent, in Asien und auf den pazifischen Inseln ist von Streitigkeiten um die Regierung berichtet worden. Zu vielen dieser Streitigkeiten ist es in Ländern der Christenheit oder in Ländern gekommen, wo Missionare der Christenheit Aktivisten geworden sind. Katholische Geistliche haben sich sogar kommunistischen Guerillaeinheiten angeschlossen und mit ihnen gekämpft. Andererseits haben sich protestantische Evangelistengruppen in Mittelamerika daran beteiligt, den, wie sie sagen, „verwerflichen und anhaltenden Machthunger“ der Kommunisten zu bekämpfen. Doch keine dieser Erschütterungen im Meer der Menschheit haben Frieden und Sicherheit herbeigeführt. (Vergleiche Jesaja 25:10-12; 1. Thessalonicher 5:3.)
27. (a) Wie ist „ein Drittel des Meeres“ zu Blut geworden? (b) Inwiefern ist ‘ein Drittel der Geschöpfe im Meer’ gestorben, und wie wird es einem „Drittel der Schiffe“ ergehen?
27 Durch den zweiten Trompetenstoß wird ans Tageslicht gebracht, daß die Personen, die an revolutionären Streitigkeiten beteiligt waren, bei denen es um die Regierung ging, und sich nicht dem Königreich Gottes unterwarfen, Blutschuld auf sich geladen haben. Besonders das „Drittel des Meeres“ der Christenheit ist zu Blut geworden. Alle Lebewesen, die sich darin befinden, sind in Gottes Augen tot. Keine der radikalen Organisationen, die auf diesem Drittel des Meeres wie Schiffe schwimmen, können verhindern, daß sie schließlich Schiffbruch erleiden. Wir sind wirklich froh, daß Millionen schafähnliche Personen auf den gleich einer Trompete erschallenden Ruf gehört und sich von denen getrennt haben, die sozusagen noch immer in dem engstirnigen Nationalismus und der Blutschuld dieses Meeres schwimmen.
Ein Stern fällt vom Himmel
28. Was geschieht, wenn der dritte Engel seine Trompete bläst?
28 „Und der dritte Engel blies seine Trompete. Und ein großer Stern, der wie eine Lampe brannte, fiel vom Himmel, und er fiel auf ein Drittel der Flüsse und auf die Wasserquellen. Und der Name des Sterns heißt ‚Wermut‘. Und ein Drittel der Wasser wurde zu Wermut, und viele der Menschen starben von den Wassern, weil diese bitter gemacht worden waren“ (Offenbarung 8:10, 11). Auch in diesem Fall helfen uns andere Teile der Bibel, zu erkennen, auf welche Weise dieser Bibeltext auf den Tag des Herrn zutrifft.
29. Was stellt der „Stern, der wie eine Lampe brannte“, dar, und warum?
29 In den Botschaften, die Jesus an die sieben Versammlungen richtete, sind uns schon einmal symbolische Sterne begegnet; die sieben Sterne versinnbildlichen die Ältesten in den Versammlungen (Offenbarung 1:20).b Gesalbte „Sterne“ und auch alle anderen Gesalbten bewohnen bildlich gesprochen himmlische Örter, und zwar von der Zeit an, wo sie mit heiligem Geist, der ein Unterpfand ihres himmlischen Erbes ist, versiegelt worden sind (Epheser 2:6, 7). Der Apostel Paulus sagte jedoch warnend, daß von diesen sternenähnlichen Personen einige abtrünnig werden, Sekten bilden und die Herde in die Irre führen würden (Apostelgeschichte 20:29, 30). Diese Untreue hätte einen großen Abfall zur Folge, und die gefallenen Ältesten würden die Klasse des Menschen der Gesetzlosigkeit bilden, der sich auf eine Weise erhöhen würde, daß er unter den Menschen eine Stellung wie ein Gott einnähme (2. Thessalonicher 2:3, 4). Die warnenden Worte des Paulus erfüllten sich, als die Geistlichkeit der Christenheit auf der Weltbühne erschien. Diese Gruppe wird durch das passende Symbol eines ‘großen Sterns, der wie eine Lampe brannte’, dargestellt.
30. (a) Was war damit gemeint, als man dem König von Babylon sagte, er sei vom Himmel gefallen? (b) Worauf kann sich ein Fallen vom Himmel demnach beziehen?
30 Johannes sieht, daß dieser Stern vom Himmel fällt. Inwiefern? Das, was ein König der alten Zeit erlebte, hilft uns, eine Antwort darauf zu finden. Jesaja wandte sich an diesen König, den König von Babylon, mit folgenden Worten: „O wie bist du vom Himmel gefallen, du Glänzender, Sohn der Morgenröte! Wie bist du niedergehauen worden zur Erde, du, der die Nationen entkräftete!“ (Jesaja 14:12). Diese Prophezeiung erfüllte sich, als die Heere des Cyrus Babylon besiegten und sein König plötzlich als Weltherrscher entthront wurde und eine schändliche Niederlage hinnehmen mußte. Ein Fallen vom Himmel kann sich demnach auf den Verlust einer hohen Stellung beziehen, was dem Betreffenden zur Schande gereicht.
31. (a) Wann fiel die Geistlichkeit der Christenheit aus einer „himmlischen“ Stellung? (b) Wie sind die Wasser, die die Geistlichkeit darreichte, zu „Wermut“ geworden, und wie hat sich das auf viele ausgewirkt?
31 Als die Geistlichkeit der Christenheit vom wahren Christentum abfiel, fiel sie aus der erhöhten „himmlischen“ Stellung, die Paulus in Epheser 2:6, 7 beschreibt. Sie hatte anstelle des frischen Wassers der Wahrheit nur „Wermut“ zu bieten, bitter schmeckende, lügenhafte Lehren wie die Lehre von der Hölle, dem Fegefeuer, der Dreieinigkeit und der Vorherbestimmung; außerdem beeinflußte sie die Nationen, in den Krieg zu ziehen, statt aus ihnen Diener Gottes zu machen, die moralische Grundsätze anwenden. Was war die Folge? Diejenigen, die ihren Lügen glaubten, wurden geistig vergiftet. Es erging ihnen ähnlich wie den untreuen Israeliten in den Tagen Jeremias, zu denen Jehova sagte: „Siehe, ich lasse sie Wermut essen, und ich will ihnen Giftwasser zu trinken geben. Denn von den Propheten Jerusalems ist Abfall ausgegangen in das ganze Land“ (Jeremia 9:15; 23:15).
32. Wann wurde es offensichtlich, daß die Geistlichkeit der Christenheit vom symbolischen Himmel gefallen war, und wie wurde das noch deutlicher gezeigt?
32 Daß die Geistlichkeit der Christenheit vom symbolischen Himmel gefallen war, wurde im Jahr 1919 offensichtlich, als nicht sie, sondern der kleine Überrest gesalbter Christen über die Königreichsinteressen gesetzt wurde (Matthäus 24:45-47). Dieses Fallen wurde von 1922 an noch deutlicher gezeigt, denn in jenem Jahr führte diese Gruppe von Christen erneut einen Feldzug durch, in dem sie das Versagen der Geistlichkeit der Christenheit ganz offen bloßstellte.
33. Auf welche Weise wurde die Geistlichkeit der Christenheit auf dem Kongreß in Columbus (Ohio, USA) im Jahre 1924 bloßgestellt?
33 In diesem Zusammenhang sticht eine Erklärung hervor, die auf dem Kongreß gemacht wurde, der in der englischen Ausgabe des Goldenen Zeitalters als „der größte Kongreß, den die Bibelforscher je abgehalten haben“, bezeichnet wurde. Dieser Kongreß fand in Columbus (Ohio, USA) vom 20. bis 27. Juli 1924 statt. Dort wurde ohne Zweifel unter der Leitung des Engels, der die dritte Trompete erschallen ließ, eine in deutlicher Sprache abgefaßte Resolution angenommen, und später wurden 50 Millionen Traktate, in denen diese Resolution abgedruckt war, verbreitet. Sie trug den Titel Offene Anklage gegen die Geistlichkeit. Ein Unterthema lautete: „Der ‚Same der Verheißung‘ gegen den ‚Samen der Schlange‘ “. In der Resolution wurde die Geistlichkeit der Christenheit bloßgestellt, und sie wurde angeklagt, unter anderem hochtönende religiöse Titel angenommen zu haben, Handelsriesen und professionelle Politiker zu „Großen ihrer Herde“ gemacht zu haben, vor Menschen glänzen zu wollen und es unterlassen zu haben, zu dem Volk über die Botschaft des messianischen Königreiches zu sprechen. Es wurde darin betont, daß jeder Gott hingegebene Christ von Gott beauftragt ist, auszurufen „den Tag der Rache unseres Gottes, und zu trösten alle Trauernden“ (Jesaja 61:2, Elberfelder Bibel).
34, 35. (a) Was ist, seit der dritte Engel seine Trompete zu blasen begann, mit der Macht und dem Einfluß der Geistlichkeit geschehen? (b) Was steht der Geistlichkeit der Christenheit in Zukunft bevor?
34 Seit der Zeit, als der dritte Engel anfing, seine Trompete zu blasen, haben die Geistlichen viel von ihrer Macht und ihrem Einfluß eingebüßt, und heute haben nur wenige noch Macht wie ein Gott, eine Macht, die die Geistlichkeit in früheren Jahrhunderten besaß. Aufgrund der Predigttätigkeit der Zeugen Jehovas haben zahlreiche Personen erkannt, daß viele Lehren der Geistlichkeit geistiges Gift — „Wermut“ — sind. Außerdem hat sie in Nordeuropa kaum noch Macht, und in anderen Ländern haben die Regierungen den Einfluß der Geistlichkeit sehr eingeschränkt. In katholischen Teilen Europas und auf dem amerikanischen Kontinent hat sie durch ihr skandalöses Verhalten in finanziellen und politischen Angelegenheiten sowie in sittlicher Hinsicht ihrem Ruf sehr geschadet. Ihre Lage kann sich jetzt nur noch verschlimmern, denn bald wird über sie das gleiche Unheil hereinbrechen wie über alle anderen Anhänger der falschen Religion (Offenbarung 18:21; 19:2).
35 Das waren jedoch noch nicht alle Plagen, die Jehova für die Christenheit bestimmt hat. Dies ist aus dem zu erkennen, was nach dem vierten Trompetenstoß geschieht.
Finsternis
36. Was geschieht, als der vierte Engel seine Trompete bläst?
36 „Und der vierte Engel blies seine Trompete. Und geschlagen wurde ein Drittel der Sonne und ein Drittel des Mondes und ein Drittel der Sterne, damit ein Drittel derselben verfinstert werde und der Tag während seines dritten Teils keine Beleuchtung habe und die Nacht desgleichen“ (Offenbarung 8:12). Die neunte Plage, die über Ägypten kam, war buchstäbliche Finsternis (2. Mose 10:21-29). Doch welche symbolische Finsternis plagt die Menschen heute?
37. Wie beschrieben der Apostel Petrus und der Apostel Paulus den geistigen Zustand derer, die sich außerhalb der Christenversammlung befanden?
37 Der Apostel Petrus sagte zu Glaubensbrüdern, sie seien bildlich gesprochen in Finsternis gewesen, ehe sie Christen geworden seien (1. Petrus 2:9). Paulus gebrauchte ebenfalls das Wort „Finsternis“, um den geistigen Zustand derer zu beschreiben, die sich außerhalb der Christenversammlung befanden (Epheser 5:8; 6:12; Kolosser 1:13; 1. Thessalonicher 5:4, 5). Wie steht es aber mit den Angehörigen der Christenheit, die behaupten, an Gott zu glauben, und die sagen, daß sie Jesus als ihren Retter anerkennen?
38. Der vierte Engel macht mit einer Trompete welche Tatsache über das „Licht“ der Christenheit bekannt?
38 Jesus erklärte, wahre Christen seien an ihren Früchten zu erkennen und viele, die behaupten würden, seine Nachfolger zu sein, seien „Täter der Gesetzlosigkeit“ (Matthäus 7:15-23). Jeder, der die Früchte des Drittels der Welt sieht, das die Christenheit umfaßt, muß zugeben, daß sie in tiefer geistiger Finsternis tappt (2. Korinther 4:4). Sie verdient Tadel, denn sie gibt vor, christlich zu sein. Daher ist es angebracht, daß der vierte Engel mit einer Trompete bekanntmacht, daß das „Licht“ der Christenheit in Wirklichkeit Finsternis ist und daß ihre „Licht“quellen babylonisch und nicht christlich sind (Markus 13:22, 23; 2. Timotheus 4:3, 4).
39. (a) Was würde gemäß einer Resolution, die auf einem Kongreß im Jahre 1925 angenommen wurde, das Irrlicht der Christenheit bewirken? (b) Welche weitere Bloßstellung erfolgte 1955?
39 In Übereinstimmung mit dieser Bekanntmachung aus dem Himmel nahm Gottes Volk, das sich am 29. August 1925 in Indianapolis (Indiana, USA) in großer Zahl zu einem Kongreß versammelt hatte, eine in offener Sprache abgefaßte Resolution an, betitelt „Botschaft der Hoffnung“. Die Resolution brachte man in mehreren Sprachen als Traktat heraus, und wiederum wurden 50 Millionen Exemplare verbreitet. Darin wurde das Irrlicht beschrieben, auf das die profitgierigen Finanzleute, die politischen Führer und die Geistlichkeit gemeinsam hinwiesen, wodurch „die Völker in Finsternis“ gerieten. Und es machte auf Gottes Königreich aufmerksam, das einzige Mittel, durch das die Hoffnung der Menschen, „die Segnungen des Friedens, der Wohlfahrt, der Gesundheit, des Lebens, der Freiheit und der ewigen Glückseligkeit“ zu erlangen, erfüllt wird. Die kleine Gruppe gesalbter Christen mußte mutig sein, damit sie der riesigen Organisation der Christenheit solche Botschaften überbringen konnte. Doch sie hat dies von den 1920er Jahren an bis heute fortgesetzt getan. In jüngerer Zeit, im Jahre 1955, wurde die Klasse der Geistlichkeit durch die Verbreitung einer Broschüre, die den Titel trug Christenheit oder Christentum — was ist „das Licht der Welt“? und die in vielen Sprachen veröffentlicht wurde, wiederum bloßgestellt. Heute ist die Heuchelei der Christenheit so offensichtlich, daß dies vielen Personen schon selbst aufgefallen ist. Doch Jehovas Volk hat nicht aufgehört, die Christenheit als das bloßzustellen, was sie ist: ein Königreich der Finsternis.
Ein fliegender Adler
40. Welchen Zustand, in dem sich die Christenheit befindet, deckten die ersten vier Trompetenstöße auf?
40 Die ersten vier Trompetenstöße deckten zweifellos den trostlosen und lebensgefährlichen Zustand auf, in dem sich die Christenheit befindet. Es wurde ans Tageslicht gebracht, daß ihr Teil der „Erde“ Jehovas Strafgericht verdient. Revolutionäre Regierungen, die man in Ländern der Christenheit und in anderen Ländern einsetzte, wurden als schädlich für das Glaubensleben bloßgestellt. Der gefallene Zustand der Geistlichkeit der Christenheit wurde entlarvt, und die geistige Finsternis, in der sie sich im allgemeinen befand, wurde enthüllt, so daß alle es erkennen konnten. Die Christenheit ist in der Tat der tadelnswerteste Teil des Systems der Dinge, das Satan gehört.
41. Was sieht und hört Johannes, als die Folge der Trompetenstöße unterbrochen wird?
41 Was wird noch offenbar? Bevor wir auf diese Frage eine Antwort erhalten, wird die Folge der Trompetenstöße unterbrochen. Johannes beschreibt, was er als nächstes sieht: „Und ich sah, und ich hörte einen Adler, der in der Mitte des Himmels flog, mit lauter Stimme sagen: ‚Wehe, wehe, wehe denen, die auf der Erde wohnen, wegen der übrigen Trompetenstöße der drei Engel, die im Begriff sind, ihre Trompeten zu blasen!‘ “ (Offenbarung 8:13).
42. Was wird durch den fliegenden Adler möglicherweise dargestellt, und welche Botschaft überbringt er?
42 Ein Adler fliegt hoch am Himmel, so daß er in großem Umkreis gesehen werden kann. Seine Sehfähigkeit ist außergewöhnlich gut, und er kann weit in die Ferne sehen (Hiob 39:29). Eines der vier lebenden Cherubgeschöpfe, die sich beim Thron Gottes befanden, wurde als ein fliegender Adler dargestellt (Offenbarung 4:6, 7). Ob es sich dabei nun um diesen Cherub oder um einen anderen Diener Gottes, der Weitblick hat, handelt, er verkündigt laut eine machtvolle Botschaft: „Wehe, wehe, wehe!“ Mögen die Bewohner der Erde aufmerken, wenn die drei übrigen Trompetenstöße, die mit je einem der drei Wehe im Zusammenhang stehen, zu hören sind.
[Fußnoten]
a Im Gegensatz dazu wird in Offenbarung 7:16 gezeigt, daß die große Volksmenge nicht die sengende Hitze des Mißfallens Jehovas zu spüren bekommt.
b Die sieben Sterne in der rechten Hand Jesu stellen zwar die gesalbten Aufseher in der Christenversammlung dar, aber die meisten Ältesten der über 100 000 Versammlungen, die es heute weltweit gibt, gehören zur großen Volksmenge (Offenbarung 1:16; 7:9). Was für eine Stellung nehmen sie ein? Da sie vom heiligen Geist durch die Klasse des treuen und verständigen Sklaven ernannt werden, kann von ihnen gesagt werden, daß sie sich unter Jesu rechter Hand der Aufsicht befinden; außerdem sind sie seine Unterhirten (Jesaja 61:5, 6; Apostelgeschichte 20:28). Sie unterstützen die „sieben Sterne“, indem sie dort dienen, wo es keine befähigten gesalbten Brüder gibt.
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Die für die Christenheit bestimmten Plagen JehovasDie Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
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[Übersicht auf Seite 139]
Die Wasser der Christenheit als Wermut offenbar gemacht
Glaubenslehren und Was die Bibel wirklich sagt
Standpunkte der Christenheit
Gottes persönlicher Name ist Jesus betete darum, daß Gottes
nicht wichtig: „Der Gebrauch Name geheiligt werde. Petrus
eines Eigennamens für den sagte: „Jeder, der den Namen
alleinigen Gott ... ist Jehovas anruft, wird gerettet
gänzlich unpassend für den werden“ (Apostelgeschichte 2:21;
umfassenden Glauben der Joel 2:32; Matthäus 6:9;
christlichen Kirche“ (Vorwort 2. Mose 6:3; Offenbarung 4:11;
Gott ist eine Dreieinigkeit: In der Bibel heißt es, daß
„Also der Vater ist Gott, der Jehova größer ist als Jesus und
Sohn ist Gott, der Heilige daß er der Gott und das Haupt
Geist ist Gott; und sind doch Christi ist (Johannes 14:28; 20:17;
nicht drei Götter, sondern es 1. Korinther 11:3).
ist ein Gott“ (Die Bekenntnis- Der heilige Geist ist
schriften der evangelisch- Gottes wirksame Kraft
lutherischen Kirche, S. 29). (Matthäus 3:11; Lukas 1:41;
Die Seele des Menschen ist Der Mensch ist eine Seele.
unsterblich: „Wenn der Mensch Wenn der Tod eintritt, kann die
stirbt, werden Seele und Leib Seele nicht mehr denken, und sie
voneinander getrennt. Der Leib fühlt nichts mehr; sie kehrt
... verwest ... Die Seele des zum Staub zurück, aus dem sie
Menschen stirbt jedoch nicht“ gemacht wurde (1. Mose 2:7; 3:19;
(What Happens After Death, Psalm 146:3, 4; Prediger 3:19, 20;
eine katholische Publikation). 9:5, 10; Hesekiel 18:4, 20).
Die Bösen werden nach dem Tod Der Lohn der Sünde ist der
in der Hölle bestraft: „Gemäß Tod, nicht ein Leben in Qual
dem traditionellen christ- (Römer 6:23). Die Toten ruhen
lichen Glauben ist die Hölle in bewußtlosem Zustand in der
ein Ort unendlicher Qual und Hölle (Hades, Scheol), und sie
Pein“ (The World Book erwartet eine Auferstehung
Encyclopedia, Ausg. 1987). (Psalm 89:48; Johannes 5:28, 29;
„Der Titel Mediatrix Der einzige Mittler zwischen
[Mittlerin] wird auf Unsere Gott und den Menschen ist
Liebe Frau angewandt“ Jesus (Johannes 14:6;
(New Catholic Encyclopedia, 1. Timotheus 2:5;
Ausg. 1967). Hebräer 9:15; 12:24).
Kleine Kinder sollen getauft Nur wer ein Jünger geworden
werden: „Von Anfang an hat die und gelehrt worden ist, alle
Kirche Kindern das Sakrament Gebote Jesu zu halten, sollte
der Taufe gespendet. Dieser sich taufen lassen. Um sich
Brauch galt nicht nur als er- taufen lassen zu können, muß
laubt, sondern es wurde ge- man Gottes Wort verstehen und
lehrt, daß er zur Rettung Glauben ausüben
unbedingt erforderlich ist“ (Matthäus 28:19, 20;
(New Catholic Encyclopedia, Lukas 3:21-23;
Ausg. 1967). Apostelgeschichte 8:35, 36).
Die meisten Religions- Alle, die zu den ersten
organisationen sind in zwei Christen gehörten, waren
Klassen aufgegliedert: die Prediger und beteiligten sich
Laien sowie die Geistlichkeit, an der Verkündigung der guten
die für die Laien tätig ist. Botschaft (Apostelgeschichte
Geistliche werden gewöhnlich 2:17, 18; Römer 10:10-13; 16:1).
für ihre Dienste bezahlt und Ein Christ sollte ‘kostenfrei
durch Titel wie „Hochwürden“, geben’, ohne dafür bezahlt zu
„Vater“ oder „Eure Eminenz“ werden (Matthäus 10:7, 8).
über die Laien erhoben. Jesus verbot ausdrücklich die
Verwendung von religiösen Titeln
In der Anbetung werden Bild- Christen müssen jede Art des
säulen, Heiligenbilder und Götzendienstes, also auch die
Kreuze verwandt: In dem Dekret sogenannten Andachtshilfen,
des Konzils von Trient meiden (2. Mose 20:4, 5;
(1545—63) heißt es, daß „die 1. Korinther 10:14;
Bildnisse Christi, der Gottes- 1. Johannes 5:21). Sie beten
gebärerin Jungfrau und anderer Gott nicht mit Hilfe von
Heiligen ... in den Kirchen sichtbaren Dingen an, sondern
gehalten und beibehalten, und mit Geist und Wahrheit
ihnen die gebührende Ehre und (Johannes 4:23, 24;
Verehrung erwiesen werden 2. Korinther 5:7).
soll“.
Angehörige der Kirchen werden Jesus predigte Gottes König-
gelehrt, daß Gottes Vorsatz reich als die Hoffnung für
durch die Politik verwirklicht die Menschheit und nicht
werden wird. Kardinal Spellman irgendein politisches System
sagte: „Es gibt nur einen Weg, (Matthäus 4:23; 6:9, 10). Er
der zum Frieden führt, ... die beteiligte sich nicht an Politik
Hochstraße der Demokratie.“ (Johannes 6:14, 15). Sein König-
Aus den Nachrichten geht reich war kein Teil dieser Welt;
hervor, daß sich die Religion folglich sind auch seine Nach-
in die Politik der Welt ein- folger kein Teil der Welt
mischt (sie ist sogar in (Johannes 18:36; 17:16). Jakobus
Revolten verwickelt) und daß warnte vor der Freundschaft mit
sie die UN „als letzte der Welt (Jakobus 4:4).
Hoffnung für die Eintracht und
den Frieden“ unterstützt.
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Das erste Wehe — HeuschreckenDie Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
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Kapitel 22
Das erste Wehe — Heuschrecken
1. Wer unterstützt die Engel, während sie die Trompete erschallen lassen, und was kündigt der fünfte Trompetenstoß an?
DER fünfte Engel macht sich zum Blasen seiner Trompete bereit. Vier himmlische Trompeten sind bereits geblasen worden, und vier Plagen sind gegen ein Drittel der Erde gerichtet gewesen, das in Jehovas Augen am verwerflichsten ist — die Christenheit. Ihr todkranker Zustand ist enthüllt worden. Während Engel die Trompeten erschallen lassen, werden sie von Verkündigern auf der Erde unterstützt. Nun ist der fünfte Engel im Begriff, das erste Wehe anzukündigen, es ist noch furchteinflößender als das, was vorausgegangen ist. Es steht in Zusammenhang mit einer furchtbaren Heuschreckenplage. Doch wollen wir zuerst andere Bibeltexte näher prüfen, so daß wir besser verstehen, worum es bei dieser Plage geht.
2. In welchem Bibelbuch wird eine ähnliche Heuschreckenplage beschrieben, wie sie Johannes sieht, und wie wirkte sie sich auf das alte Israel aus?
2 In dem Bibelbuch Joel, das im neunten Jahrhundert v. u. Z. geschrieben wurde, wird eine Insektenplage, bei der auch Heuschrecken auftraten, beschrieben, die der von Johannes gesehenen Plage gleicht (Joel 2:1-11, 25).a Sie hatte den Zweck, den abtrünnigen Israeliten große Qualen zu bereiten, bewirkte aber auch, daß einzelne Juden bereuten und in Jehovas Gunst zurückkehrten (Joel 2:6, 12-14). Zu jener Zeit würde Jehova seinen Geist auf „Fleisch von jeder Art“ ausgießen, und furchteinflößende Zeichen sowie beängstigende Wunder würden „dem Kommen des großen und furchteinflößenden Tages Jehovas“ vorausgehen (Joel 2:11, 28-32).
Eine Plage im ersten Jahrhundert
3, 4. (a) Wann erfüllte sich Joel, Kapitel 2, und wie? (b) Welche sinnbildliche Heuschreckenplage gab es im ersten Jahrhundert u. Z., und wie lange dauerte die Plage?
3 Joel, Kapitel 2 hatte im ersten Jahrhundert eine Erfüllung. Zu Pfingsten 33 u. Z. wurde heiliger Geist ausgegossen, und die ersten Christen wurden damit gesalbt, was sie befähigte, „die großen Dinge Gottes“ in vielen Sprachen zu reden. Darauf versammelte sich eine große Volksmenge. Der Apostel Petrus hielt den erstaunten Zuhörern eine Ansprache, wobei er Joel 2:28, 29 zitierte und erklärte, daß sie Zeugen von der Erfüllung dieses Textes seien (Apostelgeschichte 2:1-21). Doch es gibt keinen Bericht darüber, daß es damals eine buchstäbliche Insektenplage gegeben hätte, die einigen Qualen bereitet und andere zur Reue geführt hätte.
4 Gab es in jenen Tagen eine sinnbildliche Plage? Ja, die gab es. Es kam zu dieser Plage, weil die kurz davor gesalbten Christen rastlos predigten.b Durch sie lud Jehova die Juden, die auf sie hörten, ein, zu bereuen und Segnungen von ihm zu empfangen (Apostelgeschichte 2:38-40; 3:19). Die Personen, die die Einladung annahmen, empfingen in einem bemerkenswerten Maß seine Gunst. Aber für die, die die Einladung nicht annahmen, wurden die Christen des ersten Jahrhunderts wie ein verheerender Heuschreckenschwarm. Beginnend in Jerusalem, zogen sie durch ganz Judäa und Samaria. Bald waren sie überall und quälten die ungläubigen Juden, indem sie öffentlich Jesu Auferstehung und alles, was sie einschloß, verkündigten (Apostelgeschichte 1:8; 4:18-20; 5:17-21, 28, 29, 40-42; 17:5, 6; 21:27-30). Sie setzten dieses Quälen fort bis zu dem „furchteinflößenden Tag“ im Jahre 70 u. Z., als Jehova das römische Heer gegen Jerusalem sandte, um die Stadt zu zerstören. Nur die Christen, die den Namen Jehovas im Glauben anriefen, wurden gerettet (Joel 2:32; Apostelgeschichte 2:20, 21; Sprüche 18:10).
Die Heuschreckenplage heute
5. Wie erfüllt sich Joels Prophezeiung seit dem Jahre 1919?
5 Es ist vernünftig anzunehmen, daß sich Joels Prophezeiung in der Zeit des Endes endgültig erfüllt. Und sie hat sich tatsächlich erfüllt! Auf dem Kongreß der Bibelforscher, der vom 1. bis 8. September 1919 in Cedar Point (Ohio, USA) stattfand, wurde Jehovas Volk durch ein bemerkenswertes Ausgießen seines Geistes angetrieben, ein weltweites Predigtwerk in Gang zu setzen. Von allen, die sich Christen nannten, erkannten nur sie, daß Jesus als himmlischer König auf den Thron gesetzt worden war, und scheuten daher keine Mühe, diese gute Botschaft überall bekanntzumachen. Daß sie in Erfüllung der Prophezeiung so rastlos Zeugnis gaben, wurde für die abgefallene Christenheit eine qualvolle Plage (Matthäus 24:3-8, 14; Apostelgeschichte 1:8).
6. (a) Was sah Johannes, als der fünfte Engel seine Trompete blies? (b) Wen versinnbildlicht dieser „Stern“, und warum?
6 In der Offenbarung, die 26 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems verfaßt wurde, wird diese Plage auch beschrieben. Was wird zu Joels Beschreibung hinzugefügt? Wir wollen den Bericht des Johannes aufgreifen: „Und der fünfte Engel blies seine Trompete. Und ich sah einen Stern, der vom Himmel zur Erde gefallen war, und der Schlüssel zum Schlund des Abgrunds wurde ihm gegeben“ (Offenbarung 9:1). Dieser „Stern“ unterscheidet sich von dem, den Johannes gemäß Offenbarung 8:10 vom Himmel fallen sah. Er sieht „einen Stern, der vom Himmel ... gefallen war“ und der jetzt eine Zuteilung in bezug auf die Erde hat. Handelt es sich dabei um eine Geistperson oder um eine Person aus Fleisch und Blut? Von demjenigen, der den „Schlüssel zum Schlund des Abgrunds“ hat, wird später gesagt, daß er Satan in „den Abgrund“ schleudert (Offenbarung 20:1-3). Er muß daher eine mächtige Geistperson sein. Gemäß Offenbarung 9:11 berichtet Johannes, daß die Heuschrecken „einen König, den Engel des Abgrunds“, über sich haben. Beide Verse beziehen sich auf ein und dieselbe Person, da der Engel, der den Schlüssel des Abgrunds hat, logischerweise der Engel des Abgrunds sein muß. Und der Stern muß den von Jehova ernannten König versinnbildlichen, denn die gesalbten Christen anerkennen nur den himmlischen König Jesus Christus (Kolosser 1:13; 1. Korinther 15:25).
7. (a) Was geschieht, als der „Schlund des Abgrunds“ geöffnet wird? (b) Was ist der „Abgrund“, und wer brachte kurze Zeit darin zu?
7 In dem Bericht heißt es weiter: „Und er öffnete den Schlund des Abgrunds, und Rauch stieg aus dem Schlund empor wie der Rauch eines großen Ofens, und die Sonne wurde verfinstert, ebenso die Luft durch den Rauch aus dem Schlund. Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken heraus auf die Erde; und es wurde ihnen Gewalt gegeben, dieselbe Gewalt, wie die Skorpione der Erde sie haben“ (Offenbarung 9:2, 3). In der Bibel ist der „Abgrund“ ein Ort der Untätigkeit, ja sogar des Todes. (Vergleiche Römer 10:7; Offenbarung 17:8; 20:1, 3.) Die kleine Schar der Brüder Jesu verbrachte am Ende des Ersten Weltkrieges (1918/19) eine kurze Zeit in einem solchen „Abgrund“, wo sie verhältnismäßig untätig waren. Als aber Jehova seinen Geist im Jahre 1919 auf seine reumütigen Diener ausgoß, schwärmten sie aus, um die Herausforderung, die das vor ihnen liegende Werk für sie bedeutete, anzunehmen.
8. Was bedeutet es, daß die Freilassung der Heuschrecken von viel „Rauch“ begleitet war?
8 Johannes beobachtet, daß die Freilassung der Heuschrecken von viel Rauch begleitet ist — wie „der Rauch eines großen Ofens“.c So war es im Jahre 1919. Für die Christenheit und für die Welt im allgemeinen verdüsterte sich die Lage. (Vergleiche Joel 2:30, 31.) Die Freilassung dieser Heuschrecken oder der Johannes-Klasse war in Wirklichkeit eine Niederlage für die Geistlichkeit der Christenheit, die geplant, ja sich verschworen hatte, das Königreichswerk ein für allemal lahmzulegen, und die jetzt Gottes Königreich ablehnte. Während der Heuschreckenschwarm von Gott Gewalt empfing und anfing, sie auszuüben, indem er wirkungsvolle Gerichtsbotschaften verkündigte, begannen sich die Anzeichen einer Rauchglocke über die abtrünnige Christenheit auszubreiten. Die „Sonne“ der Christenheit — ihr Anschein von Erleuchtung — verfinsterte sich, und die „Luft“ wurde mit den Erklärungen göttlicher Gerichtsbotschaften erfüllt, während gezeigt wurde, daß der „Herrscher der Gewalt der Luft“ dieser Welt der Gott der Christenheit ist (Epheser 2:2; Johannes 12:31; 1. Johannes 5:19).
Diese quälenden Heuschrecken!
9. Welche Schlachtbefehle empfingen die Heuschrecken?
9 Wie lauten die Schlachtbefehle, die diese Heuschrecken erhielten? Johannes sagt: „Und es wurde ihnen gesagt, keine Pflanzen der Erde noch irgend etwas Grünes, noch irgendeinen Baum zu beschädigen, sondern nur die Menschen, die das Siegel Gottes nicht an ihrer Stirn haben. Und es wurde den Heuschrecken gewährt, sie nicht zu töten, sondern daß sie fünf Monate lang gequält werden sollten, und die Qual, die über sie kam, war wie eine Qual durch einen Skorpion, wenn er einen Menschen schlägt. Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen, werden ihn aber keineswegs finden, und sie werden zu sterben begehren, aber der Tod flieht fortwährend vor ihnen“ (Offenbarung 9:4-6).
10. (a) Gegen wen ist die Plage in erster Linie gerichtet, und wie wirkt sie sich auf sie aus? (b) Um was für eine Qual handelt es sich? (Siehe auch die Fußnote.)
10 Man beachte, daß diese Plage zuerst nicht gegen das Volk oder die Prominenten des Volkes — ‘die Pflanzen und Bäume der Erde’ — gerichtet ist. (Vergleiche Offenbarung 8:7.) Die Heuschrecken sollen nur die beschädigen, die das Siegel Gottes nicht an ihrer Stirn haben, diejenigen in der Christenheit, die behaupten, versiegelt zu sein, deren Vergangenheit ihre Behauptung indessen widerlegt (Epheser 1:13, 14). Die quälenden Äußerungen der neuzeitlichen Heuschrecken richteten sich zuerst gegen die Geistlichen der Christenheit. Wie sehr müssen doch diese anmaßenden Männer gequält worden sein, als sie hörten, daß öffentlich erklärt wurde, sie hätten nicht nur versäumt, ihre Schäfchen in den Himmel zu leiten, sondern sie selbst würden auch nicht dorthin kommen.d Da leitete wirklich ein „Blinder einen Blinden“ (Matthäus 15:14).
11. (a) Wie lange dürfen die Heuschrecken die Feinde Gottes quälen, und warum ist das eigentlich keine kurze Zeit? (b) Wie groß ist die Qual?
11 Die Qual dauert fünf Monate an. Ist das eine relativ kurze Zeit? Nicht, wenn man die Lebenszeit einer buchstäblichen Heuschrecke in Betracht zieht. Die normale Lebensdauer dieser Insekten beträgt fünf Monate. Die neuzeitlichen Heuschrecken stechen daher ihr Leben lang die Feinde Gottes. Außerdem ist die Qual so groß, daß die Menschen zu sterben begehren. Allerdings haben wir keine Nachricht darüber, daß irgendeiner von denen, die von den Heuschrecken gestochen worden sind, den Freitod gesucht hätte. Der Ausdruck hilft uns aber, uns die Intensität der Qual vorzustellen — wie wenn Skorpione unablässig angreifen würden. Diese Qual gleicht derjenigen, die Jeremia für die untreuen Israeliten voraussah, die von den babylonischen Eroberern zerstreut werden sollten und die den Tod dem Leben vorziehen würden (Jeremia 8:3; siehe auch Prediger 4:2, 3).
12. Warum dürfen die Heuschrecken die Geistlichen der Christenheit in geistigem Sinne nur quälen, nicht aber töten?
12 Warum dürfen die Heuschrecken sie in geistigem Sinne nur quälen, nicht aber töten? Das Offenbarmachen der Lügen der Christenheit und ihres Versagens ist ein erstes Wehe, und erst später, im weiteren Verlauf des Tages des Herrn, wird ihr todähnlicher geistiger Zustand voll und ganz bekanntgemacht werden. Während eines zweiten Wehes wird ein Drittel der Menschen getötet werden (Offenbarung 1:10; 9:12, 18; 11:14).
Heuschrecken, ausgerüstet für die Schlacht
13. Wie sehen die Heuschrecken aus?
13 Wie ungewöhnlich sehen diese Heuschrecken aus! Johannes beschreibt sie wie folgt: „Und die Gestalten der Heuschrecken glichen zur Schlacht gerüsteten Pferden; und auf ihren Köpfen war etwas, was Kronen gleich Gold zu sein schienen, und ihre Angesichter waren wie Menschenangesichter, aber sie hatten Haar wie Frauenhaar. Und ihre Zähne waren wie die von Löwen; und sie hatten Brustpanzer gleich eisernen Brustpanzern. Und das Geräusch ihrer Flügel war wie das Geräusch von Wagen vieler Pferde, die in die Schlacht laufen“ (Offenbarung 9:7-9).
14. Wieso trifft die Beschreibung, die Johannes von den Heuschrecken gibt, auf die 1919 wiederbelebte Gruppe von Christen zu?
14 Das ist ein schönes Bild von der loyalen Gruppe der im Jahre 1919 wiederbelebten Christen. Gleich Pferden waren sie für die Schlacht bereit, ja darauf erpicht, für die Wahrheit so zu kämpfen, wie der Apostel Paulus es beschreibt (Epheser 6:11-13; 2. Korinther 10:4). Johannes sah auf ihren Köpfen etwas, was Kronen gleich Gold zu sein schienen. Es wäre nicht schicklich für sie, richtige Kronen zu tragen, weil sie nicht zu regieren beginnen, solange sie noch auf der Erde sind (1. Korinther 4:8; Offenbarung 20:4). Aber 1919 hatten sie bereits ein königliches Aussehen. Sie waren die Brüder des Königs, und ihre himmlische Krone lag für sie bereit, vorausgesetzt, sie blieben bis ans Ende treu (2. Timotheus 4:8; 1. Petrus 5:4).
15. Was bedeutet es, daß die Heuschrecken (a) eiserne Brustpanzer haben, (b) Angesichter wie Menschenangesichter, (c) Haar wie Frauenhaar, (d) Zähne wie die von Löwen, (e) viel Lärm machen?
15 In der Vision haben die Heuschrecken eiserne Brustpanzer, was unerschütterliche Gerechtigkeit versinnbildet (Epheser 6:14-18). Sie haben auch Angesichter wie Menschenangesichter; das deutet auf die Eigenschaft der Liebe hin, denn der Mensch ist im Bilde Gottes geschaffen, und Gott ist Liebe (1. Mose 1:26; 1. Johannes 4:16). Ihr Haar ist lang wie das einer Frau. Das versinnbildet treffend ihre Unterordnung unter ihren König, den Engel des Abgrunds. Und ihre Zähne gleichen denen eines Löwen. Der Löwe benutzt seine Zähne, um Fleisch zu zerreißen. Vom Jahre 1919 an konnte die Johannes-Klasse wiederum feste geistige Nahrung aufnehmen, vor allem die Wahrheiten über Gottes Königreich, in dem „der Löwe, der vom Stamm Juda ist“, Jesus Christus, regiert. Der Löwe versinnbildet Mut, und großer Mut war erforderlich, um die harte Botschaft zu „schlucken“, sie in Form von Schriften zu veröffentlichen und sie erdenweit zu verbreiten. Diese bildlichen Heuschrecken haben viel Lärm gemacht wie „das Geräusch von Wagen vieler Pferde, die in die Schlacht laufen“. Sie nehmen sich die Christen des ersten Jahrhunderts zum Vorbild und beabsichtigen nicht, zu schweigen (1. Korinther 11:7-15; Offenbarung 5:5).
16. Was bedeutet es, daß die Heuschrecken „Schwänze und Stacheln wie Skorpione“ haben?
16 Bei diesem Predigen geht es um mehr als um das gesprochene Wort. „Auch haben sie Schwänze und Stacheln wie Skorpione; und in ihren Schwänzen ist ihre Gewalt, die Menschen fünf Monate lang zu verletzen [Menge: „Schaden zuzufügen“]“ (Offenbarung 9:10). Was könnte das bedeuten? Jehovas Zeugen machen in Wort und Schrift zuverlässige, auf Gottes Wort beruhende Aussagen. Ihre Botschaft ist wie der Stachel von Skorpionen, weil sie vor Jehovas herannahendem Tag der Rache warnen (Jesaja 61:2). Ehe die gegenwärtige Generation geistiger Heuschrecken ihr Lebensende erreicht, wird ihr von Gott verordnetes Werk, Jehovas Gerichtsurteile zu verkündigen, vollendet sein — zum Schaden aller halsstarrigen Lästerer.
17. (a) Was wurde auf dem Kongreß der Bibelforscher im Jahre 1919 angekündigt, das ihr Zeugnis noch verschärfen würde? (b) Wie ist die Geistlichkeit gequält worden, und wie hat sie darauf reagiert?
17 Jener Heuschreckenschwarm war überglücklich, als auf dem Kongreß im Jahre 1919 die neue Zeitschrift The Golden Age (Das Goldene Zeitalter) angekündigt wurde. Die Zeitschrift erschien alle zwei Wochen und hatte den Zweck, das Zeugnis zu verschärfen.e In der Ausgabe Nr. 27 vom 29. September 1920 wurde die Doppelzüngigkeit der Geistlichkeit bloßgestellt, die sie bei der Verfolgung der Bibelforscher in den Vereinigten Staaten in der Zeit von 1918/19 bewies. In den 1920er und 1930er Jahren wurde die Geistlichkeit noch weiter durch die Zeitschrift Das Goldene Zeitalter gequält, indem darin Artikel und Karikaturen veröffentlicht wurden, die ihre raffinierte Einmischung in die Politik bloßstellten — besonders die Verträge zwischen der katholischen Hierarchie und den faschistischen und nationalsozialistischen Diktatoren. Als Entgegnung darauf schmiedete die Geistlichkeit „durch Verordnung Unheil“ und organisierte gewalttätige Pöbelaktionen gegen Gottes Volk (Psalm 94:20).
Warnung an die Weltherrscher
18. Welche Aufgabe mußten die Heuschrecken erfüllen, und was ereignete sich als Reaktion auf den fünften Trompetenstoß?
18 Die neuzeitlichen Heuschrecken hatten eine Aufgabe zu erfüllen. Die gute Botschaft vom Königreich mußte gepredigt werden. Irrtümer mußten bloßgestellt und verirrte Schafe gefunden werden. Die Tätigkeit der Heuschrecken ließ die Welt aufhorchen. Dem Trompetenstoß des Engels gehorchend, fuhr die Johannes-Klasse fort, bekanntzumachen, daß die Christenheit Jehovas Strafurteil verdient. Als Antwort auf den fünften Trompetenstoß wurde ein besonderer Aspekt dieses Strafurteils betont, und zwar auf einem Kongreß der Bibelforscher, der vom 25. bis 31. Mai 1926 in London abgehalten wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Resolution unterbreitet: „Ein Zeugnis an die Herrscher der Welt“, und in der Royal Albert Hall fand ein öffentlicher Vortrag statt mit dem Thema „Warum wanken die Weltmächte? — Das Heilmittel“. Beides, die Resolution und der Vortrag, wurde am nächsten Tag von einer führenden Londoner Zeitung veröffentlicht. Später verbreitete der Heuschreckenschwarm weltweit 50 Millionen Traktate, die die Resolution enthielten — wahrlich eine Qual für die Geistlichkeit! Jahre später sprachen die Leute immer noch von dieser beißenden Botschaft.
19. Welches zusätzliche Kampfmittel erhielten die symbolischen Heuschrecken, und was war darin über das in London veröffentlichte Manifest zu lesen?
19 Die symbolischen Heuschrecken erhielten auf diesem Kongreß noch weitere Kampfmittel, vor allem das neue Buch Befreiung. Es enthielt unter anderem eine biblische Abhandlung über das Zeichen, in der bewiesen wurde, daß die durch einen ‘männlichen Sohn’ dargestellte Regierung, das himmlische Königreich Christi, im Jahre 1914 geboren worden war (Matthäus 24:3-14; Offenbarung 12:1-10). Danach wurde in dem Buch das im Jahre 1917 in London veröffentlichte und von acht Geistlichen unterzeichnete Manifest angeführt. Von den Geistlichen wurde gesagt, daß sie „zu den prominentesten Predigern der Welt“ zählten. Sie vertraten die führenden protestantischen Denominationen: Baptisten, Kongregationalisten, Presbyterianer, Episkopale und Methodisten. In dem Manifest hieß es, daß „die gegenwärtige Krise auf den Abschluß der Zeiten der Nationen“ hinweisen würde und daß „die Offenbarung des Herrn jetzt jeden Augenblick erwartet werden mag“. Ja, diese Geistlichen hatten das Zeichen der Gegenwart Jesu erkannt. Wollten sie jedoch irgend etwas deswegen tun? In dem Buch Befreiung heißt es: „Das Merkwürdigste an der Sache ist aber der Umstand, daß die Männer, welche diese öffentliche Erklärung unterzeichneten, sie später selbst verwarfen und die Beweise ableugneten, die da zeigen, daß wir am Ende der Welt und am Tage der zweiten Gegenwart des Herrn leben.“
20. (a) Wofür hat sich die Geistlichkeit in bezug auf den Heuschreckenschwarm und ihren König entschieden? (b) Wer ist, wie Johannes sagt, über dem Heuschreckenschwarm, und wie lautet sein Name?
20 Die Geistlichkeit der Christenheit hat es vorgezogen, anstatt das kommende Königreich Gottes anzukündigen, auf der Seite der Welt Satans zu bleiben. Sie will von dem Heuschreckenschwarm unter seinem König nichts wissen. Über den König berichtet Johannes: „Sie haben über sich einen König, den Engel des Abgrunds. Auf hebräisch ist sein Name Abaddon [„Vernichtung“], auf griechisch aber hat er den Namen Apollyon [„Vernichter“]“ (Offenbarung 9:11). Als „Engel des Abgrunds“ und als „Vernichter“ hat Jesus wirklich ein quälendes Wehe über die Christenheit gebracht. Es wird jedoch noch mehr folgen.
[Fußnoten]
a Vergleiche Joel 2:4, 5, 7 (wo die Insekten als Pferde, als ein Volk und als Männer beschrieben werden und so, als machten sie ein Geräusch wie ein Wagen) mit Offenbarung 9:7-9; vergleiche außerdem Joel 2:6, 10 (wo die schmerzhafte Wirkung der Insektenplage beschrieben wird) mit Offenbarung 9:2, 5.
b Siehe den Artikel „Vereint gegen Nationen im Tale der Entscheidung“ im Wachtturm vom 1. März 1962.
c Beachte, daß dieser Bibeltext nicht verwendet werden kann, um zu beweisen, daß ein Feuer im Abgrund war, als ob der Abgrund eine Art Feuerhölle wäre. Johannes schreibt, daß er dicken Rauch sah „wie“ der Rauch eines großen Ofens (Offenbarung 9:2). Er berichtet nicht, daß er im Abgrund Flammen gesehen habe.
d Das hier gebrauchte griechische Substantiv kommt von dem Verb basanízō, das gelegentlich für buchstäbliche Qual gebraucht wird; es kann aber auch für seelische Qual gebraucht werden. Zum Beispiel lesen wir in 2. Petrus 2:8, daß Lot ‘seine gerechte Seele quälte’ wegen all des Bösen, das er in Sodom sah. Die geistlichen Führer zur Zeit der Apostel erlitten seelische Qualen, aber aus einem ganz anderen Grund.
e Diese Zeitschrift erhielt 1937 den Namen Consolation (Trost) und 1946 Awake! (Erwachet!).
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Das zweite Wehe — ReiterheereDie Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
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Kapitel 23
Das zweite Wehe — Reiterheere
1. Was ist trotz des Bemühens der Geistlichkeit, die Heuschrecken auszurotten, geschehen, und was bedeutet das Kommen zweier weiterer Wehe?
SEIT 1919 haben die in die Christenheit eindringenden sinnbildlichen Heuschrecken der Geistlichkeit großes Unbehagen bereitet. Man versuchte sie deshalb auszurotten, aber sie kamen immer wieder und wurden immer zahlreicher (Offenbarung 9:7). Das war aber noch nicht alles. Johannes schreibt: „Das eine Wehe ist vorbei. Siehe! Zwei weitere Wehe kommen nach diesen Dingen“ (Offenbarung 9:12). Der Christenheit stehen noch weitere quälende Plagen bevor.
2. (a) Was geschieht, als der sechste Engel seine Trompete bläst? (b) Was stellt die „e i n e Stimme aus den Hörnern des goldenen Altars“ dar? (c) Warum werden vier Engel erwähnt?
2 Woher kommt das zweite Wehe? Johannes schreibt: „Und der sechste Engel blies seine Trompete. Und ich hörte e i n e Stimme aus den Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott steht, zu dem sechsten Engel sagen, der die Trompete hatte: ‚Binde die vier Engel los, die an dem großen Strom Euphrat gebunden sind‘ “ (Offenbarung 9:13, 14). Das Losbinden der Engel erfolgt als Reaktion auf die Stimme aus den Hörnern des goldenen Altars. Dieser Altar ist der goldene Räucheraltar, und schon zweimal vorher ist das Räucherwerk in den goldenen Schalen dieses Altars mit den Gebeten der Heiligen in Verbindung gebracht worden (Offenbarung 5:8; 8:3, 4). Die erwähnte e i n e Stimme stellt daher die vereinten Gebete der Heiligen auf der Erde dar. Sie bitten darum, befreit zu werden, um weiterhin mit aller Kraft tätig zu sein als Jehovas „Boten“, denn das ist die Grundbedeutung des hier mit „Engel“ wiedergegebenen griechischen Wortes. Warum aber vier Engel? Diese symbolische Zahl scheint anzudeuten, daß sie so organisiert sind, daß sich ihre Wirksamkeit über die ganze Erde erstreckt (Offenbarung 7:1; 20:8).
3. Inwiefern sind die vier Engel „an dem großen Strom Euphrat gebunden“?
3 Wie wurden diese Engel „an dem großen Strom Euphrat gebunden“? Der Strom Euphrat bildete im Altertum die nordöstliche Grenze des Landes, das Jehova Abraham verheißen hatte (1. Mose 15:18; 5. Mose 11:24). Anscheinend wurden die Engel an der Grenze des ihnen von Gott gegebenen Landes oder irdischen Tätigkeitsgebietes zurückgehalten und daran gehindert, den Dienst, den Jehova für sie vorgesehen hatte, völlig aufzunehmen. Der Euphrat spielte auch eine wichtige Rolle für die Stadt Babylon, und nach der Eroberung Jerusalems im Jahre 607 v. u. Z. waren die Israeliten dort „an dem großen Strom Euphrat gebunden“, das heißt 70 Jahre dort in Gefangenschaft (Psalm 137:1). Im Jahre 1919 befanden sich auch die geistigen Israeliten in einer Lage, in der sie eingeschränkt oder gewissermaßen „gebunden“ waren; sie fühlten sich unglücklich und baten Jehova um Führung.
4. Welchen Auftrag haben die vier Engel, und wie ist er erfüllt worden?
4 Erfreulicherweise kann Johannes berichten: „Und losgebunden wurden die vier Engel, die bereitgemacht worden sind für die Stunde und den Tag und den Monat und das Jahr, um ein Drittel der Menschen zu töten“ (Offenbarung 9:15). Jehova hat einen Zeitplan, den er genau einhält. Diese Boten sind deshalb planmäßig, genau zur festgesetzten Zeit, freigelassen worden, um das ihnen aufgetragene Werk durchzuführen. Stell dir vor, wie sehr sie sich gefreut haben müssen, als sie im Jahre 1919 aus der Knechtschaft befreit wurden und nun ans Werk gehen konnten! Ihr Auftrag bestand nicht nur darin, zu quälen, sondern auch darin, schließlich „ein Drittel der Menschen zu töten“. Das steht in Verbindung mit den Plagen, die durch die ersten vier Trompetenstöße angekündigt und von denen ein Drittel der Erde und des Meeres sowie der Geschöpfe im Meer betroffen wurden, aber auch der Wasserquellen und Flüsse und der himmlischen Lichtquellen (Offenbarung 8:7-12). Die vier Engel gehen jedoch weiter. Sie „töten“, indem sie vollständig enthüllen, daß die Christenheit geistig tot ist. Das ist durch öffentliche Erklärungen geschehen, die vom Jahre 1922 an — und auch heute noch — wie durch Trompetenstöße bekanntgemacht wurden.
5. Was entsprach im Hinblick auf die Christenheit im Jahre 1927 dem sechsten Trompetenstoß?
5 Behalten wir im Sinn, daß der sechste Engel soeben seine Trompete geblasen hat. Daraufhin fand in Toronto (Ontario, Kanada) der sechste einer Reihe von Kongressen der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung statt. Das Programm am Sonntag, dem 24. Juli 1927, wurde über ein Netz von 53 Rundfunkstationen — das bis dahin größte Sendernetz — ausgestrahlt. So hörten wahrscheinlich viele Millionen diese gesprochene Botschaft. Zuerst verlas der Redner eine eindrucksvolle Resolution, die die Christenheit als geistig tot bloßstellte und in der unter anderem gesagt wurde: „In dieser Stunde der Verwirrung läßt Jehova Gott an die Völker die Aufforderung ergehen, das System dieses Scheinchristentums oder der ‚organisierten Christenheit‘ aufzugeben, für immer zu verlassen, sich vollständig davon abzuwenden ...; und daß die Völker die Ergebenheit und Unterwürfigkeit ihrer Herzen gänzlich Jehova Gott, seinem König und seinem Königreich zuwenden sollen.“ „Freiheit für die Völker“ war der Titel des anschließenden öffentlichen Vortrages, den J. F. Rutherford in seiner gewohnten dynamischen Art hielt, passend zu dem „Feuer und Rauch und Schwefel“, die Johannes als nächstes in der Vision sieht.
6. Wie beschreibt Johannes die Reiterheere, die er als nächstes sieht?
6 „Und die Zahl der Reiterheere war zwei Myriaden mal Myriaden; ich hörte deren Zahl. Und so sah ich die Pferde in der Vision und die darauf saßen: Sie hatten feuerrote und hyazinthblaue und schwefelgelbe Brustpanzer; und die Köpfe der Pferde waren wie Köpfe von Löwen, und aus ihren Mäulern kam Feuer und Rauch und Schwefel hervor. Durch diese drei Plagen wurde ein Drittel der Menschen getötet, von dem Feuer und dem Rauch und dem Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorkamen“ (Offenbarung 9:16-18).
7, 8. (a) Unter wessen Führung stürmen diese Reiterheere vorwärts? (b) Welche Ähnlichkeiten bestehen zwischen diesen Reiterheeren und den Heuschrecken, die ihnen vorausgegangen sind?
7 Offenbar stürmen diese Reiterheere unter der Führung und Leitung der vier Engel vorwärts. Welch furchteinflößendes Schauspiel! Stell dir vor, wie dir zumute wäre, wenn du das Angriffsziel solcher Reiterheere wärst! Schon allein ihr Anblick würde dich zutiefst erschrecken. Hast du aber bemerkt, welche Ähnlichkeit zwischen diesen Reiterheeren und den zuvor erwähnten Heuschrecken besteht? Die Heuschrecken glichen Pferden; in den Reiterheeren dagegen sind Pferde. Sowohl die Heuschrecken als auch die Pferde sind an einem theokratischen Kriegszug beteiligt (Sprüche 21:31). Die Heuschrecken hatten Zähne wie Löwen; die Pferde der Reiterheere haben Köpfe wie Löwen. Sowohl die Heuschrecken als auch die Pferde sind daher mit dem mutigen Löwen, der vom Stamm Juda ist, verbunden, mit Jesus Christus, ihrem Führer, Gebieter und Vorbild (Offenbarung 5:5; Sprüche 28:1).
8 Sowohl die Heuschrecken als auch die Reiterheere beteiligen sich an Jehovas richterlicher Tätigkeit. Die Heuschrecken kamen aus dem Rauch heraus, der der Christenheit ein Wehe und ein vernichtendes Feuer ankündigte; aus den Mäulern der Pferde kommt Feuer, Rauch und Schwefel hervor. Die Heuschrecken hatten eiserne Brustpanzer, was bedeutete, daß ihre Herzen durch eine eiserne Hingabe an die Gerechtigkeit geschützt wurden; die Reiter tragen rot-, blau- und gelbfarbene Brustpanzer, die das Feuer, den Rauch und den Schwefel widerspiegeln — die tödlichen Gerichtsbotschaften, die aus den Mäulern der Pferde hervorgehen. (Vergleiche 1. Mose 19:24, 28; Lukas 17:29, 30.) Die Heuschrecken hatten Schwänze wie Skorpione, mit denen sie quälen konnten; die Pferde haben schlangenähnliche Schwänze, mit denen sie töten können. Allem Anschein nach setzen die Reiterheere die von den Heuschrecken begonnene Tätigkeit noch intensiver fort und beenden sie.
9. Was versinnbildlichen diese Reiterheere?
9 Was versinnbildlichen also diese Reiterheere? Da die gesalbte Johannes-Klasse damit begonnen hat, Jehovas Beschluß, an der Christenheit Rache zu üben, wie mit Trompeten zu verkünden und so von ihrer Gewalt, zu ‘stechen und zu verletzen’, Gebrauch zu machen, ist anzunehmen, daß die gleiche Gruppe gebraucht wird, um zu „töten“, das heißt, um bekanntzumachen, daß die Christenheit und ihre Geistlichkeit geistig vollständig tot sind, reif, von Jehova in den „Feuerofen“ geworfen bzw. für immer vernichtet zu werden. Ja, alles, was zu Babylon der Großen gehört, muß zugrunde gehen (Offenbarung 9:5, 10; 18:2, 8; Matthäus 13:41-43). Vor deren Vernichtung gebraucht die Johannes-Klasse jedoch „das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort“, um den todähnlichen Zustand der Christenheit bloßzustellen. Die vier Engel und die Reiter auf den Pferden geben den Auftrag zu diesem sinnbildlichen Töten ‘eines Drittels der Menschen’ (Epheser 6:17; Offenbarung 9:15, 18). Das weist auf die gute Organisation und die theokratische Leitung hin, unter der die furchteinflößende Schar von Königreichsverkündigern mit dem Herrn Jesus Christus an der Spitze in den Kampf zieht.
Zwei Myriaden mal Myriaden
10. In welchem Sinn ist die Zahl der Reiterheere zwei Myriaden mal Myriaden?
10 Wie ist es möglich, daß diese Reiterheere zwei Myriaden mal Myriaden zählen? In buchstäblichem Sinn ist eine Myriade zehntausend. Zwei Myriaden mal Myriaden entsprechen demnach 200 Millionen.a Erfreulicherweise gibt es zur Zeit zwar Millionen von Königreichsverkündigern, aber noch längst keine Hunderte von Millionen. Denken wir jedoch an die Worte Mose aus 4. Mose 10:36: „Kehr doch zurück, o Jehova, zu den Myriaden der Tausende Israels!“ (Vergleiche 1. Mose 24:60.) Buchstäblich würde das bedeuten: ‘Kehr zu den Zehntausenden der Tausende Israels zurück.’ Doch Israel zählte in den Tagen Mose nur ungefähr zwei bis drei Millionen. Was wollte Moses also damit sagen? Zweifellos dachte er daran, daß die Israeliten nicht gezählt werden, sondern ungezählt „wie die Sterne der Himmel und wie die Sandkörner, die am Ufer des Meeres sind“, sein sollten (1. Mose 22:17; 1. Chronika 27:23). Er gebrauchte deshalb das Wort für „Myriade“, um zu zeigen, daß es eine große, aber nicht näher bestimmte Zahl war. Hans Bruns gibt diesen Vers daher wie folgt wieder: „Laß dich nieder, o HERR, und segne du die Tausende und aber Tausende Israels!“ Das entspricht auch einer zweiten Definition des Wortes „Myriade“, die in griechischen und hebräischen Wörterbüchern zu finden ist: „unzählbare Menge“, „große Menge“ (Griechisch-deutsches Wörterbuch von D. K. Jacobitz und D. E. E. Seiler; Wilhelm Gesenius’ Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament).
11. Was brauchte die Johannes-Klasse, um in übertragenem Sinne zu Myriaden zu werden?
11 Die Zahl derer, die zur Johannes-Klasse gehören und noch auf der Erde sind, beträgt weniger als zehntausend — weniger als eine buchstäbliche Myriade. Wie könnten sie also mit Tausenden und aber Tausenden von Reitern verglichen werden? Brauchten sie, um selbst in symbolischem Sinne zu Myriaden zu werden, nicht Verstärkung? So ist es, und durch Jehovas unverdiente Güte haben sie auch Verstärkung bekommen. Woher kam sie?
12, 13. Welche Entwicklung in den Jahren 1918 bis 1935 zeigte, woher die Verstärkung kam?
12 In den Jahren 1918 bis 1922 übermittelte die Johannes-Klasse der bedrängten Menschheit die erfreuliche Botschaft: „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben!“ Im Jahre 1923 wurde auch bekanntgemacht, daß die in Matthäus 25:31-34 erwähnten Schafe Leben auf der Erde unter Gottes Königreich ererben würden. Auf eine ähnliche Hoffnung wies die Broschüre Freiheit für die Völker hin, die 1927 auf dem internationalen Kongreß freigegeben wurde. Anfang der 30er Jahre wurde gezeigt, daß die aus rechtschaffenen Menschen bestehende Jonadab-Klasse und die ‘Menschen, die seufzen und stöhnen’ über den bedauerlichen Zustand der Christenheit, mit den symbolischen Schafen, die auf der Erde zu leben hoffen, identisch sind (Hesekiel 9:4; 2. Könige 10:15, 16). Im Wachtturm vom 15. September 1934 wurden diese Menschen auf die neuzeitlichen „Zufluchtsstädte“ hingewiesen, indem gesagt wurde: „Die Glieder der Jonadab-Klasse haben den Schall der Posaune Gottes vernommen und haben auf die Warnung gehört, darum sind sie zur Organisation Gottes geflohen und haben sich Gottes Volk zugesellt; und dort müssen sie bleiben“ (4. Mose 35:6).
13 Im Jahre 1935 wurden die Glieder der Jonadab-Klasse zum Kongreß der Zeugen Jehovas in Washington (D. C., USA) besonders eingeladen. Dort hielt J. F. Rutherford am Freitag, dem 31. Mai, den berühmten Vortrag „Die große Volksmenge“, in dem er deutlich zeigte, daß diese in Offenbarung 7:9 erwähnte Klasse mit den Schafen aus Matthäus 25:33 — einer Gott hingegebenen Klasse, die auf der Erde zu leben hofft — identisch ist. Als Anzeichen für das, was noch kommen sollte, ließen sich auf diesem Kongreß 840 neue Zeugen taufen, von denen die meisten zur großen Volksmenge gehörten.b
14. Hat die große Volksmenge an dem sinnbildlichen Angriff der Reiterheere teilgehabt, und welcher Entschluß wurde 1963 zum Ausdruck gebracht?
14 Hat diese große Volksmenge an dem Angriff der Reiterheere teilgehabt, der 1922 begonnen und 1927 auf dem Kongreß in Toronto besonders verstärkt wurde? Unter der Leitung der vier Engel — der gesalbten Johannes-Klasse — hat sie es wirklich getan. Auf den Kongressen „Ewige gute Botschaft“, die 1963 rund um die Welt durchgeführt wurden, nahm sie zusammen mit der Johannes-Klasse eine aufrüttelnde Resolution an, in der unter anderem folgendes erklärt wurde: „Der Welt steht daher eine erdbebengleiche weltweite Drangsal bevor, wie sie noch keine erlebt hat, und all ihre politischen Einrichtungen und ihre heutige religiöse Stadt Babylon werden so erschüttert, daß sie in Trümmer sinken werden.“ Des weiteren wurde darin folgender Entschluß zum Ausdruck gebracht: „Wir [werden] weiterhin allen Völkern ohne Unterschied die ‚ewige gute Botschaft‘ über Gottes messianisches Königreich und seine Gerichtsurteile verkündigen, die für seine Feinde gleich Plagen sind, die aber vollstreckt werden, um alle Menschen zu befreien, die Gott, den Schöpfer, mit Geist und Wahrheit, so wie es ihm wohlgefällig ist, anbeten möchten.“ Diese Resolution wurde auf 24 Kongressen rund um die Welt von insgesamt 454 977 Kongreßteilnehmern begeistert angenommen, von denen weit über 95 Prozent der großen Volksmenge angehörten.
15. (a) Wieviel Prozent derer, die im Jahre 2005 von Jehova in seinem Werk gebraucht wurden, gehörten zur großen Volksmenge? (b) Wie wies Jesus in seinem Gebet (Johannes 17:20, 21) auf die Übereinstimmung der großen Volksmenge mit der Johannes-Klasse hin?
15 Die große Volksmenge hat für ihre uneingeschränkte Übereinstimmung mit der Johannes-Klasse durch ihre Beteiligung am Ausgießen der Plagen auf die Christenheit unaufhörlich offen Zeugnis abgelegt. Im Jahre 2005 machte die große Volksmenge über 99,8 Prozent derer aus, die Jehova in seinem Werk gebraucht. Ihre Glieder wirken ungeteilten Herzens mit der Johannes-Klasse zusammen, derentwegen Jesus gemäß Johannes 17:20, 21 betete: „Ich bitte nicht nur in bezug auf diese, sondern auch in bezug auf diejenigen, die durch ihr Wort an mich glauben, damit sie alle eins seien, so wie du, Vater, in Gemeinschaft bist mit mir und ich in Gemeinschaft bin mit dir, daß auch sie in Gemeinschaft mit uns seien, damit die Welt glaube, daß du mich ausgesandt hast.“ Während die gesalbte Johannes-Klasse unter Jesus führend vorangeht, wird sie von der eifrigen großen Volksmenge in dem verheerendsten Angriff, den Reiterheere jemals durchgeführt haben, unterstützt.c
16. (a) Wie beschreibt Johannes die Mäuler und die Schwänze der sinnbildlichen Pferde? (b) Wie ist der Mund derer, die zu Jehovas Volk gehören, auf den Dienst vorbereitet worden? (c) Was entspricht der Tatsache, daß „ihre Schwänze ... gleich Schlangen“ sind?
16 Diese Reiterheere müssen für den Krieg gerüstet sein. Und wie wunderbar hat doch Jehova in dieser Hinsicht für sie gesorgt! Johannes schreibt darüber: „Denn die Gewalt der Pferde liegt in ihren Mäulern und in ihren Schwänzen; denn ihre Schwänze sind gleich Schlangen und haben Köpfe, und mit diesen richten sie Schaden an“ (Offenbarung 9:19). Jehova hat seine ihm ergebenen getauften Diener zu diesem Dienst ordiniert. Durch die Theokratische Predigtdienstschule sowie durch andere Versammlungszusammenkünfte und Schulen hat er sie gelehrt, ‘das Wort zu predigen’, so daß sie in der Lage sind, autoritativ mit der „Zunge der Belehrten“ zu sprechen. Er hat seine Worte in ihren Mund gelegt und sie ausgesandt, seine Urteilssprüche „öffentlich und von Haus zu Haus“ bekanntzumachen (2. Timotheus 4:2; Jesaja 50:4; 61:2; Jeremia 1:9, 10; Apostelgeschichte 20:20). Die Johannes-Klasse und die große Volksmenge haben entsprechend dem, was über die „Schwänze“ gesagt wird, in Form der Tausende von Millionen Bibeln, Bücher, Broschüren und Zeitschriften, die sie im Laufe der Jahre verbreitet haben, eine schmerzende Botschaft zurückgelassen. Ihren Gegnern, die auf den bevorstehenden von Jehova kommenden Schaden hingewiesen werden, erscheinen diese Reiterheere tatsächlich wie zwei Myriaden mal Myriaden. (Vergleiche Joel 2:4-6.)
17. Beteiligen sich Jehovas Zeugen in Ländern, in denen das Werk verboten ist und deshalb keine Schriften verbreitet werden können, an dem Angriff der Reiterheere? Erkläre es.
17 Eine äußerst eifrige Abteilung dieser Reiterheere besteht aus Brüdern in Ländern, wo das Werk der Zeugen Jehovas verboten ist. Sie müssen sich wie Schafe inmitten von Wölfen verhalten und müssen „vorsichtig wie Schlangen und doch unschuldig wie Tauben“ sein. Da sie aber Jehova gehorchen, können sie nicht aufhören, von den Dingen zu reden, die sie gesehen und gehört haben (Matthäus 10:16; Apostelgeschichte 4:19, 20; 5:28, 29, 32). Sollten wir folgern, daß sie sich an dem Angriff der Reiterheere nicht beteiligen können, da sie nur wenige oder gar keine Druckschriften zur öffentlichen Verbreitung haben? Keineswegs! Sie haben einen Mund und sind von Jehova ermächtigt worden, ihn zu gebrauchen, um biblische Wahrheiten zu äußern. Das tun sie auch — informell und mit Überzeugung —, indem sie Bibelstudien einrichten und auf diese Weise „die vielen zur Gerechtigkeit führen“ (Daniel 12:3). Sie mögen zwar mit ihren „Schwänzen“ nicht in dem Sinne Schmerzen verursachen, daß sie aggressive Schriften zurücklassen, dennoch kommt, bildlich gesprochen, Feuer, Rauch und Schwefel aus ihrem Mund, während sie taktvoll und mit Umsicht über den herannahenden Tag der Rechtfertigung Jehovas Zeugnis ablegen.
18. Wie viele Druckschriften, die die quälende Botschaft enthalten, haben diese Reiterheere verbreitet, und in wie vielen Sprachen?
18 In anderen Gebieten werden die babylonischen Lehren und Bräuche der Christenheit durch die Schriften, die die Königreichsbotschaft enthalten, unaufhörlich bloßgestellt, was der Christenheit in übertragenem Sinn den verdienten Schaden einbringt. Dank moderner Druckmethoden ist es den zahlreichen Reiterheeren in den 68 Jahren vor 2005 möglich gewesen, Milliarden von Bibeln, Büchern, Zeitschriften und Broschüren in über 450 Sprachen zu verbreiten — weit mehr als zwei Myriaden mal Myriaden. Welch einen Schmerz jene Schwänze doch verursacht haben!
19, 20. (a) Die Christenheit ist zwar das Hauptangriffsziel der quälenden Botschaften gewesen, wie haben aber Personen in Ländern außerhalb der Christenheit reagiert? (b) Wie beschreibt Johannes die Reaktion der Menschen im allgemeinen?
19 Jehova beschloß, daß durch diese quälende Botschaft „ein Drittel der Menschen getötet“ werden sollte. Das besondere Angriffsziel dieser Botschaft ist daher die Christenheit gewesen. Sie ist jedoch weit über die Christenheit hinaus vorgedrungen in Länder, in denen die Heuchelei ihrer Religionsgemeinschaften bestens bekannt ist. Haben sich die Bewohner dieser Länder zu Jehova hingezogen gefühlt, weil sie gesehen haben, wie dieses korrupte Religionssystem gequält worden ist? Bei vielen war dies der Fall. Sanftmütige, liebenswerte Menschen, die in Gebieten außerhalb des unmittelbaren Einflußbereichs der Christenheit wohnen, haben die Botschaft bereitwillig angenommen. Über die Reaktion der Menschen im allgemeinen schreibt Johannes jedoch: „Aber die übrigen der Menschen, die durch diese Plagen nicht getötet wurden, bereuten die Werke ihrer Hände nicht, daß sie die Dämonen nicht angebetet hätten sowie die Götzen aus Gold und Silber und Kupfer und Stein und Holz, die weder sehen noch hören, noch gehen können; und sie bereuten ihre Mordtaten nicht noch ihre spiritistischen Bräuche, noch ihre Hurerei, noch ihre Diebstähle“ (Offenbarung 9:20, 21). Es wird keine Massenbekehrung solcher reuelosen Personen geben. Alle, die von ihren bösen Wegen nicht abgehen, werden an Jehovas großem Tag seiner Rechtfertigung seinem Strafurteil verfallen. Aber „jeder, der den Namen Jehovas anruft, [wird] sicher davonkommen“ (Joel 2:32; Psalm 145:20; Apostelgeschichte 2:20, 21).
20 Was wir soeben betrachtet haben, gehört zum zweiten Wehe. Wie die folgenden Kapitel zeigen werden, wird sich aber noch mehr ereignen, bevor dieses Wehe vorbei ist.
[Fußnoten]
a Henry Barclay Swete schreibt in seinem Commentary on Revelation über die Zahl „zwei Myriaden mal Myriaden“: „Diese ungeheuren Zahlen schließen eine buchstäbliche Erfüllung aus, und die nachfolgende Beschreibung bestätigt diese Schlußfolgerung.“
b Siehe die vorangehenden Seiten 119—126; ferner Rechtfertigung, Band III, 1932, herausgegeben von Jehovas Zeugen, Seite 81, 82.
c Im Gegensatz zu den Heuschrecken trugen die Angehörigen der Reiterheere nichts, „was Kronen gleich Gold zu sein schienen“ (Offenbarung 9:7). Das entspricht der Tatsache, daß die große Volksmenge, die heute den größeren Teil der Reiterheere ausmacht, nicht erwartet, in Gottes himmlischem Königreich zu regieren.
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Eine sowohl süße als auch bittere BotschaftDie Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
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Kapitel 24
Eine sowohl süße als auch bittere Botschaft
6. Vision — Offenbarung 10:1—11:19
Thema: Die Vision von der kleinen Buchrolle; Tempelerfahrungen; die siebte Trompete wird geblasen
Zeit der Erfüllung: Von der Inthronisierung Jesu im Jahre 1914 bis zur großen Drangsal
1, 2. (a) Was hat das zweite Wehe bewirkt, und wann wird dieses Wehe für abgeschlossen erklärt werden? (b) Wen sieht Johannes nun vom Himmel herabkommen?
DAS zweite Wehe ist verheerend gewesen. Es hat die Christenheit und ihre Führer — „ein Drittel der Menschen“ —, die dadurch als geistig tot bloßgestellt wurden, gequält (Offenbarung 9:15). Johannes muß sich anschließend gefragt haben, was das dritte Wehe wohl bringen werde. Doch halt! Das zweite Wehe ist noch nicht vorbei, jedenfalls nicht, ehe wir den Punkt erreicht haben, der in Offenbarung 11:14 beschrieben wird. Vorher soll Johannes noch Zeuge eines Wechsels in dem Geschehen werden, an dem er selbst beteiligt ist. Es beginnt mit einem ehrfurchteinflößenden Anblick:
2 „Und ich sah einen anderen starken Engel vom Himmel herabkommen, umhüllt mit einer Wolke, und ein Regenbogen war über seinem Haupt, und sein Angesicht war wie die Sonne, und seine Füße waren wie Feuersäulen“ (Offenbarung 10:1).
3. (a) Wer ist der „starke Engel“? (b) Was bedeutet der Regenbogen über seinem Haupt?
3 Wer ist dieser „starke Engel“? Offensichtlich der verherrlichte Jesus Christus, nur in einer anderen Rolle. Er ist mit einer Wolke umhüllt, die ihn unsichtbar macht, was uns an das erinnert, was Johannes schon früher über Jesus gesagt hat: „Siehe! Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstochen haben“ (Offenbarung 1:7; vergleiche Matthäus 17:2-5). Der Regenbogen über seinem Haupt erinnert uns an Johannes’ frühere Vision, in der er Jehovas Thron sah, der von einem „Regenbogen, dem Aussehen nach gleich einem Smaragd“, umgeben war (Offenbarung 4:3; vergleiche Hesekiel 1:28). Dieser Regenbogen deutete auf die Ruhe und den Frieden hin, die Gottes Thron umgeben. Desgleichen kennzeichnet der Regenbogen über dem Haupt des Engels diesen als einen besonderen Friedensboten, als Jehovas vorhergesagten „Fürsten des Friedens“ (Jesaja 9:6, 7).
4. Was wird dadurch angezeigt, daß (a) das Angesicht des starken Engels „wie die Sonne“ war und (b) seine Füße „wie Feuersäulen“?
4 Das Angesicht des starken Engels war „wie die Sonne“. In einer früheren Vision, in der Johannes Jesus im Tempel Gottes gesehen hatte, stellte er fest, daß Jesu „Antlitz ... wie die Sonne [war], wenn sie in ihrer Kraft leuchtet“ (Offenbarung 1:16). Als „Sonne der Gerechtigkeit“ leuchtet Jesus mit Heilung in seinen Flügeln zum Nutzen derer, die Jehovas Namen fürchten (Maleachi 4:2). Nicht nur das Angesicht dieses Engels war herrlich, sondern auch seine Füße, die „wie Feuersäulen“ waren. Seine Standfestigkeit ist die Standfestigkeit dessen, dem Jehova „alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben“ hat (Matthäus 28:18; Offenbarung 1:14, 15).
5. Was sieht Johannes in der Hand des starken Engels?
5 Johannes berichtet weiter: „Und in seiner Hand hatte er eine kleine geöffnete Buchrolle. Und er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer, seinen linken aber auf die Erde“ (Offenbarung 10:2). Noch eine Buchrolle? Ja, aber diese ist nicht versiegelt. Wir können — wie damals Johannes — bald weitere begeisternde Enthüllungen erwarten. Doch zunächst wird uns der Rahmen für das, was noch kommen soll, gezeigt.
6. (a) Warum ist es passend, daß Jesus seine Füße auf die Erde und auf das Meer gesetzt hat? (b) Wann erfüllte sich Psalm 8:5-8 vollständig?
6 Kehren wir zu der Beschreibung Jesu zurück. Er hat seine feurigen Füße auf die Erde und auf das Meer gesetzt, über die er nun uneingeschränkte Macht ausübt. Es ist geradeso, wie es in dem prophetischen Psalm heißt: „Auch gingst du [Jehova] daran, ihn [Jesus] ein wenig geringer zu machen als Gottähnliche, und mit Herrlichkeit und Pracht kröntest du ihn dann. Du läßt ihn herrschen über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gelegt: Kleinvieh und Rinder, sie alle, und auch die Tiere des freien Feldes, die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres, alles was die Pfade der Meere durchzieht“ (Psalm 8:5-8; siehe ferner Hebräer 2:5-9). Dieser Psalm erfüllte sich im Jahre 1914 vollständig, als Jesus zum König des Königreiches Gottes eingesetzt wurde und die Zeit des Endes begann. Was Johannes also in dieser Vision sieht, erfüllt sich seit jenem Jahr (Psalm 110:1-6; Apostelgeschichte 2:34-36; Daniel 12:4).
Die sieben Donner
7. Wie schreit der starke Engel, und was bedeutet sein Schrei?
7 Während Johannes diesen starken Engel nachdenklich betrachtet, wird er von diesem selbst abgelenkt: „Und er [der Engel] schrie mit lauter Stimme, so als ob ein Löwe brüllt. Und als er schrie, erhoben die sieben Donner ihre eigenen Stimmen“ (Offenbarung 10:3). Dieser laute Schrei erregt ziemlich sicher Johannes’ Aufmerksamkeit und ist für ihn die Bestätigung, daß Jesus wirklich ‘der Löwe aus dem Stamm Juda’ ist (Offenbarung 5:5). Sicher weiß Johannes auch, daß von Jehova manchmal ebenfalls gesagt wird, er „brülle“. Durch sein „Brüllen“ verkündet Jehova prophetisch das Wiederversammeln des geistigen Israel und das Kommen des verderbenbringenden „Tages Jehovas“ (Hosea 11:10; Joel 3:14, 16; Amos 1:2; 3:7, 8). Der dem Brüllen eines Löwen gleichende Schrei des starken Engels kündigt demnach offensichtlich ähnliche große Ereignisse für das Meer und die Erde an. Er veranlaßt die sieben Donner zu reden.
8. Was ist unter den ‘Stimmen der sieben Donner’ zu verstehen?
8 Johannes hat schon vorher Donner gehört, die aus dem Thron Jehovas hervorgingen (Offenbarung 4:5). In den Tagen Davids wurde „die Stimme Jehovas“ manchmal mit buchstäblichem Donner verglichen (Psalm 29:3). Als Jehova in den Tagen des irdischen Dienstes Jesu hörbar verkündete, er werde seinen Namen verherrlichen, dachten viele, es habe gedonnert (Johannes 12:28, 29). Man könnte daher vernünftigerweise folgern, daß die ‘Stimmen der sieben Donner’ die von Jehova kommende Äußerung seiner Vorsätze sind. Die Tatsache, daß es „sieben“ Donner waren, deutet auf die Vollständigkeit dessen hin, was Johannes hörte.
9. Was gebietet eine Stimme aus dem Himmel?
9 Doch horch! Eine weitere Stimme ertönt. Sie gebietet etwas, was Johannes merkwürdig vorkommen muß: „Als nun die sieben Donner redeten, war ich im Begriff zu schreiben; aber ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: ‚Versiegle die Dinge, die die sieben Donner redeten, und schreib sie nicht auf‘ “ (Offenbarung 10:4). Johannes muß genauso darauf bedacht gewesen sein, die donnerähnlichen Botschaften zu hören und niederzuschreiben, wie die Johannes-Klasse heute gespannt darauf gewartet hat, daß Jehova seine Vorsätze enthüllte, damit sie veröffentlicht werden konnten. Zu solchen Enthüllungen kommt es aber nur zu Jehovas bestimmter Zeit (Lukas 12:42; siehe ferner Daniel 12:8, 9).
Die Vollendung des heiligen Geheimnisses
10. Bei wem schwört der starke Engel, und was schwört er?
10 Inzwischen hat Jehova für Johannes einen anderen Auftrag. Nachdem die sieben Donner zu hören gewesen sind, redet der starke Engel wieder: „Und der Engel, den ich auf dem Meer und auf der Erde stehen sah, erhob seine rechte Hand zum Himmel, und bei dem, der da lebt für immer und ewig, der den Himmel und das, was darin ist, und die Erde und das, was darauf ist, und das Meer und das, was darin ist, erschaffen hat, schwor er: ‚Es wird keine Verzögerung mehr geben‘ “ (Offenbarung 10:5, 6). Bei wem schwört der starke Engel? Der verherrlichte Jesus schwört nicht bei sich selbst, sondern bei der höchsten Autorität, bei Jehova, dem unsterblichen Schöpfer des Himmels und der Erde (Jesaja 45:12, 18). Durch diesen Schwur versichert der Engel dem Johannes, daß es von seiten Gottes keine Verzögerung mehr geben wird.
11, 12. (a) Was ist damit gemeint, daß es „keine Verzögerung mehr“ geben wird? (b) Was wird vollendet sein?
11 Das hier mit „Verzögerung“ wiedergegebene griechische Wort chrónos bedeutet wörtlich „Zeit“. Einige Übersetzer waren deshalb der Meinung, diese Erklärung des Engels sollte wie folgt wiedergegeben werden: „Es wird keine Zeit mehr sein“ (Herder), als ob die uns bekannte Zeit enden würde. Das Wort chrónos wird an dieser Stelle jedoch ohne bestimmten Artikel gebraucht. Folglich ist darunter nicht die Zeit im allgemeinen zu verstehen, sondern „eine Zeit“ oder „ein Zeitabschnitt“. Anders ausgedrückt: Es wird für Jehova keinen weiteren Zeitabschnitt (oder keine Verzögerung) mehr geben. Ein von chrónos abgeleitetes Verb kommt auch in Hebräer 10:37 vor, wo Paulus aus Habakuk 2:3, 4 zitiert und schreibt: „Der Kommende ... wird nicht säumen [zögert nicht, Bruns].“
12 „Keine Verzögerung mehr“ — wie sehr ist doch die betagte Johannes-Klasse heute von diesen Worten angetan! In welcher Hinsicht gibt es keine Verzögerung mehr? Johannes sagt es uns: „In den Tagen der Stimme des siebten Engels, wenn er daran ist, seine Trompete zu blasen, wird das heilige Geheimnis Gottes gemäß der guten Botschaft, die er seinen eigenen Sklaven, den Propheten, verkündet hat, tatsächlich vollendet sein“ (Offenbarung 10:7). Für Jehova ist jetzt die Zeit gekommen, die Enthüllung seines heiligen Geheimnisses zu einem beispiellosen Erfolg zu bringen, zu einem beglückenden Höhepunkt.
13. Was ist unter dem heiligen Geheimnis Gottes zu verstehen?
13 Was ist unter diesem heiligen Geheimnis zu verstehen? Es schließt den Samen ein, der zum erstenmal in Eden verheißen wurde und mit dem vor allem Jesus Christus gemeint ist (1. Mose 3:15; 1. Timotheus 3:16). Es hat auch mit der Identität der Frau zu tun, die den Samen hervorbringt (Jesaja 54:1; Galater 4:26-28). Es schließt ferner die sekundären Glieder der Samen-Klasse und das Königreich ein, in dem der Same regiert (Lukas 8:10; Epheser 3:3-9; Kolosser 1:26, 27; 2:2; Offenbarung 1:5, 6). Die gute Botschaft von diesem einzigartigen himmlischen Königreich muß in der Zeit des Endes auf der ganzen Erde gepredigt werden (Matthäus 24:14).
14. Warum wird das dritte Wehe mit dem Königreich Gottes in Verbindung gebracht?
14 Das ist bestimmt die allerbeste Botschaft. Doch in Offenbarung 11:14, 15 wird mit dem Königreich das dritte Wehe in Verbindung gebracht. Warum? Weil die wie mit Trompeten bekanntgemachte gute Botschaft, daß das heilige Geheimnis Gottes vollendet ist — das heißt, daß Gottes messianisches Königreich hier ist —, für Menschen, die Satans System bevorzugen, eine schlechte Botschaft ist. (Vergleiche 2. Korinther 2:16.) Es bedeutet, daß die Weltordnung, die sie so sehr lieben, kurz vor ihrer Vernichtung steht. Die Stimmen der sieben Donner, von denen die ernsten Sturmwarnungen ausgehen, werden immer deutlicher und lauter, je näher wir dem großen Tag des Zorns Jehovas kommen (Zephanja 1:14-18).
Die geöffnete Buchrolle
15. Was gebieten die Stimme aus dem Himmel und der starke Engel Johannes, und was wird dadurch bei ihm bewirkt?
15 Während Johannes das Blasen der siebten Trompete und die Vollendung des heiligen Geheimnisses Gottes abwartet, wird ihm ein weiterer Auftrag gegeben: „Und die Stimme, die ich aus dem Himmel hörte, redet wieder mit mir und spricht: ‚Geh, nimm die geöffnete Buchrolle, die sich in der Hand des Engels befindet, der auf dem Meer und auf der Erde steht.‘ Und ich ging zu dem Engel hin und sagte ihm, er solle mir die kleine Buchrolle geben. Und er sprach zu mir: ‚Nimm sie, und iß sie auf, und sie wird deinen Bauch bitter machen, aber in deinem Mund wird sie süß sein wie Honig.‘ Und ich nahm die kleine Buchrolle aus der Hand des Engels und aß sie auf, und in meinem Mund war sie süß wie Honig; aber als ich sie aufgegessen hatte, wurde mein Bauch bitter gemacht. Und man sprach zu mir: ‚Du mußt wieder prophezeien über Völker und Nationen und Zungen und viele Könige‘ “ (Offenbarung 10:8-11).
16. (a) Welche ähnliche Erfahrung machte der Prophet Hesekiel? (b) Warum empfand Johannes die kleine Buchrolle in seinem Mund als süß, stellte aber bei der Verdauung fest, daß sie bitter war?
16 Dieses Erlebnis des Johannes hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der Erfahrung, die der Prophet Hesekiel machte, als er in Babylonien im Exil war. Auch ihm wurde geboten, eine Buchrolle zu essen, die dann in seinem Mund süß schmeckte. Als sie aber seinen Magen füllte, veranlaßte sie ihn, dem rebellischen Haus Israel bittere Dinge vorherzusagen (Hesekiel 2:8 bis 3:15). Die geöffnete Buchrolle, die der verherrlichte Jesus Christus dem Johannes gibt, ist ebenfalls eine göttliche Botschaft. Johannes soll ‘Völkern, Nationen, Zungen und vielen Königen’ predigen. Er ißt diese Buchrolle, und sie ist süß, weil sie göttlichen Ursprungs ist. (Vergleiche Psalm 119:103; Jeremia 15:15, 16.) Bei der Verdauung stellt er jedoch fest, daß sie bitter ist — wie es damals bei Hesekiel war —, denn sie veranlaßt ihn, rebellischen Menschen unangenehme Dinge anzukündigen (Psalm 145:20).
17. (a) Wer sagt Johannes, er solle „wieder“ prophezeien, und was bedeutet das? (b) Wann sollte sich diese dramatische Darstellung erfüllen?
17 Den Auftrag, wieder zu prophezeien, erhält Johannes zweifellos von Jehova Gott und Jesus Christus. Johannes lebt zwar auf der Insel Patmos im Exil, aber durch seine bisherigen Aufzeichnungen hat er bereits über Völker, Nationen, Zungen und Könige prophezeit. Das Wort „wieder“ bedeutet, daß er den restlichen Teil des Bibelbuches Offenbarung niederschreiben und veröffentlichen soll. Denken wir aber daran, daß Johannes im Moment selbst an der prophetischen Vision beteiligt ist. Was er niederschreibt, ist in Wirklichkeit eine Prophezeiung, die sich nach 1914 erfüllen würde, zu der Zeit, wenn der starke Engel seine Stellung über Erde und Meer einnähme. Was bedeutet diese dramatische Darstellung für die Johannes-Klasse heute?
Die kleine Buchrolle heute
18. Welches Interesse zeigte die Johannes-Klasse an der Offenbarung zu Beginn des Tages des Herrn?
18 Was Johannes sieht, deutet bemerkenswerterweise auf die Erfahrung hin, die die Johannes-Klasse zu Beginn des Tages des Herrn machte. Sie hatte damals noch kein vollständiges Verständnis der Vorsätze Jehovas und der eigentlichen Bedeutung der sieben Donner. Dennoch hatte sie großes Interesse an der Offenbarung, und Charles Taze Russell schrieb im Laufe seines Lebens viele Kommentare dazu. Nach seinem Tod (1916) wurden etliche seiner Schriften zusammengestellt und in einem Buch, betitelt Das vollendete Geheimnis, veröffentlicht. Aber mit der Zeit erwies sich dieses Buch als Erklärung der Offenbarung als unbefriedigend. Der Überrest der Brüder Christi konnte diesen inspirierten Bericht erst richtig verstehen, als sich die Vision zu erfüllen begann.
19. (a) Wie wurde die Johannes-Klasse von Jehova Gott schon gebraucht, bevor die Stimmen der sieben Donner vollständig bekanntgemacht worden waren? (b) Wann wurde der Johannes-Klasse die geöffnete kleine Buchrolle gegeben, und was bedeutete das für sie?
19 Doch wie Johannes, so wurden auch die Glieder des Überrestes von Jehova schon gebraucht, bevor die Stimmen der sieben Donner vollständig bekanntgemacht worden waren. Bereits vor 1914 hatten sie 40 Jahre lang eifrig gepredigt, und auch während des Ersten Weltkrieges bemühten sie sich beharrlich, aktiv zu bleiben. Sie waren es, die der Herr bei seiner Ankunft damit beschäftigt fand, den Hausknechten die Speise zur rechten Zeit auszuteilen (Matthäus 24:45-47). Ihnen wurde daher im Jahre 1919 die geöffnete kleine Buchrolle gegeben, eine offene Botschaft, die sie der Menschheit verkündigen sollten. Wie Hesekiel, so hatten auch sie eine Botschaft, die an eine untreue Organisation — an die Christenheit — gerichtet war, die behauptete, Gott zu dienen, es aber in Wirklichkeit nicht tat. Wie Johannes, so mußten auch sie weiterhin ‘Völkern, Nationen, Zungen und vielen Königen’ predigen.
20. Was wurde dadurch veranschaulicht, daß Johannes die Buchrolle aufaß?
20 Die Brüder Jesu nahmen diese Aufgabe an, was dadurch veranschaulicht wurde, daß Johannes die Buchrolle aufaß. Sie verleibten sie sich sozusagen ein und identifizierten sich dadurch mit diesem Teil des inspirierten Wortes Gottes, ja sie ernährten sich gewissermaßen davon. Die Botschaft, die sie predigen mußten, enthielt jedoch Äußerungen über Jehovas Richtersprüche, die für viele Menschen einen bitteren Nachgeschmack hatten. Dazu gehörten auch die in Offenbarung, Kapitel 8 vorhergesagten Plagen. Für diese aufrichtigen Christen war es jedoch „süß“, Jehovas Richtersprüche zu kennen und das Bewußtsein zu haben, von ihm wieder gebraucht zu werden, diese zu verkündigen (Psalm 19:9, 10).
21. (a) Was zeigt, daß auch die große Volksmenge die Botschaft der kleinen Buchrolle als süß empfindet? (b) Warum ist die gute Botschaft für Gegner eine schlechte Botschaft?
21 Mit der Zeit empfanden auch die Glieder der ‘großen Volksmenge aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen’, die wegen der Abscheulichkeiten, die sie in der Christenheit geschehen sahen, seufzten und stöhnten, die Botschaft dieser Buchrolle als süß (Offenbarung 7:9; Hesekiel 9:4). Sie beteiligen sich nun ebenfalls tatkräftig an der Verkündigung der guten Botschaft und verwenden dabei angenehme, gefällige Worte, um Jehovas wunderbare Vorkehrung für schafähnliche Christen zu beschreiben (Psalm 37:11, 29; Kolosser 4:6). Für Gegner ist es dagegen eine schlechte Botschaft. Weshalb? Weil sie für sie bedeutet, daß das System, auf das sie vertrauten — und das sie vielleicht sogar eine Zeitlang zufriedengestellt hatte —, weichen muß. Für sie bedeutet die gute Botschaft das Todesurteil (Philipper 1:27, 28; vergleiche 5. Mose 28:15; 2. Korinther 2:15, 16).
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Die Wiederbelebung der zwei ZeugenDie Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
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Kapitel 25
Die Wiederbelebung der zwei Zeugen
1. Wozu fordert der starke Engel Johannes auf?
BEVOR das zweite Wehe endgültig vorbei ist, wird Johannes von dem starken Engel aufgefordert, an einer weiteren prophetischen Darstellung teilzunehmen, diesmal in Verbindung mit dem Tempel (Offenbarung 9:12; 10:1). Johannes berichtet darüber folgendes: „Und es wurde mir ein Rohr gegeben, einem Stab gleich, als er sprach: ‚Steh auf, und miß das Tempelheiligtum Gottes und den Altar und die darin Anbetenden‘ “ (Offenbarung 11:1).
Das Tempelheiligtum
2. (a) Welches Tempelheiligtum sollte bis in unsere Zeit bestehen? (b) Wer ist der Hohepriester dieses Tempelheiligtums, und was ist unter dem Allerheiligsten dieses Tempels zu verstehen?
2 Der hier erwähnte Tempel kann kein buchstäblicher Tempel in Jerusalem sein, da der letzte Tempel dort im Jahre 70 u. Z. von den Römern zerstört wurde. Der Apostel Paulus wies jedoch schon vor der Zerstörung dieses Tempels auf die Entstehung eines anderen Tempelheiligtums hin, das bis heute bestehen sollte. Es handelte sich dabei um den großen geistigen Tempel, das Gegenbild der Stiftshütte und der späteren Tempel in Jerusalem, die als prophetische Vorbilder gedient hatten. Dieser Tempel ist ‘das wahre Zelt, das Jehova aufschlug und nicht ein Mensch’, und sein Hoherpriester ist Jesus, von dem Paulus sagte, er habe sich bereits „zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln gesetzt“. Das Allerheiligste dieses Tempels ist die Stätte der Gegenwart Jehovas im Himmel (Hebräer 8:1, 2; 9:11, 24).
3. Was wurde (a) durch den Vorhang der Stiftshütte, der das Allerheiligste vom Heiligen trennte, (b) durch die Tieropfer und (c) durch den Opferaltar veranschaulicht?
3 Gemäß der Erklärung des Apostels Paulus stellt der Vorhang der Stiftshütte, der das Allerheiligste vom Heiligen trennte, Jesu Fleisch dar. Als Jesus sein Leben opferte, wurde dieser Vorhang entzweigerissen, was zeigte, daß das Fleisch für Jesus keine Schranke mehr war, die ihm den Eingang zu Jehovas Gegenwart im Himmel versperrte. Aufgrund des Opfers Jesu sollten zur bestimmten Zeit auch seine gesalbten Unterpriester, die in Treue sterben würden, in den Himmel eingehen (Matthäus 27:50, 51; Hebräer 9:3; 10:19, 20). Paulus macht ferner darauf aufmerksam, daß die Tieropfer, die in der Stiftshütte ständig dargebracht wurden, auf das eine Opfer des vollkommenen menschlichen Lebens Jesu hinwiesen. Der Opferaltar im Vorhof stellte die dem Willen Jehovas entsprechende Vorkehrung zur Annahme des Opfers Jesu dar, aus dem die „vielen“ Nutzen zogen — zunächst die Gesalbten und später die anderen Schafe —, ‘die ihn zu ihrer Rettung ernstlich erwarteten’ (Hebräer 9:28; 10:9, 10; Johannes 10:16).
4. Was wurde (a) durch das Heilige und (b) durch den inneren Vorhof versinnbildlicht?
4 Aus diesem göttlich inspirierten Aufschluß können wir folgern, daß das Heilige in der Stiftshütte einen heiligen Zustand versinnbildlicht, in dem sich zunächst Christus befand und sich dann auch die gesalbten Glieder der königlichen Priesterschaft, die 144 000, befinden, während ihres Daseins auf der Erde, vor dem Durchgehen „durch den Vorhang“ (Hebräer 6:19, 20; 1. Petrus 2:9). Es veranschaulicht treffend, daß Gott sie als seine geistigen Söhne angenommen hat, wie er Jesus nach seiner Taufe im Jordan (29 u. Z.) als seinen Sohn anerkannte (Lukas 3:22; Römer 8:15). Und wie verhält es sich mit dem inneren Vorhof — der einzige Teil der Stiftshütte, den die nichtpriesterlichen Israeliten sehen konnten, und die Stätte, wo die Opfer dargebracht wurden? Er stellt den vollkommenen Zustand des Menschen Jesus dar, der es ihm ermöglichte, sein Leben zugunsten der Menschheit zu opfern. Er versinnbildlicht auch den gerechten Zustand, dessen sich die gesalbten Nachfolger Jesu als Heilige aufgrund seines Opfers zugerechnetermaßen erfreuen, solange sie auf der Erde sinda (Römer 1:7; 5:1).
Das Tempelheiligtum messen
5. Was war in den Prophezeiungen der Hebräischen Schriften (a) mit dem Messen Jerusalems gemeint und (b) mit dem Messen des Tempels, den Hesekiel in einer Vision gesehen hatte?
5 Johannes wird aufgefordert, „das Tempelheiligtum Gottes und den Altar und die darin Anbetenden“ zu messen. Was ist damit gemeint? In Prophezeiungen der Hebräischen Schriften steht das Messen als Gewähr dafür, daß durch die Anwendung von Jehovas vollkommenen Maßstäben Gerechtigkeit geübt wird. In den Tagen des schlechten Königs Manasse bedeutete das vorhergesagte Messen der Stadt Jerusalem für sie ein unabänderliches Vernichtungsurteil (2. Könige 21:13; Klagelieder 2:8). Später, als Jeremia sah, daß Jerusalem gemessen wurde, war dies jedoch eine Bestätigung, daß die Stadt wieder aufgebaut werden würde (Jeremia 31:39; siehe ferner Sacharja 2:2-8). Ebenso bot die ausgedehnte und genaue Messung des Tempels, den Hesekiel in einer Vision sah, den im Babylonischen Exil lebenden Juden die Gewähr dafür, daß die wahre Anbetung in ihrer Heimat wiederhergestellt werden würde. Sie sollten angesichts ihrer Vergehungen auch daran erinnert werden, daß sie sich künftig an Gottes heilige Maßstäbe zu halten hatten (Hesekiel 40:3, 4; 43:10).
6. Wofür ist die an Johannes gerichtete Aufforderung, das Tempelheiligtum und die darin anbetenden Priester zu messen, ein Zeichen? Erkläre es.
6 Demnach ist die an Johannes gerichtete Aufforderung, das Tempelheiligtum und die darin anbetenden Priester zu messen, ein Zeichen dafür, daß nichts die Vorsätze Jehovas in bezug auf die Tempeleinrichtung und die, die damit verbunden sind, durchkreuzen kann und daß die Verwirklichung dieser Vorsätze bald ihren Höhepunkt erreicht. Da jetzt alle Dinge den Füßen des starken Engels Jehovas unterworfen worden sind, ist es an der Zeit, daß „der Berg des Hauses Jehovas fest gegründet“ wird „über dem Gipfel der Berge“ (Jesaja 2:2-4). Jehovas reine Anbetung muß nach Jahrhunderten des Abfalls der Christenheit hoch erhoben werden. Außerdem ist für die treuen Brüder Jesu, die gestorben sind, die Zeit gekommen, auferweckt zu werden, um in „das Hochheilige“ einzugehen (Daniel 9:24; 1. Thessalonicher 4:14-16; Offenbarung 6:11; 14:4). Und die letzten noch auf der Erde lebenden versiegelten „Sklaven unseres Gottes“ müssen nach den göttlichen Maßstäben gemessen werden, um als geistgezeugte Söhne Gottes für immer ihre Stellung in der Tempeleinrichtung einnehmen zu können. Die Johannes-Klasse kennt diese heiligen Maßstäbe heute genau und ist entschlossen, ihnen zu entsprechen (Offenbarung 7:1-3; Matthäus 13:41, 42; Epheser 1:13, 14; vergleiche Römer 11:20).
Das Niedertreten des Vorhofs
7. (a) Warum wurde Johannes gesagt, er solle den Vorhof nicht messen? (b) Wann wurde die heilige Stadt 42 Monate lang niedergetreten? (c) Inwiefern versäumte die Geistlichkeit der Christenheit während der 42 Monate, sich an Jehovas gerechte Maßstäbe zu halten?
7 Warum durfte Johannes aber den Vorhof nicht messen? Er sagt es uns mit folgenden Worten: „Aber was den Vorhof außerhalb des Tempelheiligtums betrifft, wirf ihn hinaus und miß ihn nicht, denn er ist den Nationen gegeben worden, und sie werden die heilige Stadt zweiundvierzig Monate lang niedertreten“ (Offenbarung 11:2). Wir haben festgestellt, daß der innere Vorhof den gerechten Zustand der geistgezeugten Christen auf der Erde darstellt. Wie wir noch sehen werden, sind hier die buchstäblichen 42 Monate gemeint, die vom Dezember 1914 bis Juni 1918 dauerten und in denen alle, die sich zum Christentum bekannten, einer schweren Prüfung unterzogen wurden. Hielten sie sich während jener Kriegsjahre alle an Jehovas gerechte Maßstäbe? Die meisten nicht. Die Geistlichkeit der Christenheit als Ganzes zog den Nationalismus dem Gehorsam gegenüber dem göttlichen Gesetz vor. Auf beiden Seiten der kriegführenden Parteien, die größtenteils der Christenheit angehörten, trieb die Geistlichkeit die jungen Männer durch ihre Predigten in die Schützengräben. Millionen fanden den Tod. Zu der Zeit, als das Gericht beim Hause Gottes anfing (1918), waren auch die Vereinigten Staaten an diesem blutigen Krieg beteiligt, und die Geistlichkeit der ganzen Christenheit hatte sich eine Blutschuld aufgeladen, die immer noch nach göttlicher Rache schreit (1. Petrus 4:17). Sie ist für immer, ja unwiderruflich „hinausgeworfen“ worden (Jesaja 59:1-3, 7, 8; Jeremia 19:3, 4).
8. Was erkannten viele Bibelforscher während des Ersten Weltkrieges, doch was verstanden sie noch nicht so recht?
8 Wie verhielt es sich aber mit der kleinen Gruppe der Bibelforscher? Sollten sie im Jahre 1914 sogleich in bezug auf ihr Festhalten an göttlichen Maßstäben „gemessen“ werden? Nein. Wie die angeblichen Christen der Christenheit sollten auch sie geprüft werden. Sie wurden ‘hinausgeworfen und den Nationen gegeben’, was für sie eine schwere Prüfung und Verfolgung mit sich brachte. Viele von ihnen hatten erkannt, daß sie nicht ausziehen durften, um ihre Mitmenschen zu töten, aber sie wußten doch noch nicht so recht, was christliche Neutralität bedeutet (Micha 4:3; Johannes 17:14, 16; 1. Johannes 3:15). Unter dem Druck der Nationen machten einige Zugeständnisse.
9. Was ist unter der heiligen Stadt zu verstehen, die von den Nationen niedergetreten wurde, und wer vertritt sie auf der Erde?
9 Inwiefern wurde aber die heilige Stadt von den Nationen niedergetreten? Offensichtlich ist mit dieser Stadt nicht das Jerusalem gemeint, das über 25 Jahre vor der Niederschrift der Offenbarung zerstört worden war. Nein, die heilige Stadt ist das Neue Jerusalem, das in der Offenbarung später beschrieben und das gegenwärtig auf der Erde durch den Überrest der gesalbten Christen im inneren Vorhof des Tempels vertreten wird. Mit der Zeit werden auch sie zu einem Teil der heiligen Stadt werden. Das Niedertreten dieser Christen ist somit gleichbedeutend mit dem Niedertreten der Stadt selbst (Offenbarung 21:2, 9-21).
Die zwei Zeugen
10. Was sollten Jehovas treue Zeugen tun, während sie niedergetreten wurden?
10 Selbst als diese Loyalgesinnten niedergetreten wurden, hörten sie nicht auf, treue Zeugen Jehovas zu sein. Deshalb heißt es in der Prophezeiung weiter: „ ‚Und ich will meine zwei Zeugen tausendzweihundertsechzig Tage mit Sacktuch bekleidet prophezeien lassen.‘ Diese sind versinnbildlicht durch die zwei Olivenbäume und die zwei Leuchter und stehen vor dem Herrn der Erde“ (Offenbarung 11:3, 4, „Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen“).
11. Was bedeutete es für die treuen gesalbten Christen, „mit Sacktuch bekleidet“ zu prophezeien?
11 Diese treuen gesalbten Christen mußten Ausharren bekunden, denn sie sollten „mit Sacktuch bekleidet“ prophezeien. Was bedeutete das? In biblischen Zeiten versinnbildlichte Sacktuch oft Trauer. Mit Sacktuch bekleidet zu sein war ein Zeichen dafür, daß man vor Kummer oder Leid niedergedrückt war (1. Mose 37:34; Hiob 16:15, 16; Hesekiel 27:31). Sacktuch wird mit den unheilkündenden oder betrüblichen Botschaften, die Gottes Propheten verkündigen mußten, in Verbindung gebracht (Jesaja 3:8, 24-26; Jeremia 48:37; 49:3). Das Tragen von Sacktuch konnte auch Demut oder Reue aufgrund einer göttlichen Warnung andeuten (Jona 3:5). Das Sacktuch, mit dem die zwei Zeugen bekleidet waren, scheint auf ihr demütiges Ausharren im Ankündigen der Urteilssprüche Jehovas hinzudeuten. Sie waren Zeugen, die seinen Tag der Rache verkündigten, der für die Nationen Trauer mit sich bringen würde (5. Mose 32:41-43).
12. Warum ist die Länge des Zeitabschnitts, in dem die heilige Stadt niedergetreten wurde, offenbar buchstäblich aufzufassen?
12 Die Johannes-Klasse mußte diese Botschaft während einer bestimmten Zeit predigen, und zwar 1 260 Tage oder 42 Monate — ebensolang, wie die heilige Stadt niedergetreten werden sollte. Die Länge dieses Zeitabschnitts ist offenbar buchstäblich aufzufassen, da sie auf zwei verschiedene Arten angegeben wird, zuerst in Monaten und dann in Tagen. Gleichzeitig mit dem Beginn des Tages des Herrn begannen die dreieinhalb Jahre, in denen Gottes Diener all die bitteren Erfahrungen durchmachten, die in den obigen Versen vorhergesagt wurden, das heißt die Zeitspanne von Dezember 1914 bis Juni 1918 (Offenbarung 1:10). Sie predigten eine „Sacktuch“-Botschaft, die Botschaft von Jehovas Urteil über die Christenheit und die Welt.
13. (a) Was wird dadurch angedeutet, daß die gesalbten Christen durch zwei Zeugen versinnbildlicht wurden? (b) An welche Prophezeiung Sacharjas werden wir dadurch erinnert, daß Johannes die zwei Zeugen als „die zwei Olivenbäume und die zwei Leuchter“ bezeichnet?
13 Daß sie durch zwei Zeugen versinnbildlicht wurden, ist für uns eine Bestätigung, daß ihre Botschaft der Wahrheit entsprach und gut begründet war. (Vergleiche 5. Mose 17:6; Johannes 8:17, 18.) Johannes bezeichnet sie als „die zwei Olivenbäume und die zwei Leuchter“ und sagt von ihnen, sie ständen „vor dem Herrn der Erde“. Damit bezog er sich offensichtlich auf die Prophezeiung Sacharjas, der einen siebenarmigen Leuchter und zwei Olivenbäume sah. Von den Olivenbäumen heißt es, sie veranschaulichten „die zwei Gesalbten“ — den Statthalter Serubbabel und den Hohenpriester Josua —, „die neben dem Herrn der ganzen Erde stehen“ (Sacharja 4:1-3, 14).
14. (a) Was wurde in Sacharjas Vision durch die zwei Olivenbäume und durch den Leuchter angedeutet? (b) Was erlebten die gesalbten Christen während des Ersten Weltkrieges?
14 Sacharja lebte in einer Zeit des Wiederaufbaus, und seine Vision von den zwei Olivenbäumen bedeutete, daß Serubbabel und Josua mit Jehovas Geist gesegnet würden, um das Volk zur Tätigkeit zu ermutigen. Die Vision von dem Leuchter erinnerte Sacharja daran, ‘den Tag kleiner Dinge nicht zu verachten’, weil Jehovas Vorsätze verwirklicht werden würden, und zwar „ ‚nicht durch eine Streitmacht noch durch Kraft, sondern durch meinen Geist‘, hat Jehova der Heerscharen gesagt“ (Sacharja 4:6, 10; 8:9). Die kleine Schar Christen, die während des Ersten Weltkrieges den Menschen beharrlich das Licht der Wahrheit überbrachten, wurden für ein ähnliches Wiederaufbauwerk eingesetzt. Auch sie waren eine Quelle der Ermutigung, und da sie nur so wenige waren, mußten sie lernen, sich auf Jehovas Kraft zu verlassen, und durften den Tag kleiner Anfänge nicht verachten.
15. (a) Woran werden wir dadurch, daß die gesalbten Christen als zwei Zeugen beschrieben wurden, auch noch erinnert? Erkläre es. (b) Welche Art von Zeichen zu tun, haben die zwei Zeugen Gewalt?
15 Daß sie als zwei Zeugen beschrieben wurden, erinnert uns an die Umgestaltung. In dieser Vision wurde Jesus von dreien seiner Apostel in der Herrlichkeit des Königreiches zusammen mit Moses und Elia gesehen. Das deutete prophetisch an, daß sich Jesus im Jahre 1914 auf seinen Thron der Herrlichkeit setzen würde, um ein Werk durchzuführen, das im Vorbild von diesen beiden Propheten durchgeführt wurde (Matthäus 17:1-3). Passenderweise sieht man die zwei Zeugen Zeichen tun, die an die Zeichen erinnern, die Moses und Elia taten. Johannes sagt zum Beispiel über sie: „Und wenn ihnen jemand schaden will, geht Feuer von ihrem Mund aus und verzehrt ihre Feinde; und sollte ihnen jemand schaden wollen, so muß er auf diese Weise getötet werden. Diese haben die Gewalt, den Himmel zu verschließen, damit während der Tage, da sie prophezeien, kein Regen falle“ (Offenbarung 11:5, 6a).
16. (a) Wieso erinnert uns das mit Feuer verbundene Zeichen an die Zeit, als die Gewalt oder Autorität Mose in Israel in Frage gestellt wurde? (b) Was hielt die Geistlichkeit der Christenheit den Bibelforschern höhnisch entgegen, wie bereitete sie ihnen während des Ersten Weltkrieges Schwierigkeiten, und wodurch setzten diese ihren Kampf fort?
16 Das erinnert uns an die Zeit, als die Gewalt oder Autorität des Propheten Moses in Israel in Frage gestellt wurde. Mit feurigen Worten verurteilte Moses die Rebellen, und Jehova vernichtete sie, 250 von ihnen durch buchstäbliches Feuer vom Himmel (4. Mose 16:1-7, 28-35). In der Neuzeit hielten die Führer der Christenheit den Bibelforschern höhnisch entgegen, sie hätten keinen akademischen Grad an einer theologischen Hochschule erworben. Jehovas Zeugen verfügten jedoch als Diener Gottes über höhere Auszeichnungen: die sanftmütigen Menschen, die ihre biblische Botschaft annahmen (2. Korinther 3:2, 3). Im Jahre 1917 veröffentlichten die Bibelforscher Das vollendete Geheimnis, einen eindrucksvollen Kommentar zur Offenbarung und zu Hesekiel. Danach wurden 10 000 000 Exemplare des vierseitigen Traktats The Bible Students Monthly (Der Schriftforscher, Monatsheft) verbreitet, das den Artikel enthielt: „Der Fall Babylons — Warum die Christenheit jetzt leiden muß — Das Endergebnis“. In den Vereinigten Staaten machte sich die wütende Geistlichkeit die Kriegshysterie zunutze, um ein Verbot des erwähnten Buches zu erwirken. In anderen Ländern wurde das Buch zensiert. Dessenungeachtet setzten Gottes Diener ihren Kampf durch feurige Botschaften fort, die sie in mehreren Ausgaben des vierseitigen Traktats Königreichsnachrichten veröffentlichten. Im Verlauf des Tages des Herrn erschienen weitere Publikationen, in denen unmißverständlich auf das geistige Versagen der Christenheit hingewiesen wurde. (Vergleiche Jeremia 5:14.)
17. (a) Welche Ereignisse in den Tagen Elias waren mit einer Dürre und mit Feuer verbunden? (b) Inwiefern ging Feuer vom Mund der zwei Zeugen aus, und welche Dürre war damit verbunden?
17 Und wie war es mit Elia? In den Tagen der Könige Israels kündigte dieser Prophet eine Dürre an, durch die Jehovas Zorn über die israelitischen Baalsanbeter zum Ausdruck kommen sollte. Diese Dürre dauerte dreieinhalb Jahre (1. Könige 17:1; 18:41-45; Lukas 4:25; Jakobus 5:17). Als der untreue König Ahasja später Soldaten zu Elia sandte, die ihn vor den König bringen sollten, rief der Prophet Feuer vom Himmel herab, das die Soldaten verzehrte. Erst als ein Oberster den richtigen Respekt vor der Stellung des Propheten zeigte, war Elia bereit, mit ihm zum König zu gehen (2. Könige 1:5-16). In den Jahren 1914 bis 1918 machte der gesalbte Überrest mutig auf die in der Christenheit herrschende geistige Dürre aufmerksam und warnte vor einem feurigen Strafgericht, „vor dem Kommen des großen und furchteinflößenden Tages Jehovas“ (Maleachi 4:1, 5; Amos 8:11).
18. (a) Welche Gewalt oder Autorität wird den zwei Zeugen gegeben, und inwiefern gleicht sie der Gewalt oder Autorität, die Moses verliehen wurde? (b) Wie stellten die zwei Zeugen die Christenheit bloß?
18 Johannes berichtet über die zwei Zeugen weiter: „Und sie haben Gewalt über die Wasser, um sie in Blut zu verwandeln, und die Erde mit jeder Art von Plagen zu schlagen, sooft sie es wünschen“ (Offenbarung 11:6b). Um Pharao zu bewegen, Israel ziehen zu lassen, ließ Jehova durch Moses über das bedrückende Ägypten verschiedene Plagen kommen, zu denen auch das Verwandeln von Wasser in Blut gehörte. Jahrhunderte später erinnerten sich die Philister, die Feinde Israels, noch gut an das, was Jehova an Ägypten getan hatte, weshalb sie ausriefen: „Wer wird uns aus der Hand dieses majestätischen Gottes retten? Das ist der Gott, der Ägypten mit jeder Art der Schlachtung [„Plagen“, Menge] in der Wildnis schlug“ (1. Samuel 4:8; Psalm 105:29). Moses stellte Jesus dar, der die Befugnis oder Gewalt hatte, die damaligen geistlichen Führer für von Gott verurteilt zu erklären (Matthäus 23:13; 28:18; Apostelgeschichte 3:22). Und die Brüder Christi, die zwei Zeugen, wiesen auf die tödliche Wirkung der „Wasser“ hin, die die geistlichen Führer der Christenheit ihren Herden vorsetzten.
Die zwei Zeugen werden getötet
19. Was geschieht gemäß dem Bericht in der Offenbarung, wenn die zwei Zeugen ihr Zeugniswerk beendet haben?
19 Diese Plagen trafen die Christenheit so hart, daß sie sich — nachdem die zwei Zeugen 42 Monate lang mit Sacktuch bekleidet prophezeit hatten — ihren weltlichen Einfluß zunutze machte, um die beiden „töten“ zu lassen. Johannes schreibt: „Wenn sie ihr Zeugnisgeben beendet haben, wird das wilde Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, Krieg mit ihnen führen und sie besiegen und sie töten. Und ihre Leichname werden auf der breiten Straße der großen Stadt liegen, die in geistigem Sinne Sodom und Ägypten heißt, wo auch ihr Herr an den Pfahl gebracht wurde. Und Leute von den Völkern und Stämmen und Zungen und Nationen werden ihre Leichname dreieinhalb Tage lang anschauen, und sie lassen nicht zu, daß ihre Leichname in eine Gruft gelegt werden. Und die, die auf der Erde wohnen, freuen sich über sie und sind froh, und sie werden einander Gaben senden, weil diese zwei Propheten die, die auf der Erde wohnen, quälten“ (Offenbarung 11:7-10).
20. Was ist unter dem ‘wilden Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt’, zu verstehen?
20 Das ist die erste von 37 Stellen in der Offenbarung, wo ein wildes Tier erwähnt wird. Zur gegebenen Zeit werden wir dieses und andere Tiere eingehender betrachten. Im Moment mag es genügen zu sagen, daß „das wilde Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt“, ein von Satan ins Leben gerufenes politisches System der Dinge ist.b (Vergleiche Offenbarung 13:1; Daniel 7:2, 3, 17.)
21. (a) Wie nutzten die religiösen Feinde der zwei Zeugen die Kriegsverhältnisse aus? (b) Was wird dadurch angedeutet, daß die Leichname der zwei Zeugen nicht begraben wurden? (c) Wie ist der Zeitabschnitt von dreieinhalb Tagen aufzufassen? (Siehe Fußnote.)
21 In den Jahren 1914 bis 1918 waren die Nationen mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigt. Nationalistische Gefühle erhitzten die Gemüter, und im Frühling des Jahres 1918 machten sich die religiösen Feinde der zwei Zeugen diese Situation zunutze. Es gelang ihnen, die staatliche Gerichtsbarkeit so weit zu beeinflussen, daß einige verantwortliche Prediger der Bibelforscher zu Unrecht staatsfeindlicher Umtriebe angeklagt wurden und ins Gefängnis kamen. Ihre treuen Mitarbeiter waren bestürzt. Das Königreichswerk kam beinahe zum Stillstand. Es war, als ob das Predigtwerk tot gewesen wäre. In biblischen Zeiten war es eine furchtbare Demütigung, nicht in einer Gedächtnisgruft beigesetzt zu werden (Psalm 79:1-3; 1. Könige 13:21, 22). Unbegraben liegen gelassen zu werden wäre für die zwei Zeugen somit eine große Schmach gewesen. In dem heißen Klima Palästinas würde ein auf offener Straße liegender Leichnam nach dreieinhalb buchstäblichen Tagen zu riechen beginnen.c (Vergleiche Johannes 11:39.) Diese Einzelheit der Prophezeiung zeigt demnach an, welche Schande die zwei Zeugen ertragen mußten. Man lehnte es sogar ab, die obenerwähnten Inhaftierten gegen Kaution freizulassen, bevor die Berufungsverhandlungen abgeschlossen waren. Sie wurden so lange in der Öffentlichkeit bloßgestellt, daß sie für die Bewohner der „großen Stadt“ sozusagen zum Gestank wurden. Was ist aber mit dieser „großen Stadt“ gemeint?
22. (a) Was ist mit der großen Stadt gemeint? Erkläre es. (b) Inwiefern schloß sich die Presse der Geistlichkeit in der Freude darüber an, daß die zwei Zeugen zum Schweigen gebracht worden waren? (Siehe Kästchen.)
22 Johannes gibt uns einige Anhaltspunkte. Er sagt, Jesus sei dort an den Pfahl geschlagen worden. Wir denken deshalb sogleich an Jerusalem. Er erwähnt aber auch, daß die große Stadt Sodom und Ägypten heißt. Das buchstäbliche Jerusalem wurde einst wegen seiner unreinen Handlungen Sodom genannt (Jesaja 1:8-10; vergleiche Hesekiel 16:49, 53-58). Und Ägypten, die erste Weltmacht, erscheint mitunter als Sinnbild des gegenwärtigen Weltsystems der Dinge (Jesaja 19:1, 19; Joel 3:19). Diese große Stadt versinnbildlicht somit ein verunreinigtes „Jerusalem“, das angeblich Gott anbetet, in Wirklichkeit aber ebenso unrein und sündig ist wie einst Sodom, und das wie das damalige Ägypten zu dem gegenwärtigen satanischen Weltsystem der Dinge gehört. Sie stellt die Christenheit dar, das neuzeitliche Gegenstück des untreuen Jerusalem, die Organisation, deren Angehörige so viel Ursache zur Freude hatten, als es ihnen gelang, die belästigende Predigttätigkeit der zwei Zeugen lahmzulegen.
Wieder auferweckt!
23. (a) Was erlebten die zwei Zeugen nach den dreieinhalb Tagen, und wie wirkte sich das auf ihre Feinde aus? (b) Wann erfüllten sich in der Neuzeit Offenbarung 11:11, 12 und Hesekiels Prophezeiung über das Tal der verdorrten Gebeine, die Jehova anhauchte?
23 Die Presse schloß sich der Geistlichkeit in ihrer Verleumdung des Volkes Gottes an. In einer Zeitung hieß es: „Dem Vollendeten Geheimnis ist ein Ende gemacht worden.“ Doch weit gefehlt! Die zwei Zeugen blieben nicht tot. Wir lesen: „Und nach den dreieinhalb Tagen kam von Gott her Geist des Lebens in sie, und sie stellten sich auf ihre Füße, und große Furcht befiel die, die sie sahen. Und sie hörten eine laute Stimme aus dem Himmel zu ihnen sagen: ‚Kommt hierherauf.‘ Und sie gingen in der Wolke in den Himmel hinauf, und ihre Feinde sahen sie“ (Offenbarung 11:11, 12). Sie hatten demnach ein ähnliches Erlebnis wie die verdorrten Gebeine in dem Tal, das Hesekiel in einer Vision besichtigte. Jehova hauchte jene verdorrten Gebeine an, und sie wurden lebendig. Das veranschaulichte die Wiedergeburt der Nation Israel nach 70jähriger Gefangenschaft in Babylon (Hesekiel 37:1-14). Diese beiden Prophezeiungen, aus Hesekiel und aus der Offenbarung, erfüllten sich auffallend im Jahre 1919, als Jehova seine „verstorbenen“ Zeugen wieder zu tätigem Leben erweckte.
24. Wie wirkte sich die Wiederbelebung der zwei Zeugen auf ihre religiösen Verfolger aus?
24 Welch ein Schock für ihre Verfolger! Die Leichname der zwei Zeugen waren plötzlich wieder am Leben und aktiv. Das war für jene Geistlichen eine bittere Pille, um so mehr, als sich die christlichen Prediger, die auf ihre Veranlassung ins Gefängnis gekommen waren, wieder auf freiem Fuß befanden und später völlig rehabilitiert wurden. Noch mehr bestürzt müssen sie gewesen sein, als die Bibelforscher im September 1919 in Cedar Point (Ohio, USA) einen Kongreß abhielten. Bei dieser Gelegenheit hielt J. F. Rutherford, der kurz vorher aus dem Gefängnis entlassen worden war, die aufrüttelnde Ansprache „Die Verkündigung des Königreiches“, die sich auf Offenbarung 15:2 und Jesaja 52:7 stützte. Die Glieder der Johannes-Klasse begannen wieder zu „prophezeien“, das heißt öffentlich zu predigen. Mit neuer Kraft stellten sie die Heuchelei der Christenheit immer deutlicher bloß.
25. (a) Wann wurde zu den zwei Zeugen gesagt: „Kommt hierherauf“, und wie geschah dies? (b) Welche schockierende Wirkung hatte die Wiederherstellung der zwei Zeugen auf die große Stadt?
25 Die Christenheit versuchte wiederholt, einen Sieg wie den im Jahre 1918 zu erringen. Man nahm Zuflucht zu Pöbelaktionen, zur Rechtsverdrehung, zu Gefängnisstrafen und sogar zu Hinrichtungen — alles aber ohne Erfolg! Nach 1919 befand sich der geistige Bereich der zwei Zeugen außerhalb der Reichweite ihrer Feinde. In jenem Jahr hatte Jehova zu ihnen gesagt: „Kommt hierherauf“, und sie waren in eine erhöhte geistige Stellung aufgestiegen, in der ihre Feinde sie zwar sehen, aber ihnen nichts anhaben konnten. Wie sehr die große Stadt durch die Wiederherstellung der zwei Zeugen erschüttert wurde, beschreibt Johannes wie folgt: „Und in jener Stunde ereignete sich ein großes Erdbeben, und ein Zehntel der Stadt fiel; und siebentausend Personen wurden durch das Erdbeben getötet, und die übrigen gerieten in Furcht und verherrlichten den Gott des Himmels“ (Offenbarung 11:13). Es kam im religiösen Bereich tatsächlich zu großen Erschütterungen. Es war, als ob sich der Boden unter den Füßen der Führer der anerkannten Kirchen bewegte, als diese Gruppe wiederbelebter Christen ans Werk ging. Ein Zehntel der Stadt, in übertragenem Sinn 7 000 Personen, wurden so gründlich betroffen, daß von ihnen gesagt wird, sie seien getötet worden.
26. Wer wird durch das „Zehntel der Stadt“ und die „siebentausend“, die in Offenbarung 11:13 erwähnt werden, dargestellt? Erkläre es.
26 Der Ausdruck „ein Zehntel der Stadt“ erinnert uns daran, daß Jesaja über das alte Jerusalem prophezeite, ein Zehntel werde als ein heiliger Same die Zerstörung der Stadt überleben (Jesaja 6:13). Und die Zahl 7 000 erinnert uns daran, daß Jehova zu Elia — der dachte, er sei der einzige in Israel, der treu geblieben sei — sagte, es seien noch 7 000 übriggeblieben, die sich nicht vor Baal gebeugt hätten (1. Könige 19:14, 18). Im ersten Jahrhundert äußerte der Apostel Paulus den Gedanken, daß diese 7 000 den Überrest der Juden darstellten, der die gute Botschaft über den Christus annahm (Römer 11:1-5). Diese Bibeltexte helfen uns verstehen, daß die „siebentausend“ und das „Zehntel der Stadt“, die in Offenbarung 11:13 erwähnt werden, diejenigen sind, die auf die wiederhergestellten zwei Zeugen hören und die sündige große Stadt verlassen. Sie sterben gleichsam in den Augen der Christenheit. Ihre Namen wurden aus ihren Kirchenregistern gestrichen. Sie existieren für sie nicht mehr.d
27, 28. (a) Inwiefern ‘verherrlichten die übrigen den Gott des Himmels’? (b) Was mußte die Geistlichkeit der Christenheit zugeben?
27 Wie aber ‘verherrlichten die übrigen [der Christenheit] den Gott des Himmels’? Jedenfalls nicht dadurch, daß sie ihre abtrünnige Religion aufgaben und Diener Gottes wurden. Es ist vielmehr so zu verstehen, wie es in dem Werk Word Studies in the New Testament von Vincent erklärt wird, in dem über die Worte „verherrlichten den Gott des Himmels“ gesagt wird: „Diese Wendung bedeutet weder Bekehrung noch Reue, noch Danksagung, sondern Anerkennung; das ist ihr üblicher Sinn in der Bibel. Vergleiche Jos. 7, 19 (Sept.). Joh. 9, 24; Apg. 12, 23; Röm. 4, 20.“ Die Christenheit mußte zu ihrem Leidwesen zugeben, daß der Gott der Bibelforscher durch deren Wiederbelebung zur christlichen Tätigkeit etwas Großes getan hatte.
28 Vielleicht machten Geistliche dieses Eingeständnis nur in ihrem Innern oder sich selbst gegenüber. Jedenfalls ist von keinem bekannt, daß er den Gott der zwei Zeugen öffentlich anerkannt hätte. Die von Johannes geäußerte Prophezeiung Jehovas hilft uns jedoch erkennen, was in ihrem Herzen vor sich ging und welche Demütigung sie im Jahre 1919 erfuhren. Von jenem Jahr an begannen die „siebentausend“, die Christenheit zu verlassen, obwohl diese sich beharrlich bemühte, ihre Schafe zu behalten, und so mußte die Geistlichkeit nun eingestehen, daß der Gott der Johannes-Klasse stärker war als ihr Gott. In den letzten Jahren konnte sie das noch deutlicher erkennen, da sich viele weitere Angehörige ihrer Herde von ihr abgewandt haben und jetzt wie das Volk, das auf dem Berg Karmel Elias Triumph über die Baalsanbeter miterlebte, gleichsam sagen: „Jehova ist der wahre Gott! Jehova ist der wahre Gott!“ (1. Könige 18:39).
29. Was sollte gemäß den Worten des Johannes eilends kommen, und welche Erschütterung steht der Christenheit noch bevor?
29 Beachten wir aber, was Johannes weiter sagt: „Das zweite Wehe ist vorbei. Siehe! Das dritte Wehe kommt eilends“ (Offenbarung 11:14). Wenn die Christenheit schon durch das, was bis jetzt geschehen ist, erschüttert wurde, was wird sie erst tun, wenn das dritte Wehe angekündigt wird, der siebte Engel seine Trompete bläst und das heilige Geheimnis Gottes schließlich vollendet ist? (Offenbarung 10:7).
[Fußnoten]
a Eine ausführliche Abhandlung über diesen großen geistigen Tempel ist in dem Artikel „Der große geistige Tempel Jehovas“ im Wachtturm vom 1. Juli 1996 und im Wachtturm vom 1. März 1973 unter der Überschrift „Der eine wahre Tempel für die Anbetung“ zu finden.
b Das Wort „Abgrund“ (griechisch: ábyssos; hebräisch: tehṓm) bezieht sich sinnbildlich auf einen Ort der Untätigkeit. (Siehe Offenbarung 9:2.) In buchstäblichem Sinn kann es sich auch auf das weite Meer beziehen. Das hebräische Wort wird oft mit „Wassertiefe“ übersetzt (Psalm 71:20; 106:9; Jona 2:5). Daher kann „das wilde Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt“, mit dem ‘wilden Tier, das aus dem Meer aufsteigt’, gleichgesetzt werden (Offenbarung 11:7; 13:1).
c Bei einer Betrachtung der Erfahrungen des Volkes Gottes der damaligen Zeit ist zu beachten, daß die 42 Monate wohl dreieinhalb buchstäbliche Jahre darstellen, wogegen die dreieinhalb Tage keine buchstäbliche Zeitspanne von 84 Stunden versinnbildlichen. Wahrscheinlich wird der besondere Zeitabschnitt von dreieinhalb Tagen zweimal erwähnt (in den Versen 9 und 11), um hervorzuheben, daß es sich dabei im Vergleich zu den vorausgegangenen dreieinhalb Jahren der Tätigkeit nur um einen kurzen Zeitabschnitt handelt.
d Vergleiche die Verwendung der Wörter „tot“, „gestorben“ und „lebendig“ mit Bibeltexten wie Römer 6:2, 10, 11; 7:4, 6, 9; Galater 2:19; Kolosser 2:20; 3:3.
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