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  • Meine Eltern haben sich getrennt — Was soll ich tun?

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  • Meine Eltern haben sich getrennt — Was soll ich tun?
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Erwachet! 1990
g90 22. 8. S. 10-12

Junge Leute fragen sich:

Meine Eltern haben sich getrennt — Was soll ich tun?

„Eines Abends ging Vater mit uns vier Kindern Eis essen. Plötzlich wurde seine Stimme förmlich. Er sagte: ‚Eure Mutter und ich, wir verstehen uns nicht mehr, und deshalb ziehe ich aus. Vielleicht komme ich im Sommer zurück.‘ Keiner von uns brachte einen Ton hervor. Vater mußte seine Koffer schon gepackt haben, denn als er uns zu Hause ablieferte, ging er nicht mit hinein. Wir stiegen aus dem Auto aus, blieben auf dem Zufahrtsweg stehen und heulten, als er wegfuhr“ (Tom).a

TOMS Eltern versöhnten sich nie wieder. Aber damals konnte er das unmöglich wissen.

Randys Eltern hingegen trennten sich so oft, daß er sich nicht mehr erinnern kann, wie viele Male es waren. „Papi ging jedesmal für ein bis zwei Monate weg“, erzählt er. „Dann kam er zurück, und eine Zeitlang war alles besser. Ganz plötzlich war er wieder weg.“

Scheidung hat den traurigen Beigeschmack von etwas Endgültigem. Doch wenn sich deine Eltern nur getrennt haben und du noch nicht weißt, ob sie sich scheiden lassen oder nicht, kann die Ungewißheit äußerst beunruhigend sein. Viele Eltern versöhnen sich wie die von Randy, gehen aber später erneut auseinander. Gemäß dem Buch Divorced Families kommt es bei schätzungsweise 50 Prozent der Trennungen zumindest zu einer zeitweiligen Versöhnung. Die Scheidungsforscherinnen Judith Wallerstein und Sandra Blakeslee erklären allerdings: „Einer Scheidung gehen oft mehrere Trennungen voraus, von denen jede endgültig zu sein scheint, es dann aber doch nicht ist. Das kann die Kinder durcheinanderbringen und bewirken, daß sie eine Versöhnung herbeisehnen.“

Die Worte „Vielleicht komme ich zurück“ klingen verheißungsvoll. Es hängen jedoch quälende Fragen in der Luft: „Werden sich meine Eltern scheiden lassen? Wie kann ich mit dem Gefühl, hin und her gerissen zu sein, fertig werden?“

Das Schiff durch den Sturm steuern

Zunächst bist du wahrscheinlich niedergeschlagen, lustlos, unkonzentriert oder zeitweise leicht reizbar. Oder du fühlst dich einfach wie betäubt. All das sind übliche Reaktionen auf eine extreme Situation, wie sie in unserer Zeit nur allzuhäufig auftritt. In Gottes Wort werden Ehepaare zwar aufgefordert, zusammenzubleiben und ihre Probleme zu lösen, in der Welt hingegen hat sich die Einstellung zur Ehe sehr verschlechtert (1. Korinther 7:10-16). Heute hat die Ehe mitunter nur eine „Überlebenschance“ von 50 Prozent. Wie die Bibel vor langer Zeit vorhersagte, hat die „natürliche Zuneigung“, die einst in den Familien das übliche war, in unseren Tagen stark abgenommen (2. Timotheus 3:3).b

Wie kannst du mit der Situation fertig werden? Was du gerade durchmachst, ist mit einem Sturm zu vergleichen. Diese Betrachtungsweise kann dir in zweierlei Hinsicht helfen. Erstens dauert kein Sturm ewig. Deine innerliche Aufgewühltheit wird mit der Zeit abebben, so wie jeder Sturm einmal abklingt. Zweitens kannst du das Schiff durch den Sturm steuern. Du mußt nicht „untergehen“. Aber genauso, wie ein Schiff in einem Sturm durch Klippen gefährdet ist, gibt es klippenähnliche Gefahren, die zu echten Konflikten führen können. Wir wollen einige betrachten.

Falsche Erwartungen

Zu den Gefahren gehört zum Beispiel, daß du dir einredest, deine Eltern müßten wieder zusammengebracht werden. Anne erzählt: „Nachdem sich unsere Eltern getrennt hatten, unternahmen sie dennoch manchmal gemeinsam etwas mit uns. Wir, meine Schwester und ich, flüsterten uns dann zu: ‚Komm, wir rennen ein Stück voraus und lassen die beiden allein.‘ Aber es klappte nicht. Sie zogen nicht wieder zusammen.“

In Sprüche 13:12 heißt es: „Hinausgeschobene Erwartung macht das Herz krank.“ Vergiß nicht, daß du keine Macht über die Handlungsweise deiner Eltern hast. Du hast ihre Trennung nicht verursacht, und sehr wahrscheinlich kannst du auch nicht einschreiten und ihre Ehe kitten. (Siehe Sprüche 26:17.)

Die Gefahr des Hasses

Wut und Haß können tödliche „Klippen“ in diesem Sturm sein. Tom erinnert sich, wie er mit 12 Jahren empfand: „Ich hatte richtig Wut auf meinen Vater. Das Wort ‚Haß‘ möchte ich nicht gebrauchen, aber ich empfand einen schrecklichen Groll gegen ihn. Ich sah nicht ein, daß ihm etwas an uns liegen könnte, wenn er uns doch verließ. Und ich glaube, innerlich sagte ich mir, daß ich ihn jetzt spüren lassen müßte, wie ich über ihn dachte.“

Eine Trennung ist selten eine Entscheidung in gegenseitigem Einvernehmen. Daher ist es natürlich, wenn in deinen Augen ein Elternteil die größere Schuld hat. Es kann sogar sein, daß ein Ehepartner Gottes Gesetz über eheliche Treue verletzt hat (Hebräer 13:4). Wie verhältst du dich nun gegenüber dem Elternteil, der mehr Schuld zu haben scheint? Solltest du ihn hassen oder versuchen, den anderen zu rächen?

Zunächst mußt du bedenken, daß man bei einer Trennung kaum den einen Elternteil nur als „schlecht“ und den anderen nur als „gut“ bezeichnen kann. Deine Eltern haben dir höchstwahrscheinlich nicht alles über ihre Eheprobleme gesagt; vielleicht verstehen sie sie selbst nicht. Spiele dich also nicht als Richter in einer Situation auf, von der du kein umfassendes Bild hast (Sprüche 18:13). Glücklicherweise ist Gott der Richter in solchen Angelegenheiten. Er hat dich nicht damit beauftragt, deine Eltern zu richten oder zu bestrafen. Und darüber kannst du froh sein. Wer von uns könnte eine solche Verantwortung übernehmen? (Römer 12:19).

Allerdings ist es schwer, gegen die Wut anzukommen; und es ist ganz natürlich, daß du zur Zeit völlig durcheinander bist. Aber Wut und Rachsucht zu nähren kann deine Persönlichkeit allmählich vergiften. Die Bibel sagt: „Ein gelassenes Herz ist das Leben des fleischlichen Organismus.“ Ein gelassenes Herz ist sicher nicht voller Bitterkeit. Kein Wunder, daß die Bibel uns auffordert: „Steh ab vom Zorn, und laß den Grimm“ (Sprüche 14:30; Psalm 37:8). Außerdem ist das biblische Gebot, die Eltern zu ehren, auch dann gültig, wenn sie einen enttäuscht haben (Lukas 18:20).

Deshalb hat Tom daran gearbeitet, seine Wut zu überwinden. Heute meint er: „Es ist leicht, Groll zu hegen und sich zu sagen: ‚Er ist im Unrecht. Ich habe das Recht, ihn zu hassen.‘ Aber dann fragte ich mich, ob das wirklich richtig ist. Und ich sah ein, daß es verkehrt ist. Als Christ darf man keinen Groll hegen.“

Die Aufforderung der Bibel, vom Zorn abzustehen, ist natürlich nicht so zu verstehen, daß du tun sollst, als existiere dein Zorn nicht. Wenn dich die Handlungen deiner Eltern verletzt haben, kannst du versuchen, mit ihnen darüber zu sprechen und ihnen respektvoll deinen Standpunkt zu schildern. (Siehe Sprüche 15:22, 23; 16:21.)

Zwischen zwei Parteien

„Aber wie kann ich mit dem Gefühl, zwischen meinen Eltern hin und her gerissen zu sein, fertig werden?“ fragst du. Das kann eine besonders heimtückische Klippe sein, die du umfahren mußt. Randy erinnert sich: „Wovor es mir am meisten graute, wenn ich meinen Vater besuchte, war, daß mich meine Mutter nachher immer ausfragte. Und sie verdrehte alles zu seinen Ungunsten. Ich sagte: ‚Mutti, was soll das? Laß mich doch in Ruhe!‘ Dann wurde sie sauer und zwang mich, ihre Fragen zu beantworten.“

Mitunter gebrauchen Eltern ihre Kinder, um sich gegenseitig Gehässigkeiten mitzuteilen oder um einander sogar auszuspionieren. Eine Frau wollte herausfinden, wieviel Geld ihr Mann, der von ihr getrennt lebte, hatte. Sie und ihr zehnjähriger Sohn gingen zum Haus des Vaters, brachen ein Fenster auf, und der Junge kletterte hinein, um das Sparbuch seines Vaters zu suchen und darin herumzuschnüffeln. „Wir kriegen ihn!“ sagte der Junge siegesgewiß.

Es ist unfair, wenn dich deine Eltern als Mittel benutzen, dem anderen etwas heimzuzahlen. Vergiß aber nicht, daß die Gefühle deiner Eltern stark aufgewühlt sind. Sei daher so geduldig wie möglich mit ihnen. Sprich mit ihnen. Du kannst sinngemäß sagen: „Ich habe euch alle beide lieb. Gebraucht mich bitte nicht, um euch gegenseitig zu verletzen.“ Das heißt nicht, daß du nicht kooperativ sein sollst, indem du dich weigern würdest, jegliche Mitteilung von dem einen an den anderen weiterzuleiten. Aber wenn deine Eltern rachsüchtig werden, ist es das beste, dich herauszuhalten (Sprüche 26:17).

Außerdem wäre es heuchlerisch, die Eltern gegeneinander auszuspielen, um dir einen Vorteil zu verschaffen, indem du zum Beispiel sagst: „Ich möchte bei Mutti leben. Sie läßt mich immer machen, was ich will.“ Nach der Trennung haben die Eltern vielleicht Schuldgefühle wegen der Belastungen, denen sie ihre Kinder ausgesetzt haben, und hängen stark an ihnen. Jugendliche, die sich der Macht bewußt sind, die sie dadurch über ihre Eltern haben, können versucht sein, das auszunutzen. Aber sicher willst du deine Eltern nicht erpressen.

Einen Sturm zu überleben schließt allerdings mehr ein, als sich nur vor Klippen in acht zu nehmen. In einem späteren Artikel werden positive Schritte besprochen, die dir helfen können, mit der Situation fertig zu werden.

[Fußnoten]

a Einige Namen wurden geändert.

b In bezug auf die Ursachen ehelicher Zerrüttung siehe den Artikel „Warum haben sich meine Eltern getrennt?“ in der Erwachet!-Ausgabe vom 22. Oktober 1987. Siehe auch die Artikel „Junge Leute fragen sich“ in den Ausgaben vom 22. Dezember 1987 und vom 22. Mai 1988.

[Herausgestellter Text auf Seite 11]

Was du gerade durchmachst, ist mit einem Sturm zu vergleichen. Diese Betrachtungsweise kann dir helfen, die Krise zu überstehen, denn kein Sturm dauert ewig.

[Herausgestellter Text auf Seite 12]

Es ist schwer, gegen die Wut anzukommen; und es ist ganz natürlich, daß du zur Zeit völlig durcheinander bist. Aber Wut und Rachsucht zu nähren kann deine Persönlichkeit allmählich vergiften.

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