Geld — Wie entstanden?
„GUT essen macht Freude, Wein trinken macht lustig“, sagte einmal ein weiser Mann, „und Geld macht beides möglich“ (Prediger 10:19, Die Bibel in heutigem Deutsch). Aber was ist dieses mysteriöse Etwas — das Geld? Woher kommt es?
Der Mensch erkannte schon vor langer Zeit, daß weder der Tauschhandel noch das Herumschleppen von Metall eine bequeme Art war, Geschäfte abzuwickeln. Daher erfanden die ideenreichen Chinesen das Papiergeld. Im Laufe der Zeit entschieden sich auch andere Nationen dazu, Papier zu bedrucken, das, zumindest theoretisch gesehen, in Edelmetall — gewöhnlich Gold — eingelöst werden konnte.
Die Goldwährung hatte jedoch einen „angeborenen“ Fehler. Man sagt, der Gesamtwert allen Goldes, das je abgebaut worden ist, beträgt nur etwa 85 Milliarden Dollar (bei dem alten Goldpreis von 35 Dollar je Feinunze). Nirgendwo ist von diesem Metall auch nur annähernd genug vorhanden, um mit dem gewaltigen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum Schritt zu halten.
Zur Veranschaulichung: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der US-Dollar die Währung des internationalen Handels. Milliarden US-Dollar kamen in die Hände ausländischer Regierungen. Ein Autor behauptete: „Bereits im Jahre 1965 befanden sich in den Händen ausländischer Banken mehr Dollars, als das Gold in Fort Knox wert war“ (Kursivschrift von uns). Was wäre geschehen, wenn die Länder plötzlich ihr Gold verlangt hätten? Folglich schlossen die Vereinigten Staaten im Jahre 1971 ihr „Goldtor“. Andere Länder konnten von nun an ihre Dollars nicht mehr in Gold einlösen, obwohl die Vereinigten Staaten immer noch riesige Goldreserven hatten. Genaugenommen wurde das Geld dann nur noch durch das Vertrauen auf die amerikanische Regierung gestützt. Dadurch wurde das internationale Geldwesen in ein Chaos gestürzt.
Das Geld ist somit nur so viel wert, wie die Leute denken. Je mehr Geld die Regierungen drucken lassen, um so geringer wird der Wert, den ihm die Bevölkerung beimißt. Aber die Druckmaschinen sind nicht die einzige Geldquelle.
Aus dem Nichts
„So hättest du mein Silbergeld bei den Bankleuten anlegen sollen“, sagte ein Mann in einem Gleichnis Jesu, „und bei meiner Ankunft hätte ich das Meine mit Zins erhalten“ (Matthäus 25:27). Schon in biblischen Zeiten waren Bankleute mit der Kunst vertraut, Geld mit beträchtlichem Gewinn zu verleihen und einen Teil von diesem Gewinn dem „sparenden Kunden“ als „Zinsen“ zu geben. Aber dadurch schaffen die Banken auf findige Weise Geld.
Nimm einmal an, du zahlst auf dein Bankkonto 100 000 DM ein. Der nächste Kunde benötigt zu Anschaffungszwecken einen Kredit von 10 000 DM. Nun denkst du wahrscheinlich, daß sich die Einlagen der Bank nur um 90 000 DM erhöht haben, da deine Einzahlung ja um den Kredit verringert wird. Aber der Bankier denkt nicht so. Gewöhnlich wird dem Kreditnehmer das Geld nicht bar ausgezahlt, sondern auf sein Bankkonto gebucht, damit er bei Bedarf Geld abheben kann. Statt daß die Einlagen der Bank abnehmen, haben die Konten bei der Bank insgesamt eine Einlage von 110 000 DM — davon 10 000 DM aus dem Nichts geschaffen.
Dieses Zahlenspiel mag für dich verwirrend sein, aber den Bankier erfüllt es mit Zufriedenheit. Auf diese Weise sind Banken in der Lage, mehr Geld auszuleihen, als sie in Wirklichkeit haben. „Ist das denn nicht gefährlich?“ magst du fragen. Ja, es kann gefährlich sein, vor allem, wenn eine Bank verantwortungslos Geld ausleiht. Nichtsdestoweniger kommt es selten vor, daß alle Sparer und Kreditnehmer zur gleichen Zeit erscheinen und ihr Geld verlangen. Deshalb halten die Banken nur so viel Bargeld bereit, wie nötig ist, um ihre täglichen Geschäfte abwickeln zu können.
Auch die Regierungen schaffen enorme Kapitalmengen, ohne Banknoten zu drucken. Zum Beispiel führt, wie es in dem Buch The Money Balloon heißt, die amerikanische Landeszentralbank „eine Reihe ungeheuer komplizierter Buchungen aus — ein Hin- und Herschieben von Zahlen, Kauf und Verkauf von Staatsanleihen, Aufnahme von Krediten, Kauf von Wertpapieren mit der Vereinbarung, sie sofort wieder zu verkaufen, Verkauf von Wertpapieren mit der Vereinbarung, sie sofort zurückzukaufen. ... aber wenn man all diese Vorgänge analysiert, stellt man fest, daß die Landeszentralbank Geld aus dem Nichts schafft“.
Auch du kannst unbeabsichtigt Geld schaffen. Jedesmal, wenn du eine Kreditkarte oder einen Euroscheck verwendest, leihst du dir Geld aus. Und wenn du ein Lohn- und Gehaltskonto hast, kannst du mit deinen Schecks mehr Geld ausgeben, als du auf dem Konto hast. Das ist eine Art der Geldschöpfung, durch die die Inflation geschürt wird.
Dieses System ist also eine Blase, die leicht platzen kann, wenn die Leute ihm kein Vertrauen mehr schenken. Wohin wandert jedoch das Geld, das so mühelos entsteht?
[Bild auf Seite 5]
Die Währungen werden nicht mehr durch Gold gestützt.