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  • Die wanderlustigen Monarchen
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Erwachet! 1979
g79 8. 5. S. 24-26

Die wanderlustigen Monarchen

Vom „Awake!“-Korrespondenten in Großbritannien

IM Jahre 1919 überquerte der englische Flieger Sir John William Alcock zusammen mit A. W. Brown als erster den Atlantischen Ozean (von Saint John’s, Neufundland, nach Clifden, Irland), ohne zwischenzulanden. Natürlich verbreitete sich die Nachricht von diesem erfolgreichen Flug wie ein Lauffeuer in der ganzen Welt, denn es war eine außerordentliche Leistung.

Merkwürdigerweise wurde eine weit größere Leistung, die 43 Jahre zuvor vollbracht wurde, von niemandem zur Kenntnis genommen, außer von einigen wenigen Insektenforschern. Im Jahre 1876 wurde nämlich berichtet, daß man in der Südwestecke Englands den nordamerikanischen Wanderfalter Danaus plexippus gesichtet habe. Da die Seidenpflanzen (milkweed), von denen sich die Raupen dieses Schmetterlings ernähren, auf den Britischen Inseln nicht heimisch sind, entsteht die Frage: Wie ist dieser Falter hierhergekommen? Der Gedanke, er sei von dem 4 800 Kilometer entfernten Amerika, seiner Heimat, hierhergeflogen, erschien absurd. Doch im Jahre 1880 wurden mehrere dieser Schmetterlinge auf einem Schiff, das von Glasgow kam, 300 bis 500 Kilometer weit draußen auf dem Atlantik gefangen. In den folgenden 70 Jahren, in denen weitere 150 dieser Schmetterlinge fern ihrer Heimat beobachtet oder gefangen wurden, versuchte man, diese Tatsache auf die verschiedenste Weise zu erklären.

Da man an der französischen Küste nur zwei, in Spanien und Portugal nur vier dieser Wanderfalter beobachtete, vertraten viele Fachleute den Standpunkt, die Falter seien auf Schiffen von Amerika hierherverschleppt worden oder sie hätten sich auf Schiffen, die in diese Richtung fahren, niedergelassen. Da sie aber so häufig beobachtet werden, steigt doch die Frage auf, warum es denn ausgeschlossen sein sollte, daß diese zarten Insekten das Meer aus eigener Kraft überqueren. Warum denkt man jetzt so? Weil man neuerdings Kenntnis von den erstaunlichen Leistungen, die der nordamerikanische Monarchfalter vollbringt, erhalten hat.

Diesen schönen Falter erkennt man ohne weiteres an seinen großen, orangebraunen Flügeln mit den kräftigen dunklen Zeichnungen. Dieser Schmetterling ist auch den Bewohnern des Malaiischen Archipels sowie der Inseln im Stillen Ozean bekannt. Die Wanderzüge, die der Monarchfalter Nordamerikas jedes Jahr unternimmt, sind so faszinierend, daß ein Zoologe sein ganzes Leben ihrer Erforschung gewidmet hat.

Die Wanderzüge

Der Zoologe Dr. Fred A. Urquhart interessierte sich schon als junger Mann für den Monarchen. Anfang Januar des Jahres 1976 erreichte dieser Wissenschaftler — nicht zuletzt dank großzügiger Zuwendungen in Höhe von 24 000 Dollar für seine Forschungsarbeit — sein Ziel: Das Winterquartier dieser Schmetterlinge wurde gefunden, und damit schloß sich der Kreis der Wanderwege. Sein fast vierzigjähriges geduldiges und mühsames Forschen hatte sich gelohnt.

Der Monarch fliegt jeden Herbst nach Süden, um dem kalten Winter in Kanada und im Norden der Vereinigten Staaten zu entgehen. Im Gegensatz zu den Vögeln fliegt der Monarch „solo“ — jedes Tier folgt instinktiv seinem Weg. Diese Schmetterlinge fliegen etwa 1,50 bis 150 Meter über dem Boden, und zwar mit einer Geschwindigkeit von bis zu 130 Kilometern am Tag. Viele dieser wunderschönen Falter kommen auf der Wanderung um, aber die mächtige Schar erhält immer wieder Verstärkung durch nachfolgende Generationen, die unterwegs schlüpfen.

Im Verlauf der Forschungen zeigten sich immer mehr überraschende Tatsachen. So wurde festgestellt, daß fast alle Männchen im Frühjahr, wenn die Falter aus dem Winterquartier nordwärts ziehen, sterben. Wie geht denn die Fortpflanzung vor sich? Eine genaue Untersuchung hat ergeben, daß die Schmetterlinge, die im Spätsommer, wenn die Tage kürzer werden, schlüpfen, nicht mehr die Geschlechtsreife erlangen und sich deshalb nicht paaren. In Schwärmen ziehen die Monarchen nach Süden in ihr Winterquartier. Sobald die Tage länger werden, paaren sie sich und ziehen nordwärts, wobei die Weibchen auf dem Zug nach Norden auf die erwähnte Seidenpflanze, die überall vorkommt, ihre Eier ablegen.

„Ein überwältigendes, unglaubliches Bild!“

Verschiedene Methoden wurden ausprobiert, um das Winterquartier des Monarchen ausfindig zu machen. Zuerst versuchte man es, indem man Tausende von Schmetterlingen mit gummierten Schildchen markierte. Aber in der Nacht darauf kam ein starker Regen und spülte die Schildchen von den gemeinsam auf ihrem Übernachtungsplatz ruhenden Monarchen ab. Doch mit selbstklebenden Schildern war man schließlich erfolgreich. Im Laufe der Jahre wurden Hunderttausende von markierten Monarchen freigelassen, und Tausende von Freiwilligen schrieben ihre Beobachtungen nach Toronto. Langsam wurde der Verlauf der Wanderwege erkennbar, nur das eigentliche Winterquartier blieb immer noch ein Geheimnis. Alle Anzeichen deuteten indessen nach Mexiko.

Das Ziel der Forschungen wurde erreicht, als zwei freiwillige Mitarbeiter, nachdem sie fast ein Jahr lang kreuz und quer durch Mexiko gefahren waren, im Gebirge die Kolonie auf einem 8 Hektar großen Gebiet fanden. In einer Höhe von 3 000 m ü. d. M. verdunkelten Millionen Monarchen den Himmel, bedeckten den Boden und hingen wie Girlanden an rund 1 000 oyamel-Bäumen. Professor Urquhart, der in der Zeitschrift National Geographic anschaulich schilderte, was er bei seinem Besuch in diesem abgelegenen Gebiet erlebte, beschrieb den wunderbaren Anblick wie folgt: „Staunend betrachtete ich das Bild, das sich meinen Augen bot: Millionen und aber Millionen von Schmetterlingen — alles Monarchen! Sie hingen in Massen an jedem Zweig, und Stamm der hohen graugrünen oyamel-Bäume. Sie wirbelten wie Herbstblätter durch die Luft, und Myriaden bedeckten gleich einem leuchtenden bunten Teppich den Boden ... Ich murmelte: ,Einfach unfaßlich! Ein überwältigendes, unglaubliches Bild!‘“

Wandertrieb

Wenn wir einen einzelnen Schmetterling beobachten, der aus einer Blüte Nektar saugt, steigt unsere Bewunderung für den Schöpfer. Aber wenn man Millionen von Schmetterlingen an einem Ort beisammen sieht, an den sie aus einer Entfernung von 4 800 km gekommen sind, fragt man sich unwillkürlich: Warum? Selbst jetzt kann noch niemand mit absoluter Sicherheit sagen, warum die Monarchen hierherfliegen. Es scheint jedoch, daß im Winter in der mexikanischen Sierra Madre genau die Temperaturen herrschen, die notwendig sind, um zu verhindern, daß die Schmetterlinge ihre Fettreserven verbrennen (sie verbringen den Winter in einer Art Ruhestadium mit stark verminderter Aktivität), die sie für die Wanderung im Frühjahr benötigen.

Der Mensch staunt über den unfehlbaren Instinkt, von dem diese Wanderfalter geleitet werden, obschon er den Grund der Wanderung nicht genau kennt. Der Monarch wiegt weniger als 250 Milligramm und vermag dennoch mit einer Geschwindigkeit von 19 bis 23 km/st zu fliegen. Außerdem finden die Monarchen trotz Stürmen und Hitze und obschon sie offenes Land, Berge und Städte überfliegen müssen, ihren Weg in das Tausende von Kilometern entfernte Winterquartier, in dem sie bis dahin noch nie gewesen sind und das sie im Frühjahr wieder verlassen, um es nie wiederzusehen.

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