Junge Leute fragen sich:
Wie kann ich das übermäßige Tagträumen lassen?
„ICH habe ein ernstes Problem“, gab ein Jugendlicher namens Jonathan zu. „Bei der Arbeit, unterwegs, vor dem Einschlafen und sogar im Königreichssaal habe ich Tagträume. In der Regel drehen sie sich um Mädchen und um Sex, oder aber ich stelle mir vor, ein Star oder ein Held zu sein.“
Tagträume sind bei Alt und Jung weit verbreitet. Bleibt Tagträumen im Rahmen, kann es durchaus natürlich und nützlich sein.a Doch zuviel von einer guten Sache kann auch schädlich sein. (Vergleiche Sprüche 25:16.) Das ist vor allem so, wenn es sich um Tagträume verkehrten Inhalts handelt.
Angenommen, du träumst manchmal davon, dein Lieblingssänger zu sein. Zuerst stellst du dir vielleicht jeden Tag nur einige Minuten lang vor, wie du auf der Bühne stehst und von der Menge bejubelt wirst. Im Laufe der Wochen aber verbringst du immer mehr Zeit in deiner Phantasiewelt — bei Konzerten, Interviews oder Aufnahmen. Du findest solchen Spaß daran, daß du einfach nicht aufhören kannst.
„Was ist schon dabei?“ fragst du womöglich. Nun, Fachleute sagen, wer unter zwanghaftem Tagträumen leidet, „kommt ... häufig nicht in der Wirklichkeit zurecht“ (The Parents’ Guide to Teenagers). In einer Traumwelt zu leben behindert den Prozeß des Erwachsenwerdens; statt kindliche Merkmale abzulegen, klammerst du dich daran (1. Korinther 13:11). Du machst dir ein idealisierendes Bild vom Leben, kein reales. Statt dein Wahrnehmungsvermögen durch das Lösen von Problemen zu entwickeln, unterdrückst du dessen Entwicklung, indem du dich in eine Phantasiewelt zurückziehst (Hebräer 5:14). Auf diese Weise wirst du von Tagträumen beherrscht, was sich auf Beziehungen und Prioritäten im wirklichen Leben nachteilig auswirkt.
Das Buch Daydreaming von Dr. Eric Klinger weist auf die möglicherweise größte Gefahr hin: „In Gedanken bei etwas zu verweilen, was man haben möchte, aber eigentlich nicht haben darf, erschwert es, diesem Wunsch zu widerstehen.“ Die Bibel drückt dies wie folgt aus: „Jeder wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird“ (Jakobus 1:14). Einer Handlung gehen Gedanken voraus. Nur weil du manchmal davon träumst, ein berühmter Musiker zu sein, wirst du wahrscheinlich kein drogensüchtiger Rockstar werden, aber womöglich förderst du in dir ein unrechtes Verlangen — „die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen“ (1. Johannes 2:16).
Den Träumen ein Ende machen
Wie kannst du daher mit der Gewohnheit brechen, ständig Wunschträumen nachzuhängen? Es hilft, zuerst zu ergründen, warum dich ein gewisser Tagtraum fesselt.b Möchtest du bei anderen beliebt sein? Macht dir die Vorstellung Spaß, die Schönheit oder das Talent zu besitzen, durch das ein Prominenter berühmt wurde? Oder du beneidest vielleicht einfach den scheinbar sorgenfreien Lebensstil des Betreffenden. Ein Fachmann für psychische Krankheiten sagte mit Bezug auf die bekannte Sängerin Madonna: „In den Augen ihrer Fans braucht sie sich um Geld, Schulaufgaben oder Einsamkeit keine Sorgen zu machen.“ Daher träumen einige davon, wie sie zu sein.
Eine Prise Realität kann einem Wunschtraum jedoch ein Ende machen. Setz den Grundsatz aus Philipper 4:8 in die Tat um, wo wir aufgefordert werden, über Wahres und Lobenswertes nachzudenken. Führen Berühmtheiten tatsächlich ein sorgenfreies Leben? Ist ihre Moral im allgemeinen lobenswert? In Wirklichkeit hat das schnelle, lockere Leben aus vielen von ihnen ein körperliches und seelisches Wrack gemacht. Trotz ihres Reichtums haben viele Geldprobleme. Und nur wenige führen eine dauerhafte Ehe. Wünschst du dir solch ein Leben?
Der Wunsch, geliebt und bewundert zu werden, ist ganz natürlich. Die 16jährige Olivia stellt sich immer wieder vor, „jemand Besonderes zu sein, den alle mögen“. Ein Tagtraum aber — wie lebhaft oder realistisch er vielleicht auch ist — kann diese Wünsche nicht erfüllen, genausowenig wie der Magen davon voll wird, daß man vom Essen träumt (Jesaja 29:8). Außerdem warnt die Bibel: „Wer auf den Wind achtet, wird nicht Samen säen“ (Prediger 11:4). Statt also nur davon zu träumen, bei anderen beliebt zu sein, arbeite daran, ein sympathischer Mensch zu werden. (Siehe den Artikel „Junge Leute fragen sich: Wie kann ich anderen sympathischer werden?“ in der Erwachet!-Ausgabe vom 22. November 1988.)
Sexuelle Phantasien
Als Jugendlicher hatte Alan (nicht sein richtiger Name) Tagträume anderer Art. Er „lernte, erotische Gedanken heraufzubeschwören“, und verbrachte einen Großteil seiner Zeit damit. Später stellte er sein Leben in den Dienst Gottes und wurde ein Christ. „Dadurch änderte sich aber überhaupt nichts“, gibt Alan zu. „Sexuelle Tagträume blieben ein Teil meines Lebens.“
Wirst auch du von Tagträumen geplagt, die sexuelle Gefühle wecken?c Das ist in der „Blüte der Jugend“, wenn das sexuelle Verlangen stark ist, normal (1. Korinther 7:36). Du schadest dir jedoch, wenn du deinen Sinn bewußt auf erotische Gedanken lenkst. In Kolosser 3:5 heißt es: „Ertötet daher die Glieder eures Leibes, die auf der Erde sind, in bezug auf Hurerei, Unreinheit, sexuelle Gelüste.“ Sexuellen Phantasien nachzuhängen verstärkt falsche Begierden. Es kann zu Masturbation führen oder zu tatsächlicher geschlechtlicher Unmoral.
Wie kannst du es schaffen, unsittliche Tagträume erst gar nicht aufkommen zu lassen? Alan erinnert sich: „Ich entschied mich für die Entweder-Oder-Methode. Ich konnte nicht über Sex nachdenken, solange ich mich auf etwas anderes konzentrierte.“ Alan übte also Selbstdisziplin (1. Korinther 9:27). Er dachte über nützliche Dinge nach und lernte, jeden unmoralischen Gedanken sofort zu verscheuchen (Psalm 77:12). „Und es funktionierte!“ bestätigt er.
Wie Forscher interessanterweise herausfanden, hängt man Tagträumen am häufigsten nach, wenn man wenig zu tun hat. Reichlich beschäftigt zu sein, vor allem „im Werk des Herrn“, ist daher eine weitere Hilfe, schlechte Gedanken gar nicht erst Fuß fassen zu lassen (1. Korinther 15:58).
Laß deine Gedanken nicht wandern
Für die meisten Jugendlichen ist nicht so sehr der Inhalt ihrer Tagträume das Problem, sondern vielmehr, daß dadurch schulische Aufgaben und das Studium beeinträchtigt werden. „Ich kann mich nicht konzentrieren“, klagt die 16jährige Karine. „Ich schaffe es einfach nicht, meinen Sinn auf eine bestimmte Sache zu richten.“ Wie kann man dem Aufmerksamkeit schenken, was man hört? (Vergleiche Markus 4:24.) Nach Ansicht einiger Forscher hilft es schon, sich klarzumachen, wie oft man Tagträume hat. Vielleicht könntest du dir jedes Mal einen Vermerk machen, wenn deine Gedanken im Unterricht abschweifen. Als Schüler dies im Rahmen einer Studie taten, hatten sie beträchtlich weniger Tagträume.
Entwickle auch Interesse für das, was du lernst. Bist du davon überzeugt, daß Mathematik oder Geschichte langweilig ist, dann wird es dir schwerfallen, dich zu konzentrieren. Der Unterricht wird wesentlich interessanter sein, wenn du daran denkst, wie du aus dem Stoff Nutzen ziehen kannst. Zumindest kannst du durch Lernen dein „Denkvermögen“ fördern (Sprüche 1:4). Außerdem eignest du dir wichtige Fähigkeiten an. Kenntnisse in Mathematik werden dir zum Beispiel bei einer weltlichen Arbeit zugute kommen, beim Führen eines Haushalts und beim Erfüllen gewisser christlicher Verpflichtungen. Bist du in Geschichte bewandert, wirst du Menschen und Tagesereignisse besser verstehen. Der 14jährige Daniel, ein Zeuge Jehovas, sagt: „Ich versuche immer, meine Hausaufgaben mit der Bibel in Verbindung zu bringen, und denke darüber nach, wie ich das Gelernte im Predigtdienst verwenden kann. So bin ich gedanklich nicht beim Ballspielen, und ich will die Hausaufgaben nicht um jeden Preis schnell hinter mich bringen.“ Ja, je höher der Stellenwert ist, den du einem Lehrstoff zuordnest, desto stärker wirst du motiviert sein, nach Wissen zu suchen. (Vergleiche Sprüche 2:4.)
Es fällt besonders schwer, sich zu konzentrieren, wenn man einer Routinearbeit nachgeht — zum Beispiel Kochen, Putzen oder Ordnen. Wie leicht kommt man dabei ins Träumen! Die Bibel zeigt jedoch, daß man große Befriedigung finden kann, wenn man eine Arbeit gut macht (Prediger 2:24). Ferner ermuntert sie uns, alles so zu tun, als würden wir es „für Jehova“ tun (Kolosser 3:23). Eine solch positive Einstellung kann dir bei der Konzentration helfen. „Wenn ich mich auf das konzentriere, was ich gerade tue, dann bin ich damit schneller fertig“, erzählt der 12jährige Samuel.
Tagträume können angenehm sein, aber sie ersetzen nicht die Wirklichkeit. Laß nicht zu, daß sie dein Leben beherrschen. Nimm deinen Sinn in Zucht. Halte ihn auf das gerichtet, was lohnend ist. Auf diese Weise wirst du nicht nur das übermäßige Tagträumen lassen, sondern du wirst auch „das wirkliche Leben fest ergreifen“ (1. Timotheus 6:19).
[Fußnoten]
a Siehe den Artikel „Junge Leute fragen sich: Sind Tagträume verkehrt?“ im Erwachet! vom 8. Juli 1993.
b Es kann ein Anzeichen für ernste Probleme sein, wenn sich jemand in eine Phantasiewelt zurückzieht. Wie Untersuchungen über Erwachsene, die zu Wunschträumen neigen, ergeben haben, wurde eine große Anzahl dieser Menschen als Kind körperlich oder sexuell mißhandelt. Die Wunschträume dienten ihnen zur Bewältigung dieser Situation. Ein mißhandelter Jugendlicher braucht Hilfe und muß sich einem Erwachsenen anvertrauen, auf den er sich verlassen kann.
c Wie Untersuchungen anzeigen, machen sexuelle Phantasien normalerweise nur einen geringen Prozentsatz der durchschnittlichen Wachstunden aus. In seinem Buch Daydreaming bemerkt Dr. Eric Klinger: „Am ehesten ist uns etwas lebhaft in Erinnerung, was unsere Gefühle angesprochen hat. Da sexuelle Tagträume ebenfalls Gefühle wecken, erinnern wir uns an diese Art Tagträume wahrscheinlich häufiger als an andere.“
[Bilder auf Seite 21]
Statt nur davon zu träumen, bei anderen beliebt zu sein, arbeite daran, ein sympathischer Mensch zu werden