Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • g94 22. 8. S. 19-24
  • Wenn man es im Leben nicht leicht hat

Kein Video für diese Auswahl verfügbar.

Beim Laden des Videos ist ein Fehler aufgetreten.

  • Wenn man es im Leben nicht leicht hat
  • Erwachet! 1994
  • Zwischentitel
  • Ähnliches Material
  • Als Neunjährige
  • Die Krankheit legt mir Beschränkungen auf
  • Ein Rückfall
  • Schließlich wieder zur Schule
  • Neugierig auf Religion
  • Wieder ein Rückfall
  • Der Schulbesuch war nicht leicht
  • Sich der Blutfrage stellen — nicht leicht
  • Schulabschlußfeier, dann Taufe
  • Wieder mit der Blutfrage konfrontiert
  • Und noch einmal ein Rückfall
  • Ich habe es immer noch nicht leicht
  • Ich stand vor einer medizinischen Notsituation
    Erwachet! 1996
  • Weder Zauberer noch Götter
    Erwachet! 1994
  • „Mein Kind hat Krebs!“
    Erwachet! 2011
  • Die Entscheidung, die ihr das Leben rettete
    Erwachet! 1979
Hier mehr
Erwachet! 1994
g94 22. 8. S. 19-24

Wenn man es im Leben nicht leicht hat

ICH war noch ziemlich jung, als ich mich mit der harten Realität des Lebens auseinandersetzen mußte. Die meisten werden mir wohl zustimmen, daß es im Leben oft ungerecht zugeht. Das betrifft jeden — früher oder später. Wir alle werden krank. Zugegeben, einige mögen alt werden, ohne jemals eine schwere Krankheit zu haben, aber irgendwann werden wir alle mit dem Tod konfrontiert.

Ich denke wahrscheinlich über das Sterben mehr nach, als ich sollte. Aber ich möchte erklären, warum das so ist und inwiefern mir das, was ich erlebt habe, in gewisser Hinsicht zugute gekommen ist.

Als Neunjährige

Ich wurde im September 1968 in Brooklyn (New York) als jüngstes von fünf Kindern geboren. Mein Vater war arbeitsunfähig, und meine Mutter arbeitete als Kassiererin, um für den Unterhalt zu sorgen. Kurz bevor ich neun Jahre alt wurde, bemerkte meine Mutter, daß mein Bauch auf einer Seite angeschwollen war. Sie ging mit mir zum nächstgelegenen Krankenhaus. Die Ärztin ertastete ein großes Gewächs, und einige Tage später wurde ich in das Kings County Hospital eingeliefert.

Nachdem Mutti weggegangen war, weinte ich, da ich Angst hatte. Am nächsten Tag wurde ich von zwei in Hellblau gekleideten Männern in den Operationssaal gefahren. Als ich auf der Wachstation wieder zu mir kam, konnte ich mich nur noch daran erinnern, daß ich von einer Lampe über meinem Kopf geblendet worden war und daß man mir etwas über den Mund gelegt hatte. Die Ärzte entfernten erfolgreich einen sogenannten Wilms-Tumor (eine Krebsart), eine Niere und einen Teil der Leber.

Fünf Wochen lag ich auf der Intensivstation. Jeden Tag wechselten die Ärzte den Verband. Jedesmal, wenn sie das Pflaster abrissen, schrie ich. Um meine Schmerzen zu verringern, holten die Ärzte jemanden, der mich ablenken sollte. Ich kann mich noch daran erinnern, daß er mir viel von Fröschen erzählte.

Nachdem ich aus der Intensivstation herausgekommen war, blieb ich noch vier Wochen im Krankenhaus. Während dieser Zeit begann man bei mir mit einer Strahlentherapie. Das war sehr schmerzhaft — nicht wegen der Bestrahlungen, sondern weil ich mich auf den Bauch legen mußte, der durch die Operation noch empfindlich war. Die Strahlenbehandlung bekam ich jeden Tag, von Montag bis Freitag.

Ende November 1977 wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen, erhielt aber die Bestrahlungen ambulant weiter. Nach Abschluß dieser Behandlung wurde mir eine Chemotherapie verordnet. Täglich, von Montag bis Freitag, mußte ich frühmorgens aufstehen und zum Krankenhaus gehen, wo mir starke Medikamente gespritzt wurden. Der Arzt stach mit einer Nadel in eine Vene und spritzte das Mittel direkt hinein. Ich hatte Angst vor den Nadeln und weinte jedesmal, doch meine Mutter erklärte mir, daß ich das über mich ergehen lassen müßte, wenn ich wieder gesund werden wollte.

Die Chemotherapie hatte furchtbare Nebenwirkungen. Mir wurde davon übel, und ich mußte mich oft übergeben. Mein Blutbild verschlechterte sich, und alle Haare gingen mir aus.

Die Krankheit legt mir Beschränkungen auf

Im Frühjahr, am Ostersonntag, machten wir uns gerade für die Kirche fertig, als ich plötzlich aufgrund meiner niedrigen Blutwerte Nasenbluten bekam. Meine Eltern versuchten alles mögliche, aber die Nase wollte nicht aufhören zu bluten. Die Ärzte brachten die Blutung zum Stillstand, indem sie meine Nase mit Verbandmull zustopften, doch dann kam mir das Blut aus dem Mund heraus. Da ich viel Blut verlor, wurde ich sehr schwach, und so lieferte man mich ins Krankenhaus ein. Um mich vor Infektionen zu schützen, mußten Besucher Handschuhe, eine Gesichtsmaske und über ihrer Kleidung einen Kittel tragen. Nach einer Woche waren die Blutwerte genügend angestiegen, so daß ich aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte.

Sofort fing man wieder mit der Chemotherapie an. Ich konnte nicht zur Schule gehen, obwohl ich so gern gegangen wäre. Ich sehnte mich nach meinen Freundinnen und wollte mit ihnen draußen spielen. Doch da die Ärzte der Meinung waren, daß ich während der Chemotherapie und auch einige Zeit danach nicht zur Schule gehen könne, erhielt ich zu Hause Unterricht.

In diesem Sommer wollte ich, so wie immer, meine Großeltern in Georgia besuchen, doch ich durfte nicht. Das Krankenhaus organisierte allerdings für Krebspatienten einen Ausflug in einen Vergnügungspark in New Jersey. Danach war ich ganz schön erschöpft, aber es hatte Spaß gemacht.

Gegen Ende des Jahres 1978 war ich mit der Chemotherapie fertig, dennoch erhielt ich weiter Heimunterricht — insgesamt länger als drei Jahre. Als ich im Januar 1981 wieder zur Schule ging, hatte ich, weil ich so lange zu Hause unterrichtet worden war, Probleme mit dem Eingewöhnen. Manchmal konnte ich den Klassenraum nicht finden und verirrte mich. Ansonsten ging ich wirklich gern zur Schule. Meine Vorliebe galt der Musik, dem Maschineschreiben und dem Sport. Manche Schüler waren nett zu mir, aber andere lachten mich aus.

Ein Rückfall

„Bist du schwanger?“ fragten mich einige, denn mein Bauch war geschwollen. Der Arzt sagte, ich solle mir keine Sorgen machen; meine Leber wolle nur wieder an Größe zunehmen. Nach einer Untersuchung im März wies er mich jedoch ins Krankenhaus ein. Ich weinte, denn ich hatte nur zweieinhalb Monate zur Schule gehen können.

Es wurde eine Biopsie vorgenommen, man entnahm einem Tumor in meiner Leber eine Gewebeprobe. Als ich nach dieser Prozedur erwachte, sah ich als erstes meine Mutter. Sie weinte. Sie sagte mir, daß ich wieder Krebs habe und daß der Tumor zu groß sei, um entfernt werden zu können; nur mit Chemotherapie könne man ihn verkleinern. Damals war ich erst 12 Jahre alt.

Die Chemotherapie erhielt ich im Krankenhaus, was bedeutete, daß ich alle paar Wochen jedesmal zwei oder drei Tage dort verbringen mußte. Wie zuvor auch, wurde ich von Übelkeit und Erbrechen geplagt. Das Essen schmeckte nach nichts, und ich verlor alle Haare. Die Chemotherapie wurde während des ganzen Jahres (1981) fortgesetzt. In der Zwischenzeit, und zwar im April, fing ich wieder mit dem Heimunterricht an.

Als ich zu Beginn des Jahres 1982 zur Operation ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war ich so schwach, daß die Krankenschwestern mir helfen mußten, auf die Waage zu steigen. Die Chemotherapie hatte den Tumor verkleinert, so daß er zusammen mit einem Teil der Leber von den Chirurgen entfernt werden konnte. Wieder lag ich ungefähr zwei Monate im Krankenhaus. Etwa Mitte 1982 wurde abermals mit einer Chemotherapie begonnen, die sich bis Anfang 1983 hinzog.

Während dieser Zeit war ich traurig, da ich nicht zur Schule gehen konnte. Aber dann wuchsen meine Haare wieder, und das gab mir Auftrieb. Ich war froh, am Leben zu sein.

Schließlich wieder zur Schule

Meine Privatlehrerin richtete es so ein, daß ich zusammen mit der Klasse, die ich 1981 kurze Zeit besucht hatte, meinen Abschluß der Junior-High-School feiern konnte. Ich war ganz aufgeregt; wie schön war es doch, Freunde wiederzusehen und neue kennenzulernen! Am Tag der Abschlußfeier (Juni 1984) machte ich von meinen Freunden und von Lehrern Fotos, und meine Angehörigen machten von mir Fotos — zur Erinnerung an das besondere Ereignis.

In jenem Jahr verbrachte ich fast den ganzen Sommer bei meinen Großeltern in Georgia. Als ich Ende August zurückkam, war es Zeit, die Sachen für die Schule zu richten. Ja, ich würde wieder zur Schule gehen. Ich war voller Freude!

Neugierig auf Religion

Dawn und Craig waren anders als die anderen Schüler, und ich fühlte mich zu ihnen hingezogen. Aber als ich ihnen Weihnachtsgeschenke gab, sagten sie mir, sie würden Weihnachten nicht feiern. „Seid ihr Juden?“ fragte ich. Daraufhin erklärte Craig, sie seien Zeugen Jehovas und Weihnachten sei in Wirklichkeit kein christliches Fest. Dann gab er mir über dieses Thema einige Wachtturm- und Erwachet!-Ausgaben zum Durchlesen.

Ich wurde auf ihre Religion neugierig, da sie so anders zu sein schien. Jedesmal, wenn ich in die Kirche ging, hörte ich das gleiche: „Glaube an Jesus Christus, laß dich taufen, und du wirst in den Himmel kommen.“ Das erschien mir zu simpel. Ich war zu der Auffassung gekommen, daß man, wenn etwas zu simpel ist, entweder ein Genie sein muß oder etwas nicht ganz in Ordnung ist. Ich wußte, daß ich kein Genie war, also zog ich die Schlußfolgerung, daß mit dem, was die Kirche lehrte, etwas nicht stimmte.

Schließlich begann Craig, mit mir während der Mittagspausen die Bibel zu studieren. Eines Tages lud er mich zu einem Kongreß der Zeugen Jehovas ein, und ich ging hin. Dort traf ich Craig und seine Angehörigen und setzte mich zu ihnen. Ich war von dem, was ich sah, beeindruckt — Menschen verschiedener Rassen in der Anbetung vereint —, und ich war auch beeindruckt von dem, was ich hörte.

Als Craig und ich versetzt wurden, konnten wir nicht mehr zusammen die Bibel studieren, da wir zu verschiedenen Zeiten Mittagspause hatten. Craigs Mutter rief meine Mutter an und fragte, ob sie mit mir studieren dürfe, aber meine Mutter sagte nein. Später erlaubte sie mir, die christlichen Zusammenkünfte zu besuchen. Also rief ich bei einem im Telefonbuch aufgeführten Königreichssaal an und erfuhr, daß die Zusammenkunft am Sonntag um 9 Uhr beginnen würde. Am Tag zuvor lief ich ungefähr 30 Häuserblocks weit zum Königreichssaal, damit ich den Weg kannte.

Am nächsten Morgen fragte mich dort ein Herr, ob ich nur zu Besuch sei und sonst zu einem anderen Königreichssaal gehen würde. Ich sagte ihm, dies sei mein erster Besuch, ich hätte aber schon vorher kurze Zeit studiert. Er war so freundlich und bat mich, bei ihm und seiner Frau zu sitzen. Die Zusammenkünfte waren ganz anders als der Gottesdienst in der Kirche. Ich war erstaunt darüber, mit welcher Begeisterung sich viele während des Frage-und-Antwort-Teils am Kommentargeben beteiligten. Sogar kleine Kinder gaben Kommentare. Ich meldete mich und gab auch eine Antwort. Von da an besuchte ich regelmäßig die Zusammenkünfte, und ich verstand die biblischen Wahrheiten immer besser.

Wieder ein Rückfall

Im Dezember 1986 — ich war im letzten Schuljahr — ging ich zu einer Routineuntersuchung. Dem Arzt kam etwas in meinem rechten Lungenflügel verdächtig vor; also mußte ich für weitere Röntgenaufnahmen wiederkommen. Als mir anhand der Aufnahmen erklärt wurde, daß tatsächlich etwas nicht in Ordnung sei, fing ich an zu weinen.

Eine Biopsie wurde durchgeführt; der Arzt entnahm mit einer Nadel dem Lungentumor eine Gewebeprobe. Es stellte sich heraus, daß das Gewächs krebsartig war. Eigentlich waren es drei Tumoren, einschließlich eines großen in der Nähe der Herzarterien. Nach einer Unterredung mit dem Arzt beschlossen wir, daß ich mich versuchsweise zwei verschiedenen Chemotherapiebehandlungen unterziehen sollte, um die Tumoren vor der Operation zu verkleinern. Die Nebenwirkungen wären die üblichen: vollständiger Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen und niedrige Blutwerte.

Zuerst war ich deprimiert, aber dann betete ich immer wieder zu Jehova, und das gab mir Kraft. Die Abschlußprüfung sollte in weniger als sechs Monaten stattfinden. Doch meine Lehrer waren verständnisvoll und freundlich; sie wollten von mir lediglich ein Attest haben und meinten, ich solle versuchen, mit dem Lehrstoff auf dem laufenden zu bleiben.

Der Schulbesuch war nicht leicht

Wenn es mir schlechtging, waren die Schularbeiten für mich eine Last, und zu allem Überfluß fielen mir auch noch die Haare aus. So kaufte ich mir eine Perücke, und meine Schulkameraden fanden, mein Haar sähe großartig aus; sie merkten nicht, daß es eine Perücke war — bis auf einen Jungen. Jedesmal, wenn ich ins Klassenzimmer kam, schrieb er an die Tafel das Wort „wig“ (Perücke), und dann lachte er immer mit seinen Freunden über mich. Die Hänselei deprimierte mich.

Eines Tages riß mir dann jemand im Gedränge im Gang von hinten die Perücke vom Kopf. Ich drehte mich schnell um und hob sie auf. Aber Dutzende von Schülern sahen mich ohne Haare, und ich schämte mich in Grund und Boden. Ich ging in ein Treppenhaus und weinte. Am nächsten Tag konnte ich an einigen Gesichtern sehen, daß ihnen der Zwischenfall des Vortages leid tat. Klassenkameraden erzählten mir, ein Mädchen habe einem Jungen Geld gegeben, damit er mir die Perücke herunterreiße.

Sich der Blutfrage stellen — nicht leicht

Aufgrund der Chemotherapie verschlechterte sich mein Blutbild sehr. Das ständige Nasenbluten, manchmal zwei- oder dreimal am Tag, verschlimmerte nur noch die Situation. Ich war noch nicht getauft, aber ich nahm eine klare Haltung ein und sagte, daß ich als Zeuge Jehovas Blut verweigere (Apostelgeschichte 15:28, 29). Meine älteste Schwester forderte eine meiner kleinen Nichten auf, mir zu sagen, sie möchte nicht, daß ich sterbe. Mein Vater war böse mit mir und meinte, ich solle mir Blut geben lassen, und Mutti sagte mir immer wieder, Gott würde mir vergeben, wenn ich einer Transfusion zustimmte.

Gleichzeitig ließen mich die Ärzte wissen, daß ich mit derartig niedrigen Blutwerten einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bekommen könnte. Da ich entschlossen war, standhaft zu bleiben, ließen sie mich eine Haftungsbefreiung unterschreiben, mit der ich die Ärzte im Falle meines Todes jeglicher Verantwortung enthob. Doch bald erholte ich mich so weit, daß ich wieder nach Hause und auch zur Schule gehen konnte. Wegen meiner niedrigen Blutwerte entschieden die Ärzte jedoch, daß ich mich jetzt anstelle der Chemotherapie einer Strahlenbehandlung unterziehen sollte. Diese Behandlung bekam ich jeden Tag nach der Schule von Ende April bis Anfang Juni 1987.

Schulabschlußfeier, dann Taufe

Die Abschlußfeier war ein besonderes Ereignis. Meine Schwester erstand für mich ein Kleid, und ich kaufte mir eine neue Perücke. Mutti und meine beiden Schwestern kamen zur Feier, und anschließend gingen wir zusammen essen — ein unvergeßlicher Tag.

Zu dieser Zeit erhielt ich weder eine Strahlen- noch eine Chemotherapie. Aber einige Wochen später rief der Arzt an, um mir auszurichten, daß ich für eine weitere Serie von Chemotherapiebehandlungen ins Krankenhaus kommen solle. Ich wollte nicht, da es nur noch eine Woche bis zum Bezirkskongreß der Zeugen Jehovas war, den ich im Yankee-Stadion in New York besuchen wollte. Mutti meinte jedoch, ich solle hingehen und die Behandlung hinter mich bringen. Also tat ich es.

Während des Kongresses war ich ganz aufgeregt, da ich mich am Samstag, den 25. Juli 1987 taufen lassen wollte. Wir wurden von Polizisten nach Orchard Beach, der Taufstätte, begleitet. Nach meiner Taufe kehrte ich zum Stadion zurück, um dem restlichen Programm dieses Tages zuzuhören. Abends war ich sehr müde, aber ich machte mich am Sonntag morgen fertig und erlebte den letzten Tag des Kongresses mit.

Wieder mit der Blutfrage konfrontiert

Am Nachmittag des darauffolgenden Tages wurde ich mit 39 Grad Fieber, einer Nierenentzündung und extrem niedrigen Blutwerten ins Krankenhaus eingeliefert. Der Arzt drohte mir damit, eine gerichtliche Verfügung einzuholen und mir gegen meinen Willen Blut zu verabreichen, wenn ich nicht die Einverständniserklärung für eine Bluttransfusion unterschreiben würde. Ich hatte furchtbare Angst. Meine Angehörigen übten Druck aus; meine Schwester wollte mir sogar von ihrem Blut geben, aber ich lehnte ab.

Ich betete immer wieder zu Jehova, er möge mir doch helfen, standhaft zu bleiben. Ich war froh, als meine Blutwerte wieder anstiegen und ich nicht mehr zu einer Bluttransfusion gedrängt wurde. Die Chemotherapie mußte fortgesetzt werden, aber es waren bei mir keine dafür geeigneten Venen mehr zu finden. Daher machte ein Chirurg unterhalb des Schlüsselbeins eine kleine Öffnung, um eine Kanüle zu legen, durch die Medikamente eingeführt werden konnten.

In einem Gespräch über die Entfernung der Lungentumoren meinte der Chirurg, daß er kein Blut verwenden werde, es sei denn, es trete ein Notfall ein. Mutti bat mich, die Zustimmung zu geben, und ich hörte auf sie. Aber im nachhinein fühlte ich mich schlecht, da ich im Grunde genommen einer Behandlung mit Blut zugestimmt hatte. Sofort suchte ich nach einem Chirurgen, der mir das Versprechen geben würde, kein Blut zu verwenden. Die Suche schien erfolglos zu sein, aber schließlich fand ich doch einen Chirurgen, und die Operation wurde für Januar 1988 angesetzt.

Der Arzt gab mir keine Garantie, daß ich überleben würde. Ja am Abend vor der Operation kam er in mein Zimmer und sagte: „Ich werde es versuchen.“ Ich hatte Angst; ich war erst 19 Jahre alt und wollte nicht sterben. Die drei Tumoren wurden jedoch erfolgreich entfernt, außerdem zwei Drittel eines Lungenflügels. Erstaunlicherweise war ich nur eine Woche im Krankenhaus. Nachdem ich mich ungefähr zweieinhalb Monate zu Hause erholt hatte, fing ich wieder mit der Chemotherapie an, die die üblichen Nebenwirkungen hervorrief.

Ungefähr zur gleichen Zeit wurde auch mein Vater krebskrank, und einige Monate später fand Mutti ihn eines Abends tot im Schlafzimmer. Nach seinem Tod besuchte ich eine Handelsschule, wo ich als Sekretärin ausgebildet wurde. Ich war in bezug auf meine Ausbildung ganz zufrieden, auch war ich in guter körperlicher und geistiger Verfassung, ja ich war sogar Hilfspionier (zeitweiliger Vollzeitprediger).

Und noch einmal ein Rückfall

Im April 1990 reiste ich nach Augusta (Georgia) zur Hochzeitsfeier meines ältesten Bruders. Während der Feier sagte er zu mir: „Dein Bein ist aber dick.“

„Und was denkst du, was es ist? “ fragte ich.

„Ich weiß es nicht“, gab er zur Antwort.

„Es wird wohl ein Tumor sein“, sagte ich.

Zurück in New York, ging ich zum Arzt. Eine unter örtlicher Betäubung vorgenommene Biopsie ließ erkennen, daß es wieder ein Wilms-Tumor war, dieses Mal in meiner linken Wade. Wie aus den Tests hervorging, war der Knochen nicht in Mitleidenschaft gezogen, aber der Tumor war zu groß, als daß er hätte entfernt werden können. Also folgte eine Chemotherapie, wie üblich.

Nach einiger Zeit mußte ich mich dauernd erbrechen; das Verdauungssystem blockierte. Eine Notoperation verschaffte mir Erleichterung. Doch dann hatte ich eine Darmverschlingung, was eine weitere Operation erforderlich machte. Ich hatte nur noch einen Hämoglobinwert von 4, und der Arzt sagte immer wieder: „Sie müssen unbedingt Blut nehmen. Sie werden sonst sterben. Sie werden sonst wahrscheinlich diese Nacht nicht mehr überleben.“ Ich hatte Alpträume von Friedhöfen und vom Sterben.

Bis zum Oktober hatte ich mich so weit erholt, daß der Tumor entfernt werden konnte. Ich verlor dabei auch etwa 70 Prozent meiner Wade. Es war ungewiß, ob ich jemals wieder laufen könnte. Aber um in New York herumzukommen, mußte ich doch laufen können! Mit Hilfe von Krankengymnastik und mit Zielstrebigkeit fing ich an zu laufen — zuerst mit einem Gehgestell, dann auf Krücken, später mit einem Gehstock und schließlich mit einem Schienenhülsenapparat, so daß ich meine Hände frei hatte und die Bibel im Haus-zu-Haus-Dienst gebrauchen konnte. Im Verlauf der Chemotherapie wog ich nur noch 27 Kilogramm; ich bin aber 1,55 Meter groß und wiege normalerweise 54 Kilogramm. Nachdem ich zugenommen hatte und mein Bein kräftiger geworden war, erweiterten die Ärzte den Beinapparat. Als ich schließlich mein normales Gewicht erreicht hatte, fertigten sie mir einen neuen an.

Ich habe es immer noch nicht leicht

Ungefähr im Sommer 1992 hatte ich das Gefühl, wieder ich selbst zu sein, und ich freute mich darauf, eventuell im Hilfspionierdienst stehen zu können. Im November erhielt ich einen Brief, der mich ganz aus dem Häuschen brachte. Darin wurde erwähnt, daß ich durch das, was ich in meinem Leben durchgemacht habe, eine Ermunterung für andere sein könnte, und so bat man mich, einen Bericht zur Veröffentlichung in Erwachet! aufzuschreiben. In der folgenden Woche schlug meine Euphorie in Verzweiflung um.

Eine Routineröntgenaufnahme meines Brustkorbs ergab, daß sich in meinem gesunden Lungenflügel einige Tumoren befanden. Ich weinte unaufhörlich. Ich hatte mich damit abgefunden, eine Niere verloren zu haben, dann einen Teil der Leber, den größeren Teil des linken Lungenflügels und schließlich einen Teil meines Beins, aber niemand kann überleben, wenn er beide Lungenflügel verliert. Doch meine Angehörigen und Freunde waren auch diesmal zur Stelle und richteten mich auf, und ich beschloß, der Krankheit den Kampf anzusagen.

Man begann wieder mit Chemotherapie, um die Gewächse einzuschrumpfen. Ein Arzt dachte, man könne sie entfernen und so die Lunge retten. Im März 1993 brachte man mich in den Operationssaal. Hinterher erfuhr ich, daß die Ärzte den Eingriff nicht vorgenommen hatten, weil die Tumoren schon zu sehr gewuchert waren. Sie hätten nämlich zusammen mit der Lunge entfernt werden müssen. Seitdem bekomme ich aggressive Chemotherapie verabreicht, da man versucht, die Tumoren abzutöten.

Ist es da nicht verständlich, daß ich immer wieder über den Tod nachdenke? Hätte ich mir ernsthaft Gedanken darüber gemacht, warum der Mensch stirbt und welche Hoffnung es für die Zukunft gibt, wenn mein Leben leichter gewesen wäre? Ich bin mir nicht sicher. Ich weiß nur, daß es nicht darauf ankommt, ob wir momentan leben oder sterben, sondern vielmehr darauf, daß wir den Segen Jehovas erhalten, denn nur Gott kann uns ewiges Leben geben. Dadurch, daß ich mir die Hoffnung auf das Leben in der neuen Welt ständig vor Augen halte, meine Bürden auf Jehova werfe und engen Kontakt mit Freunden pflege, die die gleiche Hoffnung haben wie ich, habe ich durchhalten können (Psalm 55:22; Offenbarung 21:3, 4).

Ich freue mich darüber, daß andere junge Menschen gesund sind. Ich hoffe, daß sich viele durch meinen Bericht angespornt fühlen und so vernünftig sind, ihre Kräfte im Dienst für Jehova einzusetzen und nicht für unnütze Bestrebungen. Wie herrlich wird es doch sein, wenn wir uns in Gottes neuer Welt für immer einer guten Gesundheit erfreuen können! Dann werden wir keine Ärzte, keine Krankenhäuser, keine Injektionsnadeln und keine Schläuche mehr benötigen — nichts, was uns an die kranke und sterbende Welt erinnern wird. (Von Kathy Roberson erzählt.)

[Bild auf Seite 21]

Bei der Abschlußfeier der Junior-High-School

[Bild auf Seite 23]

Bei einem Kreiskongreß in New York, als ich bei der Essenausgabe half

    Deutsche Publikationen (1950-2025)
    Abmelden
    Anmelden
    • Deutsch
    • Teilen
    • Einstellungen
    • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
    • Nutzungsbedingungen
    • Datenschutzerklärung
    • Datenschutzeinstellungen
    • JW.ORG
    • Anmelden
    Teilen