Globale Gesundheitssituation hat sich verbessert — aber nicht für alle
WIE aus dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen World Health Report 1998 hervorgeht, ist ein globaler Trend in Richtung gesünderes, längeres Leben zu verzeichnen. In dem Bericht werden Beispiele genannt.
Mehr Menschen als je zuvor haben Zugang zu sanitären Anlagen, zu unbedenklichem Wasser und zu einer medizinischen Grundversorgung. Hinzu kommt, daß die meisten Kinder der Welt nun gegen die sechs großen Kinderkrankheiten geimpft sind.a Das hat zu einem Rückgang der Kindersterblichkeit beigetragen. 1955 starben noch 21 Millionen Kinder unter fünf Jahren, 1997 waren es etwa 10 Millionen. Gleichzeitig hat es in den letzten Jahrzehnten in mehreren Industrieländern einen drastischen Rückgang an Todesfällen gegeben, die auf Herzkrankheiten zurückzuführen sind.
Der Bericht spricht allerdings auch davon, daß die gesundheitlichen Fortschritte alles andere als allumfassend sind. HIV/Aids ist nach wie vor eine todbringende Gefahr. Vor 1981 noch unbekannt, hat Aids seit Ausbruch der Epidemie schätzungsweise 11,7 Millionen Menschenleben gekostet. Und es besteht keine Aussicht auf Abhilfe. 1996 infizierten sich 400 000 Kinder unter fünfzehn Jahren mit HIV. 1997 belief sich die Zahl neuinfizierter Kinder derselben Altersgruppe auf nahezu 600 000.
Armut immer noch gesundheitsgefährdend
Besonders die Hunderte Millionen von Menschen, die in Armut leben müssen, haben kaum etwas von einer Verbesserung der Gesundheitssituation gespürt. Sie leben vorwiegend in armen Ländern, wo Krankheiten eine schwere Last darstellen, die Aussichten trübe sind und das Leben kurz ist. Dr. Hiroshi Nakajima, früherer Generaldirektor der WHO, bemerkt dazu: „Die Kluft zwischen dem Gesundheitszustand von Arm und Reich ist mindestens genausogroß wie vor einem halben Jahrhundert.“ Wie ein WHO-Experte sagt, wird die Kluft sogar immer größer, denn „die Entwicklungsländer trifft es gleich doppelt so hart. Dort muß man sich nicht nur mit den heute auftretenden chronischen Krankheiten auseinandersetzen, sondern auch mit den nach wie vor grassierenden Tropenkrankheiten.“
Dennoch liegen Fortschritte im Bereich des Möglichen. Viele von den Millionen frühzeitigen Todesfällen wären bereits vermeidbar gewesen. Beispielsweise „sterben jährlich mindestens 2 Millionen Kinder an Krankheiten, für die es Impfstoffe gibt“, führt Dr. Nakajima aus. Darauf verweisend, daß die Kluft zwischen dem Gesundheitszustand von Arm und Reich verkleinert werden muß, fügt er hinzu: „Es wird Zeit, sich zu vergegenwärtigen, daß die Gesundheit eine globale Angelegenheit ist.“ Die Welt benötige dringend „internationale Partnerschaften, die auf sozialer Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität beruhen“.
Auch wenn diese Partnerschaften noch etwas auf sich warten lassen mögen, kann nach Angaben des World Health Report 1998 jedes einzelne Land schon viel tun, um die Gesundheit seiner Bevölkerung zu verbessern. Wie ist das möglich? Indem dafür gesorgt wird, daß die Bürger lernen, „sich Fertigkeiten für das tägliche Leben und einen gesunden Lebensstil anzueignen“, wodurch Krankheiten vermieden beziehungsweise reduziert werden. In der Satzung der WHO wird das so ausgedrückt: „Eine fundierte Meinungsbildung und eine aktive Kooperation der Öffentlichkeit sind bei der Verbesserung der Gesundheitssituation von größter Wichtigkeit.“
[Fußnote]
a Dabei handelt es sich um Masern, Kinderlähmung, Tuberkulose, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten) und Wundstarrkrampf bei Neugeborenen.