Eine Welt ohne Glauben
„Der Glaube ist nicht ein Besitz aller Menschen.“ — 2. Thess. 3:2.
1. Wer findet, die Verhältnisse in der Welt hätten sich geändert, und wie können sie es beweisen?
WELCHE Veränderungen im Verlauf eines halben Jahrhunderts! Die junge Generation mag denken, die Welt sei immer so gewesen — eine Welt ohne Glauben an Gott. Die Vertreter der älteren Generation wissen es jedoch besser. Sie wissen, welche gewaltigen Veränderungen zu ihren Lebzeiten vor sich gegangen sind, und obwohl es ihre Kindeskinder vielleicht nicht wahrhaben wollen, so beweisen die geschichtlichen Tatsachen doch, daß die Verhältnisse immer schlimmer werden. Wenn man das Rad der Geschichte um ein halbes Jahrhundert zurückdreht und die damaligen Verhältnisse mit den heutigen vergleicht, versteht man, warum heute so viele Menschen kaum noch oder überhaupt nicht mehr an Gott oder an sein Wort, die Bibel, glauben.
2. Was geschah unter anderem während des Ersten Weltkrieges?
2 Vor fünfzig Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende. In Geschichtsbüchern wird er als der Erste Weltkrieg bezeichnet, weil damals zum erstenmal in der Geschichte die ganze Welt in einen Krieg verwickelt war. Alle größeren Nationen waren an diesem grausamsten aller bis dahin geführten Kriege beteiligt. Hunderttausende von Menschen blieben auf den Schlachtfeldern, und Millionen wurden verwundet. Nach diesem gewaltigen Blutbad starben Millionen vor Hunger. Weitere Millionen wurden durch Seuchen und Krankheiten hingerafft. Alles in allem war es für die Welt ein furchtbares Erlebnis und sie ist seither nicht mehr dieselbe.
3. Beschreibe die politische Entwicklung im Osten und im Westen nach dem Ersten Weltkrieg.
3 Die Überlebenden, die sich mühsam wiederaufrichteten, aber immer noch unter den Folgen des Krieges — Hunger und Seuchen — zu leiden hatten, betrachteten das Leben nun von einem anderen Standpunkt aus. Die europäischen Monarchien existierten im großen ganzen nicht mehr. In Osteuropa hatte sich der „rote Bär“, „Kommunismus“ genannt, erhoben, der viele in seinen Bann zog, der immer stärker wurde und schließlich die ganze übrige Welt zu überrennen drohte. Im Westen wurde der „Völkerbund“ gegründet, den führende Geistliche als den „politischen Ausdruck des Königreiches Gottes auf Erden“ bezeichneten und den bald Millionen als die einzige Hoffnung des Menschen auf Frieden betrachteten.
4. Wieso wurden die Friedenshoffnungen bald zunichte, und welcher Krieg war die Folge?
4 Die Hoffnung auf wahren Frieden und echte Wohlfahrt schwand für denkende Menschen jedoch sehr schnell dahin, denn Diktatoren begannen, das Volk in ihren Ländern gleichzuschalten, und der Nationalismus wurde erneut der Schlachtruf mächtiger Nationen. Die Rüstungsfabriken in der ganzen Welt sahen sich bald gezwungen, mit Hochdruck zu arbeiten, und die Arsenale begannen sich mit neuen und gefährlicheren Waffen zu füllen. Sehr bald sah sich die Menschheit in einen weiteren Weltkrieg verwickelt. Wie die nüchterne Statistik zeigt, war der Zweite Weltkrieg, was die Zahl der Beteiligten, die Kosten und die Folgen betrifft, viermal so groß wie der Erste Weltkrieg! Sollten wir überrascht sein, wenn eine Generation, die zwei solch blutige Kriege erlebt hat, im Glauben schwach wird?
5. Beschreibe die wirtschaftliche Revolution, die mit dem Ersten Weltkrieg begann.
5 Die Entwicklung auf politischem und militärischem Gebiet nach dem Ersten Weltkrieg war aber nicht der einzige glaubensschwächende Faktor. Auch die wirtschaftliche Revolution hatte einen gewaltigen Einfluß auf die frühere Lebensweise des Menschen. Neue Erfindungen und Entdeckungen führten zur Entwicklung neuer Industriezweige und zu technischen Fortschritten. Durch eine intensive Werbepropaganda wurde die Masse der Menschheit zu dem Gedanken verleitet, der Mensch könne sich eine Welt schaffen, in der er sorglos und bequem leben könne. Millionen nahmen diese Philosophie an und begannen, den Gott des Materialismus anzubeten. Selbst Personen, die versuchten, an ihren früheren gottgefälligen Wertmaßstäben und Idealen festzuhalten, wurden von dieser alles überflutenden materialistischen Denkweise erfaßt. Die Städte dehnten sich immer mehr aus, und je mehr Leute vom Land in die Stadt zogen, um in Geschäften und Fabriken zu arbeiten, desto zahlreicher wurden die schwierigen Probleme, die das Stadtleben mit sich bringt. Diese Umstände trugen nicht zur Stärkung des Glaubens und der Hoffnung bei, sondern sie führten sehr oft zu Auseinandersetzungen und Spannungen, ja manchmal sogar zum offenen Kampf zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, verbunden mit Unzufriedenheit, Unwillen, Mißtrauen und anderen unangenehmen Folgen.
6. Welche Errungenschaften im Verkehrswesen veranlaßten einige, den Glauben zu verlieren?
6 Auch durch die Veränderungen im Verkehrs- und Nachrichtenwesen sind sich die Menschen nähergekommen. Die Errungenschaften auf diesen Gebieten könnten der Menschheit zum Segen sein, sind aber zu einem großen Teil schuld an der Ausbreitung des Atheismus. Jemand hat bewiesen, daß der Atlantische Ozean im Alleinflug ohne Zwischenlandung überquert werden kann, und schon nach kurzer Zeit führten Luftverkehrsgesellschaften Flüge nach allen Richtungen durch. Die herkömmlichen Propellerflugzeuge wurden durch Düsenflugzeuge ersetzt, die durch ihre große Geschwindigkeit unseren Planeten zusammenschrumpfen ließen. Prahlerische und hochmütige Menschen betrachten diese Errungenschaften mit überheblichem Stolz. Für sie sind die Überschallverkehrsflugzeuge der Zukunft und die Versuche zur Erforschung des Weltraums das Sprungbrett zur Eroberung des Universums und ein Beweis dafür, daß es keinen Gott gibt.
7. Wie sind die Fortschritte auf dem Gebiet des Nachrichtenwesens ausgenutzt worden, um den Glauben an Gott zu zerstören?
7 Erstaunliche Veränderungen sind ferner auf dem Gebiet des Nachrichtenwesens vor sich gegangen. Der Rundfunk, der noch vor wenigen Jahrzehnten in den Kinderschuhen steckte, hat sich zur Vollendung entwickelt und ist durch das Fernsehen bereits in eine untergeordnete Stellung verdrängt worden. Beides, Rundfunk und Fernsehen, ist von den Propagandisten und Spezialisten der Massenpsychologie als verderbliche Waffe benutzt worden, um Millionen Menschen ihre glaubensschwächende „Kein-Gott“-Lehre beizubringen.
VERÄNDERTE RELIGIÖSE MASS-STÄBE
8. Wurden die Kinder, die nach dem Ersten Weltkrieg geboren wurden, gleich erzogen wie ihre Eltern, und zu welchen Veränderungen auf sittlichem Gebiet führte dies?
8 In den letzten fünfzig Jahren haben sich auch die Ansichten über Moral, Tugend und Religion weitgehend geändert. In den unruhigen zwanziger Jahren und während der Depression der dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts wurden viele althergebrachte religiöse Maßstäbe radikal geändert. Diese Veränderungen hinterließen bei der menschlichen Gesellschaft unverkennbare und unauslöschliche Spuren. Die vor dem Ersten Weltkrieg anerkannten sittlichen Normen galten nicht mehr. Eine Menge Kinder wurden unehelich geboren, weil sich ihre Eltern über die vor dem Krieg geltenden sittlichen Schranken hinweggesetzt hatten. Diese Nachkriegskinder wurden von Eltern erzogen und von Lehrern unterrichtet, die neue und in der Tat merkwürdige Ansichten entwickelt hatten, Ansichten, die durch die philosophischen Predigten einer heuchlerischen Geistlichkeit gestützt und gefördert wurden, die offen bekannte, weder an Gott noch an die Bibel zu glauben.
9. (a) Welche Folgen hatte die Erfolglosigkeit des Völkerbundes, den Frieden zu erhalten? (b) Was geschah kurz nach dem Zweiten Weltkrieg?
9 Kaum hatten diese Kinder das militärpflichtige Alter erreicht, so wurden sie den Flammen des Zweiten Weltkrieges preisgegeben. Ja, diese jungen Menschen erlebten jenes weltweite Ringen, das der Völkerbund, der „messianische“ Sproß der Christenheit, trotz der Unterstützung seiner religiösen und politischen Befürworter nicht verhindern konnte. Unmittelbar nach diesem zweiten Weltkonflikt sahen sie, wie der Völkerbund unter dem neuen Namen „Vereinte Nationen“ wiederbelebt wurde, und viele von ihnen dachten, diese neue Einrichtung würde der geplagten Welt ewigen Frieden bringen. Diese tatkräftige junge Generation brachte auch die Technologen und Arbeitskräfte hervor, die für die Entwicklung und Massenherstellung der Wasserstoffbombe erforderlich waren, der Bombe, deren Vernichtungskraft so groß ist, daß die auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Bomben im Vergleich dazu wie selbstgemachte Feuerwerkskörper waren.
10, 11. (a) Wie sah die junge Generation aus, die vor einem Vierteljahrhundert lebte? (b) Welches Bild bietet ein großer Teil der heutigen Jugend?
10 So sah also die junge Generation aus, die vor einem Vierteljahrhundert lebte. Viele dieser jungen Menschen hatten entweder wegen der Ansichten, die ihnen ihre Eltern und Lehrer beigebracht hatten, oder wegen der furchtbaren Dinge, die sie vor und während des Zweiten Weltkrieges erlebt hatten, keinen Funken von Glauben. Sie hielten im großen ganzen auch nicht viel von moralischen Grundsätzen. Viele hatten im Krieg begonnen, in einer wilden Ehe zu leben, und brachten dann eine neue Generation von Kindern hervor. Diese Kinder bilden heute, im Jahre 1969, die halbwüchsige Jugend.
11 Zu diesen Jugendlichen gehören die Tumultuanten, die sich an Studentenunruhen und Protestkundgebungen beteiligen, die experimentierenden Rauschmittelsüchtigen, die der Sextollheit Verfallenen und die jungen Raubmörder der 1960er Jahre. Diese Elemente sind nur auf Abenteuer und Nervenkitzel aus und kümmern sich weder um ihre Zukunft noch darum, wohin das gegenwärtige System der Dinge steuert. Arme Menschheit, wenn diese gottlose Menge eines Tages die Zügel der Regierung ergreifen sollte!
12. (a) Welche merkwürdigen Ansichten haben viele dieser jungen Generation über Religion und Moral? (b) Wie wirkt sich dies auf ihren kulturellen Geschmack aus?
12 Frage diese jungen Leute und ihre Eltern, was sie von der Religion halten. „Gott ist tot“, sagen sie. Für sie existiert die einst übliche Lebensweise nicht mehr. Sie haben neue Begriffe. Für sie ist der „Himmel“ der flüchtige Augenblick eines sinnlichen Vergnügens, dem sie sich vielleicht unter dem sinnestäuschenden Einfluß von Marihuana, LSD oder noch schlimmeren Mitteln hingeben. Wir leben im Zeitalter der Gewalt, im Zeitalter der Auflehnung gegen alles, was mit Recht und Ordnung zu tun hat! Ja wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen völlig verdrehte Ansichten über das haben, was anständig, sauber, rechtschaffen, gerecht, ehrlich und wahr ist. Wir leben heute im Zeichen der „Beat“-Generation, die sich über jede Schranke hinwegsetzt und die eine besondere Liebe für Schmutz pflegt — einer sozialen Gruppe, die die menschliche Gesellschaft infiziert und in Kunst und Musik, ja im Leben selbst alles verachtet, was gottgefällig und schön ist.
WARUM DIESE VERÄNDERUNGEN?
13. Welche Ursachen für diese drastischen Veränderungen auf dem Gebiet des Glaubens werden unter anderem angeführt?
13 Für die drastischen Veränderungen, die in den vergangenen fünfzig Jahren auf dem Gebiet des Glaubens eingetreten sind, werden unter anderem folgende Ursachen genannt: die technischen Fortschritte, durch die eine materialistische Welt entstanden ist; die industrielle Entwicklung, die große Teile der Bevölkerung bewogen hat, in die Stadt zu ziehen; tiefgreifende Veränderungen im Erziehungswesen, die Korruption in den Regierungen, das Versagen von Gerichts- und Polizeibehörden, soziale Veränderungen innerhalb der Familie, des Hauses und der unmittelbaren Umgebung und viele andere Veränderungen, die seit der Zeit eingetreten sind, da Großvater nach dem Ersten Weltkrieg die Uniform ausgezogen hat.
14. Wieso wissen wir, daß dies alles nicht die eigentliche Ursache für die heutige Welt ohne Glauben ist?
14 Diese Veränderungen in unserer Umwelt sollten aber nicht als Hauptfaktoren, sondern lediglich als Nebenursachen betrachtet werden. Es gibt viele Menschen, die heute noch einen unerschütterlichen Glauben an Gott haben, obwohl sie ihre Lebensweise geändert haben (nur wenige benutzen in Ländern wie den Vereinigten Staaten noch den Pferdewagen als Verkehrsmittel). Das beweist, daß die Veränderungen, die in der Industrie und Technik, im Erziehungswesen, auf sozialem Gebiet und in unserer Umwelt eingetreten sind, nicht die Hauptursache für den Unglauben sind.
15. Wer ist denn hauptsächlich für den Unglauben in der heutigen Welt verantwortlich?
15 Wenn ein anklagender Finger gegen die Hauptursache des wachsenden Unglaubens erhoben würde, dann würde er unmittelbar und untrüglich auf den „Gott dieses Systems der Dinge“, auf Satan, den Teufel, und auf sein Weltreich der falschen Religion zeigen, in dem die Geistlichkeit der Christenheit die führende Rolle spielt. (2. Kor. 4:4; Joh. 12:31; 14:30; 16:11; 1. Joh. 5:19) Keine andere Menschengruppe trägt größere Schuld an der traurigen Lage, in der sich die heutige Welt befindet.
16. (a) Was wird dagegen jedoch eingewendet? (b) Was kann man auf diesen Einwand entgegnen?
16 Gegen dieses offene Wort werden Personen, die Schlüsse ziehen, bevor sie die Beweise sachlich geprüft haben, natürlich sogleich protestieren. Sie mögen zum Beispiel die Frage aufwerfen: „Wieso können fromme Geistliche für die Einstellung und das schlechte Verhalten gottloser Nichtkirchgänger, atheistischer Wissenschaftler und agnostizistischer Politiker oder für die Unmoral der ‚Hippies‘ verantwortlich gemacht werden, die alle von der Stimme der Kirche nicht erreicht werden?“ Lassen wir die geschichtlichen Tatsachen antworten. Die Vorfahren der Bolschewisten waren Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche, und die Voreltern der Mitglieder der Kommunistischen Partei Frankreichs und Italiens gehörten der römisch-katholischen Kirche an. Auch die meisten Eltern und Großeltern der heutigen gottlosen Teenager und Halbwüchsigen gehörten oder gehören einer Religionsgemeinschaft der Christenheit an und gingen oder gehen zum Teil heute noch in die Kirche. Es ist eine alte Wahrheit, daß die Jugendkriminalität von der Erwachsenenkriminalität gezüchtet wird, nicht umgekehrt. Die Handlungsweise des Kindes wird weitgehend von dem beeinflußt, was es zu Hause und in der Schule sieht und hört, wie eine Rebe auch in die Richtung wächst, in die sie, solange sie noch jung ist, gezogen wird.
17. Wie hat sich die Geistlichkeit der Christenheit bekanntlich im Ersten Weltkrieg verhalten, und wie hat sich dies ausgewirkt?
17 Wie können die Geistlichen der Christenheit erwarten, daß ihre Gemeinden an Gott glauben, wenn sie durch ihre Predigten doch beweisen, daß sie selbst nicht an ihn glauben? Es ist kein Geheimnis, daß im Ersten Weltkrieg von den Kanzeln der Christenheit herab zur Beteiligung an dieser Orgie des Blutvergießens aufgefordert wurde.a Was sollten die aus jenem Krieg zurückkehrenden Soldaten über Gott denken, nachdem sie die Handlungsweise ihrer Feldgeistlichen oder der Männer beobachtet hatten, die behaupteten, Diener Gottes zu sein? Was sollten die enttäuschten Eltern ihren Kindern über den Gott sagen, den die Christenheit anzubeten vorgab? Ihre Kinder konnten niemals mehr den Glauben an Gott haben, den ihre Eltern in ihrer Jugend gehabt hatten.
18. Wie hätte die Geistlichkeit vor dreißig Jahren einen weltweiten Krieg verhindern können?
18 Dann brach der Zweite Weltkrieg aus, ein Krieg, zu dem es ohne die Unterstützung führender Geistlicher der Christenheit nicht gekommen wäre. Wenn Hitler, Mussolini und Franco nicht durch die Konkordate und die geheimen Abkommen mit dem Vatikan unterstützt worden wären und wenn die deutschen katholischen Bischöfe Hitler und seine katholischen Gefolgsleute exkommuniziert hätten, statt ihren Kriegsapparat zu unterstützen, dann wäre es damals nicht zu einem Weltkrieg gekommen.b Die Geistlichkeit der Christenheit unterstützte diesen Krieg auch nicht nur auf der einen Seite, sondern sie setzte sich auf beiden Seiten dafür ein und forderte die Gläubigen auf, dasselbe zu tun.
19. Hat die Geistlichkeit seit dem Zweiten Weltkrieg den Glauben an Jehova gefördert?
19 Und was ist über die vierundzwanzig Jahre zu sagen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen sind? Wirken die Predigten, die heute in den Kirchen der Christenheit gehalten werden, weniger zerstörend auf den Glauben? Im Gegenteil! Die Geistlichen geben offen zu, daß sie nicht an die Inspiration der Bibel glauben. Sie sagen, der Bericht über den Garten Eden und die Sintflut sei eine Sage. Die Jungfrauengeburt Jesu und das Loskaufsopfer Christi betrachten sie als legendär. Viele Geistliche sagen wie die sprichwörtlichen Toren: „Es ist kein Gott“, denn „Gott ist tot“ für sie. (Ps. 14:1, Lu) Welche Heuchelei, sich trotzdem noch Diener Gottes zu nennen!
20. (a) In welch bedauernswertem Zustand befindet sich die Menschenwelt den Worten Jesu entsprechend heute? Warum? (b) Woher rührt jedoch die Blindheit der hochgebildeten Geistlichkeit?
20 Wie wahr sind doch die Worte Jesu: „Blinde Leiter sind sie.“ „Wenn aber“, fuhr Jesus fort, „ein Blinder einen Blinden leitet, so werden beide in eine Grube fallen.“ (Matth. 15:14) Alle, die diesen blinden geistlichen Führern gefolgt sind, befinden sich heute in einer Grube tiefster Finsternis und der Verzweiflung. Es ist verständlich, daß von dem gewöhnlichen Volk, unter dem es viele Analphabeten gibt, unzählige irregegangen sind, weil sie ihren Führern im blinden Vertrauen gefolgt sind. Wie konnten aber diese intelligenten, gebildeten Führer selbst so blindlings in die abgrundtiefe Finsternis hineingeraten, in der sie sich heute befinden? Bestimmt konnte dies nur unter dem Einfluß einer ihnen weit überlegenen Macht geschehen. Der Apostel Paulus erklärte, wie dies vor sich gegangen ist und warum sich die Geistlichkeit und ihre Anhänger in einer solchen geistigen Finsternis befinden. Er schrieb: „Der Gott dieses Systems der Dinge [hat] den Sinn der Ungläubigen verblendet ..., damit das erleuchtende Licht der herrlichen guten Botschaft über den Christus, der das Bild Gottes ist, nicht hindurchstrahle.“ — 2. Kor. 4:4.
21. Welche unsichtbaren Mächte lenken diese Welt des Unglaubens, und wohin führen sie sie?
21 Demnach hat also Satan, der Teufel, „der Gott dieses Systems der Dinge“, die geistlichen Führer der Christenheit verblendet, und zwar durch seine unsichtbaren Dämonenstreitkräfte, die das gegenwärtige System der Dinge Harmagedon, dem Krieg Gottes, des Allmächtigen, entgegenführen. Der Apostel Johannes, der dieses Geschehen in einer Vision vorhersah, schreibt darüber: „Und ich sah drei unreine inspirierte Äußerungen, die aussahen wie Frösche, aus dem Rachen des Drachen und aus dem Maul des wilden Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten ausgehen. Sie sind in der Tat durch Dämonen inspirierte Äußerungen und vollbringen Zeichen, und sie ziehen aus zu den Königen der ganzen bewohnten Erde, um sie zu versammeln zum Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen. Und sie versammelten sie an den Ort, der auf hebräisch Har-Magedon genannt wird.“ — Offb. 16:13, 14, 16.
DIE LETZTEN TAGE DER WELT OHNE GLAUBEN
22, 23. (a) Was beweist, daß wir in der „Zeit des Endes“ leben? (b) Mit welchem Ereignis im Himmel stehen die heutigen Weltverhältnisse unmittelbar in Verbindung?
22 Die gewaltige Ausbreitung des Unglaubens im 20. Jahrhundert ist vor allem darauf zurückzuführen, daß wir in einer besonderen Zeit leben: in der „Zeit des Endes“. Ja, wir leben in der Zeit, in der der Teufel aus dem Himmel hinausgeworfen und in die Umgebung der Erde hinabgeschleudert worden ist, in der Zeit, in der dieser Böse alles mögliche unternimmt, um den Glauben an Jehova und seine kostbaren Verheißungen völlig auszumerzen. Die biblische Chronologie und die geschichtlichen Tatsachen beweisen außer allem Zweifel, daß im Jahre 1914, mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, für diese Welt die Zeit des Endes begonnen hat. Im 12. Kapitel der Offenbarung, in den Versen 7 bis 12 wird dieses Ereignis, das sich in den unsichtbaren Himmeln abgespielt und das zu den seit 1914 eingetretenen Verhältnissen auf der Erde geführt hat, wie folgt beschrieben:
23 „Und Krieg brach im Himmel aus: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und der Drache und seine Engel kämpften, doch gewann er nicht die Oberhand, auch wurde für sie keine Stätte mehr im Himmel gefunden. Und hinabgeschleudert wurde der große Drache — die Urschlange —, welcher Teufel und Satan genannt wird, der die ganze bewohnte Erde irreführt; er wurde zur Erde hinabgeschleudert, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeschleudert.“ — Offb. 12:7-9.
24. Welche Verhältnisse herrschen heute auf der Erde im Gegensatz zu dem Jubel, der in den Himmeln herrscht, und warum?
24 Nachdem Satan hinausgeworfen worden war, brach im Himmel großer Jubel aus, wie das durch die Vision vorhergesagt worden war mit den Worten: „Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel sagen: ‚Jetzt ist die Rettung und die Macht und das Königreich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus herbeigekommen, denn der Ankläger unserer Brüder ist hinabgeschleudert worden, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagt! ... Darum seid fröhlich, ihr Himmel, und ihr, die ihr in ihnen weilt!‘“ Wie sollte dies aber die Menschenwelt hier auf der Erde, auf die der Teufel und seine Dämonen hinabgeschleudert worden waren, berühren? Für sie sollte es nach den Worten der Prophezeiung genau das Gegenteil bedeuten: „Wehe der Erde und dem Meer, weil der Teufel zu euch hinabgekommen ist und große Wut hat, da er weiß, daß er nur eine kurze Frist hat.“ — Offb. 12:10-12.
25. Wieso wissen wir, daß nicht alle Menschen ungläubig sind?
25 Die Bibel gibt demnach vernünftige Gründe dafür an, warum die Welt heute nicht mehr an Jehova Gott glaubt. Dadurch, daß sie aber sagt: „Der Glaube ist nicht ein Besitz aller Menschen“, gibt sie zu verstehen, daß einige Menschen Glauben haben würden. Der Apostel fügt noch die Worte hinzu: „Aber der Herr ist treu, und er wird euch befestigen und euch vor dem, der böse ist, bewahren.“ (2. Thess. 3:2, 3) Wie der Herr dies tut und was du deinerseits tun mußt, um im Glauben stark zu werden, sowie andere wichtige Punkte werden im nächsten Artikel behandelt.
[Fußnoten]
a Nach dem Ersten Weltkrieg erklärte Pfarrer George Willis Cooke in einem Artikel, der in der Chicago Unity erschien, folgendes: „Die Haltung der Kirche in diesem Land — und in anderen Ländern noch mehr — erweckte keinen Glauben an ihre Aufrichtigkeit. Die Kirchen gaben das Christentum weitgehend zugunsten des Patriotismus auf. Sie waren einer brutalen, rachsüchtigen und grausamen Kriegslust verfallen, und — was noch schlimmer war — sie erhoben Kriegsforderungen. ... Die grausamsten, herzlosesten und rachsüchtigsten Forderungen zugunsten des Krieges wurden auf beiden Seiten von den Kanzeln der christlichen Kirchen herab erhoben.“ — Siehe The Watch Tower, 1919, Seite 356.
In der Detroiter Zeitung Free Press vom 6. August 1919 konnte man über die Verantwortung der Geistlichkeit für den Ersten Weltkrieg folgendes lesen: „Sie schlossen sich unseren schlimmsten Hurrapatrioten und denen, die Krieg um jeden Preis haben wollten, an, um die Kampflust der Bevölkerung zu wecken ... Fast alle könnten durch einen Orden ausgezeichnet werden wegen der besonderen Dienste, die sie zur Förderung des blutigen Kampfspiels geleistet haben ... Die Geistlichen der kriegführenden Länder erzeugten so viel Wut und Haß, daß man beinahe von ihrem Krieg sprechen könnte.“
b Am 7. Dezember 1941, am gleichen Tag, an dem die japanischen Verbündeten Hitlers und Mussolinis Pearl Harbor bombardierten, veröffentlichte die New York Times in einem Artikel, der überschrieben war „‚Kriegsgebet‘ für das Reich“, unter dem Untertitel „Katholische Bischöfe in Fulda beten um Segen und Sieg“ folgendes:
„FULDA, Deutschland, 6. Dez. — Die Konferenz der in Fulda versammelten deutschen katholischen Bischöfe hat die Einführung eines besonderen ‚Kriegsgebetes‘ empfohlen, das künftig zu Beginn und am Ende jedes Gottesdienstes verlesen werden soll.
In dem Gebet wird die Vorsehung angefleht, die deutschen Truppen mit dem Sieg zu segnen und das Leben und die Gesundheit der Soldaten zu schützen. Die Bischöfe wiesen den katholischen Klerus ferner an, mindestens einmal im Monat einen besonderen Sonntagsgottesdienst abzuhalten um der deutschen Soldaten ‚zu Lande, zu Wasser und in der Luft‘ zu gedenken.
Der deutsche katholische Klerus hat, obwohl er gewisse Erscheinungen der nationalsozialistischen Rassenpolitik entschieden ablehnt, stets mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß jeder Katholik verpflichtet sei, als Deutscher seinem Vaterland im gegenwärtigen Krieg treu zu dienen.“
[Bild auf Seite 718]
Die Philosophie des Materialismus und die Veränderungen im Verkehrs- und Nachrichtenwesen haben Millionen Menschen veranlaßt, die „Kein-Gott“-Lehre anzunehmen.