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  • Der Mann aus dem Eis — seine Welt, sein Intellekt
  • Erwachet! 1995
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Erwachet! 1995
g95 8. 5. S. 8-9

Der Mann aus dem Eis — seine Welt, sein Intellekt

KOMMEN wir auf Ötzi zurück. War er unzivilisiert und dumm, oder fehlte es ihm an ästhetischem Empfinden? Was verraten seine Gerätschaften, seine Waffen und seine Kleidungsstücke über ihn?

Die Waffen machen deutlich, daß Ötzi gründliche ballistische Kenntnisse hatte. Die zwei brauchbaren Pfeile weisen am unteren Schaftteil die typische Befiederung auf. Die Federn wurden schräg angeklebt, so daß der Pfeil einen Drall bekam und bis zu einer Schußweite von etwa 30 Metern eine hohe Trefferquote erzielte. Ötzis Lederbekleidung (verschiedene Tierhäute) sagt etwas über den Modegeschmack der damaligen Zeit aus. Heute soll ein Kleidungsstück nicht nur dem Zweck der Bedeckung dienen, sondern es muß auch gewissen geschmacklichen Anforderungen entsprechen. Wie war es zu Ötzis Zeiten? Die Zeitschrift Time schrieb über die Funde: „Das Gewand wurde kunstvoll mit Fäden und Garnen aus tierischen Sehnenfasern oder aus pflanzlichem Material im Überwendlingsstich genäht, was es wie Mosaikarbeit aussehen ließ.“ Wie es in dem Buch Der Mann im Eis heißt, ließen sowohl die Verwendung einzelner Stücke als auch die sorgfältige Verarbeitung die Bekleidung wie Patchwork aussehen. Über dem Gewand trug der Mann aus dem Eis „einen aus Gras geflochtenen Umhang, der bestens vor Kälte schützte und bei einer Ruhepause als isolierende ‚Matte‘ dienen konnte“ (Focus, italienische Ausgabe).

Auch „ein erstaunliches Maß an Extravaganz“ in seiner Ausrüstung sei aufgefallen, schrieb die Time. Zu dem Dolch gehörte zum Beispiel eine „von hoher Handfertigkeit zeugende Scheide aus geflochtenem pflanzlichem Material“. Der Mann aus dem Eis lebte also offensichtlich in einer Epoche, die sich, wie Giovanni Maria Pace in seinem Buch Gli italiani dell’Età della pietra (Italiener in der Steinzeit) schrieb, durch „Schaffensdrang und eine hohe Kultur auszeichnete“.

Zu erwähnen wären noch die Pilze, die man unweit von Ötzi fand. Sie könnten dem Feuermachen gedient haben, doch nach Ansicht von Experten ist es wahrscheinlicher, daß der Mann aus dem Eis sie wegen ihrer antibiotischen und heilenden Eigenschaften bei sich trug, sie also eine Art „Verbandskasten“ waren.

Schönheitssinn, Intellekt, therapeutische Kenntnisse sowie Kenntnisse in der Metallverarbeitung, Landwirtschaft und Kunst — all das zeigt, daß die Zeitgenossen des Mannes aus dem Eis auf den verschiedensten Gebieten Wissen und Fähigkeiten besaßen, was dem Bild widerspricht, das oft von ihnen vermittelt wird. Der britische Archäologe Dr. Lawrence Barfield sagte: „Heute besitzen die wenigsten das Können, über das die meisten Menschen im vierten Jahrtausend [v. u. Z.] verfügten.“ Der ausgesuchte Geschmack der Menschen dieser Periode wird zum Beispiel an den kunstvollen Darstellungen und den Artefakten aus Metall und Keramik deutlich, die man in Gräbern fand.

Das religiöse Klima

„Soweit Gelehrte feststellen konnten, hat niemals und nirgendwo ein Volk existiert, das nicht in einem gewissen Sinne religiös war“, heißt es in der New Encyclopædia Britannica. Das Dizionario delle religioni (Lexikon der Religionen) spricht über die herausragende Rolle, die die Religion in alter Zeit spielte. Es heißt: „Für religiöse Zwecke setzte man unverhältnismäßig mehr Mittel und mehr Kraft ein als für Dinge des täglichen Lebens.“

Zu Ötzis Zeit waren offensichtlich starke religiöse Empfindungen vorherrschend. Vielerorts sind alte Gräber entdeckt worden, die bezeugen, wie viele unterschiedliche Bestattungssitten es gab und was für ein Aufwand damit verbunden war. Man fand auch Dutzende von Tonfiguren, die Gottheiten alter Pantheons darstellen.

Die frühe Menschheitsgeschichte und die Bibel

Die Kulturen, mit denen uns die Völkerkunde bekannt gemacht hat, waren ziemlich komplex. Dabei gewinnt man keineswegs den Eindruck, daß es sich um primitive Kulturen gehandelt hat, in denen sich die Menschen neben unzähligen anderen Schwierigkeiten abmühten, eine voll entwickelte Gesellschaftsform zu erreichen, und dabei doch nur unmerklich Fortschritte erzielten. Nach Ansicht von Historikern waren die Gemeinschaften zwar unterschiedlich groß, aber vollentwickelt.

Das ist für jeden, der ein Studium der Bibel betreibt, von Bedeutung. Das erste Buch Mose zeigt, daß es schon früh in der Menschheitsgeschichte — insbesondere, als die Menschen ‘über die ganze Erdoberfläche zerstreut waren’ — komplexe und durchstrukturierte Kulturen gab, die sich aus Menschen mit intellektuellen Fähigkeiten zusammensetzten (1. Mose 11:8, 9).

Die Bibel bestätigt, daß die Menschen selbst in der frühesten Geschichte technisches Wissen und künstlerische Fähigkeiten besaßen, unter anderem spricht sie vom Schmieden „von jeder Art von Kupfer- und Eisenwerkzeugen“ (1. Mose 4:20-22). Laut dem Bericht der Bibel hat der Mensch schon immer das Bedürfnis gehabt, ein göttliches Wesen anzubeten (1. Mose 4:3, 4; 5:21-24; 6:8, 9; 8:20; Hebräer 11:27). Obwohl seine Religiosität im Laufe der Zeit abgenommen hat, bleibt er „unrettbar religiös“ (The New Encyclopædia Britannica).

Auf der Suche nach den Anfängen

Auch wenn die Archäologie nicht alle Fragen beantworten kann, die mit dem Fund von Ötzi auftauchten, hat sie uns doch zumindest einen Einblick in seine Welt gewährt — eine komplexe Welt, die sich in vielem von der gängigen Meinung, die man sich über die sogenannte Prähistorie gebildet hat, unterscheidet. Ötzis Welt war weit moderner, als viele annehmen.

Abschließend läßt sich sagen, daß, abgesehen von den Fakten, die sich von der Ausrüstung und dem Aussehen des Mannes aus dem Eis ableiten, „praktisch alles andere über ihn teils Geheimnis, teils Spekulation bleibt“ (National Geographic). Inzwischen liegt Ötzi in einer Kühlzelle in Innsbruck, und über 140 Experten verschiedenster Disziplinen bemühen sich, der Mumie, die aus der Kälte kam, weitere Geheimnisse zu entlocken.

[Bild auf Seite 8]

In Innsbruck untersuchen Gerichtsmediziner den Leichnam des Mannes aus dem Eis

[Bildnachweis]

Foto: Archiv Österreichischer Alpenverein/Innsbruck, S.N.S. Pressebild GmbH

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